Lade Inhalt...

Integration des betrieblichen Rechnungswesens und Produktionsplanung und -steuerung

Diplomarbeit 1991 100 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort

1. Einleitung

2. Systemtheoretische Grundlagen
2.1. Systemhierarchien
2.2. Arten von Systemen
2.3. Regelverhalten von Systemen
2.4. Fehlerquellen in Systemen

3. Teilsysteme im Betrieb
3.1. Produktionsplanung und -steuerung (PPS)
3.1.1. Produktionsprogrammplanung
3.1.2. Mengenplanung
3.1.3. Termin- und Kapazitätsplanung
3.1.4. Auftragsveranlassung
3.1.5. Auftragsüberwachung - BDE
3.2. Technische Steuerung der Produktion
3.3. Das betriebliche Rechnungswesen
3.3.1. Kostenrechnung
3.3.1.1. Kostenartenrechnung
3.3.1.2. Kostenstellenrechnung
3.3.1.3. Kostenträgerrechnung
3.3.1.4. Kostenträgerzeitrechnung
3.3.2. Finanzbuchhaltung
3.3.3. Finanzplanung

4. Integration der Systeme
4.1. Arten der Integration
4.1.1. Der Mensch als Integrationselement
4.1.2. DV-technische Integration
4.1.2.1. Bridge-Programme
4.1.2.2. Übergabedateien
4.1.2.3. Gemeinsame Datei- und Datenbanksysteme
4.1.2.4. Programmintegration
4.1.2.5. Expertensysteme
4.1.3. Wertung der Integrationsalternativen
4.2. Integration des betrieblichen Rechnungswesen
4.2.1. Integration der Kostenrechnung
4.2.1.1. Integration der Kostenartenrechnung in PPS
4.2.1.1.1. Materialkosten (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe)
4.2.1.1.2. Löhne und Gehälter
4.2.1.1.3. Instandhaltung - Instandsetzung
4.2.1.1.4. Sonstige Kosten
4.2.1.2. Integration der Kostenstellenrechnung in PPS
4.2.1.3. Integration der Kostenträgerrechnung in PPS
4.2.1.4. Integration der Kostenträgerzeitrechnung in PPS
4.2.1.5. Regelungseinfluß der Kostenrechnung auf die Produktion
4.2.1.5.1. Regelverhalten der Kostenstellenrechnung auf die Produktion
4.2.1.5.2. Regelverhalten der Kostenträgerrechnung auf die Produktion
4.2.2. Integration der Finanzbuchhaltung
4.2.2.1. Zugänge von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
4.2.2.2. Einlagerung von Halb- und Fertigerzeugnissen
4.2.2.3. Umsatzerlöse durch Fertigerzeugnisse
4.2.3. Integration der Finanzplanung
4.2.3.1. Integration der Liquiditätsplanung
4.2.3.2. Integration der Kapitalbedarfsrechnung
4.3. Zusammenfassende Input-Output Analyse der Module
4.4. Einfluß der technischen Steuerung der Produktion auf die Integration
4.5. Organisatorische Abhängigkeiten der Integration
4.6. Einfluß der Integration auf das Rechnungswesen
4.7. Integration der Planungsprozesse
4.8. Einflüsse aus der zwischenbetrieblichen Integration
4.9. Praktische Probleme

5. Praktische Realisierungen der Integration
5.1. PS-System der PS-Systemtechnik (SCS)
5.1.1. Die Kostenträgerrechnung im PS-System
5.2. KORAC-Kostenrechnungssystem der ACI
5.3. VAX-ProFi
5.4. System R/2 von SAP
5.5. MFG/PRO der QAD
5.5.1. Kostenträgerrechnung
5.5.2. Schnittstelle Verkaufsrechnungen

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

0. Vorwort

Die Diplomarbeit wurde 1991 erstellt. Damals arbeitete ich als Anwendungsprogrammierer an einem PPS-System, inzwischen (2000) arbeite ich als EDV- und Projektleiter im selbem Umfeld.

PPS-Systeme entwickelten sich zu ERP-Systemen (inkl. Ein- und Verkauf), oder verschwanden. Einige PPS-Systeme (z.B. PS-System, VaxProfi) haben kaum noch Bedeutung, auf SAP-R/2 folgte SAP-R/3. Die Schwerpunkte vieler Softwareanbieter liegen weiterhin entweder im logistischen, produktions- oder kaufmännischen Bereich, somit ist die Problematik der Integration geblieben.

Die Zwischenzeit machte die Überarbeitung notwendig, insbesondere wurde auch der Absatz zu den praktischen Problemen und MFG/PRO zugefügt.

1. Einleitung

Die Arbeiten in Unternehmen werden arbeitsteilig vollzogen (mit Ausnahme der Zwei-Augen-Unternehmen). Hierdurch haben sich verschiedene Unternehmensbereiche entwickelt die den betrieblichen Leistungsprozeß betrachten, planen und analysieren. Während der Bereich der Ferti­gung in der Produktionplanung und -steuerung (PPS) in Gütermengeneinheiten und Zeitbeanspru­chungen betrachtet wird, bildet das Rechnungswesen den Leistungsprozeß in Geldeinheiten aus interner (Kostenrechnung) und externer Sicht (Finanzbuchhaltung und Finanzplanung) ab. In der Theoriebildung wurde die Kostenrechnung konsequent auf die Mengengerüste der Produktions­theorie aufgebaut. Es wird zu zeigen sein, wie diese Abhängigkeiten in die Informationsabhängig­keiten der unternehmerischen Teilbereiche einfließt und wie die Systemgestaltungen dies berück­sichtigen.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit soll auf Basis von allgemeinen Systembetrachtungen (Kapitel 2) und einer Darstellung der betrieblichen Teilbereiche, PPS und Rechnungswesen (Kapitel 3), die Gemeinsamkeiten und Abhängigkeiten der Bereiche dargestellt werden (Kapitel 4). Aus den viel­schichtigen Abhängigkeiten von betrieblichen Teilsystemen ergeben sich unterschiedliche Aspekte einer Integration, beispielsweise DV-technische und organisatorische. Zum Abschluß soll der aktuelle Stand der Entwicklung und die Einflüsse hierauf grob umrissen werden (Kapitel 5). Anhand von Beispielen werden verschiedene Lösungswege, wie sie die angebotene Software vorsieht, vorgestellt. Die Kostenträgerrechnung eines Systems wird detailliert dargestellt.

2. Systemtheoretische Grundlagen

"Ein System ist, im Sinne der Kybernetik und Systemtheorie eine Menge von geordneten Elementen mit Eigenschaften, die durch Relationen verknüpft sind." (WiLex, (1979), Band 5, S. 1501)

"Struktur ist die innere Gliederung eines Systems. Mit ihr werden die Beziehungen zwischen den Systemelementen nach Zahl und Art beschrieben." (RefaMPLS1, (1978), S. 56)

Die Zergliederung von Abläufen oder Aufbauten in Elementen und Beziehungen erfolgt, um sie einer differenzierten Betrachtung in strukturierter Form zugänglich zu machen.

2.1. Systemhierarchien

Die Zusammenfassung von Komplexen eines Systems in Elemente im Zuge der Abstraktion von realen Prozessen und Aufbauten dient der Übersicht über die Strukturen.

"An das betrachtete System angrenzende Systeme bezeichnet man als Umsysteme, wenn sie über mindestens ein Element mit dem betrachteten System in Verbindung stehen." (Lochstampfer, P. (1974), S. 9) (Siehe Abb. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Systemhierarchie (Lochstampfer, P. (1974),S. 9)

Nach dem systemtheoretischen Ansatz kann es keine Elemente, sondern allenfalls Insysteme geben. Für die betriebswirtschaftlichen Untersuchungen wird daher nur dann von Elementen gesprochen, wenn es sich von der Führung der Unternehmung aus gesehen um Teile in sachlicher und zeitlicher Sicht handelt, die nicht im Systemzusammenhang untersucht zu werden brauchen. Elemente sind somit aus ökonomischer Sicht vernachlässigbare Insysteme. (vgl. Wacker, W. (1971), S. 16) Abb. 2 zeigt beispielhaft einige Ebenen in der Unternehmensgliederung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispiel für Planungsebenen (vgl. RefaMPLS1, S. 25)

2.2. Arten von Systemen

Die Systeme lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien differenzieren.

Nach dem Betrachtungsgegenstand kann man beispielsweise ökonomische, technische, soziale und physikalische Systeme unterscheiden.

Die Produktionsplanung und -steuerung bildet das technische System der Produktion ab um dieses zu planen, zu optimieren und zu überwachen. Die Kostenrechnung befaßt sich mit den ökonomi­schen Folgen der Produktion und der Leistungsverflechtung im Unternehmen.

Da die Systeme im Unternehmen vom Menschen gestaltet und gehandhabt werden, können auch soziale und psychologische Aspekte zum Betrachtungsgegenstand werden.

Reale Systeme bestehen aus konkreten Objekten mit beobachtbaren Beziehungen. Sie lassen sich durch Abstraktion in Modellen abbilden. Logische Systeme existieren selbst ebenso real wie die Systeme, die sie abbilden, stellen deren Zustände und Zusammenhänge jedoch mit anderen Elementen (z.B. Zahlen, Funktionen) dar, die Vorteile gegenüber Versuchen am materiellen System bieten. Die Modellbildung wird bestimmt durch die Zwecke der Betrachtung, so bilden ökonomi­sche Modelle Werteströme in Geldeinheiten ab, PPS-Systeme Güter und Leistungsverflechtungen der Produktion in den entsprechenden Einheiten. Des weiteren wird das Modell durch den Abstrak­tionsprozess beeinflußt. Dieser ist abhängig von der Selektion der wahrgenommenen Fakten und von der Überführung in das Modell.

Die Selektion von Information geschieht einerseits unbewußt, andererseits um nur die für den Zweck der Betrachtung relevanten Fakten in das Modell einfließen zu lassen. Folgendes Zitat soll die unbewußte Informationsverminderung darstellen. "Verglichen mit der Übertragungskapazität der visuellen Rezeptoren ergibt sich, daß die Rezeptoren in der Lage wären, einen Informations­gehalt von vier Büchern mit je 500 Seiten pro Sekunde aufzunehmen." (Herrmann, T. (1977), S. 537)

Die bewußte Informationsreduktion wird direkt, die unbewußte Reduktion indirekt durch Sensibili­sierung für sonst übersehbare Informationen von den Kenntnissen und Fähigkeiten der mit der Modellbildung betrauten Personen beeinflußt. Der Maßstab hierfür ist der zum Zeitpunkt der Modellbildung verfügbare Stand der Wissenschaft.

Die Modelle lassen sich anhand des angestrebten Abstraktionsgrades vom Realprozeß unterschei­den, welcher sich aus dem Ziel der Betrachtung herleitet. So sind Engineering Produktion Funktions sehr stark am technischen Prozeß orientiert, während allgemeine substitutionale Funktionen (CES, CD) Input - Output Beziehungen beschreiben, ohne auf die zugrunde liegenden Prozesse einzugehen.

Nach dem Zweck der Modelle kann man in Erklärungs- und Entscheidungsmodelle unterscheiden. Während PPS- und Kostenrechnungsmodelle neben ihrem erklärenden Charakter Entscheidungen unterstützen sollen, dient die Buchführung hauptsächlich zur Darstellung der Vermögensströme im Unternehmen und zu den Märkten.

Da die Wahrnehmung der realen Systeme und deren Zusammenhänge ebenso wie die Ziele der Modellkonstruktion der subjektiven Interpretation des hiermit Beauftragten unterliegen, tragen die Modelle der realen Systeme zwangsläufig subjektive Kennzeichen.

Selbst für die Unternehmensorganisation gilt: "Ein und dieselbe Organisation wird aber von verschiedenen Personen oder Gruppen für gewöhnlich mehr oder weniger unterschiedlich wahrge­nommen, je nachdem, welcher Verständnishintergrund (kognitives Schema) zugrundeliegt." (Schreyögg, G. (1989), OrgaI, S. 98)

2.3. Regelverhalten von Systemen

Durch die Verbindung der Systeme beeinflussen sich die Systeme gegenseitig. So beeinflußt das Absatzprogramm die Kapazitätsplanung im Produktionsbereich. Die gegenseitige Beeinflussung, Interdependenz, ist durch eine wechselseitige Abhängigkeit der Systeme gekennzeichnet. Diese Wechselwirkung kann direkt zwischen zwei Systemen bestehen, sie kann aber auch indirekt über mehrere Systemabhängigkeiten wirken. Eine direkte Abhängigkeit besteht zwischen Produktionsprogramm- und Absatzplanung, da sich Absatz-, Produktionsmengen und Produktions­kosten gegenseitig beeinflussen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Rückkopplung (Lochstampfer, P. (1974), S. 30)

Auf das zu regelnde System (RS) wirkt eine Störgröße (Z), hierdurch verändert sich der Output von RS. Der Regler (R) mißt den Output von RS, vergleicht ihn mit der Zielgröße (W) und verändert auf Grund seines inneren Mechanismus die Stellgröße (Y), um das zu regelnde System (RS) bei dem Zielwert (W) zu stabilisieren. Der Regler muß so auf das Verhalten der Regelstrecke abge­stimmt sein, daß die durch die Zielabweichung hervorgerufene Änderung der Stellgröße den Output der Regelstrecke auf die Zielgröße konvergent hinführt. Angestrebt wird meist eine schnelle Konvergenz, jedoch kein wesentliches durch das Regelverhalten hervorgerufenes Überschreiten des Zieles in die andere Richtung.

Bei der Simulation wird das reale System in einem Modell nachgebildet, um das Verhalten bei vorgegebenen Einflüssen zu untersuchen. Eingesetzt werden solche Simulationen bei komplexen Problemen, die sich nicht analytisch lösen lassen. Eine Interdepedenz entsteht, wenn ein Simulati­onsmodell ein zu regelndes System im Mechanismus und Zustand abbildet, um Stellgrößen auf ihren Einfluß auf die Zielgröße der Regelstrecke zu untersuchen.

Je nach Situation (z.B. Ausmaß von Störungen) bedürfen auch die vorgegebenen Zielgrößen einer Modifikation, um beispielsweise bei Überschreiten der Regelgrenze oder Veränderung äußerer Bedingungen auf das Zielsystem das Regelverhalten zu verändern. Abb. 4 beschreibt einen Rück­kopplungskreis, in dem auch die Zielvorgaben des Reglers (AP2) von einem System (AP1) in Abhängigkeit von äußeren Zielvorgaben und dem Systemzustand gesteuert wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Betrieb als Rückkopplungskreis mit Zielmodifikation (Lochstampfer, P. (1974), S. 35)

2.4. Fehlerquellen in Systemen

Fehler sei hier definiert als eine Abweichung des abbildenden Systems vom realen System mit Einfluß auf die Zielerreichung im realen System.

Die Fehler lassen sich nach Ursache und Wirkung unterscheiden.

Die Ursachen können in Abweichungen der Abbildung der Funktionsweise oder des aktuellen Zustandes begründet liegen. Die Abweichungen der Funktionsweise von Modell und Realsystem wurden in 2.2 diskutiert. Die Unterschiede in der Darstellung des Systemzustandes beruhen wesentlich auf den gleichen Gründen.

Nach dem Zeitverhalten unterschieden, gibt es Abweichungen, die sich nach dem "Gesetz der großen Zahl" im Mittel aufheben oder sich andererseits durch Rückkopplungsmechanismen ständig verstärken. So können zu hoch berechnete "Istkosten" zu Preissteigerungen und somit zu geringeren Absatzmengen führen, wodurch die Kosten je Stück weiter steigen. Eingebaute Kontrollmechanis­men können zyklisch meist summarische Korrekturen der Fehler vornehmen. Inventuren korrigie­ren so beispielsweise die Materialbestände der den Betrieb abbildenden Systeme PPS und Buch­haltung.

3. Teilsysteme im Betrieb

Da eine Vielzahl der im Unternehmen zu verrichtenden Arbeiten sich bei den meisten Unternehmen nicht von einer Person erledigen lassen, besteht die Notwendigkeit, die Arbeiten im Unternehmen zu zerlegen und zu verteilen.

"Aufgabe der Aufbauorganisation ist es, ausgehend von der gegebenen Gesamtaufgabe des Betrie­bes (z.B. Erbringung einer Marktleistung unter Beachtung des erwerbswirtschaftlichen Prinzips) eine Aufspaltung in so viele Teilaufgaben (oder Einzelaufgaben) vorzunehmen, daß durch eine anschließende Kombination dieser Teilaufgaben zu Stellen eine sinnvolle arbeitsteilige Gliederung und Ordnung der betrieblichen Handlungsprozesse entsteht." (Wöhe, G. (1981), S. 157) Stellen mit ähnlichen Aufgabenbereichen werden zu Abteilungen zusammengefaßt.

Unter Ablauforganisation versteht man die Gliederung von Arbeitsprozessen. Hierfür ist eine ziel­orientierte Koordination der Arbeitsleistungen erforderlich.

Als Organisieren bezeichnet man die Gestaltung von Beziehungskomplexen auf bestimmte Ziele hin. Bei marktwirtschaftlich arbeitenden Unternehmen werden diese die Existenzsicherung des Unternehmens sowie die ökonomischen Ziele wie Gewinn, Rentabilität, Ertrag des investierten Kapitals (ROI = Return on Investment) umfassen (vgl. Schreyögg, G. (1989), OrgaII, S. 49). Ein Beispiel für die Zielhierarchie zeigt Abb. 5. Diese Ziele sind nur über Zwischenstufen erreichbar und einige Ziele sind für die betrieblichen Teilbereiche nicht operational formuliert, somit werden der Organisation entsprechende Teilziele als Unterziele abgeleitet, die den Abteilungen oder Mitar­beiter vorgegeben werden. Diese Teilziele bilden den Maßstab für die Entscheidungsträger der einzelnen Unternehmensbereiche.

Die den Teilbereichen zugeordneten Systeme (PPS der Produktion) sind bei lokaler Betrachtung weitgehend nur von diesen abhängig. Während die technischen Bedingungen der Produktion die geforderten Eigenschaften des PPS-Systems mitbestimmen, hat die Organisation wechselseitigen Einfluß auf alle Teilsysteme (Kostenrechnung, Buchhaltung) des Unternehmens. Integrative Bemühungen müssen auf diese Bereiche ebenso wie die Gesamtorganisation des Unternehmens abgestimmt sein.

Die Eigenschaften von Organisationsstrukturen lassen sich den Begriffen Differenzierung, Integration sowie Formalisierung, Spezialisierung, Konfiguration und Zentralisation zuordnen. Diese Eigenschaften können auch im Unternehmen je nach Bereich unterschiedlich sein. So können bei dezentraler Fertigung (z. B. auf die Standorte verteilt) die kaufmännischen Funktionen sowohl zentral (Hauptverwaltung) wie dezentral organisiert sein. Bei zentraler kaufmännischer Organisa­tion ist ein Rechnungssystem (Buchhaltung) mit unter Umständen verschiedenen den Fertigungen angepaßten PPS-Systemen zu verbinden. Bei dezentralen kaufmännischen Abteilungen hat jeder Standort sein "eigenes Problem".

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Zielhierarchie in der Unternehmung (Korndörfer, W. (1988), S. 44)

Die Gliederung der Organisation kann primär an Funktionen oder strategischen Geschäftsfeldern (SGE= strategische Geschäftseinheit) orientiert sein. Den meisten Organisationen ist gemein, daß die technischen und die kaufmännischen Abteilungen unterschieden werden. Selbst bei kleinen Unternehmen wird oft entsprechend unterschieden. An der organisatorischen Schnittstelle stehen die Abteilungen, die Daten über Warenströme für die Buchhaltung und Kostenrechnung aufberei­ten, z.B. Betriebsbüro, Versand)

3.1. Produktionsplanung und -steuerung (PPS)

"Unter einem PPS-System wird in der Regel ein rechnergestütztes System zur mengen-, termin- und kapazitätsgerechten Planung, Veranlassung und Überwachung der Produktionsabläufe verstanden." (Hoff, H. (1984), S. 2)

Folgende Hauptfunktionen beinhaltet die Produktionsplanung und -steuerung:

- Produktionsprogrammplanung: Absatzprognose unter Berücksichtigung bereits angenommener Aufträge und Bestände
- Bedarfsplanung (Mengenplanung): Ermittlung des Primärbedarfs durch Auflösung von Stück­listen, Sekundärbedarfsermittlung durch Lagerbestandsreservierungen und Lagerbedarfsrech­nung
- Termin- und Kapazitätsplanung: Anpassung von benötigter Kapazität, Durchlaufterminierung
- Auftragsveranlassung (Ablaufplanung): Reservierung von Material und Kapazitäten sowie Fertigungsbelegerstellung
- Auftragsüberwachung: Im Rahmen der Betriebsdatenerfassung (BDE) Vergleichen der einge­henden Informationen über Termine (Auftragsfortschritt) und Menge (Verbrauch, Gut-Produktion, Ausschuß)

Vergleiche hierzu Abb. 6.

Für diese Funktionen werden folgende Daten benötigt:

- Auftragsdaten,
- Teilestrukturen (Stücklisten, Rezepturen),
- Teilestammdaten (Dispositionsregeln),
- Lagerbestandsdaten,
- Arbeitsplandaten,
- Kapazitätsdaten.

Abbildung 7 zeigt ein Beispiel für eine Fertigungsdatenbank mit obigen Inhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Funktionen der Produkltionsplanung und -steuerung (Hoff, H. (1984), S. 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Fertigungsdatenbank für die Produktionssteuerung (Wiendahl, H.-P. (1983), S. 253)

Als Ziele für den Einsatz von PPS-Systemen seien beispielhaft genannt:

- Maximierung der Termintreue,
- Minimierung der Durchlaufzeit,
- Maximierung der Kapazitätsauslastung,
- Minimierung der Fertigungskosten,
- Minimierung des Lagerbestandes.

Die Gegenläufigkeit der Ziele, Durchlaufzeit und Kapazitätsauslastung, ist als Ablaufplanungsdi­lema bekannt. (WiLex, (1979), Band 1, S. 23)

Wie aus Abb. 7 schon ersichtlich ist, liefern die Abteilungen Konstruktion und Arbeitsvorbereitung wesentliche Informationsteile zur Produktionsplanung. Die Tätigkeiten dieser Abteilungen und der vorgelagerten Abteilungen sind meist nicht Gegenstand einer ebenso detaillierten Planung. (Ausnahme ist die automatische Arbeitsplanung und Stücklistengenerierung bei Teilefamilien.) Diese vorgelagerten Tätigkeiten, sie können (vgl. Hackstein, R. (1989), S. 7) bis 60% der Gesamt­durchlaufzeit ausmachen, werden meist im Rahmen einer Grobplanung terminlich geplant.

3.1.1. Produktionsprogrammplanung

"Die Planung des Produktionsablaufes geht von der 'Produktionsprogrammplanung' aus, in der zeit­liche und mengenmäßige Angaben über die künftige Produktion im Produktionsprogramm festge­legt werden." (Hackstein, R. (1989), S. 10)

Des weiteren werden Aufträge verwaltet, sie können

- von Kunden erteilt werden
- zur Auffüllung von Läger dienen (Halbfabrikate, Enderzeugnisse)
- von innerbetrieblichen Kostenstellen erteilt werden (Instandhaltungsaufträge und sonstige innerbetriebliche Leistungen)

Die wichtigsten Daten eines Auftrags sind:

- Kostenträger (Kundendaten, Kostenstelle)
- Produktbezeichnung (-beschreibung, Stücklistennummer)
- Menge, Mengeneinheit
- Liefertermin
- Preis

3.1.2. Mengenplanung

"In der Funktionsgruppe 'Mengenplanung' geht es um die Bereitstellung der zur Herstellung der Erzeugnisse erforderlichen Roh- und Werkstoffe, Halbzeuge, Hilfs- und Betriebsstoffe, Teile und Gruppen nach Art, Menge und Termin." (Hackstein, R. (1989), S. 11)

Auf Grundlage der Aufträge wird der Bruttobedarf (Primärbedarf) ermittelt. Unter Berücksichti­gung der Lagerbestände wird der Nettobedarf (Sekundärbedarf) ermittelt. Hilfs- und Betriebsstoffe (Tertiärbedarf), welche nicht in Stücklisten enthalten sind, werden mit Hilfe von Vergangenheits­werten prognostiziert.

Für die Bedarfsermittlung werden benötigt:

- Primärbedarf aus dem Auftrag (s. o.) bzw. dem Absatzplan
- Stücklisten zur Auflösung der Endprodukte in Teile und Rohstoffe
- Lagerbestands- und Materialstammdaten

"Die Stückliste enthält die Menge aller Gruppen, Teile und Rohstoffe, die für die Fertigung einer Einheit des Erzeugnisses oder einer Gruppe erforderlich sind." (RefaMPLS1, (1978), S. 261)

Nach Aufbau und Verwendung unterscheidet man die Stücklisten in z. B. Mengenübersichts-, Struktur-, Baukasten-, Varianten-, Konstruktions-, Fertigungs-, Montage- und Ersatzteilstückliste.

In ihnen sind mehr oder weniger folgende Informationen enthalten:

- Kopfdaten (Erzeugnisnummer, -bezeichnung, Zeichnungsnummer, Arbeitsplannummer)
- Positionsdaten (Teilenummer, Mengen, Mengeneinheit)

Der Teilebedarf, der aus Auftrag und Stückliste abgeleitet ist, wird mit dem Lagerbestand verglichen. Hierfür sind Materialstammdaten und Bestandsdaten der Erzeugnisse, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe notwendig.

Die Materialstammdaten enthalten: Teilenummer, Bezeichnung, Zeichnungsnummer, Mengenein­heit (Kauf, Lager, Verkauf), Dispositionsstufe, zugehörige Stückliste, Bestellart.

In den Bestandsdaten sind enthalten: Teilenummer, Bestand (körperlich, reserviert), Preis (letzter Einkauf, Verrechnungspreis, Durchschnitt), Lagerort, ausstehende Bestellmenge.

3.1.3. Termin- und Kapazitätsplanung

Hier werden Aufträge in ihrem Durchlauf terminiert (Start-, Endtermin) und der Kapazitätsbedarf ermittelt.

"Die 'Durchlaufterminierung' ermittelt die Start- und Endtermine der Aufträge und ihrer Arbeits­vorgänge anhand der in den Arbeitsplänen angegebenen Bearbeitungszeiten und vergangenheitsbe­zogener Übergangszeiten. Die Arbeitsvorgänge werden entsprechend den Kapazitäten zugeordnet." (Hackstein, R. (1989), S. 13)

"Im Arbeitsplan sind Ablaufabschnitte und die Arbeitssysteme beschrieben, die für eine schrittweise Aufgabendurchführung erforderlich sind." (RefaMPLS2, (1978), S. 239) Die wichtigsten Daten im Arbeitsplan sind :

- Kopfdaten (Bezeichnung, Arbeitsplannummer, Menge, Mengeneinheit des Endproduktes, Zeichnungsnummer)
- Arbeitsgangdaten (Arbeitsplatz-, Betriebsmittel-, Werkzeugbezeichnung, auszuführende Arbeit (Text), Zeit je Einheit, Rüstzeit, Entlohungsart, geschätzte Übergangszeit zum nächsten Arbeitsgang).

Diesen Informationen werden Daten über die angesprochenen Kapazitätseinheiten gegenübergestellt.

Die Kapazitätseinheiten werden durch folgende Daten beschrieben:

- Kapazitätsnummer, Betriebsmittelnummer
- Betriebsbereich
- Kostensätze je Zeiteinheit
- Zuschlagssatz für Gemeinkostensatz
- Kapazität und Kapazitätsauslastung
- Leistungsbeschreibungen

Die Kapazitätsabstimmung versucht eine gleichmäßige Kapazitätsauslastung zu erreichen. Wenn sich der Kapazitätsbedarf nicht mit dem vorgesehenen Angebot anpassen läßt, kann die Kapazität durch Anpassungsmaßnahmen verändert werden (Überstunden, Mehrschichtbetrieb, Abzug von Arbeitskräften).

Die Reihenfolgeplanung plant die Reihenfolge der Arbeiten an den einzelnen Kapazitätseinheiten.

3.1.4. Auftragsveranlassung

Die Auftragsveranlassung dient der kurzfristigen Planung des Fertigungsprogramms. Es werden die Aufträge ihren Startterminen entsprechend für die Fertigung vorgesehen, Arbeitsbelege (Arbeits­pläne, Zeichnungen, Akkordkarten, Materialentnahmescheine usw.) zusammengestellt und in die Fertigung und Auftragsüberwachnung übergeben.

3.1.5. Auftragsüberwachung - BDE

Die Auftragsüberwachung erfaßt die Zustandsänderungen von Aufträgen (Arbeitsgangfertigmel­dungen, Lagereingangsmeldungen) und Kapazitäten (Belastungssituation, Ausfall).

Zur Erfassung der Produktionsvorgänge dienen Betriebsdatenerfassungssysteme (BDE). "Die Auf­gabe der Betriebsdatenerfassung besteht in der Ermittlung des aktuellen Istzustands betrieblicher Prozesse und Kapazitäten, beispielsweise in der Erfassung von Produktionszeiten und -mengen, Maschinenbelegungs- und Stillstandszeiten, Anwesenheitszeiten und -orte des Personals und Mate­rialbestands und -bewegungsdaten." (Lackes, R. (1989), S. 76) (siehe Abb.8)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Auswahl der wichtigsten rückzumeldenden Daten (RefaMPLS3, (1978), S. 196)

Wie aus obiger Aufzählung ersichtlich ist, werden nicht nur Daten zur

Auftragsüberwachung erfaßt, so daß weitere Interessenten für die in BDE

angefallenen Daten zu nennen sind:

- die Bruttolohnabrechnung, um angefallene Anwesenheits- und Leistungsdaten über Mitarbeiter zu erhalten
- die Nachkalkulation, um aktuelle Daten über Materialverbräuche, Maschinenbelegung, Arbeit­seinsatz usw. für eine mitlaufende Kalkulation zu nutzen
- die Betriebsabrechnung, um die abgegebenen Leistungen der Kapazitätseinheiten zu erfassen
- die Qualitätssicherung, um aktuelle Qualitätsdaten auszuwerten
- die Instandhaltungsplanung, die bei Erreichen bestimmter
- Betriebsmittelbelastungen vorbeugende Maßnahmen vorsieht. (vgl. Scheer, A.-W. (1988), S. 253)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Die Integration eines Aktualisierungssystems in den Regelkreis der PPS (Hackstein,R.(1989),S.99)

3.2. Technische Steuerung der Produktion

Die Steuerung der Produktionsanlagen, manuell oder mit EDV-Systemen unterstützt, setzt die Planung des PPS-Systems in die Realität um. Während bei einer manuellen Handhabung relativ grobe Anweisungen (z. B. "Drehen nach Zeichnung mit Schleifzugabe") mit Hilfe des Wissens der Facharbeiter umgesetzt werden, sind bei elektronisch gesteuerten Produktionsanlagen (NC = Numerical Control) detaillierte Steueranweisungen vorzubereiten.

Diese Steuerungsinformationen werden auf Basis einer Konstruktionszeichnung erzeugt. Die Geometrien können aus CAD übernommen werden und manuell oder mit Programmiersystemen unterstützt (z.B. APT Automatically Programmed Tools) zu NC-Programmen weiterverarbeitet werden. Das CLDATA (Cutter Location Data, DIN 66125), welches aus dem NC-Programm er­zeugt wird, beschreibt die Bearbeitung in einem maschinenneutralen Format. Spezielle maschinen­abhängigkeiten berücksichtigt der Postprozessor, der die NC-Steuerinformation (z.B. nach DIN 66025) erzeugt, und bei Bedarf die Fertigungszeit für die Ablaufplanung und Kostenrechnung berechnet.

Abbildung 10 zeigt exemplarisch die Steuerungshierarchie einer Fertigungsstraße für die Blechbe­arbeitung. Je nach Leistungsfähigkeit der eingesetzten Rechner kann es sinnvoll sein, einzelne Funktionsebenen zusammenzufassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Steuerungshierarchie der Blechfertigungsstraße (Stommel, H.J. (1986), S. 61)

3.3. Das betriebliche Rechnungswesen

"Unter dem Begriff des betrieblichen Rechnungswesens faßt man sämtliche Verfahren zusammen, deren Aufgabe es ist, alle im Betrieb auftretenden Geld- und Leistungsströme, die vor allem - aber nicht ausschließlich - durch den Prozeß der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung (betrieblicher Umsatzprozeß) hervorgerufen werden, mengen- und wertmäßig zu erfassen und zu überwachen." (Wöhe, G. (1981), S. 865)

Die Aufgaben des betrieblichen Rechnungswesen sind:

- Bereitstellung von Informationen für Entscheidungen auf allen Ebenen der Unternehmensfüh­rung, beispielsweise zur Beurteilung von Investitionsalternativen und Produktionsprogrammal­ternativen
- Information der Außenwelt über das Betriebsgeschehen, z.B. das Finanzamt mit der Steuerbi­lanz über Bemessungsgrundlagen für die Steuererhebung sowie Anteilseigner, Gläubiger, Betriebsangehörige u.s.w. mit der Jahresbilanz.

Für die Erfüllung dieser Aufgaben stehen unterschiedliche spezialisierte jedoch eng miteinander verknüpfte Instrumente zur Verfügung.

Das Rechnungswesen gliedert sich in:

- Finanzbuchhaltung und Bilanzierung
- Kostenrechnung
- Betriebsabrechnung (kalkulatorische Buchhaltung) bestehend aus Kostenarten-, Kostenstel­len-, Kostenträgerzeitrechnung und kurzfristige Erfolgsrechnung
- Selbstkostenrechnung (Kostenträgerstückrechnung)
- Finanz- und Liquiditätsplanung
- bertiebswirtschaftliche Statistik und Vergleichsrechnung, z. B. Zeit-, Verfahrens-, Soll- Ist- Vergleiche und zwischenbetriebliche Vergleiche
- Kennzahlenrechnungen
- Planungsrechnungen, Investitionsrechnungen

Da die Finanzbuchhaltung im allgemeinen die Konten in jährlichem Rhythmus in der Bilanz zusammenfaßt und mit ihrem Regelwerk an das Handelsrecht bzw. für die Steuerbilanz zusätzlich an das Steuerrecht ausgerichtet ist, dient sie fast ausschließlich zur Information der externen Adressaten.

Zur internen Entscheidungsunterstützung sind die Zeiträume der Finanzbuchhaltung zu groß, und die Regeln sind im allgemeinen nicht an den im Betrieb anstehenden Entscheidungsproblemen orientiert. Hieraus ist zu folgern, daß die anderen Zeiträume betrachtenden Elemente des Rech­nungswesens insbesondere kalkulatorische Buchhaltung und Finanzplanung entsprechend häufiger über kürzere Zeiträume (kalkulatorische Buchhaltung meist monatlich, Finanzplanung meist wöchentlich) informieren.

Im Gegensatz zur gesetzlich vorgeschriebenen Finanzbuchhaltung (und Bilanzierung) liegen Art und Umfang der Kostenrechnung und Finanzplanung im Ermessen der Unternehmen.

Unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe in Kostenrechnung und Finanzbuchhaltung führen auf Kostenrechnungsseite zur Bildung von kalkulatorischen Kosten, welche in der Finanzbuchhaltung keine Bedeutung haben. In der Finanzbuchhaltung zu neutralem Aufwand, der, da er nicht durch die Leistungserstellung verursacht wird, in der Kostenrechnung keine Bedeutung hat.

Auf Grund der starken Abhängigkeit der Finanz- und Betriebsbuchhaltung ergeben sich zwei Organisationsformen:

- Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung finden in einem geschlossenen Kontensystem statt: "Einkreissystem". Diese Konzeption spiegelt sich in der Gliederung des Gemeinschaftskonten­rahmens der Industrie (GKR) wieder
- Finanzbuchhaltung und Kostenrechnung bilden zwei in sich geschlossene Abrechnungskreise und übertragen wechselseitig die für sie relevanten Daten (z. B. Herstellkosten zur Lagerbe­wertung): "Zweikreissystem". Der Industriekontenrahmen (IKR) ist für dieses System konzipiert und enthält somit auch keine kalkulatorische Kosten.

3.3.1. Kostenrechnung

Die Kostenrechnung hat folgende Aufgaben (vgl. Haberstock, L. (1987), S. 18, 21):

- Kontrolle der Wirtschaftlichkeit,
- Kalkulation der betrieblichen Leistungen,
- Bereitstellung von Zahlenmaterial für dispositive Zwecke,
- Preisbildung.

"Kosten sind in Geld bewertete Mengen an Produktionsfaktoren (Arbeitsleistungen, Betriebsmittel und Werkstoffe), sowie in Geld bewertete Dienstleistungen Dritter und öffentliche Abgaben, die bei der Erstellung betrieblicher Leistungen verbraucht werden." (Wöhe, G. (1981), S. 446)

Im Rahmen der Wirtschaftlichkeitskontrolle kommt der Kostentheorie die Aufgabe zu, die Bestim­mungsfaktoren und Gesetzmäßigkeiten der Kostenhöhe zu untersuchen.

Zu den wichtigsten Einflußgrössen sind zu zählen:

- die Faktorpreise, die in der Regel extern festgelegt werden
- die Faktorqualitäten, die Einfluß auf die Faktorpreise und die Verbrauchsfunktion haben
- die betrieblichen Vorleistungen als Nutzungspotentiale
- die Güterbestände und Kapazitäten, die Höhe der fixen Kosten bestimmen
- die in den betrieblichen Teilbereichen eingesetzten Verfahren
- das Produktionsprogramm, das die Ausbringung betrieblicher Teilbereiche determiniert. (vgl. Lackes R. (1989), S. 28f)

Nach ihrer Zuordnung zu den betrieblichen Leistungen (Kostenträger) unterscheidet man Einzel- und Gemeinkosten. Einzelkosten können den Kostenträgern aufgrund des Verursachungsprinzips direkt zugeordnet werden (z.B. Rohstoffe, Akkordlöhne). Gemeinkosten lassen sich nicht direkt den betrieblichen Leistungen zuordnen, da sie für mehrere oder alle Leistungen entstanden sind (Abschreibungen, Versicherungen usw.). Unechte Gemeinkosten werden, obwohl sie zugeordnet werden können, wegen ihres geringen Betrags aus wirtschaftlichen Gründen wie Gemeinkosten gehandhabt.

Die Kostenrechnung gliedert sich in folgende Teilbereiche:

- Die Kostenartenrechnung dient der Erfassung und Gliederung der in einer Abrechnunsperiode angefallenen Kosten.
- Die Kostenstellenrechnung rechnet die angefallenen Gemeinkosten (keinem Kostenträger zure­chenbare Kosten) dem verursachenden Betriebsbereich (Kostenstelle) zu.
- Die Kostenträgerrechnung berechnet für alle erstellten Güter und Dienstleistungen (Kostenträger) die Stückkosten.
- Die Kostenträgerzeitrechnung berechnet die angefallenen Kosten einer Abrechnungsperiode nach Kostenträgergruppen.

Den Zusammenhang zwischen Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträgerrechnung

stellt für die Vollkostenrechnung Abb. 11 dar. Abb. 12 stellt die Kostenverrechnung für die flexible Plankostenrechnung dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Kostenverrechnung in der Kostenstellenrechnung (Dellmann, K. (1984), S. 289)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Schema zur Verrechnung der Kostenarten (Lackes, R. (1989), S. 63)

Des weiteren läßt sich die Kostenrechnung in die Voll- und Teilkostenrechnung einteilen. Bei der Vollkostenrechnung werden alle angefallenen Kosten auf die Kostenträger verrechnet. Da hierbei auch Kosten nicht auf Grund der Verursachung durch den Kostenträger verteilt werden, sind die Berechnungsergebnisse nicht für Entscheidungen geeignet. Bei der Teilkostenrechnung werden nur bestimmte Teile der angefallenen Kosten auf die Kostenträger verrechnet. Die Grenzkostenrech­nung verrechnet nur die variablen Kosten auf die Leistung. In der Grenzkostenrechnung spricht man oft von proportionalen Kosten, da meist aus Vereinfachungsgründen der Kostenverlauf linearisiert wird. Die fixen Kosten werden getrennt in die Erfolgsrechnung übernommen. Wenn auch meist die Produktionsmenge die Bezugsgröße für die flexible Plankostenrechnung ist, können jedoch auch andere Parameter je nach Konstellation relevant sein. Trotz der nicht verursachungsgerechten Zuordnung der Kosten bei der Vollkostenrechnung, wird sie im weiteren wegen ihrer weiten Verbreitung und der Bedeutung für die bilanzielle Bestandsbewertung parallel zur Teilkostenrech­nung dargestellt.

Des weiteren unterscheidet man Kostenrechnungssysteme in:

- Istkostenrechnungssysteme, sie berechnen die tatsächlich angefallenen Kosten im Sinne einer Nachkalkulation als Kontrolle zur Vorkalkulation (Soll-Ist-Vergleich).
- Normalkostenrechnungssysteme, sie berechnen die Kosten mit Durchschnittswerten für Preise und / oder Mengen, um diese Schwankungen der Ist-Rechnung auszugleichen.
- Plankostenrechnungssysteme, sie berechnen Kostenvorgaben mit Hilfe von technischen Berechnungen, Verbrauchsstudien und Planpreisen im Sinne einer Vorkalkulation (Sollwert).

3.3.1.1. Kostenartenrechnung

Alle in einem Betrieb entstehenden Kosten lassen sich bestimmten Kostenarten zuordnen.

Die wichtigsten Kostenarten sind:
- Materialkosten (Verbrauch von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen)
- Löhne und Gehälter (inkl. soziale Leistungen)
- Instandhaltung
- Abschreibungen und Zinsen
- sonstige Kosten (Mieten, Steuern, Versicherungen usw.)

Diese Kostenarten sind im Kontenplan der Buchhaltung weiter untergliedert. "Die aufwandsglei­chen Kosten, die im Normalfall den größten Teil der Kosten ausmachen, stimmen mit den entspre­chenden Zahlen der Finanzbuchhaltung überein. Die kalkulatorischen Kosten dagegen werden eigens für Zwecke der Kostenrechnung ermittelt." (Haberstock, L. (1987), S. 77)

"Für die Kostenerfassung greift die Kostenartenrechnung auf vorgelagerte Abrechnungssysteme wie Materialabrechnung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Anlagenabrechnung und die Finanzbuchhal­tung zurück." (Lackes, R. (1989), S. 62)

Ein Kostenbeleg beinhaltet neben der Identifikation der Kostenart, die Verbrauchsmenge und den Preis, Angaben über die verbrauchende Kostenstelle, den Kostenträger bzw. Auftrag, die ausstel­lende Person und über die Art der Weiterverrechnung im System der Kostenrechnung.

3.3.1.2. Kostenstellenrechnung

"Die Kostenstellenrechnung verteilt die Kostenarten einer Periode auf die einzelnen Kostenbereiche (z.B. Beschaffungs-, Produktions-, Verwaltungs- und Vertriebsbereich)." (RefaMLA3, (1978), S. 20)

"Die Bildung von Kostenstellen kann einmal nach betrieblichen Funktionen (Beschaffung, Ferti­gung, Verwaltung), zweitens nach Verantwortungsbereichen, drittens nach räumlichen Gesichts­punkten (Werkstatt) und viertens nach rechnerischen Erwägungen (Platzkostenrechnung) erfolgen." (Wöhe, G. (1981), S. 1103f)

Die Aufgabe der Kostenstellenrechnung ist die

- Überwachung und Kontrolle der Wirtschaftlichkeit der Kostenstellen,
- Umlage der Kosten über die Leistung auf die empfangenden Kostenstellen und Kostenträger.

Die Kostenstellen lassen sich in Vorkostenstellen (Sekundärkostenstellen) und Endkostenstellen (Primärkostenstellen) einteilen. Bei der Vollkostenrechnung werden die in den Vorkostenstellen angefallenen Kosten mit Hilfe von Schlüsselgrößen auf die Endkostenstellen umgelegt, um dort Gemeinkostenzuschlagssätze für die Einzelkosten zu bilden. Im Rahmen der Grenzkostenrechnung verrechnet man nur die proportionalen Kosten der innerbetrieblich abgegebenen Leistung auf die empfangende Kostenstelle (siehe Abb. 13).

Diese Kostenweiterverrechnung und die Bildung von Zuschlagssätzen für die Gemeinkosten auf die Einzelkosten (nur bei der Vollkostenrechnung) findet innerhalb des Betriebsabrechnungsbogens (BAB) statt.

3.3.1.3. Kostenträgerrechnung

"Die Kostenträgerrechnung (Selbstkostenrechnung, Stückkostenrechnung, Kalkulation) hat die Aufgabe, für alle erstellten Güter und Dienstleistungen (Kostenträger) die Stückkosten zu ermit­teln." (Haberstock, L. (1987, S. 19)

Hierfür müssen Kostenwerte ermittelt werden,

- um Bestände an Halb- und Fertigfabrikaten sowie selbsterstellte Anlagen für die Bilanz zu bewerten. Nach §255(2) Satz 3 HGB (Anschaffungs- und Herstellkosten) dürfen auch angemes­sene Teile der notwendigen Materialgemeinkosten, der notwendigen Fertigungsgemeinkosten und des Wertverzehrs des Anlagevermögens, soweit er durch die Fertigung veranlaßt ist, einge­rechnet werden. Aufgrund dieser Bestimmung ist die Vollkostenrechnung zumindest hierfür nötig.
- um Werte für die kurzfristige Erfolgsrechnung (meist ein Monat) nach Erzeugnisarten geglie­dert zu erhalten.
- um Anhaltspunkte für preispolitische Entscheidungen zu erhalten (Preisuntergrenze, mengenab­hängiger Kostenverlauf)
- um Selbstkostenpreise für öffentliche Aufträge nach den "Leitsätzen für die Preisermittlung auf Grund von Selbstkosten" LSP zu erhalten.

Es gibt verschiedene Verfahren, den Produkten Kosten zuzuordnen. Bei der differenzierten Zuschlagskalkulation werden für die einzelnen Betriebsbereiche (z. B. Fertigungsstellen) eigene Zuschlagssätze gebildet.

Die Zuschlagssätze errechnen sich aus :

Summe der Gemeinkosten der Endkostenstelle / Bezugsgröße.

Bezugsgrößen können sein : Fertigungslohn bei Fertigungsstellen, Materialwert bei Läger, Herstell­kosten bei Verwaltungs- und Vertriebsstellen.

Die mit den Zuschlagssätzen beaufschlagten Einzelkosten werden nach Abb. 13 zu den Herstellko­sten und Selbstkosten zusammengefaßt.

Dieses Verfahren bedarf der Berechnung der durch die Produkte in den Kostenstellen verursachten Einzelkosten. Um diese dem Produkt zurechenbaren Kosten zu erhalten, müssen z. B. verursachte Material-, Energieverbrauch und Akkordlöhne bekannt sein.

[...]

Details

Seiten
100
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1991
ISBN (eBook)
9783832447618
ISBN (Buch)
9783838647616
Dateigröße
781 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220354
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Wirtschaftswissenschaften
Note
3,0
Schlagworte
buchhaltung rechnungswesen kostenrechnung produktion integration

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Integration des betrieblichen Rechnungswesens und Produktionsplanung und -steuerung