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Finanzierungsmöglichkeiten für junge Technologieunternehmen

©2001 Diplomarbeit 76 Seiten

Zusammenfassung

Inhaltsangabe:Einleitung:
Private Unternehmensgründungen sind eine wesentliche Triebkraft zukunftsorientierter und wettbewerbsfähiger Volkswirtschaften, da sie bedeutende Wachstums- und Beschäftigungsimpulse liefern können. Durch die Entwicklung und Vermarktung innovativer Produkte und Dienstleistungen tragen insbesondere junge Technologieunternehmen anhaltend zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit und damit zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland bei.
Während des Aufbaus und anschließendem Wachstums von jungen Unternehmen ergibt sich für die Gründer eine Reihe von Hindernissen und Schwierigkeiten, die die weitere Entwicklung ihrer Unternehmen belasten und dem Wachstum oftmals Grenzen setzen.
Dies führt allzu häufig zu einer unvollkommenen Ausschöpfung des Potentials, das junge Unternehmen und Unternehmer für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eines Landes darstellen.
Junge Technologieunternehmen haben im Vergleich zu anderen neu gegründeten Unternehmen einen hohen Kapitalbedarf. Dieser resultiert vor allem aus der hohen Innovationstätigkeit der Unternehmen und bezieht sich v.a. auf die hohen Kosten des Fertigungsaufbaus, hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie auf die Markteinführung neuer Produkte.
Da hierzu die Ersparnisse der Gründer im Allgemeinen nicht ausreichen und Gewinne erst in späteren Entwicklungsphasen des Unternehmens erwirtschaftet werden, reichen diese Mittel zur Wachstumsfinanzierung der JTU meistens nicht aus. Diese zentrale Problematik im Aufbau des Unternehmens wurde auch mit Hilfe von Empirischen Studien festgestellt. Demnach stellt die Deckung des Kapitalbedarfes bei JTU ein zentrales Problem dar.
Um das weitere Unternehmenswachstum nicht zu unterbrechen und das Wachstumspotential optimal auszuschöpfen, ergibt sich daher bei den Gründern von JTU die Notwendigkeit, sich anderwärtig zu finanzieren.
Hierzu sollen die folgenden Ausführungen sowie Kapitel 3 im Speziellen mögliche Finanzierungsformen aufzeigen.
Bei genauer Betrachtung möglicher, geeigneter Finanzierungsformen ergeben sich jedoch außerordentliche Schwierigkeiten, da erhebliche Risiken mit dem JTU verbunden sind. So besteht unter anderem keine Gewissheit über die Realisierbarkeit und Marktfähigkeit der neuen Idee und ihrer Produkte. Zudem besitzen JTU in der Regel keine dienlichen Sicherheiten; reinvestierbare Gewinne werden zumeist erst nach einigen Jahren erwirtschaftet. Daneben basieren sämtliche Aussagen über Erfolg und […]

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Problemstellung
1.3 Gang der Untersuchung

2 Merkmale junger Technologieunternehmen
2.1 Technologieunternehmen
2.2 Junge Technologieunternehmen
2.2.1 Entwicklungsphasen der Technologieunternehmen
2.2.1.1 Seed-Phase (Entstehungsphase)
2.2.1.2 Start-up-Phase (Entwicklungsphase)
2.2.1.3 Expansion-Phase (Markteinführung, Fertigungsaufbau)
2.2.1.4 Later Stage
2.2.2 Definition junger Technologieunternehmen
2.3 Gründer von jungen Technologieunternehmen
2.3.1 Qualifikation / Ausbildung
2.3.2 Erfahrung
2.3.3 Persönlichkeitsmerkmale
2.3.4 Schlussfolgerung
2.4 Bisherige Finanzierung (Seed-Phase)
2.5 Kapitalbedarf
2.6 Besonderheiten junger Technologieunternehmen als Nachfrager von Kapital
2.6.1 Risiken
2.6.2 Beratungsbedarf
2.6.3 Kapitalbedarf

3 Finanzierungsalternativen
3.1 Innenfinanzierung
3.2 Außenfinanzierung
3.2.1 Fremdkapital
3.2.1.1 Bankdarlehen (langfristig)
3.2.1.2 Öffentliche Darlehen / Förderprogramme
3.2.2 Eigenkapital / Beteiligungskapital
3.2.2.1 Der formelle Beteiligungskapitalmarkt
3.2.2.1.1 Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Banken und Versicherungen
3.2.2.1.2 Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Sparkassen
3.2.2.1.3 Mittelständische Beteiligungsgesellschaften
3.2.2.1.4 Venture-Capital Gesellschaften
3.2.2.1.5 Corporate Venture Capital
3.2.2.2 Der informelle Beteiligungskapitalmarkt
3.2.2.2.1 Business Angels
3.2.2.2.2 Reine Finanzinvestoren / Passive Investoren

4 Vor- und Nachteile der Finanzierungsalternativen
4.1 Innenfinanzierung
4.2 Außenfinanzierung
4.2.1 Fremdkapital
4.2.1.1 Bankdarlehen
4.2.1.2 Öffentliche Darlehen / Förderprogramme
4.2.2 Eigenkapital / Beteiligungskapital
4.2.2.1 Der formelle Beteiligungskapitalmarkt
4.2.2.1.1 Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Banken und Versicherungen
4.2.2.1.2 Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Sparkassen
4.2.2.1.3 Mittelständische Beteiligungsgesellschaften
4.2.2.1.4 Venture-Capital Gesellschaften
4.2.2.1.5 Corporate Venture Capital
4.2.2.2 Der informelle Beteiligungskapitalmarkt
4.2.2.2.1 Business Angels
4.2.2.2.2 Reine Finanzinvestoren / Passive Investoren
4.3 Zusammenfassung

5 Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einführung

Private Unternehmensgründungen sind eine wesentliche Triebkraft zukunftsorientierter und wettbewerbsfähiger Volkswirtschaften, da sie bedeutende Wachstums- und Beschäftigungs-impulse liefern können. Durch die Entwicklung und Vermarktung innovativer Produkte und Dienstleistungen tragen insbesondere junge Technologieunternehmen anhaltend zum Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit und damit zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland bei.

Während des Aufbaus und anschließendem Wachstums von jungen Unternehmen ergibt sich für die Gründer eine Reihe von Hindernissen und Schwierigkeiten, die die weitere Entwicklung ihrer Unternehmen belasten und dem Wachstum oftmals Grenzen setzen.

Dies führt allzu häufig zu einer unvollkommenen Ausschöpfung des Potentials, das junge Unternehmen und Unternehmer für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eines Landes darstellen.

1.2 Problemstellung

Junge Technologieunternehmen haben im Vergleich zu anderen neu gegründeten Unternehmen einen hohen Kapitalbedarf. Dieser resultiert vor allem aus der hohen Innovationstätigkeit der Unternehmen und bezieht sich v.a. auf die hohen Kosten des Fertigungsaufbaus, hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie auf die Markteinführung neuer Produkte.

Da hierzu die Ersparnisse der Gründer im Allgemeinen nicht ausreichen und Gewinne erst in späteren Entwicklungsphasen des Unternehmens erwirtschaftet werden, reichen diese Mittel zur Wachstumsfinanzierung der JTU meistens nicht aus. Diese zentrale Problematik im Aufbau des Unternehmens wurde auch mit Hilfe von Empirischen Studien[1] festgestellt. Demnach stellt die Deckung des Kapitalbedarfes bei JTU ein zentrales Problem dar.

Um das weitere Unternehmenswachstum nicht zu unterbrechen und das Wachstumspotential optimal auszuschöpfen, ergibt sich daher bei den Gründern von JTU die Notwendigkeit, sich anderwärtig zu finanzieren.

Hierzu sollen die folgenden Ausführungen sowie Kapitel 3 im Speziellen mögliche Finanzeierungsformen aufzeigen.

Bei genauer Betrachtung möglicher, geeigneter Finanzierungsformen ergeben sich jedoch außerordentliche Schwierigkeiten, da erhebliche Risiken mit dem JTU verbunden sind. So besteht unter anderem keine Gewissheit über die Realisierbarkeit und Marktfähigkeit der neuen Idee und ihrer Produkte. Zudem besitzen JTU in der Regel keine dienlichen Sicherheiten; reinvestierbare Gewinne werden zumeist erst nach einigen Jahren erwirtschaftet. Daneben basieren sämtliche Aussagen über Erfolg und Realisierbarkeit des Vorhabens auf Markt- und Branchenanalysen und –prognosen.

Eine genaue Betrachtung der möglichen Finanzierungsformen ist daher notwendig. Schließlich müssen die Besonderheiten der JTU als Nachfrager von Kapital bei der Auswahl der in Kapitel 3 dargestellten Finanzierungsalternativen berücksichtigt werden. Eine Bewertung der Finanzierungsalternativen soll in Kapitel 4 vorgenommen werden.

1.3 Gang der Untersuchung

Die Arbeit beginnt mit der Darstellung der Merkmale JTU. Dazu wird in Kapitel 2 zunächst eine Definition von JTU anhand der Entwicklungsphasen von TU im Allgemeinen herausgearbeitet.

Danach werden die Besonderheiten JTU als Nachfrager von Kapital anhand folgender Gliederungspunkte aufgezeigt: Gründer von JTU bisherige Finanzierung Kapitalbedarf

Die verschiedenen Finanzierungsalternativen werden dann in Kapitel 3 dargestellt.

Aufbauend auf Kapitel 2 und Kapitel 3 erfolgt in Kapitel 4 eine Bewertung der einzelnen Finanzierungsalternativen für junge Technologieunternehmen.

Der Abschluss dieser Arbeit zeigt zusammenfassend die Problematik der Auswahl von Finanzierungsalternativen auf und gibt Anregungen für eine mögliche Gesamtfinanzierungs-planung junger Technologieunternehmen.

2 Merkmale junger Technologieunternehmen

Im folgenden Kapitel sollen die Merkmale, Chancen und Risiken von JTU herausgearbeitet werden. Dazu wird zunächst der Begriff TU definiert und dessen Entwicklungsphasen dargestellt. Im Anschluss an diese Ausführungen lässt sich eine Definition von JTU ableiten. Hierbei beziehen sich alle Ausführungen sowohl auf Industrie- als auch auf Dienstleistungsunternehmen.

In dem Kapitel „Gründer“, „Bisherige Finanzierung“ und „Kapitalbedarf“ werden die Besonderheiten von JTU als Nachfrager von Kapital näher erläutert.

Als wesentliche Kriterien zur Bewertung einzelner Finanzierungsformen ergeben sich anschließend die Punkte „Risiken“, „Beratungsbedarf“ und „Kapitalbedarf“.

2.1 Technologieunternehmen

Der Begriff Technologieunternehmen ist in der Literatur nicht einheitlich definiert.

Unterschiedliche Autoren verwenden verschiedene Terminologien wie beispielsweise junges, innovatives Unternehmen, Hochtechnologieunternehmen oder technologierorientierten Industrien. Abweichend hiervon werden aber auch Unternehmen nach ihrer Zugehörigkeit zu technologieintensiven Wirtschaftszweigen definiert. In Deutschland werden diese technologieintensiven Wirtschaftszweige in die Bereiche „Spitzentechnik“, „höherwertige Technik“ und „technologieintensive Dienstleistungen“ unterteilt. „Spitzentechnik“ und „höherwertige Technik gehören dem Bereich des verarbeitenden Gewerbes an. Die der „höherwertigen Technik“ zugeordneten Wirtschaftszweige werden durch eine F&E-Intensität von 3,5 bis 8,5 Prozent als Anteil vom Umsatz charakterisiert, Wirtschaftszweige mit einer über 8,5 Prozent liegenden F&E-Intensität als „Spitzentechnik“.[2]

Das gemeinsame Merkmal aller Definitionen ist, dass alle TU einen Scherpunkt in der F&E haben und allen ein zentraler Stellenwert beim Technologiegrad der Innovationstätigkeit zugeordnet wird.[3] Daher soll im Folgenden nicht zwischen verschiedenen technologieorientierten Wirtschaftszweigen differenziert, sondern von der Gesamtheit der technologieintensiven Bereiche ausgegangen werden.

Die Geschäftsfelder der Technologieunternehmen sind vor allem durch neue Produkte, neue Verfahren oder innovative Dienstleistungen gekennzeichnet. Ihr Leistungsangebot weist gegenüber bisherigen, vergleichbaren Lösungen ein höheres Innovationsniveau auf. Die neuen Produkte bzw. Verfahren erfordern den Aufbau einer entsprechenden Fertigung und Organisation. Darüber hinaus sind umfangreiche Marketingaktivitäten unabdinglich. Des Weiteren ist ein hoher Anteil an Forschungs- und Entwicklungsarbeit für diese Technologieunternehmen charakteristisch. Sie weisen einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Beschäftigten in F&E auf, sind mit hochwertiger Labor-, Forschungs- und Entwicklungstechnik ausgestattet und streben durch ihr dauerhaftes F&E-Engagement Wettbewerbsvorteile unter Ausnutzung ihres Innovationsvorsprungs an. Diese daraus resultierenden, neuen Produkte und Verfahren haben maßgeblichen Einfluss auf Umsatz und Gewinn der Unternehmen. Sie versprechen somit einen attraktiven, wirtschaftlichen Erfolg.[4]

2.2 Junge Technologieunternehmen

Im Folgenden werden die Besonderheiten von JTU herausgearbeitet. Dabei sollen zunächst die Entwicklungsphasen der TU behandelt werden, gefolgt von der daraus resultierenden Definition von JTU.

2.2.1 Entwicklungsphasen der Technologieunternehmen

Technologieunternehmen durchlaufen von ihrer Entstehung bis zu ihrer Reife idealtypisch mehrere, sich zum Teil überlappende Lebensphasen. Für jede Lebensphase sind unterschiedliche Aktivitäten, Managementaufgaben und Probleme charakteristisch. Die Schwerpunkte der Unternehmensführung verlagern sich entsprechend dem sich wandelnden Unternehmens-charakter. Dem zufolge erfordert eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung das sukzessive Durchlaufen der einzelnen Lebensphasen. Gelingt dies nicht, treten Störungen in der Entwicklung des Technologieunternehmens auf.

Durch Fehlentscheidungen des Managements sind logischerweise auch Rückschritte in der Unternehmensentwicklung möglich. Sie können im Extremfall auch zum Scheitern des Vorhabens führen.

Für die Entwicklungsphasen von Unternehmen gibt es in der Literatur eine Vielzahl von Bezeichnungen, die nur schwer voneinander abgrenzbar sind. In der Praxis hat sich im deutschen Sprachraum die angloamerikanische Terminologie durchgesetzt, die sechs idealtypische Phasen unterscheidet,[5] die jedoch in drei Gruppen zusammengefasst werden. Siehe hierzu Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.1.1 Seed-Phase (Entstehungsphase)

Ausgehend von einer Gründungsidee bzw. Geschäftsidee bereiten die Gründer eines künftigen jungen Technologieunternehmens in einer ersten Phase, der Entstehungsphase, die Umsetzung ihres Vorhabens vor. Hierzu stellen umfangreiche Patent- und Literaturrecherchen, Marktrecherchen, Machbarkeitsstudien, Informationsanalysen und Finanzierungsstudien entscheidende Grundlagen dar.[6] Die von den zukünftigen Unternehmensgründern entwickelte Idee muss mit dem Umfeld – Banken, Technologie- und Gründerzentren, Industrie- und Handelskammern u.a. – abgestimmt werden. Des Weiteren muss über die Zusammensetzung des Gründerteams, den Standort und die Rechtsform entschieden werden. Die formale Gründung des Unternehmens setzt voraus, dass bei der entwickelten Unternehmenskonzeption die Aussichten auf Erfolg gegeben sind. Dazu sind u.a. FuE-Projekte und ihre Ziele zu definieren, die Kundenanforderungen, die Wettbewerbssituation und die Marktchancen zu analysieren, Kosten-, Erlös-, Liquiditäts- und Finanzierungspläne aufzustellen sowie die Unternehmensziele zu definieren. Auf der Grundlage dieser intensiven Planungsarbeit wird ein Businessplan erstellt, der dann auf seine Realisierungsmöglichkeiten eingehend untersucht werden muss.[7]

2.2.1.2 Start-up-Phase (Entwicklungsphase)

Die Start-up-Phase beginnt mit der formalen Gründung des Unternehmens, d.h. dem Eintrag im Handelsregister. Diese Phase wird in der Literatur auch FuE-Phase genannt, denn zu diesem Zeitpunkt steht die Forschung und Entwicklung für neue Produkte und Verfahren im Mittelpunkt der Unternehmensaktivitäten. Gleichzeitig ist ein Kontaktnetz zu Kunden, Vertriebspartnern und Zulieferern aufzubauen sowie die Markteinführung der Produkte vorzubereiten. Arbeitsteilung und Kooperation in der Fertigung sind festzulegen, damit rechtzeitig für die zu erbringenden Leistungen die Fertigungskapazitäten aufgebaut und für Zulieferer die Aufträge vergeben werden können.[8]

In dieser zweiten Phase dominiert die Entwicklungsarbeit sehr stark die Aktivitäten in dem jungen Unternehmen. Entscheidungsprozesse, Informations- und Kontrollsysteme sind informell.

Da alle wesentlichen Managementfunktionen von den Gründern selbst wahrgenommen werden,

hängt der Erfolg des Unternehmens überwiegend von deren technischen und betriebswirt-schaftlichen Qualifikationen ab.[9]

Die Seed-Phase wird zusammen mit der Start-up-Phase auch als Early-stage bezeichnet.

Die Realisierung der Fertigungsinvestitionen, d.h. der Aufbau und die Einrichtung der Fertigung, leitet die „Expanison-Phase“ ein.

2.2.1.3 Expansion-Phase (Markteinführung, Fertigungsaufbau)

Zu Beginn der Expanison-Phase steht der Verkauf der ersten eigenen Produkte. Aus den daraus folgenden Kundenreaktionen ergeben sich gezielte Maßnahmen für die Produktverbesserung und die Marktaufbereitung.

Die Überprüfung des eingeführten Entwicklungskonzeptes stellt den Schwerpunkt in dieser Phase dar. Hier können bereits erste Rückschlüsse darauf gezogen werden, ob fertigungs- und marktgerechte Produkte entwickelt wurden.[10]

Verzögerungen in der Seed-Phase, im Fertigungsaufbau oder bei der Markteinführung können die wirtschaftliche Situation der Unternehmen gefährden. Nicht kalkulierbare Markteintrittsbarrieren, wie z.B. eine unerwartet hohe Loyalität der Kunden stellen ebenso ein hohes Risiko dar. In Abhängigkeit dieser Faktoren verändert sich in der Regel bereits in der Expansion-Phase der Charakter des Unternehmens.

Bei technischer und wirtschaftlicher Bewährung der Produkte und Verfahren auf dem Markt ergibt sich die Möglichkeit, in eine weitere Phase der Wachstumsphase überzugehen, die immer noch als Teilbereich der Expansion-Phase zugerechnet wird. Typische, mögliche Merkmale dieser Wachstumsphase sind die breite Vermarktung des neuen Produktes, die Erschließung neuer Marktsegmente, der Kapazitätsausbau in der Fertigung und beim Vertrieb, die Ausprägung der inneren Organisation, die Erhöhung des Umsatzes und der Anzahl der Beschäftigten.[11] Während dieser Zeit nimmt der unternehmensinterne Koordinationsaufwand stark zu. Institutionalisierte Informations-, Kommunikations- und Entscheidungsprozesse bilden sich heraus, wodurch sich die bisherigen Aufgabenbereiche der Gründer stark wandeln. Schließlich festigen sich die wirtschaftliche Situation und die Beziehung zu den Kapitalgebern so, dass das Unternehmen als konsolidiert betrachtet werden kann und die Eigenschaft „jung“ bald nicht mehr zutrifft.[12]

2.2.1.4 Later Stage

Der Expansion-Phase folgen die Later-Stage-Phasen wie Bridge, Buy-out oder Buy-in.[13]

Da sich diese auf die Entwicklung von TU im Allgemeinen beziehen, kann hier bei der Bearbeitung junger Technologieunternehmen im Speziellen die Darstellung dieser Phasen vernachlässigt werden.

2.2.2 Definition junger Technologieunternehmen

JTU sind neugegründete oder am Anfang ihres Lebenszyklus stehende Unternehmen, deren Geschäftsfelder vor allem durch neue Produkte, neue Verfahren oder innovative Dienstleistungen gekennzeichnet sind. Als wesentliches Merkmal von JTU wird die enorme Innovativität und das damit verbundene, weit überdurchschnittliche Wachstumspotential angesehen. Dem entgegen steht das verhältnismäßig große und mit der enormen Innovation in Zusammenhang stehende Risiko des Scheiterns.

Betrachtet man die einzelnen Entwicklungsstufen von TU, so sind JTU der Start-up und Expanision-Phase zuzuordnen. Die wesentlichen Tätigkeiten der JTU zielen zunächst auf die Umsetzung der in der Seed-Phase erstellten Pläne (Business-Plan) ab. Hierbei steht die F&E im Mittelpunkt der Unternehmensaktivitäten. Des Weiteren werden für das JTU wichtige Kontakte zu potentiellen Kunden, Zulieferern und Vertriebspartnern aufgebaut.

Die Einrichtung der Fertigung leitet daraufhin den Markteintritt ein, und das Unternehmen geht in die Expansion-Phase über. Erste Verkäufe der eigenen Produkte werden getätigt, aus Kundenreaktionen ergeben sich gezielte Maßnahmen für Produktverbesserungen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die F&E nur noch eine untergeordnete Rolle bei den Unternehmensaktivitäten ein.

Während dieser Zeit realisiert das Unternehmen zwar steigende Umsätze, doch aufgrund seiner immer noch hohen Aufwendungen für F&E sowie für die Marktbearbeitung, gelangt es immer noch nicht in die Gewinnzone.

Sowohl in der Start-up, als auch in der Expanison-Phase werden parallel zu o.g. Aktivitäten fortlaufend Gespräche mit potentiellen und schon vorhandenen Kapitalgebern zur Finanzierung der genannten Aktivitäten geführt.

2.3 Gründer von jungen Technologieunternehmen

Aufgrund der aufgezeigten Vielschichtigkeit der Aufgabenbereiche werden an die Gründer von JTU hohe Anforderungen gestellt. Ihr Aufgabengebiet und ihre Verantwortung umfasst sämtliche betrieblichen Bereiche. Die Gründer sind sowohl Schlüsselpersonen für die Lösung technischer Probleme als auch Manager.[14] Ihr Verantwortungs- und Entscheidungsbereich reicht von der Liquiditäts-, Produktivitäts- und Rentabilitätssicherung, der Einstellung und Entlassung von Mitarbeitern, dem Marketing bis zum Entwurf von Prototypen und der gesamten F&E-Arbeit. Kurzum, sie tragen die Verantwortung für alle Bereiche des Unternehmens.

Der zukünftige Erfolg der Unternehmung hängt somit entscheidend von Engagement und Führungskompetenz der Gründer sowie von ihrer fachlicher Qualifikation, Berufserfahrung und ihrer persönlichen Einstellung bzw. ihren Persönlichkeitsmerkmalen ab.

2.3.1 Qualifikation / Ausbildung

Die Art und Qualität der Ausbildung der Gründer von JTU ist eine Größe, die den Unternehmenserfolg wesentlich beeinflussen kann.

Laut Statistik[15] dominieren naturwissenschaftlich-technische Ausbildungen (ca. 70 bis 90 Prozent) bei den Gründern von JTU. Im Gegensatz dazu besitzen nur ca. 12% der Gründer eine kaufmännische Ausbildung.[16]

Somit haben viele Gründer Know-how-Lücken und fehlende Erfahrung in nicht-technischen Fragen.

2.3.2 Erfahrung

Eine weitere entscheidende Variable für den Erfolg des JTU stellt die Erfahrung der Gründer in unterschiedlichen Bereichen dar.

Sie können eine durchschnittliche Dauer der Berufserfahrung zwischen 11 und 12 Jahren aufweisen. Etwa 61% der Gründer in den neuen Bundesländern (NBL) und 49% in den alten Bundesländern (ABL) haben Erfahrung nur in naturwissenschaftlichen oder technischen Bereichen sammeln können. Nur 11% (NBL) bzw. 7% (ABL) der Gründer können Unternehmenserfahrung im kaufmännischen Bereichen aufweisen. Nach einer Erhebung des Frauenhofer-Institus[17] verfügen knapp 30% der Gründer über gar keine Unternehmenserfahrung.

Somit besteht ein nicht unerhebliches Erfahrungsdefizit bei wesentlichen Schlüssel-qualifikationen. Auch die Beachtung von Budgets und Zeitplänen sowie Erfahrungen des normalen Betriebsablaufs sind ihnen weitgehend fremd.

Vielen Gründern mangelt es somit an Erfahrung und Ausbildung an kaufmännisch-organisatorischen Fähigkeiten.

Somit kann festgestellt werden, dass bei etwa einem Drittel aller Unternehmensgründer von JTU die Erfahrung und Ausbildung kaufmännisch-organisatorischer Fähigkeiten fehlen.

2.3.3 Persönlichkeitsmerkmale

Der Erfolg der Unternehmung wird jedoch auch von der persönlichen Einstellung und Haltung der Gründer mitbestimmt. Sie sind es, die alle wesentlichen Entscheidungen treffen und auch für die Bewertung und Auswahl der Finanzierungsalternativen zuständig sind.

Der Zugang zu unternehmerischem Denken und das angemessene Verhalten im Umgang mit potentiellen Investoren (siehe dazu auch vorherige Punkte) sind ihnen häufig fremd.

Intentionen der Investoren sind für sie nicht immer durchschaubar oder erkennbar. Daher zeigen die Gründer häufig Unsicherheiten in Verhandlungssituationen.

Dadurch sind Misserfolge bei der Kapitalgewinnung nicht selten schon vorprogrammiert.

Zu Beginn ihrer unternehmerischen Tätigkeit ist eine gewisse Aversion gegenüber neuen Geschäftspartnern bei den Gründern zu beobachten, da sie oft das Ziel verfolgen, ein „eigenes Unternehmen“ aufzubauen, Unabhängigkeit und Selbständigkeit zu wahren, Entscheidungen selbst zu treffen und sich nicht zu verschulden.[18]

Eine große Skepsis vor allem gegenüber einer Beteiligungsfinanzierung besteht bei einigen unerfahrenen Unternehmensgründern von JTU deshalb, weil sie befürchten, Wissen oder Erkenntnisse könnten entwendet werden oder sie „könnten über den Tisch gezogen“ werden.

Diese Haltung wird oft von einer gewissen Risikoaversion unterstützt.[19]

Es ist jedoch zu beobachten, dass diese anfängliche, durchaus verständliche Grundeinstellung im Laufe der weiteren Entwicklung des Unternehmens und der zunehmenden Erfahrung der Gründer stetig abnimmt. Die Gründer entwickeln Weitsicht und verhalten sich offener und sicherer gegenüber möglichen Investoren bzw. Beteiligungsformen.

Neben dieser in der Regel positiven Entwicklung stellt die Bewertung der Finanzierungsformen, auf die in Kapitel 4 näher eingegangen wird, eine weitere Herausforderung an die Gründer dar.

2.3.4 Schlussfolgerung

Es bleibt festzustellen, dass sich für Gründer von jungen Technologieunternehmen , die erfahrungsgemäß über ein hohes technisches Wissen verfügen, ein enormer Beratungsbedarf ergibt (siehe Abbildung 1 Seite 4, Ressourceneinsatz). Dieser erstreckt sich im Allgemeinen über kaufmännische, organisatorische und rechtliche Bereiche des Unternehmens.

Die Finanzierung JTU kann ohne Beachtung dieses Beratungsbedarfes nicht geregelt werden, wenn der Unternehmenserfolg nicht schon bei der Unternehmensgründung gefährdet werden soll. Hierauf sollten sowohl potentielle Kapitalgeber, als auch die Gründer selber achten.[20]

2.4 Bisherige Finanzierung (Seed-Phase)

Die bisherige Finanzierung besteht im Wesentlichen aus in Anspruch genommenen Quellen in der Seed-Phase. Nach Entstehen einer Idee, sei es für ein Produkt, eine Dienstleistung etc, wenden Gründer hauptsächlich eigene finanzielle Mittel zur Verfolgung dieser Idee auf.[21]

Im weitern Verlauf sind diese Mittel schnell erschöpft, so dass diejenigen Unternehmer häufig auf Kapital von Verwandten, Freunden und evtl. auch auf Banken zurückgreifen.

Schließlich werden sog. Existenzgründungsprogramme in Anspruch genommen, wobei vor allem regionale Fördermittel zu nennen sind.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass die Gründer von TU allzu häufig nicht mehr in der Lage sind, weitere Eigenmittel dem Unternehmen beizusteuern und weitere Sicherheiten zu leisten.

Bei der weiteren Bearbeitung des Themas müssen die aus den vorherigen Finanzierungen entstandenen Verpflichtungen daher nicht weiter berücksichtiget werden. Eine Finanzierung durch die Gründer selbst oder durch Verwandte bzw. Bekannte bleibt daher im Folgenden ebenfalls ausgeschlossen.

2.5 Kapitalbedarf

Der Kapitalbedarf JTU erstreckt sich zum einen auf den Fertigungsaufbau und zum anderen auf die Markteinführung. Fertigungstechnik in Form von Maschinen, Anlagen, Geräten und speziellen Betriebsmitteln sind zu beschaffen. Der Raumbedarf ist zu ermitteln und in diesem Zusammenhang ist auch die Infrastruktur des Unternehmens neu zu ordnen. In der Regel besteht die Notwendigkeit, einen Mindestbestand an Material, Rohstoffen, Werkzeugen und Halbfabrikaten anzulegen. Diese erstmalige Ausstattung mit Umlaufvermögen nimmt einen großen Teil des Investitionsvolumens ein und wird dennoch zu oft bei der Vorausbestimmung des Kapitalbedarfs vernachlässigt. Da mit den neuen Produkten und Verfahren außerdem Markteintrittsbarrieren zu überwinden bzw. neue Märkte erst zu erschließen sind, sowie der Vertrieb aufzubauen ist, liegt der Kapitalbedarf für die Markteinführung im Vergleich zu schon etablierten Unternehmen wesentlich höher und fällt daher auch über einen längeren Zeitraum an. Schließlich wird auch eine Liquiditätsreserve notwendig.[22]

Der Finanzbedarf, den junge Technologieunternehmen aufweisen, ist naturgemäß ex ante schwer zu bestimmen, denn der Kapitalbedarf für den Fertigungsaufbau, die F&E und die Markteinführung im einzelnen Unternehmen hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören: das Technologiegebiet, die Investitionsintensität der Branche, der Zielmarkt und der gewählte Vertriebsweg, der Wert der Zulieferungen, die Durchlaufzeit der Aufträge und die Liefer- und Zahlungsbedingungen in Verbindung mit der Produktcharakteristik.[23]

Laut einer durch das Frauenhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung in Auftrag gegebenen Erhebung weisen junge Technologieunternehmen in der Frühphase, also bis zum Ende der F&E, im Durchschnitt einen Kapitalbedarf von DM 0,5 bis 2 Mio auf. Bei den 336 untersuchten Unternehmen ergab sich bis zu dieser Phase hier im Mittel ein Kapitalbedarf von DM 1,7 Mio..[24]

Bei einer Befragung von 36 ostdeutschen JTU, beziffern diese ihren Kapitalbedarf für den Fertigungsaufbau und die Markteinführung, also nach Abschluss von F&E, im Durchschnitt auf DM 1,44 Mio.. Dabei ergaben sich im Einzelnen:

Investitionen zum Fertigungsaufbau DM 549.000,-
Markterschließung DM 237.000,-
Umlaufvermögen DM 658.000,-

Addiert man zu diesen Beträgen noch Aufwendungen für „Sonstiger Kapitalbedarf“ (z.B. für die Schaffung der Infrastruktur), so steigt der Kapitalbedarf auf DM 1,866 Millionen. Bei dieser Befragung bezieht sich der Kapitalbedarf auf einen Zeitraum von 3 Jahren nach Abschluss der F&E. Setzt man für F&E ca. 1,7 Millionen DM an, dann benötigt ein junges Technologieunternehmen für F&E, Fertigungsaufbau und Markteinführung ca. DM 3 Mio..[25]

Diese Summe wird durchschnittlich über eine Dauer von 3 bis 5 Jahren benötigt. Je nach Unternehmen tritt ein erhöhter Kapitalbedarf entweder zu Beginn der Seed-Phase oder erst zu einem späteren Zeitpunkt auf. Des Weiteren kann der Kapitalbedarf einzelner Unternehmen vom Durchschnitt erheblich, vor allem nach oben, so abweichen, dass die Schwelle von DM 10 Mio. leicht durchbrochen werden kann.

2.6 Besonderheiten jungen Technologieunternehmen als Nachfrager von Kapital

2.6.1 Risiken

Da die Unternehmen sehr jung, in ihrem Organisationsaufbau nicht konsolidiert und im Markt noch nicht etabliert sind, bestehen bei noch nicht abgeschlossener Produktentwicklung technische Risiken, als auch Risiken sonstiger Art.

Die Entwicklung und Markteinführung innovativer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen erfordern einen langen Zeitraum der Mittelbindung. Zudem basieren alle Annahmen über den zukünftigen Erfolg des Unternehmens auf Markt- und Branchenanalysen und –prognosen, die keine zuverlässigen Aussagen treffen können. Markteintrittbarrieren treten oft erst in späteren Phasen auf, ebenso wie Nachahmerprodukte.

Der Kapitalbedarf ist i.d.R. nur ungenau abzuschätzen und bei anspruchsvollen Innovationsvorhaben vergleichsweise hoch. Der effektive Bedarf kristallisiert sich zudem häufig erst in mehreren Nachfinanzierungsrunden heraus und liegt dann erfahrungsgemäß über den anfänglich prognostizierten Werten.

Bis zur Marktetablierung erwirtschaften JTU nur in geringem Umfang reinvestierbare Gewinne. Es fehlen dingliche Sicherheiten, oder deren Beleihungswert ist im Vergleich zur Höhe der benötigten Mittel niedrig. Daher besteht kein großer Spielraum für eine Kreditfinanzierung.

Der Erfolg des Unternehmens hängt im Wesentlichen von der Realisierung und Marktfähigkeit der eigentlichen Idee der Gründer ab.

Daher sollte bei der Auswahl geeigneter Finanzierungsformen die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, anstatt der Sicherheiten, das Potential der Idee und die daraus resultierende hohe Gewinnerwartung in die Due-Diligence (Unternehmensanalyse) mithinzubeziehen.

2.6.2 Beratungsbedarf

Wie in Kapitel 2.3 bereits erwähnt, haben JTU meist einen hohen Beratungsbedarf, da die technisch orientierten Gründer noch nicht im erforderlichen Umfang über die Vielfältigkeit der Erfahrungen verfügen, die zur Bewältigung der komplexen Anforderungen aus dem Aufbau einer neuen Unternehmenseinheit notwendig sind. Hieraus kann sich ein hoher und damit kostenintensiver Betreuungsaufwand für einen Kapitalgeber ergeben.[26]

Managementunterstützung sollte vor allem in kaufmännischen, organisatorischen und rechtlichen Bereichen des Unternehmens geleistet und finanziell abgesichert werden.

2.6.3 Kapitalbedarf

Grundsätzlich ist der Kapitalbedarf zur Finanzierung des Unternehmensaufbaus individuell nur schwer zu bestimmen. Die in Kapital 2.5 genannten Beträge sollen hier nur die ungefähre Höhe des Investitionsvolumens aufzeigen.

Oft unterschätzen die Unternehmensgründer jedoch auch den Zeit- und Kostenaufwand zur Realisierung ihres Vorhabens. Jedoch selbst bei einer umsichtigen und exakten Bestimmung des Kapitalbedarfes sollte ein Kapitalgeber über das entsprechende Potential zur Finanzierung weiterer Finanzierungsrunden verfügen.[27] Durch nicht vorhersehbare Marktveränderungen oder

Verzögerungen und sonstige Schwierigkeiten in der F&E kann der Kapitalbedarf im Extremfall um einige Millionen DM ansteigen.

Bei der Auswahl geeigneter Finanzierungsformen sollte die Gewinnsituation des JTU mitberücksichtigt werden. Durch ausbleibende Gewinne in den ersten Jahren nach der Gründung, ergibt sich nur ein geringer Spielraum für Zins- und Tilgungszahlungen. Aus diesem Grund sollten Finanzierungsformen bevorzugt werden, die entweder auf Zahlungsverpflichtungen durch das JTU gänzlich verzichten, oder Zins- und Tilgungszahlungen auf spätere Perioden verlagern, in denen sich das JTU bereits in der Gewinnzone befindet. Dies schon die Liquidität des JTU und hilft ihm sich besser zu entwickeln.

Als weiteres Kriterium zur Auswahl geeigneter Finanzierungsformen sollte die Zeitdauer der Mittelbereitstellung herangezogen werden. Die bereitgestellten Mittel sollten dem JTU mittel- bis langfristig zur Verfügung stehen, um eine sichere und langfristige Unternehmensplanung zu unterstützen.

3 Finanzierungsalternativen

In diesem Kapitel werden alle für junge Technologieunternehmen in Frage kommenden Finanzierungsformen dargestellt. Unterschieden wird dabei nach der Mittelherkunft aus Sicht der Unternehmung. Demnach gliedern sich die Finanzierungsmöglichkeiten zunächst in die Innen- und Außenfinanzierung.

Die Außenfinanzierung gliedert sich in die Eigen- bzw. Beteiligungsfinanzierung und die Fremdfinanzierung.

Im Rahmen der Außenfinanzierung erfolgt die Zuführung finanzieller Mittel durch Einlagen der Unternehmenseigner oder Beteiligung von Gesellschaftern sowie durch Kreditkapital von Gläubigern. Zur Außenfinanzierung zählt auch die Finanzierung über staatliche und sonstige Subventionen.

Die Innenfinanzierung einer Unternehmung resultiert dagegen aus Mitteln, die das Unternehmen selbst erwirtschaftet.

Da im Folgenden nur diejenigen Finanzierungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, die generell zur Finanzierung von jungen Technologieunternehmen in Frage kommen, werden nur langfristige Finanzierungsmöglichkeiten behandelt, da nur diese nachhaltig den Erfolg des Unternehmens sicherstellen können.

3.1 Innenfinanzierung

Der Begriff Innenfinanzierung beschreibt die Kapitalbeschaffung aus Umsatzerlösen oder aus Desinvestitionen, die das Unternehmen aus eigener Kraft erwirtschaftet bzw. erwirtschaftet hat.

Es existieren verschiedene Formen der Innenfinanzierung:

- Finanzierung aus einbehaltenen Gewinnen
- Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten
- Finanzierung aus Rückstellungswerten
- Finanzierung aus Vermögensumschichtung[28]

Aus Gründen des Umfangs dieser Arbeit und weil JTU wenn überhaupt nur marginal über diese Möglichkeiten verfügen, wird hier von weiteren Ausführungen abgesehen.

3.2 Außenfinanzierung

3.2.1 Fremdkapital

3.2.1.1 Bankdarlehen (langfristig)

Bankkredite (Darlehen) sollten zur Deckung des langfristigen Kapitalbedarfs aufgenommen werden (Fristenkongruenz). Vorraussetzung für die Kreditgewährung, ist die Prüfung der Kreditwürdigkeit bzw. Kreditfähigkeit des Unternehmens. Sie setzt an den rechtlichen Grundlagen sowie an Persönlichkeitsmerkmalen des Unternehmers / Unternehmens an, wie Alter, Gesundheitszustand, familiäres Umfeld, berufliche und fachliche Fähigkeiten, Einkommens- und Vermögenssituation, wirtschaftliche Belastungen und Management-erfahrungen. Dazu werden Gesellschaftsverträge, Jahresabschlüsse, Bilanzen, Vermögens-verzeichnisse, Organisationsstrukturen, Auftragsbestandslisten, Gewinnpotentialrechnungen Sicherheiten etc. analysiert. Kreditfähigkeit ist dann gegeben, wenn die Unternehmenskonzeption, die Wettbewerbs- und Marktsituation, der Investitionsplan, die Innovationskraft und die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens (Umsatz, Gewinn) erwarten lassen, dass das Unternehmen die Kreditverpflichtungen erfüllen kann. Maßgebend für die Entscheidung eines Kreditinstituts ist letztlich die Fähigkeit des Unternehmens bzw. der haftenden Personen, den Kreditverpflichtungen nachzukommen.

JTU fällt es oft schwer, ihre Kreditwürdigkeit darzustellen. Wie in Kapitel 2.3.3 bereits erläutert bewirken häufig fehlende Erfahrungen im Umgang mit Kreditinstituten, dass die Unternehmenskonzeption nicht überzeugend vorgetragen werden kann. Objektiv bestehende Risiken führen zu unsicheren Aussagen zur Umsatz- und Gewinnentwicklung. Es fehlen Vergangenheitswerte über die wirtschaftliche Entwicklung, auf die sich die Kreditbearbeiter bei ihrer Meinungsbildung stützen könnten. Den technisch meist nicht versierten Kreditbearbeitern sind häufig innovative Projekte nur schwer verständlich zu machen.

Unter diesen Bedingungen ist es aus Sicht der Kapitalgeber verständlich, zusätzliche Sicherheiten für den Kredit zu verlangen.

Zur Einschränkung des Risikos wird erwartet, dass der Kreditnehmer diese Sicherheiten bietet, auf die im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens der Kreditgeber zur Durchsetzung der vertraglich festgelegten Ansprüche zurückgreifen kann. Das können Personalsicherheiten in Form von Bürgschaften, Garantien, Kreditaufträgen oder Schuldbeitritten sein. Bei Sachsicherheiten erwirbt der Kreditgeber Rechte an beweglichen oder unbeweglichen Vermögensgegenständen in Form von Grundpfandrechten, Pfandrechten, Sicherungs-übereinigungen, Eigentumsvorbehalten und Sicherungsabtretungen. Vor allem Gründer aus den neuen Bundesländern besitzen kaum derartige Sicherheiten, da eine Ansammlung von Vermögenswerten bisher nur schwer möglich war.

[...]


[1] Vgl. Lessat, V. et al. (1999), S. 87 und Hundsiek, D. (1987), S. 43 ff. sowie DtA (1998), S. 13

[2] Vgl. Brettel, M. / Jaugey, C. / Rost, C. (2000), S. 7

[3] Vgl. Lessat, V. et al. (1999), S. 7

[4] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 11

[5] Vgl. Schefczyk, M. (2000), S. 22

[6] Vgl. Werner, H. (2000), S. 36

[7] Vgl. Geigenberger, I. (1999), S. 48

[8] Vgl. Geigenberger, I. (1999): 48 ff.

[9] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 12

[10] Vgl. Geigenberger, I. (1999), S. 50 f.

[11] Vgl. Schefczyk, M. (2000), S. 22 ff.

[12] Vgl. Werner, H. (2000), S. 36 ff.

[13] Vgl. Schefczyk, M. (2000), S. 22 ff.

[14] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 17

[15] Vgl. Pleschak, F. / Werner, H. (1998), S. 162

[16] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2000), S. 2

[17] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 18 ff.

[18] Vgl. Pleschak, F. / Kulicke, M. / Stummer, F. (1998), S. 47

[19] Vgl. Bohnenkamp, G. / Müller-Stewens, G. / Roventa, P. (1996), S. 16 ff.

[20] Vgl. Lessat, V. et al. (1999), S. 140

[21] Vgl. Geigenberger, I. (1999), S. 48 ff.

[22] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 102

[23] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 34

[24] Vgl. Kulicke, M. / Wuperfeld, U. (1996) S. 109 f.

[25] Vgl. Baier, W. / Pleschak, F. (1996), S. 34 f.

[26] Vgl. Kulicke, M. / Wupperfeld, U. (1996), S. 22 f.

[27] Vgl. Koschatzky, K. (1997), S.136

[28] Vgl. Eichholz, R. E. / Kluge, H.-J. (1995), S. 107

Details

Seiten
76
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832456603
ISBN (Paperback)
9783838656601
DOI
10.3239/9783832456603
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Munich Business School – Unbekannt
Erscheinungsdatum
2002 (Juli)
Note
1,0
Schlagworte
beteiligungskapital venture capital business angel unternehmensfinanzierung
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Titel: Finanzierungsmöglichkeiten für junge Technologieunternehmen