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Altern in der Migration

Lebenssituation älterer Migrantinnen in der BRD und Schlussfolgerungen für die Altenhilfe

Diplomarbeit 2001 97 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1. Einleitung

2. Geschichte der ersten MigrantInnengeneration / GastarbeiterInnen
2.1 Gründe für die Migration

3. Lebenssituation von älteren MigrantInnen in der BRD
3.1 Aufenthaltsstatus
3.1.1 Ausländerrechtlicher Aufenthaltsstatus
3.1.2 Rückkehroption in die BRD
3.2 Finanzielle Situation
3.3 Wohnsituation/Wohnumgebung
3.4 Gesundheitszustand
3.4.1 Arbeitsbelastungen und deren Folgen
3.4.2 Gesundheitsverhalten und Krankheitskonzept
3.4.3 Physische Situation
3.4.4 Psycho-physische und psycho-soziale Situation
3.5 Deutsche Sprachkenntnisse
3.6 Familiäre Situation / Familienstruktur
3.6.1 Generationsbeziehung
3.7 Soziale Kontakte
3.7.1 Innerethnische soziale Kontakte
3.7.2 Ethnische Enklaven
3.7.2.1 Definition von Ethnizität
3.7.2.2 Ethnische Rückbesinnung im Alter
3.7.2.2.1 Ethnizität – Ressource oder Belastung im Alter?
3.7.2.2.1.1 Ethnizität als Ressource
3.7.2.2.1.2 Ethnizität als Belastung
3.7.3 Interethnische soziale Kontakte
3.8 Bilanzierung der Lebenssituation älterer MigrantInnen

4. Aufenthaltsperspektiven im Heimatland oder in der BRD?
4.1 Rückkehrorientierung
4.2 Verbleibgründe
4.3 Pendelmigration

5. Definition vom Altern
5.1 Alterstheorien
5.1.1 Biologische Alterstheorie
5.1.2 Sozialhistorische und soziologische Alterstheorie
5.1.3 Gerontologische Theorien
5.1.3.1 Disengagementtheorie
5.1.3.2 Aktivitätstheorie
5.1.3.3 Kontinuitätstheorie
5.1.3.4 Modernisierungstheorie
5.1.3.5 Minoritätstheorie
5.2 Altersdefinition und Altersverständnis

6. Ältere MigrantInnen und Schlussfolgerungen für die Altenhilfe

6.1 Ziele und Angebotsstrukturen der Altenhilfe allgemein
6.1.1 Versorgungs-Strukturen der Altenhilfe
6.1.1.1 Offene Altenhilfe
6.1.1.2 Teilstationäre Altenhilfe
6.1.1.3 Stationäre Altenhilfe
6.2 Ethnogerontologie
6.2.1 Charta für eine kultursensible Altenpflege – ein Beitrag zur interkulturellen Öffnung
6.3 Einstellung von MigrantInnen zu Hilfe, Pflege und Altendiensten
6.4 Zugangsbarrieren
6.5 Bausteine einer interkulturellen Öffnung
6.5.1 Breitgefächerte Information über Altenhilfesysteme für die ausländische Bevölkerung
6.5.2 Vernetzung der verschiedenen Dienste
6.5.3 Förderung der Selbsthilfepotenziale
6.5.4 Fort- und Weiterbildung des Personals von Altenhilfe
6.5.5 Entwicklung bedarfsgerechter Angebotsstrukturen
6.6 Modellbeispiele ausgewählter Bereiche der Altenhilfe
6.6.1 Offene Altenhilfe
6.6.1.1 Bildungsarbeit
6.6.2 Teilstationäre Altenhilfe
6.6.3 Stationäre Altenhilfe
6.7 Sterbebegleitung – (Achtung der Religiösität)

7. Schlussbemerkung

8. Literaturverzeichnis

9. Anlagen a-b

„Wer sich selbst und andere kennt,

wird auch erkennen:

Orient und Okzident

sind nicht mehr zu trennen.“

(Johann Wolfgang von Goethe)

1. Einleitung

In dieser Diplomarbeit wird es um die nichtdeutsche Altenpopulation in Deutschland gehen, die aus den ehemaligen Anwerbeländern in die BRD als sog. „GastarbeiterInnen“ kamen und hier alt geworden sind. Es zeigt sich, dass die Mehrheit von ihnen - entgegen ihren eigenen Vorstellungen und der offiziellen Ausländerpolitik - ihren Lebensabend in der BRD verbringen wird. Ihre Lebenssituation, die Hintergründe für die Entscheidung des Verbleibs und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Altenhilfe sollen in dieser Diplomarbeit erörtert werden.

Das Thema „ältere MigrantInnen“ habe ich gewählt, da ich einen persönlichen Bezug hierzu habe. Mein Vater ist einer der o. g. ehemaligen „Gastarbeiter“ aus der Türkei, der meine Mutter nach einigen Jahren Arbeitsaufenthalt nach Deutschland holte. Ihr Aufenthalt sollte wie viele anderer „Gastarbeiter“ befristet sein und nur eine Dauer von einigen Jahren haben. Aus einigen Jahren wurden Jahrzehnte. Sie gehören nicht nur der ersten Generation von „Gastarbeitern“ an sondern auch der neuen ersten Generation älterer MigrantInnen in der BRD.

Diese heute älteren MigrantInnen sind vor allem die Menschen, die in den 50er und 60er Jahren als Arbeitskräfte angeworben wurden. Ihre Wurzeln sind nun nicht nur in den Herkunftsländern vorhanden sondern auch in Deutschland durch Gründung oder Zusammenführung der Familien. Deutschland ist für sie zur zweiten Heimat geworden, ohne dass sie es bewusst beeinflussen konnten. (Vgl. Holz et al 1996,
S. 120).

Bevor ich mit dem eigentlichen Thema beginne, folgen vorher noch einige Anmerkungen zu meiner Arbeit:

Um ein präzises Bild der älteren MigrantInnen aufzuzeigen, bedarf es einer detaillierteren Vorgehensweise, als es in dieser Arbeit möglich ist. Zum einen müsste ein gesondertes geschlechtsspezifisches Kapitel über die älteren Migrantinnen aufgezeigt werden, da ihre Lebenssituation von der der männlichen differiert, sei es in Bezug auf höheres Alter, Verwitwung und der daraus resultierenden Folge der materiellen Deprivation (Mangel), der Familienzentrierung, uvm.. Auch müsste unterschieden werden, um welche MigrantInnen aus welchem Land es genau geht, da kulturspezifische Unterschiede vorhanden sind. Doch auch hier gäbe es schichtspezifische Unterschiede. Seeberger definiert es wie folgt: „Der Grund für die Migration, die kulturelle Sozialisation und die Veränderungen, die die Migration mit sich gebracht hat, sind ausschlaggebend und somit hinderlich für generalisierende Aussagen.“ (Seeberger 1998, S. 93). Dies alles in dieser Diplomarbeit zu berücksichtigen ist aus Zeitgründen nicht zu bewerkstelligen. Hinzu kommt, dass dies in der mir vorliegenden Literatur nicht ausreichend differiert wurde. Aus diesen Gründen weise ich lediglich darauf hin und schreibe in dieser Arbeit allgemein über ältere MigrantInnen aus den ehemaligen Anwerbeländern.

Zur Begrifflichkeit möchte ich anmerken, dass ich das Wort „MigrantInnen“ für die nichtdeutsche Altenpopulation aus den ehemaligen Anwerbeländern gebrauche. Damit sind in der Regel die älteren bzw. alten MigrantInnen (männlich & weiblich) gemeint, außer es ist die Rede von der Allgemeinheit der MigrantInnen. In einigen Abschnitten habe ich Zitate (Aussagen) älterer MigrantInnen hinzugefügt, die zu dem jeweiligen Abschnitt passen. Diese sind dadurch erkennbar, in dem sie kursiv dargelegt sind. Die Quellen dieser Arbeit stammen aus der Gerontologie, der Soziologie, der Psychologie, der Ethnologie und der Migrationsforschung.

Nun einiges zum Ablauf dieser Arbeit: Nachdem ich nachfolgend einiges zur Migrationsforschung berichten werde, zeige ich statistische Daten zur älteren Wohnbevölkerung in Deutschland auf. Danach werde ich im zweiten Kapitel einen kurzen Rückblick zur Geschichte der ersten Migrantengeneration (Gastarbeiter) in der BRD geben. Anschließend werde ich im dritten Kapitel ausführlich über die (aktuelle) Lebenssituation älterer MigrantInnen in der BRD, gefolgt von deren Aufenthaltsperspektiven (viertes Kapitel) berichten.

Als Nächstes folgt das fünfte Kapitel „Alter“, das ich nicht an den Anfang dieser Arbeit gestellt habe sondern vor das sechste Kapitel „Ältere MigrantInnen und Konsequenzen für die Altenhilfe zur interkulturellen Öffnung“, da dieses als passende Überleitung fungiert.

Nun das eigentliche Thema:

Als Ergebnis der Migrationsbewegungen, die nach dem zweiten Weltkrieg in Europa eingesetzt haben, ist die Existenz von nichtdeutscher Altenpopulation zu sehen. Das stellt die Migrationsforschung und die Gerontologie[1] vor neue Herausforderungen. „Die Situation der älteren Ausländer wurde von der sozialwissenschaftlichen Forschung, einschließlich der Migrationsforschung, wie auch der gerontologischen Forschung bis Mitte der 80er Jahre eher vernachlässigt.“ (Wedell 1993, S. 26). Auch deshalb, weil man auf die Rückkehr der Arbeits-MigrantInnen vertraute, was von der Realität jedoch nicht bestätigt wurde. Erst seit einigen Jahren rücken ältere MigrantInnen in den Blickpunkt und es werden vereinzelt empirische Untersuchungen vorgenommen. (Vgl. Wedell 1999, S. 131). In den meisten Untersuchungen wird ein personen- oder familienbezogener, auf die subjektive Lage ausgerichteter Untersuchungsansatz verwendet. Primär handelt es sich um exemplarische Befragungen zur Lebenssituation älterer MigrantInnen. (Vgl. Holz et al 1996, S. 13).

Gründe, warum in der Bundesrepublik Deutschland die Bevölkerungszahl der älteren MigrantInnen zunehmen wird, sind:

1. „die demographische Entwicklung und die Veränderung der Altersstrukturen der Migrantenbevölkerung,
2. die zunehmende Verweildauer von (...) Migranten im Bundesgebiet,
3. die Tatsache der Nichtrealisierung individueller Rückkehrwünsche einer großen Anzahl von (...) Migranten“. (Holz et al 1996, S. 15).

Punkt 1 – die demographische Entwicklung und die Veränderung der Alters-strukturen - wird im Folgenden erläutert:

Die Altersstruktur der ausländischen Bevölkerung gleicht sich erst allmählich der der deutschen an. So betrug 1995 der jeweilige Anteil an der Gesamtbevölkerung der über 60-jährigen bei Nichtdeutschen 5,8 %, bei den Deutschen hingegen 22,5 %. (Vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen, 2000, S. 195 f). Mittelfristig wird zwar noch davon auszugehen sein, dass das Durchschnittsalter bei den MigrantInnen jünger ist als das der deutschen Bevölkerung; langfristig wird sich jedoch eine Angleichung ergeben. (Vgl. Schiff/Dallmann 1998, S. 2).

Staatsangehörigkeit der größten Gruppen der über 60-jährigen Nichtdeutschen (1997):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt. In: Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen 2000, S. 196.

1998 lebten etwa 500.000 ausländische Menschen im Alter von über 60 Jahren in der BRD – davon stammen etwa 60 % aus den ehemaligen Anwerbeländern. (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000, S. 117). Es wird geschätzt, dass im Jahr 2010 1.307.000 ausländische Senioren in der BRD leben werden. (Vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen 2000, S. 195 f). Bis zum Jahre 2030 soll die Zahl auf über 2,8 Mio. MigrantInnen ansteigen. (Vgl. Scheib 1997, S. 1). In der Altersgruppe der über 85-jährigen wird mit einem hohen Anstieg bis zum Jahre 2030 gerechnet. Hier wird ein Zuwachs von etwa 170 % bei der deutschen Bevölkerung prognostiziert. Bei der ausländischen Bevölkerung wird ein Zuwachs von 1.700 % erwartet. (Vgl. Wölk 1997, S. 7 f).

2. Geschichte der ersten MigrantInnengeneration / GastarbeiterInnen

„Man hat Arbeitskräfte gerufen

Und es kommen Menschen!“

(Max Frisch)

Bereits in der Geschichte war Migration oft die Lösung von Problemen. Denn dadurch hat sie Millionen von Menschen neue Möglichkeiten eröffnet und die Entwicklung vieler Länder begünstigt. Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre wurde das Arbeitskräftedefizit in Deutschland von ausländischen Arbeitnehmern abgedeckt. Neben der raschen wirtschaftlichen Expansion trugen zu dem Bedarf an Arbeitskräften u. a. die verlängerten Schul- und Ausbildungszeiten und die Arbeitszeitverkürzungen bei. Nicht zu vergessen ist hierbei auch der Bau der Berliner Mauer, durch den der Zufluss von Arbeitskräften aus der DDR versiegte. (Vgl. Thränhardt 1988, S. 4. In: Wedell 1993, S. 18).

Bilaterale Abkommen über temporäre Arbeitsmigration zwischen der Bundesrepublik und Ländern Süd-Südosteuropas wurden unterzeichnet. Das erste Abkommen wurde mit Italien (1955), gefolgt von Spanien und Griechenland (1960), dann mit der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und zuletzt mit Jugoslawien (1968) abgeschlossen. (Vgl. Rittersberger-Tılıç 1998,
S. 25 ff und passim). Die Herkunftsländer konnten der Auswanderungswelle ebenfalls etwas Positives gewinnen. Der türkische Staat z. B. verdiente während dieser Anwerbung pro Kopf 640 DM. (Vgl. Leggewie 1993, S. 79. In: Seeberger 1998, S. 21). Ausserdem hatten die Herkunftsländer auch den positiven Nebeneffekt, dass ihre Arbeitslosigkeit exportiert wurde. Mit dieser Anwerbung von ausländischen Arbeitnehmern setzte eine Wanderungsbewegung ein, die als eine der größten Bevölkerungswanderungen der europäischen Geschichte bezeichnet wird. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1993: Ältere Ausländer in der Bundesrepublik, S. 45). Die Gastarbeiter, vorwiegend junge Männer, arbeiteten vor allem als un- und angelernte Arbeiter in den Industriebereichen, wie Bergbau, Stahlindustrie, Metallverarbeitung, Autoindustrie u.s.w. (Vgl. Scheib 1997, S. 1).

Aufgrund ihrer Arbeitsmigration ermöglichten sie den deutschen Arbeitnehmern in qualifiziertere Berufe aufzusteigen. (Vgl. Seidel 1988, S. 47). Der am stärksten den Aufstieg hemmende Faktor bei den ArbeitsmigrantInnen dürften die deutsche Sprachprobleme (siehe hierzu Kapitel 3.5) gewesen sein. Denn nachahmend repetitive Tätigkeiten konnten nahezu sprachfrei vollzogen werden, wohingegen Tätigkeiten mit Entscheidungsspielraum bzw. Weisungsbefugnis kommunikationsintensiver und somit auch sprachgebunden waren. (Vgl. Herrmann 1982, S. 210). Gaitanides beschreibt diesen Vorgang als Vorrücken deutscher Arbeiter in „moderne“ Arbeitsplätze und das Nachrücken der Ausländer in „veraltete“ Positionen. (Vgl. Gaitanides 1983, S. 24).

1966 war mit 1,3 Mio. ein erster Höhepunkt der Ausländerbeschäftigung in der Nachkriegszeit erreicht. 1973 war sie schon aufgrund von Familiennachzug und Geburtenüberschuss auf 3,98 Mio. angestiegen. Dies entsprach einer Quote von über 11 %. (Vgl. Seidel 1988, S. 48 ff). Im November 1973 folgte der Anwerbestopp in Deutschland, der nicht wie gehofft auf eine Abnahme der ausländischen Bevölkerung führte sondern aufgrund der Familienzusammenführungen zum Anstieg der ausländischen Bevölkerung führte. (Vgl. Rittersberger-Tılıç 1998, S. 25 ff und passim). „Junge, ungebundene, ausländische Arbeitnehmer zogen bei schwieriger werdender Lage eher in das Heimatland zurück, Verheiratete versuchten, die gesamte Familie hier anzusiedeln.“ (Seidel 1988, S. 50). Insgesamt wanderten von 1960 bis 1979 etwa 13,2 Mio. GastarbeiterInnen in die BRD. Knapp 10 Mio. kehrten im gleichen Zeitraum wieder in ihre Herkunftsländer zurück. Ende 1980 ging die Zahl runter auf rund 4,5 Mio. GastarbeiterInnen in der BRD. (Vgl. Beyfuß 1982, S. 304). Dennoch wurde im Dezember 1983 eine Veränderung im Ausländergesetz vorgenommen – das Rückkehrförderungsgesetz. Unter bestimmten Voraussetzungen, die die Arbeitssituation sowie die Nationalität und Familiengröße betreffen, erhielten die Antragsteller einen gewissen Geldbetrag. (Vgl. Rittersberger-Tılıç 1998, S. 25 ff und passim). Denn die Anwesenheit von MigrantInnen, die nicht mehr ihre Funktion als Arbeitskräfte erfüllen, war migrationspolitisch nicht vorgesehen. Lange Zeit fehlte den europäischen Immigrationsländern das „Problembewusstsein“ in der gerontologischen Theorie und Intervention sowie in der Migrationsforschung. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1993, Altern in der Migration, S. 8).

Als Hintergrund für diese Vernachlässigung spielten zum einen eine Rolle, dass die Gruppe der Alten bei den MigrantInnen relativ spät erst zu einer quantitativ erheblichen Größe wurde. Zum anderen wird mit dem Grundsatz, dass Deutschland kein Einwanderungsland ist, die Wahrnehmung von MigrantInnen in der Rolle als befristeten „Gastarbeiter“ gesehen. (Vgl. Schulte 1993, S. 26). „Die [allmähliche] Beschäftigung mit dem Alter der Arbeitsmigranten ist somit gleichzeitig die Falsifikation der These vom Provisorium der Migration.“ (Dietzel-Papakyriakou 1993, Altern in der Migration, S. 8). Zu den ersten Tagungen über dieses Thema gehörte die 1988 stattgefundene Tagung der griechischen Sozialberater des Diakonischen Werkes im Rheinland, die auf die Thematik der älteren MigrantInnen aufmerksam machte. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1988, S. 44).

In den letzten Jahren hat auch die Migrationsbereitschaft älterer Menschen aus den EU-Ländern zugenommen. Denn Rentner innerhalb der EU haben die Wahl ihren Wohnort frei zu wählen. (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000, S. 118).

2.1 Gründe für die Migration

Die Emigrationsbewegung nach dem zweiten Weltkrieg differierte sehr zu der Auswanderung nach Amerika gegen Ende des letzten Jahrhunderts. Diejenigen, die damals ihre Heimat verließen, trafen eine endgültige Lebensentscheidung. Die Emigration nach dem zweiten Weltkrieg sollte jedoch nur von begrenzter Dauer sein. Die ausländischen Arbeitskräfte wollten in einigen Jahren soviel Geld verdienen, dass sie sich in ihrer Heimat eine Existenz aufbauen konnten. Andere sind in Folge der Familienzusammenführung nach Deutschland migriert. (Vgl. Polimeni 1988, S. 38; Wedell 1993, S. 21).

Grund für die Migration war nicht – wie von einigen behauptet – der Wunsch gewesen, den fortschrittlichen Westen kennenzulernen sondern eher der Arbeitslosigkeit, der Unterbeschäftigung und der Armut zu entfliehen, sowie die geringen sozialen Chancen für die Kinder. Somit war der Migrationsgrund der, im Aufnahmeland zu arbeiten, den Lebensunterhalt zu verdienen und für eine bessere Zukunft – zumindest für die Kinder - durch Ersparnisse, die sie im Herkunftsland nicht hätten bilden können, vorzusorgen. (Vgl. Rittersberger-Tılıç 1998, S. 50). Dieser Aufenthalt sollte zeitlich befristet sein. Denn das Migrationsziel war es durch die Erwerbstätigkeit die Voraussetzungen zu schaffen, um im Herkunftsland eine gesicherte Existenz aufzubauen und dann dorthin zurückzukehren. (Vgl. Holz et al 1996, S. 16; Dietzel-Papakyriakou 1988, S. 42). Aber auch andere individuelle Motive lagen in der Abwanderung, deren Grund nicht in der Arbeitslosigkeit lag. Befragungen haben gezeigt, dass eine große Zahl der Abwanderer einen festen Arbeitsplatz hatten. Ihr Motiv war es, im Aufnahmeland in möglichst kurzer Zeit viel Geld zu verdienen und dann ins Heimatland zurückzukehren und sich selbstständig zu machen. (Vgl. Beyfuß 1982, S. 311). Doch die Migration wurde unbeabsichtigt zum längsten Provisorium ihres Lebens. (Vgl. Wölk 1997, S. 7).

3. Lebenssituation von älteren MigrantInnen in der BRD

Die Eindrücke und Erfahrungen, die die MigrantInnen in der BRD machen, empfinden sie als ambivalent. Einerseits sind sie für die Möglichkeiten in den Bereichen des Gesundheitswesens, der Altenhilfe und der sozialen Sicherung, die ihnen die BRD bietet, dankbar. Andererseits machen sie die BRD verantwortlich für ihr Leid, da sie sich auf Grund der besonderen Umstände krank, alt und verbraucht fühlen. (Vgl. Altun 1996, S. 1). Wie genau jedoch ihre Lebenssituation in der BRD aussieht, wird im Folgenden durch Erläuterung verschiedener Dimensionen, die die Lebenssituation betreffen, beschrieben. Diese Teilbereiche stehen untereinander im Zusammenhang und stellen als Ganzes gesehen die Lebenssituation älterer MigrantInnen dar.

3.1 Aufenthaltsstatus

3.1.1 Ausländerrechtlicher Aufenthaltsstatus

Viele ältere MigrantInnen haben einen unsicheren Aufenthaltsstatus. Wenn die älteren MigrantInnen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, trifft auf sie § 24 Absatz 2 Ausländergesetz (AuslG) zu. Dieser lautet, dass, wenn der Ausländer nicht erwerbstätig ist, die Aufenthaltserlaubnis nach Maßgabe des Absatz 1 nur verlängert wird, wenn der Lebensunterhalt des Ausländers aus eigenem Vermögen oder aus sonstigen eigenen Mitteln gesichert ist. (Vgl. Tan 1993, S. 39). Auch kann nach § 24 Absatz 2 Satz 2 AuslG eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in eine befristete umgewandelt werden, wenn der Ausländer nicht innerhalb von drei Jahren nachweist, dass sein Lebensunterhalt aus eigener Erwerbstätigkeit gesichert ist. (Vgl. Deutsches Ausländerrecht 1998, S. 11).

Trotz Aufenthalt von vielen Jahren verfügen viele ältere MigrantInnen nicht über eine Aufenthaltsberechtigung, welche nach § 48 AuslG als wirkungsvoller Ausweisungsschutz gilt. (Vgl. Tan 1993, S. 39). Nach § 27 AuslG erhält derjenige Ausländer eine Aufenthaltsberechtigung, der seit acht Jahren die Aufenthaltserlaubnis oder seit drei Jahren die unbefristete Aufenthaltserlaubnis besitzt oder zuvor im Besitz einer Aufenthaltsbefugnis war. (Vgl. Deutsches Ausländerrecht 1998, S.13). Auch für die Aufenthaltsberechtigung gilt wiederum die Auflage der Bestreitung des Lebensunterhaltes aus eigenen Mitteln bzw. eine angemessene wohnliche Unterbringung sowie einfache deutsche Sprachkenntnisse – gemessen an der Fähigkeit, mit den Behördenvertretern in verständlicher Weise zu kommunizieren. Bei einer 1995 durchgeführten Repräsentativuntersuchung gaben 30 % der Befragten im Alter über 45 Jahren an, nichts von der Möglichkeit eines besseren Aufenthaltsstatus gewusst zu haben. (Vgl. Scheib 1997, S. 3). Sie haben somit oftmals einen ungesicherten Aufenthaltsstatus, da nach § 46.6 in Verbindung mit § 45 Absatz 1 AuslG bei Inanspruchnahme von Sozialhilfe die Möglichkeit einer Ausweisung besteht. (Vgl. Tan 1993, S. 39).

3.1.2 Rückkehroption in die BRD

§ 44 Absatz 1 Satz 3 AuslG besagt, dass die Aufenthaltsgenehmigung grundsätzlich erlischt, wenn sich der Ausländer länger als 6 Monate im Ausland aufhält. Ausländerrechtliche Bestimmungen stehen dem Wunsch vieler MigrantInnen zu „pendeln“, das heißt, ihr Leben zum Teil im Herkunftsland und zum Teil in der Bundesrepublik Deutschland zu verbringen, entgegen. Das Ausländergesetz übt auf die MigrantInnen der ersten Generation aus Nicht-EU-Ländern einen praktischen Zwang aus, sich zwischen einem Verbleib in der BRD und einer endgültigen Rückkehr ins Herkunftsland entscheiden zu müssen. (Vgl. Holz et al 1996, S. 20). Ausnahmen dieser Regelung für Rentner bzw. ihre Ehegatten finden sich in § 44 Absatz 1a und b AuslG. Hier wird gesagt, dass die unbefristete Aufenthaltserlaubnis oder die Aufenthaltsberechtigung nach 6 Monaten nicht erlischt, wenn der Ausländer sich mindestens 15 Jahre rechtmäßig in der BRD aufgehalten hat, eine Rente bezieht, unabhängig vom Sozialamt ist und Krankenversicherungsschutz genießt. Dies gilt ebenso für den Ehegatten des begünstigten Ausländers. Nach § 16, Absatz 5 AuslG besteht die Möglichkeit der Rückkehr ins Bundesgebiet, wenn der/die ältere Migrant/in von einem Träger im Bundesgebiet Rente bezieht und sich vor seiner/ihrer Ausreise mindestens acht Jahre rechtmäßig im Bundesgebiet aufgehalten hat. (Vgl. Deutsches Ausländerrecht 1998, S. 22 f).

Da mittlerweile immer mehr Türken der ersten Migrantengeneration, Männer und Frauen eine Rente beziehen, lautet die Schlussfolgerung, dass es sich heute immer mehr MigrantInnen der ersten Generation leisten können, zurückzukehren, ohne ihre Aufenthaltserlaubnis zu verlieren. (Vgl. Wolbert 1995, S. 177). Allerdings kann die Voraussetzung für einen Wiederkehranspruch entfallen, wenn MigrantInnen vom Recht auf Beitragserstattung Gebrauch gemacht haben, in dem sie gezahlte Beiträge zurückerstattet bekommen haben und damit die Rentenansprüche aus der Rentenversicherung verbraucht sind. (Vgl. Schulte 1993, S. 29). Diese Möglichkeit besteht inzwischen aber nur für eine Minderheit von MigrantInnen, die aus Ländern stammen, mit denen keine zwischenstaatlichen Abkommen zur wechselseitigen Anerkennung von Sozialversicherungsansprüchen abgeschlossen wurden. Bei Bürgern aus der EU gilt das o. g. Ausländerrecht nicht. Hier bestehen keine Probleme bei der Einreise.

Einen Grund für die Rückkehr in die BRD definiert Straßberger wie folgt: „Der Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren, liegt nicht etwa in der Attraktivität Deutschlands oder der deutschen Kultur begründet, sondern im Fehlen einer individuellen Zukunftsperspektive in der Türkei“ (Straßburger 1992, S. 59).

3.2 Finanzielle Situation

Ersparnisbildung war in der Regel das Ziel des Aufenthalts zu Beginn der Migration. Diese Zielsetzung ist aufgrund geringer sozialer Chancen und der Unsicherheit des Aufenthalts in Deutschland bei der „Gastarbeitergeneration“ nicht durch eine andere abgelöst worden. Durch die Ersparnisbildung sollen Investitionen in Renten, Grundstücke, Wohnungen und Geschäfte für sich und die Angehörigen (z. B. Mitgift, Startkapital für die Kinder) im Heimatland ermöglicht werden. (Vgl. Wolbert 1995, S. 117; Dietzel-Papakyriakou 1988, S. 42). Dies bestätigt auch folgendes Zitat: „Vor allem die erste Generation türkischer Arbeitnehmer versuchte ihren Lebensstandard in Deutschland auf möglichst niedrigem Niveau zu halten. Da für sie der Traum einer Rückkehr noch maßgeblich ihr Leben in der „Fremde“ bestimmte.“ (Rittersberger-Tılıç 1998, S. 226).

Mit ihrer Lohnarbeit in Deutschland sichert sich die erste Migrantengeneration aber auch ihre Altersversorgung. Sie sind im Gegensatz zu vielen ihrer Eltern im Alter von ihren Kindern ökonomisch finanziell unabhängig. (Vgl. Wolbert 1995, S. 161).

Aufgrund ihrer hauptsächlichen Beschäftigung als an- und ungelernte Arbeiter müssen ältere MigrantInnen allerdings mit niedrigen Altersrenten rechnen. (Vgl. Holz et al 1996, S. 16; Scheib 1997, S. 2). Lohnvergleiche zeigen, dass MigrantInnen selbst bei gleicher Einstufung in die Kategorien ungelernt/angelernt/gelernt wie Einheimische weniger verdienten. (Vgl. Repräsentativuntersuchung 1985: Situation der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1986. In: Dietzel-Papakyriakou 1988. S. 43). Dies hat u. a. auch zur Folge, dass für viele gegen Ende ihres Arbeitslebens, wenn sie keine besser bezahlten körperlichen Schwerarbeiten mehr machen können, ein Sozialhilferisiko besteht. (Vgl. Holz et al 1996, S. 16; Scheib 1997, S. 2).

Bei den Altersrenten erreichen ausländische Arbeiter keine durchschnittlichen Werte, weil Zeiten wie zum Beispiel Militärdienst nicht anerkannt werden, aber auch weil sie oftmals aufgrund von Unterbrechungen oder frühzeitiger Rückkehr eine unvollständige Sozialversicherungszeit aufweisen, oder aber auch weil sie im Herkunftsland nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrenten, deren Anzahl bei den Arbeits-MigrantInnen hoch ist, fallen entsprechend niedriger aus. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1988, S. 43; Scheib, 1997, S. 2). Der Grund für die Erwerbs- und Berufsunfähigkeiten älterer MigrantInnen liegt vor allem bei den außerordentlichen gesundheitlichen Arbeitsbelastungen, worauf in Kapitel 3.4 „Gesundheit“ näher eingegangen wird. 1997 wurde ermittelt, dass das durchschnittliche Pro-Kopf-Nettoeinkommen der über 60-jährigen Ausländer 1.414 DM betrug, was etwa 85 % des Einkommens der gleichaltrigen Deutschen entsprach. Das Einkommen der älteren Türken lag durchschnittlich bei 1.100 DM, das der älteren Griechen bei 1.298 DM. Das Einkommen der älteren Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien betrug durchschnittlich 1.185 DM. (Vgl. Statistisches Bundesamt 1995. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000, S. 119). Warum das Einkommen der MigrantInnen aus den verschiedenen Herkunftsländern differiert, geht aus dem Literaturbericht nicht hervor.

Aus dem Forschungsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung geht hervor, dass ein beträchtlicher Anteil der ausländischen Rentner nur über ein monatliches Pro-Kopf-Einkommen verfügt, das unter dem Sozialhilferegelsatz für Haushaltsvorstände[2] liegt. Demgegenüber gibt lediglich eine Minderheit der Befragten an, tatsächlich Sozialhilfe zu beziehen – sei es aus Scham oder Unkenntnis. Hinzu kommt, dass der Bezug von Sozialhilfe grundsätzlich – wie in Kapitel 3.1.1 „ausländerrechtlicher Aufenthaltsstatus“ bereits erwähnt – bei ungesichertem Aufenthaltsstatus und bei MigrantInnen, deren Herkunftsländer keinen zwischenstaatlichen Vertrag mit Deutschland bezüglich der wechselseitigen Inanspruchnahme sozialer Rechte bestehen haben - einen möglichen Grund für die Nichtverlängerung der Aufenthaltsgenehmigung darstellt, so dass die Vermutung nahe liegt, dass zahlreiche anspruchsberechtigte ältere MigrantInnen insbesondere aufgrund befürchteter rechtlicher Konsequenzen auf eine Inanspruchnahme von Sozialhilfe verzichten. (Vgl. Schiff/Dallmann 1998, S. 2). Diese Angst ist weit verbreitet – auch bei Personen, die aufenthaltsrechtlich gesichert sind und eigentlich nichts befürchten müssen. Ihnen sind ihre Rechte nicht immer vertraut. 7,8 % der über 65-jährigen ausländischen Bevölkerung war Ende 1994 auf Sozialhilfe angewiesen, wohingegen es bei der gleichaltrigen deutschen Bevölkerung lediglich 1,1 % waren. (Vgl. Statistisches Bundesamt 1995. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000, S. 119). Mögliche Folge der aktuellen materiellen Situation von MigrantInnen wird eine verstärkte Altersarmut sein.

3.3 Wohnsituation/Wohnumgebung

Die Wohnsituation der MigrantInnen steht im Zusammenhang mit der materiellen Situation. (Vgl. Schulte 1993, S. 30). Sie ist eine der klassischen Bereiche, in denen die benachteiligte soziale und ökonomische Stellung der Arbeits-MigrantInnen deutlich wird. Hierzu gehört die Wohnungsausstattung - vor allem in Hinblick auf ihre altersgerechte Qualität, die infrastrukturelle Ausstattung des Wohnumfeldes, die räumliche Erreichbarkeit von wichtigen Einrichtungen, die Transportmittel etc. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1993, Altern in der Migration, S. 118).

Die Arbeits-MigrantInnen haben sich zu Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs der Nachkriegsjahre vorwiegend in den städtischen Ballungsgebieten mit größeren Industrieansiedlungen – zunächst meist in Betriebsunterkünften - niedergelassen, wodurch sie heute noch vor allem in größeren Städten leben. Sie leben in der Regel in (sozial) benachteiligten und von der Kommunalpolitik vernachlässigten Stadtteilen. (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1998, S. 230 f). In einer vom ISS (Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V.) 1993/1994 durchgeführten Untersuchung gab die Mehrzahl der untersuchten älteren MigrantInnen an, dass sie seit ihrer Ankunft in der Bundesrepublik an ihrem gegenwärtigen Wohnort leben. Wenn sie die Wohnung wechselten, dann meist nur innerhalb des Ortsteils. Gründe für die geringe Mobilität sind zum einen die vertraute Umgebung sowie die eigene ethnische Lebenswelt. Zum anderen konnte eine Verbesserung der Wohnsituation aufgrund der für sie zu hohen Mietpreise und dem geringen Einkommen nicht durchgesetzt werden. (Vgl. Holz et al 1996, S. 124 f).

Die Wohnungen in den Städten „befinden sich überwiegend in sanierungsbedürftigen Stadtvierteln, in alten Arbeiterwohngebieten mit schlechter Bausubstanz, in alten Vorortkernen mit vielen abbruchreifen Siedlerhäusern und in einzelnen alten Häusern. In vielen Fällen sind die Wohnungen durch einen Mangel an sanitären und technischen Einrichtungen gekennzeichnet.“ (Reimann 1987, S. 179 ff zit. n. Schulte 1993, S. 30). Die Wohnungsausstattung ist im Vergleich zu Deutschen auf niedrigem Niveau gehalten, insbesondere bei Bad, WC und Sammelheizung. (Vgl. Scheib 1997, S. 3). Dieses Manko - sowie bei mehrgeschossigen alten Gebäuden ohne Fahrstuhl im Alter - stellen zusätzliche gesundheitliche Belastungen dar. Diese ungünstigen Wohnbedingungen sind angesichts der Häufigkeit von Frühinvalidität und von Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates bei den MigrantInnen ein enormes Hindernis in der Alltagsbewältigung. (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000, S. 120).

Da die Wohnsituation familien- und mehrgenerationengeprägt ist, ist das Zusammenleben in einer 3-Zimmer-Wohnung von zwei bis drei Generationen keine Seltenheit. Auch wohnen sie häufig in stigmatisierten Stadtteilen und es fehlt oft an sozialer Infrastruktur. (Vgl. Holz et al 1996, S. 19; Scheib 1997, S. 3). Jedoch meinen einige Kommunalpolitiker zu MigrantInnen, die in „Ghettovierteln“ leben, dass Ethnizität dabei eine enorme Rolle spiele: „Die Ausländer konzentrierten sich aus psychosozialen Gründen in den Vierteln hoher Ausländeranteile zur Befriedigung ihrer kommunikativen und interaktiven Bedürfnisse und würden dafür auch hohe Mieten und mindere Wohnqualität in Kauf nehmen.“[3] (Bayerischer Landtag, 7.5.1980, Ausländische Kinder und Jugendliche in Bayern, Protokoll. In: Gaitanides 1983, S. 30). Entgegen dieser Unterstellung geht aus einer Untersuchung hervor, dass ein großer Teil der TürkInnen einen von überwiegend Deutschen bewohnten Viertel statt eines „Ghettoviertels“ bevorzugt. (Vgl. Gaitanides 1999,
S. 8).

In einer Sekundäranalyse des Zentrums für Türkeistudien über die Wohnverhältnisse älterer MigrantInnen in Nordrhein-Westfalen wurde als auffälliges Ergebnis die Zweiteilung der Gruppen älterer MigrantInnen festgestellt. Nämlich, dass einer kleinen Gruppe ökonomisch erfolgreicher MigrantInnen, die häufig eine Eigentumswohnung oder ein Haus erworben haben, eine große Gruppe älterer MigrantInnen gegenüber steht, die finanziell in kargen Verhältnissen leben und dadurch nicht aus den oft schlecht ausgestatteten Wohnungen in weniger „problematische“ Stadtteile umziehen können. Sie sind gerade auf diese schlechter ausgestatteten und gelegenen, aber preiswerteren Wohnungen angewiesen. (Vgl. Zentrum für Türkeistudien 1996/1997: Regionale Unterschiede der Wohnverhältnisse älterer Migranten in Deutschland, Internet). Allerdings wurden aufgrund der Rückkehrorientierung von Anfang an Wohnungs-Investitionen eher im Herkunftsland getätigt und somit nicht auf Verbesserungen der Wohnsituation im Aufnahmeland hin gespart und investiert. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1993, Altern in der Migration, S. 98). Dennoch steigt die Bereitschaft zum Eigentumserwerb bei der ausländischen Bevölkerung allmählich. Durch gemeinsame Finanzierung der ganzen

Familie werden Altbauten erworben, renoviert und das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach realisiert. 1993 lag die Eigentumsquote bei den Nichtdeutschen über 65 Jahre bei 22,7 %. (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2000, S. 120).

Positiv ist zu verzeichnen, dass mit zunehmenden Kompetenzen, längerer Aufenthaltsdauer und einer verbesserten Lebenssituation vor allem in der zweiten Generation das Gefälle in der Wohnqualität zwischen MigrantInnen und einheimischer Bevölkerung abnimmt. (Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 1998, S. 235).

3.4 Gesundheitszustand

„Gesundheit kann als physisches, psychisches und gesellschaftliches Wohlbefinden des Menschen definiert werden.“ (Seeberger 1998, S. 65). Der Gesundheitszustand kann Schlüsse auf Hilfs- und Pflegebedürftigkeit zulassen.

Die Gesundheit im Alter ist für die Lebensqualität - unabhängig der Nationalität - von entscheidender Bedeutung. Jedoch haben in der Migration alt gewordene Menschen ein anderes Verständnis und eine andere Wahrnehmung ihres Gesundheitszustandes als deutsche Ältere. Denn bisherige Untersuchungen belegen, dass das Empfinden über Körper und Seele von migrationsspezifischen physischen und psychischen Belastungen abhängig ist. (Vgl. Holz et al 1996, S. 122). Dies bestätigen auch Schiff und Dallmann, in dem sie sagen, dass der Gesundheitszustand der MigrantInnen weitgehend durch deren soziale Situation bedingt ist. (Vgl. Schiff/Dallmann 1998, S. 4).

Der größte Teil der alten MigrantInnen gehört den Gruppen an, die bei der Anwerbung in den Herkunftsländern einer strengen gesundheitlichen Kontrolle durch die medizinischen Kommissionen der Bundesanstalt für Arbeit unterzogen wurden. Sie wiesen als selektionierte Populationen einen guten, im Vergleich zum Durchschnitt der gleichaltrigen einheimischen Bevölkerungsgruppen sogar einen besseren Gesundheitsstatus auf. (Vgl. Viefhues et al. 1982. In: Dietzel-Papakyriakou 1993, Altern in der Migration, S. 118; Lajios 1993, S. 75).

Selbst ihr Gebiss wurde eingehend einer Untersuchung unterzogen. Die Einreiseerlaubnis erhielten nur diejenigen, die keine gesundheitlichen Mängel aufwiesen. (Vgl. Wölk 1997, S. 11). Entsprechend lagen ihre Krankenstandsquoten bis zum Anfang der 70er Jahre unter dem Krankenstand deutscher Vergleichsgruppen, ab dann stiegen sie kontinuierlich an und lagen in 80er Jahren über dem Krankenstand der Einheimischen. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1987. In: Dietzel-Papakyriakou 1993, Altern in der Migration, S. 118). Auch das Krankheitsspektrum der MigrantInnen hat sich mit der Zeit dem der Einheimischem in ähnlicher sozialer Lage angeglichen. (Vgl. Dietzel-Papakyriakou 1988, S. 44).

Es folgen nun Ergebnisse einiger Untersuchungen, die nicht explizit in den physischen bzw. psycho-physischen Bereich aufgeteilt werden können, da aus beiden Bereichen Krankheiten aufgeführt sind und aus diesem Grund nun nachfolgend in diesem Kapitel dargestellt sind.

Verschiedene Untersuchungen weisen nach, dass die am häufigsten auftretenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen arbeitsbedingte Verschleisserscheinungen, Frühinvalidität, psychosomatische Erkrankungen und chronische Erkrankungen sind. (Vgl. Scheib 1997, S. 3). Depression ist eine der chronischen Erkrankungen. Körperliche chronische Krankheiten sind Beschwerden wie Rheuma und Arthrose. (Vgl. Holz et al. 1996, S. 122).

Bei der bereits genannten Untersuchung vom ISS 1993/94 zur Entwicklung eines Programms zur angemessenen Versorgung von älteren MigrantInnen, gab die Mehrheit der Untersuchten an, dass ihr Gesundheitszustand negativ sei. Begründet wurde dies durch schlechte Arbeitsbedingungen während ihrer Arbeitsmigration (siehe hierzu 3.4.1) sowie durch schlechtere Wohnverhältnisse als die der Einheimischen. Sie fühlten sich in ihrem subjektiven Befinden – unabhängig von ihrem Alter – als alt und verbraucht. Dies führten sie auf psychosoziale Probleme, wie der Trennung von Heimat und Familie, Trennung von den eigenen Eltern, die zum Teil gestorben sind, ohne dass sie dabei sein konnten, Generationenkonflikte, unsichere Zukunftsperspektiven sowie der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit zurück. Depressionen waren die Folge dessen. Viele von ihnen litten auch unter Hypertonie (Bluthochdruck). (Vgl. Holz et al. 1996, S. 122; Wölk 1997, S. 11).

3.4.1 Arbeitsbelastungen und deren Folgen

Die Belastungsfolgen der genannten Arbeitsbelastungen sind wie folgt:

- Schichtarbeit: Schlafstörungen, Verdauungsstörungen, Magengeschwüre.
- Akkordarbeit: Die Arbeit unter Zeitdruck wird zu einer Normalleistung, was zur übermäßigen Verausgabung physischer und psychischer Energien führt.
- Monoton-repetitive Arbeiten: Einseitige motorische Belastung, deren Folge chronische Erkrankungen der einseitig belasteten Organe sein kann.
- Ungünstige Arbeitsumwelt (wie Lärm, extreme Temperaturen, Staub, Feuchtigkeit, Nässe, Gase, Gestank, Schmutz): Gehörschäden, Rheumatismus, Staublunge usw.

(Vgl. Gaitanides 1983, S. 178).

Aufgrund beruflich starker einseitiger körperlicher Belastung bzw. Überlastung des Organismus unter Zeitdruck ohne Rücksicht auf den natürlichen Rhythmus von Regeneration und Aktivierung der Kräfte wird Raubbau an der Gesundheit getrieben. Die Erschöpfungszustände degradieren die Freizeit zur physischen Erholungszeit und führen zu einer psychosozialen Deprivation, die wiederum die Lebensenergien negativ beeinträchtigen. (Vgl. Gaitanides 1983, S. 165).

Eine Untersuchung des Zentrums für Türkeistudien in Hamburg, bei der 1.037 Interviews mit älteren MigrantInnen aus der Türkei, Italien, Portugal, Jugoslawien, Kroatien, Bosnien-Herzogowina, Polen und dem Iran im Alter von 55 Jahren und älter ausgewertet wurden, besagt, dass 40 % aller Befragten und 50 % der befragten TürkInnen aus Krankheitsgründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden. (Vgl. Zentrum für Türkeistudien 1996/1997, Sozial-empirische Untersuchung zur Wohn- und Lebenssituation älterer ausländischer Hamburgerinnen und Hamburger, Internet.).

3.4.2 Gesundheitsverhalten und Krankheitskonzept

Der schlechte Gesundheitszustand entsteht u. a. aufgrund geringerer Inanspruchnahme von Vorsorgeprogrammen. (Vgl. Winkler 1988, S. 36). Jedoch fällt Ärzten und Fachpersonal im Umgang mit alten MigrantInnen oft die überdurchschnittlich hohe Heilserwartung an Medikamente und der lässige Umgang mit denselben auf. (Vgl. Tagung „Altern in der Fremde“, 2.-3.12.1994, Gesundheitsamt Heidelberg. In: Wölk 1997, S. 13). Auch können Befindlichkeiten im Alter wie Schmerzen usw. aufgrund des Sprachmangels nicht exakt vermittelt werden. Somit besteht das Risiko einer Fehldiagnostik. (Vgl. Hummel 1988, S. 46). Einige Kliniken berichteten, dass 48 % der Diagnosen bei türkischen Arbeits-MigrantInnen nicht stimmen. Kulturspezifische unterschiedliche Erlebens- und Ausdrucksweisen der Beschwerden führen bei Sprachproblemen zur Verharmlosung der Beschwerden und zu unvollständigen Diagnosen. Fehldiagnosen führen zur Erkrankung und letztendlich zur Chronifizierung der Beschwerden. (Vgl. Eskandarkhan 1997, S. 2).

Eine Zusammenarbeit der Krankenkassen, der Ärzte, der Gesundheitsämter sowie der Beratungsstellen für MigrantInnen wäre sinnvoll, um einen Informationsfluss sowie Präventionsmaßnahmen zu gewährleisten. Somit würde die Lücke zwischen dem Gesundheitszustand der älteren MigrantInnen und dem, was zur Verbesserung getan wird, geschlossen. (Vgl. Wölk 1997, S. 14).

3.4.3 Physische Situation

Nach den Ergebnissen einer Untersuchung des Zentrums für Türkeistudien im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gehören gesundheitliche Einschränkungen zu den zentralen Defiziten im Leben älterer MigrantInnen. Über die Hälfte der 198 in dieser Studie Befragten gaben an, auf ständige ärztliche Behandlung sowie auf regelmäßige Medikamente angewiesen zu sein. Zu dieser Gruppe gehörten primär Frauen und Nichterwerbstätige. Die meisten der Untersuchten wiesen dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen auf – vor allem die Frauen. Das liegt gewiss auch an der zurück liegenden Doppelbelastung der Frauen durch Arbeit und Familie. Lediglich 7 % der Frauen und 15 % der Männer gaben an, keine gesundheitlichen Einschränkungen zu haben. Bei den gesundheitlichen Beeinträchtigungen handelt es sich vor allem um Erkrankungen des vegetativen Nervensystems sowie Herz- und Kreislaufbeschwerden. Allein 46 % der Frauen gaben an, unter Kreislaufbeschwerden zu leiden. Ein Drittel der Befragten hat eine amtliche Anerkennung einer bestehenden Erwerbsminderung. (Vgl. Sen et al 1992. In: Wölk 1997, S. 12).

„Folgende Krankheiten kommen bei älteren Migranten gehäuft vor:

- Erkrankung der Bewegungsorgane
- Erkrankung der Atmungsorgane
- Herz- und Kreislaufprobleme, Bluthochdruck
- Erhöhte Cholesterinwerte und Übergewicht
- Diabetes
- Magen- und Zwölffinger-Enddarmgeschwüre[4]
- Psychosomatische Erkrankungen (siehe Kapitel 3.4.3)
- Depressionen“ (siehe Kapitel 3.4.3)

(Eskandarkhan 1997, S. 3)

3.4.4 Psycho-physische und psycho-soziale Situation

„Psychosomatik ist ein Teilgebiet der Medizin und Psychologie, das den Zusammenhang zwischen psychischen Vorgängen und körperlichen (somatischen) Erkrankungen erforscht. Psychosomatik geht davon aus, dass nicht bewältigte psychische Konflikte zu körperlichen Krankheiten führen können.“ (Lajios 1993, S. 74).

Es wird angenommen, dass psychosomatische Erkrankungen bei MigrantInnen oft vorkommen. (Vgl. Holz et al 1996, S. 19). „Psychosoziale Probleme sind keine Besonderheit der hier lebenden (...) Migranten, sondern eine zur Normalität gehörende Folgeerscheinung hochindustrialisierter, komplexer Gesellschaften.“ (Diller 1986, zit. n. Seeberger 1998, S. 62). Nach einer Untersuchung von Dietzel-Papakyriakou leiden türkische MigrantInnen häufiger als andere Migrantengruppen an psychosomatischen Erkrankungen.[5] (Vgl. Wölk 1997, S. 18).

Nach Experteninterviews der Projektgruppe „Ältere Ausländer Hannover“ hatten Fachkräfte in Sozialdiensten vorwiegend psychische Störungen bei älteren MigrantInnen zu bewältigen.

Es ist zu erkennen, dass die Nachfrage nach Gesprächen bei psychosozialen Problemen kontinuierlich zunimmt. (Vgl. Wölk 1997, S. 18).

Forschungsergebnisse besagen, dass die Gesundheitsstörungen und die Schwere ihres Verlaufes mit dem geringen Umfang von Bewältigungs- und Verarbeitungs-möglichkeiten durch das Individuum zusammenhängen können. (Vgl. Seeberger 1998, S. 63). Somit zeigen MigrantInnen mit der häufigen Somatisierung von Leiden offensichtlich, dass krankheitsauslösende Konflikte nicht auf anderem Weg in sozialen Dialog zu bringen sind. Mit der Somatisierung finden sie ihren Weg und ihre Ausdrucksweise, anerkannt krank zu sein. (Vgl. Wölk 1997, S. 19).

Spezielle Ursachen für das Auftreten von psychosozialen Bereich bei MigrantInnen sind:

- Langjähriges Leben und Arbeiten in der Fremde mit anderen Normen und Werten,
- Schwere körperliche (Akkord- u. Schicht-)Arbeit,
- Verändertes Leben von Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft,
- Kulturelle Entwurzelung und die damit verbundene Identitätskrise,
- Kommunikations-, Integrationsschwierigkeiten,
- Steigende Ausländerfeindlichkeit, die für die Ausländer sehr belastend sind,
- Aufenthaltsrechtlich bedingte Ängste und Probleme (etc.).

(Vgl. Lajios 1993, S. 75 f.)

Aber auch:

- Vereinsamung,
- Nicht realisierbare Rückkehrwünsche,
- Finanzielle, krankheitsbedingte oder familiäre Gründe.

(Vgl. Wölk 1997, S. 18).

[...]


[1] = Teil aller Wissenschaften, der sich mit dem Altwerden und dem Altsein befasst. Diese schließt insbesondere biologische, psychische, personale sowie soziale, kulturelle, philosophische und theologische Aspekte mit ein. (Wüllerich 11.08.01, Internet).

[2] Der Sozialhilfe-Regelsatz für Haushaltsvorstände und Alleinstehende in Hessen beträgt seit dem
1. Juli 2001 562,-- DM.

[3] Vgl. Aussage des Abgeordneten Wünsche (CSU) im Bayerischen Landtag: „Nicht zuletzt ziehen Ausländer in typisch sanierungsbedürftige Häuser, weil sie unter sich bleiben wollen“.

[4] Auch „Gastarbeiter-Ulkus“ genannt. Diese Erkrankung kam auch sehr oft am Anfang der Migration vor. (Vgl. Seeberger 1998, S. 121).

[5] Vortrag Dietzel-Papakyriakou bei der Tagung „Altern in der Fremde“, 2-3.12.1994, Gesundheitsamt Heidelberg.

Details

Seiten
97
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832450649
Dateigröße
743 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220597
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Sozialpädagogik
Note
1
Schlagworte
ausländer altern altenhilfe migration lebenssituation

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Titel: Altern in der Migration