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Die ethisch-ökologischen Geldanlagen in Deutschland

Eine Analyse ihrer Marktchancen unter besonderer Berücksichtigung der Anlegerperspektive

Diplomarbeit 2001 107 Seiten

Umweltwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Ethik und Ökologie
1.1.1 Definition der Ethik im Zusammenhang mit Geldanlagen
1.1.2 Definition Ökologie
1.2 Nachhaltige Entwicklung und ökologieorientierte Geldanlagen

2. Entwicklung der ethisch-ökologischen Geldanlagen
2.1 Anmerkungen zum Begriff: Ethisch-ökologische Geldanlagen
2.2 Die Entstehung der prinzipienorientierten Anlagen
2.3 Entstehung prinzipienorientierter Anlagen im deutschsprachigen Raum
2.4 Unterschiede in der Entwicklung und deren Ursachen

3. Angebot ökologieorientierter Geldanlagen
3.1 Finanzmarkt
3.2 Finanzmarktinstrumente
3.3 Eigenkapitalbasierte Direktanlagemöglichkeiten
3.3.1 Anlage in Aktien an der Börse ‚Grüne Pioniere‘ Umwelttechnik-Unternehmen Öko-Effizienz
3.3.2 Außerbörsliche Anlagen in Aktien
3.3.3 Beteiligungen
3.4 Fondsinvestment
3.4.1 Unterscheidungskriterien und Rechtliche Grundlagen
3.4.2 Fondsinvestment in Deutschland und Harmonisierung der Bestimmungen in der EU Größenordungen Harmonisierung der EU-Richtlinien
3.4.3 Ökologieorientierte Investmentfonds und Zertifikate Gruppen ökologieorientierter Investmentfonds Zertifikate
3.5 Sparbuch, Sparbriefe und Festgelder
3.6 Lebensversicherungen

4. Nachfrage ökologieorientierter Geldanlagen
4.1 Befragung der ökologieorientierten Anlegerinteressen
4.1.1 Repräsentative Befragung unter allen Geldanlegern
4.1.2 Nichtrepäsentative Befragung von ökologisch orientierten Anlegern
4.2 Markteinschätzung von Anbietern ökologieorientierter Geldanlagen
4.2.1 Fondsanbieter ökologieorientierter Geldanlagen Investitionsbereitschaft Potentiale der Fondsgruppen Anlagekriterien Performance Kommunikation Entscheidende Erfolgsfaktoren Zusammenfassung
4.2.2 Deutsche Banken und Kapitalanlagegesellschaften Investitionsbereitschaft Potentiale der Fondsgruppen Anlagekriterien Performance Kommunikation Entscheidende Erfolgsfaktoren Zusammenfassung

5. Marktchancen von ethisch-ökologischen Geldanlagen
5.1 Determinanten der Anlageentscheidung
5.1.1 Finanzanalyse Rendite Risiko Liquidität
5.1.2 Umwelt- und Sozialanalyse Negativkriterien Positivkriterien Aktivismusstrategie
5.1.3 Ratings und Performancemessung
5.2 Rolle der Banken
5.2.1 Geschäftsbanken
5.2.2 Öko-Banken
5.2.3 Ökologieorientierte Innovationen der Banken

6. Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Entwicklung
6.2 Angebot
6.3 Ergebnisse aus Befragungen
6.4 Marktchancen

Anhang 1: Anlagegrundsätze ökologischer Investmentfonds

Anhang 2: Stand des Natur-Aktien-Index (NAX)

Anhang 3: Umweltaktienübersicht

Anhang 4: ökologieorientierte Investmentfonds

Anhang 5: Umweltzertifikate

Anhang 6: Erklärung der Banken zur Umwelt und langfristig tragfähigen Entwicklung (UNEP-Erklärung) von

Anhang 7: 1999 Report on Socially Responsible Investing Trends in the United States

Anhang 8: Graugrüne Liste des Wiener Börsenbriefs Öko-Invest vom 6.6

Anhang 9: Umweltfonds-Untersuchung vom 18.12

Internetseiten:

Literaturverzeichnis:

Erklärung:

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Beispiele für unterschiedliche Finanzierungsarten

Abbildung 2: Investitionsbereitschaft aus Sicht der ökologieorientierten Fondsanbieter

Abbildung 3: Potentiale der Fondsgruppen aus Sicht der ökologieorientierten Fondsanbieter

Abbildung 4: Benchmarkorientierung privater Investoren aus Sicht der ökologieorientierten Fondsanbieter

Abbildung 5: Investitionsbereitschaft aus Sicht der Banken und Investmentgesellschaften

Abbildung 6: Potentiale der Fondsgruppen aus der Sicht der Banken und Investmentgesellschaften

Abbildung 7: Benchmarkorientierung privater Investoren aus Sicht der Vertreter deutscher Banken und Investmentgesellschaften

Abbildung 8: Systematik ökologisch orientierter Anlageentscheidungen

Abbildung 9: Socially Responsible Investing in the U.S

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Bilanzsummen verschiedener Banken

Tabelle 2: Gläubigerrechte von Eigen- und Fremdkapital

Tabelle 3: Interesse an ökologieorientierten Finanzierungsmodellen

Tabelle 4 Geldanlagen ökologieorientierter Investoren

Tabelle 5: Interesse der bisher nicht ökologieorientierten Anleger

Tabelle 6: Die Anlegertypen

Tabelle 7: Beispiele umweltorientierter Bankprodukte

Tabelle 8: Umweltaktien

Tabelle 9: ökologieorientierte Investmentfonds

Tabelle 10: Umweltzertifikate

Tabelle 11: Summary of socially responsible investing in the U.S.

1. Einleitung

„Schon seit Jahrzehnten wird die Regenerierbarkeit der natürlichen Lebensgrundlagen überstrapaziert. Erhaltung und Schutz einer lebenswerten Umwelt sind aber die Voraussetzung für den Menschen gerecht werdende Daseinsbedingungen und nehmen deshalb in der Bevölkerung der 1.Welt eine wachsende Präferenz ein.“[1] Aus diesem Grund werden sich auch die Unternehmen auf diese am Markt wirksam werdenden Tendenzen einstellen.[2] Diese Präferenz muss sich jedoch noch im Anlageverhalten der privaten Haushalte in Deutschland entwickeln, denn bei einem Geldvermögen von derzeit etwa knapp 7 Billionen DM sind bislang in Deutschland nur geringe Beträge in ethisch-ökologischen Geldanlagen investiert. Nach Umweltnutzen ausgerichtete Geldanlagen finden ihren Ursprung in den 70er Jahren. Sie sind ein Zweig der ethischen Geldanlagen, deren Entstehung mit der Publikation des Club of Rome[3] 1972 „Die Grenzen des Wachstums“[4] begann, als erstmals eine breite Öffentlichkeit auf unsere globalen Umweltprobleme aufmerksam gemacht wurde:

- eine sich noch beschleunigende Industrialisierung,
- das rapide Bevölkerungswachstum,
- damit verbunden eine weltweite Unterernährung,
- die Ausbeutung der Rohstoffreserven und
- die Zerstörung des Lebensraums.

Es setzte sich weltweit eine Sensibilisierung durch und in der Wissenschaft wurden Konzepte wie der „Brundtlandtbericht“[5] entwickelt, die von Sustainable Development[6] sprachen. Danach können nicht nur die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, sondern auch die k-nftiger Generationen. Es folgten weitere Veröffentlichungen, wie beispielsweise das „Zukunftsfähige Deutschland“ folgten, indem das Sustainable Development eine erste mögliche Operationalisierung fand.[7]

Diese Arbeit möchte die kapitalmarktfähigen und ökologieorientierten Geldanlangen untersuchen aus dem Blickwinkel beziehungsweise aus der Interessenlage des privaten Geldanlegers heraus. Nach der Einleitung, in der die Begriffe definiert werden, folgt ein R-ckblick der bisherigen Entwicklung ökologieorientierter Geldanlagen. In den folgenden beiden Kapiteln werden dann zunächst das Angebot und anschließend die Nachfrage ökologieorientierter Geldanlagen untersucht werden. Während auf der Angebotsseite, die maßgeblichen ökologieorientierten Finanzmarktprodukte vorgestellt werden, stelle ich bei der Untersuchung der Nachfrageseite diverse Befragungen vor, die uns bei der Beurteilung der Marktchancen ökologieorientierter Finanzmarktprodukte weitere Aufschlüsse geben werden.

Bei der hier gewählten Perspektive aus der Sicht des Anlegers möchte ich noch hinzufügen, dass ich davon ausgehe, dass aktiver Umweltschutz, Bestreben schädliche Umwelteinflüsse möglichst gering zu halten und die Erhaltung der natürlichen Umwelt zu den Zielen eines Geldanlegers hinzugerechnet werden können. Aus diesem Grund soll darauf verzichtet werden, der Ökologie eine eigene Perspektive zu geben, was durchaus denkbar wäre. Die Perspektive des Finanzdienstleisters soll nur in dem Maße berücksichtigt werden, wie sie für die Anlegerperspektive hilfreich ist.

Eine geografische Abgrenzung liegt im deutschsprachigen Raum, im Mittelpunkt der Betrachtungen liegt die Bundesrepublik Deutschland. Dennoch gehört auch der angelsächsische Raum am Rande zur Analyse, um in bestimmten Punkten Vergleiche anzustellen.

1.1 Ethik und Ökologie

1.1.1 Definition der Ethik im Zusammenhang mit Geldanlagen

Unter Ethik wird die „Lehre [...] vom Handeln gemäß der Unterscheidung von gut und böse“ verstanden. „Gegenstand der Ethik ist die Moral.“[8] So haben alle ethischen Investitionen gemein, dass der Investor nicht nur nach den konventionellen ökonomischen Gesichtspunkten, sondern auch nach weiteren Kriterien Anlageentscheidungen trifft. Diese ethischen beziehungsweise ökologischen Kriterien sorgen dafür, dass im Unterschied zum konventionellen Geldanleger, jener weiß, in welchen Wirtschaftszweigen beziehungsweise unter welchen Bedingungen der Güter- oder Dienstleistungserstellungsprozess stattfindet.[9]

Grundsätzlich wird zwischen sozial motivierten und ökologisch orientierten Investments unterschieden, wobei in der Praxis häufig bestimmte Geldanlagen beide Kriterien erf-llen.

1.1.2 Definition Ökologie

Der Begriff der Ökologie bezeichnet die „Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und natürlicher Umwelt bzw. von den Ökosystemen.“[10] Aus dieser Definition wird deutlich, dass es bei den meisten ökologischen Geldanlagen nicht um die Förderung ökologischer Anlagen, sondern lediglich darum geht, die Eingriffe in die Natur gering zu halten. Daher soll im Folgenden der Begriff ökologisch orientierte oder umweltbewusste Investition verwendet werden.[11]

1.2 Nachhaltige Entwicklung und ökologieorientierte Geldanlagen

Ein sich in diesem Zusammenhang ergebener Aspekt bei den ökologieorientierten Geldanlagen könnte der ‚Grad der Ökologieorientierung’ sein, da der Nutzen zur Erhaltung der natürlichen Umwelt sehr unterschiedlich ausfällt. Schon das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung findet sehr unterschiedliche Interpretationen in der Wertigkeit von ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielen.[12] Es fängt an bei dem Standpunkt der „Souveränität der Wirtschaftssubjekte[13] über die Gleichheit aller drei Zielbereiche bis hin zum „sofortigen radikalen Umsteuern, dass keinerlei R-cksicht auf die individuellen Präferenzen nimmt.“[14] Eine direkte Übertragung dieser Interpretationen auf eine ‚Nachhaltigkeit der Geldanlage’ ist nicht möglich. Dennoch erscheint kurz- bis mittelfristig der direkte Nutzen für den Naturschutz in der Regel höher, Umweltprojekte mit Krediten zu unterst-tzen, als an den Aktienmärkten Aktien eines vermeintlich ‚umweltfreundlichen’ Unternehmens zu kaufen.

Allerdings könnte genauso argumentiert werden, dass beispielsweise ein Umweltpluskonto der Umweltbank[15] für breite Anlegerschichten keine Attraktivität habe und langfristig am ehesten über die Aktienmärkte der Umwelt geholfen wird, wenn Umweltschutz profitabel bzw. profitabler für die Unternehmen wäre. Spätestens hier kommen umweltökonomische Themen zum Tragen wie die Externalisierung der verursachten Kosten für Umweltverschmutzungen und das Allmende-Problem.[16] Diese Zusammenhänge sind zwar von Bedeutung für die weitere Entwicklung der ökologieorientierten Geldanlagen, können jedoch nur angeschnitten werden, da es den Rahmen sprengen würde und kein finanzwissenschaftliches Problem mehr darstellt. Im späteren Verlauf werden diesbezüglich zumindest einige Regulierungen des deutschen Finanzplatzes behandelt werden, die schließlich von politischer Relevanz sind.

Daneben gibt es weitere Diskussionspunkte, wie die sogenannten ‚End of Pipe‘ - Technologien, die als nicht nachhaltig einzustufen sind. In der Praxis kommen sie jedoch häufig vor und insbesondere im Bereich der ökologieorientierten Geldanlagen[17] ist dies der Fall. Ein allgemeines Beispiel ist die Entwicklung des Katalysators, der langfristig nicht dazu beiträgt, den Verbrennungsmotor durch umweltfreundlichere Antriebssysteme zu ersetzen[18]. Dieses Phänomen, auch als ‚nachsorgenden Umweltschutz‘ bezeichnetes Thema, erhitzt derzeit die politische Debatte, etwa wenn es darum geht, ein Dosenrecycling durch Erhebung von Pfand einzuführen.

Ein weiteres Streitthema, das in die gleiche Richtung geht, behandelt die Abfallentsorgungstechnologie. Das höchste Ziel sollte es sein, Abfall von Anfang an zu vermeiden. Das Problem besteht jedoch unter anderem darin, dass grundsätzlich Produkte nicht automatisch auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet sind. Diese geplante Obsoleszens sorgt dafür, dass Güter nach einer bestimmten Gebrauchszeit ihre Funktionsfähigkeit verlieren oder im Zusammenspiel mit neueren technischen Geräten nicht mehr kompatibel sind und eine Ersatzbeschaffung möglicherweise mit einer technischen Verbesserung vorgenommen werden muss. Eine Steuerung zu einer nachhaltigen Entwicklung können die ökologieorientierten Geldanlagen grundsätzlich nur dort leisten, wo sie sich durch hohe Gewinne profilieren können. Die Grenzen der nachhaltigen Entwicklung bestehen jedoch in unserer Gesellschaftsform. Zum Beispiel ist meistens der Erwerb von Eigentum vorherrschend. Ökologisch sinnvoller kann es hingegen sein, Güter zu teilen, wodurch eine höhere Nutzungsrate für ein Gut entsteht und so das Verhältnis Nutzen zu Material- und Energieaufwand günstiger wird[19]. In j-ngster Zeit ist auch das Ökoleasing populärer geworden[20].

Die exemplarischen Kritikpunkte aus Sicht des Sustainable Developments sollten aufzeigen, dass neben der ökologischen Modernisierung[21], welche sich auf den technischen Fortschritt bezieht, erhebliche Mängel in der Wirtschaftsweise besteht, die einer ökologischen Strukturveränderung[22] bedarf. Dieser Aspekt kann nicht weiter vertieft werden, soll aber verdeutlichen, dass viele Fragen der politischen Ökonomie sehr stark in das Thema der ökologieorientierten Geldanlagen einwirken, bisher jedoch nicht weiter vertieft worden sind.

2. Entwicklung der ethisch-ökologischen Geldanlagen

2.1 Anmerkungen zum Begriff: Ethisch-ökologische Geldanlagen

Dieser Begriff, obgleich -blich und leicht verständlich, ist wissenschaftlich eine nicht unumstrittene Bezeichnung. So wird kritisiert, dass bei dem Wort ‚ethisch‘ in diesem Zusammenhang nicht im Umkehrschluss von ‚unethischen‘ Anlageentscheidungen gesprochen werden kann.[23] So wird von Mächtel vorgeschlagen, von prinzipiengeleiteten Investments als Oberbegriff für alle Investmententscheidungen zu sprechen, die ethisch, religiös, ökologisch oder sozial motiviert sind.[24] Grundsätzlich werden in unterschiedlichen Ländern nicht nur unterschiedliche Begriffe verwendet, auch sind die Ursprünge und Gewichtungen sehr unterschiedlich. In den USA beispielsweise machten die prinzipienorientierten Geldanlagen 1997 bereits über 1 Billion US Dollar aus und spielen somit eine nicht unerhebliche Rolle bei Sanktionen oder der Einflussnahme auf die Unternehmenspolitik.[25] In Deutschland hingegen nehmen diese Art von Geldanlagen im finanzwirtschaftlichen Umfeld eine kaum wahrnehmbare Stellung ein.

2.2 Die Entstehung der prinzipienorientierten Anlagen

Die prinzipienorientierten Anlagen hielten erst spät Einzug in den deutschsprachigen Raum. Aus diesem Grund sollen zunächst die USA und Großbritannien betrachtet werden. Anschließend soll auf die Bundesrepublik Deutschland eingegangen werden.

Während man in Großbritannien von ‚ethical investment‘ spricht, ist in den USA mehrheitlich von ‚Social Investing‘ oder von ‚Socially Responsible Investing‘ (SRI) die Rede. Domini definiert ‚Social Investing‘, als „the integration of social or ethical criteria into the investment decision-making process“.[26] Aus dieser Definition, in der die Ökologie nicht explizit angesprochen wird, wird die unterschiedliche Gewichtung der prinzipienorientierten Geldanlagen ersichtlich. In den USA liegt der Schwerpunkt der SRI zunächst in Zielen einer Gesellschaftsverbesserung und damit einhergehend mit einer umweltverträglichen Entwicklung. Seine ersten Ursprünge hat ein junges Land wie die USA denn auch aus Europa, wo religiöse Beweggründe eine Rolle spielten, Geld nicht für ‚S-ndhaftes‘ auszugeben und sich nicht an ebensolchen Geschäften zu beteiligen.

Im 17. Jahrhundert soll John Fox, einer der Begründer der Quäker, in London kategorisch Geschäfte am Sklavenhandel oder Waffengeschäfte ausgeschlossen und dies seiner Gemeinde vermittelt haben.[27] Seitdem hat es zahlreiche Bestrebungen meist seitens der Kirchen gegeben. In den USA wurde der erste SRI ‚mutual fund‘ 1928 von der Firma ‚Pioneer Fund‘ für eben diese religiösen Gruppen gegründet. Ein beschleunigtes Wachstum für diese Geldanlagen setzte in den frühen 70er Jahren in Reaktion auf den Krieg in Vietnam ein. Der Pax World Fund wurde 1970 von Methodisten gegründet und sah neben seinen pazifistischen Zielsetzungen auch diverse Umweltkriterien vor. Weitere Investmenthäuser folgten diesem Beispiel.[28]

In den 80er Jahren verschaffte die ‚Anti-Apartheid‘ Bewegung und der Aufruf zum Boykott der s-dafrikanischen Wirtschaft den prinzipiengeleiteten Geldanlagen einen großen Zulauf. Große Konzerne wie General Electric und General Motors stellten 1986 ihre Investitionen ein, nachdem ihnen ein Imageverlust durch eingeleitete Kampagnen drohte.[29] Während in den USA prinzipiengeleitete Interessengruppen von finanzieller Seite Druck ausüben konnten, wirkten in Großbritannien in erster Linie kirchliche Gruppen mit Öffentlichkeitsarbeit.[30] Kampagnen gegen Unternehmen wie die Barclays Bank steigerten das Öffentlichkeitsinteresse erheblich und führte in den 80er Jahren auch in Großbritannien zu einer Entstehung eines prinzipienorientierten Finanzmarktes. 1984 wurde der erste prinzipienorientierte Publikumsfonds aufgelegt.[31] Befürchtungen, wonach die prinzipiengeleiteten Geldanlagen durch den Wegfall des Apartheitsregimes in Südafrika weltweit zurückgehen würden, bestätigten sich nicht.

Hatte das SRI in den USA ein Volumen von US$ 40 Mrd. im Jahre 1984 erreicht, waren es 1990 bereits über eine halbe Billion US$. 1997 waren es bereits 1.185 Mrd. US$, um dann 2,16 Bill. US$ im Jahre 1999 zu erreichen. Das sind circa 13 Prozent von 16.3 Bill. US$ der investment assets under managemant in den USA.[32]

2.3 Entstehung prinzipienorientierter Anlagen im deutschsprachigen Raum

Die Anfänge prinzipienorientierter Anlagen im deutschsprachigen Raum gehen auf das ‚Steyler Missionssparinstitut‘ (1964) und die ‚GLS-Gemeinschaftsbank‘ (1974) zurück. Diese Banken vertreten eine starke anthroposophische Ausrichtung. Sie sind genossenschaftlich organisiert und Genossen wie Kunden, die beispielsweise Festgeldkonten errichten, verzichten auf Zinsen. Später kamen weitere Banken hinzu, die nun auch markt-bliche Verzinsungen anbieten wie die ‚Ökobank‘ (1988) und die ‚Umweltbank‘ (1994). In der Schweiz gibt es die ‚Alternative Bank ABS‘ (1990) und die ‚Freie Gemeinschaftsbank BCL‘. Alle Bankinstitute haben jedoch gemein, dass ihre Bilanzsummen gegen Großbanken sehr gering erscheinen, wie aus der Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. zu entnehmen ist.[33]

Tabelle 1: Bilanzsummen verschiedener Banken[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1988 versuchte die Bank für Sozialwirtschaft in Deutschland vergeblich, einen prinzipienorientierten Rentenfonds aufzulegen, weil er durch das BAKred nicht zugelassen wurde. Danach wich man nach Luxemburg aus und legte dort 1989 den SecuraRent auf. Andere Unternehmen erkannten die restriktive Haltung des BAKred und umgingen diese durch Gründung von Investmentclubs wie die ‚Artus ethische Vermögensverwaltung‘ 1989 in Köln. Danach folgten weitere, wie der Z-Umweltfonds und der Raiffeisen-Umweltfonds. Die erste ökologieorientierte Direktbeteiligung wurde 1988 in Form eines geschlossenen Deponiegaskraftwerk-Beteiligungsfonds aufgelegt.[35] Darauf folgte die Erhöhung der Einspeisevergütung von Strom aus regenerativen Energieträgern, von denen maßgeblich die Windkraftanlagen profitieren konnten. Das ‚Institut für ökologische Wirtschaftsforschung‘ (IÖW) geht in einer 1999 erschienenen Studie von Investitionen in erneuerbaren Energien knapp 10 Mrd. DM aus, von denen ungefähr 3,4 Mrd. DM von privaten Anlegern kommt.

2.4 Unterschiede in der Entwicklung und deren Ursachen

Im folgenden soll nun die unterschiedliche Entwicklung zwischen dem angelsächsischen und dem deutschen Raum verglichen werden.

Am auffälligsten sind in diesem Zusammenhang, dass in den USA bereits 13% aller investierter Gelder als prinzipienorientiert einzustufen sind.[36] Als Ursachen hierfür können zum einen nicht spezifisch ethische Gründe wie eine nicht in dem Maße bestehende ‘Aktienkultur‘ im deutschsprachigen Raum verantwortlich gemacht werden. Ein weiterer Grund ist im deutschen Kapitalmarkt zu finden, der lange Zeit entwicklungstechnisch hinterherhinkte.

Bis in die 90er Jahre hinein litt, international verglichen, primär der Markt für eigenkapitalbasierte Finanzmarktinstrumente an geringer Attraktivität. So wurde in dieser Zeit durch mehrere Finanzmarktförderungsnovellen, die beispielsweise erst ein Insiderrecht in Deutschland schufen, die Entwicklung einer der modernsten Terminmärkte der Welt und den weitgehenden Ersatz des Parketthandels durch elektronische Handelssysteme die Attraktivität am deutschen Kapitalmarkt stark erhöht. Zum anderen sind in der Bundesrepublik Deutschland die prinzipienorientierten Geldanlagen erst Ende der 80er Jahre aufgekommen. Vorläufer, wie die anthroposophischen Banken, verschwinden auch heute noch - ökonomisch betrachtet - in der Bedeutungslosigkeit.

Schließlich muss angemerkt werden, dass in den USA mit den Social Responsible Investments (SRI), kein Schwerpunkt auf ökologieorientierte Geldanlagen besteht. Miller sieht beim ‚social investing‘ bestimmte Problembereiche, die ein Investor für sich individuell gewichten m-sse:

- Consumer Rights and Product Quality
- The Sin Subjects: Smoking, Dinking and Gambling
- Environmentalism
- Racism and Sexism
- Employee Rights
- Apartheid
- Armaments, Defense and the Militäry[37]

Umweltschutz wird in den USA als ein gleichrangiges Problemfeld gesehen, während man im deutschsprachigen Raum sich meist bewusst dafür entscheidet, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Auch sind bestimmte Problemfelder so im deutschsprachigen Raum nicht gegeben, aufgrund unterschiedlicher Bestimmungen wie beispielsweise bei der Sozialgesetzgebung. Aber auch weniger triviale Dinge wie beispielsweise nur die Lebensmittelbestimmungen für genmanipulierte Lebensmittel, sorgen für ein unterschiedliches Bewusstsein. Beispielsweise ist in der deutschen Bevölkerung die Erinnerung an einen Krieg, anders als in den USA,[38] nicht gegenwärtig.[39]. Auch Themen wie die Apartheid sind aufgrund der US-amerikanischen Geschichte und seiner Bevölkerungsstruktur noch heute die relevantesten Themen für den US-amerikanischen Anleger. Ein weiterer Grund findet sich nicht zuletzt in den möglichen Strategien der Investoren wieder. Denn die hängen meistens mit den Renditeerwartungen der Investoren zusammen. Viele der ‚green investments‘ gehen jedoch einher mit hohen Unsicherheiten bzgl. der Höhe von Rendite und Risiko. Gerade aber im Bereich des ‚green money‘ verliert sich meines Erachtens der Führungsanspruch der USA. Schließlich ist festzustellen, dass das Social Investment Forum die SRI eher weit gefasst definiert.[40]

3. Angebot ökologieorientierter Geldanlagen

3.1 Finanzmarkt

Rechtlich betrachtet finden sich diese Märkte entweder als organisierte Marktveranstaltungen - den sogenannten Börsen - wieder oder außerbörslich als ‚Over the Counter Market‘ (OTC–Markt) ohne staatliche Regulierungen. Darüber hinaus unterscheidet die Börse sich von anderen Märkten folgendermaßen:

- Die Güter sind fungibel, sie werden also nicht nach individuellen Merkmalen, sondern nach ihrer Spezifikation bzgl. „Zahl, Maß oder Gewicht“ unterschieden.[41]
- Die Börse ist eine stark institutionalisierte Einrichtung.[42]
Betrachtet man den Finanzmarkt nach seinen Finanzmarktinstrumenten, lässt dieser sich nach seiner Fristigkeit einteilen[43]:
- Zum einen in den Geldmarkt, in dem sich Sichteinlagen, Tages- und Termingelder befinden und alle mittel- und langfristigen festverzinslichen Wertpapiere, deren Restlaufzeit unter 12 Monaten liegt.[44]
- Und zum anderen in den Kapitalmarkt, wo gemäß § 2 WpHG Aktien, Zertifikate, die Aktien vertreten, Schuldverschreibungen, Genusscheine, Optionsscheine und andere Wertpapiere, die mit Aktien oder Schuldverschreibungen vergleichbar sind, gehandelt werden. Auch zählen zu den Wertpapieren Anteilsscheine, die von einer Kapitalanlagegesellschaft oder einer ausländischen Investmentgesellschaft ausgegeben werden.

Es gibt eine Reihe weiterer Unterscheidungsmerkmale, wie beispielsweise die Unterscheidung nach den Marktfunktionen[45], dem Gegenstand[46] und der Geschäftsform[47] des Börsenhandels, die in dieser Arbeit jedoch nicht weiter vertieft werden können.

3.2 Finanzmarktinstrumente

An den Finanzmärkten als diejenigen Orte, an denen sich Angebot und Nachfrage treffen, hat die Nachfrageseite eine Selektionsfunktion, die über die Auswahl bestimmter Finanzmarktprodukte die Finanzierungskonzepte von Staaten, Unternehmen und Institutionen auf diese Weise bewertet.

Am Beispiel von Unternehmen lässt sich die Grundproblematik der Finanzierung gut darstellen. Unternehmen stehen in vielfältiger Abhängigkeit zu den Stakeholders, durch die es im finanziellen Bereich zu großen Kapitalzu- und Kapitalabflüssen kommt, die koordiniert werden m-ssen. Zum einen stellt sich die Frage, in welcher Form der Kapitalbedarf gedeckt werden soll, zum anderen treten Fragen aus unternehmensstrategischer Sichtweise auf. Im Folgenden sollen nun genauer die Finanzinstrumente behandelt werden.

Die Beschaffung der Geld- und Kapitalmittel lässt sich nach der Herkunft und nach der rechtlichen Qualität unterscheiden. Bezüglich der Herkunft der Mittel gibt es einerseits

- die externe Finanzierung - das heißt, dass die Mittel von Kapitalgebern stammen, die nicht zu der Unternehmung gehören – und andererseits
- die interne Finanzierung, bei der das Kapital durch interne Vorgänge gebildet wird.
Die rechtliche Qualität lässt sich nach der
- Eigenkapitalfinanzierung, bei der das Unternehmen dem Kapitalgeber für die Bereitstellung finanzieller Mittel entsprechende Eigent-merrechte einräumt, und der
- Fremdkapitalfinanzierung, bei der für die Überlassung von Fremdkapital entsprechende Gläubigerrechte eingeräumt werden, unterscheiden.

Die Unterschiede lassen sich in der Tabelle 2 kurz zusammenfassen:

Tabelle 2: Gläubigerrechte von Eigen- und Fremdkapital

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese schematische Darstellung beschreibt nur die klassische Einteilung. In der Praxis treten jedoch eine Vielzahl von Zwischenformen auf, die entweder mehr Merkmale von Eigenkapital oder von Fremdkapital aufweisen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass bei der Gründung eines Unternehmens Eigenkapital eine Ingangsetzungsfunktion erf-llt, da es in der Regel keine Finanzierung ohne Eigenkapital gibt. Außerdem sollte Eigenkapital immer als Risikokapital betrachtet werden, da es das unternehmerische Risiko trägt. Sowohl die Eigen- als auch die Fremdfinanzierung kann intern und extern finanziert sein. In der unten stehenden Abbildung 1 finden sich zu den jeweiligen Finanzierungsarten einige Beispiele.

Abbildung 1: Beispiele für unterschiedliche Finanzierungsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Eigenkapitalbasierte Direktanlagemöglichkeiten

3.3.1 Anlage in Aktien an der Börse

In Deutschland entstanden die Aktiengesellschaften im 19. Jahrhundert durch die Notwendigkeit der starken Industrialisierung, der den Kapitalbedarf allgemein stark erhöhte. Hier kam der Aktie ein entscheidender Vorteil zugute: Privatpersonen konnten sich am Produktivvermögen gerade in der Höhe beteiligen, wie es ihre Kapitalbasis und Risikoneigung erlaubte, in der Regel waren das geringe Kapitalmengen.

Um die Jahrhundertwende gab es im Deutschen Reich bereits 5.186, 1925 bereits 13.010 Aktiengesellschaften.[48] 1982 verzeichneten sie mit 2.122 Aktiengesellschaften einen Tiefststand, um im September 1998 bereits wieder die Marke von 5.000 Aktiengesellschaften zu überschreiten. Hiervon sind allerdings nur circa 15 % börsennotiert.[49]

In den letzten Jahren geht folglich der Trend rapide nach oben, wofür auch die Einführung der „Kleinen AG“ verantwortlich zu machen ist.[50] Verglichen mit einer halben Million GmbHs nimmt sich jedoch die Zahl der Aktiengesellschaften gering aus, auch wenn gerade große Unternehmen beziehungsweise Konzerne meist als Aktiengesellschaften geführt werden.

Die Aktie als eigenkapitalbasierte Beteiligungsform weist in Bezug auf Sicherheit und Liquidität erhöhte Risiken auf, die jedoch auch durch eine in Aussicht gestellte höhere Rentabilität ausgeglichen werden sollte.

Das unsystematische Einzelrisiko von kleinen Gesellschaften ist als sehr hoch einzustufen und empfiehlt sich für Privatanleger erst ab einer sinnvollen Diversifikationsmöglichkeit.[51] Nach Aussage von Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI), zeigt ein Vergleich von Renditen und Risiken, dass bei einem Depot mit fünf Aktien bereits „die Aktienanlage mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Rendite erwarten lässt, die im mehrjährigen Durchschnitt höher oder – im ungünstigsten Fall – doch zumindest gleich hoch“ einer Rendite mit festverzinslichen Wertpapieren liege.[52] Während es sich bei den meisten Untersuchungen dieser Fragestellung jedoch um Standardtitel handelt, sind die meisten Aktiengesellschaften des Umweltbereichs kleinere Gesellschaften, die ein signifikant höheres Risiko aufweisen[53], häufig auch wenig etabliert sind und unprofitabel arbeiten, woraus sich dementsprechend ein höheres Konkursrisiko ergibt. Auch gilt es zu berücksichtigen, dass es für den ‚nichtprofessionellen‘ Anleger in der Regel angebracht erscheint, einen ausgesprochen langfristigen Anlagehorizont für ein Engagement einzuplanen.

Die Unternehmen, die sich für die Umwelt im weiteren Sinne verdient machen, lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:

‚Grüne Pioniere‘

zielen ab auf die Vermeidung von Umweltbelastungen. Grüne Pioniere sind Unternehmen, die entweder Produkte entwickeln, die eine umweltfreundlichere Alternative zu bestehenden Produkten darstellt, oder gänzlich neue Produktionsverfahren entwickeln, die nur geringe oder keine Umweltbelastungen mehr verursachen.

Umwelttechnik-Unternehmen

leisten einen Beitrag zum nachsorgenden Umweltschutz. Sie sind entweder sogenannte Umwelttechnologieproduzenten oder kommen aus dem Entsorgungsbereich. Auch wenn aus Sicht der Ökologie ein vorsorgender Umweltschutz am wertvollsten erscheint, so ist eine Beseitigung der angefallenen Umweltschäden mindestens ebenso wichtig. Daher tut eine Stärkung auch dieser Unternehmen not. Als Beispiele seien hier die Altlastensanierung mit Hilfe von Bakterien oder die Lärmverminderungsbem-hungen durch neue Materialien zu nennen.[54]

Öko-Effizienz

sind diejenigen Unternehmen, die relativ zu den anderen Unternehmen ihrer Branche die geringsten Umweltbelastungen verursachen. Diese Prämierung sollte langfristig dazu beitragen, dass weitere Wettbewerber ihr Verhalten ändern. Allerdings sollte kritisch hervorgehoben werden, dass man bei einer Anlage in einem Öko-Leader erhebliche Umweltverschmutzungen fördern kann, da es sich lediglich um den geringsten ‚Verschmutzer einer Branche‘ handelt.

3.3.2 Außerbörsliche Anlagen in Aktien

Aufgrund relativ hoher Kosten für die Emission selbst und die Erf-llung von höheren Publizitätsanforderungen der Börse, befinden sich die Aktien sehr kleiner oder junger Unternehmen meistens nur im außerbörslichen Handel. Für den Anleger, der außerbörslich handeln möchte, sind damit eine Reihe von Besonderheiten zu beachten:

Neben den meist höheren Kosten für den Handel, sind die Preisspreads in der Regel wesentlich größer als an börslich gehandelten Aktien. In der Regel sind diese Werte sehr illiquide, weshalb nur wenige Aktien den Besitzer wechseln können.

Die Wertpapierhandelshäuser, deren Aufgabe es ist, betreffende Papiere mit Liquidität zu versorgen, gehen aufgrund geringer Transparenz der zu handelnden Aktiengesellschaften nur sehr geringe Positionen im Zuge des Market-Making Prozess ein und möglicherweise findet auch kein ständiger Handel statt.

‚Stabilisierende Spekulationen‘ nach Contrarian Opinion Methoden unterbleiben in der Regel, da zum einen die Preisspreads ein Engagement schwerer rentabel werden lassen und zum anderen im außerbörslichen Handel die meisten Regulierungen und fehlende gesetzliche Grundlagen für beispielsweise Insiderregelungen den Handel mit diesen Aktien noch risikoreicher werden lassen. Im -brigen gibt es keine Möglichkeit, sich gegen Manipulationen seitens der Wertpapierhändler zu sch-tzen und der Kursverlauf ist häufig recht sprunghaft.

Andererseits ermöglicht der außerbörsliche Handel einer breiten Anlegerschicht, sich sehr frühzeitig und günstig zu engagieren[55] und im Falle eines Erfolgs hohe Renditen zu erreichen.

3.3.3 Beteiligungen

Die Beteiligung beschreibt die Bereitstellung von Kapital mit der ein Investor zum Miteigent-mer an einer Gesellschaft avanciert. Beliebt sind Engagements anhand von Projektfinanzierungen. Beispielsweise bietet die Windwärts Energie GmbH an, bei Windparkprojekten sich als Kommanditist ab 3.000 Euro zu beteiligen.[56] In diesem Falle, verzichtet der Anleger zwar auf eine Diversifikation, nutzt jedoch bei mehreren Windkraftanlagen bestimmte Losgrößenvorteile bei Installation und Wartung der Anlagen. Nachteilig für den Anleger könnte sein, dass der Engagementhorizont zwischen 12 und 20 Jahren bei einer Beteiligung an einem Projekt liegt und eine Verpflichtung zur R-cknahme der Anteilsscheine besteht grundsätzlich nicht,[57] so dass ein Verkauf der Anteilsscheine problembehaftet sein kann.

Die Bedeutung der ökologieorientierten Beteilungen übersteigt die Bedeutung der Investmentfonds um ein Vielfaches. Während 1999 bereits allein im Bereich der Windkraftenergiegewinnung 6 Mrd. DM investiert worden waren, machte das Volumen deutschsprachiger Investmentfonds 1 Mrd. DM aus.[58]

Schließlich bietet sich noch die Möglichkeit der Beteiligung an einer Beteiligungsgesellschaft an. Hier lassen sich einige der in den vorigen Kapiteln genannten Risiken umgehen und die Selektion und die Auswahl aussichtsreicher Unternehmen wird einem professionellem Beteiligungsverwalter überlassen.

Neben einem professionellem Risikomanagement, das auch für eine Diversifizierung sorgt,[59] haben Beteiligungsgesellschaften die attraktiveren Möglichkeiten für junge Unternehmen, deren ‚Fortkommen‘ mit ‚Human Ressources‘ zu unterst-tzen, wodurch ihnen eher Beteiligungsmöglichkeiten eingeräumt werden als Privatinvestoren, die häufig aufgrund fehlender Diversifizierungsmöglichkeiten auch nicht über entsprechende finanzielle Mittel verfügen. Für junge Unternehmen bieten Beteiligungsunternehmen eine relative einfache Art, an weiteres Kapital zu kommen. Viele Beteiligungsunternehmen sind börsennotierte Aktiengesellschaften, da sie so selbst relativ einfach von Kapitalerhöhungen profitieren können.

3.4 Fondsinvestment

3.4.1 Unterscheidungskriterien und Rechtliche Grundlagen

Fonds sind für einen bestimmten Zweck gebildete und verwaltete Geldmittel oder Vermögenswerte. Nach einem möglichen Unterscheidungskriterium, dem Anlegerkreis, kann man eine grobe Einteilung treffen zwischen den Publikums- und Spezialfonds.[60] Die Publikumsfonds, auch als Investmentfonds bezeichnet, stehen allen Anlegerkreisen offen, während die Anteilsscheine von Spezialfonds von nicht mehr als zehn nicht-natürlichen Anteilinhabern gehalten werden dürfen.[61]

Die Investmentfonds werden an der Börse gehandelt und sind daher eine recht liquide Anlageform. Sie unterliegen in Deutschland dem Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) für die nach deutschen Recht aufgelegten Fonds, sowie dem Auslandsinvestmentgesetz (AusInvG) für die von ausländischen Investmentgesellschaften aufgelegten und in Deutschland vertriebenen Fonds.[62] In ihnen ist beispielsweise geregelt, dass Aktienfonds über eine bestimmte Streuung verfügen m-ssen und nur sehr begrenzt nicht-börsennotierte Aktien kaufen dürfen.[63]

Die Spezialfonds sind im Gegensatz hierzu wesentlich weniger reglementiert, da deren Zielgruppe ausschließlich institutionelle Investoren sind, die nicht der staatlichen Regulierung in diesem Ausmaße bedürfen. Zusätzlich m-ssen alle Investmentfonds vom ‚Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen’ zugelassen worden sein, indem die Vertragsbedingungen und der offizielle Verkaufsprospekt überprüft wurde. Anschließend werden sie kontinuierlich kontrolliert.[64]

Sie kommen in unterschiedlichsten Ausgestaltungen vor, so dass allgemein zwischen Wertpapierfonds, Immobilienfonds, Sonderformen[65] und Beteiligungsfonds unterschieden werden kann.[66]

Für die ökologieorientierten Geldanlagen werden im folgenden die Aktienfonds, gemischten Fonds und Rentenfonds, die zur Gruppe der Wertpapierfonds gehören, sowie die Geldmarktfonds, die eine Untergruppe der Spezialitätenfonds aus der Gruppe der Rentenfonds stammen, behandelt werden.

Grundsätzlich kann nur die allgemeine Aussage getroffen werden, dass die Rentabilität und die Sicherheit von Investmentfonds im wesentlichen von den Charakteristika ihrer Vermögensanlagen abhängt. Demnach sind Rentenfonds in der Regel sicherer als Aktienfonds, bieten dafür aber auch geringere Chancen eines Kursanstiegs. Dennoch sind Aktienfonds mit Ökoleadern kaum zu vergleichen mit Fonds, welche die Grünen Pioniere in ihr Portfolio aufnehmen. Zwar ist deren Beitrag zum Umweltschutz höher, das Risiko einer Anlage ist aber in der Regel höher.

3.4.2 Fondsinvestment in Deutschland und Harmonisierung der Bestimmungen in der EU

Größenordungen

Zum dritten Quartal 2000 betrug das in ethisch-ökologieorientierte Fonds investierte Volumen 2,91 Mrd.[67] Bereits zum Jahresende 1998 hatte die deutsche Investmentbranche allein über 200 Mrd. DM in den deutschen Kapitalmarkt investiert, was rund 11 % des Kurswertes aller deutschen börsennotierten Aktiengesellschaften ausmacht.

Ende 1998 waren 207 Mrd. EUR in Publikumsfonds investiert, wovon wiederum 80 Mrd. EUR in Aktienfonds untergebracht wurden und somit das Volumen der Aktienfonds erstmals das der Rentenfonds, die ein Volumen von 64 Mrd. EUR ausmachten, überholte.[68] An dritter Stelle lagen bereits die offenen Immobilienfonds.

Harmonisierung der EU-Richtlinien

1985 wurde die Richtlinie 85/611 zur Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren verabschiedet.[69] Diese sogenannte OGAW-Richtlinie beschränkt sich rechtsformenunabhängig auf offene Investmentunternehmen, deren Vermögen in Wertpapieren angelegt sind. Sobald ein Investmentunternehmen die Mindestanforderungen der Richtlinie erf-llt, „gilt [...] die Zulassung in einem Mitgliedsstaat für die gesamte Gemeinschaft.“[70] In Deutschland wurde die OGAW-Richtlinie 1987 durch die ‚Kleine KAGG-Novelle‘ und 1990 im Rahmen des ersten Finanzmarktförderungsgesetzes umgesetzt.[71]

Demnach muss eine Investmentgesellschaft, wenn sie einen Fonds in Deutschland vertreiben möchte, dies dem BAKred anzeigen. Verstreichen zwei Monate, ohne das diese Behörde den Vertrieb untersagt hat, darf der Fonds vertrieben werden.[72] Diese Regelung wird in der Regel in der Weise von deutschen Banken ausgenutzt, als das sie insbesondere in Luxemburg aufgelegt werden, um sie dann in Deutschland zu vertreiben, was im -brigen bei prinzipienorientierten Investmentfonds nicht anders ist.[73]

Bei den letztgenannten Investmentfonds kam der Umstand hinzu, dass der Begriff Ethik ein „interpretationsbedürftiger moralischer Begriff sei“[74], der unterschiedlich ausgelegt werden könne, weshalb das BAKred sich schwer tut, ein ‚Etikett‘ der moralisch- ökologisch- sozialen Forderungen zu erf-llen. So versuchte die Bank für Sozialwirtschaft (BfS) 1988 vergeblich, zwei ethische Rentenfonds aufzulegen und wich dann 1989 nach Luxemburg aus.[75] Die erste Zulassung für einen prinzipienorientierten Fonds in Deutschland erfolgte erst 1990 mit dem Focus Umwelttechnologie Fonds Euroinvest der Focus Wertpapierverwaltungs- und Finanzberatungsgesellschaft mbH aus M-nchen. Der Grund für die Zulassung liegt darin begründet, dass dieser Umwelttechnologiefonds sich verpflichtet, „mindestens 51% seines Vermögens in Unternehmen investieren, die ihre Umsätze und/ oder Gewinne überwiegend mit Umweltschutztechnologie bestreiten“.[76]

[...]


[1] Homolka, S.28

[2] Vgl. Schierenbeck, H.; Seidel, E (1992); S.28

[3] Anmerkung: Der „Club of Rome“ wurde 1968 in Rom von Wissenschaftlern, Unternehmern und Politikern gegründet um sich mit globalen Problemen auseinander zusetzen.

[4] Vgl. Meadows, D. (1990)

[5] Gro Harlem Brundtlandt war die Vorsitzende der World Commission On Environment And Development (WECD), einer unabhängigen Kommission, die 1983 einberufen wurde durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN). In dem 1987 veröffentlichten Bericht „Our Common Future“ fand das Konzept der ‚Nachhaltigen Entwicklung‘ erstmals weitgehende Bedeutung.

[6] Das Konzept der ‚Nachhaltigen Entwicklung‘ kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Rodungen werden nur bis zur natürlichen Regenerationsfähigkeit zugelassen.

[7] Loske, R; Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie (1996)

[8] Gabler-Wirtschaftslexikon

[9] Vgl. Deml, S.20

[10] Gabler-Wirtschaftslexikon

[11] Vgl. Schuster, R. (1992), S.7

[12] Vgl. Rogall, H. (2000), S.29 ff.

[13] Rogall, H. (2000), S.29

[14] Rogall, H. (2000), S. 30

[15] Vgl. Umweltbank (2000), S. 17

[16] Vgl. Wagner, G. (1995), S. 90 f.

[17] Beispiel: Tomra Systems, ein Aufsteller von Dosenpfand-Automaten.

[18] Dennoch macht es meines Erachtens durchaus Sinn, auch kurzfristig die Belastungen zu verringern.

[19] Als Beispiel wären hier carsharing Konzepte wie das Stattcar zu nennen.

[20] Der Sinn besteht darin, die Produktverantwortung beim Hersteller zu belassen. Die Folge wird ein höheres Interesse an einer langen Lebensdauer, einem geringerem Wartungsaufwand sowie einer problemlosen Entsorgung sein.

[21] Vgl. Jänicke, M. (2001) S.1 f.

[22] Vgl. Jänicke, M. (2001) S.13 f.

[23] Vgl. Miller, A. (1991), S.5

[24] Vgl. Mächtel, T. (1996), S.50

[25] Vgl. Social Investment Forum (1997), o. S.

[26] Domini, A. (1991), S.5

[27] Vgl. Kinder, P. (1992), S. 3

[28] Vgl. Kinder, P (1992), S. 41

[29] Vgl. Mächtel, T. (1996), S. 64

[30] Grossbritannien war aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit der größte ausländische Investor.

[31] Friends Provident legte den ‚Friends Provident Stewardship Unit Trust‘ auf.

[32] o.V. (1999a), o. S.; Vgl. auch Anhang 7

[33] Vgl. Deml, M. ; Weber, J. (2000), S.15

[34] Bilanzsummen der schweizerischen Banken aus: Erklärung von Bern; WWF (2000), S.22

[35] Dies war die ‚Münchner BVT Beratungs-, Verwaltungs,- und Treuhandgesellschaft für internationale Vermögensanlagen mbH‘

[36] Vgl. Kapitel 2.2

[37] Quelle: Miller, A. (1991); S. 26ff.

[38] Die Waffenstillstandsverhandlungen des Vietnamkrieges traten erst im Januar 1973 in Kraft.

[39] Allenfalls ist die Erinnerung an die von Armut geprägte Nachkriegszeit vorhanden. Dies könnte für die hohen sozialen Standards in Deutschland sprechen.

[40] Major investing institutions schliessen pension funds, mutual fund families, foundations, religious organizations und community development financial institutions mit ein. Vgl. O.V. (1999b)

[41] Vgl. § 91 BGB

[42] Vgl. Börsengeschäftsbedingungen

[43] Vgl. zu einer umfassenderen Darstellung, in denen sich auch Finanzinnovationen zu einem ‚Finanzwürfel‘ eingliedern Baxmann, U./Weichsler C. (1991), S.546-552

[44] Vgl. Thomas, K.; Treutler, H. (1993), S.1207

[45] Unterscheidung nach Primärmarkt, auch Platzierungsmarkt genannt und dem Sekundärmarkt, in dem die bereits emittierten Titel gehandelt werden.

[46] Bei einer Unterteilung nach dem Gegenständen unterscheidet man die Warenbörsen von den Wertpapier- oder Effektenbörsen.

[47] Die Unterscheidung nach der Geschäftsform ist durch die jeweilige Erf-llungsfrist der Geschäfte geprägt. So werden die Kassageschäfte usancegemäß in Deutschland am zweiten Tag nach dem Geschäftsabschluss beliefert. Die Termingeschäfte hingegen erheblich länger. Vgl. § 15 Abs. 1 Bedingungen für die Geschäfte der FWB

[48] Vgl. Frei, N. (1999), S. 14f

[49] Vgl. Frei, N. (1999), S. 14f

[50] Vgl. Frei, N. (1999), S. 15

[51] Vgl. Steiner, M.; Bruns, C., (1998), S. 87 ff.

[52] Leven, F. (1999), S. 204; Anmerkung: Zu der Untersuchung wurden beliebige DAX-Titel herangezogen.

[53] Wenngleich auch große Konzerne wie die Firma Shell Royal Dutch hohe Beträge in die Entwicklung von Photovoltaik investieren und in diesem Segment bereits Marktführer in Deutschland ist.

[54] Vgl. Dieckmann, H. (1992). S. 98ff und S. 93 ff

[55] ‚günstig‘ beschreibt lediglich die Tatsache, dass aufgrund der hohen Unsicherheiten das Unternehmen möglicherweise mit einem erheblichen Abschlag bis zur endgültigen Börseneinführung zu kaufen ist.

[56] Vgl. Windwärts Energie (2000), S.24

[57] Christian Witsche, Projektentwickler bei der Windwärts Energie GmbH sagte in einem Gespräch vom 8.6.2001, dass man sich stets bem-he, Kauf- und Verkaufsinteressenten zusammenzuführen.

[58] Vgl. IÖW (1999), S. 12

[59] Die Rentabilität und Sicherheit hängt wesentlich von den Charakteristika ihrer Vermögensanlagen ab.

[60] Vgl. Laux, M. (1992), S. 65

[61] Vgl. 1 Abs. 2 KAGG. Zum Beispiel sind dies juristische Personen oder Personengesellschaften.

[62] Darüber hinaus können Investmentgesellschaften und deren Fonds durch Unternehmensbeteiligungsgesellschaften im UBGG geregelt sein. Sie stellen, wirtschaftlich betrachtet, auch einen Investmentfonds dar, sind jedoch streng zu unterscheiden von einer Kapitalanlagegesellschaft, da sie die Unternehmensfinanzierung mit der befristeten Bereitstellung von Eigenkapital betreibt. Zu ihnen gehören beispielsweise Wagnisbeteiligungsgesellschaften.

[63] Vgl. § 8 KAGG

[64] Vgl. Demuth, M. (1995), S. 19

[65] Sonderformen sind beispielsweise Otionsscheinfonds und Futurefonds

[66] Vgl. Demuth, M. (1995), S.35 f.

[67] Vgl. Anhang 7

[68] Vgl. Laux, M. (1999), S. V 4 f

[69] Vgl. C&L Deutsche Revision (1998), S. 562

[70] Egner, T. (1998), S.39 f.

[71] Die Voraussetzungen zum Vertrieb finden sich im AuslInvestmG Abs. II. §§15 - 15k.

[72] Vgl. AuslInvestmG Abs.I § 15d

[73] Vgl. Matthias, S. (1999), S.V 11

[74] O.V. (1991), S. 16

[75] Vgl. O.V. (1991), S.16

[76] O.V. (1991), S.19; Es war jedoch nicht mehr die Rede vom Begriff der Ethik, der dem BAKred problematisch erschien.

Details

Seiten
107
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832452292
ISBN (Buch)
9783838652290
Dateigröße
763 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220754
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Wirtschaftswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
ethik umwelt ökofonds

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Titel: Die ethisch-ökologischen Geldanlagen in Deutschland