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Die Organisation als pulsierender Kollektivkörper

Diplomarbeit 2002 107 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung

I Einleitung

II Untersuchungsgegenstand

1 Körper
1-1 Grenzaspekt. Haut
1-2 Elementarisierung
1-2-1 Das Relativ Feste. Organhaftigkeit
1-2-2 Das Relativ Fl-ssige. Blut
1-3 Anhäufungen
1-4 Kollektivkörper
1-4-1 Die Haut des Kollektivs
1-4-2 Organhaftigkeit des Kollektivs
1-4-3 Kollektives Blut.

2 Organisation als Kollektivkörper
2-1 Generierung des Verständnisses wirtschaftlicher Organisation
2-1-1 Die klassischen Strukturalisten
2-1-2 Der Human-Relations-Ansatz
2-1-3 Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie
2-1-4 Organisationen als Systeme
2-2 Spezifizierung des Verständnisses von Organisation als System
2-2-1 Lebendigkeit bei Organisation als System
2-2-2 Das Soziale am System
2-2-3 Linien zwischen Organisation als lebendem System und als sozialem System
2-3 Zur Übertragbarkeit der Körpermetapher auf Organisationen als soziale Systeme
2-3-1 Der Körper bei Luhmann
2-3-2 Der Körper des Systems
2-3-2-1 Die Haut des Systems
2-3-2-2 Die Organe des Systems
2-3-3 Körper der Organisation als sozialem System.

3 Pulsieren. Und Fazit

III Literaturverzeichnis

Einleitung

„Gegeben sei ein schwarzes Ding, ein dunkler Vorgang, eine wirre Wolke von Signalen, also etwas, das man alsbald ein Problem nennen wird. Und wir machen uns daran, es zu erhellen...“[1]

Nun mag man im Anblick des menschlichen Körpers als ihm Wohlgesonnener nicht unbedingt von einem schwarzen Ding sprechen, aber als Ausgangsbasis einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit in der Wirtschaftskommunikation, gilt es doch einiges zu erhellen.

Die deutsche Grammatik benennt bei zusammengesetzten Substantiven jeweils ein vorausgehendes Bestimmungswort und das folgende Grundwort. Kommunikation ist in dieser Zusammensetzung somit die Basis der Bestimmung, eben die Basis für Wirtschaft.

So hat man es bereits nach kurzer Zeit mit zwei Basen zu tun, die sich zu einem interessanten Gemisch vereinen, wenn man fragt: Wer kommuniziert da eigentlich?

Humberto R. Maturana[2] und Francisco J. Varela[3] bringen Kommunikation in unmittelbare Nähe von Verhalten, wenn sie sagen:

„Als kommunikatives Verhalten bezeichnen wir als Beobachter solches Verhalten, das im Rahmen sozialer Koppelung auftritt; als Kommunikation bezeichnen wir jene Koordination des Verhaltens, die aus der sozialen Koppelung resultiert.“[4]

Dabei könne davon ausgegangen werden, dass soziale Koppelung Mitglieder bedarf[5], die ihrerseits über eine körperliche Präsenz in der Welt verfügen.

Die Betonung liegt dabei auf Mitgliedern, also auf Pluralität, denn wie soll ein Mitglied ohne anderes Mitglied in soziale Koppelung eintreten? Mitgliedschaft ist in der Folge auf Maturana/Varela demnach ein wesentlicher Aspekt, um Verhalten innerhalb sozialer Koppelung zu untersuchen. Beispielhaft führen sie an:

„So zeigen z. B. Paviane, die die afrikanischen Savannen bewohnen und in ihrem Verhalten als natürliche Gruppe sehr genau untersucht worden sind, eine ständige und vielfältige Interaktion unter den Individuen einer Gruppe auf der Grundlage von Gesten, Körperhaltung (visuell) und Berührung.“[6]

Auch bei den Bienen kann kommunikatives Verhalten in sozialer Koppelung nachgewiesen werden. Karl von Frisch erforschte 1967 die Kommunikation zwischen den Bienen in zahlreichen Experimenten. Folgendes wurde gefunden:

Obwohl sie nur über das kleine Gehirn der Insekten verfügen, teilen heimkehrende Bienen ihren Kolleginnen auf raffinierte Art Lage und Qualität einer entfernten Futterquelle mit: Die in den - stockdunklen - Stock heimkehrenden der „Scouts“ vollführen auf der vertikalen Ebene einen Tanz, dessen Bewegungsmuster andere Mitglieder des Schwarms über den Körperkontakt mitbekommen. Dabei stehen zwei Grundsymbole zur Verfügung, mit der die Entfernung zunächst in zwei Kategorien unterteilt wird, nah und fern:

Mit dem Kreistanz wird ein Vorkommen im Umkreis bis knapp 100 m angegeben. Richtung wird nicht angezeigt, Intensität, Art der Blüten durch anhaftenden Staub. Die anderen Bienen riechen den Duft an der Heimkehrerin und fliegen dann zu der „benannten“ Stelle.

Ist die Lage der Futterquelle weiter entfernt, vollführt die Heimkehrerin einen Schwänzeltanz in der Form einer 8. Beim Schwänzeltanz wird die Entfernung über die Geschwindigkeit beim Tanzen ausgedrückt: Je grösser die Entfernung, desto langsamer der Tanz. „Wenn der Tanz auf einer horizontalen Fläche vorgeführt wird, dann zielt die Achse des Tanzes auf die Nahrungsquelle hin. Meistens findet der Tanz auf einer vertikalen Fläche statt, und die Richtung wird dann folgendermassen angezeigt: Wenn die Nahrungsquelle in einer Richtung von 45 Grad links vom Sonnenstand liegt, dann liegt die Achse des Tanzes 45 Grad links von der Vertikalen usw.

Wenn der Weg zur Nahrungsquelle einen Umweg einschliesst, dann gibt der Tanz die Luftlinie an. Ein ähnlicher, wenn auch viel längerer Tanz wird von Kundschaftern aufgeführt, die einen neuen Platz für den Bienenstock gefunden haben; sie können dann mehrere Tage lang tanzen, wobei sie die Richtung mit der Orientierung auf die Sonne verändern, bis sich in dem Bienenstock eine Übereinstimmung ergeben hat.“[7]

Einer der interessanten Aspekte des Bienentanzes ist der Umstand, dass die Elemente dieses tierischen "Symbol"-Systems keinen x-beliebigen Code darstellen, sondern mit bestimmten Eigenschaften des Bezeichneten zu korrelieren scheinen: Der Kreistanz repräsentiert den näheren Umkreis (als Symbol hätte es eine beliebige Tanzfigur getan); die Richtung nach oben weist auf die am Himmel stehende Sonne (als Symbol hätte auch die umgekehrte Richtung funktioniert); der Winkel ist gar ein Abbild der Situation und die Geschmacksprobe bringt sogar die Sache selbst ins Spiel - als "Symbol" für sich selbst.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass der Einzelkörper unmöglich als einzeln im Raum[8] stehender Körper sozial gekoppelt sein kann. Sein Verhalten ohne soziale Koppelung ist in diesem Sinn nicht kommunikatives Verhalten. Erst in der Hinzugesellung mindestens eines weiteren Einzelkörpers als Mitglied sozialer Koppelung kann von eben dieser gesprochen werden. Ein Körper kann sich dann Verhalten und mit dem anderen die soziale Koppelung herstellen.

Das deutet darauf hin, dass das Basengemisch Körper und Kommunikation in einem Verwandtschaftsverhältnis steht, das es im wirtschaftlichen Bestimmungsbereich zu erhellen gilt.

Sich verhaltende Körper in der Wirtschaft brauchen also mindestens noch einen Körper, mit dem es sich verhalten lässt, so dass von sozialer Koppelung als wesentlichem Ausgangsfaktum gesprochen werden muss.

Die Mitgliedschaft zur sozialen Koppelung, die im mindesten zweier Körper bedarf, beschreibt sich selbst als Körperanhäufung. In derartigen Anhäufungen ist Kommunikation möglich.

Blickt man sich im wirtschaftlichen um, so finden sich Körperanhäufungen ganz klassisch z. B. in Unternehmen. Tagein, tagaus bewegen sich Einzelkörper zu ihnen hin, in ihnen und von ihnen weg. Anhäufungen sind an allen drei Stationen möglich, beispielsweise auf dem Hin- und R-ckweg in der U-Bahn oder im Unternehmen, auch ausserhalb der Kaffeepause.

Will man an dieser Stelle Dirk Baecker[9] Glauben schenken, wenn er schreibt:

„In der Organisation sucht und findet das Unternehmen seine Verkörperung.“[10] und „Die Organisation ist die Verkörperung des Unternehmens.“[11]

so kann vermutet werden, dass sich die Anhäufungen des Einzelkörpers in der Organisation zu bilden in der Lage sind und diese womöglich sogar konstituieren.

Man fragt sich: Wer bildet die Organisation? Wer konstituiert sie? Wer verhält sich? und Wer kommuniziert? Damit eröffnet sich das zu untersuchende Feld zwischen der Anhäufung des Einzelkörpers und wirtschaftlicher Organisation. Verbindung findet jeweiliges in Titelanalogie zum ‚als‘. Bei der „Organisation ‚als‘ pulsierendem Kollektivkörper“ bildet ‚als‘ das Kettenglied zwischen den hängenden Seilen im Untersuchungsfeld. Denn die Betonung liegt auf Vergleichbarkeit, die sich in der Art der Metapher spezifiziert. Die Metapher ist mithin Instrument dieser Arbeit.

Kann sich die Anwendung der Metapher in einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit rechtfertigen? Die klassische Definition der Metapher folgt dem griechischen metaphérein (übertragen). In der Metapher wird eine „...Form der Substitution, der Übertragung eines Ausdrucks aus einem urspr-nglichen in einen neuen fremden Kontext, oft zur Veranschaulichung von Begriffen...“[12] gefunden. Indem Guldin I. A. Richard folgt, schreibt er: „I. A. Richard hat in seinem Essay „Die Metapher“ erhöhte Aufmerksamkeit auf den Vorgang der Metaphorisierung selbst gelenkt und diesen als dynamische Transaktion bestimmt.

Metaphern verbinden zwei deutlich unterschiedene Ebenen in einem einzigen Ausdruck, schlagen Br-cken zwischen heterogenen Lebens- und Wissensbereichen, sind Übertragungsvorgang zwischen unterschiedlichen Gegenstandsdomänen und Sprachkontexten.“[13]

Mit Metaphern lässt sich eine sprachlich-bildliche Abstraktionsebene bilden. Metaphern tragen Kodierungen von Wahrnehmung und Vorstellung von Welt in sich und stellen damit einen Experimentierbereich menschlicher Vorstellungskraft dar. Sie ermöglichen nicht nur Analogien, sondern einen Brückenschlag zwischen den Bereichen des Wissens und denen des F-hlens. Dies hat häufig die Anwendbarkeit von Metaphern in wissenschaftlichen Arbeiten in den Zweifel gezerrt. Doch kann der Metapher ihr kognitiver Wert[14] nicht abgesprochen werden. Denn Metaphern transportieren leibliches Erleben und sie ermöglichen eine vielfältige semantische Kontamination, die Wahrnehmungen verschiedener Natur miteinander in Beziehung setzt oder vertauscht.[15]

Als Bindeglied zwischen Körper und Organisation kann bezüglich des Körpers frei formuliert werden, dass die Verwendung von Körpermetaphern mit dieser Arbeit nicht neu erfunden wird: „Die Vorstellung, dass die Gemeinschaft[16] einen Körper – in Analogie zum menschlichen Körper bilde – blieb keineswegs nur archaischen Gesellschaften vorbehalten.“[17]

betont zum Beispiel Christina von Braun[18]

Und Rainer Guldin beginnt z. B. seinen geschichtlichen Aufriss von Körpermetaphern in Bezug auf den Staat mit den Anfängen der organologischen Staatsbetrachtung bei Wilhelm von Conches[19] (1080-1154), der diese - Guldin zufolge – „als erster...über den einfachen Gegensatz von Haupt und Gliedern hinaus“führte und „die traditionelle platonische Dreiteilung von Haupt, Herz und Unterleib um eine vierte Instanz...“[20] – die der F-sse des Staatskörpers erweiterte. Die F-sse stellten dabei die hinter den Stadtmauern lebenden Bauern, Hirten und Jäger dar.

Die Diskussion bei der Behandlung (Untersuchung) von Metaphern geht um die R-ckübertragung: So hat Hans Blumenberg[21] darauf hingewiesen, dass Sinnimplikationen bei Metaphern letztlich nicht ganz zu erklären sind und der Kontext dadurch nicht vollkommen kontrolliert und stabilisiert werden kann. Ein Widerspruch, die Metapher als Instrument in einer wissenschaftlichen Arbeit einzusetzen?

„Obwohl sie den wissenschaftlichen Anforderungen der Eindeutigkeit, der Kontrolle und Stabilisierung, die für Modelle unentbehrlich sind, nicht gen-gen kann, teilt sie mit diesen die gleiche vermittelnde Funktion.“[22]

Als vermittelnde Funktion wird sie in dieser Arbeit gebraucht. Das rechtfertigt ihren Einsatz als Instrument.

Nun handelt es sich bei dem, was mit der Metapher vermittelt werden soll, nämlich die „Anhäufung des Einzelkörpers“ auf der einen Seite und „wirtschaftliche Organisation“ auf der anderen, um reichlich unspezifizierte Begriffskonstrukte, die sich in ihrer bisherigen Unspezifiziertheit in eben solcher auf die Metapher selbst rückwirkt, so dass das Instrument momentan eher einer Kneifzange, denn einer feingearbeiteten Pinzette gleicht.

Damit sie als Pinzette Feinheiten aufzeigen kann, muss die Unspezifiziertheit der Begrifflichkeiten aufgelöst werden. Dies wird in den einzelnen Kapiteln vollzogen.

Zunächst gilt es die Perspektive der Arbeit zu kristallisieren. Dies wird in dem der Einleitung folgenden Untersuchungsteil geschehen. Auch werden hier die Grundannahmen und Hypothesen für die Arbeit formuliert, die sich dann in drei Kapiteln operationalisieren lassen:

Im ersten Kapitel „Körper“ wird die Metapher zunächst den Einzelkörper zerlegen, damit den Körper und auch sich selbst verfeinern. Es gilt zu klären: Wie kann der Einzelkörper als Metapher verstanden werden?

Um festzustellen, dass eine derartige (Einzel-)Körpermetapher auch für Anhäufungen des Körpers gelten kann, wird der Umweg eingeschlagen, der herausarbeitet, welche Formen von Anhäufung es gibt. Wann handelt es sich um ein Kollektiv, wann um eine Gemeinschaft, eine Masse, Meute, Herde, Horde etc.? Man wird sich auf einen Begriff einigen, an dem die (Einzel-)Körpermetapher ausprobiert wird.

Mit dem ersten Kapitel wird die Darreichungsform für das zweite bereitet.

Denn hier fragt sich, ob die wirtschaftliche Organisation überhaupt einen Anhäufungskörper besitzt und wenn, welchen. Dabei gilt es, sich für einen Ansatz der Organisationstheorie zu entscheiden, anhand dessen diejenige Körpermetapher ausprobiert werden kann, die mit der Darreichung des ersten Kapitels ihre Logik bewiesen hat.

Man wird in diesem Kapitel mit dem Grundproblem der Organisationstheorie, dass in der Behandlung von Komplexität liegt, vertraut gemacht. Man wird dabei feststellen, dass Komplexität die meiste Berücksichtigung in der Systemtheorie findet, die von dem Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann in die Soziologie eingef-hrt wurde. Warum gerade die Soziologie zitiert wird, findet ebenfalls Klärung und lässt sich auch bereits in dem oben aufgeführten Kommunikationsverständnis von Maturana/Varela mit der „sozialen Koppelung“ vermuten.

Will man die Behandlung von Komplexität integrieren und damit Niklas Luhmann gefolgt werden, so muss man sich auch dem von ihm eingeführten Paradigmenwechsel gedanklich einschmiegen, da ansonsten seine Theorie nicht verstanden werden kann. Dieser Paradigmenwechsel nun verwirft jeden Anhäufungsgedanken, als dass sich diese als Teil-Ganzes-Relation definierte. Das bedeutet, dass Organisation im Luhmann’schen Sinn rein gar nicht in dieser Relation begriffen werden kann. Damit ist die Arbeit schlagartig mit einem Wanken in ihren Grundfesten konfrontiert und es wird zu klären sein, wie konkret sich dieses auf die Grundfesten auswirkt. Soll heissen: Muss die Idee des kollektiven Anhäufungskörpers verworfen werden? Gibt es überhaupt Körperlichkeit im metaphorischen Verständnis für Organisation? Ist Organisation ein soziales System?

Das sind die Fragen, die sich im zweiten Kapitel entscheiden.

Im dritten Kapitel findet die Arbeit ihr „Pulsieren“, indem das Agieren desjenigen – unter 2. festgestellten – Körpers in seinem Milieu Darstellung findet. In diesem Agieren wird das Fragekontinuum: Wer kommuniziert da eigentlich? Wie geht dies vonstatten? Aufklärung finden, indem der systemtheoretische Körper, als Metapher begriffen, eben im Agieren gezeigt wird.

Vermutet wird hier der direkte Bezug zur Wirtschaftskommunikation.

Eingrenzung

des Untersuchungsgegenstandes.

Umberto Eco[23] zufolge ist Wissenschaftlichkeit dann gewährleistet, wenn

- ein erkennbarer Gegenstand behandelt wird, „...der so genau umrissen ist, dass er auch für Dritte erkennbar ist.“[24],
- die Untersuchung über diesen Gegenstand „...Dinge...“ sagt, „... die noch nicht gesagt worden sind, oder sie muß Dinge, die schon gesagt worden sind, aus einem neuen Blickwinkel sehen.“[25]
- die Arbeit „...für andere von Nutzen...“[26] ist,
- sie „...jene Angaben...“ enthält, „...die es ermöglichen nachzupr-fen, ob ihre Hypothesen falsch oder richtig sind.“[27]

Der Gegenstand der Untersuchung ist mit dem Körper benannt worden. Wie kann dieser umrissen werden?

Den ersten Umriss erhält der Körper, wenn sich das Fragekontinuum eröffnet: Wer kommuniziert da eigentlich? Das ist das Hauptinteresse dieser Arbeit, das sich hinter der Frage nach dem Körper und damit unmittelbar hinter allen weiteren aufgeworfenen Fragen verbirgt.

„Jedermann weiß, dass die größte Schwierigkeit einer wissenschaftlichen Untersuchung darin besteht, die zu beantwortende Frage korrekt und angemessen zu formulieren. Ist die entsprechende Frage einmal richtig formuliert, dann liegt auch schon das Verfahren vor, das zu entscheiden erlaubt, ob man diese Frage beantwortet hat oder nicht.“[28]

Die zweite „Umreissung“ wird zwingend, wenn folgende Beobachtungen in den Medien angestellt werden:

Auffällig ist die, mit dem brisanten Wachstum des Internets aufgekommene, Debatte über die Auflösung des menschlichen Körpers in der Netzwelt. Eine Debatte zwischen Materie und Anti-Materie bzw. im Prozess zwischen Materialisierung und Dematerialisierung[29]:

Kann sich ein menschlicher Körper überhaupt dematerialisieren bzw. auflösen oder ist er seit jeher dematerialisiert bzw. aufgelöst?

Ein Einblick in die Debatte zunächst mit Ute Hoffmann vom Wissenschaftszentrum Berlin:

„‘Delokalisierung und Dematerialisierung‘, ‚Entdinglichung‘ sind Assoziationen, die die Vernetzung stereotyp begleiten: in der Vernetzung lösen sich die territorialen Dimensionen von Orten und die Festigkeit der (sozialen) Welt auf. Der Sturz der Materie, Bilder der Entsubstantialisierung, Auflösung und Virtualisierung, des Leichtwerdens und Verschwindens, kurz: Bebilderungen einer fortschreitend entmaterialisierten Welt sind in wissenschaftlichen wie außerwissenschaftlichen Deutungen der Moderne eine häufige (und keineswegs eine neue) Erscheinung. Der Glaube an eine „schwindende Stabilität der Wirklichkeit“ ist zu einer mächtigen Metapher avanciert. Das Motiv von einer „Gesellschaft des Verschwindens" hat seit geraumer Zeit in den unterschiedlichsten Kontexten von den Öko-Wissenschaften bis zur Gesellschaftstheorie Virulenz und Popularität gewonnen.“[30]

oder mit Jörg Müller ebenfalls vom Wissenschaftszentrum Berlin:

„Es ist stürmisch geworden um den Körper. Die Schönheitschirurgie löst die „natürlichen“ Formen des Körpers in medialen Idealbildern und „Künstlichkeit“ auf. Die Medizin dringt immer tiefer in die letzten Geheimnisse des fleischlichen Körpers vor, rationalisiert und seziert ihn, um schliesslich seine Komponenten Stück für Stück durch verlässlichere Implantate zu ersetzen, sei es in Form k-nstlicher Gelenke, Herzen oder fötaler Frischzellen. Zusätzlich schrecken uns Visionen einer körperlosen Zukunft aus dem Lager der Künstlichen Intelligenz und Robotikingenieure.“ und: „Eine weitere Stossrichtung der Auflösung des Körpers ergibt sich durch die weltweite Computervernetzung.

Das Netz überwindet die Trägheit des stofflichen Körpers, indem es einen erdumspannenden Kommunikationsraum konstituiert, welcher die weitverstreuten Weltenbürger zu anonymen, körperlosen Nachbarn eines globalen Dorfes zusammenzieht. Von allen Seiten kreist die Technik den materiellen Körper ein, der in ihrem übermächtigen Angesicht erblaßt, langsam transparent wird, um sich scheinbar ganz aufzulösen.“[31]

oder ausserhalb des Wissenschaftszentrums mit Stefan Haas:

„Der Körper wie wir ihn kennen, scheint zu verschwinden.“[32]

Entgegen diesen Verschwindungsbeschwörungen wird dieser Debatte wie zum Trotz der Körper immer häufiger in seiner materiellen Körperlichkeit präsentiert und thematisiert. Allein in Berlin fand die öffentliche Aufmerksamkeit für den Körper als Ausdrucksmittel[33] z. B. im Kulturellen Bereich u. a. bei Tanz, Kunst, Kino und Vorträgen enormen Zuspruch:

1. im Tanz:

„Audience reaction, from London to The Hague, was equally interesting, with Germans responding with the most passion. Some audiences show cult-like reverence for certain choreographers. ... The newest darling of the European dance scene is Sasha Waltz, co-artistic director since January at the Berlin theatre, the Schaub-hne at Lehniner Platz, ...“[34]

Sasha Waltz[35] kommt aus dem Bereich, in dem Körper zur Schau gestellt werden. Es geht um Performance. entwarf eine Trilogie der Körperlichkeit mit den Stücken „S“, „Körper“ und im neuesten „17-25/4“ (Dialoge 2001).[36] Sie gilt als erstklassige Choreographin und Garant für Qualität im Berliner Tanzmilieu. Waltz hat sich in ihrer Trilogie im performativen Sinn stark mit Körperlichkeit befasst:

„Gemeinsam mit dreizehn Tänzern hat Sasha Waltz den menschlichen Organismus erkundet, seine H-lle und sein Inneres, seine Schönheit und seine Häßlichkeit, die Sterblichkeit, den Traum von der Perfektion. Der Körper wird sowohl als einheitliches System abgebildet als auch in Fragmente zerlegt. Was ist der Körper? Wie setzt er sich zusammen?“[37]

Gerald Siegmund ist Tanzkritiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft, Universität Gießen[38]. Er behauptet:

„Sasha Waltz hat Erfolg.“[39]

– Ausdruck für gesteigertes Interesse an Körperlichkeit?

2. In der Kunst:

Auch in der Kunst fällt ein besonderes Interesse am menschlichen Körper auf. Im letzten Jahr waren die Zeitungen voll mit Schlagzeilen wie:

„Besuchermassen drängten am ersten Ausstellungstag in den Postbahnhof“[40] oder „1,3 Millionen Besucher bei «Körperwelten»“[41].

Selbstverständlich handelt es sich bei dieser Art von Ausstellung um neuartiges, indem der menschliche Körper neu gesehen werden durfte – nämlich so, wie er vorher nur Pathologen zugänglich war. Dennoch ging es um konkrete Materie, die zur Schau gestellt wurde und von „Besuchermassen“[42] aufgenommen wurde. Wie die Ausstellung im einzelnen angenommen wurde, steht hier nicht zur Überlegung an,[43] sondern allein die Tatsache, dass sie massenhaft besucht wurde. „Die ‚Körperwelten‘ bleiben anziehend, sie gefallen, und viele versichern glaubhaft, dass sie auch etwas lernen über den menschlichen Körper.“[44]

Tanz und Ausstellung zeigen ein gesteigertes, fast sehns-chtiges Interesse am Körper. Daher lässt sich fragen:

Gibt es eine neue Sehnsucht nach dem Körper, die sich in der Performance widerspiegelt?

Bei beiden Aspekten der bisherigen Begegnung mit dem Körper – in der informativen Auflösung sowie in der ultimativen Huldigung des Performativen – ging es zunächst um das Debattieren über das Verhalten der Leute als Teil von Gesellschaft. Im ersten Fall, indem sie sich verhalten (und sich selbst präsentieren gewollt oder ungewollt) und im zweiten, wie sie sich in Bezug auf den Körper verhalten.

Es geht also grundsätzlich um Verhalten mit oder zum Körper.[45]

Das veranlasst, folgende Grobdifferenzierung[46] in der Herangehensweise an den Körper vorzuschlagen:

- In der ersten Dimension ist der Körper Körper. Er verhält sich. Und in dem er sich verhält, ist er körperhaft.
- In der zweiten Dimension verhält sich ein Körper bzw. verhalten sich Körper in Bezug auf einen Körper. Es ist dies der performative Aspekt.

Wird Gregory Bateson gefolgt, so ähnelt die von ihm aufgeführte Zweiteilung der Dimensionen den eben genannten: In der Folge auf Descartes hat das Wort „existieren“ zweierlei Sinn, nämlich den der Existenz als Ding und den der Existenz als Bewusstsein.[47]

In den beiden aufgezogenen Dimensionen innerhalb von Auflösung des Körpers und Sehnsucht nach dem Körper geht es letztlich genau darum. In der ersten Dimension wird von einem dinghaften Körper ausgegangen, der eben sein Dinghaftigkeit offenbart, indem er sich verhält. In der Form des Verhaltens ist er nicht mehr notwendigerweise dinghaft, löst sich auf, um durchaus wieder neu entstehen zu können. Dies scheint verzwickt und soll am Beispiel der Netzwelt kurz erläutert sein:

Weiter oben wurde dazu gezeigt, dass gern von der Auflösung des Körpers die Rede ist. Zustande kommt dieser Gedanke über Anwesenheit als Gef-hl, dass die Teilnehmer entwickeln, sobald sie sich im Netz bewegen.[48] Sie entkoppeln sich von ihrem materiellen Selbst der „Realwelt“, was ihnen die Annahme einer neuen Persönlichkeit erlaubt.

Bekannt ist in diesem Zusammenhang die Geschichte des Psychiaters in Frauenkleidern: Der New Yorker Psychiater Stanford Lewin tarnte sich im Chat unter dem Namen Julie Graham und gerät in einige Verwicklungen.[49] Damit vermag das realweltlich in einem biologischen Körper fixierte Individuum einem Wesen Platz zu machen, das – obwohl in einem Körper verankert – ausserhalb von diesem zu handeln vermag.

„In der Angeschlossenheit an ein technikgestütztes Anderswo eröffnet sich ein Zwischenraum, in dem multiple Konstruktionen des Selbst möglich werden, ... Der Körper sitzt am Terminal, der Locus der Sozialität anderswo.“[50]

Interessant ist dabei genau eben jene Sozialität im Anderswo. Dort nämlich ist Körperlichkeit nicht unwichtig, sondern verweist im Gegenteil auf die Realwelt zurück, in der eigenen Konstruktion:

„Die Entkoppelung von Körper und Selbst in der Netzwelt weist auf die in der Realwelt als gegeben angenommene Materialität des Körpers zurück.“[51]

Realkörperliche Verhaftung löst sich auf, um sich neu zu manifestieren. Das lebendig Dinghafte ist Ding, um nicht selbes Ding zu sein, sondern neukreiertes Ding durch sich selbst. Das ist der Gedanke, der in dieser Arbeit mit der ersten Dimension verfolgt werden soll.

Die zweite Dimension findet sich in der Überbetonung des Realkörperlichen, in der Performance. Performance geht unmittelbar einher mit Rezeption. Diese verleiht ihr ihre Rechtfertigung. Performance ohne Rezeption wäre keine Performance. Performance ist ein Moment der Rezeption. Die Begrifflichkeit der Performance klärt sich mit Paul Zumthor[52] wie folgt: Es handele sich dabei um einen anthropologischen Begriff,

„...der sich auf die Bedingungen der Darbietung und Wahrnehmung bezieht. Er bezeichnet eine kommunikative Handlung als solche. [Im Anschluß an Dell Hymes[53], 1975] Er verweist daher auf einen Zeitpunkt, der als Gegenwart erfahren wird, wie auch auf die konkrete Anwesenheit von Teilnehmern, die unmittelbar in die Handlung einbezogen sind.“[54]

Nun wurde in den beiden Dimensionen des körperlichen in der ersten eine soziologische und in der zweiten eine anthropologische eröffnet. Damit ist eine Asymmetrie erzeugt, die jedoch den zugrundeliegenden Prozess der seine Bezeichnung fand, nicht in Abrede stellt. Es sei das Bewusstsein dieser Asymmetrie erwähnt und später r-ckblickend gepr-ft, ob dies hinderlich erscheint.

Die Asymmetrie liesse sich auch ausgleichen, indem bspw. eine komplett neue Ebene eröffnet wird. Soziologie wie Anthropologie verwenden in der Beschreibung ihrer Untersuchungshorizonte Sprache. In der Dingbeschreibung lässt sich die Dimensionierung auch in der Differenz von Signifikat und Signifikant unterbringen. Damit befände man sich inmitten der Semiotik. Der Zusammenhang ergibt sich wie folgt[55]:

„Semiotik ist ... vor allem als allgemeine Kommunikationstheorie relevant. Im Unterschied zu anderen, z.B. psychologischen, spiel-theoretischen oder informationstheoretischen Modellen, die ihrerseits zur Erhellung konkreter Kommunikationszusammenhänge in die ... Forschung integriert wurden, kann für das semiotische Kommunikationsmodell, da es von der universalen Kategorie des Zeichens ausgeht, ein entsprechend universaler Anwendungsbereich unterstellt werden. Denn alles das gehört zur Welt der Zeichen, was Gestalt annehmen kann, alles, was wahrgenommen, alles, was gehört, gelesen, gesehen, gerochen, gef-hlt, geschmeckt werden - kurz, alles, was ‚signifikant‘ werden kann. Daher untersucht die Semiotik alle kulturellen Vorgänge und Phänomene als Kommunikationsprozesse, indem sie danach fragt, wie in einer Kultur ‚etwas‘ (ein Signifikant) zum Zeichen wird bzw. als Zeichen fungiert, d.h. inwiefern es zur Wahrnehmung bzw. zur Mitteilung von ‚etwas anderem‘ (einem Signifikat) taugt, was es selbst nicht ist, aber wofür es steht.“[56]

In einer derart gedachten Struktur wäre der Körper Signifikant wie Signifikat innerhalb dieser Untersuchung. - Signifikant, indem er Zeichen ist für das, was er bezeichnet.

In der ersten Dimension löst sich der Körper als Bezeichnendes zunächst auf, indem er sich des Materiellen enthebt, eben desjenigen, was ihn als Signifikant charakterisierte. Damit nimmt das als Zeichen fungierende dem Bezeichneten die Relevanz. Nichts wird mehr bezeichnet. Das ehemals durch das Zeichen Bezeichnete löst sich auf – Auflösung des Körpers. Es kann dann aber geschehen, dass der Körper als Bezeichnetes neu entsteht, indem sich neue Bezeichnungen bilden, die losgelöst von der Materialität des Körpers sind.

Die zweite Dimension hingegen verfolgt die Verstärkung des Körpers als Signifikanten und betont damit die Bedeutung der Beobachtung, die eine Verstärkung notwendig macht, um sie zu erkennen.

Abschwächung und Verstärkung im Sinne von Auflösung und Übertreibung sind damit zentrale Begriffe der beiden Dimensionen.

Die Asymmetrie soll jedoch nicht aufgelöst werden in der Balance der Semiotik. Vielmehr soll der nun aufgespannte, ihr zuzuordnende Bereich, gemerkt sein.

Verbindung finden beide Dimensionen darin, dass beiden der Körper als Ausgangspunkt immanent ist. Der Körper selbst meint den Bezug zum menschlichen, lebenden Körper.

Dabei fällt auf, dass es bei diesem Schnittpunkt der Dimensionen zwar um den Einzelkörper[57] an sich geht, dieser jedoch immer in Bezug gesetzt wurde durch und zu andere/n Körper/n. Es geht daher in den Dimensionen um Relationen von Körpern zu Körpern. Das bedeutet für die erste Dimension: Ein Körper A kann sich in Bezug auf andere Körper auflösen, aber auch innerhalb der zweiten Dimension überbetont werden, eben durch die anderen. Man muss daher differenzieren, wann es um den einzelnen Körper geht, und wann um die Bezugsetzung. Dieser Zusammenhang wird oft in der Rolle eines Beobachters untersucht.[58] Dies soll Berücksichtigung finden im Reibezusammenhang Beobachter und Dimension.

Dem ersten Punkt der Eco’schen Garantie für Wissenschaftlichkeit konnte nun mit dieser Umreissung des Körpers gefolgt werden, indem Fragekontinuum, Dimension und Reibezusammenhang vorgestellt wurde.

Für den zweiten und dritten Punkt wird mit der Metapher[59] gehofft, dass neue Dinge gesagt werden und auch für andere von Nutzen[60] sind.

Der vierte Punkt meint exakte Quellenangaben, was nach Möglichkeit jederzeit versucht wurde als Fussnote dem Text beizuf-gen und die Formulierung der Hypothesen.

Was wird hypothetisch angenommen? Was wird vorausgesetzt?

Mit dem bisher gesagten kann das zu untersuchende in dieser Arbeit zusammengefasst werden. Es gilt herauszufinden:

- ob bei einer Anhäufung von Menschen, die jeweils für sich einen Körper besitzen und repräsentieren, ob bei Bildung einer Gemeinschaft ebenso von einer Körperlichkeit die Rede sein kann wie beim einzelnen Menschen (Ganz-Teil-Relation),
- ob sich – wenn dem so ist – der Gemeinschaftskörper, speziell der Kollektivkörper, kommunikativ verhält,
- ob sich im Bereich der Wirtschaft speziell bei wirtschaftlicher Organisation ein Gemeinschaftskörper im Sinne des Kollektivkörpers diagnostizieren lässt, der sich ebenfalls kommunikativ verhält.

Es wird also von den folgenden Grundannahmen ausgegangen:

1. Der Mensch besitzt einen Körper (1. Phase der Metaphernbildung).
2. Bei der Anhäufung menschlicher Körper wird ein Kollektiv gebildet (Bildung des Ganzen aus den Teilen).

Hypothetisch wird angenommen:

1. Das Kollektiv bildet in seiner Gesamtheit einen neuen Körper, der metaphorisch den Kennzeichen eines menschlichen, lebendigen Körpers entspricht.

(2. Phase der Metaphernbildung)

2. Die wirtschaftliche Organisation bildet einen derartigen Kollektivkörper

(3. Phase der Metaphernbildung).

Daraus folgt, dass es in der Phasenbeschreibung der Metaphernbildung um eine Beleuchtung der Metaphern Körper, Kollektivkörper, kollektiver Organisationskörper geht.

Die Eco’schen Kriterien für Wissenschaftlichkeit sind somit erf-llt. Die Arbeit am Inhaltlichen kann beginnen.

1 Körper.

Einleitend fand Beschreibung, wie Kommunikation im Verständnis von Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela mit koordinierendem Verhalten innerhalb sozialer Koppelung definiert wird. Auch wurde gezeigt, dass dabei körperliche Präsenz konstituierend für Mitgliedschaft innerhalb sozialer Koppelung gilt. Aus diesem Grund hat sich diese Arbeit das Ziel gesetzt, Körperlichkeit im Zusammenhang mit Kommunikation genauer zu beleuchten.

Je nach Dimension[61], unter der der Körper in Beziehung gesetzt wird, kann anders unterschieden werden, ist anderes von besonderem Interesse. Dennoch geht es in jeder Dimension zunächst um den realen im Sinne von menschlich-lebendigem Körper[62] in der Welt. Es entwickelt sich damit in Liebäugelung mit Spencer-Brown folgender einleitender Gedanke[63]:

„Das Thema dieses Buches ist, dass ein Universum zum Dasein gelangt, wenn ein Raum getrennt oder geteilt wird. Die Haut eines lebenden Organismus trennt eine Aussenseite von einer Innenseite.“[64]

Spencer-Brown meint mit dieser Trennung einen wesentlichen Akt zu vollziehen, über den sich Formen der Sprachwissenschaft rekonstruieren liessen. Man könne anfangen zu erkennen, wie die Gesetze der Erfahrung der Trennung folgen.[65]

In Bezug auf den Körper lässt diese Trennung, die Spencer-Brown analog der Haut des menschlichen Organismus beschreibt wie folgt konstruieren:

[...]


[1] Serres, Michel. Der Parasit. Übers. von Michael Bischoff. 1. Aufl. Frankfurt am Main. Suhrkamp. 1987. S. 34. Michel Serres ist Mathematiker und Philosoph und arbeitet als Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Sorbonne.

[2] Humberto R. Maturana, geboren 1928 in Chile, promovierte in Biologie und studierte Medizin. Forschungsarbeiten in England und den USA. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, u. a. „Erkennen. Die Organisation und Verkörperung der Wirklichkeit“

[3] Francisco J. Varela, geboren 1946 in Chile, Promotion in Biologie, Forschung im Bereich der biologischen und kybernetischen Grundlagen des Erkennens und Bewußtseins. Internationale akademische Auszeichnungen. Forschungsauftrag am Max-Planck-Institut für Gehirnforschung, Frankfurt. Lehrt an der École Polytechnique, Universität Paris.

[4] Maturana, Humberto R./Varela, Francisco J. Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. dt. Ausg. Bern und M-nchen. Scherz-Verlag. 1987. S. 210

[5] Vgl. ebenda.

[6] Maturana, Humberto R./Varela, Francisco J. Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. dt. Ausg. a. a. O. S. 208 (Maturana und Varela argumentieren im Anschluß an I. De Vore und K. R. Hall in: Primate Behavior. New York. 1965. S. 20-53)

[7] Argyle, Michael. Körpersprache und Kommunikation. Reihe innovative Psychotherapie und Humanwissenschaften. 7. Aufl. Paderborn. Junfermann. 1979. S. 33 f. (1. Aufl. 1979)

[8] Mit Raum ist nicht nur der dreidimensionale gemeint, auch im entmaterialisierten Raum der Netzwelt können sich nur Mitglieder zueinander verhalten, indem sie Mitglieder sind. Zum entmaterialisierten Körper vgl. weiter unten in dieser Arbeit.

[9] Dirk Baecker geb. 1955, ist Prof. für Management und Organisation an der Universität Witten/Herdecke

[10] Baecker, Dirk. Die Form des Unternehmens. a. a. O. S. 112f.

[11] Baecker, Dirk. Die Form des Unternehmens. a. a. O. S. 116

[12] Guldin, Rainer. Körpermetaphern. Zum Verhältnis von Politik und Medizin. W-rzburg. 1999. Königshausen & Neumann. S. 16

[13] Guldin, Rainer. Körpermetaphern. Zum Verhältnis von Politik und Medizin. a. a. O. S. 17

[14] vgl. Black, Max. Mehr über die Metapher. In: Anselm Haverkamp (Hrsg.): Theorie der Metapher. 2. Aufl. Darmstadt. Wissenschaftliche Buchgesllschaft. 1996. S. 409

[15] Guldin, Rainer. Körpermetaphern. Zum Verhältnis von Politik und Medizin. a. a. O.

[16] Inwieweit Körperanhäufung in Relation zu Gemeinschaft verstanden wird, vgl. Kapitel 1 zum Körper.

[17] Vgl. von Braun, Christina. Texte auf der Kollektivkörperkonferenz. Eine internationale Konferenz des Graduiertenkollegs „Körper-Inszenierungen“ und der Schaub-hne am Lehniner Platz. 08.06.-10.06.2001. vgl.: http://www.dpklinik.de

[18] Christina von Braun ist Kulturtheoretikerin, Autorin und Filmemacherin. l944 in Rom geboren, in Deutschland und England zur Schule gegangen. Studium in den USA und Deutschland. Von l969 bis l98l in Paris ansässig als freischaffende Autorin und Filmemacherin. Ab l98l Wohnsitz in Bonn. Von 1991-1993 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Ca. 50 Filmdokumentationen und Fernsehspiele zu kulturgeschichtlichen Themen, zahlreiche B-cher und Aufsätze über das Wechselverhältnis von Geistesgeschichte und Geschlechterrollen, zu Film- und Medientheorie sowie zur Geschichte des Antisemitismus. Ab 1988 Lehrtätigkeit an verschiedenen deutschen und österreichischen Universitäten in den Bereichen: Philosophie, Theaterwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Literaturwissenschaft. Seit 1994 Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Kulturwissenschaft.

vgl.:http://www.interface5.de/home/quick.html#CvB
http://www.interface5.de/home/personen/CvB/cvb_frame.html, http://www.interface5.de/home/personen/CvB/cvb_museum.pdf

[19] Lehrer von J. v. Salisbury

[20] Guldin, Rainer. Körpermetaphern. Zum Verhältnis von Politik und Medizin. a. a. O. S. 57

[21] vgl. Blumenberg, Hans. Paradigmen zu einer Metaphorologie. Frankfurt am Main. 1998

[22] Guldin, Rainer. Körpermetaphern. Zum Verhältnis von Politik und Medizin. a. a. O. S. 18

[23] Umberto Eco, geb. 1932 in Alessandria (Piemont), lebt in Mailand und lehrt Semiotik an der Universität Bologna. Publikationen im Romanbereich, z. B. „Der Name der Rose“ (dt. 1982), „Das Foucaultsche Pendel“ (dt. 1989) oder „Die Insel des vorigen Tages“ (dt. 1995), im Semiotikbereich z. B. „Die ästhetische Botschaft“

[24] Eco, Umberto. Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften. 6. durchgesehene Auflage der deutschen Ausgabe. Heidelberg. C. F. Müller Juristischer Verlag GmbH. 1993. S. 40. Originaltitel: Come si fa una tesi di laurea. Milano. Gruppo Editoriale Fabbri-Bompiani. 1977

[25] ebd. S. 41.

[26] ebd. S. 42.

[27] ebd. S. 44.

[28] Maturana, Humberto R. Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Ausgewählte Arbeiten zur biologischen Epistemologie. 2. durchgesehene Aufl. Autorisierte deutsche Fassung von Wolfram K. Köck. Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, S. 16. (1. Aufl. 1982)

[29] Die Denkfigur der Entmaterialisierung umfaßt eine Metaphorik des Verschwindens in mehrfachemSinne (vgl. Schulz 1992/93): Entmaterialisierung als vernichtet oder verzehrt werden, als außer Gebrauch kommen oder als unsichtbar werden. Die verschiedenen Schwundformen können sowohl auf der Realitätsebene der Weltbilder (= Realitätsauffassungen) als auch auf der Kognitionsebene der Denkformen (= Erkenntnisstile) angesiedelt sein oder, beide Ebenen betreffend, auf der Repräsentationsebene der Wiedergabetechniken (= Darstellungsformen). In letzter Konsequenz schwindet gemäß der Entmaterialisierungsthese die Differenz zwischen Bild und Realität, Schein und Sein.

[30] http://duplox.wzüberlin.de/texte/sein/

[31] vgl. Müller, Jörg. Virtuelle Körper. Aspekte sozialer Körperlichkeit im Cyberspace. WZB Discussion Paper. FS II 96-105. Wissenschaftszentrum Berlin. 1996

[32] Haas, Stefan. Vom Ende des Körpers in den Datennetzen. in Wischermann, Clemens / Haas, Stefan. Körper mit Geschichte. Studien zur Geschichte des Alltags.

[33] Es wird hier der performative Aspekt betont.

[34] Valerie Lawson in: http://www.smh.com.au/news/0005/31/features/features08.html

[35] „Sasha Waltz, 38, studierte an der School for New Dance Development, Amsterdam, und in New York. 1993 gr-ndete sie gemeinsam mit Jochen Sandig die Compagnie Sasha Waltz & Guests, mit deren erster Produktion »Travelogue I - Twenty to Eight« sie ihren internationalen Durchbruch erzielte.“ (Ein Artikel von Marc Kayser in:

http://www.zeit.de/2002/03/Leben/200203_traum___waltz.html)

„Waltz was taught by a pupil of Mary Wigman, a legendary figure in German expressionist modern dance, who died in Berlin in the early 1970s. Wigman's work was choreographed to silence - her way of saying a dancer is his or her own music or that dance is an independent art form. Wigman was an assistant to one of the pioneers of European 20th-century modern dance, Rudolf van Laban, whose other disciple was Kurt Jooss, teacher of Pina Bausch, another German choreographer full of angst, whose work reflects our dreams - both their chaos and their underlying logic. She works in the industrial town of Wuppertal, near Cologne, presenting her long works (three hours minimum) in the Schauspielhaus to audiences who come from as far as Scandinavia and Spain to pay obeisance“. (vgl. Valerie Lawson in: http://www.smh.com.au/news/0005/31/features/features08.html)

[36] Sandra Luzina in:http://www.berlin-ticket.de/spielzeit/pageviewer.asp?TextID=1542

[37] http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$941

[38] Vgl.: http://on1.zkm.de/zkm/stories/storyReader$941

[39] http://www.gf-kuehn.de/tanz/waltz.htm

[40] http://morgenpost.berlin1.de/archiv2001/010211/berlin/story392518.html

[41] http://morgenpost.berlin1.de/archiv2001/010903/berlin/story455865.html

[42] s. o. im selben Absatz

[43] Erwähnt sei nur, dass es bereits im Vorfeld der Ausstellung zahlreiche Diskussionen gab, die insbesondere von der Kirche forciert wurden und die sich gegen die Durchführung aussprachen. Aber auch „die Soziologen und Kulturwissenschaftler sprechen von Karnevalisierung, Trivialisierung, Disneyfizierung, Festivalitis, Spaßgesellschaft, Niedrigkulturrevolution usw.“(nach: Prof. Klaus Siebenhaar, in:

http://morgenpost.berlin1.de/archiv2001/010902/meinung/story455630.html am Sonntag, 02.09.01, Siebenhaar lehrt Kultur- und Medienmanagement an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler)

[44] Nach: Prof. Klaus Siebenhaar, am Sonntag, 02.09.2001in: http://morgenpost.berlin1.de/archiv2001/010902/meinung/story455630.html

[45] vgl. hierzu auch Zitat von Maturana und Varela in der Einleitung.

[46] Mit dieser Ausdifferenzierung wird der von George Spencer-Brown erweckten Versuchung, „... verschiedene Dinge in einer Welt zu unterscheiden, in der anfänglich die Grenzen gezogen werden können, wo immer es uns beliebt.“ gefolgt. Vgl. dazu: Spencer-Brown. Gesetze der Form. Internationale Ausgabe. Bohmeier Verlag. 1997. S. XXXV (Erste Ausgabe George Allen and Unwin Ltd., London, 1969.)

[47] vgl. Bateson, Gregory. Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biolo-gische und epistemologische Perspektiven. 6. Aufl. Frankfurt am Main. Suhrkamp. 1996. S. 234. (1. Aufl. 1985)

[48] vgl. Hoffmann, Ute. Die erträgliche Leichtigkeit des Seins. Subjektivität und Sozialität in der Netzwelt. Subjektorientierte Soziologie. a. a. O. vgl.: http://www.duplox.wzüberlin.de

[49] vgl. ebd.

[50] vgl. ebd.

[51] vgl. Hoffmann, Ute. Die erträgliche Leichtigkeit des Seins. Subjektivität und Sozialität in der Netzwelt. Subjektorientierte Soziologie. a. a. O.

[52] Paul Zumthor, geb. 1915, studierte in Paris klassische und romantische Sprachen und Literaturen. Ordinarius für romanische Philologie und französische Literatur des Mittelalters an der Universität Amsterdam von 1952-1971, an der Uni Montréal von 1972 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1980. Zahlreiche Veröffentlichungen, u. a.: Histoire littéraire de la France médievale (1954) etc. Vgl.: Gumbrecht, Hans Ulrich (Hrsg.). Materialität der Kommunikation. 1. Auflg. Frankfurt am Main. Suhrkamp. 1988. S. 940

[53] Hymes, D. Breakthrough into Performance. In: Ben Amos, D./Goldstein, Hgg. Folklore, Performance and Communication. The Hague/Paris.

[54] Zumthor, Paul. Körper und Performanz. In: Materialität der Kommunikation. Gumbrecht, Hans Ulrich/Pfeiffer, K. Ludwig (Hrsg.) 1. Aufl. Frankfurt am Main. Suhrkamp. 1988. S. 703 - 713

[55] vgl. Zur Rezeption und Entwicklung der Semiotik in der Praktischen Theologie. Homepage der Deutschen Gesellschaft für Semiotik, Sektion Theologie und Religionswissenschaft, Vorsitz: Prof. Dr. Wilfried Engemann, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Universitätsstraße 13-17, 48 143 Münster, Tel.: 0251-832 2550 / Fax.: 0251-832 5201, e-mail: semiotik@uni-muenster.de, http://www.uni-muenster.de/Semiotik/sektheorelwiss.html

[56] Eco, Umberto. Zeichen. Einführung in einen Begriff und seine Geschichte. M-nchen. 1977. S. 15-26

[57] vgl. auch weiter unten in der Einleitung: Einzelkörper und Sprache.

[58] z. B. bei Spencer-Brown, Maturana, Luhmann, von Foerster, Serres, etc.

[59] vgl. Einleitung zur Metapher.

[60] Nach dem später noch zu spezifizierenden Alter-Ego-Modell von Niklas Luhmann, ist die Verfasserin auch alter, also die andere und kann in diesem Sinn durchaus den Nutzen für diesen alter deklarieren.

[61] vgl. Ausf-hrungen zum Untersuchungsgegenstand im Kapitel zuvor.

[62] Es wird hier zwar die Bezeichnung realer Körper gewählt, dennoch ist die Metapher diesem im Verständnis immanent.

[63] An dieser Stelle sei festgelegt, dass der menschliche-lebendige Körper gleichbedeutend dem Begriff des Organismus betrachtet wird. Eine Differenzierung zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten erscheint sehr fein, als dass bedenkliche Auswirkungen durch ihre geringfügige Abweichung entstünde.

[64] Spencer-Brown. Gesetze der Form. Internationale Ausgabe. Bohmeier Verlag. 1997. S. XXXV (Erste Ausgabe George Allen and Unwin Ltd., London, 1969.)

[65] ebd.

Details

Seiten
107
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832450786
ISBN (Buch)
9783838650784
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220609
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin – Wirtschaftswissenschaften II, Wirtschaftskommunikation
Note
Schlagworte
komplexität system kommunikation körper organisation

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Titel: Die Organisation als pulsierender Kollektivkörper