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Chancen und Risiken für österreichische Direktinvestitionen in Südafrika in der Post-Apartheid-Ära

Eine wirtschaftliche Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung der Rahmenbedingungen für ausländische Niederlassungen

Diplomarbeit 1999 114 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einführung

2. Begriffsabgrenzung
2.1. Direktinvestitionen
2.2. Entwicklungsland

3. Politisches Umfeld

4. Wirtschaftliche Standortbedingungen
4.1. Geographische Lage
4.2. Natürliche Ressourcen
4.3. Wirtschaftliche Rahmendaten
4.3.1. Wirtschaftliche Beziehungen mit Österreich
4.3.2. Arbeitskosten und Produktivität
4.3.2.1. Gehälter und Löhne
4.3.2.2. Lohnst-ckkosten
4.3.2.3. Produktivität
4.3.3. Stabilität
4.3.3.1. Preisniveau und Inflation
4.3.3.2. Wechselkurs und Währung
4.4. Materielle und immaterielle Infrastruktur
4.4.1. Finanzsektor
4.4.1.1. Bankensystem
4.4.1.2. Börse
4.4.2. Infrastruktur
4.5. Konkurrenzländer

5. Soziale Rahmenbedingungen
5.1. Arbeitslosigkeit
5.2. Kriminalität

6. Rahmenbedingung für Direktinvestitionen in Südafrika
6.1. Unternehmensformen in Südafrika
6.1.1. Private Companies
6.1.2. Public Companies
6.1.3. Close Corporations
6.1.4. Vergleich zwischen s-dafrikanischen und österreichischen Gesellschaftsformen
6.2. Investitionsförderungen
6.2.1. Finanzierungsprogramme für Industrien
6.2.1.1. Industrial Development Corporation (IDC)
6.2.1.2. SBDC und Khula
6.2.1.3. Investment South Africa
6.2.2. Förderprogramm für Klein- und Mittelbetriebe
6.2.3. Steuerliche Erleichterungen
6.2.3.1. Tax Holiday (Steuerbefreiung)
6.2.3.2. Erhöhte Abschreibungsmöglichkeit
6.2.3.3. Doppelbesteuerungsabkommen
6.3. Schutz geistigen Eigentums
6.3.1. Patente
6.3.2. Trade Mark
6.3.3. Design
6.3.4. Copyright
6.4. Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen
6.4.1. Regierungspolitik
6.4.2. Ansuchen um Arbeitserlaubnis
6.4.3. Besonderheiten bei Firmengründung
6.5. Arbeitsgesetze
6.5.1. Labour Relations Act
6.5.2. Basic Conditions of Employment Act
6.5.3. Employment Equity Act
6.5.4. Skills Development Bill
6.5.5. Gewerkschaften
6.5.6. Auswirkungen der neuen Arbeitsgesetze auf die Unternehmen

7. Chancen und Risiken für Unternehmen
7.1. Länderrisiko
7.2. Internationale Wettbewerbsfähigkeit von Südafrika
7.3. Erfolgsversprechende Wirtschaftszweige

8. Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1.Einführung

Die Wirtschaft Südafrikas ist geprägt von ausländischen Investoren. Ebenso haben sich bereits einige österreichische Unternehmen auf dem s-dafrikanischen Markt etabliert. Während der Apartheid-Ära waren viele Wirtschaftsbereiche stark gesch-tzt. Durch die gegenüber Südafrika vehängten Sanktionen war das Land von der Weltwirtschaft teilweise abgeschirmt.

Die Abschaffung der Apartheid war eine entscheidende Wende in der wirtschaftlichen Situation Südafrikas. Das Land wird nun verstärkt in die Weltwirtschaft integriert. Für den wirtschaftlichen Aufschwung und auch für die Schaffung von Arbeitsplätzen benötigt die Republik am Kap ausländische Direktinvestitionen. Die Regierung wirbt daher um die Ansiedelung von neuen Betrieben.

Im Rahmen der Internationalisierung ist Südafrika ein interessanter Markt. Das Land wird oft in Erwägung gezogen, um auf dem afrikanischen Kontinent präsent zu sein. In der vorliegenden Arbeit wird einerseits auf die Chancen eingegangen, die der Standort Südafrika bietet. Andererseits werden die Risiken analysiert, die mit einer Direktinvestition verbunden sind. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt dabei bei der wirtschaftlichen Situation sowie bei den Rahmenbedingungen für die Unternehmensgründung.

Als Basis für die Untersuchung dienten die Gespräche mit Geschäftsführern von österreichischen Niederlassungen in Südafrika während meines zweimonatigen Praktikums bei der Außenhandelsstelle der österreichischen Wirtschaftskammer in Johannesburg. Ziel der Diplomarbeit ist es, Unternehmen, die eine Niederlassung in Südafrika in Erwägung ziehen, bei ihrer Entscheidung zu unterst-tzen.

2.Begriffsabgrenzung

"Definitions are not right or wrong, just more or less useful."

Buckley P.

Im Hinblick auf die Globalisierung wird es für Unternehmen immer wichtiger, auch auf ausländischen Märkten präsent zu sein. War früher der Außenhandel die häufigste Form zur Bearbeitung von Auslandsmärkten, so entstanden mit Voranschreiten der Internationalisierung zahlreiche neue Formen der Auslandstätigkeit. Eine Übersicht über verschiedene Stufen der Internationalisierung und deren Auswirkung auf den Kapitaleinsatz und die Managementleistung des Gast- und Stammlandes zeigt nachstehende Abbildung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Stufen der Internationalisierung

Quelle: Menck, 1997

Vor allem die Direktinvestitionen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Dies gilt nicht nur aus internationaler Sicht, sondern im speziellen auch für Österreich. Immer häufiger werden Exporttätigkeiten durch eigene Produktions- und/oder Verkaufsniederlassungen im Ausland ergänzt bzw. ersetzt.

Da bei Direktinvestitionen im Gegensatz zu den anderen Formen die Leistungserstellung im Ausland erfolgt, verändern sie auch das Chancen- und Risikoprofil einer Unternehmung viel nachhaltiger. Grundsätzlich kann man folgenden Zusammenhang feststellen: Je höher der Grad der Internationalisierung, desto größer sind der Kapitaleinsatz, die Kosten und somit das Risiko. Gleichzeitig werden dadurch auch der Managementeinfluss und die Chancen erhöht. Das traditionelle Stufenmodell besagt, dass man den ausländischen Markt Schritt für Schritt bearbeiten soll. Ohmae (1985) kritisiert jedoch dieses Phasenmodell. Seiner Meinung nach müßten die Unternehmen ihre Produkte gleichzeitig im Inland als auch auf dem ausländischen Markt einführen. Nur so könnten sie den notwendigen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz herausholen. Würden die Unternehmen warten bis sie sich auf dem heimischen Markt etabliert haben, würden sie kostbare Zeit verlieren. Ohmae bezeichnet diese Unternehmen, die in der Lage sind, Produkte simultan im In- und Ausland einzuführen "Triade-Unternehmen". Charakteristisch für Triade-Unternehmen sind gut eingespielte, stabile F-hrungssysteme, ein mit lokalen und regionalen Kunden und Konkurrenten gut vertrautes Management, Kontinuität in der Unternehmensführung, schnelle und autonome Entscheidungsfindung, großes Stehvermögen und Flexibilität bei geänderten Rahmenbedingungen und aktive Kommunikation zwischen Tochtergesellschaften und Zentrale.

Für eine erfolgreiche Internationalisierung ist somit eine Analyse der Unternehmung wesentlich. Sie versucht die Stärken und Schwächen der Unternehmung aufzudecken. Ergänzend dazu muß auch eine Umweltanalyse durchgeführt werden. Untersucht werden dabei die Konsequenzen, die sich für die eigene Unternehmung aus aktuellen oder prognostizierten Entwicklungen in der makroökonomischen, technologischen, politischen und sozio-kulturellen Umwelt ergeben können. Folglich dient die Umweltanalyse dem Erkennen von Chancen und Risiken. (vgl. Zinser & Roth, 1994) In meiner Diplomarbeit werde ich diese Faktoren, die für die Umweltanalyse in Südafrika relevant sind, untersuchen.

2.1. Direktinvestitionen

Als ausländische Direktinvestitionen bezeichnet man laut internationalem Währungsfonds (IWF) und der Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) Kapitalanlagen, mit denen ein Tochterunternehmen im Ausland in der Absicht, auf das Management der betreffenden Firma wirtschaftliche Kontrolle auszuüben, gegründet oder ausgeweitet wird. Neben dem Kapitaltransfer sind Direktinvestitionen im Ausland häufig mit dem Transfer von Kontrollrechten, Organisationsstrukturen und Know-how verbunden. (vgl. IWF, 1993; OECD, 1996)

Eine besondere Bedeutung hat die Definition von Direktinvestitionen für Institute, die für die statistische Erhebung dieser Daten zuständig ist. Meist sind die zentralen Notenbanken damit betraut. Die österreichische Nationalbank (OeNB) hält sich bei der Begriffsabgrenzung stark an die Definition des Internationalen Währungsfonds. So werden Direktinvestitionen als "Kapitalanlagen, die Inländer in der Absicht vornehmen, mit einem ausländischen Unternehmen dauernde Wirtschaftsbe-ziehungen herzustellen und aufrechtzuerhalten, wobei gleichzeitig die Absicht besteht, auf das Management dieser Firma einen spürbaren Einfluss auszuüben", definiert. (OeNB, 1994) Diese Festlegung des Begriffes Direktinvestitionen der österreichischen Nationalbank gilt auf österreichischer Ebene.

Es lassen sich somit drei wesentliche Merkmale für ausländische Direktinvestitionen festhalten, die eine Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen ermöglichen: (vgl. Ebner, 1997; Ortmanns, 1992)

- Managementeinfluss
Der unmittelbare Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des kapitalnehmenden Unternehmens ist das wichtigste Kriterium hinsichtlich der Abgrenzung zu Portfolioinvestitionen. Bei Portfolioinvestitionen -bt der Investor nämlich keine Managementkontrolle aus.

Das Ausmaß des Managementeinflusses wird jedoch nicht nur qualitativ festgelegt, sondern auch quantitativ. Die OeNB sowie der IWF haben als Untergrenze für Direktinvestitionen eine Beteiligung von 10 % am Kapital- bzw. Stimmrecht des betreffenden Unternehmens bestimmt

- Fristigkeit
Im Gegensatz zu Portfolioinvestitionen, die meist kurzfristig angelegt werden, ist eine Direktinvestion ein langfristiger Kapitaleinsatz im Ausland. Darüber hinaus unterscheidet sich auch der Zeitpunkt der Gewinnerzielung bei diesen beiden Investitionsformen: Bei Direktinvestitionen tritt dieser in der Regel erst später ein.

- Ertragsmotiv
Die Absicht, aus der getätigten Investition Erträge zu erzielen, ist grundsätzlich sowohl bei Direktinvestitionen als auch bei Portfolioinvestitionen gegeben. Es steht jedoch bei letzterem der kurzfristige Gewinn im Vordergrund.

Je nach geographischem Standpunkt des Betrachters werden grenzüberschreitende Direktinvestitionen in aktive und passive unterteilt. Aktive Direktinvestitionen sind somit jene, die vom Heimatland ins Ausland getätigt werden und vice versa. (vgl. Ebner, 1994) Wie schon aus dem Titel hervorgeht, werde ich bei meiner Diplomarbeit auf die aktiven Direktinvestitionen von österreichischen Unternehmen in Südafrika eingehen.

2.2. Entwicklungsland

Bei der Untersuchung der Chancen und Risiken von Direktinvestitionen in Südafrika stellt sich die Frage, ob das Land zu den Entwicklungsländern gezählt wird. Investitionen in Entwicklungsländern sind bekanntlich mit höheren Risiken verbunden. Außerdem sind für die Investitionsentscheidung in Entwicklungsländern oft andere Faktoren ausschlaggebend als für Investitionen in einem Industrieland.

Entwicklungsländer befinden sich in der Regel in einer Evolutionsphase von instabilen, überregulierten in vergleichsweise stabile und wettbewerbsintensive Verkehrswirtschaften. Kennzeichnend für Entwicklungsländer sind gesamtwirt­schaftliche Störungen wie Inflation, Arbeitslosigkeit, Zahlungsbilanzkrisen, Wachstumsschwäche, die eine optimale Allokation der Ressourcen behindern. Meist erschweren zusätzlich Marktzutrittsbeschränkungen, Preisverzerrungen und Mobilitätshemmnisse das Erreichen von befriedigenden Marktergebnissen. Nicht selten zieht dies gesamtwirtschaftliche Konsequenzen nach sich. Zahlungsbilanzkrisen können spekulative Attacken gegen die vorhandenen Währungsreserven aufgrund der unrealistischen Wechselkurse in Verbindung mit der laxen Fiskalpolitik auslösen. Als Folge davon werden kontinuierliche ausländische Engagements in Form von Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen beträchtlich gestört. Dies trägt sowohl zu einer Wachstumsschwäche als auch zu einer Protektion im Außenhandel bei. (vgl. Sell, 1996)

Um Entwicklungsländer anhand von wirtschaftlichen Indikatoren zu definieren, werden in der Literatur folgende teilweise voneinander abhängige Strukturmerkmale für Unterentwicklung herangezogen: niedriges Pro-Kopf-Einkommen, geringe Spar- und Investitionstätigkeit, geringe Kapitalintensität und geringe Arbeitsproduktivität, niedriger technischer Ausbildungsstand sowie fehlendes Know-how in Technik und Management, Dominanz des Primärsektors in der Produktionsstruktur, sowie eine mangelnde und nicht ausreichende Infrastruktur. (vgl. Wagner, 1997)

In der Praxis werden die Entwicklungsländer häufig nur auf der Grundlage ihres Pro-Kopf-Einkommens eingeteilt. Zieht man die Einteilung des entwicklungspolitischen Ausschusses (Development Assistance Committee oder DAC) der OECD heran, so gehören alle Länder in Afrika zu den Entwicklungsländern, außer Südafrika. (vgl. OECD, 1991) Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch die Vereinten Nationen. Sie unterteilen die Welt in drei Klassen. Südafrika gehört hier zu den Ländern der ersten Welt, also den westlichen Industriestaaten. (vgl. Wagner, 1997)

Im Gegensatz dazu wird im Jahrbuch der Dritten Welt Südafrika grundsätzlich zu den Entwicklungsländern gezählt. Inzwischen wird es aber als angehendes Schwellenland bezeichnet. In diese Kategorie fallen auch die lateinamerikanischen Länder, die ebenfalls einen hohen Anteil von Rohstoffproduktion und einen noch relativ niedrigen Industrialisierungsgrad aufweisen. (vgl. Kappel, 1998)

Die eindeutige Zuordnung ob Südafrika din Entwicklungs- oder Industrieland ist, kann aufgrund von unterschiedlichen Definitionen und Ansichten nur schwer erfolgen. Am sinnvollsten erscheint die Auffassung, dass Südafrika ökonomisch und sozial in zwei Sektoren zerfällt: Während die weiße Bevölkerung weitgehend unter den Bedingungen westlicher Industriegesellschaften lebt, lebt ein Großteil der schwarzen Bevölkerungen unter Bedingungen der Dritten Welt. Ihr Lebensstandard ist teilweise mit jenem von Malawi oder Mocambique, der derzeit ärmsten Länder der Welt, zu vergleichen. (vgl. Ropp, 1996)

3 Politisches Umfeld

"The most important way to attract foreign investment

is to create a stable and democratic political environment.

Also important is the development of legitimate, transparent

and consistent economic policies."

Mandela, N.

Unternehmensbefragungen in den USA haben gezeigt, dass bei der Entscheidung über die Vornahme von Auslandsinvestitionen zwei Kriterien an vorderster Stelle stehen:

- das Marktpotential
- die politische Stabilität bzw. das Investitionsklima sowie

des ins Auge gefaßten Standortes. Bemerkenswert ist, dass bei Investitionen in Entwicklungsländern die politische Stabilität wesentlich bedeutender ist, als in Industrieländern. (vgl. Juhl, 1982)

In die Investitionsentscheidung fließt daher auch die politische Situation des Landes ein. Gerade in Südafrika hat sich das politische Umfeld in den letzten Jahren stark geändert. Der 27. April 1994 ging als Höhepunkt des Demokratisierungsprozesses in die Geschichte Südafrikas ein. Es war das erste Mal, dass schwarze und weiße Südafrikaner gemeinsam zur Wahl gingen. Der Reformprozeß begann in den 90er Jahren und wurde durch den Machtwechsel von Pieter W. Botha zu Frederik W. de Klerk verstärkt. De Klerk erklärte die Apartheid für beendet, schaffte die diskriminierenden Gesetze ab, legalisierte die Apartheid-Opposition und entließ Nelson Mandela aus der 27-jährigen Einzelhaft. Die Ursachen für den Wandel sind auf innere und äußere Faktoren zurückzuführen. Einerseits trugen die F-hrungsqualität de Klerks, die schlechten ökonomischen Perspektiven des Apartheid-Systems und der zunehmende innenpolitische Widerstand zur Reformbereitschaft Südafrikas bei. Andererseits beeinflussten insbesondere die weltpolitischen Veränderungen das politischen Verhalten Südafrikas.

Manche inländischen und ausländischen Unternehmen haben sicherlich von den ökonomischen Rahmenbedingungen der Apartheid profitiert. Vor allem multinationale Unternehmen haben aber andererseits auch den Wandlungsprozess gefördert. Sie haben durch Aus- und Fortbildungsprogramme Maßstäbe für die nationalen Unternehmen gesetzt. Dadurch stieg das allgemeine Qualifikations- und Anspruchsniveau der mehrheitlich schwarzen Belegschaft. Die schwarze Arbeiterschaft bekam mehr Selbstbewußtsein und wurde zu einem der Impulsgeber und Träger für weitergehende Veränderungen in Südafrika.

Die Wirtschaft setzte sich immer mehr für die Abschaffung der Apartheid und den Aufbau eines "neuen Südafrikas" ein. Eine Untersuchung der unternehmerischen Motive verweist dabei hauptsächlich auf zwei Faktoren: Auf der einen Seite handelte es sich um eine erhöhte gesellschaftspolitische Sensibilisierung innerhalb des Managements. Auf der anderen Seite ging es um rein wirtschaftliche Überlegungen. Die Standortattraktivität Südafrikas wurde durch die zunehmende politische Instabilität, die wirtschaftliche Strukturkrise und die anhaltenden Dysfunktionalitäten der Apartheid, wie Facharbeitermange, Kaufkraftmangel, Enge des Binnenmarktes und internationale Isolation merklich geschwächt. (vgl. Cron, 1997)

Für die Regierung wurden die zahlreichen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Rassentrennung auch immer schwieriger zu finanzieren. All diese Umstände und Veränderungen führten zur Abschaffung der Apartheidpolitik und zu einer neuen wirtschaftspolitischen Ausrichtung des Landes. Nach den ersten demokratischen Wahlen legte die Regierung ein nationales Umbau- und Entwicklungsprogramm, das Reconstruction and Development Programme (RDP) fest. Es wird oft als Mashall Plan für das "neue Südafrika" bezeichnet und ist Teil der makroökonomischen Regierungsstrategie Growth, Employment and Redistribution (GEAR). Während das Ziel des RDP der Abbau von sozialen Ungleichheiten im Land und die Verbesserung des Lebensstandards aller Südafrikaner ist, konzentriert sich GEAR auf die wirtschaftlichen Faktoren. So sollen unter anderem neue Jobs geschaffen, die Inflation eingedämmt, das Budgetdefizit reduziert, die privatwirtschaftlichen Investitionen erhöht und das reale Wirtschaftswachstum angekurbelt werden. (vgl. Südafrikanische Botschaft, 1998b). Nelson Mandela, der erste schwarze Präsident, konnte während seiner fünfjährigen Amtsperiode nur teilweise diesen Zielen näher kommen. In manchen Bereichen, wie zum Beispiel bei der Beschäftigungsrate, hat sich die Situation jedoch verschlechtert. "Die Aufgabe, ein System umzukehren, das jahrhundertelang auf die Interessen einer Minderheit ausgerichtet war, hat sich als schwieriger und langwieriger erwiesen, als sich Mandela und seine Mitstreiter es sich vorgestellt hatten." (Der Spiegel, 1999, S. 36) Es wird sich nun herausstellen, ob es seinem Nachfolger, Thabo Mbeki (ANC), gelingen wird, Südafrika den erwarteten sozialen und wirtschaftlichen Aufschwung zu bringen.

4. Wirtschaftliche Standortbedingungen

4.1. Geographische Lage

Die Republik Südafrika liegt an der S-dspitze des afrikanischen Kontinents. Im Norden grenzt sie an Namibia, Botswana, Simbabwe, Mocambique und Swasiland. Im S-dosten liegt das Königreich Lesotho, das völlig vom s-dafrikanischen Territorium eingeschlossen ist. Die Staatsfläche umfaßt rund 1,22 Millionen Quadratkilometer und ist somit größer als Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Holland zusammen. Südafrika hat gleich drei Hauptstädte was für europäische Verhältnisse ungewöhnlich ist: Pretoria ist die administrative, Cape Town die legislative und Bloemfontein die judikative Hauptstadt. (vgl. South Africa at a Glance, 1999) Die Regierung wechselt halbjährlich zwischen Cape Town und Pretoria. Aufgrund der hohen Kosten die dadurch entstehen, gibt es nun Bestrebungen, den Regierungssitz auf eine Stadt zu beschränken. Eine Einigung konnte jedoch einstweilen noch nicht gefunden werden.

Abbildung 2: Geographische Lage Südafrikas und der Provinzen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Financial Times, 1999

Gemäß der neuen Verfassung ist die Republik Südafrika in neun Provinzen eingeteilt: Eastern Cape, Free State, Gauteng, KwaZulu-Natal, Mpumalanga, North West, Northern Cape, Northern Province und Western Cape. Da die Provinzen nur eine beschränkte Macht besitzen, sind sie finanziell stark von der nationalen Regierung abhängig. Verstärkt versuchen nun die Regierungen der Provinzen Investoren anzuziehen. Sie haben unabhängige Organisationen gegründet, die Unternehmen bei ihren Investitionsvorhaben beraten und unterst-tzen.

Die Provinzen sind hinsichtlich Größe, Bevölkerung und Reichtum sehr unterschiedlich. Die wirtschaftlich wichtigste Region ist Gauteng. Es ist zwar die kleinste Provinz, erwirtschaftet jedoch das höchste BIP. Die flächenmäßig größte Region ist Northern Cape, die aber die geringste Bevölkerung aufweist. Die bevölkerungsstärkste Provinz ist KwaZulu-Natal. Die Region ist -brigens die einzige, die noch auf keine permanente Hauptstadt festgelegt hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Vergleich der 9 Provinzen bezüglich Bevölkerung,Fläche und BIP

Quelle: Südafrikanische Botschaft, 1997

Die wichtigsten Provinzen für die Industrie sind Gauteng, Western Cape, KwaZulu-Natal und Eastern Cape, auf deren wirtschaftliche Situation im folgenden kurz eingegangen wird.

Gauteng

Der Großraum Johannesburg ist das industrielle und finanzielle Zentrum Südafrikas. Die meisten Unternehmen haben dort ihre Hauptniederlassung. So sind auch fast alle österreichischen Niederlassungen in dieser Region angesiedelt. Gauteng weist die höchste Urbanisierungsrate auf. Nur rund 6 % der Bevölkerung leben auf dem Land. (vgl. Statistics South Africa, 1998). Aufgrund des wirtschaftlichen Reichtums der Region kommen viele Leute, die auf der Suche nach Arbeit sind her. Die Arbeitslosenrate ist zwar die zweitniedrigste, aber trotzdem – gerade unter den Schwarzen – hoch. Im Vergleich zu den anderen Provinzen hat Gauteng den höchsten Anteil an der weißen Bevölkerung. Zahlreiche Europäer leben im Großraum Johannesburg.

Johannesburg ist eine junge Stadt. Sie wurde erst 1886 gegründet, als man am Witwatersrand Gold fand. Der Reichtum zog innerhalb k-rzester Zeit viele Leute – ein Großteil von ihnen war aus Übersee – an. Es entstand in der Folge am Witwatersrand, dem heutigen Gauteng, das neue Wirtschaftszentrum Südafrikas, das es bis heute geblieben ist. (vgl. Cron, 1997)

Western Cape

Die s-dwestlichste Provinz ist vorwiegend aufgrund ihrer faszinierenden Landschaft und der geschichtsträchtigen Plätze bekannt. Das Gebiet rund um Cape Town ist nicht nur ein begehrtes Urlaubsziel, sondern zieht als Wohngebiet auch viele Südafrikaner an. Trotz der hohen Anzahl an Zuwanderern aus anderen Regionen, konnte die Provinz eine wirtschaftliche Zuwachsrate von rund 4,2 % in den Jahren 1997 und 1998 verzeichnen. (vgl. South Africa at a Glance, 1999) In Cape Town sind viele Ölgesellschaften, Versicherungen und Handelsunternehmen angesiedelt. Die wichtigsten Industriezweige sind Landwirtschaft, Fischerei, Forstwirtschaft, die Textilbranche, Verlagswesen und Druckereien. (vgl. Südafrikanische Botschaft, 1997) Durch die günstigen Klimabedingungen ist der Obstanbau ein wichtiger Teil der Landwirtschaft. Es wurde die Marke "cape" eingeführt, die für die erstklassige Qualität des Obstes vom Kap steht.

KwaZulu-Natal

Die Provinz zeichnet sich durch ihre gute Verkehrslage aus, die es ermöglicht, nationale und internationale Märkte zu beliefern. Wichtig dabei sind die zwei Häfen Durban und Richards Bay, die zu den größten und bedeutendsten Häfen Afrikas gehören. Neben Pietermaritzburg spielt Durban, die zweitgrößte Stadt Südafrikas, eine wichtige Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung von KwaZulu-Natal. In den letzten Jahren gelang es der Region mehrere Direktinvestitionen anzuziehen. Investitionen wurden vorwiegend in der chemischen, Textil- und Kleidungsindustrie getätigt. (vgl. Investment South Africa, 1999)

Eastern Cape

Die Region ist ein wichtiger Standort für die Automobilindustrie. Vor allem in Port Elizabeth, wo sich der Hafen befindet, verzeichnet man eine Expansion in diesem Sektor. Weiters bietet die Region Potentiale in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Textilindustrie. In der Provinz befinden sich die zwei ehemaligen Townships Transkei und Ciskei. Der Anteil der Xhosa an der Bevölkerung ist daher relativ hoch. (vgl. South Africa at a Glance, 1999; Investment South Africa, 1999)

4.2. Natürliche Ressourcen

Südafrika verf-gt über einen großen und vielfältigen Reichtum an Bodenschätze. Sowohl bei der Produktion als auch bei den Reserven liegt es bei vielen mineralischen Rohstoffen weltweit im Spitzenfeld: Bei Aluminiumsilikaten, Chrom, Metalle der Platingruppe, Vanadium und Gold ist es auf Platz eins hinsichtlich des Anteils an der Weltproduktion und den Weltreserven. Es ist somit führender Lieferant seltener und für die industrielle Fertigung unentbehrlicher Metalle.

Die Diamantenfunde im Jahr 1867 veränderten die wirtschaftliche Lage Südafrika entscheidend. Die tiefe Rezession wurde beendet. Diese war hauptsächlich durch das Ausbleiben der Schiffe entstanden, als sie nach der Öffnung des Suezkanals auf dem Weg nach Asien die neue Route wählten. Außerdem war Südafrika bis dahin ein uninteressantes Gebiet für ausländische Investoren. Die wichtigsten Exportprodukte bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich Wein und Wolle. Erst die Diamantenfunde weckten das Interesse bei den Briten. Nicht zu unrecht, da sich bald herausstellte, dass die Diamantenstätten in der Gegend des heutigen Kimberley, die weltweit reichsten sind. Südafrika besaß somit ein bedeutendes Exportprodukt, das langfristig hohe Einnahmen sichern konnte. (vgl. Cron, 1997)

Heute liegt Südafrika im internationalen Vergleich an 5. Stelle der Diamantenproduktion. Ein wesentlicher Anteil der Diamanten sind von hoher Qualität und werden für Schmuck verwendet. Die ertragreichste Diamantenmine ist in Cullinan bei Pretoria. (vgl. South African Yearbook, 1998) Sie ist nicht nur flächenmäßig die größte, sondern in ihr wurde auch der größte Rohdiamant der Welt gefunden.

Der Rohdiamantenmarkt wird von der De-Beers-Gruppe kontrolliert. Da mittlerweilen alle größeren Diamantenproduzenten dieser zentralen Verkaufsorganisation beigetreten sind, werden rund 95 % des Weltmarktes an Rohdiamanten über sie abgesetzt. Durch die Monopolstellung kann sie die Abnahmekontingente für die einzelnen Länder festlegen und folglich die Preise regulieren und stabilisieren. (vgl. Halbach, 1992)

Noch bedeutender als die Diamantenfunde waren die Goldvorkommen für die s-dafrikanische Wirtschaft. Viel Kapital das aus dem Diamantenabbau erwirtschaftet wurde floss in die Investitionen für den Goldbergbau. Gold war bald das wichtigste Exportprodukt, gefolgt von den Diamanten. Seit Beginn des Untertagebau ist Südafrikas eines der wichtigsten Bergbaugebiete der Welt. (vgl. Cron, 1997) Die Goldfelder liegen vorwiegend in Gauteng, in North West, Mpumalanga und Free State. Im letzten Jahrzehnt wurde in Südafrika 29 % des gesamten Goldes der Welt abgebaut. Die Produktion ist jedoch r-ckläufig: Im Jahr 1992 wurden noch 613 Tonnen abgebaut, 1997 nur mehr rund 493 Tonnen. (vgl. South African Yearbook, 1998)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Goldproduktion in Südafrika, 1985-1997

Quelle: Menck, 1994; Directorate Minerals Bureau, In: South African Yearbook, 1998

Da die Produktion und der Goldpreis zurückgeht, fällt auch der Anteil des Goldes am Export. 1980 machte Gold noch die Hälfte des Wertes der Exporte aus. Bis 1998 fiel dieser Anteil auf lediglich 16 %. (vgl. Financial Times, 1999) Der Goldbergbau ist derzeit nicht mehr so rentabel wie früher. Ein Teil des Goldes wird sogar mit Verlust abgebaut. Der Grund dafür liegt bei den Förderkosten und beim Goldpreis. Da sich die Lagerstätten allmählich erschöpfen, sinkt der Goldgehalt des Fördervolumens und infolgedessen steigen die Förderkosten rapide an. Es wurden Lohnforderungen der Gewerkschaft durchgesetzt. In einem arbeitsintensiven Sektor, zu dem auch der Bergbau zählt, wirken sich steigende Löhne natürlich dementsprechend stark auf die Produktivität aus. Der Goldpreis sank auch aufgrund der steigenden Goldproduktion anderer Länder und der Goldverkäufe von Zentralbanken. 1992 wurde von den Nationalbanken sogar so viel Gold verkauft, wie Südafrika in einem Jahr produziert. Dies verursachte einen enormen Preissturz nach dem Rekordpreis von 843 US$ je Feinunze im Jahr 1980. (vgl. Menck, 1994) Der Preisverfalles des Goldes ist auch auf das Vorhaben des Internationalen Währungsfonds zurückzuführen. Er beabsichtigt 811 Tonnen seiner Reserven zu verkaufen. Sogar die Schweiz möchte die Hälfte ihrer Reserven auf den Markt bringen. Es zeigt sich also immer mehr der Trend, dass Gold nicht mehr so sehr als Anlageform für Reserven und Investitionen gilt. Südafrika muß sich deshalb langfristig gesehen an einen niedrigeren Goldpreis anpassen, der wahrscheinlich in der Nähe des derzeitigen Schwellenpreises von 265 US$ pro Feinunze liegen wird. Einige Minen haben bereits angek-ndigt, dass sie die Produktion trotz dieses niedrigen Preises fortsetzten werden können. Möglich wird es jedoch nur sein bei einer geringeren Zahl von Arbeitskräften, die dafür aber bessere Qualifikationen vorweisen. Darüber hinaus m-ssen die Lohnerhöhungen eingeschränkt werden. (vgl. Financial Times, 1999)

Österreichische Unternehmen profitieren aus dem Bergbauaktivitäten. Heraklith hat im Bergbausektor eine Marktl-cke erkannt. Speziell für den Goldminenbergbau in Südafrika wurde ein Produkt entwickelt, das die Mauern in den Schächten stützt und den Druck abfängt. Nach zwei Jahre Forschung in Österreich konnte Herapak™ erfolgreich in den Goldminen in Südafrika eingesetzt werden. Mit der Errichtung des Werkes wurde im März 1998 begonnen. Ein Jahr später, im September 1999 wurde der volle Produktionsumfang erreicht. Die Nachfrage an Herapak™ ist groß. Heraklith South Africa hat nicht viele Abnehmer, aber dafür ein hohes Absatzvolumen pro Mine. Da in Südafrika der größte Goldbergbau betrieben wird, beabsichtigt Heraklith hier noch weitere Werke zu errichten. Herr DI Ingram Eusch plant einen Exklusivvertrag mit einer Mine abzuschließen und dann das Werk direkt bei der Mine zu errichten. (vgl. Gespräch mit DI Ingram Eusch, Heraklith, 22.6.1999; Media Release Heraklith South Africa, 1999)

Laut einer Untersuchung der Industrial Development Corporation hat Südafrika einen Wettbewerbsvorteil bei der Verarbeitung von mineralischen Rohstoffen. Als Gründe führt sie die ausgezeichnete Infrastruktur, die technologischen Bedingungen, die Erfahrungen der Unternehmer und nicht zu vergessen die niedrigen Strompreise an. Die Elektrizität wird vorwiegend aus den Kohlevorräten gewonnen. (vgl. IDC, 1997) Südafrika ist hinter der VR China, den USA und der GUS der viertgrößte Kohleproduzent der Welt. Im Vergleich mit den afrikanischen Ländern liegt es sogar an der absoluten Spitze: Die Kaprepublik fördert nämlich 98 % der auf dem Kontinent produzierten Kohle. Rund ein Drittel der Kohle wird exportiert. So ist Südafrika beispielsweise der wichtigste Importpartner bei Kohle für die Bundesrepublik Deutschland. Während der Zeit der Sanktionen mußte Südafrika allerdings Exporteinbußen hinnehmen. Vor allem durch die Einstellung der Kohleausfuhren in die afrikanischen Länder gingen die Exporte stark zurück. Die Nutznieser aus dem Boykott waren Australien, die USA und die VR China, die nun diese Länder belieferten. Für Südafrika wird es schwierig werden, diese verlorenen Märkte zurückzugewinnen. Eine zusätzliche Verschärfung der Situation bewirkt einerseits die Öffnung Osteuropas. Andererseits haben Mitte der 80er Jahre Länder wie Kolumbien oder Venezuela begonnen, Kohle zu exportieren. Durch diese neuen Kohleexporteure wird es sicherlich zu einer Verschärfung des Wettbewerbs kommen und damit für Südafrika noch schwieriger werden, das Ausmaß der früheren Ausfuhren wieder zu erreichen. (vgl. Menck, 1994)

Positiven Entwicklungen blickt Südafrika bei der Produktion von den Metallen der Platingruppe entgegen. Der Abnehmer von Platin, Palladium und Rhodium ist vorwiegend die Autoindustrie, da diese Metalle für die Herstellung von Abgaskatalysatoren benötigt werden. Platin wird darüber hinaus in der Schmuck-, Elektronikindustrie und der chemischen Industrie verwendet. Die weltweite Nachfrage nach Platin ist nicht zuletzt aufgrund der strengeren Umweltschutzbestimmungen steigend. Aus diesem Grund beabsichtigen die s-dafrikanischen Hersteller, die Produktionskapazitäten von Platin auszuweiten. (vgl. Menck, 1994)

Neben den mineralischen Rohstoffen sind die landwirtschaftlichen Produkte wichtige Exportg-ter. Mit einem Anteil von rund 30 % liegen sie hinter dem Bergbau an zweiter Stelle. (vgl. Menck, 1994) Trotzdem ist der Beitrag der Agrarprodukte zum Bruttoinlandsproduktes relativ gering. Im Jahr 1995/1996 wurden etwa 5,2 % des BIP im Agrarsektor erwirtschaftet. Es war dies ein leichter Anstieg im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren, in denen der landwirtschaftliche Ertrag wegen der geringen Niederschläge zurückging. Das derzeitge Wachstum ist vor allem auf die Maisernte, die sich mehr als verdoppelte, zurückzuführen. Mais ist -brigens das bedeutendste landwirtschaftliche Exportprodukt von Südafrika. An zweiter Stelle liegt Wolle. Wertmäßig erzielt Südafrika das meiste Einkommen mit Gefl-gel und Eiern, gefolgt von Mais, Rindern und Gem-se. In den vergangen Jahren haben neben Gefl-gel und Eiern, Obst und subtropische Fr-chte an Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz dazu ging der Ackerbau zurück. Bekannt ist Südafrika auch durch seine Weine, die vorwiegend am Kap angebaut werden. Das Land produziert 3,5 % der gesamten Weinherstellung der Welt. (vgl. South Africa at a Glance, 1999)

Südafrika ist nicht nur für Länder in Übersee ein wichtiger Lieferant von Wolle, zahlreichen Obstsorten (vorwiegend Zitrusfr-chte und Weintrauben), Zuckerrohr und Wein, sondern versorgt vor allem auch die afrikanischen Länder mit landwirtschaftlichen Produkten. Länder, die unter Nahrungsmittelknappheit leiden, werden von Südafrika mit Getreide beliefert. Beim Vergleich der Agrarproduktion Südafrikas mit den Ländern des s-dlichen Afrikas wird die Bedeutung der Kaprepublik besonders deutlich: Die Republik am Kap erzeugt in normalen Jahren etwa 60 % des Getreides und der Frischmilch im s-dlichen Afrika, 64 % des Zuckerrohrs, 68 % des Obstes, 70 % des Rind- und Lammfleisches, der Eier und des Gem-ses sowie 83 % von Mohair und anderer Wolle. (vgl. Menck, 1994)

Wie in den anderen afrikanischen Ländern, ist auch in Südafrika eine große Kluft zwischen den Farmen: Einerseits gibt es die Farmer, die für den Markt produzieren – vorwiegend sind dies die Weißen -, andererseits betreiben rund 500 000 vorwiegend Schwarze eine Subsistenzlandwirtschaft. Es entsteht somit eine dualistische Struktur geprägt von starken Unterschieden beim Mechanisierungsgrad und beim landwirtschaftlichen Mitteleinsatz. Den Großteil der landwirtschaftlich Erwerbstätigen machen somit zwar die schwarzen Kleinbauern aus, denen es aber aufgrund des beschränkten Zugangs zu modernen Produktionsverfahren und Kunstd-ngern unmöglich ist, die Erträge der Weißen zu erreichen. Daraus resultiert, dass nur 1 % der Farmer (hauptsächlich Weiße), rund 40 % der gesamten landwirtschaftlichen Einkünfte erwirtschaftet. (vgl. Menck, 1994)

4.3.Wirtschaftliche Rahmendaten

Südafrika ist wirtschaftlich mit Abstand das stärkste Land im s-dlichen Afrika. Deutlich wird dies beim Bruttoinlandsprodukt: Die Republik Südafrika erwirtschaftet rund 70 % des gesamten BIP der Southern African Development Community (SADC). Ein Fünftel der Bevölkerung der SADC erwirtschaftet somit fast drei Viertel des Bruttoinlandsproduktes dieser Entwicklungsgemeinschaft. Das bevölkerungs­stärkste Land ist der Kongo. Auf ihn entfallen jedoch nur etwa 3 % des BIP.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: BIP und Bevölkerung der SADC

Quelle: Financial Mail, 1999c

4.3.1. Wirtschaftliche Beziehungen mit Österreich

Südafrika war für österreichische Investoren schon immer eines der attraktivsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Die vorhandenen Rohstoffe, die billigen Arbeitskräfte, die finanziellen Unterstützungen für die Exporteure und Unternehmen und die Erträge aus den Kapitalinvestitionen haben in den 80er-Jahren zahlreiche Betriebe angezogen. Die ersten österreichischen Unternehmen haben sich 1950 in Südafrika etabliert. Aufgrund der starken Werbung für Investitionen am Kap, entschieden sich weitere österreichische Betriebe, in Südafrika eine Niederlassung zu gründen. Bis 1974 hatten bereits zwölf Firmen den Sprung nach Südafrika gewagt. In den nachfolgenden 10 Jahren stieg die Anzahl auf 21 Niederlassungen. (vgl. Sauer, 1984) Von diesen Firmen sind derzeit noch Böhler Edelstahl, Engel VertriebsgesmbH, Hörbiger Ventilwerke, Plasser & Theurer, die VOEST-Alpine (VAE AG und VOEST-Alpine Industrieanlagenbau GmbH) und Zumtobel Licht auf dem s-dafrikanischen Markt präsent. Darüber hinaus haben laut Auskunft der Österreichischen Außenhandelsstelle der Wirtschaftskammer (Stand Juni 1999) folgende österreichische Unternehmen eine Direktinvestition in der Republik am Kap getätigt: Austrian Airlines, Creditanstalt-Bankverein, Donau Plastik GmbH, Grips Electronic GmbH, Österreichische Heraklith GmbH, Reiseb-ro Jedek & Co. GmbH, Peter Lisec GmbH sowie Veitsch Radex AG. Die meisten dieser Unternehmen haben sich in Südafrika sehr gut etabliert.

Die Entwicklungen des österreichischen Außenhandels mit Südafrika sind erfreulich. Die Exporte nach Südafrika stiegen kräftig an. 1997 konnte man eine Erhöhung von 20 % verzeichnen. Im nachfolgenden Jahr stiegen sie noch um weitere 8,8 % an. Österreichs Marktanteil an den Gesamteinfuhren Südafrikas ist beträchtlich höher als auf den meisten anderen Überseemärkten. 1999 beläuft sich dieser Anteil auf 0,82 %, was einer Steigerung von rund 0,2 % innerhalb der letzten zwei Jahren entspricht.

Der kontinuierliche Anstieg der österreichischen Lieferungen wurde jedoch durch die Rezession in Südafrika eingedämmt. Ursache dafür war die Asienkrise, wovon Südafrika als wichtiger Rohstofflieferant ebenfalls betroffen war. Seit Mitte 1998 ist eine Abflachung der Exporte festzustellen. Die Rezession wirkt sich negativ auf die Investitionsneigung der s-dafrikanischen Betriebe aus. Vielen traditionellen Abnehmern österreichischer Lieferungen von Maschinen und Investitionsg-tern mangelt es derzeit an finanziellen Mitteln, um in neue Anlagen zu investieren. Besonders betroffen ist die s-dafrikanische Stahlindustrie als guter Kunde von österreichischen Unternehmen. Ebenso verzeichnet man im Bergbau, dem dominierenden Sektor der s-dafrikanischen Wirtschaft, einen Rückgang der Investitionstätigkeit durch die fallenden Rohstoffpreise.

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Details

Seiten
114
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783832451196
ISBN (Buch)
9783838651194
Dateigröße
837 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220646
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Volkswirtschaftslehre
Note
Schlagworte
arbeitsgesetze internationalisierung investitionsförderung standortbedingungen

Autor

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Titel: Chancen und Risiken für österreichische Direktinvestitionen in Südafrika in der Post-Apartheid-Ära