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Asymmetrische Schocks und die EWU

Deren Bedeutung und Anpassungsmöglichkeiten mit besonderer Betrachtung des Arbeitsmarktes

Diplomarbeit 2001 69 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

INHALTSANGABE

1. Einleitung

2. Definition und Arten von Schocks

3. Relevanz von asymmetrischen Schocks
3.1. Identifikationsproblem
3.2. Untersuchungen über die Asymmetrie von Schocks
3.3. Wie wahrscheinlich sind asymmetrische Schocks in der EWU?

4. Theorie des optimalen Währungsraumes
4.1. Definition und Kriterien
4.2. Ist die EU ein optimaler Währungsraum?
4.3. Die Empirie zur Theorie des optimalen Währungsraumes

5. Anpassungsmechanismen
5.1. Fehlen des Instruments der Wechselkursanpassung unter der Einheitswährung
5.2. Die Schockverarbeitung auf den europäischen Arbeitsmärkten
5.2.1. Fakten der Arbeitslosigkeit in der EU
5.2.2. Anpassung an asymmetrische Schocks durch Migration
5.2.2.1. Zusammenfassung früherer Studien über Mobilität in Europa
5.2.2.2. Migrationsdaten
5.2.2.3. Strukturelle Modelle der Migrationsreaktion
5.2.2.4. Andere mögliche Einflußfaktoren
5.3. Relative Preisanpassung
5.4. Interregionale Versicherung und Fiskaltransfers
5.4.1. Private Versicherung
5.4.2. Erkenntnisse aus bereits bestehenden Währungsunionen
5.4.3. Europaweiter fiskalischer Ausgleichsmechanismus

1. Einleitung

Durch die Bildung der Europäischen Währungsunion (EWU) ist die Diskussion über die Bedeutung von asymmetrischen Schocks und entsprechenden Anpassungsmöglichkeiten innerhalb der Europäischen Union (EU) wieder lauter geworden. Denn im möglichen Auftreten von asymmetrischen Schocks wird in den Mitgliedsländern ein Problem gesehen. In der Währungsunion werden die Wechselkurse fixiert, somit geht ein Instrument zur Schockverarbeitung zwischen den Ländern verloren. Zusätzlich entfällt die Möglichkeit, die nationale Geldpolitik zur Bekämpfung von asymmetrischen Schocks einzusetzen. Auch die länderspezifische Finanzpolitik wird durch die Maastricht-Kriterien eingeengt.

Wie werden aber die Länder der EWU mit einem adversen asymmetrischen Schock unter der Einheitswährung umgehen?

Dazu untersucht man, wie sich die europäischen Länder bisher verhalten haben, und wie die regionalen Anpassungsmuster in den EU-Ländern als bereits bestehende Währungsunionen ausgesehen haben. Man stellt aber auch Vergleiche mit den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) oder Kanada an, um sich intranationale Anpassungsvorgänge anzusehen.

Kapitel 2 startet mit der Definition von Schocks und verschiedenen Klassifikationen von ökonomischen Schocks.

In Kapitel 3 wird untersucht, wie relevant asymmetrische Schocks in der EWU sind. Es wird vorrangig untersucht, ob es in der EU Schocks gegeben hat, und ob die aufgetretenen Schocks eher symmetrisch oder asymmetrisch waren.

Kapitel 4 befaßt sich mit der Theorie des optimalen Währungsraums, die im Zusammenhang mit asymmetrischen Schocks häufig erwähnt wird. Was sagt diese Theorie aus, und es wird die Frage gestellt, ob die EWU ein optimaler Währungsraum ist?

Kapitel 5 zeigt die möglichen Anpassungsmechanismen auf, mit besonderem Augenmerk auf die EU-Staaten und der zuk-nftigen EWU. Zuerst wird kurz erörtert, ob der Ausfall des Wechselkursinstruments von großer Bedeutung für die EU-Länder ist. Dann werden die einzelnen Anpassungsmechanismen erklärt, und im Hinblick auf den Einsatz in der EU untersucht: Die Schockverarbeitung durch die Arbeitsmärkte, insbesondere durch Migration, die relative Preisanpassung und die Anpassung und Schockabsorption durch die Interregionale Versicherung.

Das abschließende Kapitel 6 bietet einen Überblick über die zentralen Aussagen und möglichen Schlußfolgerungen.

2. Definition und Arten von Schocks

Die ökonomische Definition von einem Schock lautet: Ein Schock ist eine Störung des Gleichgewichtes zwischen Angebot und Nachfrage, verursacht durch eine Veränderung des wirtschaftlichen Umfeldes oder des Verhaltens der Akteure. Die Störung tritt einmalig und unerwartet auf, ist also nicht antizipierbar. Wichtig ist, daß es durch exogene Einflüsse zu einer Änderung der Angebots- und Nachfragebedingungen kommt und diese nicht vorhersehbar und antizipierbar sind.

Beispiele sind unter anderen Produktivitätsschocks (veränderte Produktionstechnologie), Änderungen der Verbraucherpräferenzen, Lieferprobleme bei wichtigen Rohstoffen und Störungen beim Produktionsablauf (zum Beispiel durch Streiks), Ölpreisschocks, politische Krisen, kriegerische Ereignisse, nationale Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik (etwa durch einen Kurswechsel) und auch die deutsche Wiedervereinigung (vgl. Wohlers, 1997, Seite 79).

Grundsätzlich gibt es verschiedene Klassifikationen von Schocks. Beginnend muß man erwähnen, daß es positive und negative (adverse) Schocks gibt, aber im Zusammenhang mit den Problemen von asymmetrischen Schocks spricht man im Allgemeinen von negativen Schocks.

Hinsichtlich der Symmetrie unterscheidet man symmetrische und asymmetrische Schocks. Ein symmetrischer Schock trifft alle Teile einer Einheit simultan, zum Beispiel alle Länder einer Währungsunion, alle Regionen eines Landes oder alle Sektoren innerhalb einer Union oder eines Landes. Ein asymmetrischer Schock trifft einzelne Teile einer Einheit in unterschiedlichem Ausmaß, wenn zum Beispiel nur ein Land einer Währungsunion betroffen ist (länderspezifischer Schock), wenn nur eine Region eines Landes (regionaler Schock) oder nur eine Branche innerhalb einer Union oder eines Landes (sektoraler Schock) betroffen ist.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß die unterschiedliche Anpassungsfähigkeit der Länder innerhalb einer Währungsunion Asymmetrien verstärken kann, so daß aus symmetrischen Schocks Asymmetrische werden.

Wenn man im Zusammenhang mit der Währungsunion über asymmetrische Schocks spricht, versteht man darunter üblicherweise länderspezifische Schocks. Ebenfalls meint man mit symmetrischen Schocks union-weite Schocks.

Unter Beachtung der Dauer eines Schocks trennt man zwischen temporären (oder auch transitorischen) und permanenten Schocks. Bei temporären Schocks kommt es nur vorübergehend zu Abweichungen vom langfristigen Trend, ohne diesen zu verändern. Man kann solche Schocks mittels fiskalpolitischer Stabilisierung (diskretionär oder automatisch) gut überstehen. Permanente Schocks verlangen jedoch eine langfristige Anpassung, da sie anhaltend sind, den langfristigen Trend verändern, und somit zu einem permanent niedrigeren Lebensstandard führen.

Anfangs ist sehr schwer vorherzusagen, ob ein Schock temporär oder permanent ist. Dies wäre aber für dessen Bekämpfung sehr wichtig.

Zuletzt noch kurz die allgemeine Einteilung in Nachfrage- und Angebotsschocks. Bei einem negativen Nachfrageschock fragen die Haushalte bei jedem Preis weniger nach als vor dem Schock. Bei einem negativen Angebotsschock wird bei jedem Output zu einem höheren Preis angeboten als vorher.

Auslösende Faktoren eines Nachfrageschocks können sein: Monetäre Schocks (Veränderungen des Zinssatzes oder des realen effektiven Wechselkurses), Fiskalschocks (zum Beispiel Budgetkonsolidierungsmaßnahmen), zyklische Schocks (Änderungen bei den Ersparnissen oder Investitionen) aber auch Änderungen des ausländischen Umfeldes (sinkende ausländische Preise, verbesserte Qualität ausländischer Waren etc.). Verursachende Faktoren bei Angebotsschocks können Faktorpreisschocks (steigende Kapitalkosten, steigende Arbeitskosten oder erhöhte Besteuerung von Produktionsfaktoren) und Importpreisschocks (etwa durch einen Preisanstieg von importierter Energie, wie es bei den beiden Ölpreisschocks in den 70er Jahren der Fall war, einem Preisanstieg von Rohstoffen oder Zwischenprodukten) sein.

3. Relevanz von asymmetrischen Schocks

Zu der Frage wie relevant asymmetrische Schocks für die EU sind, gibt es eine Reihe empirischer Arbeiten, denn man möchte wissen, ob asymmetrische Schocks ein ernst zunehmendes Problem für die EWU darstellen. Dabei wird üblicherweise analysiert, ob es eine parallele Entwicklung makroökonomischer Kennzahlen der einzelnen EU-Staaten gibt.

3.1. Identifikationsproblem

Bei den Untersuchungen von asymmetrischen Schocks kommt es zu einem Identifikationsproblem: Eine Unterscheidung zwischen dem Schock und dessen Reaktionen, die er hervorruft, ist sehr schwierig.

Schocks sind im Auftreten, Ausprägung und in dessen Dimensionen immer sehr verschieden, und dadurch sehr schwer direkt zu erfassen. Die unmittelbare Erfassung gelingt, wenn überhaupt, nur bei Schocks wie den Ölpreiskrisen oder der deutschen Wiedervereinigung, also bei markanten Ereignissen. Bei den häufigeren kleineren Schocks ist die direkte Zuordnung ein Problem. Deshalb werden Veränderungen in den Zeitreihen ökonomisch relevanter Variablen untersucht, wie zum Beispiel Output, Beschäftigung oder realer Wechselkurs und versucht anhand dessen auf die Existenz von Schocks rückzuschließen.

3.2. Untersuchungen über die Asymmetrie von Schocks

Die folgenden Übersichten (Tabellen 1 bis 3) geben eine kurze Zusammenfassung verschiedener Studien zu diesem Thema. Sie sind gegliedert in Studien die Mengen- beziehungsweise Preisindikatoren oder eine Kombination beider analysieren.

Die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktion als umfassender Indikator wird zur Identifizierung von Schocks herangezogen, um deren Relevanz für die konjunkturelle Entwicklung zu analysieren. Wenn es zu stärkeren Abweichungen im Wachstum des Bruttoinlandsproduktes kommt, deutet das auf asymmetrische Schocks hin, andererseits vermutet man bei ähnlicher Entwicklung die Dominanz von symmetrischen Schocks.

Studien, die Mengenindikatoren analysieren (Tabelle 1), konzentrieren sich vor allem auf Output- und Beschäftigungsveränderungen. Einige untersuchen EU-Staaten auf parallele Entwicklungen, um dadurch auf Symmetrien bzw. Asymmetrien schließen zu können (Cohen und Wyplosz, 1989, Funke et al., 1999, Helg et al., 1995). Bei anderen Untersuchungen vergleicht man die Entwicklung der Mengenindikatoren der EU-Staaten mit der der US-Staaten (Bini Smaghi und Vori, 1992, Vinals und Jimeno, 1996) oder mit der Entwicklung innerhalb einzelner europäischer Staaten (De Grauwe und Vanhaverbeke, 1993, De Nardis et al., 1996, Vinals und Jimeno, 1996). Die Studien von Blanchard und Katz (1992) und Decressin und Fatás (1995) vergleichen die Symmetrie der Entwicklung europäischer Regionen beziehungsweise US-Regionen.

Die Mehrheit dieser Studien kommt zu dem Ergebnis, daß die Entwicklung der EU-Staaten weitgehend symmetrisch verläuft, insbesondere für eine Kerngruppe von EU-Staaten. Diese Kerngruppe variiert zwar von Studie zu Studie, aber sie beinhaltet im Wesentlichen die Länder Deutschland, Frankreich, die Benelux-Länder, Österreich und Dänemark. Interessanterweise finden viele eine asymmetrische Entwicklung auf Ebene der europäischen Regionen.

Da die relativen Preise auf Veränderungen der Nachfrage und des Angebots reagieren, müßte die Entwicklung des realen Wechselkurses zwischen den einzelnen europäischen Ländern aufzeigen, ob asymmetrische Schocks in der EU auftreten, und in welchem Ausmaß.

Bei den Untersuchungen von Preisindikatoren (Tabelle 2) vergleicht man hauptsächlich die Entwicklung des realen Wechselkurses, neben Aktienkursentwicklung und Zinsdifferenzen. Es werden wieder EU-Länder mit europäischen Regionen (De Grauwe und Vanhaverbeke, 1993) oder mit US-Regionen (Eichengreen, 1992) verglichen, aber auch mit kanadischen Provinzen (Poloz, 1990), da die kanadische Wirtschaftsstruktur der europäischen ähnlicher ist als die amerikanische.

Die Ergebnisse zeigen, daß die Entwicklung in Europa asymmetrischer verläuft als in den USA und die Asymmetrie zwischen den EU-Staaten größer ist als zwischen den europäischen Regionen (das bedeutet, daß die Schwankungen der relativen Preise zwischen den Regionen geringer waren als zwischen den Staaten).

Untersuchungen mit Kombination von Mengen- und Preisindikatoren (Tabelle 3) wurden von De Grauwe und Vanhaverbeke (1993) und Bayoumi und Eichengreen (1993) durchgeführt. Sie zeigen im Großen und Ganzen ähnliche Ergebnisse wie in den beiden vorangegangenen Tabellen. Auf diese beiden Studien wird noch näher eingegangen.

Anschließend wird die Studie von Bayoumi und Eichengreen (1993) genauer betrachtet, da sie eine der wichtigsten Untersuchungen zu diesem Thema ist, und man die Vorgehensweise bei solchen Analysen einmal sehen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

a Ergebnisse für EU-Staaten sind kursiv hervorgehoben.

Tabelle 3: Untersuchungen zur Asymmetrie von Schocks und zur Schockabsorption - Kombination von Mengen- und Preisindikatoren

(Quelle: Dohse und Krieger-Boden, 1998, Seite 24)

Bayoumi und Eichengreen (1993) verwenden in ihrer Studie den Ansatz der strukturellen Vektor-Autoregression (SVAR), der von Blanchard und Quah (1989) entwickelt wurde, um permanente und temporäre Störungen zu trennen. Sie ziehen dazu Zeitreihen des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und des Preisniveaus heran.

Zuerst möchte ich kurz die Grundlagen der SVAR ansprechen. Ziel der SVAR-Analyse ist die Gewinnung von Informationen über unbeobachtbare stochastische Störungen. Dies geschieht durch die Analyse von Zeitreihen bestimmter beobachtbarer endogener Variablen wie zum Beispiel des Einkommens- und Preisniveaus, in denen die Störungen Fluktuationen verursachen. In unserem Fall sind die Informationen die Impuls-Reaktions-Funktionen („Impulse-Response-Functions“), die Antwort jeder endogenen Variablen auf den Impuls jeder Störung.

Die Störungen unterliegen aber bestimmten Restriktionen, um ihren dynamischen Einfluß auf die beobachtbaren Variablen zu beschreiben. Erstens sind die Störungen zueinander orthogonal (das heißt voneinander unabhängig und mit einer auf Eins normierten Varianz) und zweitens ist ihr kurzfristiger und langfristiger Einfluß auf die endogenen Variablen aus der Theorie bekannt (in diesem Modell das aggregierte Nachfrage-Angebot-Diagramm).

Der Grundgedanke der SVAR-Analyse ist in folgender Abbildung zusammengefaßt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: SVAR-Analyse (Quelle: Auria, 1997, Seite 159)

Auf der einen Seite befinden sich die endogenen beobachtbaren Variablen, und auf der anderen Seite des Gleichungsmodells befinden sich die unbeobachtbaren stochastischen Störungen, die Fluktuationen in den endogenen Variablen verursachen. Mittels Annahmen über das Verhalten der Störungen und ihren Einfluß auf die endogenen Variablen werden ihre Multiplikatoren geschätzt.

Um ein VAR-Modell zu schätzen, werden Zeitreihen der beobachtbaren endogenen Variablen eingesetzt. SVAR-Modelle werden als gleitender Mittelwertprozeß („moving average“, kurz MA) dargestellt.

Ausgangspunkt der Methode von Bayoumi und Eichengreen ist das bekannte aggregierte Nachfrage-Angebot-Diagramm. Daraus läßt sich auch die Annahme ableiten, daß aggregierte Nachfrageschocks nur temporäre Auswirkungen auf den Output aber permanente Auswirkungen auf die Preise haben, wohingegen aggregierte Angebotsschocks permanente Effekte auf Preise und Output haben. Diese Annahme läßt sich natürlich hinterfragen, darauf werde ich später noch genauer hinweisen.

Folgende Gleichung stellt einen strukturellen unendlichen MA-Prozeß dar, von einem Vektor von Variablen Xt und einer gleichen Anzahl von Schocks, et:

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Die Matrizen Ai sind die Impuls-Reaktions-Funktionen der Schocks auf die Elemente X. L ist der Verzögerungsoperator.

Man setzt nun für Xt die Veränderung des Outputs und der Preise ein, und für et Nachfrage- und Angebotsschocks. Den beiden Autoren zufolge, sind die endogenen Variablen als integriert vom Grade Eins I(1) und nicht kointegriert, deshalb wird das Modell als VAR in den differenzierten Variablen ausgedrückt. Gleichung (1) lautet dann:

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yt und pt sind die Log. von Output und Preisen, edt und est sind die Nachfrage- und Angebotsschocks. a11i ist ein Element der Matrix Ai.

Durch die Annahme, daß aggregierte Nachfrageschocks keine permanenten Effekte auf den Output haben, ergibt sich, daß der kumulierte Effekt von Nachfrageschocks auf die Veränderung des Outputs null ist:

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Das oben erläuterte Modell kann mittels einer VAR geschätzt werden. Jedes Element von Xt wird mit Hilfe von Koeffizienten, B genannt, geschätzt:

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et ist der Rest von den Gleichungen der VAR. Dieser Rest beinhaltet eyt und ept. Er wir in Nachfrage- und Angebotsschocks et umgewandelt: et = Cet. Es werden vier Restriktionen benötigt, um die vier Elemente der Matrix C zu errechnen. Zwei davon definieren die Varianz der Schocks edt und est, die dritte kommt von der Orthogonalitätsbedingung. Die vierte und letzte Bedingung besagt, daß Nachfrageschocks nur temporäre Effekte auf den Output haben, ausgedrückt in Gleichung (3) und nun in Form der VAR:

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Durch diese Gleichung kann die Matrix C eindeutig definiert werden, und können die Nachfrage- und Angebotsschocks identifiziert werden. Die Anzahl der Verzögerung setzten sie gleich 2.

Bayoumi und Eichengreen haben in diesem Modell versucht, permanente und temporäre Schocks voneinander zu trennen, durch die Interpretation von Angebotsschocks als permanent - wenn es zu einer Trendverschiebung kommt - und der Nachfrageschocks als temporär (keine Trendverschiebung). Dies geht zurück auf die traditionelle keynsianische Sicht von Fluktuationen: Aufgrund von nominellen Rigiditäten haben Nachfragestörungen nur kurzfristige Effekte auf Output und Arbeitslosigkeit (vgl. Blanchard und Quah, 1989, Seite 658). Langfristig wird der Output nur von Angebotsstörungen verändert (es werden Produktivitätsstörungen angenommen). Diese Methode ist nicht unumstritten, denn permanente und temporäre Schocks sind nicht nur Angebots- und Nachfrageschocks. Nachfrageschocks können genauso permanente Auswirkungen haben, diese kann man aber laut Blanchard und Quah vernachlässigen.

Bayoumi und Eichengreen verwenden für ihre Berechnungen jährliche OECD-Daten des realen und nominellen BIP für die Periode 1960-1988 für damals 11 EU-Mitglieder und 11 zusätzliche OECD-Länder und Daten für US-Regionen von 1963-1986.

In Abbildung 2 kann man die aggregierten Nachfrage- und Angebotsschocks für die EU und die USA sehen. Die beiden Ölschocks 1973-75 und 1979-80 in der EU lassen sich gut erkennen. Nach dem ersten Ölschock gab es 1976 einen positiven Nachfrageschock, aber nach 1980 sind einige negative Nachfrageschocks zu erkennen. Die Ölschocks sieht man ebenfalls in den USA, aber es scheint als hätte sich die amerikanische Wirtschaft schneller erholt, aufgrund mehrerer positiver Angebotsschocks. 1982 gab es einen starken negativen

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Nachfrageschock, der eine Politikänderung reflektiert.

Abbildung 2: Aggregierte Nachfrage- und Angebotsschocks für die EU und die USA

(Quelle: Bayoumi und Eichengreen, 1993, Seite 210)

In Tabelle 4 (und dazugehöriger Abbildung 3) sind die Korrelationskoeffizienten zwischen Ländern der EU und US-Regionen im Zusammenhang mit Angebots- und Nachfrage-schocks dargestellt. Ausgegangen wird in Europa von Deutschland, damit begr-ndet, daß Deutschland ein bedeutendes Land der EU ist und sich auch im Zentrum befindet.

Die Angebotsschocks in Deutschland korrelieren stark mit den Angebotsschocks der näheren Nachbarstaaten wie Frankreich, Belgien, Niederlande und Dänemark. Sie weisen einen Korrelationskoeffizienten um die 0,6 auf. Die anderen EU-Länder haben einen wesentlich niedrigeren Korrelationskoeffizienten. Dieses Muster erkennt man aber auch bei den US-Regionen. Es gibt Regionen mit hoher Korrelation (Ausgangsregion ist der Mid-East, da er im Zentrum liegt) wie New England mit 0,86 aber auch Regionen mit niedriger Korrelation wie der South West mit -0,12. Die US-Regionen zeigen höhere Korrelationskoeffizienten, da sie ja bereits Mitglieder einer Währungsunion sind und eher ähnliche monetäre Schocks erfahren.

Ähnlich verhält es sich bei den Nachfrageschocks, die Korrelationskoeffizienten sind aber nicht so hoch.

Es gibt somit in der EU und in den USA Regionen bzw. Länder, in denen Schocks symmetrischer verlaufen, sogenannte Kernländer, die weniger von asymmetrischen Schocks betroffen sind, und Regionen in denen Störungen weniger korreliert verlaufen, sogenannte Peripherieländer. Zu den Kernländern zählen Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande und Dänemark, und zu den Peripherieländern zählen das Vereinigte Königreich, Italien, Spanien, Irland, Portugal und Griechenland. In Europa und den USA setzen sich die Kernländer jeweils aus den Nachbarn der zentralen Region (Deutschland in Europa) zusammen.

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Anmerkung: Die Korrelationskoeffizienten wurden für folgende Perioden berechnet: 1962-88 für die EU und 1965-86 für die Regionen der USA.

Tabelle 4: Korrelationskoeffizienten zwischen Ländern der EU und US-Regionen

(Quelle: Bayoumi und Eichengreen, 1993, Seite 211)

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Abbildung 3: Korrelation von Nachfrage- und Angebotsschocks

(Quelle: Bayoumi und Eichengreen, 1993, Seite 213)

Im Zusammenhang mit der Größe von Schocks (Tabelle 5: Standardabweichung der aggregierten Angebots- und Nachfrageschocks) kommen Bayoumi und Eichengreen zu dem Ergebnis, daß die Peripherieländer der EU größere Angebotsschocks erfahren als die Kernländer. Die Standardabweichung der Kernländer bewegt sich zwischen 0,01 und 0,02 und die der Peripherieländer zwischen 0,02 und 0,04, also doppelt so groß. Ähnlich verhält es sich in den USA, nur einheitlich niedriger. Über die Nachfrageschocks läßt sich wenig aussagen. Interessant ist jedoch, daß die USA relativ größere Nachfrageschocks aufweisen. Möglicherweise ist dies auf die höhere Spezialisierung der US-Regionen zurückzuführen.

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Anmerkung: Alle Variablen sind in Log. gemessen, so daß 0,027 eine Standardabweichung von annähernd 2,7 % ergibt.

Tabelle 5: Standardabweichung der aggregierten Angebots- und Nachfrageschocks

(Quelle: Bayoumi und Eichengreen, 1993, Seite 216)

Durch die SVAR-Analyse kann dargestellt werden, wie schnell verschiedene Länder bzw. Regionen auf einen Schock reagieren. Dies geschieht durch Impuls-Reaktions-Funktionen.

Abbildung 4 zeigt die Impuls-Reaktions-Funktionen für die EU und die USA. Hier läßt sich die Restriktion erkennen, daß aggregierte Nachfrageschocks nur einen temporären Effekt auf den Output und einen permanenten Effekt auf die Preise haben, und daß aggregierte Angebotsschocks permanente Effekte auf Preise und Output haben. Der temporäre Effekt des Nachfrageschocks auf den Output verdeutlicht sich durch den buckelförmigen Verlauf: Steigt kurz an und kehrt wieder zum Ausgangsniveau zurück. Angebotsschocks auf den Output sind permanent, zu sehen durch den wegführenden Verlauf: Steigt an und hält dieses Niveau. Bei den Preisen zeigen beide Arten von Schocks permanente Effekte, also wegführende Impuls-Reaktions-Funktionen.

[...]


Details

Seiten
69
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832451851
ISBN (Buch)
9783838651859
Dateigröße
849 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220712
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Note
Schlagworte
arbeitsmarkt schocks europäische währungsunion migration

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Titel: Asymmetrische Schocks und die EWU