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Internationale Direktinvestitionen

Determinanten und Konsequenzen für die Herkunftsländer

Diplomarbeit 2001 69 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Gegenstand und Ziel Vorgehensweise

2. Begriffliche Grundlagen der Direktinvestition
2.1. Definition der Direktinvestition
2.2. Klassifizierung der Direktinvestitionen
2.2.1. Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestition
2.3. Definition multinationaler Unternehmen
2.4. Umfang und Struktur von Direktinvestitionen

3. Abgrenzung zu anderen internationalen Kapitalströmen
und Handelsbeziehungen
3.1. Portfolioinvestitionen
3.2. Direktinvestitionen und alternative Internationalisierungsstrategien

4. Bestimmungsgründe internationaler Direktinvestitionen
4.1. Zielsetzungen bei Auslandsinvestitionen
4.2. Erklärungsansätze zur Direktinvestition
4.2.1. Theorie des internationalen Handels
4.2.1.1. Theorie der komparativen Kosten
4.2.1.2. Faktorproportionentheorem
4.2.1.3. Mundellsches Substitutionstheorem
4.2.1.4. Hirsch-Ansatz
4.2.1.5. Corden-Ansatz
4.2.1.6. Produktzyklustheorie
4.2.1.7. Kritische Betrachtung
4.2.2. Standorttheorie
4.2.2.1. Investitionsanreize der Zielländer
4.2.2.2. Marktgröße- und Marktwachstumshypothese
4.2.2.3. Handelsschrankenargument
4.2.2.4. Lohnkostendifferenzen
4.2.2.5. Steuersysteme
4.2.2.6. Politische Faktoren
4.2.2.7. Kritische Betrachtung
4.2.3. Kapitaltheorie
4.2.3.1. Währungsansatz von Aliber
4.2.3.2. Liquiditätshypothese
4.2.3.3. Zinssatztheorie
4.2.3.4. Profitabilitätstheorie
4.2.3.5. Kritische Betrachtung
4.2.4. Industrial-Organization-Theorie
4.2.4.1. Monopolistischer Ansatz
4.2.4.2. Oligopolistische Reaktions-Hypothese
4.2.4.3. Kritische Betrachtung
4.2.5. Theorie der Unternehmung
4.2.5.1. Verhaltenstheoretischer Erklärungsansatz von Aharoni
4.2.5.2. Managementorientierter Ansatz
4.2.5.3. Kritische Betrachtung
4.2.6. Eklektische Theorie
4.2.7. Zusammenfassung

5. Konsequenzen internationaler Direktinvestitionen auf die Herkunftsländer
5.1. Auswirkungen auf die inländische Beschäftigung und den Außenhandel
5.2. Technologieexport und wachsende Marktmacht
5.3. Direktinvestitionen als entwicklungspolitisches Instrument
5.4. Zusammenfassung

6. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Begriffliche Einteilung von Auslandsinvestitionen.

Abb. 2: Aus- und inwärtige Direktinvestitionsströme 1980-1993.

Abb. 3: Alternative Internationalisierungsstrategien in Abhängigkeit der Intensität von Kapital und Managementleistungen.

Abb. 4: Umsatzentwicklung im Produktzyklus.

Abb. 5: Bestand an Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland und längerfristige Beschäftigungsentwicklung (vH).

Abb. 6: Veränderung des Bestandes an Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland und kurzfristige Beschäftigungsentwicklung 1991-1994 (vH).

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Kumulierte Direktinvestitionen der OECD-Länder 1973-1980 und 1981-1992 in Mrd. Dollar.

Tab. 2: Ziele für die Vornahme von Auslandsinvestitionen.

Tab. 3: Determinanten des Investitionsverhaltens in Entwicklungsländern.

Tab. 4: Analyseebenen und Analysekonzepte der eklektischen Theorie der Direktinvestitionen im Ausland.

Tab. 5: Regionalstruktur der Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland und der deutschen Exporte 1994.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Gegenstand und Ziel

Das internationale Wirtschaftsgeschehen wurde in der Vergangenheit fast ausschließlich in der Form eines internationalen Handels, d.h. eines Warenimports und Warenexports durchgeführt. Seit etwa Anfang diesen Jahrhunderts lassen sich jedoch neben internationalen Handelsbeziehungen auch internationale Produktionsbeziehungen feststellen.

In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg haben hauptsächlich Großunternehmen aus Industrieländern eine Produktionsverlagerung oder Produktionsteilverlagerung ins Ausland erwogen und auch durchgeführt. Bis zur heutigen Zeit blieb dies jedoch nicht nur den Großunternehmen vorenthalten. Auch kleine und mittlere Unternehmen aus Industrieländern und Entwicklungsländern verlagern mittlerweile vermehrt ihre Produktion ins Ausland.

Eine solche Verlagerung der Produktion, durch Neugründung oder Ankauf von Tochtergesellschaften oder Erweiterung von Produktionsstätten im Ausland nennt man eine Auslandsinvestition oder auch internationale Direktinvestition.

Anstatt anderen Internationalisierungsstrategien, wie z.B. einer erhöhten Exporttätigkeit, Vergabe von Lizenzen, Franchising oder Joint Ventures zu folgen, wählten Unternehmen in den letzten Jahren vermehrt die Internationalisierungsform einer Auslandsinvestition. Untersuchungen haben gezeigt, dass das Wachstum von ausländischen Direktinvestitionen in den letzten Jahren stark gewachsen ist, und mittlerweile über den Wachstumsraten der Exporttätigkeiten liegen.

Fast täglich ist in der Presse von geplanten Auslandsinvestitionen, verbunden mit Produktionsschließungen oder -einschränkungen und/oder einem Stellenabbau im Inland zu lesen. Die Auswirkungen von Auslandsinvestitionen können jedoch sehr vielfältig und in ihren Wirkungsrichtungen verschieden sein. Ob, wie in der Presse des öfteren zu lesen ist, eine Auslandsinvestition für einem Job-Export im Herkunftslandes verantwortlich ist, soll in dieser Arbeit u.a. erörtert werden.

Das Hauptinteresse dieser Arbeit liegt darin, diejenigen Faktoren herauszukristallisieren, welche eine Ursache für die Durchführung einer Auslandsinvestition darstellen können und welche Konsequenzen den Herkunftsländer aufgrund solcher Investitionen entstehen können.

1.2. Vorgehensweise

Ausgehend von den in der Einleitung angesprochenen Entwicklungen und Problemen von internationalen Direktinvestitionen sind die beiden Hauptdiskussionspunkte dieser Arbeit die Ermittlung möglicher Bestimmungsgründe, die als ein Initiator für eine Durchführung einer internationalen Direktinvestition auftreten können und die für die Herkunftsländer bei einer Durchführung entstehenden Konsequenzen.

Die Arbeit beginnt mit einer begrifflichen Einstufung und Definition einer internationalen Direktinvestition sowie der Darstellung von Umfang und Struktur anhand von Zahlenmaterial.

Daran anschließend werden im Abschnitt 3 verschiedene, zu Direktinvestitionen alternative Internationalisierungsstrategien, vorgestellt und eine Abgrenzung zu anderen Kapitaltransfers (Portfolioinvestitionen) getroffen.

Nach einer erfolgten Definition und Einordnung von internationalen Direktinvestitionen folgt im Abschnitt 4 die Bestimmung möglicher Initiatoren von Direktinvestitionen, sowie einer Ermittlung ihres Erklärungswertes bzgl. ausländischer Direktinvestitionen.

Dazu werden zuerst mögliche Zielsetzungen aufgeführt, die Unternehmen mit einer internationalen Direktinvestition verfolgen.

Anhand von traditionellen Theorien werden dann mögliche Bestimmungsgründe, die für eine Durchführung einer Direktinvestition verantwortlich sein können, ermittelt.

Hierbei werden die Theorien nicht in all ihren Einzelheiten analysiert und beschrieben, sondern lediglich in ihren Grundzügen dargestellt und auf ihren empirischen und theoretischen Erklärungsgehalt hin bewertet.

Inwieweit die untersuchten Bestimmungsgründe in den einzelnen Theorien für eine Durchführung einer Direktinvestition verantwortlich sind wird somit aus der Höhe der Erklärungswerte der Theorien sichtbar.

Abschließend wird ein Erklärungsansatz von Dunning[1]vorgestellt, der versucht, verschiedene Ansätze und Theorien zu berücksichtigen und zeigt, dass nicht nur einzelne oder einige wenige Bestimmungsgründe für eine Durchführung einer internationalen Direktinvestition verantwortlich sein können, sondern vielmehr eine Vielzahl von Gründen mit mehr oder weniger Gewichtung für einen Anreiz einer Durchführung von internationalen Direktinvestitionen sorgen können.

Abschnitt 5 befasst sich mit der Aufführung und Analyse verschiedener positiver wie negativer Konsequenzen, welche eine internationale Direktinvestition auf den Wirtschaftsraum der Herkunftsländer ausüben kann.

Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der gefundenen Ergebnisse und einigen wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen.

2. Begriffliche Grundlagen der Direktinvestition

2.1. Definition der Direktinvestition

Direktinvestitionen sind unter dem Oberbegriff der Auslandsinvestitionen anzugliedern. Bis heute hat sich jedoch keine einheitliche und eindeutige Definition der Auslandsinvestitionen etablieren können.[2]

Eine Einteilung der Auslandsinvestitionen in direkte Auslandsinvestitionen (Direktinvestitionen) und indirekte Auslandsinvestitionen (Portfolioinvestitionen), (siehe Abb.1)[3], ist jedoch gebräuchlich und anerkannt. Letztere werden unter Punkt 3.1. später näher erläutert.

Auslandsinvestitionen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Begriffliche Einteilung von Auslandsinvestitionen, Mrotzek, R. (1989), S. 12.

Laut der deutschen Bundesbank sind die Direktinvestitionen zu verstehen, als

„Kapitalanlagen ... , die vom Investor in der Absicht vorgenommen werden, einen unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des kapital-nehmenden Unternehmens zu gewinnen oder einem Unternehmen, an dem der Investor bereits maßgeblich beteiligt ist, neue Mittel zuzuführen“[4]

Der IMF definiert die Direktinvestitionen als ein

„dauerhaftes Interesse“ an ausländischen Unternehmen.[5]

Hymer bezeichnet die Direktinvestitionen als:

„If the investor directly controls the foreign enterprise, his investment is called a direct investment. If he does not control it, his investment is a portfolioinvestment.”[6]

Aus diesen und anderen hier nicht genannten ähnlichen Definitionen ergibt sich, dass die Kontrollabsicht und speziell die Höhe dieser Kontrollabsicht eines Investors an einem Unternehmen ausschlaggebend für das Vorhandensein einer Direktinvestition ist. In welcher genauen Höhe jedoch diese Kontrolle (Beteiligung) ausfallen muss, damit eine Direktinvestition vorliegt, ist in der Literatur nicht eindeutig definiert. Allgemein geht man jedoch davon aus, dass eine Beteiligung ab 10% den Investor in die Lage versetzen kann, unmittelbaren Einfluss auf das Unternehmen zu nehmen.[7]Diese vom IMF empfohlene Mindestbeteiligungshöhe wird jedoch nur in einigen Ländern (USA, Japan, Frankreich) angewandt.[8]Höhere Quoten von 20% werden zum Beispiel von Großbritannien und Deutschland als Grenze angesehen.[9]

Andere Länder geben keine bestimmte Beteiligungshöhe für Direkt-investitionen an und entscheiden von Fall zu Fall (z.B. Niederlande, Belgien, Luxemburg).[10]Zu diesem Kapitaltransfer, der in der Regel langfristig ausgelegt ist, kann bei Direktinvestitionen zudem noch ein Transfer von Anlagegüter wie z.B. Know-how, Produktionsfaktoren, Managementleistungen usw. auftreten.[11]

Unter Direktinvestitionen sind demnach Tochtergesellschaften, Betriebsstätten, Niederlassungen und Joint Ventures oder eine Aufstockung bereits bestehender Beteiligungen bzw. Übertragungen von Finanzierungsmitteln an diese Unternehmen in Form von Sacheinlagen (z.B. Patente, Lizenzen), Darlehen, Eigenkapital und reinvestierten Gewinnen zu verstehen.[12]

Die Deutsche Bundesbank unterscheidet weiterhin unter mittelbaren und unmittelbaren Direktinvestitionen. Eine unmittelbare Direktinvestition liegt, wie bereits oben erläutert, vor, wenn eine bundesdeutsche Unternehmung oder Privatperson an einem gebietsfremden Unternehmen mit min. 20% beteiligt ist. Als eine mittelbare Direktinvestitionen wird dagegen das Anlagevermögen der von Investoren abhängigen Holdinggesellschaften bezeichnet.[13]

2.2. Klassifizierung der Direktinvestitionen

Für die weitergehenden Untersuchungen von Direktinvestitionen ist es hilfreich, eine Unterteilung derart vorzunehmen, wie die Produktion im Empfängerland in Bezug zu der des Geberlandes steht, bzw. wie sie in dem gesamten Unternehmensprozess eingebunden ist.

2.2.1. Horizontale, vertikale und konglomerate Direktinvestition

Unter einer horizontalen Direktinvestition werden Unternehmen verstanden, die im In- und Ausland die gleichen Produktionsprogramme aufweisen.[14]Dieses kann sowohl für den gesamten Produktionsprozess wie auch nur für einen Teilproduktionsprozess der Unternehmung gelten.

Die vertikale Direktinvestition ist dadurch gekennzeichnet, dass bestimmte Produktionsprozesse im Empfängerland bestimmten Produktionsprozessen im Geberland vorgeschaltet bzw. nachgeschaltet sind. D.h., Güter im Empfängerland zu produzieren, die für die Geberlandsproduktion als Vorprodukte dienen (rückwärtsgerichtete vertikale Direktinvestition) bzw. Güter im Geberland zu produzieren, die in die Herstellung im Empfängerland als Inputgüter in die Endprodukte eingehen (vorwärtsgerichtete vertikale Direktinvestition).[15]

Eine Unterteilung in horizontale und vertikale Direktinvestitionen ist auch in Bezug auf die Handelseffekte von entscheidender Bedeutung.

So führen rückwärtsgerichtete vertikale Direktinvestitionen tendenziell zu höheren Importen im Herkunftsland und vorwärtsgerichtete vertikale Direktinvestitionen eher zu höheren Exporten.

Eine konglomerate Direktinvestition ist definiert als eine Direktinvestition, die weder horizontal noch vertikal ausgerichtet ist, und zur Durchführung einer Produktion im Empfängerland vorgenommen wird, die in keiner direkten produktionswirtschaftlichen Beziehung zur Produktion im Geberland der investierenden Unternehmung steht.[16]

2.3. Definition multinationaler Unternehmen

Der Hauptträger von Direktinvestitionen ist das multinationale Unternehmen.[17]Wie schon 1971 Aharoni definierte,

„A general agreement on the definition of a multinational corporation does not yet exist.“,[18]

hat dieses auch heute noch seine Gültigkeit. Es existiert bis heute keine allgemeingültige Definition der multinationalen Unternehmung. Vielmehr muss sich nach Deitmers die Definition nach dem jeweiligen Untersuchungsziel richten.[19]

In dieser Arbeit sollen die Determinanten und Konsequenzen von Direktinvestitionen auf die Herkunftsländer untersucht werden.

Wir bezeichnen deshalb der Einfachheit halber eine multinationale Unternehmung als eine Unternehmung, die Produktionsstätten in mindestens zwei Ländern besitzt und ihre ausländischen Tochtergesellschaften zumindest in den im Abschnitt 2.1. angegebenen Grenzen kontrolliert.

Dieses geht auch konform mit der Begriffsbestimmung nach Gann, wobei eine multinationale Unternehmung über weltweit verteilte konfigurierte Tochtergesellschaften verfügt, zwischen denen Güter- und Kapitalströme fließen und ein signifikanter Anteil ihrer operativen Unternehmenstätigkeit in mehreren Ländern erfolgt.[20]Gemäß dieser Definition wird jedes Unternehmen durch Vornahme einer Direktinvestition in den vorgenannten Grenzen zu einem multinationalen Unternehmen.[21]

2.4. Umfang und Struktur von Direktinvestitionen

Direktinvestitionen gehören neben den internationalen Handelsbeziehungen zu den wichtigsten weltwirtschaftlichen Aktivitäten. Von Schwankungen abgesehen, lässt sich für OECD-Länder eine fortlaufende steigende Tendenz (siehe Abb.2 und Tab. 1) von Direktinvestitionen im Inland, wie auch im Ausland, verzeichnen,[22]welches sich repräsentativ auf die gesamte Weltwirtschaft übertragen lässt.

Erstaunlich ist zudem, das internationale Direktinvestitionen in den letzen Jahren im Vergleich zum Außenhandelsvolumen in größerem Umfang gestiegen sind. Die zweite Hälfte der 80er Jahre zeigt zum Vergleich eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für Direktinvestitionen von 32%, für Warenexporte von 13% und für Dienstleistungsexporten von 14%.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: OECD (1994)

Abb. 2: Aus- und inwärtige Direktinvestitionsströme 1980-1993 in Mrd. Dollar, OECD, (1994).

Die Entwicklung von inländischen Direktinvestitionen im Ausland in den Jahren 1973-1980 zeigt gemäß Tab. 1 für alle OECD-Länder einen Jahresdurchschnitt internationaler Direktinvestitionen von 33,44 Mrd. Dollar. In den Jahren 1981 –1992 ist dieser Wert bereits auf 110,01 Mrd. Dollar angestiegen, was einen Zuwachs von ca. 230% entspricht.

Ähnlich sieht die Tendenz ausländischer Direktinvestitionen im Inland aus. Hier ist ein Zuwachs von ca. 280% zu verzeichnen.

Wobei anzumerken ist, dass der größte Teil der Direktinvestitionen zwischen hochentwickelten Ländern stattfinden, d.h. dass Direkt-investitionen hauptsächlich zwischen Ländern von ähnlich hohem Entwicklungsniveau getätigt werden. Gemäß Stehns Berechnungen werden über 75 % aller Direktinvestitionen in Industrieländern von Unternehmen in den USA, Japan und dem Vereinigten Königreich getätigt.

Als optimaler Standort ausländischer Direktinvestitionen werden die USA am höchsten, gefolgt von dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Belgien/Luxemburg eingeschätzt, wechselseitige Direktinvestitionen sind gemäß Stehn zudem überwiegend von intersektoraler Art.[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: OECD (1994)[25]

Tab. 1: Kumulierte Direktinvestitionen der OECD-Länder 1973-1980 und 1981-1992 in Mrd. Dollar, OECD, (1994).

3. Abgrenzung zu anderen internationalen Kapitalströmen und Handelsbeziehungen

3.1. Portfolioinvestitionen

Zu den direkten Auslandsinvestitionen (Direktinvestitionen) sind die indirekten Auslandsinvestitionen (Portfolioinvestitionen) abzugrenzen. Diesen indirekten Auslandsinvestitionen fehlt der für direkte Auslandsinvestitionen notwendige Kontrollaspekt an einer Unternehmung.

Eine Portfolioinvestition bezeichnet den Erwerb ausländischer Wertpapiere oder anderer Kapitalanlagen wie Aktien, Investmentzertifikaten oder festverzinslichen Wertpapieren ohne direkte Einflussnahme auf ein Unternehmen.[26]Ein weiteres Unterscheidungskriterium zu den Direktinvestitionen liegt in der Kurzfristigkeit der Anlageform. Des weiteren werden Portfolioinvestitionen vornehmlich von Privatpersonen getätigt, wobei Rendite- und Risikogesichtspunkte im Vordergrund stehen.[27]

3.2. Direktinvestitionen und alternative Internationalisierungsstrategien

Gemäß Jahrreiß lässt sich die Entwicklung einer national tätigen Unternehmung zu einer multinational tätigen Unternehmung in vier Phasen einteilen. In der ersten Phase werden Export und Importaktivitäten mit geringfügigen Änderungen der Unternehmensphilosophie sowie des Produktionsprogramms aufgenommen. Die zweite Phase setzt sich mit Lizenzvergaben und Technologietransfer ins Ausland fort, die wiederum nur mit geringfügigen Veränderungen vorgenommen werden.

Hier schließen sich Auslandsinvestitionen in Form von eigenständigen Investitionen oder Joint Ventures an, wobei die Aktivitäten im Ursprungsland immer noch im Mittelpunkt der Unternehmenspolitik stehen. In der vierten Phase, ist das Auslandsinvestitionsvolumen am höchsten. Mit der Gründung von Betrieben und Tochtergesellschaften nehmen diese Investitionen einen bedeutsamen Anteil am Gesamtgewinn der Unternehmung ein.[28]Welche Strategie im Einzelfall vorzuziehen ist, muss fallweise entschieden werden. Der Übergang einer in Abb. 2 genannten Internationalisierungsstrategie zu einer Direktinvestition wird im Einzelfall und unter Zugrundelegung o.g. Prämissen zu entscheiden sein. Sicher ist, wie auch der Abb. 2 zu entnehmen ist, dass mit steigender Kapital- und Managementleistung im Gastland die Wahrscheinlichkeit einer Direktinvestition steigt. In der Abbildung 2 sind die unterschiedlichen Internationalisierungsstrategien in Abhängigkeit von der Intensität von Kapital- und Managementleistungen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Alternative Internationalisierungsstrategien in Abhängigkeit der Intensität von Kapital und Managementleistungen, Jahrreiß, W. (1984), S.37.

4. Bestimmungsgründe internationaler Direktinvestitionen

4.1. Zielsetzungen bei Auslandsinvestitionen

Die Ziele, die einer Auslandsinvestition zugrunde liegen können, sind sehr vielfältig, und unternehmensindividuell geformt.

Gemäß Kortüm bedarf es, damit Überlegungen zur Durchführung einer Auslandsinvestition überhaupt aufgenommen werden, einer Anregung. Diese Anregungen können von außen (z.B. durch Banken, Lieferanten, Konkurrenzverhalten, handelspolitische Veränderungen, etc.) an die Unternehmung herangetragen werden oder auch von innen (z.B. durch hundertprozentige inländische Unternehmensauslastung, Kosteneinsparungen, auslandsinteressierte Mitarbeiter der mittleren und obersten Führungsebene etc.) erfolgen. Aus diesen Anregungen erwachsen, die Zielsetzungen und Erwartungen welche an diese Auslandsinvestition gestellt werden.[29]

Als dominierende Ziele von Auslandsinvestitionen werden innerhalb des Zielsystems einer Unternehmung Gewinn-, Wachstums- und Sicherungsziele betrachtet.

Allgemein lassen sich Gewinnziele derart formulieren, dass Auslands-investitionen dann vorgenommen werden, wenn der zu erwartende Gewinn im Ausland höher ist als im Inland.

Weiter können Auslandsinvestitionen mit dem Ziel der Gewinnerzielung indirekt über die Verfolgung anderer Ziele (z.B. Absatzsteigerung durch Kostenreduzierung) angestrebt werden.

Wachstumsziele befassen sich mit der Erschließung neuer Märkte und/oder der Steigerung des Absatzes auf bisherigen Märkten. Dagegen beschäftigen sich Sicherungsziele mit der Sicherung von Absatz-, Beschaffungs-, Produkt- und Ländermärkten.[30]

In einer Befragung durch den Deutschen Industrie und Handelstag wurden von 1114 Unternehmen in der BRD zwanzig Ziele (vgl. Abb. 3) für eine Auslandsinvestition genannt. Der Bedeutungsgrad spiegelt das gewogene Mittel der Bedeutungsstufen (sehr große Bedeutung mit 4, große Bedeutung mit 3, mittlere Bedeutung mit 2, geringe Bedeutung mit 1 und keine Bedeutung mit 0) wieder. Die Anzahl der jeweiligen Antworten bildeten dabei die Gewichte.

Unter den genannten Zielen erkennt man beschaffungs-, kosten- und technologieorientierte Ziele. Diejenigen Ziele, welche die höchsten Bedeutungsgrade aufweisen sind als marktorientierte Ziele zu identifizieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Ziele für die Vornahme von Auslandsinvestitionen (Deutscher Industrie- und Handelstag), Ziele, (1990), S. 19.

4.2. Erklärungsansätze zur Direktinvestition

In der Literatur existieren zahlreiche Theorien, die versuchen, Direktinvestition mit ihren Bestimmungsgründen unter Berücksichtigung vielfältiger Zielsetzungen zu erklären. Hier drängt sich jedoch die Vermutung auf, dass sich Direktinvestitionen aufgrund ihrer Vielfalt von erklärungsrelevanter Fragestellungen und verschieden gerichteter Zielsetzungen nicht in einem einzigen theoretischen Erklärungsrahmen eingliedern lassen. Aufgrund von unterschiedlichen Bezugsebenen,

a. unternehmensspezifischen,
b. branchenspezifischen,
c. ursprungsspezifischen,
d. ziellandspezifischen oder
e. in sich übergreifenden Bereichen,

welche für die Erklärung einer Direktinvestition relevant sein könnten, kann wahrscheinlich nur ein Theoriegebäude, welches eine Kombination dieser Bereiche berücksichtigt, einen umfassenden Erklärungsansatz zur Direktinvestition im Ausland liefern.[31]

Um diese Vermutung zu bestätigen oder auch zu wiederlegen werden nun zunächst zur Analyse von Direktinvestitionen verschiedene Theorien vorgestellt:

1. Theorie des internationalen Handels
2. Standorttheorie
3. Kapitaltheorie
4. Industrial-Organization-Theorie
5. Theorie der Unternehmung,

Hieran anschließend wird die Erklärungstheorie von Dunning vorgestellt, die in einem eklektischen Ansatz[32]unter Berücksichtigung von mehreren Theorien versucht, ausländische Direktinvestitionen zu erklären.

Eine Zusammenfassung der gefundenen Ergebnisse bzgl. einer Bestätigung oder Nichtbestätigung unserer Vermutung schließt sich diesen Ausführungen an.

4.2.1. Theorie des internationalen Handels

Unter internationalem Handel ist die Versorgung von Auslandsmärkten mit Hilfe von Exporten und Direktinvestitionen zu verstehen, wobei sich die Exporte mit dem Transfer von Gütern und die Direktinvestitionen mit einem Transfer von Kapital und Sachanlagen ins Ausland befassen. Erklärungen für diesen Faktortransfer werden in der Theorie des inter-nationalen Handels vermutet. In dieser Theorie werden problemrelevante Fragen, wie Allokations-, Produktions- und Preiswirkungen, internationale Handelsgleich- und Handelsungleichgewichte sowie Wohlfahrtseffekte, die durch Vornahme des Außenhandels entstanden sind, untersucht.

Im folgenden werden nun zuerst die Theorie der komparativen Kosten unter Punkt 4.2.1.1. sowie des Faktorproportionentheorems im Punkt 4.2.1.2. in ihren Grundzügen vorgestellt, um dann in den nächsten Ansätzen und Theorien potentielle Bestimmungsgründe von internationalen Direktinvestitionen bestimmen zu können.

4.2.1.1. Theorie der komparativen Kosten

Die Theorie der komparativen Kosten wurde von Ricardo[33]aufgestellt.

Sie besagt, dass sich in einem Zwei-Länder-Zwei-Güter-Modell die Wohlfahrtssteigerung durch Aufnahme internationalen Handels und somit auch von Direktinvestitionen dadurch begründen lässt, das jedes Land in die Lage versetzt wird, dasjenige Gut zu produzieren, bei dem eine intensive Nutzung des relativ reichlich vorhandenen Faktors möglich ist um somit einen absoluten Kostenvorteil gegenüber dem anderen Land zu erwerben. Jedes Land beschränkt sich demnach auf die Produktion des für sich selbst kostengünstigeren Gutes. Einen komparativen Vorteil kann ein Land auch dadurch erreichen, wenn bei der Produktion beider Güter der Kostenvorteil gegenüber dem des anderen Landes relativ größer ist.

4.2.1.2. Faktorproportionentheorem

In der Faktorproportionentheorie oder Faktorpreisausgleichstheorie stehen die unterschiedlichen Ausstattungen der Länder mit Produktionsfaktoren in Verbindung mit Aussagen der Preistheorie im Vordergrund.

Bei Vornahme internationalen Handels entstehen hierdurch unterschiedliche Faktor- und Güterpreisrelationen, woraus sich Preisvorteile bei der Produktion bestimmter Güter ableiten.

Aufgrund dieser Preisvorteile führt dies zum einen zu einer Nachfrage-steigerung und somit zu Produktionssteigerung derjenigen Produkte, bei denen die Produktionsfaktoren reichlich, d.h. billig, sind und zum anderen zu einer Nachfragesenkung derjenigen Produkte, bei denen die Produktionsfaktoren knapp, d.h. teuer, sind. Bedingt durch diesen Handel werden die Güterpreise im internationalen Vergleich ausgeglichen.

Dieses führt indirekt auch zu einem Ausgleich der Faktorpreise.

Diese Anpassungsprozesse im internationalen Handel führen somit zu einem Fortfall der Anreize von Faktorwanderungen und bilden somit auch keinen Anreiz mehr zur Durchführung einer Direktinvestition.[34]

4.2.1.3. Mundellsches Substitutionstheorem

Entgegen dem vorherigen Ricardianischen Ansatz und der darauf aufbauenden Faktorausgleichtheorie, welche von freiem Güterhandel und international vollkommen immobilen Produktionsfaktoren geprägt sind, geht Mundell davon aus, dass der Substitutionseffekt auch in umgekehrter Richtung eintreten kann.[35]Zum einen unterstellt er für Kapital völlige internationale Mobilität, zum anderen führt er Handelshemmnisse ein, die einen Faktorausgleich durch Güterhandel unmöglich machen.

Daraus kann eine vollständige Substitution des Güterhandels durch die Wanderung des Faktors Kapital und somit auch von Direktinvestitionen in das Ausland stattfinden.

4.2.1.4. Hirsch-Ansatz

Hirsch hat in seinem Ansatz versucht, die Determinanten internationaler Direktinvestitionen durch einen Kostenvergleich der Exporttätigkeit und der Gründung ausländischer Tochtergesellschaften zu bestimmen.[36]

Er unterstellt, dass komparative Faktoreinsatzkosten, unternehmensspezifische ertragsbringende Faktoren sowie Informations-, Kommunikations- und Transaktionskosten die Entscheidungen über Direktinvestitionen beeinflussen.

Hierzu stellte er zur Entscheidungsfindung zwei Kriterien auf:

1. Export wird ausländischen Direktinvestitionen vorgezogen, wenn die Produktionskosten im Inland (Pa) + die Vertriebskostendifferenz von ausländischen Märkten und inländischen Märkten (M) kleiner sind als die Produktionskosten im Ausland (Pb) + firmenspezifischen Wettbewerbsvorteile wie z.B. überlegene Marketingtechniken oder technologisches Wissen (K). Des weiteren müssen die Produktionskosten (Pa) + die Vertriebskostendifferenz (M) kleiner als die Produktionskosten (Pb) + die Kostendifferenz der Kontrolle inländischer und ausländischer Unternehmen und Tochtergesellschaften (C) sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Ausländische Direktinvestitionen werden Exporten vorgezogen, wenn die Produktionskosten im Ausland (Pb) + die Kostendifferenz (C) kleiner sind als die Produktionskosten im Ausland (Pb) + firmenspezifischen Wettbewerbsvorteilen (K) sowie die Produktionskosten im Ausland (Pb) + die Kostendifferenz (C) kleiner sind als die Produktionskosten im Inland (Pa) + die Vertriebskostendifferenz (M).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gemäß diesem Ansatz führt eine Entscheidung, welche aus einer Gegenüberstellung differierender Internationalisierungsstrategien resultiert, zu der kostenminimierenden Strategie. Folglich wird diejenige Internationalisierungsstrategie vorgezogen, welche die o.g. Kriterien erfüllt. Eine Berücksichtigung einer Exporttätigkeit und deren „Stärke“ ist also mitentscheidend ob eine internationale Direktinvestition durchgeführt wird oder nicht.

[...]


[1]Vgl. Dunning, J.H. (1977), S. 395-418.

[2]Vgl. Gann, J. (1996), S. 14.

[3]Vgl. Mrotzek, R. (1989), S. 12.

[4]Vgl. Deutsche Bundesbank (1965), S. 19.

[5]Vgl. IMF (1961), Ziff. 367.

[6]Vgl. Hymer, S.H. (1976), S. 1.

[7]Vgl. Scharrer, H.-E. (1972), S. 2 ff..

[8]Vgl. IMF (1992), S. 24.

[9]Vgl. Deutsche Bundesbank (1991), S. 28.

[10]Vgl. Plum, M. (1994), S. 37.

[11]Vgl. Jahrreiß, W. (1984), S. 25-27.

[12]Vgl. Gann, J. (1996), S. 15,

Vgl. Deutsche Bundesbank (1987), S. 82.

[13]Vgl. Deutsche Bundesbank (1981), S. 32.

[14]Vgl. Coase, R.H. (1937), S. 390.

[15]Vgl. Braun, G. (1988), S. 19.

[16]Vgl. Braun, G. (1988), S. 21.

[17]Vgl. Salow, J. (1984), S. 6.

[18]Vgl. Aharoni, Y. (1971), S. 27.

[19]Vgl. Deitmers, J. (1982), S. 17.

[20]Vgl. Gann, J. (1996), S. 13.

[21]Vgl. Salow, J. (1982), S. 8.

[22]Vgl. Tab.1 Kumulierte Direktinvestitionen der OECD-Länder 1973-1980

und 1981-1992, Abb. 2 Aus- und inwärtige Direktinvestitionsströme 1980-1993.

[23]Vgl. Plum, M. (1994), S. 1 u. S. 40.

[24]Vgl. Stehn, J. (1992), S. 6 ff..

[25]Vgl. OECD (1994).

[26]Vgl. Mrotzek, R. (1989), S. 10.

[27]Vgl. Jahrreiß, W. (1984), S. 25-27.

[28]Vgl. Jahrreiß, W. (1984), S. 36-38.

[29]Vgl. Kortüm, B. (1972), S. 40-43.

[30]Vgl. Gann, J. (1996), S. 18-22.

[31]Vgl. Jahrreiß, W. (1984), S. 40-47.

[32]Vgl. Dunning, J.H. (1977), S. 289-336.

[33]Vgl: Ricardo, D. (1959), S. 114 ff..

[34]Vgl. Heckscher, E.F. (1991), S. 497-512,

Vgl. Ohlin, B. (1931), S. 161-199,

Vgl. Samuelson, P.A. (1948), S. 163-184.

[35]Vgl. Mundell, R.A. (1957), S. 321-335.

[36]Vgl. Hirsch, S. (1976), S. 258-270.

Details

Seiten
69
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832452650
ISBN (Buch)
9783838652658
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220833
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Wirtschaftswissenschaften
Note
3,0
Schlagworte
multinationale unternehmen kapitalströme auslandsinvestitionen

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Titel: Internationale Direktinvestitionen