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Gesellschaftliche Entwicklungen, Wertewandel und ihre Auswirkungen auf die Arbeit

Diplomarbeit 1998 203 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Vorwort

II.Einleitung
A. Problemstellung
B. Vorgehensweise
C. Arbeitsstrukturierung
D. Überblick-Themenabgrenzung

III. Gesellschaftlicher-, wirtschaftlicher- und technologischer Kontext der Arbeitsmotivation
A. Einflußfaktoren
1.Ölkrise
2. Gereifter Wohlfahrtsstaat
3. Bildungsexpansion
4. Steigende Arbeitsmarktrisiken bei gleichzeitig höherer Beschäftigtenzahl
5. Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit
6. Alters-Arbeitslosigkeit
7. Arbeitslosigkeit (be)trifft alle
8. Zunehmende Technisierung und Rationalisierung
9. Entkopplung der Arbeits- von der Lebenswelt
10. G-terf-lle
11. Steigender Frauenanteil in Arbeit und Bildung
12. Boomender IV. Sektor
13. Anstieg des informellen Sektors
14. Mehr ausländische Beschäftigte
15. Internationale Arbeitsteilung
16. Deutsche Einigung
17. Ältere Arbeitnehmer
18. Höherqualifizierter- aber schrumpfender Nachwuchs
19. Eheschließungen gehen zurück, Zahl der Scheidungen nimmt zu
20. Zunahme an Singlehaushalten
21. Deutliche Geburtenübersch-sse in Österreich
22. Sinkendes Haushaltseinkommen in Familien
23. Die Doppelverdienerhaushalte werden immer wohlhabender
24. Verringerung der Inflation
25. Fallende Wochen-/Lebensarbeitszeit und gleichzeitige Zeitnot
26. Ausdehnung der Teilzeitarbeit
27. Steigende Lohn(neben)kosten
28. Konsumneigung steigt
29. Jugend-Kriminalität bleibt konstant, aber weiterhin relativ hoch
B. Zusammenfassung

IV. Arbeit - Perspektiven
A. R-ckzug des Staates und sonstiger Institutionen -
Indizien und Abschwächungstaktik
1. Macht der Konzerne - Konsequenzen für Staat und Gesellschaft
2. Technologie und Arbeit
3. Akademiker und Arbeitsmarktchancen
4. Verschleierungstaktik
B. Ein Gesellschaftlicher Trend: Lebensbasteln
C. Die Zukunft der "Traditionellen Arbeit"
1. Kurzfristiger Wandel
2. Mittel- bis längerfristiger Wandel
D. Der "Dritte Sektor"
E. Die neuen Anforderungen an Unternehmen, Institutionen und Staat
F. Zusammenfassung

V. Begriffsklärungen
A. Arbeit
B. Werte und Wandel
C. Einstellung zur Arbeit
D. Arbeitsmoral
E. Arbeitsmotivation
F. Arbeitszufriedenheit
1. (Aus)Wirkungen/Konsequenzen der Arbeits(un)zufriedenheit
1.1 Commitment
1.2 (Arbeits)Leistung
1.3 Organisationales Verhalten
1.4 Absentismus und Tardiness (Promptness)
1.5 Fluktuation
1.6 Streß (Burnout)
1.7 Geistiges und körperliches Wohlbefinden
1.8 Konterproduktivität
1.9 Lebenszufriedenheit
2. Zusammenfassung

VI. Arbeitswandel - Einstellungswandel
A. Einleitung - Analysierte Studien und Bewertungsprobleme des Wertewandels
B. Werttypenverteilung in den arbeitenden Schichten
C. Lebensziele und Lebensorientierung
D. Attit-den
1. Hypothesen
2. Einstellung zu Arbeit und Beruf
2.1 Autonomie
2.2 Arbeitsinhalte
2.3 Arbeitsleistung
3. Situation am Arbeitsplatz, Mitbestimmung, Vorgesetzte, F-hrung, Betriebsklima
4. Arbeitspräferenz - Freizeitpräferenz
5. Entlohnung
6. Arbeitszufriedenheit als R-ckmeldegröße
7. Die Träger des Wertewandels
8. Interpretation der Ergebnisse und Hypothesenbildung
E. Zusammenfassung

VII. Die neuen Anforderungen an die Arbeit
A. Geld-Arbeit
B. Spaß-Arbeit
C. Zeit-Arbeit
D. Sinn-Arbeit
E. Status-Arbeit
F. Zusammenfassung

VIII. Makroökonomischer Exkurs: Zeitpolitik - Arbeitspolitik
A. Flexible Arbeitszeit und Arbeitsmarkt
B. Arbeitszeitverk-rzung kann Arbeit schaffen
C. Zusammenfassung

IX. Fazit

X. Anhang
A. Werttypen nach Schmidtchen
B. Konstitutionsmerkmale der fünf Werttypen nach Klages

XI. Literaturverzeichnis
A. Anonyma

XII. Tabellenverzeichnis

XIII. Verzeichnis der Grafiken

I. Vorwort

In der von mir vorgelegte Diplomarbeit setze ich mich mit einem Thema auseinander, welches brisanter nicht sein kann: Die Arbeit und wie sie morgen aussehen könnte. Rund sechs Monate hat sie mich fast ununterbrochen gefesselt.

Ich danke an dieser Stelle dem gesamten Institut von Prof. Böhnisch für die Unterstützung, die ich seit Anbeginn meiner Studien bekommen habe.

Mein besonderer Dank gilt meiner Mitbetreuerin, die mich zur Auseinandersetzung mit diesem Thema angespornt hat. Es war für mich pure "Spaß-Arbeit". Danke Andrea!

Diese Arbeit widme ich meiner Familie.

Rif, im Mai 1998 Harald M. Jauschnig

II. Einleitung

Es ist Elton Mayo´s Studien[1] zu verdanken, daß das "Scientific- Management" (Wissenschaftliche Betriebsf-hrung), wie von Adam Smith, Frederic W. Taylor und Henry Ford propagiert, vom "Human-Relations-Movement" abgelöst wurde. Der Mensch r-ckte plötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Erst die Hawthorne-Studien[2] machten deutlich, daß mit der praktisch unbegrenzten Arbeits zer teilung des Scientific Managements erhebliche Defizite einhergingen. Dies führte zu großen psychologischen- (Sinnentleerung) und betriebswirtschaftlichen Problemen (steigende Fluktuationsraten). Mit den Ergebnissen der Experimente hat sich auch das Bild vom "Natur aus faulen Menschen" hin zu "Arbeit ist mehr als Geldverdienen" (Theorie X und Y von McGregor) gewandelt. Nach Schein und Weinert haben wir es heute offensichtlich mit dem "komplexen Menschen" zu tun. Dieser "wandlungsfähige" Menschentyp fordert ein, "individuell" behandelt zu werden[3]. Dem veränderten Menschenbild liegt - wie im folgenden noch zu sehen sein wird - ein Wandel in den Anspr-chen an die Umwelt zugrunde. Festzustellen wie weit diese - eingeschränkt auf die Arbeitswelt - gediehen sind, zu welchen Konsequenzen das f-hrt und welche Anforderungen sich daraus an die Arbeit ergeben, ist Aufgabe dieser Diplomarbeit.

Laut Kondratieff`s Konzeption der "langen Wellen" - eine regelmäßige Zyklizität hat sich allerdings nicht nachweisen lassen - befinden wir uns, gleichzeitig mit dem Übergang zu einem neuen Jahrtausend, an der Schwelle zu einer neuen Aufschwungphase (Sandgruber 1993, S. 46ff.). Sie sollte zwischen 2000 und 2005 stattfinden[4]. Ob die Wertumbr-che und zuk-nftigen Erwartungen unserer Gesellschaft solche Phasen (mit)induzieren ist sicherlich strittig aber auch keineswegs auszuschließen. Sehr oft wurde schon nachgewiesen, daß nicht immer die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft die Gegenwart determiniert. Vorhergesagte Ereignisse können plötzlich zur Wirklichkeit werden[5].

Wie "zentral" die Arbeit für unser aller Leben ist sollen folgende drei Zitate verdeutlichen:

"Der große Wandel in unserem Wertsystem hat Konsequenzen für alle Aspekte des Lebens, für keinen aber mehr als für den Arbeitsbereich" (Yankelovich 1978, S. 21).

"Jede Zeit hat ihre Leitthemen. War es in den 70er Jahren das Thema "Demokratisierung", das Köpfe und Herzen bewegte, in den 80er Jahren dann die "Ökologie", so lassen sich die 90er Jahre geradewegs auf das Wort "Arbeit" fokussieren. An "Arbeit" hängt alles - unser ökonomischer Erfolg, unser Wertesystem, unser psychologisches Wohlergehen. Und die Arbeit ist das System, das sich am deutlichsten unter Evolutionsdruck befindet" (Horx 1997, S. 162).

"Während sich insbesondere die ost- und s-dostasiatischen Staaten in einem stürmischen Industrialisierungsprozeß befinden, erfahren die westlichen Wohlstandszentren einen fundamentalen Umbruch. Bei unaufhaltsamer, auch ökologisch erzwungener Deindustrialisierung erfolgt die Erweiterung des Dienstleistungssektors konfliktreich und unter dem Vorzeichen einer kaum einzudämmenden Kosteninflation, die Investitionschancen und Arbeitsplätze vernichtet" (Fürstenberg 1996, S. 7).

Die von mir vorgelegten sekundäranalytischen Ergebnisse können den Kontext der personalen Anreizgestaltung-, Anhaltspunkte für die Ausgestaltung einer Unternehmenskultur-, Hilfestellungen zum Personalmarketing-, zur F-hrung-, zu Ausbildungs- und Bildungsfragen-; Anhaltspunkte für das gesellschaftspsychologische Organisationsumfeld- und Ideen zur Beschäftigungspolitik liefern bzw. leisten.

A. Problemstellung

In den Vereinigten Staaten hat die "Arbeitsforschung" ihre "Bl-tezeit" bereits in den 50er und 60er Jahren erlebt, davon zeugen unzählige Publikationen. Im deutschsprachigen Raum wurde der "Arbeitende Mensch" - mit erheblicher - Verspätung erst in den 80er Jahren neu entdeckt. Ausgelöscht wurde die sozialpsychologische Pionierarbeit auf dem Gebiet der Arbeitsforschung hierzulande durch das Hereinbrechen des II. Weltkrieges und ist mit den z.T. verfolgten Forscherpersönlichkeiten mit "ausgewandert".

Es wird ein Abdriften der Arbeitsmoral behauptet und zugleich von einer wachsenden Bedeutung der Arbeit gesprochen. Mit diesem Satz ist der Diskussionsbogen bereits gespannt. Salopp ausgedrückt: Die "Pessimisten" treffen auf die "Optimisten" und vice versa.

Die Menschen und die Arbeitsplätze haben sich gewandelt. Das zeigt sich im neuen Anspruchsniveau der Beschäftigten und betrifft Arbeit und Freizeit gleichermaßen. Das traditionelle Verhältnis von Arbeit und Freizeit ist aus den Fugen geraten. Trotzdem wäre es sicherlich voreilig, in der wachsenden Freizeitorientierung eine generelle Abkehr der Menschen von der Arbeit sehen zu wollen, auch wenn das für den einen oder anderen gelten mag. Die Menschen verfolgen etwas was man als "Gleichgewichtsethik" titulieren kann. Ein Streben nach Erf-llung in Arbeit und Freizeit - also in allen Lebensbereichen - gleichermaßen.

Daß Arbeit für unser allgemeines Wohlbefinden wichtig ist, steht für alle Wissenschafter außer Zweifel, denn eines

"(...) wird unmißverständlich klar: Arbeit und Lebensfreude hängen eng miteinander zusammen" (Noelle-Neumann/Str-mpel 1984, S. 27f., 30f.).

Arbeit sichert unser materielles Leben, beeinflußt die Arbeits- und Arbeitermentalität, sie beeinflußt die Harmonie im Familienleben (meist positiv) und anderer zwischenmenschlicher Beziehungen, sie hat Auswirkungen auf die Gesundheit, Arbeit sch-tzt vor dem Zerfall des Zeitbewußtseins, vor Verzweiflung und Verfall (Jahoda 1983, S. 95-114).

Weder der "Workoholismus" als das eine-, noch die Arbeitslosigkeit als das andere Extrem befriedigen auf Dauer. Das Zuwenig bzw. das Zuviel an Freizeit wirkt belastend. So ist beispielsweise

"(die) totale Arbeitslosigkeit (Langzeitarbeitslosigkeit, d. Verf.) (...) kein Erlebnis der Freizeit, sondern ein Erlebnis der Belastung" (Jahoda 1983, S. 25).

B. Vorgehensweise

Zielsetzung meiner Arbeit ist, ein umfassendes Bild vom arbeitenden Menschen zu liefern und daraus Anforderungen an die Arbeit abzuleiten ohne jedoch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen - die Arbeitsgesellschaft ist von der "restlichen" Gesellschaft nicht einfach zu isolieren - außer acht zu lassen. Sie geben Hilfestellung bei der Erklärung qualitativer Ergebnisse (Datenmaterial der Demoskopie) und liefern - wenn auch nur bedingt - über zuk-nftige Geschehnisse Anhaltspunkte. Aus den Statistiken werden Hypothesen der Arbeitsmotivation abgeleitet. Somit basieren die hier beschriebenen Ergebnisse auf quantitativem (Statistiken) und qualitativem Material. Die qualitativen Ergebnisse werden anhand der quantitativen überpr-ft und umgekehrt.

"Will man Veränderungen der Arbeitsmotivation verstehen, so muß man sie in den allgemeineren Zusammenhang des wirtschaftlichen und sozialen Wandels stellen" (Str-mpel 1985, S. 42).

Qualitative- und quantitative Daten polarisieren nicht. Deutlich wird dies bei der Betrachtung älterer demoskopischer Ergebnisse, die sich dann Jahre später in den Statistiken widerspiegeln[6]. Vermutlich werden Ergebnisse der aktuellen Einstellungsforschung sich später in den Bevölkerungsstatistiken genauso - in Mengenzahlen ausgedrückt - wiederfinden. Die auf den ersten Blick als quantitativ bezeichneten Informationen gewinnen so rasch an qualitativem Wert.

Meine sekundäranalytische Studie beschränkt sich auf den deutschsprachigen Raum, wobei ich mich bei den Arbeitswerten in erster Linie auf die bundesdeutschen Ergebnisse des Allensbacher-Institutes für Demoskopie st-tze. Österreichische oder schweizerische Forschungsergebnisse dieses Umfanges (Zeitreihenanalysen) gibt es leider wenige[7].

Wirtschaftliche Strukturdaten werden von allen drei Ländern geliefert, sofern sie mir als erwähnenswert erscheinen, die Schweiz bleibt jedoch weitestgehend unbehandelt. Der enge Kulturkreis zu Österreich und der BRD macht eine eingehendere Betrachtung m.E. nicht notwendig. So sind die arbeitsspezifischen Entwicklungen in der Bundesrepublik mit den schweizer Transformationen gleichzusetzen. Österreichische Daten werden mit Europa bzw. dem europäischen Wirtschaftsraum und den USA verglichen.

Bei den Arbeitstrends habe ich auch außereuropäische Literatur herangezogen. Selbst wenn ich mir zur Aufgabe gemacht habe nur den deutschsprachigen Raum zu behandeln, sind nordamerikanische Arbeitstrends sehr gute Anhaltspunkte für die zuk-nftige Arbeitsentwicklung - und dem ungebremsten Trend zur "Ver-McDonaldisierung" - hierzulande.

Bei weitem konnte ich hier nicht alle relevanten Themen mit einbeziehen. Die zentralen Themenbereiche habe ich fundiert - d.h. den gegenwärtigen Forschungs- bzw. Diskussionsstand entsprechend - aufgearbeitet. Das Kapitel: "Überblick-Themenabgrenzung" gibt Auskunft über die "Tiefenbehandlung" der einzelnen Abschnitte in dieser Arbeit.

C. Arbeitsstrukturierung

Teil 1 untersucht den wirtschaftlichen-, gesellschaftlichen- und technologischen Wandel als Indizien für die Arbeitsmotivationsveränderung. Statistisches Material wird über den Zeitverlauf verglichen und interpretiert. Im Teil 1 ist es mir ein Anliegen, die (Berufs-) Gesellschaft durch viele Indizien möglichst realitätsnah darzustellen.

Der Beginn von Teil 2 zeigt die rechtlich-politische Umwelt der Arbeit und das Verhältnis/Verhalten des Staates gegenüber den Erwerbstätigen und Erwerbslosen auf.

Es folgt dann - in einer 20 - 30 Jahre Perspektive - die Zukunft der Arbeit, des Arbeitsmarktes und alternativer Arbeitsformen. In erster Linie habe ich in diesem Kapitel die Trendforscher miteinander verglichen. Die Trendforschung bedient sich bei der Einschätzung unserer Zukunft nicht unbedingt "wissenschaftlicher" Vorgehensweisen. Es werden vielfach Medien analysiert ("Alltagsbeobachtungen"), oder es wird aus den historischen Ereignissen unsere Zukunft abgeleitet[8]. Nur in vereinzelten Fällen wird statistisches Datenmaterial reflektiert. Aufgrund der unkonventionellen Vorgehensweise steckt in den Ergebnissen der Trendforschung auch sehr viel Kreativität die m.E. für die absehbare Zukunft als übertrieben eingestuft werden kann.

Auch wenn ich zugestehen muß, daß Szenarien - wie von Huxley, Verne, Asimov, Orwell - wesentlich schneller Realität geworden sind als urspr-nglich prophezeit.

Ich habe mich daher bei der Wahl der Trend-Literatur an den wissenschaftlichen Ergebnissen orientiert und damit nur solche Autoren zitiert, deren Ausf-hrungen - aus dem jetzigen Kenntnisstand der Wissenschaft für die Zukunft - mir plausib ler erschienen sind. Ich greife damit schon den Ergebnissen aus Kapitel VI ein wenig vor.

Das Kapitel IV: "Arbeit-Perspektiven" (C, D, E) soll u.a. Antworten auf folgende Fragen geben:

- Geht uns gegenwärtig die Arbeit aus?
- Gibt es in Zukunft überhaupt noch Arbeit?
- Was kommt nach der (herkömmlichen) Arbeit?
- Für wen gibt es noch die traditionelle Arbeit?

In Teil 3 befasse ich mich mit dem Arbeitsbegriff und mit der Abgrenzung und Bedeutung von Arbeitsfreude, Arbeitsmotivation, Einstellung zur Arbeit, Arbeitszufriedenheit.

In Teil 4 beschäftige ich mich mit dem sozialpsychologischen Wandel der Arbeit. Ein "Mix" von qualitativem- und quantitativem Material. Das qualitative Material rangiert von Befragungen weniger Hundert bis Tausend (N = < 1000 bzw. > 1000).

Teil 5 beschreibt das neue Anforderungsprofil an die Arbeit.

Teil 6 zeigt, daß Arbeitszeitpolitik zugleich Arbeitsmarktpolitik sein kann.

D. Überblick-Themenabgrenzung

Der innerste Kreis (fett) zeigt die Themen mit denen ich mich tiefgr-ndig auseinandergesetzt habe. Die Themen, die auf dem Kreis liegen (kursiv) wurden "angeschnitten". Die Themen außerhalb des Kreises habe ich nicht bzw. kaum behandelt (normal).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Inhaltsübersicht

III. Gesellschaftlicher-, wirtschaftlicher- und technologischer Kontext der Arbeitsmotivation

Zusammenfassend lassen sich die vergangenen Perioden ("Periodeneffekte"[9] ) seit den 40er Jahren folgendermaßen beschreiben:

"An die Periode historisch einzigartigen wirtschaftlichen Wachstums nach dem Zweiten Weltkrieg schloß sich das durch die Ölkrise eingeleitete unmittelbar zurückliegende Jahrzehnt an, in dem die gängigen gesamt- und privatwirtschaftlichen Ziele weitgehend unerf-llt blieben. In den 50er und 60er Jahren wurden die Grundlagen eines breiten Wohlstands gelegt, der mit einer gewissen Phasenverschiebung durch den Ausbau des Systems der sozialen Sicherheit ergänzt wurde. Aufeinanderfolgende Generationen innerhalb der gegenwärtigen Erwerbsbevölkerung erhielten ihre Prägung als Konsumenten, Arbeitnehmer oder Unternehmer unter ganz verschiedenen Umweltbedingungen. Die Generation der vor 1935 Geborenen war noch mit Krieg, Entbehrungen und strengeren Autoritätsstrukturen aufgewachsen. Für die später Geborenen stand die Erf-llung der materiellen Grundbed-rfnisse fast stets außer Frage. Ein breiterer staatsb-rgerlicher und persönlicher Freiheitsspielraum war zur Selbstverständlichkeit geworden" (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 30).

A. Einflußfaktoren

Folgende Faktoren werden als die treibenden Kräfte der fortgeschrittenen Transformationen in Gesellschaft, Arbeitswelt und daraus folgend in der Arbeitsmotivation erachtet:

1. Ölkrise

Str-mpel/Pawlowsky sehen in der Ölkrise (1973-74 und 1979, d. Verf.) die Einleitung der Problemphase. Das materielle Versorgungsniveau wurde zwar ausgebaut, aber viele, besonders j-ngere Menschen waren erstmals mit einer schwierigen Arbeitsmarktsituation konfrontiert. Aus einer Phase der Überbeschäftigung der Wachstumsphase wurde sehr rasch eine Phase der Unterbeschäftigung deren Tendenz bis heute ungebremst anhält. Zu den gravierendsten, mit Besorgnis zu betrachtenden Momenten wird die überproportionale Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit angesehen (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 31f.).

2. Gereifter Wohlfahrtsstaat

Permanenter, jahrzehntelanger Einkommensanstieg und soziale Absicherung durch Rechtsanspr-che haben zur Sättigung vieler materieller Grundbed-rfnisse gef-hrt und die Herausbildung sog. Sekundärbed-rfnisse (Familien- u. Freizeitorientierung) gefördert. Damit war aber zugleich eine wachsende Abhängigkeit von administrativ-b-rokratischen Regelungen und Verfahren (bis hin zur Überregulierung!, d. Verf.) verbunden, die Privatinitiative in die inoffiziellen Bereiche (z.B. in Vereinen, wo noch Autonomiefreiräume vorzufinden sind, d. Verf.) abdrängte (Fürstenberg 1993, S. 20).

3. Bildungsexpansion

1960 verließen noch 76 Prozent der Jugendlichen das allgemeine Schulsystem als Hauptsch-ler, 1987 sank dieser Anteil auf 27%. Der Anteil der Sch-ler mit Realschul-, Hochschul- od. Fachhochschulreife stieg von 24 Prozent auf 67 Prozent (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 30).

In Österreich haben 1960/61 205.965 Sch-ler die Hauptschule besucht; 1996/97 waren es 263.681 (ca. +30%). 1960/61 besuchten 109.895 Sch-ler höhere Einrichtungen, 1996/97 waren es bereits 302.835, also fast dreimal so viele. Wobei die Anzahl der bestandenen Reifepr-fungen seit 1987 - trotz stärkerem Andrang auf höhere Schulen aber aufgrund sinkender Geburtenraten - auf gleichem Niveau (ca. 33.000) verbleibt.

Auch die Anzahl der Hochschulabsolventen ist im Steigen begriffen. 3257 erwarben 1960/61 ihr Diplom. 1995/96 waren es bereits 14.505, also beinahe 4,5 mal so viele (ÖSTAT 1997, S. 62-64).

Im Jahre 1995 hatten 10% der Gesamtbevölkerung in der BRD einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluß, also etwas mehr als in Österreich (Datenreport 1997, S. 69).

Da sich die Ausbildungszeiten verlängern, sammeln die Jungen immer später Arbeitserfahrungen. Deshalb werden die für eine Prägung der Lebensziele entscheidenden Jahre abseits der Arbeit verbracht. Der psychische-intellektuelle Entwicklungsprozeß "entfernt" sich von der Arbeit und beeinflußt diese daher immer weniger. Darüber hinaus wird das Bildungsniveau verstärkt von den Berufsaussichten entkoppelt werden[10] (Fürstenberg 1993, S. 20).

Nur 85% der westlichen 25 bis 29jährigen und deutlich mehr, 94% der ostdeutschen Jugendlichen, waren in diesem Lebensabschnitt zum ersten Mal voll berufstätig (Jugend 1992, S. 274).

Der sog. "working class professionalism" (=gezielte, zweckorientierte, praktische und theoretische Vorbereitung auf den späteren Beruf) ist in den angelsächsischen Ländern wesentlich weniger ausgeprägt als in der Bundesrepublik oder in Österreich, wo eine systematische Berufsausbildung (insbes. das Duale Bildungssystem, d. Verf.) zur Norm für den Eintritt in das Erwerbsleben geworden ist (Fürstenberg 1996, S. 11).

Trotz der systematischen Berufsausbildung hinkt die Bildung den tatsächlichen Berufsanforderungen nach. Betriebe sind oft gezwungen, selbst für die Ausbildung - besonders im höheren Bildungsbereich - zu sorgen (Traineeprogramme). Fachhochschulen sollen vorerst noch gezieltere, höhere Ausbildung "liefern" und die innerbetrieblichen Ausbildungskosten senken helfen, so die Intention der nationalen Bildungsprogramme. Es besteht fallweise also ein Misfit von Ausbildung und Anforderung und diese Kluft droht angesichts der Zukunftsszenarien[11] größer zu werden. Zuwenig wird die Zukunft antizipiert und nationale Bildungsentscheidungen sind oft bloße Reaktionen auf gegenwärtige Entwicklungen. Doch gerade der "Bildungsvorsprung" trägt dazu bei, daß wird wettbewerbsfähig bleiben bzw. die Wettbewerbsfähigkeit noch ausbauen können (d. Verf.).

Die EU ist sich der Problematik bewußt und hat k-rzlich bildungspolitische Maßnahmen - für das nächste Jahrtausend - vorgelegt. Diese sind beispielsweise: Förderung der Mobilität, Vorbereitung auf das Informationszeitalter, und neue Lernmethoden (z.B. vernetzter Erlebnisunterricht) sollen dem exponentiellen Wachstum von Wissen Rechnung tragen (Steinringer 1998, S. 3ff.).

4. Steigende Arbeitsmarktrisiken bei gleichzeitig höherer Beschäftigtenzahl

Seit dem Beginn der verbreiteten Arbeitslosigkeit Mitte der siebziger Jahre bewegte sich die Zahl der Zugänge in die Arbeitslosigkeit - d.h. die Häufigkeit der Fälle berechnet als Anteil an allen Erwerbspersonen - zwischen 12% und 20%. Seit 1984 pendelt sie sich im Bereich von 15% bis 17% ein (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 32.).

Die BRD inkl. der neuen Bundesländer hatte im Jänner 1998 eine Arbeitslosenrate von 12,6% zu verzeichnen, das sind dramatische 4,82 Mio. Menschen. In den neuen Bundesländern ist beinahe jeder F-nfte (21,1% Arbeitslosenquote) erwerbslos (d. Verf.).

Dabei lag der Anteil der unter 25jährigen Arbeitslosen 1996 am Anteil aller ostdeutschen Arbeitslosen bei 10,3% (120.700 Personen) und im Westen als Anteil aller Westdeutschen bei 12,7% (354.900). Zum damaligen Zeitpunkt gab es in den neuen Bundesländern eine Arbeitslosenquote von 16,7% im Westen (10,1%) war sie deutlich geringer (Basisdaten, Erwerbsquoten. Elektronische Statistik des Statistischen Bundesamtes vom 11.5.1998).

Die Tatsache struktureller Arbeitslosigkeit[12] ("passende" Arbeit ist "knapp" geworden, d. Verf.), die besonders die Jungen trifft, fördert Experimentierfreude und begünstigt dadurch die Herausbildung alternativer Lebensformen (z.B. Talentetauschbörsen)[13] (Fürstenberg 1993, S. 20).

Als Phänomen "unserer Zeit" darf der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem durchschnittlichen Ansteigen der Beschäftigtenzahlen gelten. So sind in Europa (EUR 12)[14] die Beschäftigtenzahlen zwischen 1983 und 1991 kontinuierlich angestiegen (EUROSTAT 1995, S. 186f.).

In Österreich hat sich das Arbeitskräftepotential zwischen 1950 und 1995 ständig erhöht, ehe es 1996 (-2.562 unselbständig Beschäftigte) eingebrochen ist (ÖSTAT 1997, S. 111 und AMS-Geschäftsbericht 1997, S. 5).

Die BRD verzeichnet im April 1998 einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um -200.000 gegenüber dem Vormonat. Es gibt rd. 1/3 mehr offene Stellen und die Arbeitslosenquote liegt bei durchschnittliche 11,4% (rd. 44 Mio. Arbeitslose) (ORF ZIB 1, 8.5.1998).

Zwischen April 1997 und April 1998 sind die Preise um 1,4% angestiegen (Preise um 1,4% gestiegen. Elektronische Pressemitteilungen des Statistischen Bundesamtes vom 11.5.1998).

Das allein erklärt allerdings nicht die "rasche" Erholung. Entscheidend ist vielmehr die Dynamik der Preisentwicklung, über die es allerdings keine Auskunft gibt (d. Verf.).

Insgesamt gesehen haben alle Umstrukturierungsimpulse einen nachhaltigen Rationalisierungseffekt, und sozial bedingte Kostensteigerungen bedingen einen erneuten Rationalisierungszwang. Kurzfristig f-hrt das innerbetrieblich zu einer Arbeitskräftefreisetzung und Beschäftigungschancenverminderung. Zu oft m-ndet Rationalisierung in eine bloße Arbeitskostenreduktion.

"Wer aber lediglich Kosten reduziert und dies insbesondere durch Abbau von Arbeitskräften, wird letztlich zum Verwalter des Mangels" (Fürstenberg 1996, S. 10).

5. Zunahme der Langzeitarbeitslosigkeit

Die zwischen 1980 und 1983 erfolgte Steigerung der Arbeitslosenquote um 100% und das lange Verharren auf diesem Niveau ist nicht mit einer Erhöhung der Neuzugänge verbunden, sondern findet ihre Ursache in der Verlagerung der durchschnittlichen Dauer der Episoden der Arbeitslosigkeit. Ende 1988 war etwa jeder Dritte mindestens ein Jahr und jeder sechste Arbeitslose bereits zwei Jahre oder sogar noch länger ohne Beschäftigung (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S 32).

Historisch gesehen ist die Langzeitarbeitslosigkeit neu und hat sich seit den 70er Jahren vervielfacht. Im EU-Schnitt findet etwa jeder zweite Erwerbslose binnen Jahresfrist keinen Job. Das Risiko, überhaupt arbeitslos zu bleiben ist achtmal so hoch wie in Kanada, den USA oder in Schweden. In Belgien oder Italien waren noch vor kurzem drei von vier Arbeitsuchenden länger als ein Jahr arbeitslos, viele sogar "lebenslänglich". Das Risiko langzeitarbeitslos zu werden ist in diesen Ländern zehn mal höher als in Skandinavien oder in der Schweiz. "Gl-cklichschätzen" d-rfen sich alle arbeitslosen Schweizer, Schweden oder Nordamerikaner. 94% von ihnen d-rfen mit einer baldigen Wiederbeschäftigung rechnen, in Österreich sind es 85%. Somit ist bei den soeben erwähnten Ländern - bislang - Arbeitslosigkeit ein vorübergehendes Schicksal und nicht unbedingt gefährlich oder etwa existenzbedrohend.

Marin hält den enormen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit in Europa (alle europäischen Staaten, d. Verf.) auf mittlerweile 50% für einen der katastrophalsten Entwicklungstrends der vergangenen Jahrzehnte und wiegt noch weit stärker als der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit selbst (Marin 1996, S. 33).

Im EU12-Schnitt (1992) ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit 1985 leicht r-ckläufig, liegt aber immer noch bei erschreckenden 41,2% (EUROSTAT 1995, S. 203).

"Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den Arbeitslosen insgesamt ist daher ein wichtiger Indikator sozialen Zerfalls" (Marin 1996, S. 37).

1995 gab es in Österreich einen Rekord an Langzeitarbeitslosen[15], 37.590 Personen. Das waren ca. 17,5% aller vorgemerkten Arbeitslosen zum selben Zeitpunkt (ÖSTAT 1997, S. 123).

"In dieser Lage ist die verbreitete Erfahrung der Arbeitslosigkeit nur die Spitze des Eisbergs. Die Abgrenzung einer marginalisierten Beschäftigungsgruppe von den sicheren Arbeitsplätzen im Kern des Arbeitsmarktes durch objektive Arbeitslosigkeitserfahrung erfaßt nur ein Teil des Geschehens. Viele beschäftigte Arbeitnehmer m-ssen Arbeits- oder Ausbildungsplätze zweiter oder dritter Wahl akzeptieren oder auf ungeliebten Arbeitsplätzen verbleiben, die sie in besseren Zeiten gegen andere getauscht hätten. Auch im Kern der Arbeitnehmerschaft ist eine unmittelbare Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, insbesondere aber eine weit verbreitete latente Verunsicherung anzutreffen" (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 30).

6. Alters-Arbeitslosigkeit

Die sog. "Alters"-Arbeitslosigkeit deckt sich nur bedingt mit der Langzeit- oder Sockelarbeitslosigkeit. In Ländern wie Deutschland, Österreich und den Niederlanden hat die durch Fr-hverrentnung und Berufsunfähigkeitspensionen verdeckte Altersarbeitslosigkeit inzwischen dramatische Dimensionen - die Finanzierbarkeit betreffend - angenommen. Nur noch wenige erreichen das gesetzlich vorgesehene Pensionsalter[16].

Statistisch gesehen werden von der Altersarbeitslosigkeit Menschen über 50 Jahre mit geringer Qualifikation erfaßt. Doch das "Unvermittelbarkeitsalter" sinkt kontinuierlich. So existiert nur mehr kaum ein Arbeitsmarkt für Arbeitsuchende über 40 (Marin 1996, S. 33).

Die demographischen Entwicklungen bringen erhebliche gesellschaftliche und soziale Veränderungen mit sich. Der Generationenvertrag (Solidarvertrag zwischen den Generationen) kann von der Allgemeinheit nicht mehr länger finanziert werden. Es wird deshalb erforderlich sein, den Älteren spezifische Kompetenzen zu vermitteln, die z.T. in ehrenamtliche Tätigkeiten[17] m-nden. Als besonders problematisch wird die Herausbildung der "Vier-Generationen-Gesellschaft" erachtet. Angestiegen ist die Zahl jener Personen ("junge" Rentnerinnen und Rentner) die sich zwischen der Phase des Erwerbsabends und der gesetzlichen Pensionierung[18] befinden.

Die fr-hzeitigen Pensionierungen ersch-ttern exponentiell die soziale Symmetrie zwischen den Generationen und können zu neuen Konflikten führen, denn die "jungen Alten" beanspruchen soziale Leistungen, die derzeit ausschließlich die j-ngeren Erwerbsgenerationen aufbringen m-ssen. Da aber die "Vierte Generation" zumeist noch arbeits- und leistungsfähig ist, erscheint es als unsozial, wenn sie wie 65jährige Pensionisten behandelt werden (Bachmaier 1997, S. 6-9).

"Der Generationenvertrag wird in Zukunft nur zu erf-llen sein, wenn die Senioren einen großen Teil der staatlichen Aufgaben im sozialen und kulturellen Bereich als Aufgaben für den dritten Lebensabschnitt sehen werden. Den Älteren wächst damit eine eminente politische und gesellschaftliche Aufgabe zu. Die Alterskultur erhält damit eine wesentliche Legitimation aus der demographischen Entwicklung und aus der Idee des Generationenvertrages" (Bachmaier 1997, S. 11).

Grund für die ansteigende Zahl "junger Rentner" ist nicht zuletzt, die mit dem Senioritätsprinzip[19] verbundene Gehaltsentwicklung. Mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit steigt das Einkommen. Es wäre daher eine Politik zu betreiben, die zwar über den Zeitverlauf bis zu einem fiktiven Zeitpunkt das selbe Einkommen sichert, die älteren Arbeitnehmer aber nicht länger zur Risikogruppe werden läßt. Zu denken wäre beispielsweise an einen relativ starken Gehaltsanstieg - u.U. auch bis zum Maximaleinkommen - nach relativ kurzer Einarbeitungszeit (z.B. 5 Jahren) und ein drastisches Abflachen - im Extremfall ohne weitere Gehaltserhöhung - der Einkommenskurve mit zunehmender Betriebszugehörigkeit (d. Verf.).

7. Arbeitslosigkeit (be)trifft alle

Die Arbeitslosigkeit ist schon lange nicht mehr nur das Problem von Randgruppen - die zunehmende "soziale Kälte"[20] macht offensichtlich selbst gegenüber Managerkollegen nicht halt. Hinzu kommt die nicht wegzudenkende psychische Belastung[21] der Betroffenen, die in keiner Arbeitslosenstatistik Ausdruck findet. Die dramatischen Umwälzungen in der BRD d-rften den Arbeitsmarkt noch zusätzlich anspannen (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 32).

Heute wissen wir, daß die Beschäftigungssituation an Dramatik zugenommen hat. Deutsche Arbeitnehmer kämpfen vor den Arbeitsämtern um Arbeitsplätze. Von besonderen Vorstellungen über- oder W-nschen an den Arbeitsplatz keine Spur, auf den umgeschnallten Schildern ist zu lesen: Nehme jede Arbeit an! Menschen kämpfen um ihre Existenz. Zustände wie vor Ausbruch des II. Weltkrieges (d. Verf.).

Opaschowski bemerkt:

"Was kann die Arbeit heute zur Durchsetzung (der) Lebensziele leisten? In welchem Maße ist sie - vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit - überhaupt noch in der Lage, den subjektiven Wunschvorstellungen der Arbeitnehmer entgegenzukommen?" (Opaschowski 1997, S. 35).

Wirtschafts- und Managementwissenschafter sowie Gesundheitsökonomen haben festgestellt, daß ein einziges zusätzliches Prozent an Arbeitslosen in den USA fast 18.000 Herztote mehr, fast 1.400 zusätzliche Schlaganfälle, mehr als 1.100 zusätzliche Suizide, 760 zusätzliche Mordopfer, mehr als 31.000 zusätzliche Opfer von Gewaltverbrechen und mehr als 111.000 zusätzliche Eigentumsdelikte bewirkt. Der steile Anstieg von Drogen- und Alkoholmißbrauch, familiäre Gewalt gegen Frauen und Kindern (allerdings sind Frauen mehr denn je bereit, diese Delikte auch anzuzeigen, weshalb sich der Verlauf des Anstiegs nicht genau nachvollziehen läßt, d. Verf.) wird ebenfalls mit der hohen Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht.

"Es wird ganz deutlich, daß es einen engen Zusammenhang zwischen der Zerstörung von Humankapital und der Zerstörung von Menschen gibt" (Marin 1996, S. 44).

In Europa machen die direkten und indirekten ökonomischen Kosten - Arbeitslosengelder, der Ausfall der Lohnsteuer und Sozialversicherungsabgaben - allein in der EU 210 Mrd. ECU (rd. 2.730 Mrd. ÖS) oder 4% des Bruttosozialprodukts aus. 1% zusätzlicher Arbeitslosigkeit in Österreich kostet direkt drei, indirekt etwa neun Mrd. Schilling (Marin 1996, S. 44).

8. Zunehmende Technisierung und Rationalisierung

Neue Technologien ermöglichen die Automatisierung von Routinefunktionen[22]. Insbesondere im Informations- und Steuerungsbereich verschieben sich die Grenzen zwischen Mensch und Maschine. Damit zusammenhängend, zusätzlich aber noch von Marktänderungen beeinflußte Funktionsverschiebungen erweitern den Anteil der Dienstleistungs- und verringern den Anteil der Produktionstätigkeiten. Funktionsdifferenzierungen und -auslagerungen fördern neue bzw. neuartige Tätigkeiten, so z.B. in den Serviceindustrien (Fürstenberg 1996, S. 8).

Diese neuen Technologien ermöglichen und zwingen zu einer raschen marktorientierten Reaktion auf Kundenanforderungen. Dadurch kommt es aber auch zu raum-zeitlichen Entflechtungen, wie z.B. von Arbeits- und Betriebszeit, von Arbeits- und Betriebsort, aber auch von ganzen vor- und nachgelagerten Produktionssegmenten, beispielsweise durch "out-sourcing" (Fürstenberg 1996, S. 9).

"Arbeit in hochorganisierten Leistungsgef-gen wird zunehmend abstrakter und flexibler, wobei sich der Arbeitsablauf häufig den unmittelbaren Einfluß- und Kontrollmöglichkeiten seitens des einzelnen Arbeitnehmers entzieht. Wo technisch-wirtschaftliche Optimierung ganz im Vordergrund steht, schrumpfen Mitwirkungsmöglichkeiten und damit auch das Erlebnis der Eigenverantwortlichkeit" (Fürstenberg 1993, S. 20).

Die Arbeitsteilung ist weit fortgeschritten und die Arbeitsorganisationen sind komplexer geworden. Der Arbeitsprozeß ist in viele, insgesamt nur schwer überschaubare Teilziele aufgespalten worden. Die Überwachung bzw. Instandhaltung verlangt ein immer größer werdendes Verständnis für Zusammenhänge. Das Problem dabei: die Auseinandersetzung mit diesen Aggregaten bleibt immer weniger Beschäftigten - nämlich den Privilegierten - vorbehalten. Der Mensch ist Bestandteil eines technisch-wirtschaftlich determinierten Arbeitssystems, das er als einzelner nicht verändern kann. Daraus folglich, haben sich die Grundformen beruflicher Situationen verändert.

"Ein idealistisch-ganzheitliches Arbeitserlebnis, für welches der individuelle Beruf das Zentrum der Selbstverwirklichung darstellt, kann sich nur dort entwickeln, wo das Arbeitsverhältnis von Dauer und der Beruf durch persönliches Verhalten weitgehend formbar ist. Dies trifft in der Gegenwart für die persönlich-rationalen Berufe zu und mag allenfalls bei den sachlich-rationalen Berufen durch häufigeren Arbeitsplatzwechsel bzw. eine Karriereplanung nachempfunden werden" (Fürstenberg 1993, S. 22).

Betrachtet man den gesamten Lebenszusammenhang, so ist festzustellen, daß auch der gesamtgesellschaftliche Sinnbezug der Arbeit - als Berufstätigkeit - in vieler Hinsicht fragw-rdig wird:

9. Entkopplung der Arbeits- von der Lebenswelt

Der moderne Mensch neigt zunehmend dazu, seine Arbeit rationaler zu betrachten. Besonders für die minder Privilegierten stellt Arbeit vor allem ein Mittel zur (materiellen, d. Verf.) Bed-rfnisbefriedigung dar. Betrachtet man den gesamten Lebenszusammenhang, so ist festzustellen, daß der gesamtgesellschaftliche Sinnbezug der Arbeit als Berufstätigkeit in vielerlei Hinsicht fragw-rdig geworden ist. Das zeigt sich zweierlei: a) in der Abtrennung der Arbeit von anderen Lebensbereichen und b) der stetig steigenden Produktivität und G-terf-lle.

Ad. a) Die hochdifferenzierte Arbeitswelt ist raum-zeitlich sowie erlebnishaft weitgehend von anderen Lebensbereichen abgekoppelt. Dies f-hrt zu teilweise entgegengesetzten und dennoch voneinander abhängigen Handlungsmustern (Fürstenberg 1993, S. 21f.).

Die Familie findet beispielsweise kaum Berücksichtigung im täglichen Berufsleben. Eine gleichberechtigte (zeitlich ausgeglichene) Erziehung zwischen den Eltern kann darum nicht stattfinden[23], und eine freizeitähnliche, erlebnishafte Beschäftigung ("Spaß-Arbeit")[24] finden nur relativ wenige Arbeitnehmer vor (d. Verf.).

10. G-terf-lle

Ad. b) Die Produktions- und Verwaltungserfordernisse (Kostensenkung als Prämisse, d. Verf.) prägen ebenso wie die Arbeitsstruktur (Versimplifizierung der einzelnen Arbeitsschritte und zunehmende Arbeitszerlegung, d. Verf.) den außerberuflichen Lebensraum (dies f-hrt u.U. zur Suche nach Herausforderungen in der Freizeit[25], d. Verf.). Zunehmende Produktivität und G-terf-lle (durch die produktionsbezogene Kostensenkung entstehen neue Finanz-Reserven, die in die Entwicklung neuer Produkte investiert werden, um den komplexer werdenden Nachfragemarkt ausreichend versorgen zu können, um dann - aus dem neu Lukrierten - wiederum neue Produkte auf den Markt "werfen" zu können, d. Verf.) beruhen auf ständig fortschreitender Rationalisierung.

"In dieser funktionalen Trennung und Verkn-pfung von Produktion und Konsum liegen große Gefahren für den Menschen, der sich keine persönliche Lebenswelt aufbauen kann. Seine humanen Qualitäten schrumpfen schließlich auf die im Arbeits- und im Vermarktungsprozeß seiner Produkte erforderlichen Reaktionen zusammen" (Fürstenberg 1993, S. 23).

Trotz Marktsättigung werden immer noch neue Konsumw-nsche geweckt, obwohl die Wirtschaftssubjekte kaum noch Zeit haben, sie zu verwirklichen;

"(...) und jetzt geht Ihnen auch noch das Geld dafür aus" (Opaschowski 1997, S. 192).

11. Steigender Frauenanteil in Arbeit und Bildung

Die Erwerbsquote der weiblichen Bevölkerung ist kräftig angestiegen. Dieser geschlechtsspezifische Einfluß hat nicht unbedeutenden Einfluß auf das Arbeitsklima und die Lebensperspektiven[26] (Fürstenberg 1993, S. 20).

Frauen, die am Arbeitsprozeß teilhaben können, sind zufriedener und "tragen" ihre Zufriedenheit in die Betriebe hinein[27] (d. Verf.).

Das Arbeitskräfteangebot der Frauen wird von 1.582.300 (1995) auf geschätzte 1.745.900 (ca. +10%) im Jahre 2015 ansteigen und danach bis 2020 leicht r-ckläufig sein. Im selben Zeitraum wird für die Männer ein Arbeitsangebot von rd. +5% prognostiziert (die relativ höheren Bildungsabschl-sse der Frauen verdrängen die männlichen Arbeitsuchenden vom Markt, d. Verf.) und bis zum Jahr 2020 ebenfalls zurückgehen (Beschäftigungspolitik 1997, S. 77f.).

Untersuchungen zeigen, daß insgesamt immer mehr weibliche Jugendliche ein Universitätsstudium anstreben. Im Dualen Ausbildungssystem lag der Anteil der Frauen 1995 bei lediglich 39,8% aller Auszubildenden. Der Rest besuchte weiterführende Schulen (Datenreport 1997, S. 60).

In Zukunft werden studierende Frauen in der Überzahl sein. Es zeichnet sich ein weiblicher Bildungsvorsprung ab. Dieser Vorsprung findet aber auch zu einer Zeit statt in der ein höherer Abschluß nicht automatisch die Beschäftigungschancen steigert (Fürstenberg 1993, S. 20).

Die Frauen sind drauf und dran mit den Männern, auch was den Hochschulbesuch anbelangt, gleichzuziehen. Bereits 1996 standen 105.212 Hörerinnen 118.889 Hörern gegenüber (ÖSTAT 1997, S. 64, 77).

Der Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen, hat aber nicht automatisch die Technikdistanz verringert. Noch immer beherrschen männliche Studierende die technischen Studienrichtungen (Fürstenberg 1993, S. 20).

Der Frauenanteil nach Studienbereichen lag 1991 (EUR 15) bei 71% in den Bereichen: Medizin, Gesundheit und Hygiene. Zu 64% in den Studienrichtungen: Geisteswissenschaften, Religionslehre und Theologie, Kunst, und 50% studierende Frauen gab es in den Studien: Sozialwissenschaft, Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaften. Nur 16% Frauen fanden sich in Ingenieurwissenschaften, Architektur, Verkehrswesen (EUROSTAT 1995, S. 164f.).

Das zuk-nftige Arbeitsleben wird immer gleichartiger auf die Lebenspartner verteilt werden. Die Rolle des Mannes als "Familienernährer" wird zunehmend zurückgedrängt. Arbeit und Familie wird zur gemeinsamen "Sache" erkoren (Fürstenberg 1993, S. 21).

Die Erwerbsquote[28] der Frauen hat seit 1951 durchschnittlich zugenommen, während sie bei den Männern im gleichen Ausmaß r-ckläufig ist (ÖSTAT 1997, S. 110).

Neben dieser, für Frauen positiven Entwicklung, wird aber auch mit einer erhöhten Anzahl auf den Arbeitsmarkt strömender Frauen gerechnet, die nach einer Babypause, sehr wenig für die Aktualisierung ihrer Qualifikationen unternommen haben. So lag die Teilnahmequote an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung bei nicht berufstätigen Frauen in der Bundesrepublik mit Kindern unter 14 Jahren im Jahre 1985 bei 3% (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 31).

Immer mehr Frauen avancieren zu Alleinerziehern. Das wird dokumentiert durch die zunehmenden Scheidungsraten und der Herausbildung von "alternativen" Lebensformen. So lebt mittlerweile 1/3 der Bevölkerung ab 16 Jahren - mit und ohne Geschwister - nur mit einem Elternteil im gemeinsamen Haushalt. In Ost- wie auch in Westdeutschland sind die Zahlen ident (Datenreport 1997, S. 468).

Frauen sind somit auch aus Existenzgründen gezwungen am Arbeitsmarkt "mitzumischen" (d. Verf.).

12. Boomender IV. Sektor

Waren 1950 noch 62 Prozent der Erwerbstätigen im primären Sektor tätig, so galt dies 1980 nur noch für 38%. Es gab eine entsprechende Verschiebung hin zum tertiären Sektor. Die Prognose für das 21. Jahrhundert deutet auf einen ungebrochenen Trend zur Dienstleistungsgesellschaft hin (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 30).

Die höhere Gesamtbeschäftigtenzahl resultiert tatsächlich aus der Entwicklung im Dienstleistungssektor, wo zwischen 1983 und 1992 in der EU und in den Vereinigten Staaten mehr als 15 Millionen Stellen geschaffen wurden. In den USA entfallen mittlerweile fast drei Viertel aller Arbeitsplätze auf den Dienstleistungssektor, in der Union sind es 61%, in Österreich[29] 57,4% und in der BRD 57,2% (EUROSTAT 1995, S. 187).

Aber auch der Dienstleistungssektor hat seinen Beschäftigungszenit bereits erreicht, behaupten Martin/Schumann. Gemessen am derzeit produktivsten Bankenunternehmen weltweit, der Citicorp[30] - die im Jahre 1995 ein Betriebsergebnis pro Mitarbeiter von 68.769,-- US$ erwirtschaftete - werden kurzfristig alleine in Deutschland und Österreich zusammen ca. 90.000 Arbeitsplätze verlorengehen (Martin/Schumann 1997, S. 148).

Derzeit erfreut sich jedenfalls (noch) der gesamte Dienstleistungssektor in Österreich eines regen Zustromes. Zwischen 1989 und 1994 ist dieser um ca. 12% angewachsen. Zur-ckgegangen ist - im Vergleichszeitraum - die Zahl der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft (ca. -5%), in Energie- und Wasserversorgung (ca. - 4%) und im Verarbeitenden Gewerbe und Industrie (ca. -4%) (ÖSTAT 1997, S. 112).

In den europäischen Staaten (EUR12), USA und Japan hat der Dienstleistungssektor zwischen 1983 und 1992 durchschnittlich den stärksten Zuwachs - in Bezug zur Gesamtbeschäftigung - an Erwerbstätigen, nämlich 7,41% erfahren (EUROSTAT 1995, S. 187).

Untersucht man den Dienstleistungssektor genauer, so zeigt sich daß dieser nur aufgrund der enormen Entwicklungen in Information und Kommunikation expandiert. Unterteilt man den III. Sektor in a) "klassische" Dienstleistungen und b) in Information, so zeigt sich - wie schon weiter oben von Martin/Schumann festgestellt - daß die "klassische" Dienstleistung tatsächlich nur mehr ein geringes Wachstum aufweist. Zuk-nftig werden besonders im Informationssektor[31] (IV. Sektor) in großer Zahl Arbeitsplätze entstehen (Nefiodow 1991, S. 63f.).

"Dieser (Informations-)Prozeß ist anders und verläuft schneller als alles, was die Menschheit bisher gesehen hat. Ihm wohnt ein ungeheures Potential inne, das zu größerem Reichtum, höherem Lebensstandard und besseren Dienstleistungen führen kann" (GRÜNBUCH 1996, S. 1).

Die Einführung der Informations- und Kommunikationstechnologien hat die Anforderungen an die Arbeit erheblich beeinflußt. Die Beschäftigungspolitik muß sich verstärkt auf Investitionen in Humanressourcen konzentrieren um die Kluft zwischen der Nachfrage nach neuen Fähigkeiten und dem Angebot an Fachwissen zu schließen.

Die neuen Technologien geben aber auch zur Besorgnis in a) Beschäftigung und b) Demokratie und Gleichheit, Anlaß: Werden die Technologien nicht etwa mehr Arbeitsplätze vernichten als sie schaffen können? Werden die Menschen mit der veränderten Arbeitsweise zu recht kommen? Wird die Kluft zwischen industrialisierten und weniger entwickelten Regionen, zwischen jung und alt, zwischen Wissenden und Unwissenden durch die Komplexität und den (ständig sinkenden, d. Verf.) Kosten der neuen Technologien nicht noch vertieft?

Es braucht daher öffentliche Strategien, mit deren Hilfe die Fr-chte des technologischen Fortschrittes geerntet werden können und die einen fairen Zugang zur Informationsgesellschaft und eine angemessene Nutzung des Wohlstandspotentials (nachhaltige Gesellschaftspolitik, d. Verf.) gewährleisten (GRÜNBUCH 1996, S. 1f.).

13. Anstieg des informellen Sektors

Kräftig angestiegen ist der Anteil der Schwarzarbeit (Schatten- bzw. Untergrundwirtschaft, Pfusch). So wird im Jahr 1998 ein Anstieg auf 233 Mrd. Schilling erwartet, das ist ein Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwischen 1990 und 1997 ist der Anteil der Schattenwirtschaft von 99 Mrd. auf 220 Mrd. ÖS angestiegen und beträgt mittlerweile (1997) 8,93% des BIP`s. Dafür verantwortlich gemacht werden die umständlichen B-rokratien des Selbständigwerdens und die hohen Steuerbelastungen der Unternehmer (Liberale wollen Pfusch liberalisieren. Salzburger Nachrichten. Nr. 43 vom 21.2.98, S. 9).

In einzelnen Branchen, wie der Bauwirtschaft, sind informelle Tätigkeiten drei Mal so stark vertreten, wie in der Gesamtwirtschaft. Besonderen Zuwachs haben die verbrecherischen Erwerbsformen - Gl-cksspiel, Waffen- und Drogenhandel, Schlepperwesen, Prostitution und Menschenhandel, Erpressung, Entf-hrung, Transport und illegale Entsorgung von Giftm-ll usw., erfahren. Auch ohne organisiertes Verbrechen wird in Europa die "unzivile" Ökonomie auf 5-10%-, in manchen Ländern S-d(ost)europas auf bis zu 35% der Wertschöpfung geschätzt.

Neben dem regulären (legalen) Erwerb und der gewerbsmäßigen Schwarzarbeit gibt es noch andere hochlukrative Erwerbstätigkeiten auf illegalen Märkten. Unbezahlte Eigen- oder unbezahlte/unterbezahlte Freiwilligenarbeit: Haushaltswirtschaft, Subsistenzproduktion, Pflege u.a. Formen der "moralischen Ökonomie", Selbsthilfe, Nachbarschaftshilfe, Gemeindearbeit, Ehrenamt. Nonprofits bzw. die "soziale Ökonomie" des Dritten Sektors[32], bis hin zu einer "Selbstbedienungs-Ökonomie": do-it-yourself-Aktivitäten insbesondere in den Bereichen Bauen, Wohnen, Gesundheit, Wohlfahrt, persönliche soziale Dienstleistungen, Pflege, Erziehungs-, Erholungs-, touristische, Unterhaltungs- u.a. Aktivitäten[33] (Marin 1996, S. 41f.).

Auch mit der speziellen Konstellation, der steigenden Zahl Arbeitsloser bei gleichzeitigem Ansteigen offener Stellen läßt sich immer noch nicht beweisen, daß der typische Schwarzarbeiter eigentlich berufstätig ist. Die These, daß einen das Pfuschen nur neben der Arbeit freut läßt sich bislang nicht ausreichend bestätigen (Jahoda 1983, S. 27).

Natürlich genau so plausibel sind ökonomische Gründe, die jemanden zur Schwarzarbeit zwingen. Meines Wissens gibt es auch heute noch keine Untersuchung, die pfuschende Arbeitslose erfaßt. Wie auch? Wer gibt schon gerne freiwillig zu, Arbeitslosenbezieher und Schwarzarbeiter zu sein (d. Verf.).

"Dieser Boom ziviler Arbeit ohne Erwerbscharakter und Marktfömigkeit hat auch, aber nicht überwiegend wirtschaftliche Gründe (wie Steuervermeidung, Ausgleich von Einkommensungleichheiten, die Rationalisierungsgrenzen und Kostenexplosion für persönliche Dienstleistungen, Vermögensakkumulation in privaten Haushalten usw.), sondern wesentlich soziale Triebfedern wie das Streben nach Unabhängigkeit und Zeitsouveränität, Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Sinnsuche usw." (Marin 1996, S. 42).

Auch Opaschowski teilt die Meinung, daß die Nichtbefriedigung des subjektiven Wohlbefindens zur Leistungsverlagerung f-hrt: die Flucht in den Zweitjob oder die Schwarzarbeit (Opaschowski 1997, S. 37).

14. Mehr ausländische Beschäftigte

Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte ist seit 1970 (111.715) bis heute (1996) sukzessive auf 300.353 Personen angestiegen (ÖSTAT 1997, S. 116).

In der BRD ist die ausländischen Bevölkerung zwischen 1989 und 1995 von 7,2 Mio. auf 9,3 Mio. angestiegen. Das ist im selben Zeitraum ein Anstieg von 6,4% auf 8,8% an der Gesamtbevölkerung (Datenreport 1997, S. 39).

Durch die zunehmende Internationalisierung strömen immer mehr "auslandssozialisierte" Erwerbspersonen, die einen formal geringeren Bildungsabschluß mitbringen auf den Arbeitsmarkt (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 30).

Immer mehr (gering qualifizierte) ausländische Beschäftigte werden kurzfristig, aus den legalen Arbeitsverhältnissen ausscheiden, weil sie: a) im Verhältnis zu den boomenden Oststaaten immer noch relativ teuer sind, und b) die produktionsauslagernden Betriebe gleichzeitig auf höherqualifiziertes, lokales Humanangebot zugreifen können[34]. Aufgrund der "grenzenlosen" EU-Beschäftigungspolitik und der m.E. notwendigen Asylpolitik läßt sich der Anteil der Ausländer und Ausländerinnen in Österreich nicht so verringern, wie es aus zuk-nftiger sozialstaatlicher Sicht notwendig wäre (d. Verf.).

15. Internationale Arbeitsteilung

Umfassende Wirtschaftsverflechtungen führen gerade auf Unternehmens- und Branchenebene zu erheblichen Strukturwandlungen. Zusätzlich zu den herkömmlichen Formen der Arbeitszerlegung, Berufsbildung und Produktionsteilung wird hierbei die länderübergreifende horizontale Trennung in dominante Kernbereiche der Wirtschaftstätigkeit (z.B. Produktionsauslagerung in Billiglohnländer, das Kundenservice verbleibt im Inland; d. Verf.) und hiervon abhängige periphere Bereiche immer bedeutsamer, nicht zuletzt auch für die Art und Bewertung der geleisteten Arbeit (Fürstenberg 1996, S. 8).

16. Deutsche Einigung

Besonders schwer zu prognostizieren sind die arbeitsmarktpolitischen Folgen der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1991. Mit einem Zugang von 8,5 Mio. Arbeitnehmern aus der ehemaligen DDR, die vorwiegend - zur Hälfte - im primären Sektor und nur zu ca. einem Viertel im Dienstleistungssektor Beschäftigung fanden und die somit unter formalen Aspekten keine guten Voraussetzungen für eine Integration in einen gemeinsamen Arbeitsmarkt mitbringen (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 30).

Höherqualifizierte aus dem Osten werden relativ leichter eine Anstellung finden, als Westdeutsche mit gleicher Qualifikation, da sie bereit sind für einen für westdeutsche Verhältnisse geringen Lohn (=Tariflohn) - auch wenn damit eine maximale Mobilität abverlangt wird - ein Arbeitsverhältnis einzugehen. Mit dieser Situation wird in einem globalen Markt auch Österreich konfrontiert. Für die gering qualifizierten Ostdeutschen heißt die Maxime: höherqualifizieren! Bildungsinstitutionen, auch private, werden davon profitieren (d. Verf.).

17. Ältere Arbeitnehmer

Der Anteil der älteren Arbeitnehmer wird ansteigen. Die größte Beschäftigtengruppe fand sich Ende Juli 1996 unter den 32jährigen. Ende Juli 1991 waren es noch die 27jährigen (ÖSTAT 1997, S. 117 und ÖSTAT 1992, S. 127).

Und in weiteren 5 Jahren wird die größte Gruppe die der 37jährigen sein (d. Verf.).

Die Gruppe der 25-30jährigen Frauen stellte 1995[35] die größte Erwerbsgruppe, bei den Männern war es diejenige der 30-35jährigen (Datenreport 1997, S. 81).

Immer mehr Ältere stehen immer weniger J-ngeren gegenüber. Wenige Junge m-ssen vielen Älteren den Lebensabend finanzieren. Das f-hrt zu schwerwiegenden Konsequenzen: Der Solidarvertrag wird br-chig[36] (d. Verf.).

18. Höherqualifizierter- aber schrumpfender

Nachwuchs

Der Anteil der unter 30jährigen an der Gesamtbevölkerung liegt in Österreich derzeit bei ca. 33%; 1991 waren es noch 41% (ÖSTAT 1997, S. 17 und ÖSTAT 1992, S. 28).

Auf den Markt kommen höher qualifizierte, aber drastisch schrumpfende Nachwuchsjahrgänge. Der Anteil der unter 30jährigen in der BRD geht von 33% (1989) auf ca. 20% im Jahr 2000 zurück (Str-mpel/Pawlowsky 1993, S. 31).

Zwischen 1990 und 1996 ist die Zahl der ordentlichen Hörer an Österreichs Hochschulen um 16% angewachsen. Zwischen 1985 und 1991 war der Zuwachs noch höher. Er lag damals bei ca. 25%. (ÖSTAT 1997, S. 2 und ÖSTAT 1992, S. 87).

[...]


[1] vgl. Roethlisberger/Dickson 1947

[2] umfassende Auskunft zu den Hawthorne-Studien bietet Walter-Busch 1989

[3] zur Theoriebildung von McGregor, Schein und Weinert, vgl. Drumm 1995, S. 398f.

[4] Nefiodow meint sogar, die Anzeichen für einen fünften Kondratieff seien bereits seit 1982 zu erkennen: dem Beginn des Informationszeitalters (Nefiodow 1991, S. 33)

[5] s. dazu die Theorie der Self-Fulfilling-Prophecy (vgl. Watzlawick 1981)

[6] vgl. dazu: Allensbacher Jahrbuch 1997, S. 24-28

[7] z.B.: Grausgruber-Berner/Grausgruber 1990, Cyba 1996, Whyss 1990

[8] vgl. Asimov 1995

[9] vgl. Kapitel: "Werte und Wandel", S. 73-77

[10] zur Vertiefung s. Webers "Bildung als Besitz" (vgl. Weber 1986)

[11] vgl. Kapitel: "Die Zukunft der traditionellen Arbeit", S. 56-63

[12] Misfit von Qualifikationsanforderungen oder den örtlichen Anforderungen freier Stellen und den vorhandenen Qualifikationen oder der örtlichen Verf-gbarkeit an arbeitslosen Individuen (Gordon 1989, S. 371)

[13] vgl. Kapitel: "Der Dritte Sektor", S. 63

[14] "alte" EU-Staatengemeinschaft ohne Österreich, Finnland und Schweden. Seit 1.1.1995: EUR 15

[15] =mindestens ein Jahr vorgemerkt

[16] vgl. "Fallende Wochen- u. Lebensarbeitszeit" in diesem Abschnitt, S. 35f.

[17] vgl. Kapitel: "Der Dritte Sektor", S. 63-66

[18] zwischen 55 und 65 Jahren

[19] Kollektivverträge geben dieses Prinzip vor

[20] zur Ist-Situation von Unternehmenszielen vgl. Rosenstiel 1993, S. 62

Unternehmensziele/Managerziele

[21] vgl. Jahoda/Lazarsfeld/Zeisel 1975

[22] im Automobilbau haben sich so beispielsweise die Modellzyklen von vormals 8-10 Jahren auf 4 Jahre verringert, vgl. Womack/Jones/Roos 1992

[23] vgl. Kapitel: "Die Zukunft der traditionellen Arbeit", S. 62 (Familienfirmen)

[24] vgl. Kapitel: "Die neuen Anforderungen an die Arbeit", S. 152f.

[25] zur"Kompensations-Hypothese" vgl. Kapitel: "Lebenszufriedenheit", S. 95f.

[26] vgl. Kapitel: "Die neuen Anforderungen an Unternehmen,...", S. 66

[27] zur "Spillover-Hypothese" vgl. Kapitel: "Lebenszufriedenheit", S. 95f.

[28] der Anteil an Erwerbspersonen an der gesamten Wohnbevölkerung

[29] ber-cksichtigt sind nur Personen, die mindestens 12 Wochenstunden arbeiten

[30] jetzt Citigroup

[31] zum Informationssektor gehören alle Waren und Dienstleistungen, die entweder selbst Informationen vermitteln (B-cher, Disketten) oder die unmittelbar zur Erzeugung, Speicherung, Verarbeitung und Verteilung von Informationen (Computer, Druckmaschinen, Fernsehgeräte) benötigt werden

[32] vgl. Kapitel: "Der Dritte Sektor", S. 63-66

[33] zu den verschiedenen Ausgestaltungen gesellschaftlichen Arbeitens s.: Tab.: 1, im Kapitel: "Der Dritte Sektor", S. 65

[34] vgl. Kapitel: "Die Zukunft der traditionellen Arbeit", S. 56-63

[35] bezogen auf das alte Bundesgebiet

[36] vgl. dazu Pkt. 6, S. 16ff.

Details

Seiten
203
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783832451141
ISBN (Buch)
9783838651149
Dateigröße
991 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220641
Institution / Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz – Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Unternehmensführung
Note
Schlagworte
arbeitsanforderungen arbeitseinstellungswandel arbeitsmotivationskontext arbeitsperspektiven zukunft arbeit

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Titel: Gesellschaftliche Entwicklungen, Wertewandel und ihre Auswirkungen auf die Arbeit