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Die touristische Entwicklung von San Agustin (Kolumbien) im Spannungsfeld von Politik, Geschichte und Gewalt

Diplomarbeit 2001 139 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

I. Zielsetzung der Arbeit

II. Position des Tourismus in Kolumbien
A. Kolumbien - ein kurzer Überblick
B. Die Wirtschaft des Landes
C. Wirtschaftsfaktor Tourismus
D. In- und ausländische Reisetätigkeit
E. Beeinträchtigende Faktoren
F. Generelle Strategien für die Zukunft

III. Situationsanalyse (Ist-Zustand) San Agustíns
A. Präkolumbianische Kulturen
1. Definition
2. Präkolumbianischen Kulturen in Kolumbien
B. Die Kultur(en) San Agustíns
1. Forschungsstand
2. Historische Entwicklung
C. Wirtschaftliche Bedeutung San Agustíns
1. Kolumbiens Bedeutung im Tourismus zu präkolumbianischen Kulturen
2. San Agustíns Rolle im kolumbianischen Tourismus
D. Ursprüngliches touristisches Angebot
1. Natürliches Angebot
2. Soziokulturelles Angebot
E. Abgeleitetes touristisches Angebot
1. Archäologischer Park
2. Hotellerie
3. Gastronomie
4. Reiseberatung und Reiseorganisation
5. Touristisches Transportwesen / Verkehrsanbindung
a. Flugzeug
b. Straße
6. Allgemeine Infrastruktur
7. Freizeitinfrastruktur
8. Dachorganisationen bzw. touristisches Management
9. Weitere touristische Angebote
F. Umfang, Herkunft und Jahresablauf des Fremdenverkehrs
1. Besucherzahlen
2. Herkunft der Besucher
3. Durchschnittliche Aufenthaltsdauer
4. Saisonale Verteilung
5. Beschäftigungssituation
G. Marketingaktivitäten
1. Werbung, Public Relations und Öffentlichkeitsarbeit
2. Verfügbarkeit des touristischen Leistungsangebotes

IV. Primärerhebung relevanter Daten
A. Untersuchungsgegenstand
B. Methodik
1. Grundgesamtheit (sachlich)
2. Zeitraum und Ort der Studie
3. Stichprobengröße
C. Probleme bei der Durchführung

V. Datenauswertung und Ergebnisinterpretation
A. Soziodemographische Daten
1. Herkunft
2. Geschlecht
3. Altersgruppe
4. Schul- / Ausbildungsabschluss
5. Berufsgruppe
B. Allgemeine Destinationsanalyse
1. Hauptgründe für die Auswahl des Reiseziels Kolumbien
2. Motivation für den Besuch der Destination San Agustín
3. Reisepreis und Reiseroute
4. Marketing / Bekanntheitsgrad
5. Häufigkeit und Dauer des Besuchs
C. Touristisches Angebot
1. Hotellerie und Unterkunft
a. Generelle Betrachtung des Beherbergungsmarktes
b. Das Hotel Yalconia und die weiteren Unterkünfte im Detail
c. Verbesserungsmöglichkeiten
2. Restaurants
3. Programm und Betreuung vor Ort
4. Touristisches Transportwesen und Verkehrsanbindung
a. Anreise
b. Verbesserungsmöglichkeiten
5. Touristische Sehenswürdigkeiten und Anziehungspunkte
a. Bedeutung sowie Eindruck auf die Besucher
b. Verbesserungsmöglichkeiten
6. Freizeitinfrastruktur
D. Sicherheit
1. Sicherheit in Kolumbien
2. Sicherheit in San Agustín
3. Guerilla

VI. Prioritäten bei der Verwirklichung

Anhang / Fragebögen

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1971 - 2000

Abbildung 2: Jährliche Inflationsrate in Kolumbien 1991 - 2000

Abbildung 3: Devisenbilanz - Einnahmen Kolumbiens durch den Tourismus 1995 - 2000

Abbildung 4: Aus- und Einreisezahlen internationaler Flug - Passagiere 1987 - 2000

Abbildung 5: Reisetätigkeit in Kolumbien im Jahr 1998

Abbildung 6: Graphische Abbildung der präkolumbianischen Kulturen in Kolumbien

Abbildung 7: Perioden der San Agustín Kultur nach Reichel-Dolmatoff und Duque Gómez-Cubillos

Abbildung 8: Perioden der Kultur von San Agustín, weitere Einordnung

Abbildung 9: Geographischer Überblick des Archäologischen Parks von San Agustín

Abbildung 10: Besucherstatistik archäologischer Park von San Agustín 1979 - 2000 (insgesamt)

Abbildung 11: Besucherstatistik archäologischen Park von San Agustín 1979 - 2000 (Kolumbianer)

Abbildung 12: Besucherstatistik archäologischen Park von San Agustín 1979 - 2000 (Deutsche)

Abbildung 13: Saisonale Verteilung In- und Ausländer auf Basis der Jahre 1995 - 2000

Abbildung 14: Herkunft der Besucher (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 15: Aufteilung der Besucher nach Geschlecht (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 16: Wichtigkeit der Einrichtungen einer touristischen Destination für die Besucher

Abbildung 17: Gründe für die Auswahl Kolumbiens als Reiseziel (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 18: Reisepreis für die Reise nach San Agustín / Ausländer (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 19: Allgemeine Hotelsituation in San Agustín (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 20: Beurteilung des Hotels Yalconia in San Agustín (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 21: Beurteilung der weiteren Hotels in und um San Agustín (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 22: Beurteilung der Restaurants in San Agustín (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 23: Beurteilung des Programms und der Betreuung vor Ort (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 24: Verteilung der Anreiseformen nach San Agustíns (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 25: Bedeutung und Bewertung der Anziehungspunkte (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 26: Stätten / Gründe, die einen zweiten Besuch rechtfertigen (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 27: Beurteilung der Freizeitinfrastruktur vor Ort (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 28: Beurteilung der Sicherheit in Kolumbien (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 29: Beurteilung der Sicherheit in San Agustín (eigene empirische Erhebung)

Abbildung 30: Frage nach Angst vor der Guerilla in der Region (eigene empirische Erhebung)

I. Zielsetzung der Arbeit

Die Reisebranche boomt.[1]Auch das südamerikanische Land Kolumbien, dessen großes touristisches Potential aufgrund von Guerilla-Aktivitäten, ständigem Kampf gegen Drogenkartelle, Bestechungsskandalen, aber auch recht einseitiger Medienberichterstattung bis dato kaum ausgeschöpft werden konnte, will wieder mehr in das touristische Interesse rücken. Nach Angabe des Ministerio de Desarollo Económico ist der Tourismus einer der Sektoren, welcher am meisten durch die Rezession und die Probleme in der öffentlichen Ordnung betroffen ist. Nichtsdestotrotz ist gerade der Tourismus ein wichtiger Bestandteil zur Schaffung von Arbeitsplätzen.[2]

Im Departement Huila, im Süden des Landes, liegt eines der überraschendsten Reiseziele Kolumbiens - das kleine Dorf San Agustín mit seinen umliegenden archäologischen Ausgrabungsstätten. Diese zählen zu den außergewöhnlichsten präkolumbianischen Zeremonialzentren ganz Lateinamerikas.

Meine Arbeit will sich mit der touristischen Entwicklung dieser Stätte befassen und die Probleme und Hemmnisse des Tourismus nach San Agustín und auch Kolumbien aufzeigen. Abschließend werden diese im Rahmen einer Fragebogenaktion analysiert.

Das folgende Kapitel soll einen ersten Überblick über die Position des Tourismus in Kolumbien geben. Die Analyse des touristischen Ist-Zustands (Ausgangslage) San Agustíns und der Ruinen in dessen unmittelbarer Umgebung ist Inhalt des dritten Kapitels der Arbeit.

Im Rahmen einer Fragebogenaktion[3]wurde umfangreiches Datenmaterial erhoben, welches neben der Sekundäranalyse Grundlage für meine Untersuchung über zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten des Ortes ist.

Im letzten Teil werden Vorschläge gemacht, wie nach Meinung des Autors die Prioritäten bei der Durchführung der erklärten und beschriebenen Ziele zu setzen sind.

II. Position des Tourismus in Kolumbien

A. Kolumbien - ein kurzer Überblick

Kolumbien, eine präsidiale Republik mit einer Ausdehnung von insgesamt 2.070.408 km², von denen 1.141.748 km² kontinentales Festland und 928.660 km² nationales Meeresgewässer sind, ist nach Brasilien, Argentinien und Perú das viertgrößte Land Südamerikas. Die ca. 38 Millionen Einwohner des Landes konzentrieren sich zu 40% in den drei großen Ballungszentren Bogotá, Cali und Medellín. Mehr als 90% der Kolumbianer sind römisch-katholisch, daneben existieren außerdem animistische Naturreligionen im Amazonasgebiet sowie eine Vielzahl kleinerer, meist protestantischer Sekten. Die Landessprache ist Spanisch. Ebenso existieren mehrere indianische Sprachen.

Als einziges Land Südamerikas besitzt Kolumbien Küsten an zwei Ozeanen: 1.600 km am Atlantik und ca. 1.350 km am Pazifik. Das vielfältige Landschaftsspektrum reicht von den undurchdringlichen Dschungelgebieten des Amazonasbeckens zu den weiten Tiefebenen der Llanos, von den grandiosen Bergmassiven der Anden mit Gipfeln, die Höhen von mehr als 5.000 m erreichen, üppig grünen Flusstälern von Cauca und Magdalena bis zu feinsandigen Traumstränden mit türkisblauem Wasser und dem sich direkt anschließenden schneebedeckten Küstengebirge.

Wichtigste Devisenquellen des Landes sind landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Kaffee, Blumen und Soja sowie Erdöl, Kohle, Gold und Edelsteine. Kolumbien ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt, die Smaragde gelten als die schönsten und feurigsten unserer Erde.

Einen der größten Beiträge zum Bruttosozialprodukt stellt jedoch der illegale Export von Drogen, insbesondere Kokain dar. Dieser wird auf jährlich ca. 3,5 - 5 Milliarden Dollar geschätzt und entspricht im Durchschnitt zwischen 4% und 5% des Bruttoinlandsproduktes.[4]

In prägnanten Sätzen charakterisiert Heinz Mayer in seinem Buch „Kolumbien: Der schmutzige Krieg“ das Land:

„Kolumbien, ein reiches Land - aufgezehrt von Elend, Arbeitslosigkeit und extremer Armut.

Kolumbien, ein demokratisches Land - regiert im Ausnahmezustand und ausgeliefert an Militärs und Mafiosi.

Kolumbien, ein Rechtsstaat - zerrüttet von politischer, sozialer, militärischer und paramilitärischer Gewalt, ausgeblutet durch den Terror der Drogenkartelle und den schmutzigen Krieg der Staatsmacht gegen die eigene Zivilbevölkerung“.[5]

Ganz so extrem wie dieser im Jahr 1990 geschriebene Satz es darstellt, ist die Situation im Land im Jahr 2001 nicht mehr. Eine gewisse Gültigkeit wird das oben Angesprochene auch in den nächsten Jahren noch behalten.

B. Die Wirtschaft des Landes

Die kolumbianische Wirtschaft befindet sich seit der letzten Dekade aufgrund von Anpassungsprogrammen der Regierungen in der Phase der Umstrukturierung. Ziel ist die Ausrichtung der Produktion auf internationale Märkte sowie der Kampf gegen die „traditionellen Probleme der Rückständigkeit und Armut, von denen zwei Drittel der kolumbianischen Bevölkerung betroffen sind.“[6]

Folgendes Schaubild verdeutlicht das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) als Indikator der wirtschaftlichen Probleme Kolumbiens von 1971 bis 2000.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1971 - 2000

Quellen: Altmann, Werner, Kolumbien heute, S. 285 (bis zum Jahr 1994), Ministerio de Desarrollo Económico, Competitividad Internacional, S. 3 (1995 - 2000), eigene Zusammenstellung.

Das Bruttoinlandsprodukt Kolumbiens wies bis 2000 eine durchschnittliche Steigerung von knapp 4% auf. Die negative Tendenz ist dem obigen Schaubild zu entnehmen (gestrichelte Linie). Augenfällig sind die beiden Depressionen in den Jahren 1982 mit nur 1%, sowie im Jahre 1999 mit -4,3% Wachstum. Im zweiten Quartal 1999 betrug das negative Wachstum sogar knapp 7%.

Zurückzuführen sind diese Werte auf Krisensymptome wie hohe Inflationswerte,[7]geringe Investitionstätigkeit aufgrund vermehrter Kapitalbildung durch Spekulation als auch interne und externe Defizite.

Kolumbiens Anteil am weltweiten kumulierten Bruttoinlandsprodukt betrug von 1999 bis heute immer ca. 0,7%. Deutschland mit der doppelten Anzahl an Einwohner hatte hier jeweils einen Anteil von durchschnittlich 5%. Entsprechend gestaltet sich auch das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: ungefähr 2.200 USD in Kolumbien und mehr als 23.000 USD in Deutschland im Jahr 2000. Im lateinamerikanischen Vergleich liegt Kolumbien mit diesem Wert hinter Venezuela, Argentinien, Brasilien, Chile und Mexico.[8]

In den Jahren 1998 und 1999 erlebte das Land die schwerste wirtschaftliche Krise der letzten 100 Jahre. In Zusammenhang mit dieser Depression ist im Bereich des Arbeitsmarktes ein erhebliches Defizit entstanden, welches eine Arbeitslosenquote von über 20% zur Folge hatte.

Dieses Problem ist durch die kolumbianische Regierung immer noch nicht hinreichend gelöst worden. Aktuellere Zahlen des Ministerio de Desarrollo weisen eine Arbeitslosenquote von 20,5% Anfang 2001 auf. Ziel der Regierung ist die Senkung dieser Zahl auf 10% bis zum Jahr 2005.[9]

Die Regierung scheint in diesem Punkt eine erfolgreiche Politik zu verfolgen. Es wurden in diesem Jahr bereits 370.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Neueste Zahlen für dieses Jahr sprechen von einer Arbeitslosenquote von 14,6% im August 2001. Relativiert wird auch dieser Punkt dadurch, dass die wichtigsten Städte Bogotá und Cali auch heutzutage noch eine Arbeitslosenquote von nahezu 20% aufweisen.[10]Dieser Wert sank bis zum Ende meiner Beobachtungen Ende Oktober auf 14,3% respektive 17,8% in Bogotá und Cali mit insgesamt 2,7 Millionen Personen ohne Arbeit.[11]

In Kolumbien leben, verursacht hauptsächlich durch die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt und die ungerechte Verteilung der Löhne, 21 Millionen Personen, was ca. 54% der Bevölkerung entspricht, knapp oberhalb der Armutsgrenze, 10 Millionen Menschen (gut 25%) darunter. 10% der Reichen beanspruchen 40% der Einkommen für sich, die 10% der Ärmsten lediglich 1.4%.[12]

Eine wichtige Kennzahl zur Analyse der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Rahmenbedingungen ist zudem die Inflation. Die Inflationsraten der letzten 10 Jahre zeigt folgendes Schaubild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Jährliche Inflationsrate in Kolumbien 1991 - 2000

Quelle: Ministerio de Desarrollo Económico, Competitividad Internacional, S. 4 (bis zum Jahr 2000), Lente, Monitor Quincenal de Competitividad Junio, Julio und Septiembre 2001, S. 4 (Jahr 2001).

Deutlich ist der Rückgang der Inflationswerte in den letzten 10 Jahren zu erkennen. Mit nur noch knapp 8% wurde im ersten Halbjahr 2001 der niedrigste Wert der letzten 20 Jahre erreicht. Diese positive Tendenz gilt es fortzusetzen, damit es nicht zu einer weiteren Verarmung der Bevölkerung kommt. Auch im Jahr 2001 leben immer noch mehr als 50% der kolumbianischen Bevölkerung in Armut. Vor allem die ländliche Bevölkerung lebt zu über 70% in ärmlichen Verhältnissen.[13]

Ein weiterer Faktor für die immer noch hohe Inflation ist, dass viele touristische Anbieter ihre Produkte im Inland immer noch nicht in Peso, sondern in USD anbieten und verkaufen. Sehr hohe Währungsgewinne werden im Sektor Tourismus vor allem in den Reisebüros durch Einnahmen in USD gemacht. Die amerikanische Währung wird zu einem späteren Zeitpunkt zu höherem Kurs in Peso gewechselt, um damit dann die Zulieferer bzw. die Mitarbeiter zu bezahlen. Diese Spekulation mit dem USD seitens der Reisebüros ist fest in deren Gewinnkalkulation eingerechnet und verstärkt den Druck auf den Peso zusätzlich, wenn auch nur in geringem Ausmaß.

Ein zusätzliches Problem der Wirtschaft des Landes stellt die zögernde Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen und Investoren dar. Dies ist hauptsächlich auf den Mangel an öffentlicher Sicherheit zurückzuführen.

Die Regierung um Präsident Pastrana versucht in den nächsten Jahren, die Wirtschaft durch verschiedene Maßnahmen, wie z.B. Senkung der Zinssätze und Stützung der Währung anzukurbeln.[14]

Die Hauptprobleme der Wirtschaft sind nach einer Umfrage des DANE[15]der Rückgang der Nachfrage, die öffentliche Ordnung, die geringen Gewinnspannen, die mangelnde Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte sowie die Rohstoffkosten. Nur 43% der befragten Unternehmer blicken optimistisch in die Zukunft.[16]

Entsprechend liegt Kolumbien, hauptsächlich den oben erwähnten Punkten zu Folge, in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit im weltweiten Vergleich an 65. Stelle. Im südamerikanischen Vergleich belegen lediglich Bolivien, Ecuador und Paraguay noch schlechtere Plätze.[17]

C. Wirtschaftsfaktor Tourismus

Wie eingehend bereits erwähnt, ist der Tourismus nach Angabe des Ministerio de Desarrollo Económico ein wichtiger Bestandteil der kolumbianischen Wirtschaft.[18]Ein Grund für diese Aussage ist zudem, dass der Tourismus in den vergangenen Jahren ein wichtiger Devisenbeschaffer gewesen ist und einen beträchtlichen Anteil der Exporte generiert hat.

Betrachtet man einige für das Jahr 2000 gültige Zahlen, so ist zu erkennen, dass dieser Wirtschaftsfaktor in einer erheblichen Krise steckt.

Ein neuerer Bericht des oben erwähnten Ministeriums spricht ebenfalls vorsichtig davon, „dass der Tourismus in Kolumbien einer Serie von Problemen gegenübersteht“.[19]

Hauptfaktoren dieser Krise im touristischen Bereich sind unter anderem „der Rückgang der Nachfrage, der Anstieg der Arbeitslosigkeit, die Unsicherheit und die Gewalt, die den ausländischen Tourismus ferngehalten und den inländischen Tourismus beschränkt haben.“[20]

Andere Quellen sehen den Tourismus, der ein riesiges Potential hätte, im Moment ebenfalls als unwesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stärke.[21]

Anhand einiger dieser Kennzahlen möchte ich im folgenden kurz das Ausmaß der Krise und die Gefahr, die damit für die kolumbianische Wirtschaft verbunden ist, erläutern.

So betrug der Anteil des Sektors Tourismus am BIP im Jahre 1994 noch 3,9%[22]und fiel im Laufe der folgenden Jahre auf noch 2,2% im Jahr 2000.[23]

Noch deutlicher wird die Misere, in welcher der kolumbianische Tourismus im Moment steckt, durch den Vergleich der Deviseneinnahmen, die durch den Tourismus in den letzten 5 Jahren erwirtschaftet worden sind.

Das folgende Schaubild stellt die Devisenbilanz dieses Sektors mit den Einnahmen durch den Tourismus seit 1995 dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Devisenbilanz - Einnahmen Kolumbiens durch den Tourismus 1995 - 2000

Quelle: Ministerio de Desarrollo Económico, Comportamiento del Sector Turismo, 2001, S. 2.

Im Jahr 2000 betrugen die Deviseneinnahmen durch den Tourismus geschätzte 81 Millionen US$. Dies entspricht einem jährlichen Rückgang von durchschnittlich 27,5% (auf Basis 1995). Vor allem in den Jahren 1996 und 1998 lag der Unterschied der Einnahmen im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr bei 42,7% bzw. sogar 44,8%.

Zusätzliches Indiz für die momentane Krise ist die durchschnittliche Hotel-Auslastung. Diese sank kontinuierlich von 42,4% im Jahr 1997 bis unter 40% im Jahr 2000.[24]

Eine steigende Tendenz weist hingegen die Anzahl der internationalen Flugpassagiere auf, die nach Kolumbien ein- bzw. von Kolumbien ausreisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Aus- und Einreisezahlen internationaler Flug - Passagiere 1987 - 2000

Quelle: Aeronáutica Civil de Colombia,[25]eigene Zusammenstellung.

Deutlich ersichtlich ist der stetige Anstieg der Flugpassagiere, die das Land auf internationalen Routen verlassen, wohingegen die Einreisezahlen nach Kolumbien seit 1997 eher stagnieren. Dies lässt sich dadurch erklären, dass durch die Probleme im Land viele Kolumbianer andere Plätze mit besserer Lebensqualität suchen, und Kolumbien z.B. nach Venezuela, Ecuador, in die Vereinigten Staaten oder in Richtung Europa verlassen. Aus mitunter denselben Gründen stagniert ebenfalls die Zahl der einreisenden Passagiere in den letzten Jahren.[26]

Aber auch diese Zahlen dürften sich in naher Zukunft verschlechtern, da die Lufthansa sowie darüber hinaus die Air France beschlossen haben, ihren Flugbetrieb nach Kolumbien einzustellen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass zwar sehr viele Personen in Kolumbien vom Tourismus leben und entsprechend auch vom Tourismus abhängig sind, dass der Tourismus selber und die Einnahmen, die durch den Tourismus generiert werden, nur einen sehr geringen Anteil an der Wirtschaft des Landes haben. Der Tourismus befindet sich jedoch im Moment in einer wichtigen Aufbau- bzw. Weiterentwicklungsphase, die es richtig zu steuern gilt, was auch Aufgabe dieser Arbeit sein soll.

D. In- und ausländische Reisetätigkeit

Um dem Leser ein genaueres Bild zu vermitteln, welche Anteile die in- und ausländische Reisetätigkeit am gesamten touristischen Markt in Kolumbien hat, wurden in diesem Teil einige grundsätzliche Zahlen zusammengestellt.

Folgende Abbildung zeigt die prozentualen Anteile der Reisetätigkeit im Jahr 1998.[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Reisetätigkeit in Kolumbien im Jahr 1998

Quelle:Organización Internacional para las Migraciones(OIM),verschiedene Statistiken 1998; URL: http://www.oim.web.cl, eigene Zusammenstellung.

Insgesamt wurden den Statistiken von 1998 zufolge 1.301.135 Ein- und Ausreisen registriert. 17.612 Personen davon waren Deutsche.

Die Zahlen von 1997 wiesen noch einen Ausländeranteil von 42% auf. Auch hier ist die negative Tendenz des ausländischen Tourismus nach Kolumbien bereits zu erkennen. Dieser Trend wird zudem noch dadurch verstärkt, dass nach eigenen Erfahrungen viele Leute Kolumbien nur als Transitland benutzen, da sie günstige Flüge mit z.B. der Avianca nach Lima bekommen konnten, wodurch der hier noch recht hohe Anteil an Ausländern weiter an Aussagekraft verliert.

Deutlicher wird dies an den aktuellsten Zahlen, die im Juli 2001 vom Ministerio de Desarollo Económico veröffentlicht wurden. Bereits 80% der touristischen Nachfrage erfolgt durch Kolumbianer.[28]Diese Zahlen lassen sich nicht direkt vergleichen, da die Reisetätigkeit und die touristische Nachfrage verschiedene Kennzahlen darstellen. Der Vergleich zeigt anschaulich, dass der Anteil der Ausländer und die Nachfrage touristischer Produkte durch Ausländer immer geringer werden.

In den anderen Andenstaaten ist dieser Trend umgekehrt. Hier liegt der (weitaus) größere Teil der Reisetätigkeit bei den Ausländern.[29]

E. Beeinträchtigende Faktoren

Dass Kolumbien unzählige touristische Sehenswürdigkeiten und landschaftliche Schönheiten bietet, kann in jedem Reiseführer nachgelesen werden. Warum aber scheuen viele Touristen den Besuch dieses Landes und ziehen andere Andenstaaten oder auch lateinamerikanische Ziele dem Besuch Kolumbiens vor?

Der Leser mag sich vielleicht selbst einmal kurz Gedanken machen, mit welchen Schlagwörtern Kolumbien aus seiner Sicht zu charakterisieren wäre. Neben einigen anderen Merkmalen wie: großer Kaffeeproduzent, Exporteur von Gold, Kohle und Erdöl, Fundort vieler der schönsten Smaragde der Welt, sind die meisten Schlagwörter, mit denen das Land in Verbindung gebracht wird: Drogen bzw. Kokain, Korruption und Gewalt. Der Drogenhandel und die damit verbundene Kriminalität sind sicherlich einer der Hauptgründe, warum immer weniger Touristen das Land besuchen und dadurch die Deviseneinnahmen in erheblichem Maße gesunken sind und weiter sinken.[30]

Ein großes, wenn nicht das größte Problem des Landes in Bezug auf die Sicherheit, ist die zunehmende Anzahl von Entführungen. Im Jahr 2000 wurden nach Angaben der Polizei allein 3.076 Menschen entführt - die meisten von Guerillagruppen und anderen „politischen“ Mörderschwadronen.

21 Personen davon waren Deutsche. Jeden Tag werden in Kolumbinen fast 10 Menschen geraubt, um sie zur Handelsware gegen Lösegeld zu erniedrigen.[31]Erfreulicherweise wurde am 09.10.2001 berichtet, dass zwei Deutsche aus der Gefangenschaft der linksgerichteten Guerillagruppe Farc[32]entlassen werden sollen, nachdem einer dritten Person aus der Gruppe die Flucht gelungen war.[33]Diese befinden sich nun wieder zu Hause in Deutschland.

Die Guerillaorganisationen führen seit ca. 4 Jahren auch in der Region um San Agustín sog. „wunderbares Fischen“ durch (pescas milagrosas). Von einem Moment auf den anderen wird eine Straßensperre, meist in ländlichen und schwierig zu kontrollierenden Gegenden, aufgebaut. Wer während dieser 5 - 15 Minuten dauernden Sperre das „Pech“ hat dort vorbei zu kommen, läuft große Gefahr, entführt zu werden.

Mitunter verstärkt diese Tatsache den Trend, dass sich der Tourismus in Kolumbien immer mehr auf Ziele beschränkt, die mit dem Flugzeug zu erreichen sind. Dies gilt auch hier als die sicherste Reisemethode, auch wenn sich nur ein geringer Teil der Bevölkerung diesen Luxus leisten kann.

Auch im Ausland ist Kolumbien bzw. sind die Kolumbianer gefürchtet. So sind unterschiedlichen Berichten zufolge kolumbianische Drogenhändler und zunehmend auch Profi-Killer für einen Großteil der über 68 Morde im Drogenmilieu in Madrid, aber auch in vielen anderen europäischen Städten verantwortlich.[34]

Dass Kolumbien ein gewalttätiges Land ist, beweisen auch die 30.000 jährlichen Mordfälle. Kolumbien weist entsprechend im weltweiten Vergleich die höchste Mordrate auf. Die Gewalt scheint immer noch die vorherrschende Form zu sein, um Konflikte zu lösen.[35]

Wenn die Situation von der ausländischen Presse meist übertrieben dargestellt wird und zumeist nur schlechte Nachrichten im Ausland erscheinen, darf nicht vergessen werden, dass diese Probleme definitiv existent sind.

Ein Merkmal hierfür ist darüber hinaus, dass viele Kolumbianer das Land aufgrund der schwierigen Situation und aufgrund der potentiellen Gefährdung verlassen, und sich eine neue und sichere Heimat suchen.[36]Die kolumbianische Zeitung El Tiempo spricht in ihrer Ausgabe vom 03.10.2001 von 121.115 Kolumbianern, die in den Monaten Januar bis August 2001 das Land verlassen haben und nicht mehr zurückgekehrt sind. Dies entspricht nicht weniger als einer Million Kolumbianer in den letzten 10 Jahren. Die Zeitung berichtet zudem, dass ein großer Teil das Land aus Sicherheitsgründen verlassen hätte.[37]

Dass es sich bei der Unsicherheit im Land um den Hauptgrund für den Rückgang des Tourismus handelt, wird neben den oben genannten Fakten und unzähligen anderen Quellen auch durch das Ministerio de Desarrollo Económico bestätigt.[38]

Ein weiteres Hemmnis für den Tourismus und auch Teil für die negative Meinung des Auslandes über Kolumbien ist zudem die immer noch vorherrschende Korruption im Land. So ist es in „Medellín…stadtbekannte Praxis, daß die Polizei von den auf dem Marktplatz tätigen Klein- und Zwischenhändlern «Steuern» kassiert und sie dafür in Ruhe ihrem Geschäft nachgehen läßt.“[39]

Darüber hinaus hat Kolumbien - wie auch andere südamerikanische Länder - immer noch den Ruf, ein sehr rückständiges und unterentwickeltes Land zu sein. Dies dürfte aber für den Großteil der potentiellen Besucher Lateinamerikas kein Grund sein, Kolumbien aus ihrer Reiseplanung zu streichen und schreckt sicherlich nur Reiseunerfahrene ab.

Denn wer diesen Subkontinent besuchen möchte, ist in der Regel darüber informiert, dass die Standards und die Infrastruktur nicht unbedingt mit denen in Deutschland zu vergleichen sind. Vielmals ist auch gerade das ein Grund für eine Reise in ein solches Land.

Die Erreichbarkeit Kolumbiens ist verglichen mit anderen lateinamerikanischen Ländern wie z.B. Belize, El Salvador oder Bolivien im Moment immer noch gut, wenn es auch hier nach Einstellung des Flugbetriebes seitens der Avianca, der Lufthansa, (die den Flugbetrieb zum 15.01.2002 einstellen wird) sowie der Air France (Einstellung des Flugbetriebs zum 01.11.2001) einiges zu verbessern gilt, wie der folgende Abschnitt F ab S. 18 im allgemeinen und Kapitel V ab S. 57 für das Beispiel San Agustín speziell aufzeigen wird.[40]Welche zusätzlichen Probleme dem Land durch die Einstellung dieser Flüge entstehen, gilt es abzuwarten. Die Erreichbarkeit darf dennoch als Hemmnis für den Tourismus angesehen werden.

Auch spricht der oben bereits zitierte Bericht des Ministerio de Desarrollo Económico davon, dass die traditionellen touristischen Destinationen des Landes[41]einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit zu beklagen hätten und sich die Qualität des touristischen Angebotes verschlechtert, was einen erheblichen Wettbewerbsnachteil mit sich bringt. Dies hängt entsprechend wiederum mit der immer geringer werdenden Zahl an Besuchern zusammen, da ohne die nötigen Deviseneinnahmen auch keine großen Investitionen (vor allem im Tourismus) getätigt werden können.

Kolumbien steht in einem weiteren Punkt ebenso hinter fast allen lateinamerikanischen Ländern zurück.

So betragen die finanziellen Mittel, die der Organisation zur Förderung des Tourismus[42]für die Bewerbung der touristischen Ziele zur Verfügung stehen, nur 500.000.000 Pesos für das Jahr 2001, was etwas über DM 500.000 entspricht. Nur 30% dieser Ausgaben, d.h. ungefähr DM 150.000 werden für Werbung und Verkaufsförderung im Ausland, wie Annoncen in Zeitschriften als auch Messebesuche verwendet.[43]

Die restlichen 70% fließen in Werbemaßnahmen für die verschiedenen touristischen Destinationen innerhalb Kolumbiens.[44]Dies spiegelt sich auch in der in Abschnitt D auf S. 12 dieses Kapitels genannten Zahl über die touristische Nachfrage wider.

Nach Angabe von Maria Fernanda Gonzales Rey sieht die Regierung hier im Moment keinen weiteren Handlungsbedarf, da das schlechte Image des Landes im Ausland auch nicht durch weitere Tourismuswerbung verbessert werden könne.

Diese Aussage wird auch durch die neuerlichen Ausführungen von Gustavo Adolfo Toro, dem Generaldirektor für Tourismus der kolumbianischen Regierung, bestätigt. Er spricht davon, dass die Ausgaben für die Werbung im Ausland nicht „die erhofften Früchte getragen haben“. Aus diesem Grund beschränken sich die touristischen Bemühungen der Regierung hauptsächlich auf den inländischen Markt.[45]

Ob dies die richtige Strategie ist, scheint fraglich zu sein, ist aber nach Meinung des Autors aufgrund der schlechten finanziellen Situation des Landes im Moment die vernünftigste, wenn auch sicherlich nicht beste Lösung, wie im folgenden Kapitel kurz, sowie ausführlich im Kapitel V, Abschnitt B ab S. 69 besprochen wird.

Alle die oben erwähnten Faktoren führen verständlicherweise dazu, dass das Auswärtige Amt „vor nicht unabweisbaren Individualreisen nach Kolumbien“ und insbesondere auch vor „Überlandreisen“ durch das Land warnt.[46]

F. Generelle Strategien für die Zukunft

Dieses Kapitel soll die globalen Strategien aufzeigen, die nach Ansicht verschiedener Organisationen / Ministerien und des Autors notwendig sind, um den Tourismus nach Kolumbien zu etablieren und auszubauen.[47]

Das Hauptziel der Tourismuspolitik für die nächsten Jahre muss ohne Frage die Wiedererlangung (bzw. Neuschaffung) und Festigung der Wettbewerbsfähigkeit der touristischen Produkte Kolumbiens sein.

Dieses Ziel hängt in engem Maße mit der Unterstützung der verschiedenen Regionen durch den Staat, der Verbesserung der Lebensqualität sowie auch der Erhöhung des Bildungsniveaus zusammen. Zudem ist der Schutz der natürlichen Ressourcen ein weiterer wichtiger Punkt, um die Attraktivität des Landes Kolumbien als Reiseziel zu erhalten und zu verbessern.

Es gilt auch neue Produkte und Anreize zu schaffen, damit außer den Pauschaltouristen auch der Sektor der Geschäftsreisen durch Nutzung und Erweiterung der vorhandenen Infrastruktur weiter ausgebaut wird.[48]

Das Ministerio de Desarrollo Económico, welches sich in vielen Studien mit dem Tourismus befasst, setzt in seiner aktuellsten Untersuchung folgende Oberziele für die Tourismuspolitik:

- Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit
- Konsolidierung des touristischen Angebots und der Nachfrage
- Erhöhung der touristischen Deviseneinnahmen
- Erhalt, Verbesserung und Erweiterung der Beschäftigung im Sektor Tourismus
- Begünstigung / Unterstützung der regionalen Entwicklung
Die Strategien, um diese Ziele zu erreichen, sollten nach Ansicht des Ministeriums wie folgt aussehen:
- Anerkennung des Incoming-Tourismus als (wichtiger) Teil der Exporte
- Förderung der touristischen Gebiete
- Impulsgebung für neue touristische Produkte
- Bewerbung des touristischen Angebots auf rentablen und zugänglichen Märkten
- Förderung des nachhaltigen Tourismus
- Verbesserung der Qualität und Rentabilität
- Förderung des inländischen Tourismus
- Koordinierung und Zusammenarbeit des Staates und der privaten Haushalte

Die momentane Positionierung und Vermarktung der Produkte erlaubt hingegen keine ausreichende Entwicklung.

Ein zusätzlicher Punkt, welcher in einer weiteren, sehr umfassenden Studie des Ministerio de Desarrollo Económico analysiert wurde, und welcher ebenfalls eine grundsätzliche Strategie darstellt, ist die Notwendigkeit der touristischen Dezentralisierung. Kernpunkt dieser Studie ist es, den lokalen Entscheidungsträgern Unterstützung bei der eigenen und autonomen Entscheidungsfindung für touristische Aktivitäten zu geben.

Es ist dem Ministerium sehr wohl bewusst, dass nur vor Ort sinnvolle und für den regionalen Tourismus positive Entscheidungen getroffen werden können, und dass die Dezentralisierung Teil eines modernen Staates und dessen Tourismuswirtschaft ist. Personen, die direkt betroffen sind, denen die eigentlichen Probleme bekannt und bewusst sind, können sinnvolle Lösungsvorschläge erarbeiten.

Aus diesem Grund wird auch eine Dezentralisierung der Entscheidungsfindung angestrebt, wobei jedoch die verschiedenen Regionen eng miteinander zusammenarbeiten sollten. Die Verantwortlichen in den touristischen Gebieten vor Ort sollen der eigentliche Motor und Impulsgeber für deren eigene touristische Entwicklung sein.

Das Ministerium will dies durch Übertragung von Kompetenzen, finanzielle und technische Unterstützung sowie Weiterbildung der entsprechenden Personen erreichen.[49]

Im August des Jahres 2001 hat der oben bereits erwähnte Gustavo Adolfo Toro seinen Plan für die zukünftigen touristischen Strategien vorgestellt.

Dieser will ebenfalls den inländischen Tourismus stärken und die Sicherheit der touristischen Gebiete und der Touristen erhöhen.

Die bereits angesprochene Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit und Verbesserung der Qualität der touristischen Produkte sind ebenfalls Kernpunkte seiner Strategie.[50]Dies gilt in besonderem Maße auch für die Region San Agustín, in der es gilt, die Qualität der gesamten touristischen Servicekette zu verbessern.[51]

Ein weiterer Punkt ist die momentan schwache wirtschaftliche Situation des Landes. Würde sich die wirtschaftliche Lage der Haushalte durch z.B. Senkung der Arbeitslosigkeit verbessern, so stünden diesen auch mehr Mittel zum Konsum zur Verfügung. Es müsste aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf den Urlaub zumindest im Inland verzichtet werden.

Als generelle Zukunftsstrategie soll auch die bereits im vorigen Abschnitt genannte Problematik der Einstellung der Flüge seitens verschiedener Airlines genannt werden. Hier müssen auch seitens der Regierung Schritte unternommen werden, damit die Erreichbarkeit und in diesem Zusammenhang auch die Wettbewerbsfähigkeit allgemein wieder ein vernünftiges Niveau erreicht.

Neben diesen Zielen gilt es vor allem das Hauptproblem, nämlich die Angst vor Gewalt im Land, zu lösen.

Jeder Tourist hat das Recht, sich frei und sicher im Land bewegen zu können. Dieses Recht zu schützen liegt in der Hand von Präsident Pastrana und seiner Regierung, die sich momentan auch aktiv um den Friedensprozess kümmern.

Hierzu ist vor allem auch Hilfe und Unterstützung aus dem Ausland notwendig und der Dialog zwischen den Konfliktparteien zu suchen. Der private Sektor ist bei diesem Modell außerdem in den Friedensprozess einzubeziehen.

Weiterhin wurde am 16. Juli 2001 durch das Ministerio de Desarrollo in Bogotá der „Plan Estratégico de Seguridad Turística“ ins Leben gerufen.

Dieser will die Sicherheit der Touristen und der im Tourismus tätigen Personen aggressiv verteidigen.

Die Regierung und die Polizei werden ihre Kräfte vereinigen und mit dem „Red de Seguridad Turística (SEGURTUR)“[52]eine Organisation gründen, die für diese anspruchsvolle Aufgabe zuständig ist.

Die 1.340 touristisch interessanten Gebiete und Ziele des Landes sollen in verschärfter Form überwacht werden, die Tourismuspolizei zu diesem Zweck von 331 auf 2819 Mann verstärkt werden und die „GAULA“[53]wird ihren Einsatzbereich auf den Tourismus ausweiten.[54]

In diesem Zusammenhang wurde daraufhin im September 2001 eine Werbekampagne mit dem Namen „Vive Colombia, viaja por ella“ gestartet, um den Kolumbianer zu animieren, im eigenen Land zu bleiben und sein Geld dort auszugeben. Bestandteil sind vor allem kleine, ca. zweiminütige Werbefilme über Kolumbien, die mehrmals täglich in allen Kanälen zur besten Sendezeit gezeigt werden.

Impulsgeber für nationale und regionale touristische Aktivitäten sind die Organisationen wie „la Dirección General del Ministerio de Desarrollo Económico“, „el Consejo Superior de Turimso“ und „el Fondo de Promoción Turística de Colombia“.

Abschließend nennt die Studie des Entwicklungsministeriums zudem erwartungsgemäß den Drogenhandel einen „Feind des Friedens“.[55]Friede im Land ist jedoch, wie schon oft angesprochen, einer der Hauptgrundlagen für ein touristisches Wachstum sowie eine gesunde Tourismuswirtschaft.

Nach Ansicht des Autors hat die Herstellung der Sicherheit innerhalb des Landes höchste Priorität.[56]Erst dann kann Tourismus überhaupt verantwortungsvoll durchgeführt werden. Eine Verbesserung des Images des Landes kann Werbung im Ausland sicherlich nicht herbeiführen. Die kolumbianische Regierung wäre aber gut damit bedient, weiterhin genügend finanzielle Mittel für diese Art der Werbung zur Verfügung zu stellen, damit Kolumbien nicht ganz in Vergessenheit gerät, sollte sich die politische Situation verbessern.

Darüber hinaus wünscht sich die Regierung selbst mehr Deviseneinnahmen, und die werden bekanntermaßen durch Ausländer generiert.

Die einzelnen oben angesprochenen Punkte und Möglichkeiten zur Wiederherstellung der inneren Sicherheit stellen nur einen kleinen Ausschnitt der wichtigsten Programme der kolumbianischen Regierung und verschiedene Vorschläge des Autors dar. Sie genau zu analysieren und zu diskutieren, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Dem Leser sollte jedoch vermittelt werden, welches die zentralen Punkte zur Friedensfindung als auch Aufgaben der Regierung zur Verbesserung des Tourismus nach Kolumbien allgemein sind.

III. Situationsanalyse (Ist-Zustand) San Agustíns

A. Präkolumbianische Kulturen

1. Definition

Als „präkolumbianisch“ wird generell das Zeitalter vor der Entdeckung Amerikas durch Columbus im Jahre 1492 bezeichnet. Im engeren Sinn ist aber hiermit die Zeit vor der Ankunft der Spanier im entsprechenden Land, also auf diese Arbeit bezogen, in Kolumbien, zu bezeichnen. Präkolumbianisch hat demzufolge nichts mit dem Land Kolumbien zu tun, sondern bezieht sich auf den Eroberer Kolumbus.

Die Eroberung Kolumbiens durch die Spanier fand in den Jahren 1536 - 1539 statt. Bis zu diesem Datum konnten sich die verschiedenen Kulturen ungehindert von äußeren Einflüssen entwickeln. Nach der Entdeckung begann ein neues Zeitalter, in welchem den präkolumbianischen Kulturen der Stempel der „modernen“ Welt und der katholischen Kirche aufgedrückt wurde.

Die Kulturen San Agustíns verschwanden jedoch archäologischen Studien zu Folge bereits spätestens im Jahr 1000 nach Christus, so dass hier keinerlei Beeinflussungen durch die Spanier stattgefunden haben.[57]

2. Präkolumbianischen Kulturen in Kolumbien

Es gab im heutigen Kolumbien keine unabhängige Entwicklung der Kulturen. Diese hatten Beziehungen zu Mittelamerika (über Costa Rica), zu den Andenkulturen, ins Amazonasgebiet und auch ins heutige Ecuador.

Unglücklicherweise existieren von den Kulturen, die vor dem Aufstieg der Inca in Ecuador und Kolumbien blühten, nur wenige bedeutende Überreste.

Zudem gibt es auch hier keinerlei schriftliche Zeugnisse und verlässliche historische Quellen, so dass der Kenntnisstand über die Völker, die dort lebten, sehr gering ist.

Bis zur Incaexpansion wurden die Handelsbeziehungen zu den südlichen Anden größtenteils über das Meer abgewickelt. Diese Handelsbeziehungen kann man bis ins 2. Jahrtausend vor Christus zurückverfolgen. Dabei wurden sicher nicht nur Waren, sondern auch Erfindungen, Erfahrungen, Ideen und Ansichten ausgetauscht und weiterverbreitet. Den mittelamerikanischen Einfluss konnte man anhand der Ähnlichkeiten in der Keramik und Ikonographie nachweisen.

Der Zeitpunkt der ersten Besiedlung Kolumbiens ist auch hier noch unklar. Man fand Steingeräte, die man mit der C14-Methode[58]auf ca. 10000 vor Christus datieren konnte. Es wurden auch Klingen gefunden, die von auf die Großwildjagd spezialisierten Jägern benutzt wurden. Diese konnte man allerdings nur auf 9000 bis 8000 vor Christus datieren.

Die Nahrungsmittelvielfalt im und am Meer war ein wichtiger Grund zur Sesshaftwerdung an der Küste. Es kann trotzdem noch zu jahreszeitbedingten Wanderungen ins Binnenland gekommen sein, um dort bestimmte Pflanzen zu sammeln. Später baute man dann insbesondere Maniok, Mais, Bohnen, Kürbisse, Erdnüsse und Süßkartoffeln an und förderte somit die Sesshaftigkeit.

Mit Entstehung der Keramik kann man auch die ersten lokalen Kulturen identifizieren, z. B. im Hochland von Bogotá die Herrera-Kultur oder die Calima-Kultur am gleichnamigen Fluss in der Westkordillere. Auch Ausläufer der Chorrera- und Machalilla-Traditionen sind in Kolumbien zu finden.

Bis zum 9. Jahrhundert dominierten jedoch regionale Kulturen, wie zum Beispiel die im folgenden Abschnitt beschriebene von San Agustín.

Ab dem 9. Jahrhundert waren dann erste Ansätze zur Staatenbildung erkennbar, wie zum Beispiel bei der Tairona-Kultur. Diese Kulturen waren geprägt von großzügigen Infrastruktur- und Prestigebauten, zu denen auch Gräber zählten.

Bis heute konnte man mehr als 200 Tairona-Dörfer zählen, die sich von der nördlichen Küste Kolumbiens bis hinauf in Höhenlagen von etwa 2000 m verteilten.[59]

Eine weitere wichtige Kultur Kolumbiens fand man am Unterlauf des Rio Sinú und des Rio Magdalena: die Sinú-Kultur. Besonders beeindruckend sind aus unserer heutigen Sicht ihre Goldschmuckstücke.

Bekannt sind auch die Muisca, insbesondere durch ihren Goldschmuck, den sie massenproduktionsähnlich herstellten. Dadurch erhielten sie auch nicht die künstlerische Qualität, die den Goldschmuck der Tairona und Sinú auszeichnete. Von dieser Kultur stammt wahrscheinlich auch die El Dorado Sage, die die goldhungrigen Spanier weiter antrieb.[60]

Folgende Abbildung möchte dem Leser abschließend einen graphischen Überblick über die präkolumbianischen Kulturen in Kolumbien geben.

Abbildung 6: Graphische Abbildung der präkolumbianischen Kulturen in Kolumbien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Museo del Oro Bogotá; URL: http://www.banrep.gov.co/museo/orf/cult_oro.htm.

B. Die Kultur(en) San Agustíns

1. Forschungsstand

Die Wurzeln dieser Kultur reichen bis ins 7. / 6. Jahrhundert vor Christus zurück. Sie ist damit älter, als fast alle anderen uns bekannten. San Agustín liegt inmitten der Anden, an einer Abflachung des Amazonastieflandes und befand sich im Zentrum einer der wichtigsten indianischen Ansammlungen Lateinamerikas. Man weiß aber auch in der heutigen Zeit immer noch recht wenig über diese Kultur. Wahrscheinlich waren es eher mehrere Kulturen, die sich nacheinander und parallel zueinander in dieser Region entwickelten. Durch seine hervorragende Lage war San Agustín eventuell für längere Zeit ein bedeutendes Handelszentrum. Die Handelswege führten tief in das Amazonasgebiet, in die Höhenlagen des heutigen Popayáns und bis zur Pazifikküste.[61]

Seit dem 4. Jahrhundert nach Christus planierte man in dieser Gegend etliche Bergkuppen, und bis in das 7. Jahrhundert hinein wurden auch künstliche Berge über Steinkammern errichtet. Wahrscheinlich entstanden diese Hügel aus religiösen Gründen. In den Steinkammern unter den Hügeln fand man bunt bemalte Skulpturen oder monolithische Sarkophage. In unmittelbarer Nähe wurden ebenfalls Steinkisten- und Schachtgräberfriedhöfe sowie weitere Statuen gefunden. Inzwischen kennt man über 400 Statuen und Felsskulpturen, die eine große Vielzahl an unterschiedlichen Stilen und Motiven aufweisen.

In den Gräbern wurde vor allem monochrome Keramik gefunden, sehr selten Goldschmuck. Offensichtlich gab es auch in dieser Kultur gesellschaftliche Unterschiede. Man weiß allerdings noch nicht, was für ein gesellschaftliches System herrschte. Um die Berge zu planieren und die künstlichen Hügel zu erstellen, war auf alle Fälle ein organisierter Arbeitseinsatz nötig.

Man fand zahlreiche kreisförmige Grundrisse der strohgedeckten Lehmhütten. Mehr ist von diesen nicht erhalten geblieben.

Aufgrund der Anzahl der Grundrisse kann man auf eine relativ große Bevölkerung schließen. Diese lebte von der Jagd, dem Maisanbau und dem Sammeln von Früchten und Pflanzen.

Die Steinskulpturen wurden mit recht einfachen Werkzeugen erschaffen. Es wurden Schaber und meißelartige Geräte aus Basalt sowie Obsidiansplitter als Stichel und Nadel benutzt. Es ist auffallend, dass bei den meisten Figuren der Kopf sorgfältig herausgearbeitet wurde, während die unteren Körperteile, vor allem die Beine, vernachlässigt wurden. Die Bedeutungen dieser Figuren liegen wahrscheinlich in Mythen, die schon vergessen sind. So sind wir auf Vermutungen angewiesen: Die Mischwesen mit menschlichen Antlitz, aber dem Maul und den Zähnen eines Jaguars oder Pumas, stellen möglicherweise Gottheiten dar.

San Agustín beeinflusste auch das Gebiet des oberen Magdalena. Man fand unter anderem bei Tierradentro und Moscopán Steinskulpturen, die an San Agustín erinnern.

Zum ersten Mal berichtete 1757 ein spanischer Geistlicher über die Steinskulpturen. Die daraufhin begonnenen Grabungen dienten allerdings nicht dem wissenschaftlichen Interesse, es wurde vielmehr nach vergrabenen Schätzen gesucht. Erst ab 1914 wurde diese Stätte als archäologisch interessante Ausgrabungsstätte bekannt. Heute befindet sich außerhalb des Dorfes San Agustín der archäologische Park, in dem sich die bedeutendsten Grabanlagen befinden.[62]

2. Historische Entwicklung

In der Literatur finden sich unterschiedliche Ansätze zur Gliederung der Kultur von San Agustín in verschiedene Perioden, die sich mitunter unterscheiden.

Ich möchte hier in kurzer Form die Gliederungen von Reichel-Dolmatoff und Duque Gómez - Cubillos aus den Jahren 1978 und 1979 vorstellen.

Eine weitere Quelle weist in Abbildung 8 unterschiedliche Zahlen auf und gibt die wichtigsten geschichtlichen und archäologischen Rahmendaten an, die uns bis heute bekannt sind.

Ziel soll nicht sein, dem Leser einen detaillierten archäologischen Überblick über diese Kultur zu geben, sondern lediglich einen kurzen Einblick in die zeitliche Einordnung der Kultur zu vermitteln.

Abbildung 7: Perioden der San Agustín Kultur nach Reichel-Dolmatoff und Duque Gómez-Cubillos

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Indianer-Welt.de, URL: http://www.indianer-welt.de, eigene Zusammenstellung.

Die obigen Quellen zeigen, dass uns von dieser Kultur bis heute nur sehr wenig bekannt ist.[63]

Hier gilt es nach neueren Methoden und Quellen zur Erforschung zu suchen, um detaillierte und exakte Angaben machen zu können. Dies soll jedoch nicht Teil dieser Arbeit sein, und bleibt Experten vorbehalten.

San Agustín wurde in den 70er Jahren in Deutschland vor allem durch die Veröffentlichungen von Preuss, Rivet, Pérez Barradas und der ersten kolumbianischen Anthropologen Bekannt gemacht.

C. Wirtschaftliche Bedeutung San Agustíns

1. Kolumbiens Bedeutung im Tourismus zu präkolumbianischen Kulturen

Kolumbiens präkolumbianische Kulturen gehören sicherlich zu den herausragenden Kulturen Lateinamerikas. Die wichtigsten sind: Tayrona-Kultur in der Sierra Nevada de Santa Marta, die Sinú-Kultur in den Tiefebenen der Atlantikküste, die Muisca-Kultur in der Hochebene der zentralen Andenkette, die Tumaco-Kultur, die Calima-Kultur und die in den vorangegangenen Abschnitten bereits ausführlicher besprochene Kultur San Agustíns.[64]

Allgemein kann man jedoch sagen, dass Kolumbiens Bedeutung im Tourismus zu präkolumbianischen Kulturen nicht einmal annähernd denselben Stellenwert hat, wie zum Beispiel in Perú, Guatemala oder Mexiko. Zum einen liegt dies sicherlich darin, dass die Funde nicht so spektakulär ins Auge fallen, wie zum Beispiel die weltberühmten Inca-Ruinen von Machu Picchu, die Ruinen von Sacsayhuaman bei Cuzco oder die verschiedenen Ruinen in Mexico.

Zum anderen kam Kolumbien im internationalen Tourismus aus vielerlei, hier bereits angesprochenen Gründen wie Gewalt, Unsicherheit, schlechter Vermarktung usw. nie über ein Mauerblümchendasein hinaus.[65]

2. San Agustíns Rolle im kolumbianischen Tourismus

Die Kultur San Agustíns gehört unter den präkolumbianischen Kulturen Kolumbiens zweifelsohne zu den herausragenden, vergleichbar mit der Inca-, Aztecen und / oder Maya Kultur, wenn auch bisher weniger über sie herausgefunden werden konnte. Sie ist die bedeutendste und größte Ansammlung von Steinfiguren Südamerikas. Der künstlerische Wert ist außergewöhnlich, wenn man die primitiven Mittel (Steinwerkzeuge) kennt, mit denen in dieser Zeit gearbeitet werden musste. Aus archäologischer Sicht gehört diese Kultur dementsprechend sicherlich zu den großartigsten Kulturen des Kontinents, wenn nicht sogar der gesamten Welt.

Auch im innerkolumbianischen Tourismus hat San Agustín bis im Jahr 1997 eine wichtige Stellung eingenommen. Etliche kolumbianische Veranstalter boten Gruppen- und Individualreisen nach San Agustín aus allen Teilen des Landes an.

Es gab kaum eine Schule, die keine Studienreise zu den Steinfiguren von San Agustín veranstaltete. Im Gästebuch waren an guten Tagen täglich bis zu 250 Eintragungen zu lesen. Im Vergleich dazu sind es heute vielleicht ein, zwei oder auch gar keine Eintragungen.[66]Heutzutage ist San Agustíns Anteil am kolumbianischen Tourismus mit weit weniger als 1% fast nicht mehr existent.[67]

D. Ursprüngliches touristisches Angebot

1. Natürliches Angebot

San Agustín ist vorwiegend ein kulturbedingter Fremdenverkehrsort. Der archäologische Park, der im Jahr 1995 von der UNESCO[68]zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt wurde, stellt das wichtigste natürliche Angebot der Stadt und der gesamten Region dar.

Aufgrund des ausgeglichenen Klimas und der landschaftlichen Schönheiten lässt sich San Agustín auch in die Kategorie der naturbedingten Fremdenverkehrsorte einordnen.[69]In der Vergangenheit wurde durch spezialisierte Agenturen auch versucht, den Ort als ökotouristische Destination populärer zu machen, was jedoch nicht von großem Erfolg gekrönt war.

Das Klima in der Region ist relativ feucht, aber sehr angenehm und frisch. Die Durchschnittstemperatur beträgt zwischen 16°C und 18°C. Diese Temperatur wird hauptsächlich durch die Höhenlage des Ortes zwischen 1.600 - 2.000 m bestimmt. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt in San Agustín 1237 mm pro Jahr.[70]

Das Klima in San Agustín ist (abgesehen von bisweilen recht ergiebigen Niederschlägen, die in dieser Klimazone völlig normal sind) für Wanderungen, Ausflüge zu Fuß oder mit dem Pferd und zur Besichtigung der Ruinenstätten optimal. Von dieser Seite sind für die Region bestmögliche Voraussetzungen gegeben. Verglichen mit anderen präkolumbianischen Stätten wie z.B. dem mitunter sehr nebligen Machu Picchu, hat San Agustín in dieser Beziehung entsprechend die bessere Ausgangsposition.

Flora und Fauna in der Region sind vielfältig und die spektakuläre Landschaft besticht durch unzählige verschiedene Grüntöne. Sie kann in etwa mit dem Voralpenland in Süddeutschland verglichen werden. Es ist jedoch fraglich, ob allein die landschaftliche Schönheit sowie die Flora und Fauna einen Besuch der Region rechtfertigen würden.[71]

2. Soziokulturelles Angebot

In San Agustín und der näheren Umgebung gibt es keine speziellen kulturellen Traditionen. Die Herzlichkeit der Bevölkerung und ihre positive Einstellung gegenüber Fremden und Ausländern sind sicherlich positiv hervorzuheben. So wurde ich bei meinem eigenen Besuch vor Ort von den Einwohnern sehr freundlich aufgenommen und bei meiner Arbeit aufs Möglichste unterstützt.

Das nahezu einzige und wichtigste kulturelle Angebot in der Stadt sind die Ruinenstätten als auch einige weitere Sehenswürdigkeiten, die im nächsten Abschnitt im Absatz 9 ab S. 41 kurz Erwähnung finden.

E. Abgeleitetes touristisches Angebot

1. Archäologischer Park

Der archäologische Park von San Agustín liegt ca. 520 km von Bogotá und 3 km vom Ortszentrum San Agustíns entfernt. Er umfasst eine Fläche von 500 km².

Abbildung 9 auf S. 34 zeigt einen geographischen Überblick des Parks. Die wichtigsten Punkte möchte ich vorab kurz vorstellen:

Der Park verfügt über einen kleinen Rezeptions- und Wartebereich, der sich in einem schönen Haus im Kolonialstil befindet (Casa de Administración). Hier werden auch verschiedene Informationsbroschüren in Spanisch und Englisch und etwas an Fachliteratur angeboten.

[...]


[1]Auch nach den fürchterlichen Anschlägen vom 11.09.2001, die ich aufs Schärfste verurteile, ist die Reisefreudigkeit der Menschen zwar erheblich zurückgegangen, es kann aber immer noch von einem Boom gesprochen werden. Das touristische Jahr 2000/2001 wird auch trotz Einbußen branchenweit mit einem deutlichen Plus abschließen. (Vgl.Schwäbische Zeitung,Die Reisebranche zeigt jetzt wieder mehr Zuversicht, 05.11.2001, Nr. 255).

[2]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,Comportamiento del Sector Turismo, 2001, S. 1 URL: http://www.mindesa.gov.co/publish03.htm.

[3]Vgl. hierzu die Erläuterungen im Kapitel IV ab Seite 51.

[4]Vgl.Altmann, Werner,Kolumbien heute, 1997, S. 338.

[5]Mayer, Heinz,Kolumbien: Der schmutzige Krieg, 1990, S. 9.

[6]Altmann, Werner,Kolumbien heute, 1997, S. 283.

[7]In den Jahren 1991-1996 betrug die jährliche Inflationsrate 20% und darüber, in den letzten Jahren Rückgang auf unter 10% im Jahr 2000 (vgl.Ministerio de Desarrollo Económico, Competitividad Internacional, 2000, S. 4, URL: http://www.mindesa.gov.co/publish02.htm).

[8]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,Competitividad Internacional, 2001, S. 2.

[9]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,La Economía Colombiana, 2000, S. 4. URL: URL: http://www.mindesa.gov.co/publish01.htm.

[10]Vgl.El Tiempo,Crece el empleo en las pequeñas ciudades, 02.10.2001.

[11]Vgl.El Tiempo,Cede el desempleo en Colombia, 31.10.2001.

[12]Vgl.Altmann, Werner,Kolumbien heute, 1997, S. 235, 296.

[13]Vgl.Altmann, Werner,Kolumbien heute, 1997, S. 296.

[14]Vgl.CIA, The world Factbook 2000, Colombia, 2000, S. 6; URL: http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/co.html.

[15]Departamento Administrativo Nacional De Estadística; URL: http://www.dane.gov.co.

[16]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,Lente, Monitor Quincenal de Competitividad, Mayo und Junio 2001, jeweils S. 3.

[17]Vgl.El Tiempo,Colombia, 65 en competitividad a nivel mundial, 15.10.2001.

[18]Vgl. Kapitel I, S. 1.

[19]Ministerio de Desarrollo Económico,Política Turística para una Sociedad que construye La Paz, 2001, S. 2; (Übersetzung durch den Autor). URL: http://www.mindesa.gov.co/policy01htm. Vgl. hier auch die entsprechenden Angaben der DANE für die allgemeine Wirtschaft auf der vorhergehenden Seite.

[20]Ministerio de Desarrollo Económico,Comportamiento del Sector Turismo, 2001, S. 1; (Übersetzung aus dem Spanischen durch den Autor).

[21]Vgl. B&B Reiseatlas Südamerika, 2000, S. 153.

[22]Dieses war der maximale Wert des letzen Jahrzehnts.

[23]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,Comportamiento del Sector Turismo, 2001, S. 1 RL: URL: http://www.mindesa.gov.co/publish03.htm. Zahl des Jahres 2000 von Gustavo Torro, dem Generaldirektor für Tourismus der kolumbianischen Regierung. Interview geführt von Torsten Krempin am 18.10.2001.

[24]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,Comportamiento del Sector Turismo, 2001, S. 2.

[25]URL: http://www.aerocivil.gov.co.

[26]Aus welchen Gründen es zu diesen erheblichen Einbrüchen im Tourismus gekommen ist, wird im Kapitel II, Abschnitt E ab S. 13 dieses Kapitels näher erläutert. Zukunftsstrategien finden sich in Kapitel II, Abschnitt F ab S. 18 sowie in den Kapiteln V ab S. 57 und VI ab S. 109. Detaillierte Informationen über die Ein- und Ausreisen zu Land, zu Wasser und in der Luft gibt die „Anuario Estadístico, Movimientos de Entradas y Salidas Internacionales“ der SIMICA.

[27]Unter Reisetätigkeit verstehen sich die Anzahl der Ein- und Ausreisen nach bzw. aus Kolumbien, die an den jeweiligen Flughäfen und Einreisestellen erhoben wurden.

[28]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico, Noticias de la Entidad, 2001, S. 1 sowie auchEl Tiempo,Gobierno incentiva turismo doméstico, 19.09.2001.

[29]Vgl.Organización Internacional para las Migraciones(OIM), Statistiken 1998, neuere Zahlen bis Oktober 2001 nicht vorhanden; URL: http://www.oim.web.cl.

[30]Vgl. Abbildung 3 auf S. 10.

[31]Vgl.Goerdeler, Carl D., In den Fängen der Guerilla, Schwäbische Zeitung, 24. Juli 2001, Nr. 168.

[32]Fuerzas Armadas revolucionarias de Colombia.

[33]Vgl.El Tiempo,Inminente liberación de dos alemanes en poder de las Farc, 09.10.2001.

[34]Vgl.Schwäbische Zeitung, Profi-Killer aus Kolumbien, 24. September 2001, Nr. 221.

[35]Vgl.Sevilla, Rafael/von Haldenwang, Christian/Pizarro, Eduardo,Kolumbien Land der Einsamkeit, 1999, S. 18, 260.

[36]Als Beispiel sei ein befreundeter deutscher Geschäftsführer einer kolumbianischen Incoming-Agentur genannt, der nach langjährigem Aufenthalt aus diesen Gründen das Land mit seiner kolumbianischen Frau und den Kindern verlassen will.

[37]Vgl.El Tiempo,121.115 colombianos se fueron del país este año y no volvieron, 03.10.2001.

[38]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico, Política Turística para una Sociedad que construye La Paz, 2001, S. 2.

[39]Altmann, Werner,Kolumbien heute, 1997, S. 341.

[40]Es bieten im Moment noch verschiedene andere Airlines wie z.B. Iberia, Continental bzw. Delta Airlines Verbindungen nach Bogotá an.

[41]Gemeint sind hiermit die Regionen an der Karibikküste: Santa Marta, Cartagena bzw. San Andrés sowie auch die Regionen um Bogotá, Leticia und San Agustín.

[42]Fondo de Promoción Turística de Colombia.

[43]Weitere 500.000.000 Pesos wurden jedoch nachträglich bewilligt. Vgl.El Tiempo, Más impulso al turismo local, 21.09.2001.

[44]Vgl. Interview am 22.05.2001 mit Frau Maria Fernanda Gonzales Rey, der Direktorin des Fondo de Promoción Turística de Colombia.

[45]Vgl.El Tiempo, La imagen de Colombia es un desastre, 30.11.2000.

[46]Vgl. URL: http://www.auswaertiges-amt.de.

[47]Weitere detaillierte Verbesserungsmöglichkeiten und spezielle Strategien werden im Kapitel V ab S. 57 am Beispiel von San Agustín ausführlich besprochen.

[48]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico,Comportamiento del Sector Turismo, 2001, S. 6-7.

[49]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico, Descentralización Turística en Colombia, 2000, S. 4-6. Die umfassende Studie von knapp 50 Seiten enthält noch sehr viele weitere Aspekte, die jedoch den Rahmen der Arbeit sprengen würden.

[50]Vgl.El Tiempo,Estrategia de turismo para el próximo año, 16.08.2001.

[51]Vgl.El Tiempo,Más competencia en productos turísticos, 12.09.2001.

[52]Vgl.El Tiempo,Red de seguridad turística al Quindío, 20. Juli 2001.

[53]„Grupos de Acción Unificada por la Libertad Personal”. Eine Elite Anti-Kidnapping Einheit der kolumbianischen Regierung.

[54]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico, Gobierno y Policía unen Esfuerzos para reactivar el Sector turístico, 2001, S. 1 f.

[55]Vgl.Ministerio de Desarrollo Económico, Política Turística para una Sociedad que construye La Paz, 2001, S. 2 f.

[56]Vgl. Kapitel VI ab S. 109.

[57]Vgl.Bravo Diaz, Manuel,Guia Turística Papallacta, S. 3. Andere Quellen wie z.B. das Museo del Oro gehen davon aus, dass die Kultur bereits 8 Jahrhunderte vor Ankunft der Spanier, d.h. im 8. Jahrhundert verschwunden waren; URL: http://www.banrep.gov.co/museo/orf/sanagu.htm.

[58]Methode zur zeitlichen Synchronisierung organischer Proben durch Vergleich ihrer Kohlenstoff C14 Aktivitäten. Vgl. auchBlöss, Christian/Niemitz, Hans-Ulrich,C14-Crash, Gräfelfing, 1997, S. 7.

[59]Wichtigste Stätte der Tairona Kultur ist die bekannte Ciudad Perdida an der Karibikküste in der Nähe der Stadt Santa Marta.

[60]Vgl.Bray, Warwick,El Dorado der Traum vom Gold, 1979, S. 17-71.

[61]Vgl.Luis Antonio Rosero Riascos,San Agustín, 2000, S. 27-30 und 48-49.

[62]Vgl.Velandia Jagua, César Augusto,San Agustín, 1994, S. 133-140.

[63]Vgl. auch die Ausführungen im vorherigen Abschnitt.

[64]Vgl. Abbildung 6 auf S. 25.

[65]Vgl. auch die Parallelen zu den Ausführungen in Kapitel V ab S. 57.

[66]Eigene Durchsicht der Besucherstatistik wiesen verschiedene Tage ohne Besucher bzw. Einträge im Gästebuch aus.

[67]Zahlen aus dem mündlichen Interview mit Torsten Krempin, dem Chef der kolumbianischen Incoming-Agentur „Promotura Neptuno“ in Santafé de Bogotá vom 18.07.01.

[68]URL: http://www.unesco.org.

[69]Vgl.Freyer, Walter,Tourismus, 1995, S. 184.

[70]Vgl.Luis Antonio Rosero Riascos,San Agustín, 2000, S. 43.

[71]Vgl. auch die Ausführungen im Kapitel V ab S. 57.

Details

Seiten
139
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832454272
ISBN (Buch)
9783838654270
Dateigröße
9.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220984
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten – Tourismus
Note
1,3
Schlagworte
tourismus touristik entwicklung politik mittelamerika

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Titel: Die touristische Entwicklung von San Agustin (Kolumbien) im Spannungsfeld von Politik, Geschichte und Gewalt