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Wortbildung in Yoruba und im Deutschen

Magisterarbeit 2001 95 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Wortbildung des Substantivs im Deutschen
1.1 Komposition
1.1.1 Substantiv + Substantiv
1.1.2 Adjektiv + Substantiv
1.1.3 Verb + Substantiv
1.1.4 Partikel + Substantiv
1.1.5 Der Bau der Substantivkomposita
1.1.5.0 Zweigliedrige Komposita
1.1.5.1 Dreigliedrige Komposita
1.1.5.2 Viergliedrige Komposita
1.1.5.3 Fünfgliedrige Komposita
1.1.5.4 Sechsgliedrige Komposita
1.1.5.5 Komposita mit mehr als sechs Gliedern
1.2 Derivation
1.2.1 Implizite Derivation
1.2.2 Explizite Derivation: Suffigierung
1.2.2.1 Das Suffix -ung
1.2.2.2 Die Suffixe -heit, -keit und -igkeit
1.2.2.3 Das Suffix -schaft
1.3 Präfixbildungen
1.3.0 Das Präfix Erz-
1.3.1 Das Präfix Ge-
1.3.2 Das Präfix Haupt-
1.3.3 Das Präfix miß-
1.3.4 Das Präfix Un-
1.3.5 Das Präfix Ur-

2. Wortbildung des Substantivs in der Yoruba-Sprache
2.1 Komposition
2.1.1 Substantiv + Substantiv
2.1.2 Substantiv + Verbalphrase
2.2 Präfixbildung
2.2.1 Das Präfix a-
2.2.2 Die Präfixe o -, ọ -
2.2.3 Das Präfix oní-
2.2.4 Das Präfix olú-
2.2.5 Die Präfixe i- und a-
2.2.6 Die Präfixe e -,ẹ -,i -
2.2.7 Die Präfixe ati- und ai-
2.3 Präfix-Suffix Bildung
2.3.1 Das Suffix -jù
2.4 Verdopplung (Reduplikation)
2.4.1 Partielle Verdopplung
2.4.2 Vollständige Verdopplung
2.5 Entliehene Wörter

3. Wortbildung des Adjektivs im Deutschen
3.1 Komposition
3.2 Derivation
3.2.1 Das Suffix -ig Verbale Basis:
3.2.2 Das Suffix -isch
3.2.3 Das Suffix -lich
3.2.4 Das Suffix -bar
3.2.5 Das Suffix -haft Substantivische Basis:
3.2.6 Das Suffix -los
3.2.7 Das Suffix -mäßig
3.2.8 Affixoide bzw. Halbaffixe
3.2.8.1 Das Suffix -artig
3.2.8.2 Adjektive auf -voll
3.2.8.3 Adjektive auf -reich
3.2.8.4 Adjektive auf -frei und -leer
3.3 Präfixbildung

4. Wortbildung des Adjektivs in Yoruba
4.1 Derivation
4.2 Präfixbildung
4.3 Verdopplung
4.4 Ideophones

5. Wortbildung des Verbs im Deutschen
5.1 Komposition
5.2 Derivation
5.2.1 Suffigierung beim Verb
5.2.1.1 Verben mit dem Suffix -(e)l(n)
5.2.1.2 Verben mit dem Suffix -ig(en)
5.2.1.3 Verben mit dem Suffix -(is / ifiz) ier (en)
5.2.2 Präfix-Suffix-Derivation
5.3 Präfixbildung
5.3.1 Untrennbare Präfixe
5.3.1.1 Verben mit dem Präfix be-
5.3.1.2 Verben mit dem Präfix ver-
5.3.1.3 Verben mit dem Präfix er-
5.3.1.4 Verben mit dem Präfix ent-
5.3.2 Trennbare Präfixe
5.3.2.1 Verben mit dem Präfix ab-
5.3.2.2 Verben mit dem Präfix auf-
5.3.2.3 Verben mit dem Präfix an-
5.3.2.4 Verben mit dem Präfix ein-
5.3.2.5 Verben mit dem Präfix aus-
5.2.5.1 Verben mit dem Präfix um -
5.2.5.2 Verben mit dem Präfix über-
5.2.5.3 Verben mit den Präfix durch-
5.2.6 Fremdpräfixe

6. Wortbildung des Verbs in der Yoruba Sprache
6.1 Komposition
6.1.1 Verb + Substantiv
6.1.2 Verb + Verb
6.2 Entliehene Verben

7. Wortbildung des Adverbs im Deutschen
7.1 Komposition
7.1.1 Komposita mit -her und -hin
7.1.2 Komposita mit Präpositionaladverb
7.1.2 Komposita aus Adverb+Adverb
7.2 Derivation
7.2.1 Das Suffix -dings
7.2.3 Das Suffix -lei
7.2.5 Das Suffix -halben/-halber
7.2.6 Das Suffix -maßen
7.2.7 Das Suffix -weise

8. Wortbildung der Adverbien in der Yoruba Sprache
8.1 Präfixbildung
8.2 Verdopplung

9. Vergleich zwischen Wortbildungssystemen im Deutschen und in der Yoruba Sprache

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anlagen

Einführung

Unter Wortbildung versteht man die Gesamtheit der Verfahren, mittels derer in einer Sprache neue Wörter auf der Basis schon vorhandener Wörter gebildet werden. Neue Wörter werden gebildet, weil sie gebraucht werden, um neue Inhalte - neue Dinge, Maschinen, Sachverhalte, Begriffe - zu benennen oder um vorhandene Bezeichnungen zu konkretisieren. Das geschieht dadurch, dass einzelne Wörter zu neuen komplexen Wörtern zusammengefügt oder dass einzelne Wörter durch grammatische Mittel zu neuen umgeformt werden.

Hinsichtlich der Definition der Wortbildung ergibt sich aus den Untersuchungen von Henzen (1965), Erben (1993), Kim, Gyung-Uk (1983), Lewandowski (1984), Olsen (1986) und Fleischer/Barz (1992) die gemeinsame Feststellung, dass sich Wortbildung mit der Bildung neuer Wörter mit Hilfe des vorhandenen Sprachmaterials befasst. Wortbildung beschäftigt sich sowohl mit der Bildung neuer sekundärer Wörter als auch mit der strukturellen Analyse usueller Wörter.

Als Prinzipien der Wortbildung kommen folgende Verfahren in Frage:

- Affigierung: Das neue Wort entsteht dadurch, dass schon vorhandenen Wörtern (Grundwörtern, Stämmen, Wurzeln) gebundene (unselbständige) Morpheme (Affixe) hinzugefügt werden. Die Affixe teilt man nach ihrer Stellung ein: Dem Grundwort vorangestellte Affixe heißen Präfixe ( lat. Praefixum „das vorn Angeheftete“). Dem Grundwort nachgestellte Affixe heißen Suffixe ( lat. Suffixum „das an oder unter etwas Geheftete“). Außerdem gibt es noch das in das Grundwort eingeschobene Infix ( lat. Infixum „das Hineingesteckte“).
- Reduplikation: Unter Reduplikation versteht man die partielle oder vollständige Wiederholung eines Elementes (Stamm, Wurzel, Wort), wobei der Lautbestand abgeändert werden kann.
- Zusammensetzung: Bei der Zusammensetzung werden zwei selbständige Lexeme zu einem neuen Wort zusammengefügt.

Die Einteilung der Wortbildungstypen erfolgt nach verschiedenen Kriterien:

Nach Fleischer/Barz (1992) und Olsen (1986) gibt es drei Haupttypen:

1. die Komposition (oder Zusammensetzung), deren einzelne Komponenten auch als freie Morpheme vorkommen können (z.B. Nagellack),
2. die Derivation (oder Ableitung), worunter Fleischer und Olsen vor allem die Wörter verstehen, die mit Suffixen (z.B. Sand, sandig) und „Nullsuffixen“ ( z.B. laufen, der Lauf) gebildet werden,
3. die Präfixbildung.

Coseriu (Henschel 1990) unterscheidet die drei Haupttypen:

1. Komposition (oder Zusammensetzung): Ein Kompositum besteht aus zwei oder mehr Lexemen (z.B. Straßenbahn, Straßenbahnschaffner). Das letzte Lexeme bestimmt die Wortart des neuen Wortes.
2. Entwicklung. An diesem Typ ist nur ein Lexem beteiligt; er beinhaltet aber einen Wortartenwechsel.
3. Modifikation. Sie basiert auch auf einem Lexem, welches durch ein Morphem (z.B. ein Präfix oder ein Suffix) modifiziert wird, ohne dass sich dabei die Wortart ändert (z.B. entfallen zu fallen, grünlich zu grün, Pferdchen zu Pferd).

Nach Lewandowski (1984) sind die wichtigsten Mittel der Wortbildung im Deutschen:

1. die Zusammensetzung von Wörtern (z.B. Zimmer + Tür > Zimmertür; Gras + grün > grasgrün),
2. die Ableitung (z.B. schön + heit > Schönheit; Mut + ig > mutig) und
3. die Präfixbildung (z.B. schrauben < abschrauben, anschrauben, ausschrauben).

In dieser Arbeit werden die Wortbildungstypen hauptsächlich nach folgenden Kriterien eingeteilt:

Komposition, Derivation, Präfixbildung und Reduplikation.

Zur Einordnung der Sprache Yoruba gilt Folgendes:

Greenberg (1963) hat alle afrikanischen Sprachen nach vier Familien klassifiziert[1]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersicht 1

Niger-Kordofanisch, Nilo-Saharanisch, Afroasiatisch und Khoisan. Die Niger-Kordofanischen Sprachen unterteilt Greenberg wiederum in: Niger-Kongo und Kordofanian. Die Sprache Yoruba gehört zu der Sprachengruppe Niger-Kongo.

Yoruba ist eine der vier Hauptsprachen Nigerias neben Hausa, Igbo und Englisch. Sie wird allein in Nigeria von ca. 19 Millionen Menschen gesprochen (Asher and Simpson 1994:5075). Die Mehrheit der Menschen, die diese Sprache sprechen, leben in Oyo, Ogun, Ondo und Kwara. Diese Städte liegen im südwestlichen Teil des Landes (Katzner 1975:292). Die Yoruba-Sprache ist auch im südöstlichen Teil Benins (Campbell 1991:1474) und in manchen Teilen Togos verbreitet (Voegelin 1977:354).

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden viele Yorubaleute als Sklaven aus Westafrika exportiert. Dieses Jahrhundert markierte den Anfang der britischen Unterdrückung durch Sklavenhandel. Die freigelassenen Sklaven, die Freetown besiedelten, waren meistens Yoruba. Eine wichtige Person dieser Zeit, die als Yoruba-Sklave verkauft wurde, war Samuel Ajayi Crowther. Er wurde von einem Briten befreit und ließ sich in Freetown nieder, wo er ausgebildet wurde und im Jahre 1827 die Sprache Yoruba studierte. Später wurde er getauft und ordinierte als Missionar in Yorubaland (Campbell 1991:1474).

Gelehrte und Missionare aus Europa, Freetown und Abeokuta erarbeiteten eine Orthographie für die Yoruba-Sprache.

Durch den Einfluss der „Church Missionary Society“ (CMS), die sich in Abeokuta (Nigeria) niederließ, wurde im Jahre 1840 die Orthographie der Yoruba-Sprache von Sierra Leone aus in die Yorubaländern verbreitet.

Im Jahre 1850 übernahmen S.A. Crowther und andere die yorubaische Orthographie, die bis heute zum größten Teil nicht geändert wurde. 1859 wurde die erste yorubaische Zeitschrift Iwe-Irohi in Abeokuta gedruckt (Dalby 1998:692). Im Jahre 1900 wurde die Bibel in diese Sprache übersetzt[2]. Ein Teil der Bibelübersetzung stammt von Crowther S.A.

In der Zeit von 1945 bis 1960 schrieb Daniel Fagunwa vier berühmte Romane in der Yoruba-Sprache, und seit den 50er Jahren erscheinen regelmäßig yorubaische Fiktionen, Dramen und Dichtungen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Yoruba-Sprache und Kultur nicht nur im Yorubaland blieb, sondern auch andere Orte außerhalb des Yorubalandes beeinflusste. Die Sprache ist beispielsweise auch in Benin und Togo verbreitet. Auch in Sierra Leone wird sie von einigen Gruppen gesprochen. Der Einfluss der Yoruba-Sprache macht sich auch in der Krio Sprache, die ebenfalls in Sierra Leone gesprochen wird, bemerkbar. Yoruba wird auch in einem Dorf namens Oyotunji in USA verwendet. Neben der Standardsprache Yoruba gibt es noch 20 Dialekte dieser Sprache. Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die Standardvarietät.

Im Anschluss an den geschichtlichen Hintergrund der Sprache Yoruba möchte ich nun auf den geschichtlichen Hintergrund und die Verbreitung der deutschen Sprache eingehen. Zur Einordnung der deutsche Sprache gilt folgendes: Comrie (1991:68) klassifiziert alle germanischen Sprachen in drei Familien[3]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersicht 2

Nord-Germanisch, West-Germanisch und Ost-Germanisch.

Die deutsche Sprache gehört zu der Sprachengruppe West-Germanisch. Sie ist die offizielle Sprache Deutschlands, wird aber auch in Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Liechtenstein und von ca. 40,000 Sprechern in Südafrika gesprochen (Dalby 1998:221). In einigen westeuropäischen Ländern gibt es zudem

Minderheiten, die Deutsch sprechen - nämlich in Elsas, in Südtirol und in Belgien.

Hinzu kommen schätzungsweise 2 Millionen Menschen in osteuropäischen Ländern, die Deutsch als Muttersprache haben - nämlich in der ehemaligen Sowjetunion, Rumänien, Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei und im ehemaligen Jugoslawien. Außerdem haben durch Emigrationen 9 Millionen Menschen in den USA, Brasilien, Kanada, Chile und Mexiko Deutsch als ihre Muttersprache (Vgl. Asher 1994:1419-1421).

Die geschichtliche Entwicklung des Hochdeutschen gliedert sich nach Campbell (1991:496-497) in vier wichtigen Epochen:

1. Althochdeutsch: 900 bis 1100 n.Chr. Eine bedeutsame überlieferte Arbeit, geschrieben in Althochdeutsch, ist das Hildebrandlied.
2. Mittelhochdeutsch: 1100 bis 1350 n. Chr. Während dieser Epoche schrieb Wolfram von Eschenbach Parzival, Gottfried von Strassburg schrieb seine Version von Tristian und Isolde, und Hartmann von Aue schrieb Der arme Heinrich.
3. Anfängliches Neuhochdeutsch: 1350 bis 1600 n. Chr. Bedeutende Ereignisse dieser Epoche sind der Höhepunkt der Reformation und Martin Luthers Übersetzung der Bibel.
4. Neuhochdeutsch: ab dem 17. Jahrhundert. Luthers Übersetzung der Bibel in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in einer vereinheitlichen literarischen Sprache verfasst. Diese vereinheitliche deutsche Standardsprache ist Gegenstand meiner Untersuchung.

Nach dem kurzen historischen Überblick über die Entwicklung der beiden Sprachen werde ich mit der Analyse der Wortbildung der beiden Sprachen unabhängig voneinander beginnen.

Da das Thema Wortbildung insgesamt zu umfangreich ist, werde ich mich auf einige Aspekte der Wortbildung in Yoruba und Deutsch beschränken. Ich werde die Wortbildung beider Sprachen bezogen auf die Substantive, Adjektive, Verben und Adverbien darstellen.

Anschließend werde ich die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Wortbildung beider Sprachen untersuchen.

1. Wortbildung des Substantivs im Deutschen

Substantive bilden den Hauptteil des Wortschatzes (etwa 50-60%). Sie können durch Komposition (Zusammensetzung) von Wörtern, die auch für sich allein im Wörterbuch erscheinen, oder durch Derivation (Ableitung) mit Hilfe gebundener Morpheme und durch Präfixe gebildet werden.

1.1 Komposition

Die substantivische Komposition ist relativ häufig und wird von Ausländern als sehr typisch für das Deutsche empfunden. Ein zusammengesetztes Substantiv besteht aus zwei lexikalischen Bestandteilen (die ihrerseits wieder zusammengesetzt sein können), von denen das zweite ein Substantiv ist; diese zweite Konstituente bestimmt Genus und Flexionsart des Kompositums.

Der Typ V+S (z.B. Weinkrampf, Kochtopf u.s.w.) und der Typ S+S (z.B. Autobahn, Arbeitsamt) sind häufig vertreten. Der Typ A+S (z.B. Altmeister, Vollmilch, Rotkohl) kommt in kleinerer Zahl vor als die beiden bisher genannten.

Im Deutschen ist die Möglichkeit, durch Komposition von Grundmorphemen neue Wörter zu bilden, besonders im substantivischen Bereich eines der produktivsten Mittel der Wortbildung. Bei der Komposition handelt es sich um Zusammensetzungen, deren einzelne Bestandteile auch alleine vorkommen können, z.B. Haustür entstanden aus Haus und Tür.

Substantivische Zusammensetzungen des Deutschen haben folgende Merkmale:

1. Sie werden alle in einem Wort geschrieben. Es gibt in seltenen Fällen auch die Bindestrich-Schreibweise.
2. Der Hauptakzent liegt in der Mehrzahl der Fälle auf dem ersten Teil.
3. Die Reihenfolge der einzelnen Bestandteile der Zusammensetzung ist nicht vertauschbar, ohne dass sich die Bedeutung des Kompositums ändert, z.B. Holztür/Türholz, Bierfass/Fassbier. Dies gilt nur für Determinativkomposita.
4. Eine Vereinfachung der Flexion liegt vor, d.h. nur noch der zweite Teil der Zusammensetzung wird flektiert, z.B. Haustür (sg.) Haustüren (pl.) .
5. Das Geschlecht und die Wortart werden durch den zweiten Teil der Zusammensetzung bestimmt, z.B. Geschlecht: das Haus + die Tür die Haustür. Wortart: hoch (A) + Haus (S) Hochhaus (S).

Substantivische Komposita haben als zweite unmittelbare Konstituente immer ein Substantiv. Beim Determinativkompositum kann die erste UK ein Substantiv, ein Adjektiv, ein Verbstamm, ein Adverb (Außentemperatur), eine Partikel (Ja-Stimme), ein Pronomen (Wir-Bewußtsein, Ich-Form) oder ein Numeral (Zwei-Kampf) sein (Stepanowa/Fleischer 1985:112). Ein Determinativkompositum liegt vor, wenn der zweite Teil der Zusammensetzung (das Grundwort) durch den ersten Teil (das Bestimmungswort) näher bestimmt wird. Wenn die beiden Bestandteile einander nebengeordnet sind, ohne dass eines dem anderen untergeordnet ist wie in Strumpfhose, dann liegt ein Kopulativkompositum vor.

Ich werde in dieser Untersuchung nur auf Determinativkomposita eingehen, weil sie am weitaus häufigsten vorkommen. Sie werden gegliedert nach der Wortklassenzugehörigkeit des Bestimmungswortes, d.h. danach, ob es sich um ein Substantiv, Adjektiv, Verb oder um eine Partikel handelt.

1.1.1 Substantiv + Substantiv

Im Deutschen kann das Bestimmungswort mit dem Grundwort sowohl unmittelbar als auch durch ein Fugenzeichen verbunden werden:

1. Unmittelbar: Die Konstituenten werden ohne Fugenzeichen miteinander verbunden, z.B. Autofahrer, Tischbein.
2. Mit Fugenelement: An der Stelle, an der die beiden unmittelbaren Konstituenten aneinander treffen, tritt ein zusätzliches Fugenelement auf.

Die Fugenelemente sind: - s- wie in Arbeitskleidung; -(e) n- wie in Hosenanzug, Studentenheim; - er - wie in Kinderzimmer; - es - wie in Gottesdienst.

Das Bestimmungswort steht zum Grundwort in unterschiedlichen Bedeutungsbeziehungen. Zu den wichtigsten Typen der Bedeutungsbeziehungen zwischen den UK gehören folgende (Stepanowa/Fleischer 1985:115-116):

Lokal: Das Bestimmungswort bezeichnet den Ort, an dem oder in dessen Richtung ein Vorgang stattfindet oder an dem sich ein Gegenstand befindet, der mit dem Grundwort bezeichnet wird.

A befindet sich in B (Gartenbeet, Haustelefon); A vollzieht sich in B (Büroarbeit, Luftkampf); A stammt von B (Landbutter); A führt zu B (Kellertreppe).

Diese Zusammensetzungen lassen sich auf präpositionale Ausdrücke zurückführen, die lokale Präpositionen enthalten, z.B. Der Sieg wurde durch den Krieg in der Luft entschieden - Der Sieg wurde durch den Luftkrieg entschieden.

Temporal: Das Bestimmungswort gibt die Zeit an, in der ein Vorgang stattfindet, der mit dem Grundwort bezeichnet wird. Hierbei kann zwischen Zeitpunkt (Morgenfrühstück) und Dauer (Tagesfahrt) differenziert werden.

Die Zusammensetzung lässt sich zurückführen auf einen präpositionalen Ausdruck und ein Verb, das den jeweiligen Vorgang bezeichnet: Wenn wir nach Hause kommen, kaufen wir die Abendzeitung - Wenn wir nach Hause kommen, kaufen wir eine Zeitung , die abends/am Abend erscheint.

A besteht aus B: Das Bestimmungswort bezeichnet den Stoff oder einen Bestandteil, aus dem der mit dem Grundwort bezeichnete Gegenstand besteht, z.B. Glashaus, Gemüsesuppe. Die meisten dieser Zusammensetzungen lassen sich auf einen präpositionalen Ausdruck mit aus zurückführen. Bei manchen können sich konkurrierende adjektivische Ausdrücke ergeben: Das Haus hat einen Kiesboden - Das Haus hat einen Boden aus Kies.

Das Zimmer hat eine Eisentür - Das Zimmer hat eine Tür aus Eisen - Das Zimmer hat eine eiserne Tür.

Instrumental: B ist Mittel für A: Brotmesser, Raucherzimmer. Diese Art von Zusammensetzung lassen sich meist auflösen in einen präpositionalen Ausdruck mit für, z.B. Geh ins Raucherzimmer - Geh ins Zimmer für Raucher.

Hier bezeichnet das Bestimmungswort das Mittel, mit dessen Hilfe der Vorgang, der vom Grundwort bezeichnet wird, durchgeführt wird: Schiffsreise, Fingerdruck.

Diese Zusammensetzungen lassen sich auf präpositionale Ausdrücke mit der Präposition mit zurückführen, z.B. Der Hammerschlag war sehr laut - Der Schlag mit dem Hammer war sehr laut.

Zugehörigkeit: B besitzt A: Hierbei bezeichnet das Bestimmungswort eine Zugehörigkeit zu der Person oder dem Gegenstand, der vom Grundwort bezeichnet wird. Die Interpretation dieser Zugehörigkeit kann entweder als “Teil-von-Beziehung” (Lewandowski 1984:16) interpretierbar sein: (Besenstiel) oder als “Gehören-zu-Beziehung”: (Vaterhaus). Weitere Beispiele sind: Autoreifen, Messergriff.

1.1.2 Adjektiv + Substantiv

Unter den Zusammensetzungen mit Adjektiven als Erstglied sind folgende zu beachten:

1. In den meisten Fällen sind die Zusammensetzung mit einem Adjektiv aus einem attributiven Verhältnis entstanden, z.B. Ich lebe in der Großstadt - Die Stadt, in der ich lebe, ist groß.
2. Jedes Adjektiv kann grundsätzlich als Bestimmungswort fungieren. Einige Adjektive sind besonders produktiv. Mit ihrer Hilfe lassen sich ganze Reihen von zusammengesetzten Substantiven bilden. Zu diesen Adjektiven gehören vor allem groß- (Großhandel), klein- (Kleingeld), halb- (Halbwahrheit), ober- (Oberkörper), unter- (Unterarm), hoch- (Hochmut), hinter- (Hintergrund) und frei- (Freistoß).

1.1.3 Verb + Substantiv

Der Zusammensetzung von Verb und Substantiv ist ein verbreitetes Phänomen in der deutschen Wortbildung. Das Verb kommt an erster Stelle vor und steht entweder ohne Infinitivendung (Schreibtisch, Kaufpreis) oder mit dem Fugenelement -e -: Schiebetür. Die Verben auf - nen erscheinen bei der Zusammensetzung mit - en-: Regenzeit, Zeichenbrett.

1.1.4 Partikel + Substantiv

Die meisten Substantive mit einer Partikel als Erstglied sind bereits Ableitungen aus zusammengesetzten Verben: Unterschrift ist nicht eine direkte Zusammensetzung aus unter + Schrift, sondern nach dem Verb unterschreiben gebildet. Aufgabe von aufgeben und nicht von auf + Gabe (Lewandowski/Wilhelm 1984:22).

Wenn das Bestimmungswort ein Adverb ist, lässt es sich auf ein Adverb in attributiven Gebrauch zurückführen, z.B. Auf dem Rückweg verloren wir unseren Schlüssel - Auf dem Weg zurück verloren wir unseren Schlüssel.

Wenn das Bestimmungswort eine Präposition ist, lässt sich die Zusammensetzung jedoch auf ein präpositionales Gefüge zurückführen: Die Freude, die man schon vor einem angenehmen Ereignis empfindet, heißt Vorfreude. Am häufigsten kommen Bildungen vor mit: vor-, nach-, rück-, mit -, zwischen-, bei-, innen-, außen-, für- und gegen-.

1.1.5Der Bau der Substantivkomposita

Als allgemeine Regel gilt, dass Komposita gewöhnlich nicht nur aus zwei Konstituenten bestehen, sondern auch noch aus (mindestens) zwei Lexemen gebildet werden.

1.1.5.0 Zweigliedrige Komposita

Nach Ortner/Gärtner (1991:9) sind zwischen 80 und 90% der Substantivkomposita aus zwei freien Lexemen gebildet. Die Bildungen mit Präfixen (z.B. EDV-Spezialist) und die Bildungen mit Suffixen (Auswandererberatung) gehören zu dieser Kategorie. Die kürzesten bestehen aus 2 Silben mit 5 Phonemen (Erdöl).

1.1.5.1 Dreigliedrige Komposita

11,8 % aller Substantivkomposita bestehen aus drei Gliedern, z.B. Armbanduhr, Haustürschloss

1.1.5.2 Viergliedrige Komposita

Einfachere Beispiele unter dieser Kategorie sind Kleinkinderspielplatz. Komplexe Bildungen enthalten mehrere Ableitungen wie z.B. in Verkehrsvereinsgeschäftsführer.

1.1.5.3 Fünfgliedrige Komposita

Nach Ortner/Gärtner (1991:26) kommen dieser Art von komplexen Bildung nur selten im substantivischen Bereich vor, z.B. Krankenversicherungskosten-dämpfungsgesetz.

1.1.5.4 Sechsgliedrige Komposita

Der Anteil der sechsgliedrigen Zusammensetzungen liegt bei nur 1%, z.B. Kaiserwilhelmgedächtniskirchturmpolitiker.

1.1.5.5 Komposita mit mehr als sechs Gliedern

Komposita von noch größerer Komplexität kommen selten vor. Beispiele unter dieser Kategorie sind: Hochleistungs-Zweigang-Schlagbohr-maschine (Das umfangreiche Beispiel stammt aus der journalistischen Textproduktion - so Ortner/Gärtner 1991:30), Strohhaufen-Brombeer-Brennessel-Nullkosten-Null-energie-Haus.

1.2 Derivation

Durch das Hinzufügen von Vorsilben und Nachsilben können neue Wörter mit verwandter Bedeutung gebildet werden.

1.2.1 Implizite Derivation

Unter impliziter Ableitung versteht man die Bildung eines Wortes ohne Verwendung eines Derivationsmorphems (Wortbildungssuffixes). Das Wort ist im Gegensatz zur Zusammensetzung nicht aus Teilen gebildet, sondern steht als Ganzes semantisch und formal zu einem anderen Wort in Beziehung. Es handelt sich bei dieser Art von Substantivbildung meistens um einen Wortklassenwechsel vom Verb zum Substantiv: Schauen > Schau. Ein Sonderfall der impliziten Derivation ist die so genannte Konversion. In diesem Fall ist die Form des Derivats mit der „Grundform“, der Basis, identisch: das Vermögen < vermögen, der Werktätige < werktätig. Substantivische Kombinationen mit den Elementen be-, ent-, er-, ver- und zer- sind grundsätzlich als deverbale implizite Derivate zu betrachten, weil die genannten Morpheme primär nur mit Verben kombinierbar sind, nicht jedoch mit Substantiven: Befall, Entschluss, Verbot. Oft liegt eine Änderung des Stammvokals vor (Ablaut) wie in Fund (< finden), Fraß (< fressen), Einbruch (< einbrechen), Griff (< greifen), Schuss (< schießen), Wurf (< werfen), Zwang (< zwingen).

Die Konversion, besonders die deverbale Bildung von Substantiven ist außerordentlich produktiv. Williams (Stepanowa/Fleischer 1985:124) stellt fest, dass "der substantivierte Infinitiv das einfachste Mittel ist, jedes Verbum zu substantivieren".

Als Basis für Konversion dienen sowohl einfache Infinitivformen wie leiden > Leiden; tun > Tun; wollen > Wollen als auch präfigierte Verben wie bestehen > Bestehen; abfischen > Abfischen; außerdem Komposita wie auseinanderfallen > Auseinanderfallen; sitzenbleiben > Sitzenbleiben; sowie Wortgruppen wie zu spät kommen > Zuspätkommen. Die Konversion zweier Infinitive wird gewöhnlich ohne Bindestrich geschrieben: Lesenlernen, Vergessenwollen, während bei der Konversion anderer Wortgruppen häufig der Bindestrich benutzt wird: Sein ständiges Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben.

1.2.2 Explizite Derivation: Suffigierung

Mit Hilfe der Suffixe werden Substantive aus anderen Substantiven, aus Adjektiven oder aus Verben abgeleitet. Fleischer/Barz (1992) unterscheidet verschiedene Typen von Suffixen:

- Heimische Suffixe (-e, -ei, -el, -er, -ler, -ner, -heit (-keit, -igkeit), -icht, -ling,
- -nis, -s, -sal, -schaft, -sel, -tel, -tum, -ung, -werk, -wesen);
- Diminutivsuffixe (-chen, -el-chen, -er-chen, lein);
- Movierung (Motion) (-in);
- Fremdsuffixe (-an, -ant, -ast usw.);
- Feminina (-(i)ade, -age, -aille, -alien, -ante/-ente, -anz/-enz, -erie, -esse, -ie,
- -iere, -ik, -ion, -ität, -itis, -ose, -ur);
- Maskulina (-an, -and, -ant/-ent, -är, -ast, -eur, -ier, -ismus/-asmus, -ist, -or);
- Maskulina und Neutra (-al, -ar, -at, -it);
- Feminina und Neutra (-ee);
- Neutra (-a-ment, -ar-ium, -ing);
- Onymische und deonymische Suffixe;
- Onymische Suffixe von Personennamen;
- Onymische Suffixe von Ortsname;
- Onymische Suffixe von Länder- und Landschaftsnamen;
- Deonymische Suffixe und unproduktive Suffixe.

Ich werde an dieser Stelle nur auf die Suffixe -ung, -heit, -keit, -igkeit, -schaft, -tum, -er und -erei eingehen.

1.2.2.1 Das Suffix - ung

- ung ist neben -er das produktivste substantivbildende Suffix der deutschen Gegenwartssprache (Zifonun 1996:32). Damit werden feminine Substantive von Verben gebildet. Die meisten Ableitungen gibt es aus Präfixverben (wie Bewertung, Verbeugung, Erregung, Übertreibung) und aus verbalen Zusammensetzungen (wie Übereinstimmung, Entgegenstellung). Weniger häufig sind die Bildungen bei einfachen, nicht erweiterten Verben (wie Ladung, Deckung). Ableitungen aus Verben fehlen meist dann, wenn es schon eine andere Substantivbildung zu dem Verb gibt (wie Ruf, Hilfe). Es gibt aber auch eine Reihe von Doppelformen, die zum Teil von ihrer Bedeutung her unterschiedlich sind, z.B. Verstoß - V erstoßung. Von modalen Hilfsverben und verbalen Zusammensetzungen, bei denen beide Teile Verbstämme sind (wie sitzenbleiben, kennenlernen), können keine Substantive auf -ung gebildet werden.

1.2.2.2 Die Suffixe -heit, -keit und -igkeit

Genauso wie das Suffix -ung das produktivste Ableitungssuffix (monokategoriale Ableitungssuffix, Zifonun 1996:34) für die Transposition von Verben in zunächst abstrakte Substantive ist, sind -heit, -keit oder -igkeit die produktivsten Suffixe zur Ableitung von Abstraktsubstantiven aus Adjektiven. Von der Mehrzahl der Adjektive können mit diesen Suffixen Substantive gebildet werden. Das Suffix -keit steht bei den Adjektiven mit der Endung - ig (traurig - Traurigkeit), - bar (sichtbar - Sichtbarkeit), -sam (aufmerksam - Aufmerksamkeit) und - lich (höflich - Höflichkeit) sowie bei einigen Adjektiven mit der Endung -er (bitter - Bitterkeit).

Das Suffix -igkeit wird angefügt bei Adjektiven mit der Endung -haft (ernsthaft - Ernsthaftigkeit) und - los (haltlos - Haltlosigkeit). Außerdem erscheint -igkeit in Verbindung mit zahlreichen Adjektiven, die auf - e auslauten (müde - Müdigkeit) oder auslauteten, was z.T. noch durch Umlaute signalisiert wird (süß - Süßigkeit).

In allen anderen Fällen wird das Substantiv auf -heit gebildet.

Nach Zifonun (1996:34) ist die Verwendung dieser Suffixe von einer Grundregel abhängig und zwar, -heit folgt auf eine vorangehende akzenttragende Silbe, d.h. immer bei Ableitungen aus einsilbigen Adjektiven, z.B. Klugheit, Schönheit, Dummheit.

-keit steht bei sog. trochäischem Fuß, wo eine Folge betonte - unbetonte Silbe vorausgeht z.B. Lieblichkeit, Seligkeit, Strebsamkeit.

Als Ausnahme gelten folgende Pseudosuffixe: -los, haft (hier steht -igkeit: Ernsthaftigkeit, Haltlosigkeit) und -en, ern (hier steht -heit: Albernheit, Offenheit).

Bei diesen Substantivtypen ist folgendes zu beachten:

1. alle Substantive sind Feminina (die Klugheit, die Schönheit, die Dummheit)
2. alle Substantive sind in der Regel abstrakt. Sie drücken vor allen Dingen Eigenschaften und Zustände aus.
3. Pluralbildung ist bei den meisten ausgeschlossen.

1.2.2.3 Das Suffix -er

Substantive, die sich unter dieser Kategorie befinden, kommen ausgesprochen häufig vor. -er- Ableitungen sind zunächst einmal nomina agentis: Sie bezeichnen diejenige Person, die die entsprechende Handlung durchführt, oder sie sind Bezeichnungen für Geräte. Es werden zum einen maskuline Substantive aus Verben abgeleitet: Diener, Flieger, Forscher, Herrscher, Raucher, Denker, Spieler, Trinker usw ., zum anderen aber auch maskuline Substantive aus Substantiven : Ethiker, Logiker, Politiker.

Die Ableitungen, die Geräte bezeichnen, sind auch (wie Personenbezeichnungen) sehr produktiv. Sie lassen sich auf Relativsätze zurückführen, z.B. Ein Heuwender ist ein Gerät, das Heu wendet.

Ableitungen von einer Wortgruppe sind ebenfalls möglich. Die Bildungen, die von Substantiven abgeleitet sind, können in zwei Gruppen aufgeteilt werden:

1. Die Ableitungen von Substantiven fremder Herkunft auf -ik, z.B. Komik - Komiker, Technik - Techniker. Diese kommen am häufigsten vor.
2. Fälle, in denen ein erweitertes Suffix -iker an Substantive mit anderem Auslaut, vor allem -ie, getreten ist, z.B. Chemie - Chemiker, Alkohol - Alkoholiker.

Die Rückführung auf einen Relativsatz ist bei diesen Bildungen nicht so leicht wie bei den früher genannten Beispielen, z.B. Ein Alkoholiker ist jemand, der von Alkohol abhängig ist (ein Gewohnheitstrinker).

Eine andere Gruppe von Substantiven auf -er sind die Bewohnerbezeichnungen (Hamburger, Berliner, Afrikaner, Tokioter usw.).

Grammatisch gibt es häufig Überschneidungen zwischen Täter (Agens) und Instrument (Gepäckträger). In solchen Fällen muss man den Kontext in Betracht ziehen, um zu wissen, ob es sich um eine Personen- oder Gerätebezeichnung handelt. Bezeichnungen wie Seufzer, Rülpser sind Ausdrücke, die (vorwiegend) menschliche Äußerungen bezeichnen, ohne dass die Beziehung zwischen Täter (Agens) und Produkt der Tätigkeit oder Handlung selbst so klar grammatikalisiert wäre. Jedoch sind solche Äußerungen äußerst selten.

1.2.2.4 Das Suffix -erei

Eine beträchtliche Gruppe von Substantiven werden mit dem Suffix -erei aus Verben gebildet. Diese Bildungen dienen dazu, die Wiederholung eines Vorgangs zum Ausdruck zu bringen. (Der Vorgang dauert länger oder geschieht öfter als erwartet oder gewünscht). Hierbei handelt es sich um Prozessbezeichnungen, die immer pejorativ sind und wiederholtes oder gewohnheitsmäßiges Verhalten beschreiben, z.B. Baderei, Esserei usw.

1.2.2.3 Das Suffix -schaft

Die Substantive, die mit dem Suffix -schaft gebildet werden, haben unterschiedliche Basen. Als Basis können vorkommen:

1. Substantivische Personenbezeichnungen, z.B . Studentenschaft, Freundschaft, Das erste und zweite Beispiel drückt die WB „Kollektivum, Menschengruppe“ aus.
2. Verbstamm, Partizip II, Infinitiv, z.B. Errungenschaft mit der WB resultative Zustands-, Sachbezeichnung“.
3. Adjektive. Das Suffix -schaft mit einer adjektivischen Basis kommt nur noch vereinzelt vor, z.B. Bereitschaft.

1.2.2.5 Das Suffix -tum

Das Suffix -tum bildet Neutra (außer den Maskulina Irrtum und Reichtum). Als Basis kommen vor:

1. Personenbezeichnungen. Personenbezeichnungen mit Fugenelement entsprechend dem Pluralzeichen (außer Herzog-, König- Mönch[s]tum, Mannestum, Volkstum), z.B. Piratentum, Unternehmertum.
2. Adjektiv, z.B. Reichtum.
3. Verbale Basis, z.B. Irrtum.

1.3 Präfixbildungen

Die Anzahl der Präfixe ist vor allem bei den Substantivbildungen relativ gering. Folgende Präfixe, die zur Bildung von Substantiven dienen, werden in den Grammatik genannt:

1.3.0 Das Präfix Erz-

Das Präfix erz- (Erzfeind, Erzlügner), meist mit Substantiven negativer Bewertung verbunden, dient der Verstärkung. (Ein Erzfeind ist ein besonders schlimmer Feind.)

1.3.1 Das Präfix Ge-

Ge - bildet Kollektiva - meistens Sachbezeichnungen , z.B. Gestein, Gewölk. Jedoch gibt es Beispiele bei dieser WBK, bei denen der kollektive Charakter nicht mehr zu spüren ist. Es besteht zum Beispiel nur noch geringe oder gar keine semantischen Unterschiede zwischen folgenden Simplexen und Derivaten: Wasser - Gewässer, Stern - Gestirn, Trank - Getränk. Bei dieser WBK gibt es Derivate wie Geflügel und Gewitter, die idiomatisiert sind. Derivate bei dieser WBK, die als Personenbezeichnungen gelten, sind selten und in der Regel idiomatisiert bzw. isoliert (Gefährte, Gesinde). Gebrüder und Geschwister gelten als Ausnahme.

1.3.2 Das Präfix Haupt-

Das Präfix Haupt- drückt die WB der/die Wichtigste oder Inhaber höherer Dienstleistung (in Verbindung mit bestimmten Berufsbezeichnungen) aus. Als Basen gelten einfachen Basen (Hauptfilm), komplexe Basen (Hauptbahnhof), Personenbezeichnungen (Hauptdarsteller) und Berufsbezeichnungen (Hauptkassierer). Als Antonym zu Haupt- gilt oft Neben- (Haupt-/Nebeneingang), und als Synonym gilt teilweise Grund- (Haupt-/Grundfrage). Haupt- ist stärker mit Personen und Sachbezeichnungen verbunden, während Grund- mit Abstrakta bevorzugt wird (Grundeindruck, Grundidee).

[...]


[1] Siehe Übersicht 1

[2] Siehe Anhang 1

[3] Siehe Übersicht 2

Details

Seiten
95
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832458614
Dateigröße
943 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221322
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Philosophie und Geisteswissenschaften, Deutsche Philologie
Note
1,5
Schlagworte
komposition derivation präfix-suffix-bildungen verdopplung ideophone

Autor

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Titel: Wortbildung in Yoruba und im Deutschen