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Verbale und zeichnerische Kreativität

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Verbaler und Zeichnerischer Kreativität? Testung mittels ABC-Test

Diplomarbeit 2002 83 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Teil A: Theorie der Verbalen und Zeichnerischen Kreativität
1. Abschnitt: Bisherige Definitionen im Rahmen der Psychologischen Methodenlehre
1.1. Augenscheindefinition ("face definition")
1.2. Praxisbezogene und differentialpsychologische Definition der Kreativität
1.3. Entstehung von Kreativität
2. Abschnitt: ABC-Testing
1. Sieben Kreativitätstypen nach Roth (1998)
1.1. Biologische Aspekte zu den drei Roth schen Faktoren
1.2. Kreativitätsdefinitionen im Rahmen des ABC-Testings (neurokognitiver Ansatz)
2.1. Von der Kreiiertheit bis zur ausgeprägten Kreativität
2.2. Der weitgefaßte Begriff der Kreativität
2.3. Der enger gefaßte Begriff der Kreativität
2.4. Der Prozeß der Kreativität: Integration und Adaption
2.4.1. Die Entstehung des Kresativitätsprozesses in einzelnen Schritten
2.4.2. Darstellung der Informationsverarbeitung im Kreativitätsprozeß
2.4.2.1. Der kreative Impuls
2.4.2.2. Die sukzessive Generierung kreativer Impulse
2.4.3. Die kreative Handlung
3. Theoretische Analyse der kreativen Handlung und neurokognitive Interpretation der Handlungsintention
3.1. Die Handlung
3.2. Das Gedächtnis
3.3. Neuronale Netze und das Gedächtnis
3.4. Initiieren von Handlung
3.4.1. Indikatoren zur Messung von Handlungsinitiierung
3.4.2. Einfache Reaktionen: Donders, Anson, Klemmer
3.4.3. Komplexe Reaktionen: Henry, Heuer, Prinz
3.5. Handlungsintention und Bereitschaftspotential einer Handlung
3.6. Kybernetischer Exkurs: Durch Interaktion motivierte Handlungsintention
3.7. onthologisch kausal motivierte (interaktionskomplementäre) Handlungsintention
4. Verbale und Zeichnerische Kreativität
5. Zeichnerische Kreativität
a. Allgemeine Beschreibung aufgrund des aktuellen Forschungsstands
b. Zeichentests
6. Verbale Kreativität
a. Sprachzentrum
b. Sprache
c. Zeichensprache
d. Hochbegabung

B: Empirischer Teil
1. Der ABC-Test
1.1.Validität
1.2. Inhaltliche Untersuchungshypothesen
1.3. Versuchspläne
1.4. Das Versuchsdesign
1.4.1. Das Meßinstument
1.4.2. Die Variablen
a. Die Variablen des Verbalen Kreativitäts-Testteils
b. Die Variablen des Zeichnerischen Kreativitäts-Testteils
c. Die Respondentenquote
1.4.3. Die Stichprobe
1.5. Gütekriterien für den Test
1.5.1. Objektivität
1.5.2. Skalierung - Umrechnung in Punkten
1.5.3. Ökonomie des Tests
1.5.4. Nützlichkeit des Tests
1.5.5. Anwendbarkeit des Tests
2. Die Test-Aufgaben
2.1. Deskriptive Übersicht der erhobenen Daten
2.2. Überblick über die Variablen
2.3. Durchführung des Testings
2.3.1. 1.Voruntersuchung des 28 VZ-Kreativitätstests mit 8 Vpn
2.3.2. 2.Voruntersuchung mit 16 Vpn
2.3.3. 3.Hauptuntersuchung mit 30 Vpn

Nachwort

Autorenverzeichnis

Abkürungsverzeichnis

Anhang

A: Theorie der Verbalen und Zeichnerischen Kreativität

I: Bisherige Definitionen im Rahmen der

Psychologischen Methodenlehre

1. Augenscheindefinition ("face definition")

Kreativität ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die sich in Form von kreativen Fähigkeiten oder kreativer Begabung während eines Handlungsprozesses untersuchen läßt.

2. Praxisbezogene und differentialpsychologische Definition der Kreativität

Definiert wird Kreativität als

"Fähigkeit des Menschen zu schöpferischem Denken und Tun".[1]

Wichtig sind nach Gittler/Arendasy (2001) :

"Originalitätsgrad (0)

(...) auch problemadäquat, d.h. angepasst an das Problem (A), ..."[2]

Mit "problemadäquat" meint man, eine bezogen auf das aufgeworfene Problem völlig korrekte Antwort zu geben. Gittler/ Arendasy (2001) geben ein Beispiel, bei dem die Frage nur teilweise richtig beantwortet, also das Problem nicht adäquat gelöst wird und man somit nicht von einer kreativen Lösung sprechen kann:

" Auf die Frage, Dinge zu nennen, die weiß und eßbar sind, mit "Eierschalen " zu antworten, ist zweifellos eine originelle Antwort -problemangepaßt, problemadäquat ist sie jedoch nicht."

3. Entstehung von Kreativität:

a. durch kognitive Prozesse

Es gibt die divergente Kreativitätsproduktion mit möglichst vielen Lösungen und die konvergente Kreativitätsproduktion mit nur einer richtigen Lösung. Auf die divergente Produktion im Rahmen der kognitiven Operation aus Guilfords Structure-Of-Intellect Theorie aufbauend, gilt das folgende Schema[3] zum Thema Problemlösen nach Krause (1977) und Facaoaru (1985):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b. aufgrund von 8 Kriterien nach Guilford (1971; zitiert aus: Roth, 1998)[4]:

1. Problemsensivität (Probleme erkennen zu können)
2. Flüssigkeit (in der Ideenproduktion)
3. Flexibilität (Wendigkeit des Denkens)
4. Originalität (ungewöhnliche Lösungsansätze)
5. Analysierfähigkeit
6. Synthetisierfähigkeit (zeigt sich im Konstruieren und Entdecken)
7. Umgestaltungsfähigkeit (Aktivwerden nach entstandenen Assoziationen)
8. Penetration (Konsequenz einen kreativen Prozeß zum Abschluß zu bringen)

(Die Klammer-Ausdrücke sind Anmerkungen des Autors)

Die letzten 4 Faktoren wurden von Guilford auch als

5. und 6.: Elaboration (sorgfältige Planung bestimmter Vorhaben)

7. und 8.: Neudefinition (Betrachtung unter einem völlig neuen und ungewöhnlichem Gesichtspunkt) gesehen.

c. durch individuell ausgeprägte Faktoren der Kreativität nach Urban (1995; zitiert nach Roth, 1998):

- Divergentes Denken und Handeln (=Elaboration, Originalität, entfernte Assoziationen, Umstrukturierung und Redefinition, Flexibilität, Flüssigkeit, Problemsensivität)
- Allgemeine Wissens- und Denkfähigkeits-Basis
- Spezifische Wissensbasis und spezifische Fertigkeiten -Offenheit und Ambiguitätstoleranz -
- Motive und Motivation
- Fokusierung und Anstrengungsbereitschaft

Wie diese Faktoren der Kreativität zusammenwirken, beschreibt Urban so:

- Fähigkeit ein neues Produkt als Lösung eines sensitiv wahrgenommenen Problems zu schaffen
- Problemlösung aufgrund gezielt gesuchter und verarbeiteter wahrgenommener Information
- analytische und erfahrungskonforme Umstrukturierung dieser Information
- zu einer neu gestalteten Lösung
- die elaboriert wird
- und durch Mitteilung erfaßbar gemacht wird nach Vera F. Birkenbihl (2002):

"Alles, was wir jemals gelernt haben, ist Teil unseres metaphorischen Wissens-Netzes. Jede Wissenseinheit stellt quasi einen Faden dar, der mit zahlreichen anderen vernetzt ist. Natürlich gibt es in diesem Wissens-Netz auch Löcher, also Stellen mit weniger Wissens-Fäden. (...) Um herauszufinden, welche Fäden miteinander in Verbindung stehen, brauchen wir nur unsere eigenen Assoziationen zu verfolgen. Dabei sollten wir uns vor Augen halten: Unser Erziehungs-System hat uns in der Regel nicht beigebracht, wie wir unsere eigenen Assoziationen registrieren können. Dies aber ist die Grundlage für differenziertes Denken. (...) Die Anzahl der Assoziationen, die uns zu irgendetwas einfallen, hängt immer von unserem (derzeitigen) Wissens-Netz ab. Sie aber bestimmt die Menge unserer Reaktionen, die unsere Umwelt als "intelligent" oder besonders "kreativ" wahrnimmt."

[ In unserer Untersuchung haben wir uns letzterem zugewandt.]

Die kreativen Reaktionen entstehen aufgrund früher als Reize in getrennten corticalen Arealen eingegangenen und als "Repräsentationen" gespeicherten Wahrnehmungsaspekten, die zu dem Wissens-Netz zusammengebunden werden (siehe

e. in Form von Einfallskraft und Gestaltungsvermögen

nach Eva Schmidt-Henrich(1997)[5]:

Sie hat Einfallskraft[6] und Gestaltungsvermögen untersucht. Statt Einfallskraft haben wir den Begriff Neuproduktion verwendet. Beides ist unserer Ansicht nach weniger in der Entstehung der Kreativität als vielmehr im Prozeß der Kreativität in der nächsten Definition (2.3.1.) der Kreativität zusammengefaßt.

Weitere Theorien über die Kreativität[7] alphabethisch geordnet:

- Adams (1976b; nach: Solso, 1998): In kulturbedingten Unterschieden der Kreativität ist nicht immer die Denkflüssigkeit unterschiedlich, sondern oft die Denkflexibilität.

- Barron (1965; zitiert nach Amalang u. Bartusek, 1996):

"Fähigkeit etwas Neues zu schaffen"

- Csikszentmihalyi (1997; S.17) und Zimbardo (1992):

1. Bedeutung des Wertes
2. abhängig von der Kultur

- Drevdahl (1956; zitiert nach Amelang u. Bartusek,1990):

1. Fähigkeit, neue Denkergebnisse vorzubringen
2. Zielgerichtete und nützliche Ideen zu entwickeln
3. Mittels bemannten und neuen Informationen neue Zusammenhänge zu finden

- Mednick (1967; nach: Solso, 1998): Kreativität ist Ideen zu haben zw. scheinbar unzusammenhängenden Sachverhalten: Remote Associates (RAT)
- Posner (1973; nach: Solso, 1998): Kreativität schließt das "unbewußte Arbeiten an einem Problem" mit ein.
- Sternberg (1996; S.677):

"Fähigkeit Werke zu schaffen, die originell und brauchbar sind"

- Sternberg & Lubart (1996; Lubart, 1994); nach: Solso, 1998):

"creativity is based on a multivariate approach to a certain topic"

Six approaches: - Processes of intelligence

- Intellectual style
- Knowledge
- Personality
- Motivation
- Environmental Context
- Torrance (1988): "Wissenschaftsdefinition"- Kreativität muß beinhalten:

1. Einen Wahrnehmungsprozeß gerichtet auf Schwierigkeiten, Probleme, Informationslücken, fehlende Elemente, oder etwas Bemerkenswertes
2. Hypothesen zu ihrer Lösung
3. Überprüfung der Hypothesen
4. Gegebenenfalls Revidieren und Neuüberprüfung
5. Mitteilung der Erkenntnisse

- Wallas (1926; nach: Solso, 1998): 4 Phasen - Modell der Kreativität:

1. Vorbereitungsphase: Problemfinden und Problemlösungs-Versuche
2. Inkubationsphase: In-Betrachtziehen anderer Dinge
3. Illuminationsphase: Einblick in das Problem erhalten
4. Verifikationsphase: Die Lösung erproben und/oder anwenden

- Zimbardo (1992; S.449):

"das Auftreten ungewöhnlicher, aber angemessener Reaktionen"

II. ABC Testing - Adaption 350ms Before Consciousness: Der kreative Impuls

Die Testung der momentan Kreativität

1. Ein Forschungsansatz: Sieben Kreativitätstypen nach Roth (1998)

Astrid Roth beschreibt sieben Kreativitätstypen mittels der -sowohl in den Guilford'schen Kriterien zur Entstehung einer kreativen Idee, als auch im Urban 'schem Modell zu Faktoren der Kreativität genannten Faktoren/Kriterien: "Flüssigkeit", "Flexibilität" und "Originalität":

1. Respondent zeichnet mit hoher Flüssigkeit, mittlerer Flexibilität, ein wenig originell
2. Respondent zeichnet mit hoher Flüssigkeit, hoher Flexibilität, ein wenig originell
3. Respondent zeichnet mit hoher Flüssigkeit, hoher Flexibilität, hoch originell
4. Respondent zeichnet mit hoher Flüssigkeit, sehr hoher Flexibilität, sehr hoch originell
5. Respondent zeichnet mit sehr hoher Flüssigkeit, hoher Flexibilität, hoch originell
6. Respondent zeichnet mit sehr hoher Flüssigkeit, hoher Flexibilität, sehr hoch originell
7. Respondent zeichnet mit geringer Flüssigkeit, geringer Flexibilität, hoch originell

1.1. Biologische Aspekte zu den drei Roth "schen Faktoren/Kriterien:

1. "Flexibilität" (zum "zwischen 2 mentalen Zuständen[8] umschalten zu können"; zitiert nach Gittler/Arendasy ;2001) bezüglich der Kreativität wurde durch Hirnmessungen untersucht: Kreative Personen können leichter zwischen dem primärprozeßhaften Denken, charakterisiert durch bildhaftes, assoziatives Denken in Analogien, und dem sekundärprozeßhaften Denken, das ist bewußtes, verbales, logisches, realitätsnahes Denken, umschalten. Diese Hypothese von Kris (1952) wurde durch EEG-Messungen bestätigt.

2. "Flüssigkeit von Ideen" nach Gittler/Arendasy (2001) bezüglich Kreativität wurde durch PGR-Messungen und EEG- Messungen untersucht: Die Verhaltensvariabilität, die Voraussetzung für eine kreative Leistung ist, nimmt bei erhöhten Aktivierungszuständen ab. Diese Hypothese von Hull (1943) wurde durch Martindale (1975,1990) bestätigt.

1. Originalität ("Impulsivität" nach Gittler/Arendasy (2001) - ist oft gekoppelt mit Originalität -tritt oft in Mißachtung gesellschaftlicher Anpassungsnormen, Moral, ...auf) bezüglich der Kreativität: Bei Eysenck ist die Kreativität ein Disinhibitionssyndrom (Enthemmungssyndrom), das mit einer Schwächung der Frontalkortexfunktion und gleichzeitiger relativer Stärkung subkortikaler Aktivitäten einhergeht. Der italienische Arzt Lombroso hatte bestätigt, daß besonders kreative Menschen (Verbrecher, die gesellschaftliche Schranken durchbrechen, oder Genies, die ein oft von der Gesellschaft vertretenes Weltbild in Frage stellen) oft enthemmter agieren, als weniger kreative Menschen.

In wissenschaftlichem Kontext wurde "Kreativität" durch J. P. Guilford in seinen Referaten auf der Konferenz der American Psychological Association 1949 geprägt. Nach Roth (1998) ergaben sich die Anfänge der Kreativitätsforschung aus der damaligen Unzufriedenheit (zur Zeit des sogenannten Sputnik-Schocks; erster Mensch im All durch die Russen!) mit den Ergebnissen aus der Intelligenzforschung.

Um nun die Kreativität (und da besonders die Impulsivität - siehe Punkt 3: Originalität) zu erforschen muß der Begriff zuvor

1. näher definiert,
2. ähnlichen Begriffen gegenüber abgegrenzt und
3. analysiert werden.

Das Verständnis für die Bedeutung des Wortstammes und seiner in der Wortfamilie auftretenden Substantiva und Adjektiva verschiedener Bedeutung möge vorerst dargestellt werden wie folgt:

2. Kreativitätsdefinitionen im Rahmen des ABC-Testings (neurokognitiver Ansatz)

2.1. Von der Kreirtheit bis zur ausgeprägten Kreativität:

Wortstamm: kreat-

In der Wortfamilie: Kreatur

Kreativität

kre-iert

kreativ

Onthologisch zu verstehende Veranschaulichung der Kreativität in einer geschichtlichen Dimension:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die nähere Definition erschließt sich uns von der Bedeutungsfindung des Ursprungs des Wortes her, wie wir sie gerade vollzogen haben, von einem weiten Feld her, was mit Kreativität nun gemeint ist (zurückgehend in den römisch - lateinischen Sprachschatz), bis zu einer engeren Definition, die schon zusehens wissenschaftlich handhabbar wird.

2.2. Der weitgefaßte Begriff der Kreativität

Nach Urban (1995) kommt "Kreativität" ursprünglich aus dem lateinischen "creare" = schaffen, erschaffen.

2.3. Der enger gefaßte Begriff der Kreativität

Der "neuere Begriff" (nach Roth, 1998) ist eine Übertragung des englischen Begriffs "creativity", den J. P. Guilford in seinen Referaten einführte (siehe 1.1.3.).

2.4. Der Prozeß der Kreativität: Integration und Adaption

Ein kognitives Modell für die Entstehung und Exploration der Kreativität ist das "Geneplore Modell" von Finke, Ward und Smith (1992):

1. In der Entstehungsphase der Kreativität werden mentale Repräsentationen des kreativen Produkts (=Prozesse des Erkennens und Wissens, z.B. Klassifizieren und Interpretieren, nach Zimbardo, 1992) erzeugt.

2. In der Explorationsphase wird die Repräsentation modifiziert.[11] Ist die Lösung nicht zufriedenstellend, wird die Entstehungsphase neuerlich durchgangen.

Dieses kognitive Konzept wirft jedoch einige Fragen auf, die sich als Eingehen auf die Verifikationsphase nach Wallas (1926) gestellt verstehen möchten. So ist das Problem der Adaption für Repräsentationen auf Basis der Informationsverarbeitung (die sowohl im psychoanalytischen[12] als auch humanistisch theoretischen[13] Verständnis der Kreativität den Ausdruck derselben mit beinhaltet) ungelöst. Der Informationsgehalt des zur Integration des kreativen Produktes adaptierten Umfelds muß rechnerisch erfaßt werden. Die Adaption geschieht im Informationsverarbeitungsprozeß imlaufe des Informationsflusses, wie ihn Keidel darstellte (siehe 2.3.1.1. gleich unten). Adaption bedeutet: In der Umwelt, an die eine Akkomodation vor Entstehung des kreativen Produktes bereits stattgefunden hatte, einen "Adapter" für das kreative Produkt zu gestalten, also die unmittelbare Umwelt - auf die man sich schon bevor man kreativ wurde eingestellt hat - für seine Kreativität zu adaptieren.

Weitere, innere, feiner strukturierte Prozesse betreffen die Integration als zusätzlichen Gestaltungsaufwand, nämlich die Umwelt mit dem kreativen Produkt (kulturell, gesellschaftlich, epochal) zu gestalten. Als kreativ gilt eine Handlung erst, wenn ihre Gestalt ein quantitativ ausgereiftes Niveau bekommt, d.h. nach Urban erfaßbar gemacht werden kann bzw. nach Torrance als Erkenntnis mitgeteilt werden kann. Das heißt: Mentale Repräsentationen des kreativen Produkts (das Erkannte oder das Bewußtgewordene) können immer so weit weiter modifiziert werden, wie gleichzeitig die Integration stattfindet. Dieses Endstück nach der Exporation ist das entscheidende Bindeglied bei der Entscheidungsfindung, ob weiter repräsentiert und exploriert werden muß. Integration bedeutet: Die Umwelt mit dem kreativen Produkt gestalten.

Damit Integration von statten geht, wird nach der wiederholt unzufriedenstellenden Modifizierung der mentalen Repräsentation des kreativen Produkts die kognitive Umstrukturierung (A. Beck und E. Young) -

Eva Schmidt-Henrich (1997) nennt den Vorgang Vorgefundenes (ein Problem) in Richtungen zu weisen, umzustrukturieren (Köhler, 1921), umzuzentrieren (Wertheimer 1925, 1945, 1964; beide zitiert nach Preiser, 1976), und

"als entscheidender, alles umgreifender Einfall"

(Süllwold, 1954) neu zu gestalten, die Einfallsphase.[14]

- und Rekonstruktion von dysfunktionalen Denkschemata eingesetzt, jedenfalls auch bereits nach einem ersten Versuch der Exploration, die sehr zeitlich eng an der gewünschten Integration an die Umgebung liegt.

Zusammenfassend glauben wir, in dem Punkt der Unzufriedenheit nach der Exploration im Modell von Finke, Ward und Smith (1992) weiter ausführen zu müssen: Jenes Bindeglied zur Zufriedenheit als Abschluß des kreativen Prozesses kann somit die oben genannte kognitive Umstrukturierung bilden, überhaupt dann, wen Zufriedenheit aufgrund der Persönlichkeitsstruktur (Ehrgeiz, etc.) nur schwer zu erlangen ist. Sie wird als kognitives Verfahren in der psychologischen Behandlung beim Klinischen Psychologen eingesetzt und kann im Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, 1040 Wien, Möllwaldplatz 4/4 seit vorigem Jahr in einem Modul 5 erlernt werden.

Die Bedeutung der Integriertheit von Repräsentationen in entsprechenden Schemata wurde bislang als bedingte Komponente der Kreativität nicht genügend festgehalten. Sie findet ebenfalls (siehe oben) im kognitiven Verfahren als Interventionstechnik der psychologischen Therapie breite Anwendung.

Die Integration ist bedingt durch die quantitative Ausgestaltung (beinhaltet Werturteile, diese wieder bedingt durch die Kultur nach Szentmichaili und Zimbardo) der Kreativität gegeben und ist als willkürlich auf das Geneplore Modell folgender Prozeß zu verstehen, der der Animation der Umwelt vorangeht.

2.4.1. Die Entstehung des Kreativitätsprozesses in einzelnen Schritten:

1. unreflektierte Angeregtheit durch das Herkommensmilieu; führt zur Akkomodation der Persönlichkeit bei instabileren und der Motivation bei stabileren Menschen.[15]
2. Automatisch bildet sich dadurch ein Pool der Reflexion.
3. Es kommt zum Generieren eines persönlichen präkreativen[16] Potentials aus den reflektierten Anregungen (bis hierher ist noch eine völlige Umbildung im zeitlichen Entspringen, im Ausmaß an Stärke und /oder an Weitreichbarkeit der späteren Wirkung möglich)
4. Kreative Handlung: Neuschöpfung und Gestaltung (in der Reihenfolge und zeitlichen Dauer wegen gegenseitiger Beeinflussung kaum voneinander separierbar)
5. Adaption an die erwünschte Umgebung
6. Integration in der erwünschten Umgebung
7. Animieren der erwünschten Umgebung

2.4.2. Informationsverarbeitung im Kreativitätsprozeß:

Zu Schritt 1: Von dem Informationsfluß[17] der Größenordnung 10 hoch 9 Bit/Sekunde, der aus der Umwelt den Organismus über die Sinnesorgane erreicht, können maximal nur 10 hoch 2 Bit/Sekunde im Bewußtsein verarbeitet werden (Keidel, 1989).

Zu Schritt 2: Die Gesamtinformation wird also beim Menschen auf den zehnmillionsten Teil selektiert (Keidel, s.o.).

Zu Schritt 3: Der Rest wird durch Feedbacksysteme gedrosselt (und im Unterbewußtsein gespeichert und verarbeitet) (K.,s.o.).

Zu Schritt 4: Eine Anmerkung im Buch von Keidel als Erläuterung seiner Abbildung 95 fehlt hierzu.

Zu Schritt 5, Schritt 6 und Schritt 7: An die Umwelt werden 10 hoch 7 Bit/Sekunde über Sprache, Allgemeinmotorik und Mimik abgegeben, und zwar unter Zufluß gespeicherter Programme (K., s.o.). Auf die Zugehörigkeit an nervöser Substanz, wie Keidel es nennt, möchten wir hier aus Platzgründen nicht näher eingehen.

2.4.2.1 Der kreative Impuls

Bezüglich Schritt 4 soll ergänzt werden, daß die kreative Handlung kreative Impulse benötigt, von denen die Information ebenfalls gemessen werden kann. Wie kann man kognitionspsychologisch das Zustandekommen solcher kreativer Impulse erklären ?

1. Dieter Frey und Martin Irle (1983) erklären die konzeptgesteuerte Informationsverarbeitung; das Funktionieren von Schemata. Hier sei nur knapp auf das Wesentliche eingegangen: Zum Denken, das hier als Informationsverarbeitung definiert wird, braucht man Schemata. Das Denken als Schemaidentifikation ist

datengesteuerte Informationsverarbeitung. Die Identifikation des angemessenen Schemas ist nicht immer einfach. Es besteht häufig Unklarheit, welches von mehreren Schemata angemessen ist. In diesem Fall wird meist das erste anwendbare Schema benützt, das der Person einfällt. D.h. Personen prüfen nicht alle in ihrem Gedächtnis vorhandenen Schemata auf Brauchbarkeit, sondern brechen die Informationssuche ab, sobald sie eines von mehreren Schemata identifiziert haben - eines (z.B. ein Restaurantschema) das zu den Objekten (Kellner) in einem Geschehnis paßt (Wyer, 1980). Die Objekte sind Variablen (Kellner). Sie sind im Schema austauschbar. Fehlt eine, so spricht man von einer Leerstelle oder einem "slot". Entsprechend ihres Auftretens (Kellner) im Verlauf eines Erkennungsprozesses wird das passende Schema (daß es sich um ein Restaurant handelt) gefunden.

Interessant ist, daß das Schema später die Rekonstruktion schemakonsistenter
Information erlaubt. In einer Untersuchung der oben genannten Autoren wurden
Personen aufgefordert, sich dargebotene Information über eine Person gut zu merken
(memory set) oder sich einen Eindruck von der Person zu bilden (impression set). Die
Aufgabe, sich einen Eindruck zu bilden, verlangt die Identifikation eines geeigneten
Personenschemas, das die Integration der dargebotenen Information ermöglicht.
Personen, die sich einen Eindruck bilden sollten, erinnerten später mehr Information
über die Stimulusperson als Personen, die sich möglichst viel merken sollten.
Allerdings begünstigt die Identifikation eines geeigneten Personenschemas nur die
Erinnerung von Information, die mit dem Schema konsistent ist.

"Momentane Kreativität" und ihre Wechselwirkung mit den Gefühlen:

Ist einmal ein Impression Set gebildet und wird später die Information erinnert, die mit

dem Schema inkonsistent ist, so entsteht ein "intrusion error" (Snyder und Uranowitz, 1978), es wir gemäß der Persönlichkeitseigenschaften der Person fehlerhaft erinnert, oder es bildet sich in der nach Nichtannehmen des Fehlers neu entstandenen Leerstelle impulsiv der kreative Prozeß. Die gewünschte an den Ort der Leerstelle passenden Information wird nicht in im Gedächtnis gespeicherten Schemata gefunden, und es entsteht die "momentane Kreativität". Sie ist die einzig meßbare Kreativität:

Kr = I[18] / Ko

Kr ... meßbare Kreativität ("momentane Kreativität")

I ... Interessensvielfalt (wie viele eingehende Chacen angenommen werden)

Ko ... kognitive Aktivität

Es tritt eine Wechselwirkung mit Gefühlen auf. Dadurch spürt die Person manchmal einen "Geistesblitz" und spricht von Inspiration - Einwirkungen von Gott ("spirit")[19], (siehe geistliche Betrachtung in: Sukzessive Generierung kreativer Impulse).

Die "momentane Kreativität" kann inform von PET[20] - Bildern von den aktiv arbeitenden Regionen des Gehirns während der Testung neuroanatomisch festgestellt werden.

2. Jede Lösung einer ganz spezifischen Augabe hat eine lokal am menschlichen Hirn feststellbare Herkunftsadresse.[21] Dort entsteht die Lösung bereits ab mindestens 350 ms vor der bewußten Intention (Libet, 1985) zur ersten für das fertige kreative Produkt nötigen Handlung.

"Latente Kreativität" und ihre Wechselwirkung mit dem Wille:

Eine Ausformung des "präkreativen Potentials" (als Einleitung der kreativen Impulse befinden wir uns hier bei Schritt 3) oder der in Form von Kreativitätstests meßbaren "momentanen Kreativität"(Schritt 4) bildet sich infolge einer weiteren Wechselwirkung, nämlich mit dem Wille (statische Energie, sie bedingt den Hirnstrom) und der daraus resultierenden Handlung (kinetische Energie, sie bedingt Muskelaktivität). Die "latente Kreativität" ist nicht meßbar und ist in den seltensten Fällen bei Wille und daraus resultierender Handlung in besonderer Quantität vorhanden. Ist dies dennoch der Fall, kann sie auf verschiedenartige Weise ausgedrückt werden, worauf hier aus Platzgründen nicht eingegangen werden kann. Sie ist nicht meßbar. Allein die Auswirkungen ihres Vorhandenseins sind in ihrem Ausdruck meßbar und wurden in der Psychiatrie, Karrieristik, Missionistik, Kriminologie, etc. mit verschiedenen Benennungen, entsprechend der Art der Auswirkung, belegt. Die "latente Kreativität" ist die dahinterliegende Dimension und hat ihr ontologisches Pendant in der Sinnfindung.

Die "latente Kreativität" kann nicht neuroanatomisch festgestellt werden, weil alle potentiellen Möglichkeiten der Gehirnaktivität für eine ganz spezifische Aufgabe nicht errechnet werden können.

2.4.2.2. Die sukzessive Generierung kreativer Impulse

Neuropsychologische Betrachtung (nach Keidel, 1989): Die über Divergenz-Konvergenz-Schaltungen erreichte Hörrinde (als Beispiel; Anm. d. A.) besitzt 10 hoch 7 Ganglienzellen, also 10 hoch 4 mal mehr Einzelelemente (als die von den 3 mal 10 hoch 4 Receptoren wegführenden 18 mal 10 hoch 3 Einzelfasern des Gehörnerven). Auf der motorischen Seite sind flexible Programme, etwa für die Sprachlaute (Broca Zentrum) und die Gesamtmotorik, im extrapyramidalen System gespeichert. Dazu kommen die genetisch angelegten starren Programme, auch des Rückenmarks, die über die "gemeinsame Endstrecke" über verhältnismäßig wenig Fasern die Skelettmuskulatur erreichen.

Geistliche Betrachtung:

Aktion vom Geist zur Seele:

Spirit-Pneuma-Psyche-Anima. Dazu eine Erklärung: Als im Hebräischen jeder Mensch als mit göttlichem Odem ausgestattet verstanden wurde, verstand man den Mensch nicht als Körper-Geist-Seele. Der Odem war die Geistseele, das Innere. Im Griechischen nannte man das Innere, das Lebengebende, "pneuma". Die lateinische Übersetzung verließ den mechanischen, funktionellen Ansatz, der in der Verwendung dieses Wortes in der modernen Physik sehr deutlich ist, und betonte den lebengebenden, das Funktionieren bewirkenden Ansatz zur Erklärung des Begriffs "Geist" mit ihrem Wort "spirit". Und die Funktion des Geistes in der Umwelt stellte praktisch die "anima" dar. Der Grieche bezeichnete diese Funktion auch mit "Psyche" und meinte damit eher das innere Funktionieren mit der Umwelt, während die "anima" eher das äußerlich Spürbare darstellt.

- Infolge des Willens, der in Schritt 4 hinzu kommt, falls aufgrund von Wirkung der "momentanen Kreativität" und Gefühlen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften den Informationsfluß zur Initiierung einer Handlung noch nicht ermöglichen, kommt es zu weiterreichender Ausformung der Kreativität. Dies also, sobald sich aufgrund der tiefenpsychologisch kindheitsgeschichtlich erklärbaren Persönlichkeitseigenschaften Ungeduld, Hang zu zweifeln, usw. ein Wille gebildet hat, die Leerstelle mit einer Handlung gewissermaßen zu füllen. Diese für "latente Kreativität" voraussetzende Persönlichkeitsdisposition äußert sich im Gefühl gewisser Unbefriedigtheit. Ist ein Wille da, wird eine komplizierte Handlungasabfolge intendiert. Zur Ausführung der "latenten Kreativität" ist somit ein längerer Handlungsablauf von nöten. 350 - 400 ms (Libet 1985) bevor die Handlung einsetzt, zeigt sich das Bereitschaftspotential für eine "momentan kreative" Handlung. Sie ist gleichzeitig Beginn des Handlungsablaufs, während dessen dann auch die "unbewußten Arbeiten an einem Problem"[22] (Posner 1973; zit. Nach Solso 1998), Produkte der "Latenten Kreativität", inform von aufeinanderfolgenden Produkten "momentaner Kreativität" bewußt werden.

2.4.3. Die kreative Handlung

Die kreative Handlung wird nur in Kapitel 2.4.1.2. genannt, wo sie als Punkt 4 aufgezeichnet ist. Sie ist Bestandteil des kreativen Prozesses.

3. Theoretische Analyse der kreativen Handlung und neurokognitive Interpretation der Handlungsintention

3.1. Die Handlung

Initiieren und Steuern von Handlung

Der kognitive Ansatz für das Initiieren und Steuern von Handlungen kommt vom alltäglichen intentionellen Tun. Immer liegen die Fähigkeiten des bewußten Verstehens und Planens der menschlichen Intelligenz ( ... ), und somit auch der humanen Kognition[23] zugrunde. Will man eine neuropsychologisch erfaßbare hardware erfassen, die für das Planen notwendig ist, stößt man auf den Ausgangspunkt Gedächtnis.

3.2.Das Gedächtnis:

Das Kurzzeitgedächtnis speichert Inhalte durch elektrische und chemische Veränderungen während der Signalübertragung vom Axon eines Neurons an einen Dendriten, Dendritenzweig, oder einen Zellkörper eines synaptisch angeschlossenen weiteren Neurons. Dieser Mechanismus arbeitet, sobald im Axon des einen Neurons eine bestimmte Kombination bis zu einem gewissen Auslösewert ansteigender elektrischer Impulse abhängig von Anzahl und Typ der im Dendrit, Dendritenzweig, oder Zellkörper des anderen Neurons befindlichen chemischen Rezeptoren.

Die Summe der elektrischen und chemischen Veränderungen von Synapsen ergibt sogenannte „eintreffende Muster“, die im Vergleich mit den früher schon aufgetretenen Mustern und der von ihnen ausgelösten Strukturveränderungen in den Neuronen (Lawrence, 1992) im Zuge der Übertragung ins Langzeitgedächtnis erkannt bzw. neu wahrgenommen werden.

Das Langzeitgedächtnis funktioniert aufgrund einer durch ein wiederholtes elektrisches Impulsmuster hervorgerufenen Veränderung der Struktur eines Neurons durch Umverteilung der Protein-Rezeptormoleküle zwischen seinen Synapsen. Diese „long-term potentiation“ (LTP) ist verantwortlich für eine „Festigung der Synapsenveränderung“. Der in die USA emmigrierte Wiener Eric Kandel, Medizin-Nobelpreisträger und Neurobiologe, glaubt durch spezielle Aktivierung eines „CREB“ Proteins das Programm dieser Festigungen als Basis des Langzeitgedächtnisses in Zukunft dechiffrieren zu können. (Roland Schönbauer: Gedächtnisverlängerer In: Der Standard, 8.3.2002.)

3.3. Neuronale Netze und das Gedächtnis:

Das Wissen eines Neurons ist auf die Querverbindungen der Neuronen verteilt und nicht etwa im einzelnen Neuron als Intelligenz-Bit gespeichert, wie früher einmal angenommen wurde. Solche Querverbindungen sind erregend oder hemmend.

Ein in einer Eingangsschicht, einer verborgenen Schicht und einer Ausgangsschicht gedachtes neuronales Netz kann in einer der Schichten – üblicherweise der Ausgangsschicht – hemmende Verbindungen von einem Neuron zu allen übrigen Neuronen aufweisen (=“laterale Hemmung“), sodaß zu einem Zeitpunkt nur dieses eine Neuron die Erregung weiterleitet, also die Anzahl der erregungsleitenden Neuronen durch die Schichten hindurch minimiert wird.

Umgekehrt können aber durch Rückkoppelung von einem Neuron der Ausgangsschicht die Neuronen der vorherliegenden Schicht oder bis hin zu denen der Eingangsschicht einen Signalwert (hemmend bis erregend) übermittelt bekommen.

Jedes Neuron hat einen bestimmten Aktivierungswert, der zur Erregungsweiterleitung erreicht werden muß. Dieser errechnet sich aus allen Eingangssignalen und den Stärken aller Eingangsverbindungen („Gewichtung“); zur weiteren Erregung oder Hemmung kann der vorherige Aktivitätszustand des Neurons hinzukommen, bevor der angestrebte Aktivitätswert erreicht wird, und zwar manchmal zusätzlich unter Berücksichtigung eines Zufallsfaktors („stochastische Aktivierungsfunktion“). Diese Aktivierung erhält ihren weiterleitbaren Erregungs-/Hemmungswert erst im Zusammenhang mit der individuellen Neuronen – eigenen Übertragungsfunktion, die eine lineare Schwellenwertfunktion, Stufen-Übertragungsfunktion, sigmoide Übertragungsfunktion oder Gaußsche Übertragungsfunktion sein kann. Sie ergeben gebundene und diskrete letztendliche Aktivierungswerte, es gibt aber auch kontinuierliche. Eine Erläuterung führt hier zuweit.

Ein diskret arbeitendes Neuron kann nur Werte aus einer vorgegebenen Zustandsmenge annehmen. Ein kontinuierlich arbeitendes Neuron kann jeden beliebigen Wert in einem bestimmten Bereich annehmen.

Die Operation eines Neurons wird durch das Zusammenpassen zwischen dem Muster einlangender Signale und der Stärke der Eingangsverbindungen bestimmt.[24] In den 60er Jahren fand Donald O. Hebb heraus, daß Paare von Neuronen, die gleichzeitig aktiviert werden, durch Veränderung der synaptischen Festigung stärker aneinander gebunden werden. Bei Erwachsenen können die Festigungsstärken zwischen den Neuronen durch die wechselnde chemische Zusammensetzung der Synapse geändert werden. (Das betrifft mehr das Kurzzeitgedächtnis, weniger das Langzeitgedächtnis.) Strukturveränderungen hingegen erscheinen beim Menschen in einem früheren Lebensalter. (Dies betrifft mehr das Langzeitgedächtnis, weniger das Kurzzeitgedächtnis. – siehe oben: 1.1. „Veränderung der Struktur eines Neurons“)

3.4. Initiierung von Handlung

Aufgrund des Gedächtnisses ist Planung möglich, die zum Zeitpunkt der Intention des Geplanten Handlungen initiiert. Planung ist ein Vorgang, der infolge der Bildung von Programmen zur Handlungsinitiierung führt. Handlungen sind Segmente des Verhaltens, die auf ein bestimmtes Ziel hin organisiert sind, zu seiner Verwirklichung beitragen und Ausschnitte aus dem „Verhaltensstrom“ bilden. Einfache Handlungen sind kurz, bestehen aus überschaubaren Bewegungen und sind ein einziger kohärenter Verhaltensausschnitt.

Seit den 50er Jahren werden Reaktionszeitmethoden für die Handlungstheorie verwendet. 40 Jahre später begann man, Registrier- und Analysetechniken zur Erfassung der räumlichen Eigenschaften von Handlungen und des Initiieren von Handlungen einzusetzen. Die zentrale Frage, um die sich die Untersuchung jeglich beliebiger Handlung dreht, ist: Wie werden im ZNS die Kommandos generiert, mit denen die peripheren Effektoren zur Initiierung und zum Ausführungsbeginn gespeist werden? Und zum Knackpunkt dieser Frage kommend: Wie sieht die Programmierung solcher Kommandos aus, gibt es sie überhaupt? Bevor wir auf den Ausführungszeitpunkt eingehen, muß gesagt werden, daß aufgrund der 1981durch David H. Hubel und Torsten N. Wiesel gefundenen Verschlüsselungsweise eines gesichteten Gegenstandes in der Sehrinde (Nobelpreis 1981)[25] ab dato nur noch der weitere Erregungsverlauf untersucht werden mußte[26], bevor man sich der Initiierung des Ausführungsbeginns widmete.

3.4.1.Indikatoren zur Messung von Handlungsinitiierung

Es gibt drei in bei handlungstheoretischen psychologischen Experimenten gängige physiologische und psychologische Indikatoren. Auf cortikaler Ebene kann man an der Kopfhaut erstens mittels Elektroden feststellen, daß es vor und mit einer motorischen Reaktion höhere Potentialnegativierung auf der zur jeweiligen Reaktion kontralateralen Hirnhälfte gibt. So erfolgt die Reaktionvorbereitung. Dieses gemessene hoch elektronegative Potential nennt man „Lateralisierte Bereitschaftspotential“ (LRP - siehe Coles, 1989).
An den Muskeln gibt es zweitens ca. 50 ms vor der ersten Reaktion auf einen Reiz einen Potentialanstieg im Elektromyogramm (EMG). Gemessen werden die motorische Zeit „t m“ und die prämotorische Zeit „t p“ auf der Ebene des ZNS. Und drittens wird die Reaktionszeit RT gemessen.

Formel:

RT = t m + t p

„mentale Chronometrie“ nach Posner (1978 )

Im Labor wird die Güte der Reaktion konstant gehalten; die kognitiven Verarbeitungsunterschiede ergeben sich nur mehr aus der Reaktionszeit.

3.4.2. Einfache Reaktionen: Donders, Anson, Klemmer

Eine Untersuchungs-Hypothese für einfache Reaktionen (deren Zeit beeinflußbar ist durch Dauer, Größe, Intensität und Kontrast des Reizes - siehe Woodworth & Schlosberg, 1954; Keele, 1986) ist: Die Reaktionszeit auf ein und denselben Reiz bei verschieden gewählten Reaktionen bleibt gleich (siehe Prinz, 1983, Kap. 4; 1990 und Keele, 1986) Nach Donders (1868/1969) wird sie „einfache a-Reaktionszeit“ genannt.

In seiner 1868 erschienenen Studie „Die Geschwindigkeit des mentalen Prozesses“ unterscheidet er zwischen drei Reaktionszeit-Aufgaben[27]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

vlg: Lachman, R.: Cognitive Psychology and Information Processing. S. 134

Allerdings kann diese Hypothese laut Anson (1982) nicht bestätigt werden, denn die Reaktion mit Ellbogen oder Schulter - statt dem Finger – stieg von 156 auf 166 bzw. 173 ms an. Es gibt folgende Einschränkungen, aufgrund derer die einfache a-Reaktionzeit nicht gegeben ist:

1. die Größe des versorgenden Hirnareals mache Variationen aus, so Anson. Betroffen sei die prämotorische Reaktionszeit t p (Sie verändert sich ~115 ms);

2. als zweite Ursache wird von Anson vermutet: Elektromechanisch längere Prozesse seien bedingt durch mehr Muskelmasse.

Eine andere Untersuchungshypothese wurde von Klemmer (1956)aufgestellt: Die Reaktionszeit stieg im Experiment von 209 auf 252 bzw. 269 bei Verzögerung des imperativen Reizes nach einem zuvor gesetzten Warnsignal. Kann nun die postulierte motorische Programmaktivierung nach einem Vorsignal nicht beliebig lang aufrecht erhalten werden?

Richtig. Das Startsignal verlangt die postulierte Programmierung wieder von zu Beginn, damit die Reaktion so schnell wie beim Warnsignal erfolgt (Sternberg et al., 1978; Canic & Franks, 1989; Hommel, 1995; Müsseler & Prinz, 1996; Eimer 1995). In diesbezüglichen Experimenten konnte festgestellt werden: Der Hinweisreiz (oder: Warnreiz) bedingt, wenn er 900 ms vor einem imperativen Reiz gesetzt wird, ein lateralisiertes Bereitschaftspotential 200 ms nach dem Hinweisreiz. 500 ms nach dem Hinweisreiz sinkt das lateralisierte Bereitschaftspotential weiter ab und steigt erst 200 - 300 ms vor dem erwarteten Reiz wieder.

[...]


[1] aus dem Rahmenbildungsplan österreichischer Kindergärten

[3]

[5] Der Test sei geeignet als Gruppen- und als Einzeltest. Er charakterisiert die Kreativität ab dem 16. Lebensjahr. Er mißt in Form von 6 Subtests die primäre Qualität des Einfalls (sich etwas einfallen zu lassen), die Quantität des Einfalls (das Ausmaß des Einfalls) und das Gestaltungsvermögen. Seine Subtests sind zur Hälfte zeitgebunden (Nr. 1, 2, und 6) und zur Hälfte nicht zeitgebunden. Hiezu ist zu sagen, daß die zeitgebundenen Subtests die aktive Einfallskraft in ihrem Ausmaß (Quantität!) mißt. Die 3 gemessenen Faktoren lauten nach Eva Schmidt-Henrich: Aktive Einfallskraft (Tests 1, 2, und 6), reaktive Einfallskraft (Tests 4 und 5) und Gestaltungsvermögen. Der Autorin Untersuchung gründet sich auf dem Konstrukt der multifaktoriellen Intelligenz. Ihre Hypothese lautet: Spontan erscheinende Bewußtseinsinhalte entstehen aufgrund Einfallskraft und Gestaltungsvermögen. Diese beiden sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. Erstere wird hervorgerufen durch (zur Reaktion in die Lage versetzende) verbale und nonverbale Wahrnehmung, sowie (zur aktiven Einfallskraft führende) im Reiz hervorgerufene Bewußtseinsinhalte. Zweiteres definiert sie als Umzentrierung (Wertheimer 1925, 1945,1964), Umstrukturierung (Köhler 1921) von Vorgefundenem.

[6] Eva Schmidt-Henrich (1997) schreibt:

"Die Einfallskraft darf jedenfalls keineswegs mit der Einfallsphase (Süllwold, 1954) im Rahmen des problemlösenden Denkens in Zusammenhang gebracht werden. (...) Im Rahmen des Problemlösens hat diese Element sein Pendant im Begriff "Flüssiges Denken"

[7] aus: Astrid Roth (1998)

[8] Man unterscheidet mentale Zustände aufgrund des Aktivierungsniveaus.

[9]

[10] Erich Fromm;

[11] Eine sehr wichtige Rolle hiebei spielt die "Mental Imagery" nach Finke (1989). Gemeint ist eine mentale Erfindung oder eine Nachbildung einer Erfahrung, wobei bessere Merkfähigkeit eintritt.

[12] Die Psychoanalytische Definition der Kreativität von Freud (1959, zitiert nach Dacey 1989): Die Fähigkeit zur Kreativität entwickelt sich in den ersten fünf Lebensjahren. Kreativität ist der Ausdruck eines nicht bewältigten Konflikts in der Kindheit. Das Mittel, sich diesen Ausdruck zunutze zu machen, ist die Sublimierung. Sie tritt als Abwehrreaktion auf,"wenn der Triebimpuls auf ein neues, nicht sexuelles Ziel und auf ein neues, nicht sexuelles Objekt abgelenkt werden kann" (Schuster & Springer-Kremser 1991). Nach Kris (1952, zitiert nach Dacey 1989) ist das Mittel die Regression. Diese Abwehrreaktion dient dazu "unter Führung des Ichs" "eine bereits erreichte Entwicklungsstufe zugunsten einer früheren Entwicklungsstufe" aufzugeben "um damit die Entstehung von Angst zu vermeiden" (Schuster & Springer-Kremser 1991). Die Regression ist das Mittel zum Durchbrechen der Grenzen zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein. So entsteht Kreativität. Nach Arieti (1966, zitiert nach Dacey 1989) ergibt sich so das Endozept. Es ist "die Fülle von vergangenen Erfahrungen, die im Unterbewußtsein zwar verankert sind, und die bewußten Handlungen beeinflussen" (zitiert nach Roth 1998, S.14). Arieti meint weiter: "Ist diese Art des Denkens mit Intelligenz gekoppelt, so kann Kreativität entstehen" (zitiert nach Roth 1998, S.14). Nach Adler (1917, zitiert nach Dacey 1989) ergebe sich Kreativität aus der bewußten Steuerung der Kompensation physischen und psychischen Leidens. Dies wurde von Hammer in einer Untersuchung bei erwachsenen Künstlern (1984, zitiert nach Dachs 1989) bestätigt.

[13] Humanistische Theorien verstehen die Kreativität gerade gegensätzlich zu den Psychoanalytischen Theorien als einen Ausdruck psychischer Gesundheit. Maslow (1954, zitiert nach Dacey 1989) verbindet Selbstverwirklichung mit Kreativität. Die Selbstverwirklichung versteht er als Bedürfnisbefriedigung ("Bedürfnispyramide"). Nach Rogers (1959) haben kreative Personen Offenheit für Erfahrung, die Unbeweglichkeit verhindert Fähigkeit der Abschätung ihrer momentanen Situation Fähigkeit zu experimentieren und Unsicherheiten zu akzeptieren Nach Fromm (1959, zitiert nach Dacey 1989) wird Kreativität von fünf Faktoren günstig beeinflußt: Fähigkeit sich erstaunen und überaschen zu lassen Konzentrationsfähigkeit Sich eine objektive Meinung über sich selbst bilden zu können Fähigkeit mit Problemen umgehen zu können, die sich aus Widersprüchen ergeben Mut zur Selbständigkeit Nach Guilford (1967, zitiert nach Landau 1969) "sind kreative Personen durch den intellektuellen Drang motiviert Probleme zu suchen und zu lösen"

[14] Eva Schmidt-Henrich schreibt (1997): "Die Einfallsphase, die Süllwold der einfallsfreien Phase im Denkprozeß gegenüberstellt, kann mit dem Gestaltungsvermögen im schöpferischen Prozeß verwandt betrachtet werde, ebenso wie man die einfallsfreie Phase Süllwolds als verwandt mit den einzelnen Fähigkeiten der strukturellen Intelligenz ansehen kann."

[15] Sensibilisierer siehe herausgetrennte Seiten vom Arendasy Skript

[16] Hier sei die in dieser Arbeit vorgestellte Wortfamilie erweitert um das Wort "präkreativ".

[17] Mathematisch definiert wurde Information 1948 von dem amerikanischen Mathematiker Claude Shannon. Er fand heraus, das Information sich auf Ungewissheit bezieht. Shannon quantifizierte Information in Form der Anzahl von Alternativen. Sein Massystem (bit) drückte er in logarithmischer Form aus. Wird die Anzahl von Alternativen verdoppelt, erhöht sich die Ungewissheit um 1 bit. Wirft man also zum Beispiel eine Münze, dann hat dies eine Ungewissheit von 1 bit, da die Münze zwei Seiten (Alternativen) hat. Die Berechnung von Ungewissheit kann mit folgender Formel vorgenommen werden: U = log2 k. k bezeichnet die Anzahl von Alternativen. Die grundlegende Idee dahinter ist also, dass die Ungewissheit umso grösser ist, je mehr passieren kann. Unter­schiedliche Wahrscheinlichkeiten reduzieren jedoch Ungewissheit (Bsp: eine Möglichkeit hat 99 % Wahrscheinlichkeit). Deshalb leitete Shannon eine weitere Formel her, um diesen Aspekt zu berücksichtigen: U = -S Pi log2 Pi. Pi bezeichnet die Wahrscheinlichkeit jeder Alternative. Zusammenfassend kann man sagen, dass Ungewissheit von der Anzahl der Alternativen und der Wahrschein­lichkeit dieser abhängt. Die Struktur der Situation (ihre Möglichkeiten) ist also in der Informationstheorie von Bedeutung.

[18] Die Verwendung einer Größe namens "Interessensvielfalt" in unserer Formel beruht auf den neuesten Entdeckungen, die zu einer Theorie über einen Art "Hausputz" (Gabriele Kuhn, 2002) führte. Gabriele Kuhn zitiert Aljoscha Neubauer von der Uni Graz "daß intelligentere Gehirne effizienter arbeiten", also weniger Energie verbrauchen. Die Entdeckung sei, daß nur bestimmte Nervenleitungen benützt werden. Zwei Theorien belegen das, jede auf seine Weise. Die erste besagt, daß die elektrische Weiterleitung zwischen den Zellen durch eine "Isolierschicht" geringere Informationsverluste garantieren. Die zweite, daß das Gehirn in einer Art "Hausputz" von den in den ersten Lebensjahren aufgebauten Synapsen geklärt wird und so überflüssige Verbindungen abgebaut werden. Da die Kreativität nach Arieti (1966) das Produkt einer bestimmten "Art des Denkens" mit Intelligenz ist, weisen wir darauf hin, daß das Ausmaß der momentanen Kreativität zum Steigen der Intelligenz direkt proportional ist (die "latenten Kreativität" wird von uns per definitionem vom Ausmaß der Intelligenz unabhängig betrachtet). Testtheoretisch begründet ist diese Proportionalität dadurch, daß die Kreativiät immer durch mehreren zu messenden Variablen bestimmt ist, als die Quantität der synaptischen Verbindungen in dem frühkindlich aufgebauten Ausmaß kein Kritikpunkt ist. Über dies ist auch der "Hausputz" im Zusammenhang und Wechselspiel mit der in dieser Arbeit postulieren wechselseitigen Adaption von Umwelt und kreativem Produkt zu sehen und nicht ohne sie denkbar.

[19] Über Kreativität -Vom Donnergott zum impulsgebenden Blitzlichtgewitter des Computers - schreibt Kremser, M. (2001) in seiner Habilitationsschrift Shango Transformation

[20] Bildgebendes Verfahren

[21] Dazu Prinz/Roth (1996):

[22] "Wenn wir nach dem Stellenwert des bewußten Erlebens in der kognitiven Psychologie frqgen, ist es sinnvoll, zunächst einmal zu untersuchen, welche Rolle das Bewußtsein in der Alltagspsychologie spielt. Wenn im Alltag von "Wahrnehmung", "Erinnerung" oder "Entscheidung" die Rede ist, werden geistige Zustände postuliert, die durchaus Gegenstand der bewußten Erfahrung sein können. Wenn eine Person ihre Wahrnehmungseindrücke beim Betrachten eines Sonnenuntergangs beschreibt, nimmt sie offenkundig auf ihr bewußtes Erleben Bezug. Gleichzeitig sind diese alltagspsychologischen Begriffe aber auch eng mit beobachtetem Verhalten verbunden. Ich schreibe einer Person mangelhafte Sehfähigkeit oder ein außerordentliches Gedächtnis zu, weil sie sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält. In der Alltagspsychologie lassen sich also zwei Aspekte des Mentalen unterscheiden - der Verhaltensaspekt und der Erlebnisaspekt. Zum einen stehen mentale Zustände in einem engen Zusammenhang mit beobachtetem Verhalten. Zum anderen zeichnen sie sich dadurch aus, daß sie einer Person bewußt zugänglich sein können. Finden sich diese beiden Aspekte des Mentalen in gleicher Weise auch in der wissenschaftlich betriebenen kognitiven Psychologie? Diese Frage läßt sich nicht ohne weiteres beantworten, weil die aus der Alltagspsychologie entnommenen Begriffe im Rahmen kognitiv-psychologischer Erklärungen unterschiedliche Rollen spielen können. Auf der einen Seite steht die intentionale kognitive Psychologie. Hier werden Zustände wie Meinungen, Wünsche, Ziele oder Pläne unmittelbar zur Verhaltenserklärung herangezogen. So fragt z.B. die Motivationspsychologie nach dem Zustandekommen situationsangemessenen Verhaltens aufgrund der aktuellen Bedürfnislage, antizipierter Ziele und der wahrgenommenen Möglichkeit, diese Ziele in der gegebenen Situation zu realisieren. Auf der anderen Seite steht die sub-personale kognitive Psychologie, (...). Hier spielen Meinungen, Wünsche, und andere aus der Alltagspsychologie vertraute Begriffe keine vergleichbare Rolle. Wie bereits erwähnt, werden Verhaltensleistungen in der sub-personalen kognitiven Psychologie unter Bezugnahme auf Informationsverarbeitungsprozesse erklärt. Diese laufen in der Regel mit hoher Geschwindigkeit ab und sind dem subjektiven Zugang weitgehend entzogen. Als Beispiele seien hier elementare Leistungen (die Trennung von Figur und Grund, die Berechnung räumlicher Tiefe oder diverse Konstanzphänomene) oder des Erinnerns ( ultrakurz-, kurz- oder langfristige Speicherung, Gedächtnisabrufprozesse) genannt. Wenn die sub-personale kognitive Psychologie sich ausschließlich mit Prozessen beschäftigt, die sich nicht auf der Ebene des Bewußtseins abspielen, scheint sich für sie die Frage nach der Rolle des subjektiven Erlebens gar nicht zu stellen. Weniger klar ist dies im Falle der intentionalen kognitiven Psychologie: Motive, Bedürfnisse, Ziele oder Willensentscheidungen können dem Bewußtsein ja durchaus zugänglich sein. Spielt dieser Erlebnisaspekt in der Erklärung der intentionalen kognitiven Psychologie aber eine Rolle? Solange Meinungen, Wünsche, Bedürfnisse oder Ziele zum Zwecke der Handlungserklärung zugeschrieben werden, ohne daß dabei irgenwelche Annahmen über das subjektive Erleben ins Spiel kommen, stellt sich das "Gehirn-Bewußtsein-Problem" auch für die intentionale kognitive Psychologie nicht. Dies ist in aller Regel der Fall: So hat z.B. die Motivationspsychologie keinerlei Schwierigkeit, die Existenz und Verhaltenswirksamkeit unbewußter Willensprozesse und anderer nicht bewußter mentaler Zustände anzuerkennen. Die Tatsache, daß mentale Zustände mit subjektivem Erleben einhergehen können, wird in den Erklärungen der intentionalen kognitiven Psychologie zumeist gar nicht erwähnt. Es werden hier zwar mentale Zustände postuliert, die auch Gegenstand der subjektiven Erfahrung sein können -, der Erlebnisaspekt selbst spielt für die Erklärung jedoch keine Rolle." ( Eimer,1996)

[23] Dazu gehören Wahrnehmungs-, Denk- und Erinnerungsprozesse. Sie werden erklärt durchBewußtseinsprozesse Gehirnprozesse Prozesse dritter Art, z.B. Informationverarbeitung durch EEGs und MEGs. Meßinstument für die humane Kognition: Ereigniskorrelierte Potentiale (EKPs): Die späteren negativen und positiven Ausschläge des elektrischen Stroms hängen mit kognitiven Funktionen zusammen. Nach 100ms gibt es eine negative Auslenkung ("N100", "N1"): vorbewußte Aufmerksamkeitsprozesse; nach 300ms positive Auslenkung ("P300", "P3"): Bewertung von Neuheit, Komplexität oder Wichtigkeit von sensorischen Ereignissen; Bildgebende Verfahren (PET) für neuronale Erregungen, die kognitiven Leistungen zugrunde liegen. Sie sind räumlich und können mit röntgentomographischen 3D-Darstellungen kombiniert werden. Neuronale Erregungen, die von einer lokalen Erhöhung der Hirndurchblutung und des Hirnstoffwechsels begleitet sind, liefern, wenn Positronen eines O-Isotops von einem Stoffwechselprodukt (z.B. Zucker) mit Elektronen kollidieren, ein 3-dimensionales Aktivitätsbild, weil zwei Gamma-Strahlen in entgegengesetzte Richtung von der Kollision ausgehen. Die Kernresonanzspektroskopie (NMR) legt ein rotierendes Magnetfeld an ein natürliches Magnetfeld im Gehirn. Bei seiner Abschaltung kehren die in "Kreiseln" versetzten Atomkerne in ihre Ausgangsposition zurück und senden dabei ein Radiosignal. Die funktionelle NMR ist in ihrer räumlichen Auflösung gleich gut wie die PET, aberschneller (die zeitliche Auflösung geht bis in den Bereich weniger Sekunden). (nach: Roth, G; Prinz, W., Kopf-Arbeit 1996)

[24] 1952 fanden - nach Ernst Florey (1996) - die englischen Biophysiker Bernhard Katz und Paul Fatt heraus, daß Nervenendigungen an den Synapsen auch ohne Nervenimpulse Transmitter abgeben und die postsynaptischen Zellen dauern mehr oder weniger beeinflussen. Zudem gibt es auch Neurone, die gar keine Impulse weiterleiten, sondern nur durch ganz langsame Potentialänderung auf Zeit gesehen in benachbarten Neuronen irgendwann einmal eine schicksalhafte Erregung oder Hemmung auslösen, von der früher noch nicht gewußt wurde, wie sie entstehe. Im Gehirn verhalten sich etwa 25 % der Neuronen so. Später fand man heraus, daß kleine Neuronengruppen im Hirnstamm Axone mit hunderttausenden Endzweigen haben, die ohne Synapsen Transmitter (NA, DA, 5HAT) an zentrale Teile des Hirns abgeben.: Man spricht von "Modulatorneuronen". Nervenendigungen können (seit 70ern bekannt) auch zwei oder mehrere Transmitter enthalten. (nach: Roth, G; Prinz, W.,1996 und nach: Thompson, R. F., 1992)

[25] Primäre Empfängerneuronen in Schicht 4 sind monokular, die durch das rechte und die durch das linke Auge angeregten Zellgruppen liegen nicht nebeneinander. Von vier Zellen, die ihr rezeptives Feld innerhalb des Projektionsbereichs des Gegenstands und seines Umfelds haben, wird nach der nicht erregten - weil sie nur den Projektionsbereich innerhalb des Gegenstandes "wahrnimmt" - die zweite Zelle voll erregt, weil ihr On-Zentrum sich mit der Papierprojektion deckt und gleichzeitig partiell gehemmt, weil ihr Off-Feld schon teilweise außerhalb liegt. ("On" ist - wenn man sich einen Querschnitt vorstellt - im Inneren, "Off" im Randbereich der Zelle) Die dritte Zelle wird ebenfalls partiell gehemmt, nicht mehr aber im On erregt, und die vierte Zelle erhält überhaupt nur mehr das Umfeld der Gegenstandsprojektion. Erste und dritte Zelle dienen sozusagen als "Detektoren für die Gegenstandsgrenze". Bei Verschieben des Gegenstandes werden die nächsten primären Sinneszellen aktiviert usw. (Wässle, 1993)

Vernon B. Mountcastle hat auf der John Hopkins Universität erstmals entdeckt, daß der primäre visuelle Cortex in Form von Säulen organisiert ist. Die meisten Zellen darin sind jedoch binokular, können also von beiden einzelnen Augen aktiviert werden, obgleich sie mit okularer Dominanz bei einem von beiden stärker reagieren. Es gibt auch komplexe Zellen, die sich nicht nur erregen lassen, wenn das Bild der Gegenstandsgrenze auf einen bestimmten Punkt der Netzhaut auftrifft. Hyperkomplexe reagieren auf weite Bereiche der Netzhaut hinweg auf bestimmte Größen und Formen von Gegenständen (zB. diejenigen Zellen, die für die Augenfolgebewegung bei Störung des Gleichgewichtszuständig sind).

[26] Die Nerven im Kleinhirn beginnen ihre Aktivität lange vor den Zellen des Motorcortex zu erhöhen, wenn eine Bewegung initiiert wird. Die ursprüngliche "Entscheidung", eine Bewegung durchzuführen, fällt im Assoziationscortex. Er hat, so Mountcastle an der John Hopkins Universität, in Säulen angeordnete "Intentions"-Neuronen, die in mindestens sechs Typen (für Intention, sich auszustrecken; für Intention zu berühren, ...) und natürlich mit zahlreichen Säulen jeden Typs in ihm angelegt sind. Die "Entscheidung" kann auf direktem Weg an die Basalganglien (sind Hauptelement des extrapyramidalen motorischen Systems) und weniger direkt an das Kleinhirn (Motorikkoordination) weitergegeben werden. Die beiden aktivieren ihrerseits über den Thalamus (übergeordnete Schaltstation) die motorischen Felder der Großhirnrinde, die dann die Motoneuronen im Rückenmark veranlaßt die entsprechende motorische Handlung durchzuführen. (nach: Thompson, R. F. Das Gehirn Heidelberg-Berlin-New York (Spektrum Akademischer Verlag)1992)

[27] Aufgabe A besteht nur aus einem Stimulus und einer Antwort, wohingegen bei Aufgabe B (CRT genannt=Auswahlreaktionszeit,Wahlreaktionszeit) komplexere Entscheidungen getroffen werden müssen. Angenommen es sind zwei Lichter und zwei Tasten vor­handen, wobei die linke Taste gedrückt werden muss, wenn das linke Licht leuchtet und vice versa, dann ist die Auswahl-Reaktionszeit die Zeitspanne bis zum Drücken der korrekten Taste. Bei dieser Aufgabe kann eine be­liebte Anzahl von Stimuli und Antworten verwendet werden. Donders‘ Aufgabe C hat multiple Stimuli, aber nur eine Antwort. Angenommen es sind zwei Lichter vorhanden, wird die Taste nur gedrückt, wenn das linke Licht aufleuchtet. Im Gegensatz dazu geschieht beim Aufleuchten des rechten Lichts nichts. - Für ihn beinhaltet zum Beispiel Aufgabe B drei Prozesse:Die einfache Reaktion – die Zeit, um auf einen Stimulus zu antworten Klassifizierung des Stimulus – die notwendige Zeit, um sich zu entscheiden, welcher Stimulus präsentiert wurde Antwortauswahl – die notwendige Zeit, um die richtige Taste auszuwählen Um die notwendige Zeit für die Klassifizierung des Stimulus zu erhalten, muss Aufgabe A von Aufgabe C abgezogen werden, die Zeit der Antwortauswahl ist durch die Subtraktion von Aufgabe C von Aufgabe B er­sichtlich. Donders‘ Hypothese lautet also, dass Reaktionszeit zur Schätzung der Geschwindigkeit innerlicher kognitiver Prozesse verwendet werden kann. - Nach Hick’s Gesetz steigt die Auswahl-Reaktionszeit logarithmisch mit der Anzahl von Alternativen. In anderen Worten ist CRT die lineare Funktion von Informations-Ungewissheit. - Hyman (1953; zit. nach Lachman, 1979) demonstrierte, dass CRT eine Funktion der Informationssumme und nicht nur der Logarithmus der Anzahl von Alternativen ist. Er zeigte dies, indem er drei Arten von Ungewissheit unterschied (Experiment I: Variierung der Alternativen-Anzahl; Experiment II: manche Alternativen waren wahrscheinlicher, da sie öfter gezeigt wurden; Experiment III: Versuchspersonen wussten, dass bestimmte Alternativen eher unter bestimmten Umständen auftreten).

Details

Seiten
83
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832462574
ISBN (Buch)
9783838662572
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221477
Institution / Hochschule
Universität Wien – Psychologie
Note
3,0
Schlagworte
neurokognitive kreativitätsmessung kreativität-eeg messung reaktionszeitmessung handlungen handlungskomponenten kreativität handlung

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Titel: Verbale und zeichnerische Kreativität