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Vier wichtige Aktienanalyse-Indikatoren in der Chartanalyse

Zusammensetzung, Anwendung, Interpretation, empirischer Vergleich

Diplomarbeit 2001 104 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeine Einführung

2 Fundamentale versus technische Aktienanalyse
2.1 Fundamentale Aktienanalyse
2.2 Technische Aktienanalyse
2.2.1 Die Konstruktion von Charts
2.2.1.1 Linienchart
2.2.1.2 Balkenchart
2.2.1.3 Kerzenchart
2.2.1.4 Point&Figure-Chart
2.2.2 Skalierungen bei Charts (arithmetisch, halblogarithmisch)
2.2.3 Trendanalyse
2.2.4 Formationen in der Chartanalyse
2.2.4.1 Grundlegende Formationen
2.2.4.2 Trendumkehrformationen
2.2.4.3 Trendbestätigungsformationen

3 Vier wichtige Aktienanalyse-Indikatoren
3.1 Gleitende Durchschnitte
3.1.1 Einfache gleitende Durchschnitte
3.1.2 Gewichtete gleitende Durchschnitte
3.1.3 Exponentiell gleitende Durchschnitte
3.2 Oszillatoren
3.2.1 Momentum
3.2.1.1 Aussagekraft
3.2.1.2 Berechnung
3.2.1.3 Interpretation
3.2.1.3.1 Überkauft und überverkauft – die Extrembereiche des Momentums
3.2.1.3.2 Momentum zur Untersuchung von Divergenzen
3.2.1.3.3 Momentum zur Signalgenerierung
3.2.1.4 Empfehlung
3.2.2 Relative Strength Index (RSI)
3.2.2.1 Aussagekraft
3.2.2.2 Berechnung
3.2.2.3 Interpretation
3.2.2.3.1 RSI zur Untersuchung von Divergenzen
3.2.2.3.2 Failure Swings
3.2.2.3.3 RSI zur Analyse nach charttechnischen Kriterien
3.2.2.3.4 RSI zur Signalgenerierung
3.2.2.3.5 Berechnung des Moving Averages
3.2.2.4 Empfehlung
3.2.3 Stochastik
3.2.3.1 Aussagekraft
3.2.3.2 Berechnung
3.2.3.3 Interpretation
3.2.3.3.1 Die Suche nach Divergenzen
3.2.3.3.2 Kreuzung der %K mit der %D
3.2.3.3.3 Kreuzung in den Extremzonen der %K und der %D
3.2.3.3.4 Die Art der Divergenzen
3.2.3.3.5 Die Art der Überkreuzungen
3.2.3.3.6 Die Reaktion nach der Überkreuzung
3.2.3.3.7 Umgekehrte Divergenzen bzw. Konvergenzen
3.2.3.4 Kritik und Tips
3.3 Trendfolger
3.3.1 MACD (Moving Average Convergence / Divergence)
3.3.1.1 Aussagekraft
3.3.1.2 Berechnung
3.3.1.3 Interpretation
3.3.1.3.1 Der MACD als Trendanzeiger
3.3.1.3.2 Der MACD als Signalgeber (Trendfolger)
3.3.1.3.3 Der MACD zur Untersuchung von Divergenzen
3.3.1.3.4 Der MACD als Histogramm
3.3.1.4 Empfehlung

4 Empirischer Vergleich anhand von Charts von 10 Dow-Werten (Kauf-/ Verkaufssignale) über einen gewissen Zeitraum
4.1 Der Aufbau von Handelssystemen
4.2 Exkurs: Grundsätzliches zum Dow Jones
4.3 Getestete Aktien
4.4 Der Testzeitraum
4.5 1.Teil: Performance durch Buy-and-Hold (B&H) und durch die einzelnen Indikatoren
4.5.1 Die B&H-Strategie
4.5.2 Der individuelle Indikator-Test
4.5.2.1 Momentum
4.5.2.2 RSI
4.5.2.3 Stochastik
4.5.2.4 Der MACD

5 Resultate / Auswertung
5.1 Der Performance-Vergleich
5.1.1 Momentum
5.1.2 Slow Stochastik
5.1.3 RSI
5.1.4 MACD
5.1.5 Resumee der Performance-Analyse
5.2 Vergleich der getätigten Trades
5.3 Fehlsignale
5.3.1 Kauf-Fehlsignale
5.3.2 Verkaufs-Fehlsignale
5.4 Zusammenfassung
5.5 Entwicklung eines Gesamthandelsplans

6 Zusammenfassung

7 Anhang

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Linienchart

Abbildung 2: Balkenchart

Abbildung 3: Kerzenchart

Abbildung 4: Point&Figure-Chart

Abbildung 5: Trendlinien, Trendkanäle und technische Reaktionen

Abbildung 6: Widerstand und Unterstützung

Abbildung 7: V-Formation mit Umsätzen, Kopf-Schulter und Doppel-Top

Abbildung 8: Dreieck und Flagge

Abbildung 9: Oszillatoren (Momentum und RSI)

Abbildung 10: Slow Stochastik mit wichtigen Signalen

Abbildung 11: MACD mit Handelssignalen

Abbildung 12: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von American Express

Abbildung 13: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von Caterpillar

Abbildung 14: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von DuPont

Abbildung 15: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von General Electric

Abbildung 16: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von IBM

Abbildung 17: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von Merck

Abbildung 18: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von Microsoft

Abbildung 19: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von Philip Morris

Abbildung 20: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von SBC Communications

Abbildung 21: 5-Jahres-Linienchart (auf Wochenbasis) von Wal Mart

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Gewichtungen im DJIA

Tabelle 2: Vorlaufzeit für unverfälschten Indikator-Test

Tabelle 3: Performance von B&H und des Momentums in Prozent

Tabelle 4: Performance von B&H, Slow Stochastik und RSI in Prozent

Tabelle 5: Performance von B&H und MACD in Prozent

Tabelle 6: Anzahl der getätigten Trades beim Momentum

Tabelle 7: Anzahl der getätigten Trades bei der Slow Stochastik und beim RSI

Tabelle 8: Anzahl der getätigten Trades beim MACD

Tabelle 9: Anzahl der Kauf-Fehlsignale beim Momentum

Tabelle 10: Anzahl der Kauf-Fehlsignale bei der Slow Stochastik und beim RSI

Tabelle 11: Anzahl der Kauf-Fehlsignale beim MACD

Tabelle 12: Anzahl der Verkaufs-Fehlsignale beim Momentum

Tabelle 13: Anzahl der Verkaufs-Fehlsignale bei Slow Stochastik und beim RSI

Tabelle 14: Anzahl der Verkaufs-Fehlsignale beim MACD

Tabelle 15: Auswertung des Gesamthandelsplans

1 Allgemeine Einführung

Interessiert man sich für Aktien, so hört man oftmals von technischen Indikatoren. Sie sollen dazu dienen, die Gewinne von Aktien-Investitionen zu steigern. Folgt man diesen gewissen Handelsanweisungen für den Kauf- oder Verkaufszeitpunkt, so stellt sich aber die Frage, ob sie dies auch wirklich tun. Auf diese Fragestellung wird in den folgenden Ausführungen eingegangen.

Diese Arbeit beginnt mit einer kurzen Einführung in die technische Analyse und soll anschließend einen Überblick über die folgenden vier wichtigen technischen Aktienanalyse-Indikatoren geben:

- Momentum,
- Stochastik,
- RSI (Relative-Strength-Index) und
- MACD (Moving Average Convergence/Divergence).

Diese vier Indikatoren werden deshalb verwendet, da sie als die in der Praxis am häufigsten verwendeten und aufgrund ihrer einfachen Anwendung für viele Techniker als sehr aussagekräftig gelten. Es werden dabei ihre Aussagekraft, die Berechnung, eine Interpretation sowie in der Literatur vorhandene Empfehlungen dargelegt.

Anschließend wird dann ein empirischer Vergleich durchgeführt. In diesem Performancevergleich sollen die vier Indikatoren bei vorgegebenen Kursdaten zuerst in einer jeweils einzelnen und dann in einer gleichzeitigen gemeinsamen Verwendung einer Buy-and-Hold-Strategie gegenübergestellt werden. Dies soll einen Überblick darüber ermöglichen, welche Indikatoren, einzeln oder gemeinsam betrachtet, besser geeignet sind. Weiters sollen Schlüsse über die Reaktionsschnelligkeit für Kauf- und Verkaufssignale der einzelnen Einsatzbereiche gezogen werden.

Diese Arbeit soll helfen, einen Einblick in das Verhalten und gegenseitige Zusammenspiel dieser Indikatoren zu geben, sowie aufgrund der unterschiedlichen Indikatorensituationen Handelsanweisungen für die jeweils bestehende Kursentwicklung bereitzustellen. Dabei wird aber nicht auf die bestehende Marktstimmung, noch auf fundamentale Ereignisse innerhalb oder außerhalb des Unternehmens Bezug genommen, sondern es wird ausschließlich auf den Kursverlauf und die sich daraus errechneten Indikatoren eingegangen.

Damit sollen die Stärken der einzelnen Indikatoren ersichtlich werden, aber umgekehrt auch ihre Schwächen aufgedeckt werden.

2 Fundamentale versus technische Aktienanalyse

Eingangs ist hier zu sagen, daß jeder Anleger, der ein Wertpapiergeschäft tätigen möchte, nach Informationen sucht, mit deren Hilfe er versucht, unterschiedliche Investitionsmöglichkeiten gegenseitig abzuwägen. Für einen potentiellen Investor gibt es die Möglichkeit, sein Timing- und Selektionsproblem durch den Einsatz von zwei unterschiedlichen Analyseverfahren zu lösen. Dabei handelt es sich einerseits um die sogenannte Fundamentalanalyse, die eine systematische Auswertung von in Betracht gezogenen Unternehmensdaten und deren ökonomische Rahmenbedingungen beinhaltet. Andererseits kommt die technische Analyse zum Einsatz, bei der sich die Betrachtung lediglich auf Vergangenheitsinformationen des Kapitalmarktes, hier speziell auf Kursverläufe und Umsatzzahlen der zugehörigen Aktie, bezieht (vgl. Vorndran & Schmittwolf, 1990, S. 3).

Was will man nun mit diesen Unternehmensanalysen erreichen? Der Sinn und Zweck besteht im Auffinden von Fehlbewertungen. Diese sind dadurch charakterisiert, daß die monetäre Börsenbewertung im Vergleich zu den Zukunftserwartungen der Aktiengesellschaft zu hoch oder zu niedrig ist (vgl. ebd.).

2.1 Fundamentale Aktienanalyse

Die fundamentale Aktienanalyse umfaßt ein System von Bewertungsverfahren, die der Ermittlung eines „inneren“ oder „wahren“ Wertes von Aktien dienen sollen. Dabei werden fundamentale Daten, wie z.B. Bilanzkennzahlen, Ertragskraft, Substanzwert, Produktspektrum, Konkurrenzsituation, Konjunktur, politische Lage, Zinsen, Währungskursentwicklung, Gewinnentwicklung und Management der Gesellschaft, untersucht. Dieser innere Wert stellt einen rationalen, vom Börsenkurs unabhängigen Wert dar, wobei die Aktienkurse die Tendenz haben, sich diesem inneren Wert anzupassen. Mögliche Abweichungen des Aktienkurses sollen mit den Methoden der Fundamentalanalyse erkennbar sein und sich ausnutzen lassen (vgl. Hockmann, 1979, S. 21).

In den vergangenen Jahren sind die internationalen Verflechtungen derart intensiv geworden, daß sich praktisch keine Börse unabhängig von den anderen entwickeln kann. Der letzte große Börsenkrach (im Jahr 1987) hat drastisch gezeigt, mit welcher Geschwindigkeit sich der „Feuerball eines Börsenbrandes“ um die Welt verbreitet. An dieser Entwicklung ist aber auch eindeutig zu sehen, daß die Fundamentalanalyse keine verläßliche Kursprognose ermöglicht. Die Frage ist nun, wie es zu erklären ist, daß quasi über Nacht alle Unternehmen so drastisch entwertet werden, obwohl sich fundamental nichts geändert hat. Und wie soll ein Investor mit der Informationsflut fertig werden, die täglich von Firmenseite oder über Medien verbreitet wird (vgl. Pastré, 1997, S. 6)?

Diese Vielzahl von Einflußfaktoren wirkt sich auf nur eine Größe aus, den Börsenkurs. Beobachtet man also den Börsenkurs, erfaßt man die Auswirkung aller dieser Einflußfaktoren, die man einzeln und in ihrem Zusammenwirken nicht beurteilen kann. Dies ist die Hauptthese der zweiten Methode der Börsenanalyse. Man nennt sie technische Analyse (vgl. ebd.).

Ein Techniker, so werden technische Analysten bezeichnet, sieht neben einer zeitlich verzögerten Informationsausbreitung folgende Gründe, die gegen die Fundamentalanalyse sprechen (vgl. Atteneder, 1997, S. 8):

- Informationsvorsprünge sind unwahrscheinlich.
- Insider sind besser informiert.
- Fundamentalanalyse ist zeitaufwendiger als technische Analyse.
- Die Aktienkurse sind von Einschätzungen anderer abhängig.
- Die finanzielle Situation von Anlegern ist für Anlageentscheidungen maßgebend.

2.2 Technische Aktienanalyse

In der Literatur wird die technische Analyse häufig mit der Chartanalyse gleichgesetzt. Diese stellt jedoch nur einen Teilbereich der technischen Analyse dar. Der Ausdruck „technisch“ in seiner Anwendung auf die Börse hat eine sehr spezielle Bedeutung, die völlig von der normalen Definition in einem Lexikon abweicht. Technisch in diesem Sinn bezieht sich auf die Beobachtung der Aktion der Börsen selbst, im Gegensatz zur Untersuchung der Objekte, die an der Börse gehandelt werden. Die technische Analyse zeichnet normalerweise in graphischer Form den zeitlichen Ablauf des Handels (Kursschwankungen, Umsätze, etc.) in einer bestimmten Aktie oder in Indizes auf. Aus diesem bildlich dargestellten historischen Verlauf leitet sie dann den wahrscheinlichen zukünftigen Trend ab (vgl. Zieger, 1991, S. 24).

Bevor man sich aber mit dem Studium spezieller Techniken der technischen Analyse im Aktienbereich auseinandersetzt, ist es notwendig, vorerst zu definieren, was technische Finanzmarktanalyse ist, bzw. welches Konzept sie voraussetzt (vgl. Neuwirth, 1994, S. 2).

Für Welcker (1991, S. 44f) stellt die Dow-Theorie die Basis der technischen Analyse dar. Die Geschichte dahinter ist folgende: Charles S. Dow gründete im Jahr 1889 das „Wall Street Journal“. Schon seit 1884 veröffentlichte er einen Aktienindex, aus dem später die „Dow-Jones-Averages“ wurden. Diese im Wall Street Journal regelmäßig veröffentlichten Indizes sind heute die Indizes für Industrie-, Transport- und Versorgerwerte.

Aus der Beobachtung dieser Indizes ergaben sich die folgenden Leitsätze der Dow-Theorie, die auch der technischen Analyse zugrunde liegen (vgl. Murphy, 1991, S. 22ff):

- Die Indizes diskontieren alles.

Die Theorie behauptet, daß jeder mögliche Einflußfaktor auf Angebot oder Nachfrage in den schnell reagierenden Marktindizes reflektiert sei.

- Der Markt hat drei Trends.

Dow unterteilte den Trend in drei unterschiedliche Kategorien, den primären, den sekundären und den tertiären Trend. Sein Hauptaugenmerk galt dem primären oder langfristigen Trend, der gewöhnlich ein Jahr oder länger dauerte. Der sekundäre oder mittelfristige Trend repräsentiert Korrekturen des primären Trends. Die Rückgänge betragen normalerweise 1/3 bis 2/3, aber oft auch genau die 50% des vorherigen Kursanstiegs und dauern über drei Wochen bis zu drei Monaten. Der tertiäre oder kurzfristige Trend dauert gewöhnlich kürzer als drei Wochen und zeigt kurzfristige Fluktuationen im mittelfristigen Trend. Im Kapitel 2.2.3 dieser Arbeit wird später noch genauer darauf eingegangen.

- Die primären Trends bestehen aus drei Phasen.

Die erste Phase (Akkumulationsphase) besteht aus cleveren, gut informierten Investoren, die kaufen, nachdem alle sogenannten schlechten Nachrichten im Kurs eingepreist sind. In der zweiten Phase beginnen die meisten trendfolgenden Techniker an der Marktbewegung zu partizipieren. Sie ist dann im Gange, während die Kurse schnell steigen und Nachrichten aus der Wirtschaft besser werden. Die dritte Phase (Endphase) ist gekennzeichnet durch zunehmende Teilnahme der Öffentlichkeit, die sich durch mediale Berichterstattung begründen läßt. In dieser Phase fangen die Investoren der ersten Phase an, ihre Aktien zu verkaufen.

Auf diesem Leitsatz begründete Ralph N. Elliott die Elliott-Wellen-Theorie. Ihr Ausgangspunkt besteht darin, daß sich jeder Markt in Zyklen bewegt. Jeder Zyklus besteht dabei aus einem fünfwelligen Impuls nach oben und einer dreiwelligen Korrekturbewegung nach unten. Diese sind jedoch praktisch sehr schwierig und kompliziert zu interpretieren, weil sich am Markt viele Wellen unterschiedlicher Größe überlagern (vgl. Frost & Prechter, 1998, S. 20ff). Durch diese subjektiven Interpretationen gilt sie bei vielen Technikern als umstritten und zweifelhaft, da eine objektive Erfolgsmessung nicht möglich ist.

- Die Indizes müssen einander bestätigen.

Dieser sagt aus, daß kein wichtiger Hausse- oder Baissezyklus stattfinden könne, ohne daß beide Indizes dasselbe Signal lieferten. D.h. beide Durchschnitte müssen das letzte sekundäre Hoch übersteigen, um den Anfang eines Bullenmarktes zu generieren (Bullish: Börsejargon für die Erwartung steigender Kurse. Der Bulle (Stier) symbolisiert jenes Börsetier, das die Kurse auf die Hörner nimmt und in die Höhe wirft. Gegenteil: Bearish (vgl. Wiener Börse AG, S. 14)). Beide Signale müssen nicht gleichzeitig auftreten, aber je näher sie zeitlich liegen, desto besser ist es.

Hat man nur ein Signal, besteht noch kein Bullenmarkt. Ergibt sich eine Divergenz zwischen beiden Indizes, so bleibt der vorhandene Trend intakt.

- Die Entwicklung des Volumens muß den Trend bestätigen.

Das Volumen wird als sekundärer, aber wichtiger Faktor bei der Bestätigung von Signalen eingesetzt. Bei einem steigenden Primärtrend sollte das Volumen steigen, während sich die Kurse erhöhen und umgekehrt. Das Volumen sollte sich bei Kursrückgängen verstärken und bei Kursrallyes verringern. Aktuelle Kauf- und Verkaufssignale basieren nach der Dow-Theorie ausschließlich auf Schlußkursen.

- Ein Trend existiert so lange, bis ein definitives Trendwendesignal auftritt.

Dieser Leitsatz bildet die Basis des heute verwendeten Trendfolgeansatzes. Es ist ein anderer Ausdruck dafür, daß ein Trend in Bewegung dazu tendiert, diese Bewegung aufrecht zu erhalten. Die Schwierigkeit liegt aber darin, diese Trendwendesignale ausfindig zu machen.

Durch Analysieren der Unterstützungs- und Widerstandsbereiche, der Kursinformationen, Trendlinien, gleitender Durchschnitte und Oszillatoren für die Frühwarnung kann man angeben, ob sich ein existierender Trend möglicherweise in einem Veränderungsprozeß befindet. Die Gesetze der Wahrscheinlichkeit begünstigen aber normalerweise die Fortsetzung eines Trends. Folgt man dieser Grundregel, liegt man öfter richtig als falsch.

Einige Kritikpunkte an der Dow-Theorie (vgl. Murphy, 1991, S. 28f):

- Die Signale treten zu spät auf.
- Ihre Entwicklung war nie für die Trendantizipation gedacht. Ihr Zweck beruht auf der Feststellung von langfristigen Hausse- und Baissemärkten.
- Dow erkannte die Nützlichkeit der Aktienindizes als vorlaufenden Wirtschaftsindikator.
- Eine Trendbeobachtung gibt keine Kauf- oder Verkaufssignale für einzelne Aktien! Sie kann lediglich als Bestätigung dienen (vgl. Welcker, 1991, S. 45).
- Sie ist nur für Indizes gültig!

Priermeier (1998, S. 12f) sieht seinen modernen technischen Analyseansatz in folgenden drei Prinzipien:

- Märkte und Kursverläufe entwickeln sich weder linear noch stetig. Sie sind vielmehr einem dynamischen Prozeß von Veränderungen, der sich laufend evolutionär verändert und entwickelt, unterworfen. Somit kann kein Analyseansatz konstant erfolgreich sein und immer richtig liegen. Vielmehr muß ein Analyseansatz laufend an das Untersuchungsobjekt angepaßt und feinjustiert werden. Oftmals resultieren Fehlsignale aus der mangelhaften Weiterentwicklung und Anpassung eines Indikators oder gar eines Indikatorenmodells. Das heißt aber nicht, daß der Indikator schlecht ist, sondern daß er schlecht angewendet wurde. Diesen Ansatz bezeichnet man als „evolutionär-dynamischen Ansatz“.
- Das Gesetz der Alternation besagt in seinem Grundsatz, daß sich Grundmuster in Kursbewegungen abwechseln. Eine sehr dynamische, von deutlichen Kursbewegungen geprägte Phase wird von einer ruhigeren Konsolidierung abgelöst und umgekehrt. Dies sollte man nicht aus den Augen lassen. Insbesondere Investitionen sollten auf Phasen deutlicher Kursbewegungen begrenzt sein. Nur so kann Priermeier eine befriedigende Nutzung des gebundenen Kapitals gewährleisten. Man muß nicht immer investiert sein! Aber man sollte vorsichtig sein, denn 75% der dynamischen Marktphasen laufen innerhalb von 3 Tagen ab.
- Die ganzheitliche Betrachtung der Analysetools heißt, daß es nicht den Indikator als Stein der Weisen gibt. Man wird auch nicht durch den Einsatz eines Indikators über längere Zeit hin eine positive Performance erzielen. Eine Kombination unterschiedlicher Tools und Indikatoren hingegen ist einer subjektiven bzw. fundamental begründeten Entscheidung fast immer überlegen. Die Gründe hierfür sind maßgeschneiderte Indikatoren und die Synergieeffekte, die den Erfolg der Kombination steigern.

Aber auch der technischen Analyse sind Grenzen gesetzt. Das Ziel der technischen Analyse, genauso wie bei der Fundamentalanalyse auch, ist eine Prognose über das zukünftige kursmäßige Verhalten einer Aktie, eines Rohstoffes, eines gesamten Aktienmarktes, ausgedrückt durch einen Index oder einen Warenterminkontrakt. Wie jede Prognose steht auch die technische Analyse unter dem Vorbehalt, daß alle für die Prognose relevanten Umstände unverändert bleiben. Die technische Analyse geht davon aus, daß in ihren Zahlen (Kurse, Umsätze) alle, unter Umständen auch nur einem kleinen Personenkreis bekannten Tatsachen und wertbildenden Faktoren berücksichtigt sind. Ergeben sich neue relevante Tatsachen und werden bekannt oder ergeben sich sonstige relevante Umstände, so fließen auch sie sofort in die Bewertung ein. Mit der technischen Analyse kann man weiters die Zukunft an der Börse nicht ausrechnen, sie liefert nur Wahrscheinlichkeitsaussagen. Dem muß man die Taktik anpassen: Diversifizierung und Verlustbegrenzung durch eine Stoploss-Order sorgen dafür, daß im Falle einer Fehlprognose der Schaden in Grenzen gehalten wird (vgl. Frühling, 1998, S. 10f) (Stoploss-Order: Verkaufsauftrag mit Notlimit. Dabei wird das Limit unter dem aktuellen Kurs angesetzt, um bei einer Abwärtsbewegung frühzeitig zu verkaufen und somit den Verlust zu verhindern bzw. zu minimieren (vgl. ERPEG Publikations-GesmbH, 1997, S. 159)).

Weiters ist darauf hinzuweisen, daß die größte Gefahr der technischen Analyse nicht in Mängeln der Methode liegt, sondern in persönlichen Mängeln mancher ihrer Anwender. In der Begeisterung, endlich eine rationale Methode für ihre Börsengeschäfte gefunden zu haben, übersehen viele die Grenzen dieser Methode. Zeigt der Chart z.B. eine Bodenbildung (Doppel-Tief), werden negative Unternehmensnachrichten den Kurs weiter fallen lassen. Viele Anwender übersehen im Glauben an die eigentlich günstige Chartformation den Zeitpunkt, sich von den gerade erworbenen Aktien zu trennen und schlittern somit in immer größer werdende Verluste (vgl. ebd., S. 12).

2.2.1 Die Konstruktion von Charts

Der nun folgende Teil soll einen Überblick über die in der Praxis am öftesten eingesetzten Darstellungsformen von Charts geben. Dazu zählen Linienchart, Balkenchart, Kerzenchart und Point&Figure-Chart. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrem Aussehen, sondern vor allem in Inhalt und Interpretation.

2.2.1.1 Linienchart

Liniencharts sind die einfachste Form der Kursverlaufsdarstellung. Für jede Periode (Tag, Woche, Monat) wird ein Kurs eingezeichnet. Dieser wird mit entsprechenden Kurs der vorigen Periode durch eine Gerade verbunden. Typischerweise stellt man den Schlußkurs oder den Kassakurs dar. Das ergibt den Vorteil einer leicht verständlichen und übersichtlichen Darstellung (vgl. Pastré, 1997, S. 20).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Linienchart

(Quelle: http://informer2.comdirect.de:9004/de/finanztools/overview/ Ô Chart Analyzer: Java Trader 3.1 – comdirect Börseninformationssystem)

Zahlreiche Chartisten sehen im Linienchart die wertvollste Darstellung der Kursaktivität, weil der Schlußkurs als der kritische Preis eines Handelstages gilt. Negativ anzumerken ist aber, daß Tageskursschwankungen, die sich in den Kursnotierungen von Fließhandelswerten niederschlagen, nicht berücksichtigt werden (vgl. Atteneder, 1997, S. 11).

2.2.1.2 Balkenchart

Balkencharts (auch Barcharts genannt) sind gemeinsam mit Liniencharts die wohl gebräuchlichste Art der graphischen Kursdarstellung. Gekennzeichnet ist der Balkenchart dadurch, daß pro abgetragener Zeiteinheit (Tag, Woche, Monat) die Spanne aller innerhalb dieses Zeitraumes zustande gekommenen Kurse eingezeichnet wird. Diese Vorgehensweise führt zu kleinen Balken, die sich zwischen Höchst- und Tiefstkurs des relevanten Zeitraumes erstrecken. Weiters werden der Eröffnungskurs durch einen kleinen Querstrich auf der linken Seite und der Schlußkurs durch einen kleinen Querstrich auf der rechten Seite des betreffenden Balkens symbolisiert (vgl. Vorndran & Schmittwolf, 1990, S. 23).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Balkenchart

(Quelle: http://informer2.comdirect.de:9004/de/finanztools/overview/ Ô Chart Analyzer: Java Trader 3.1 – comdirect Börseninformationssystem)

Gegenüber dem Linienchart ist bereits eine Fülle weiterer Informationen im Balkenchart dargestellt. Durch den hohen Informationsgehalt ist der Balkenchart eine sehr beliebte Art der Darstellung. Jedoch fehlt ihm eine gewisse Anschaulichkeit. Der Balkenchart ist gemeinsam mit den Umsätzen auch die Basis für die Berechnungen in Computerprogrammen (vgl. Pastré, 1997, S. 14ff).

2.2.1.3 Kerzenchart

Die in Japan entwickelten Kerzencharts (auch Candlestick-Charts genannt) enthalten keine anderen Informationen als die in der westlichen Welt populären Balkencharts, doch besitzen sie durch ihre Anschaulichkeit einen nicht zu übersehenden Vorteil gegenüber Balkencharts. Aufgrund der verschiedenen Kerzenkörper zeigen sie sehr viel plastischer, ob sich ein Markt in einem Aufwärts- oder in einem Abwärtstrend befindet (vgl. Schmielewski, 1995, S. 228).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Kerzenchart

(Quelle: http://informer2.comdirect.de:9004/de/finanztools/overview/ Ô Chart Analyzer: Java Trader 3.1 – comdirect Börseninformationssystem)

Wie bei einem Balkenchart werden auf der Abszisse die Zeit und auf der Ordinate die Kurse aufgetragen. Der Kursunterschied vom Eröffnungs- zum Schlußkurs einer Periode (ein Tag oder ein sonstiger Zeitraum), sofern diese nicht gleich sind, wird als Rechteck eingetragen. Dieses wird als Körper der Kerze bezeichnet. Die Differenz zwischen Höchst- und Tiefstkurs wird durch eine Linie nach oben und/oder nach unten markiert (vgl. Welcker, 1991, S. 42). Diese Linie bezeichnet man als Docht und Lunte (vgl. Nison, 1996, S. 15) bzw. Schatten der Kerze (vgl. Morris, 1995, S. 6).

Besteht eine Differenz zwischen dem Schlußkurs und dem Eröffnungskurs einer Periode und sind sowohl der Höchst- als auch der Tiefstkurs verschieden, dann entsteht eine Kerze mit oberem und unterem Schatten. Neben den vier Informationen enthält die einzelne Kerze eine weitere Information: Abhängig von der Richtung der Kursbewegung vom Eröffnungs- zum Schlußkurs werden die Kerzenkörper in unterschiedlicher Farbe dargestellt (vgl. Welcker, 1991,S. 42f).

Den vorherrschenden Trend kann man klar aus der Farbe der Kerzenkörper erkennen. Aber auch die Länge der Kerzenkörper zeigt oft klar die psychologische Verfassung des Marktes. Weiters gibt es spezielle Kombinationen von Kerzen, die klare Kauf- bzw. Verkaufssignale darstellen (vgl. Huber, 2000, S. 6).

2.2.1.4 Point&Figure-Chart

Nachdem beim Point&Figure-Chart (kurz P&F-Chart) eine geeignete Minimumeinheit auf der vertikalen Skala definiert worden ist, werden die Kurse senkrecht eingetragen. Steigt der Kurs, dann werden eine Reihe von Kreuzen (Symbol „x“) übereinander eingezeichnet, und zwar so lange, wie sich der Kurs nach oben bewegt. Fällt er jedoch zum ersten Mal um eine Mindesteinheit, dann wird eine neue Spalte begonnen und ein Kreis (Symbol „o“) eingetragen. Während der Abwärtsbewegung des Kurses werden Kreise so lange untereinander eingezeichnet, bis der Kurs erneut um eine Mindesteinheit steigt. Daraufhin wird anschließend eine neue Spalte begonnen, ein Kreuz eingetragen, usw. Ein P&F-Chart hat folglich keine Zeitachse, was den Vorteil hat, daß Kursverläufe über lange Zeit hinweg eingezeichnet werden können (vgl. Tvede, 1991, S. 25).

Durch die Angabe eines Umkehrminimums kann festgelegt werden, wann eine Richtungsänderung durch eine neue Spalte dargestellt werden soll. Die übliche Einstellung ist die Drei-Punkt-Umkehr, d.h. eine neue Spalte wird immer dann begonnen, wenn sie mindestens drei Zeichen hat. Dadurch werden kleinere Kursschwankungen herausgefiltert (vgl. Welcker, 1991, S. 31ff). Gibt es eine Seitwärtsbewegung im Kurs der Aktie, folgt daraus, daß keine Eintragungen vorgenommen werden und der P&F-Chart somit unverändert bleibt (vgl. Knapp, 1998, S. 113).

Vor allem im Internet gibt es zahlreiche Websites, die interaktives Charting anbieten. Eine weiterentwickelte Form eines P&F-Charts ist in der Abbildung 4 dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Point&Figure-Chart

(Quelle: http://stockcharts.com/webcgi/wb.exe?PnF.web+MO)

2.2.2 Skalierungen bei Charts (arithmetisch, halblogarithmisch)

Beinahe alle derzeit verfügbaren Charts benutzen eine arithmetische Preisskala. Auf dieser Skala stellt jeder vertikale Abschnitt eine gleiche absolute Kursdistanz dar. Eine Bewegung von 10 auf 20 auf der arithmetischen Skala würde also durch dieselbe Entfernung wie eine Bewegung von 100 auf 110 repräsentiert werden, obwohl der erste Fall ein Anstieg des Kurses um 100%, der zweite jedoch nur einen Anstieg von 10% darstellt. Diese verzerrte Darstellung kommt gerade in der längerfristigen Trendanalyse negativ zum Tragen (vgl. Loistl, 1992, S. 70). Arithmetische Charts eignen sich gut für die Darstellung kurzfristiger Bewegungen hoch notierender Aktien oder Indizes. Ihre prozentual geringen Bewegungen sind auf halblogarithmischen Charts optisch schlecht erkennbar (vgl. Frühling, 1998, S. 2).

Als Alternative zur arithmetischen Skalierung, besonders im Bereich der langfristigen Trendanalyse, wird die halblogarithmische Skalierung zum Einsatz herangezogen. Auf dieser Skala konzentriert man sich auf prozentuale Veränderungen des Kursverlaufes. Dabei ist die x-Achse arithmetisch und die y-Achse logarithmisch skaliert. Eine Bewegung des Kurses von 10 auf 20, das ist ein Anstieg von 100%, würde also auf einem halblogarithmischen Chart durch dieselbe Distanz wie eine Bewegung von 20 auf 40 oder von 40 auf 80 abgebildet. Es ist hierbei zu beachten, daß auf der arithmetischen Skala jeder Punkt denselben Abstand voneinander hat. Auf einer logarithmischen dagegen nehmen die prozentualen Zuwächse mit steigender Kursskala ab. Der Unterschied von 1 auf 2 ist genauso groß wie der von 5 auf 10, da beide eine Verdoppelung im Kurs darstellen (vgl. Murphy, 1991, S. 34ff).

Der weitere Vorteil neben der langfristigen Trendanalyse liegt vor allem darin, daß der logarithmische Maßstab einen direkten Vergleich unterschiedlicher Charts (unabhängig von ihrem absoluten Kurswert) ermöglicht (vgl. Priermeier, 1998, S. 16). Trotz der möglichen Vorteile der Verwendung von halblogarithmischen Charts für längerfristige Trendanalysen sind derartige Typen von Charts oftmals nicht verfügbar (vgl. Murphy, 1991, S. 34ff). Diese Aussage von Murphy hat heute jedoch nur mehr stark beschränkte Gültigkeit, da durch den dramatischen Leistungsanstieg von informationsverarbeitenden Systemen derartige Daten relativ leicht zugänglich sind bzw. schnell verarbeitet werden können.

In dieser Arbeit wird im weiteren jedoch nur noch die gängigere, arithmetische Skalierung eingesetzt, da die hier dargelegten Indikatoren hauptsächlich für kurzfristige Änderungen eingesetzt werden.

2.2.3 Trendanalyse

Da sich die Kurse an den Börsen nach Angebot und Nachfrage richten, stellt man bei deren Analyse ein Phänomen fest, auf dem im Grunde die gesamte technische Analyse basiert (vgl. Pastré, 1997, S. 25):

Börsenkurse bewegen sich in Trends.

Überwiegt die Nachfrage, haben die Kurse einen steigenden Trend, und solange das Angebot überwiegt, haben sie einen fallenden Trend. Ist das Angebot und die Nachfrage in etwa gleich, bewegen sich die Kurse seitwärts. Ein Trend bleibt nur solange aufrecht, bis eine wesentliche Veränderung zwischen Angebot und Nachfrage eintritt (vgl. ebd.).

Die Abbildung 5 soll als Schaubild für die im Anschluß beschriebenen Trendformationen dienen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Trendlinien, Trendkanäle und technische Reaktionen

(Quelle: http://informer2.comdirect.de:9004/de/finanztools/overview/ Ô Chart Analyzer: Java Trader 3.1 – comdirect Börseninformationssystem)

- Trendlinien

Bei Kursgraphiken mit Zeitachse legt man eine Aufwärtstrendlinie von unten an die Kurskurve an, indem man ein Tief mit einem höherliegenden Tief verbindet. Abwärtstrendlinien legt man von oben an die Kurskurve an, indem man ein Hoch mit einem tieferliegenden Hoch verbindet (vgl. Welcker, 1991, S. 48f). Die steigende Trendlinie bei einem Aufwärtstrend nimmt die Funktion einer Unterstützungslinie ein. Solange der Aufwärtstrend intakt ist, d.h. die Trendlinie also nicht nach unten durchbrochen wurde, wird jedes Auftreffen auf der Trendlinie als Kaufsignal gewertet. Wird der Aufwärtstrend nach unten durchbrochen, wird dies als Verkaufssignal gedeutet. Bestehende Positionen sollten ungeachtet ihrer Einstiegskurse glattgestellt werden (vgl. Priermeier, 1998, S. 31). Die fallende Trendlinie bei einem Abwärtstrend nimmt umgekehrt die Funktion einer Widerstandslinie ein. Solange der Abwärtstrend intakt ist, d.h. die fallende Trendlinie also nicht nach oben verlassen wurde, wird jedes Berühren der Trendlinie als Verkaufssignal gewertet. Wird der Abwärtstrend hingegen nach oben durchbrochen, sind bestehende Short-Positionen (short position: Wertpapierposition, die leer verkauft wurde und zurückgekauft werden muß (vgl. ERPEG Publikations-GesmbH, 1997, S. 152)) glattzustellen (vgl. Priermeier, S. 32). Allgemein kann gesagt werden, daß Trendlinien über alle Analysehorizonte eingesetzt werden können. Beim Ermitteln von Handelssignalen sollte jedoch der Auswertungszeitraum auf den vorgesehenen zeitlichen Investitionshorizont abgestimmt werden (vgl. ebd., S. 31f).

- Trendkanäle

Oftmals vollziehen sich Aufwärts- und Abwärtsbewegungen in gleich großen prozentualen Auf- und Abschwüngen der Kurse. Verbindet man jeweils die Tiefstpunkte und die Höchstpunkte der Kurskurve miteinander, so kommt man zu einem Trendkanal. Derartige Trendkanäle können für kurzfristige Spekulationen genutzt werden. Hat sich nämlich gezeigt, daß sich Auf- und Abschwünge um einen bestimmten Prozentsatz des Kurses jeweils wiederholen, so kann man im Vertrauen darauf, daß der Kurs sich weiter im Trendkanal bewegt, an den Tiefpunkten kaufen und an den Hochpunkten verkaufen. Diese Strategie ist aber sehr riskant (vgl. Welcker, 1991, S. 93).

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Zusammenfassung

Inhaltsangabe:Einleitung:
Interessiert man sich für Aktien, so hört man oftmals von technischen Indikatoren. Sie sollen dazu dienen, die Gewinne von Aktien-Investitionen zu steigern. Folgt man diesen gewissen Handelsanweisungen für den Kauf- oder Verkaufszeitpunkt, so stellt sich aber die Frage, ob sie dies auch wirklich tun. Auf diese Fragestellung wird in den Ausführungen der Diplomarbeit eingegangen.
Gang der Untersuchung:
Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Einführung in die technische Analyse und gibt anschließend einen Überblick über folgende vier technische Aktienanalyse-Indikatoren:
- Momentum.
- Stochastik.
- RSI (Relative-Strength-Index).
- MACD (Moving Average Convergence/Divergence).
Diese vier Indikatoren werden deshalb verwendet, da sie als die in der Praxis am häufigsten verwendeten und aufgrund ihrer einfachen Anwendung für viele technischen Aktienanalysten als sehr aussagekräftig gelten. Es werden dabei ihre Aussagekraft, die Berechnung, eine Interpretation sowie in der Literatur vorhandene Empfehlungen dargelegt.
Im Anschluss wird dann ein empirischer Vergleich durchgeführt. In diesem Performancevergleich werden die vier Indikatoren bei vorgegebenen Kursdaten zuerst in einer jeweils einzelnen und dann in einer gleichzeitigen gemeinsamen Verwendung einer Buy-and-Hold-Strategie gegenübergestellt. Dies ermöglicht einen Überblick darüber, welche Indikatoren, einzeln oder gemeinsam betrachtet, besser geeignet sind. Des weiteren werden Schlüsse über die Reaktionsschnelligkeit für Kauf- und Verkaufssignale der einzelnen Einsatzbereiche gezogen.
Die Arbeit hilft, einen Einblick in das Verhalten und gegenseitige Zusammenspiel dieser Indikatoren zu geben, sowie aufgrund der unterschiedlichen Indikatorensituationen Handelsanweisungen für die jeweils bestehende Kursentwicklung bereitzustellen. Dabei wird aber nicht auf die bestehende Marktstimmung, noch auf fundamentale Ereignisse innerhalb oder außerhalb des Unternehmens Bezug genommen, sondern es wird ausschließlich auf den Kursverlauf und die sich daraus errechneten Indikatoren eingegangen.
Damit werden die Stärken der einzelnen Indikatoren ersichtlich, aber umgekehrt auch ihre Schwächen aufgedeckt.

Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis:
1.ALLGEMEINE EINFÜHRUNG6
2.FUNDAMENTALE VERSUS TECHNISCHE AKTIENANALYSE8
2.1FUNDAMENTALE AKTIENANALYSE8
2.2TECHNISCHE AKTIENANALYSE9
2.2.1Die Konstruktion von […]

Details

Seiten
104
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832451899
ISBN (Buch)
9783838651897
DOI
10.3239/9783832451899
Dateigröße
883 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Erscheinungsdatum
2002 (März)
Schlagworte
chartanalyse aktien performance-vergleich aktienanalyse aktienanalyse-indikatoren

Autor

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Titel: Vier wichtige Aktienanalyse-Indikatoren in der Chartanalyse