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Die kulturtouristischen Potentiale einer Region am Beispiel prähistorischer Kulturstätten

Ein Entwicklungskonzept für die Mittelmeerinseln

Diplomarbeit 2001 156 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Verzeichnis der Bilder

1. Einleitung

2. Die touristische Entwicklung auf Mallorca und Korsika
2.1 Historische Dimensionen
2.2 Strukturelle Entwicklung
2.3 Auswirkungen und Konfliktpotentiale des Tourismus
2.3.1. Ökonomische, demographische und ökologische Folgen auf Mallorca
2.3.2. Politische Konflikte auf Korsika
2.4. Touristikpolitik

3. Theoretische Grundlagen zum Kulturtourismus
3.1. Definition
3.2. Systematisierung
3.3. Der kulturtouristische Markt
3.4. Chancen, Risiken und Auswirkungen
3.5. Kulturtourismus in Europa, Spanien und Frankreich
3.5.1. EU
3.5.2. Spanien
3.5.3. Frankreich

4. Kulturtouristische Konzepte zur Inwertsetzung der prähistorischen Kulturstätten auf Mallorca und Korsika
4.1. Konzept 1: „Auf den Spuren der ersten Bewohner der
Balearen – Ein achttägiger Fahrradrundweg
entlang prähistorischer Kulturstätten“
4.1.1. Die prähistorische Geschichte Mallorcas
4.1.2. Prähistorische Bauformen auf Mallorca
4.1.3. Regionale Abgrenzung
4.1.4. Zielsetzungen
4.1.5. Strukturelle Maßnahmen
4.1.6. Routenverlauf
4.2. Konzept 2: „ Zu Fuß auf den Spuren der ersten Bewohner
Korsikas – Ein dreizehntägiger Weitwanderweg
entlang der prähistorischen Kulturdenkmäler
der Insel“
4.1.1. Die prähistorische Geschichte Korsikas
4.1.2. Prähistorische Bauformen auf Korsika
4.1.3. Regionale Abgrenzung
4.1.4. Zielsetzungen
4.1.5. Strukturelle Maßnahmen
4.1.6. Routenverlauf

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1: Karte der auf Mallorca aufgenommenen Bilder S. XI mit exakter Ortsangabe

Abb. 2: Karte der auf Korsika aufgenommenen Bilder S. XII mit exakter Ortsangabe

Abb. 3: Entwicklung der Einwohner- und Touristenzahl auf Mallorca zwischen 1960 und 1991 (Angaben in Tausend)

Abb. 4: Anstieg der jährlichen Besucher auf Korsika

Abb. 5: Prozentualer Anteil der ausländischen Einreisenden S. 10 am Flughafen von Palma nach Herkunftsländern 1990/91

Abb. 6: Monatliche Verteilung der ausländischen Einreisenden S. 11 am Flughafen von Palma 1990/91

Abb. 7: Mallorca: Hotelkapazität (Stand 1992)

Abb. 8: Der touristische Druck auf den Inseln des Mittelmeerraumes S. 15 im Jahr 1995

Abb. 9: Verteilung der jährlichen Touristenzahlen auf Korsika S. 16 nach Nationalitäten

Abb. 10: Die touristische Erschließung und Beherbergungskapazität S. 17 Korsikas

Abb. 11: Beherbergungsarten und deren Anteil auf Korsika 1997

Abb. 12: Anschläge auf touristische Einrichtungen auf Korsika

Abb. 13: Gliederung der Kulturtourismusformen

Abb. 14: Regionale Verteilung der kulturellen Reiseziele S. 44 in Spanien

Abb. 15: Lageplan der Höhlen von Cala Sant Vicenç

Abb. 16: Schnitt und Grundriss der Doppelnaveta von Es Rafal

Abb. 17: Rekonstruktion eines Talayot mit Steinplatten S. 55 als Deckenkonstruktion

Abb. 18: Rekonstruktion des Talayot von Son Mas

Abb. 19: Rekonstruktion eines Santuarios

Abb. 20: Grundriss und Schnitt der Taula am Stausee von Gorg Blau

Abb. 21: Grundriss der talayotischen Siedlung Ses Paisses bei Artà

Abb. 22: Grundriss der talayotischen Siedlung von Capocorb Vell

Abb. 23: Grundriss der Nekropole von Son Real

Abb. 24: Abgrenzung der prähistorisch relevanten Regionen S. 61 auf Mallorca

Abb. 25: Übersicht über die kulturelle Fahrradroute und deren S. 65 Etappenorte

Abb. 26: Etappe 1: Alaró – Pollensa

Abb. 27: Etappe 2: Pollensa – Muro

Abb. 28: Etappe 3: Muro – Artà

Abb. 29: Etappe 4 (Teil 1): Artà – Felanitx

Abb. 30: Etappe 4 (Teil 2): Artà – Felanitx

Abb. 31: Etappe 5: Felanitx – Ses Salines

Abb. 32: Etappe 6: Ses Salines – Llucmajor

Abb. 33: Etappe 7: Llucmajor – Sineu

Abb. 34: Etappe 8: Sineu – Alaró

Abb. 35: Zeittafel der Vor- und Frühgeschichte Korsikas

Abb. 36: Grundriss und Querschnitt des Kistengrabes von S. 94 Tivolaggiu

Abb. 37: Verteilung der Coffres und Dolmen auf Korsika

Abb. 38: Größe und Gestalt der korsischen Menhirstatuen der S. 97 letzten vier Perioden des Megalithikum III

Abb. 39: Anordnung des Alignement von Pagliaju

Abb. 40: Symbolische Felszeichnungen von Petra Frisgiata (Cambia)

Abb. 41: Schematische Felszeichnungen in der Grotta Scritta S. 98 am Cap Corse

Abb. 42: Rekonstruktion des Zentralmonumentes von Tappa

Abb. 43: Plan der befestigten Fundstätte von Filitosa

Abb. 44: Abgrenzung der prähistorisch relevanten Regionen S. 103 auf Korsika

Abb. 45: Übersicht über den kulturellen Weitwanderweg und S. 107 dessen Etappenorte

Abb. 46: Etappe 1: Sartène – Campomoro

Abb. 47: Etappe 2: Campomoro – Tizzano

Abb. 48: Etappe 3: Tizzano – Giannuccio

Abb. 49: Etappe 4: Giannuccio – Sotta

Abb. 50: Etappe 5: Sotta – Arraggio

Abb. 51: Etappe 6: Arraggio – Cartalavono

Abb. 52: Etappe 7: Cartalavono – Levie

Abb. 53: Etappe 8: Levie – Aullène

Abb. 54: Etappe 9: Aullène – Argiusta-Moriccio

Abb. 55: Graphische Rekonstruktion des torreanischen S. 123 Kultmonumentes von Balestra

Abb. 56: Etappe 10: Argiusta-Moriccio – Petreto-Bicchisano

Abb. 57: Etappe 11: Petreto-Bicchisano – Filitosa

Abb. 58: Etappe 12: Filitosa – Abbartello

Abb. 59: Etappe 13: Abbartello – Sartène

Verzeichnis der Tabellen

Tab. 1: Entwicklung der Besucherzahlen auf Korsika S. 7 von 1960-1995

Tab. 2: Die touristische Entwicklung auf Mallorca S. 9 (Angaben in Tausend)

Tab. 3: Strukturdaten des Fremdenverkehrs von Korsika S. 14 und Mallorca aus dem Jahr 1992

Tab. 4: Beschäftigung auf Mallorca nach Wirtschafts- S. 19 sektoren im Jahresvergleich

Tab. 5: Prozentuale Veränderung der Reisemotive S. 35 zwischen 1987 und 1992

Tab. 6: Prozentuale Veränderung der Urlaubsaktivitäten S. 35 zwischen 1981 und 1992

Verzeichnis der Bilder

Titelbild: Menhirstatue Filitosa XIII

Bild 1: Eingang zur Höhle 2 in Cala Sant Vicenç

Bild 2: Modell der Doppelnaveta von Es Rafal im Stadtmuseum S. 54 von Palma

Bild 3: Talayot Son Fred nördlich von Sencelles

Bild 4: Talayot Son Serra de Marina

Bild 5: Das Santuario Talayótico de Son Corró

Bild 6: Taula am Stausee von Gorg Blau

Bild 7: Eingangsportal der talayotischen Siedlung Ses Paisses S. 57 bei Artà

Bild 8: Wohngebäude und Talayot in Capocorb Vell

Bild 9: Gräber der Nekropole von Son Real

Bild 10: Wegweiser für prähistorische Kulturdenkmäler in Artà

Bild 11: Erklärungstafel für prähistorische Kulturdenkmäler an S. 63 der Nekropole von Son Real

Bild 12: Eingang der Höhle 3 von Cala Sant Vicenç

Bild 13: Inneres der Höhle 1 von Cala Sant Vicenç

Bild 14: Übersicht über die Nekropole von Son Real

Bild 15: Gräber der Nekropole von Son Real

Bild 16: Talayot von Sa Canova de Morell

Bild 17: Eingang des Talayot von Sa Canova de Morell

Bild 18: Zentralmonument von Ses Paisses

Bild 19: Blick über die Anlage von S’Heretat

Bild 20: Innenansicht der Halle von Hospitalet Vell

Bild 21: Deckenkonstruktion des Talayot von Hospitalet Vell

Bild 22: Talayot von Can Jordi

Bild 23: Innenansicht des Talayot von Can Jordi

Bild 24: Eingestürzter Talayot in Ets Antigors

Bild 25: Talayot und Wohnbebauung in Ets Antigors

Bild 26: Quadratischer Talayot und Wohnbebauung S. 81 in Capocorb Vell

Bild 27: Runder Talayot und Wohnbebauung in Capocorb Vell

Bild 28: Mittelsäule des Talayot von Son Fornés

Bild 29: Eingangsportal des Talayot von Son Fornés

Bild 30: Talayot 1 von Es Racons

Bild 31: Talayot 2 von Es Racons

Bild 32: Das Heiligtum von Son Corró

Bild 33: Ausblick vom Talayot Son Fred

Bild 34: Überreste des Coffre de Caleca

Bild 35: Der Dolmen von Fontanaccia

Bild 36: Menhirstatue Filitosa III

Bild 37: Alignement de Stantari

Bild 38: Das Zentralmonument von Tappa

Bild 39: Blick auf die befestigte Fundstätte von Filitosa

Bild 40: Aussichtsplattform der torreanischen Festung S. 110 von Castiddacciu

Bild 41: Teilansicht des Alignement von Pagliaju

Bild 42: Menhire des Alignement von Stantari

Bild 43: Ausgrabungen am Alignement von Renaju

Bild 44: Blick über die torreanische Anlage von Tappa

Bild 45: Eingang des torreanischen Kultmonuments von Torre

Bild 46: Die torreanische Festung Castellu d’Arragiu

Bild 47: Innenansicht der torreanischen Festung S. 117 Castellu d’Arragiu

Bild 48: Torreanische Festung Castellu di Cucuruzzu

Bild 49: Festungsmauer der torreanischen Festung S. 120 Castellu di Capula

Bild 50: Torreanisches Kultmonument von Foce

Bild 51: Zentralmonument von Filitosa mit Menhirstatuen

Bild 52: Gang im Westmonument von Filitosa

Abb. 1: Karte der auf Mallorca aufgenommenen Bilder[1] mit exakter Ortsangabe

(Quelle: Turespaña 1999, S. 48; Maßstab 1:1.100.000[2] / Bearbeitung: Auf’mkolk 2000)

Abb. 2: Karte der auf Korsika aufgenommenen Bilder[3] mit exakter Ortsangabe

(Quelle: Rother/ Rother 1988, Umschlagklappe; Maßstab 1:750.000[4] / Bearbeitung: Auf’mkolk 2000)

1.Einleitung

„ [ ] Ach Mallorca, du entzückst mein Herz,

Mit dem so schönen Blau deines Himmels,

Mit deinen rauschenden Ufern,

Welche die leichte Brise bewegt,

Mit den Blumen deiner Wiesen,

Mit dem Gesang deiner Vögel;

Des Himmels und des Paradieses

Abbild bist du für mich! [... ] “

Tomas Forteza, 1869[5]

„Bäume wachsen die Hänge hinauf. Oliven gibt es, Eichen und Ulmen. Größere Ortschaften schieben helle Häuserreihen übereinander. [... ] Eine Kapelle wird von dunklen Koniferen umfasst. Herden schwarzer und weißer Bergschafe ziehen die Hügel hinauf. [... ] Alte Grabmale schlafen in der Sonne. Hohe Zypressen brennen ihr ernstes Licht.“

Wilhelm-Otto Riedemann, 1930[6]

70 bzw. 130 Jahre sind seit diesen idyllischen Reisebeschreibungen vergan­gen und im Zeitalter des Massentourismus sind die beiden Mittelmeerinseln Mallorca und Korsika in der Zwischenzeit für jedermann erschwinglich und erreichbar geworden. Spätestens seit den 60er Jahren des 20. Jahrhun­derts strömt jedes Jahr in den Sommermonaten eine große Zahl von Urlau­bern nach Mallorca und Korsika, die zu einer weitreichenden Ver­änderung der ursprünglichen Gestalt beider Inseln führen. Welche Strategien können hauptsächlich touristisch orientierte Regionen wie Mallorca und Korsika anwenden, um den Menschenmassen während der Reisezeit Herr zu werden und dabei nicht den Weg der kulturellen Selbstaufgabe zu gehen?

Mallorca hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine Tourismusmaschinerie aufgebaut, die in allen Bereichen der Öffentlichkeit als negatives Paradebei­spiel der Branche dar­gestellt wird. Erst in den letzten 10-15 Jahren findet ein Umdenken statt, das aufgrund von Identitäts- und Imageproblemen bei Urlaubern wie der einheimischen Bevölkerung hervorgerufen wird[7]. Die „Slums der Freizeitarchitektur“[8] erfreuen sich nicht mehr gleich­bleibender Beliebtheit bei Besuchern und Tourismusmanagern. Verschönerungen, Re­novierungen und Restaurierungen, die bis hin zur Sprengung[9] von alten Anla­gen führen, sollen das Image der Insel aufpolieren. Eine Diversifizie­rung des touristischen Angebots ist in Ansätzen zu erkennen, wie z. B. in der 1995 errichteten ersten Berghütte Mallorcas[10]. Doch eine grundlegende Strategie zur Erarbeitung touristischer Alternati­ven ist nicht zu erkennen.

Korsika ist seit dem Beginn seiner touristischen Entwicklung einen anderen Weg als Mallorca gegangen. Obwohl schon in den fünfziger Jahren vom französischen Zent­ralstaat als Tourismusregion deklariert[11], hat die Furcht weiter Bevölkerungsteile vor einer „Balearisierung“[12] der Insel durch internationale Tourismuskonzerne eine Domi­nanz des massenorientierten Fremdenverkehrs verhindert. Der politische Widerstand gegen den französi­schen Staat wirkte sich daher auch auf den Tourismussektor aus[13]. Aus die­sem Grunde bestehen auf Korsika schon seit einem längeren Zeitraum Ideen und Konzepte, den hauptsächlich küstenorientierten Fremdenverkehr zu di­versifizieren. Die Einrichtung des „Parc Naturel Regional de la Corse“[14] mit zahlreichen Wanderrouten, Klettersteigen, Berghütten und Unterkünften in Dörfern des Hinterlandes oder die Re­vitalisierung des Bergdorfes Lama[15] als Ort eines bevölkerungsnahen und partizipativen Tourismus sind erste An­sätze zur Stärkung der Binnenregionen. Bisher wurden diese Anstrengungen aber überwiegend im Bereich von Natur, Erholung und Sport unter­nommen. Kulturspezifische Einrichtungen sind für den Fremdenverkehr - bis auf we­nige Ausnahmen (z. B. die prähistorischen Ausgrabungen von Filitosa) - nur von unter­geordneter Bedeutung.

Diese Arbeit wird sich – wie der Titel bereits sagt – mit den kulturtouristischen Potentialen einer Region anhand prähistorischer Kulturdenkmäler auseinander setzen und ein Entwicklungskonzept für die beiden oben genannten Mittelmeerinseln entwer­fen. Dabei liegt die Betonung auf der Realisierung kulturtouristischer Potentiale für den Fremdenverkehr und nicht in der Erarbeitung eines spezifisch regionalen Entwicklungs­konzeptes für Mallorca und Korsika. Andere Regionen in Europa, wie z. B. Sardinien, Malta, die Bretagne, Südfrankreich, die Iberische Halbinsel, England und Irland[16], bie­ten ähnlich günstige prähistorische Voraussetzungen für die Erstellung eines solchen Konzeptes. Mallorca und Korsika wurden für diese Arbeit aus mehreren Gründen aus­gewählt. Zum einen war die Kenntnis des Verfassers hinsichtlich der prähistorischen Kultur beider Inseln aufgrund mehrerer Reisen in diese Regionen ausschlaggebend. Zum anderen ist die topographische Lage einer Insel wegen ihrer natürlichen Grenzen sehr gut für ein regional geschlossenes Entwicklungskonzept geeignet. Des weiteren besitzen beide Inseln eine ausgeprägte, in der Literatur gut dokumentierte, prähistori­sche Vergangenheit, die sich in einer Vielzahl von vorgeschichtlichen Kulturdenkmä­lern niederschlägt. Zudem besteht auf beiden Inseln eine große Ähnlichkeit in der Ar­chitektur und landschaftlichen Lage jener Kulturdenkmäler, so dass – trotz unterschied­licher Entwicklung des Fremdenverkehrs - eine ähnliche touristische Entwicklung er­folgen kann.

Der erste Teil der Arbeit wird sich mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden der touristischen Entwicklung auf Mallorca und Korsika befassen. Zentrale Themen hierbei sind die historischen Dimensionen, die strukturelle Entwicklung, die Auswirkungen bzw. Konfliktpotentiale, die der Fremdenverkehr mit sich bringt, sowie die spezifische Touristikpolitik der beiden Inseln. Dieser Teil dient einerseits zur Beschreibung der touristischen Bedingungen – mit allen positiven und negativen Folgen - in der Gegen­wart sowie andererseits zur Darstellung von politischen Zielvorstellungen der zukünfti­gen Entwicklung des Fremdenverkehrssektors auf Mallorca und Korsika. Diese dienen als Grundlage für die in dieser Arbeit vorgestellten Entwicklungskonzepte.

Im zweiten Teil der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen des Kulturtou­rismus beschrieben. Er soll in kurzer Form die Arten bzw. Konzepte des Kulturtouris­mus, den kulturtouristischen Markt, die Chancen und Risiken sowie die Bedingungen und Fördermöglichkeiten für den Kulturtourismus in der EU, in Spanien und in Frank­reich darstellen. Er dient zur Grundlagenbildung und zur Herleitung für die anschlie­ßend ausgearbeiteten kulturtouristischen Konzepte auf Mallorca und Korsika.

Der Hauptteil der Arbeit stellt zwei spezifisch kulturtouristische Entwicklungs­konzepte ( Ein Fahrradrundweg auf Mallorca und ein Weitwanderweg auf Korsika) für die prähistorischen Kulturdenkmäler auf beiden Inseln vor. Er gibt genaue Angaben zu der jeweiligen Vorgeschichte und deren Architektur, nimmt eine regionale Abgrenzung vor und stellt die Zielvorstellungen und strukturellen Maßnahmen für die Konzepte vor. Anschließend folgt die Darstellung des geplanten Routenverlaufs mit exakter Beschrei­bung der einzelnen Etappen und der zu besichtigenden Kulturstätten.

2. Die touristische Entwicklung auf Mallorca und Korsika

2.1. Historische Dimensionen

Die historische Entwicklung des Tourismus auf Mallorca lässt sich in zwei große, wei­testgehend voneinander unabhängige Phasen aufteilen:

1. der Sommerfrischetourismus des mallorquinischen städtischen Mit­telstandes und der gehobene Wintertourismus im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2. der internationale Massentourismus seit dem Ende der 50er Jahre

Fremdenverkehrsartige Erscheinungen haben auf Mallorca eine lange Tra­dition. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbrachten Angehörige der spanischen Oberschicht, vornehmlich Teile des Adels und des landbesitzen­den Großbürgertums, die Wintermo­nate in Palma und Umgebung. Kleinere Gruppen von Künstlern, Schriftstellern und Musikern, denen es an der fran­zösischen Riviera bereits zu unruhig geworden war, ergänzten die Schar der ersten Touristen. Zu diesem Zweck entstanden im heutigen Stadtteil El Ter­reno von Palma die ersten Villen, die ursprünglich nur saisonal genutzt wurden und außerhalb der damaligen Stadt in den Hügeln lagen.[17]

Um die Jahrhundertwende erweiterte sich das Spektrum der Touris­ten auf Mal­lorca. Das städtische Bürgertum wurde zunehmend wohlhaben­der und adaptierte ver­mehrt die Verhaltensweisen spanischer Adliger. Dar­aus resultierte die verstärkte Nach­frage nach einem Sommerfrischen-Auf­enthalt außerhalb städtischer Siedlungen. Zu diesem Zeitpunkt entstanden die ersten Sommerhäuser des Bürgertums östlich von Palma. Dies waren die ersten Gebäude, die zu einem rein touristischen Zweck errichtet wurden. Auf dem Gebiet jener Sommerhäuser liegt heute der Inbegriff des Massen­tourismus auf den Balearen: El Arenal.[18]

Ab Mitte der 20er Jahre nahm der Zustrom der Feriengäste immer mehr zu. Besonders die Zahl der englischen Touristen stieg deutlich an, so dass erste fremdsprachige Zei­tungen erschienen. Da die Umgebung von Palma mitt­lerweile zur Befriedigung der touristischen Bedürfnisse nicht mehr aus­reichte, wurden weitere Gebiete, wie z. B. Pollensa oder Cala d’Or, für den Fremdenverkehr erschlossen. Der Ausbruch des spani­schen Bürgerkrieges verhinderte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einen weiteren Ausbau der mallorquinischen Fremdenverkehrs-Infrastruktur.[19]

Die nach dem Krieg einsetzende Entwicklung des Tourismus lässt sich grundle­gend von der vorherigen unterscheiden. Die Aufhebung des wirtschaftlichen und politi­schen Embargos, das die UNO über das faschisti­sche Regime Francos verhängt hatte, ermöglichte Spanien die staatlich or­ganisierte Förderung des Fremdenverkehrs. Europa entdeckte das Mittel­meer wieder als bevorzugte Urlaubsregion, was mehrere Gründe hatte, z. B. den „Kult der Sonnenanbetung“[20], das niedrige Niveau der Lebenshaltungskos­ten an den mediterranen Küsten und besonders die Entwicklung des Charterflugverkehrs, der die Erreichbarkeit der Balearen wesentlich vereinfachte und den Urlaub kostengünstiger gestaltete. Die Lage des Inselflughafens Son Sant Joan in der Nähe der Hauptstadt Palma ermöglicht zudem die optimale Durchfüh­rung eines Transfersystems zu den umliegenden Küstengebieten der Insel, da nie mehr als 70 km zu bewältigen sind.[21] Die touristische Entwicklung auf Mallorca seit 1960 lässt sich ver­kürzt in fünf verschiedene Phasen einteilen[22]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung der Einwohner- und Touristenzahl auf Mallorca zwischen 1960 und 1991 (Angaben in Tausend)

(Quelle: Schmitt 1993, S. 460)

Abb. 3 verdeutlicht die oben genannten Phasen und zeigt zudem den Kon­trast zwischen der enormen Steigerungsrate der Touristenzahlen und der geringfügig steigenden Rate des Bevölkerungszuwachses. Bis zum heutigen Zeitpunkt erfreut sich Mallorca einer steigenden Beliebtheit bei seinen Be­suchern, was unter anderem der Ausbau des Flug­hafens von Palma verdeutlicht. Ein Ab­flauen des Booms ist in der näheren Zukunft nicht abzusehen.

Die touristische Entwicklung auf Korsika setzte bei weitem nicht zu einem so frühen Zeitpunkt wie auf Mallorca ein. Die Reisenden, die vom 18. Jahr­hundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts Korsika besucht haben, kann man kaum als Touristen im herkömmli­chen Sinne bezeichnen. Ein wenig Bekanntheit erlangte die Insel durch Einzelreisende, wie z. B. durch die Franzosen Balzac und Mérimée[23] oder den deutschen Ferdinand Grego­rovius[24], die Korsika in Form von Reisebeschreibungen oder Novellen[25] rühmen. Das Beherbergungsange­bot war allerdings noch nicht auf Reisende eingestellt, so dass jene Besucher bei Freunden, Verwandten oder der korsischen Be­völkerung übernachten mußten. Korsika blieb dem Tourismus so lange ver­borgen, dass sogar noch Mitte dieses Jahrhunderts von der „archaischen Insel“[26] gesprochen wurde.

Erst in den 70er Jahren wurde die Insel von dem internationalen Massentouris­mus entdeckt. Von Frankreich im Zuge der internationalen Arbeitsteilung als Touris­musregion deklariert[27], greifen zu diesem Zeitpunkt die ersten Maßnahmen zum Ausbau des Fremdenverkehrssektors. Die fol­gende Tabelle zeigt den Anstieg der Touristenzah­len seit 1960.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Entwicklung der Besucherzahlen auf Korsika von 1960-1995

(Quelle: nach Culioli 1995, Lücke 1980, Pulver 1988 u. Siegfried-Hagenow 1991)

Die erste sprunghafte Entwicklung zeichnete sich in den 60er Jahren ab als die Insel erstmals in den Interessensbereich ausländischer Feriengäste geriet. In den 70er Jahren vollzog sich der nächste Entwicklungssprung, bis gegen Ende des Jahrzehnts erstmalig die Millionengrenze erreicht wurde. In den folgenden zehn Jahren stiegen die Touris­tenzahlen zwar stetig an, aber von einem Entwicklungsboom, wie z. B. auf Mallorca, konnte in dieser Zeit nicht gesprochen werden. In den 90er Jahren pendelte sich die Zahl der Urlauber dann auf ca. 1,5-1,8 Millionen ein. Große Wachstumserfolge waren in diesem Zeitraum nicht zu verzeichnen. Die Zahl der Besucher war in den letzten Jah­ren eher einigen Schwankungen unterworfen, wie die folgende Abbildung verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Anstieg der jährlichen Besucher auf Korsika

(Quelle: INSEE 1999, S. 211)

Die Stagnation der Touristenzahlen im Verlauf der letzten Jahre ist zum einen auf die politische Situation der Insel[28], zum anderen auf das hohe Preisni­veau[29], die relativ teuren Transportkosten, das schlechte Preis-Leistungs-Ver­hältnis sowie das Währungsgefälle (Starker Franc, schwache Lira)[30] zurückzuführen. Ein Boom des Fremdenverkehrssek­tors, wie er sich auf Mallorca in den 90er Jahren ereignet hat, ist auf Korsika weder erwünscht, noch abzusehen. Investoren halten sich aufgrund möglicher Spreng­stoffanschläge auf touristische Einrichtungen[31] merklich zurück und potentielle Urlauber treten oftmals wegen der „schlechten Presse“ in mittel­europäischen Zeitungen ihre Reise nicht an. Dadurch besteht für Korsika die große Chance durch die Realisierung selbstständig entwickelter Projekte, Programme und Imagekampagnen die erwünschte Form eines „Qualitäts­tourismus“[32] zu fördern und somit größere Besucherzahlen auf die In­sel zu locken. Der Anstieg der Touristenzahlen, der im Jahre 2000 auf bis zu drei Millionen prognostiziert wird[33], verdeutlicht erste Erfolge dieser Strategie.

2.2. Strukturelle Entwicklung

Der „Sonne-und-Strand-Boom“[34], der in den 60er Jahren in den mitteleuropäischen Län­dern einsetzte, bewirkte auf den Balearen eine ein­zigartige touristische Entwicklung mit einer enormen Quantität an Besu­cherzahlen. Die folgende Tabelle verdeutlicht den stetigen Zuwachs und die Herkunft der Urlauber auf Mallorca seit 1950.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Die touristische Entwicklung auf Mallorca (Angaben in Tausend)

(Quelle: nach Bardolet 1992, S. 41)

Charakteristisch für die Gesamtentwicklung der Touristenzahlen auf Mal­lorca ist die immer noch gewaltig ansteigende Rate ausländischer Besucher. Sie haben das Verhält­nis gegenüber inländischen Touristen im Laufe der Jahrzehnte deutlich umgekehrt. Mittlerweile macht der ausländische Tou­rismus auf den Balearen 83 % und der spani­sche 17 % des gesamten Fremdenverkehrs aus[35]. In den 90er Jahren hat die jährliche Zahl der Touristen auf Mal­lorca bereits die 5-Millionen-Grenze[36] überschritten und die Regionalre­gie­rung rechnet aufgrund des Ausbaus des Flughafens von Palma offensicht­lich mit einem weiteren Anstieg.

Bei der Aufteilung der Touristenzahlen nach Nationalitäten fallen zwei Gruppen besonders auf: die Briten und die Deutschen. Diese beiden Nationalitäten stellten mit Abstand die größten Kontingente an Mallorca-Urlaubern. Im Jahre 1991 ergaben sie zusammen 58 % der gesamten Urlau­ber auf der Insel[37]. Der Anteil der Deutschen ist seit den 50er Jahren kontinu­ierlich angestiegen, während der Anteil der Briten aufgrund wirtschaftlicher Krisen im Herkunftsland Ende der 80er Jahre deutlich zurückging. Je­ner Rückgang der britischen Besucherzahlen löste die touristische Krise zu diesem Zeit­punkt aus, da der Zuwachs anderer Nationalitäten den großen Anteil britischer Touris­ten nicht vollständig ausgleichen konnte[38]. Aus diesem Grunde besteht für Mallorca stets die Gefahr sich in die Abhängigkeit deutscher und britischer Touristen zu begeben, da Urlauber anderer Nationalitäten nur eine vergleichsweise marginale Rolle in der Frem­denverkehrsstruktur spielen. Die folgende Abbildung verdeutlicht das Ungleichgewicht der ausländischer Besucher Mallorcas.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Prozentualer Anteil der ausländischen Einreisenden am Flughafen von Palma nach Herkunftsländern 1990/91

(Quelle: Schmitt 1993, S. 460)

Die lokale und saisonale Verteilung der gewaltigen Touristenzahlen, die jedes Jahr auf Mallorca steigen (1991 war die Zahl der Touristen bereits um ein Siebenfaches höher als die Einwohnerzahl Mallorcas[39] ), ist besonders interessant und lässt Rückschlüsse auf die Präferenzen der Urlaubsart zu. Die größten Besucherzahlen verbuchen die Som­mermonate für sich. Die folgende Abbildung belegt die Bevorzugung der Sommermo­nate durch ausländische Feriengäste anhand der Flugbewegungen am Flughafen von Palma. Auffällig ist zudem ein relativ hoher Prozentsatz von Einreisen in der Vor- und Nachsaison, respektive in den Monaten Mai, September und Oktober. Lediglich die Wintermonate November bis Februar fallen deutlich heraus bei dieser Betrachtung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Monatliche Verteilung der ausländische Einreisenden am Flughafen von Palma 1990/91

(Quelle: Schmitt 1993, S. 461)

Die monatliche Verteilung der Einreisen spricht eindeutig für die Ausbil­dung einer ausgesprochenen Sommersaison, die zum größten Teil auf den Badetourismus entlang der Küstenzonen ausgerichtet ist. Als Indikator hier­für können die Übernachtungsplätze in den einzelnen touristischen Zonen Mallorcas dienen. Die folgende Karte verdeutlicht die einseitige Ausrich­tung der Beherbergungsangebote auf die Küstenzonen. Die größte Konzent­ration ist am Golf von Palma mit den Hochburgen El Arenal, Cala Mayor und Magaluf festzustellen, gefolgt von der Ostküste und dem Nordosten. Das Landesinnere und die Westküste spielen hierbei eine untergeordnete bzw. nahezu keine Rolle, was für eine starke touristische Unterentwicklung hinsichtlich der Übernachtungsmöglichkeiten in diesen Gebieten spricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Mallorca: Hotelkapazität (Stand 1992)

(Quelle: Schwede 1999, S. 14)

Zusammenfassend weist der mallorquinische Fremdenverkehr folgende Ei­genschaften auf[40]:

- Küstentourismus

Durch Konzentration der Beherbergungsangebote auf die Küstenzonen entsteht eine einseitige Ausrichtung auf bestimmte Gebiete. Das Landesinnere hat bisher keine entscheidenden Impulse für eine Nutzung durch den Fremdenverkehr erhalten. For- men des „ländlichen Tourismus“ sind vom Urlauber noch nicht in einer quantitativ nennenswerten Weise angenommen worden.

- Urlaubstourismus

Die Ansprüche, die Mallorca-Reisende an ihren Urlaub stellen, sind überwiegend einseitiger Natur. Das Bedürfnis nach Sonne, Strand und Meer, und die damit verbundene Erholungsfunktion, steht im Vordergrund. Die kulturellen Sehenswür- digkeiten im Landesinneren finden lediglich in Form von Tagesausflügen, die zu- meist pauschal von Reiseunternehmen angeboten werden, Bedeutung.

- Hotelcharakter

Im Wesentlichen besteht das Angebot Mallorcas aus Hotels, Appartements mit Hotelcharakter und Pensionen. Campingurlaub und Urlaub auf traditionellen Fincas finden zahlenmäßig kaum Beachtung.

- Urlaub über Reiseveranstalter

Ein Großteil der Urlauber bucht eine Pauschalreise bei einem Reisebüro im Her- kunftsland. Somit kommen über 80 % der Touristen unter Mithilfe eines Reisever- anstalters auf die Insel, auch wenn die Tendenz zu „seat only“ bei den Charterflü- gen geht. Individualtourismus steht, auch aufgrund der ungünstigen Reisebedingun- gen für diese Form des Tourismus, absolut im Hintergrund.

- Saisonabhängig

Die monatliche Verteilung der Einreisen wurde bereits weiter oben beschrieben und spiegelt den Saisoncharakter des Fremdenverkehrs eindeutig wieder. Festzustellen bleibt, dass ca. zwei Drittel der Touristen Mallorca während der Hauptsaison besuchen, ein Viertel während der Vor- und Nachsaison und etwas über 10 % außerhalb der Saison.

- Mittlere Qualität

Die Gesamtausstattung des Fremdenverkehrssektors auf Mallorca ist von eher mittlerer Qualität. Ein bedeutendes Angebot an Luxushotels ist, mit Ausnahme eines Bereichs zwischen Illetas und Magaluf[41], nicht vorhanden. Die steigende Zahl der Golfplätze deutet allerdings auf den Wunsch nach zahlungskräftigerem Klientel hin[42].

Ein touristisch und demographisch bedeutsamer Aspekt der Nutzung durch den Frem­denverkehr bleibt noch anzumerken: der Residenzialtourismus. Gerade in Deutschland ist es in vielen gesellschaftlichen Kreisen schick ge­worden, einen Zweitwohnsitz auf Mal­lorca zu haben. Negative Folgen dieser Tourismusform, die sich im Gegensatz zum normalen Urlaubstourismus nicht auf die Küstenbereiche beschränkt, sind einer hoher Leerstand jener Wohnungen während des Großteils des Jahres und die Raumbelastung, die daraus entsteht[43].

Auf Korsika stellten sich Tendenzen des internationalen Massentourismus, wie bereits beschrieben, erst 10 Jahre später als auf Mallorca ein. Trotz deutlich geringerer Besu­cherzahlen hat die Insel mit ähnlichen Problemen wie die Hauptinsel der Balearen zu kämpfen. Die folgende Tabelle gibt Aufschluss über die wich­tigsten Strukturdaten des Fremdenverkehrs auf beiden Inseln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Strukturdaten des Fremdenverkehrs von Korsika und Mallorca aus dem Jahr 1992

(Quelle: Lücke 1998, S. 138)

Durch die wesentlich geringere Einwohnerzahl ergeben sich für Korsika ähnlich große Belastungen für die Bevölkerung durch den Fremdenverkehr. Im Bereich der Gäste pro Einwohner liegen beide Inseln in etwa gleichauf, doch im Bereich der Betten pro Ein­wohner liegt Korsika weit vorne. Diese Zahlen mögen, aus Angst vor einer massiven Überfremdung, zu der Ver­weigerungshaltung der korsischen Bevölkerung gegenüber dem modernen Massentourismus beitragen[44]. Die folgende Abbildung verdeutlicht die Aus­nahmestellung beider Inseln im gesamten Mittelmeerraum hinsichtlich des touristi­schen Drucks[45], der auf sie ausgeübt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Der touristische Druck auf den Inseln des Mittelmeerraumes im Jahr 1995 (Quelle: INSEE 1999, S. 15)

Wenn man die Verteilung der Besucher auf Korsika nach Nationalitäten betrachtet, fal­len einige Unterschiede gegenüber Mallorca ins Auge. Wäh­rend die Baleareninsel hauptsächlich von ausländischen Touristen profitiert, ist auf Korsika der Anteil der in­ländischen Urlauber, d. h. der der Franzo­sen, besonders hoch. Dies ist dadurch zu erklä­ren, dass ein großer Teil die­ser Besucher korsischer Abstammung ist und die Zeit der Sommermonate bei seinen Familienangehörigen verbringt[46]. Die folgende Abbildung verdeut­licht die große Anzahl französischer Touristen auf Korsika.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Verteilung der jährlichen Touristenzahlen auf Korsika nach Nationalitäten (Quelle: INSEE 1999, S. 211)

Ausländische Touristen machen demnach einen wesentlich geringeren An­teil als inlän­dische aus. Für den Fremdenverkehr relevante Besucherzahlen können nur deutsche und italienische Touristen für sich verbuchen. Übrige Nationalitäten spielen keine große Rolle.

Die hohen Besucherzahlen von mittlerweile über 1,5 Millionen Ur­lauber pro Jahr[47] weisen einen rein saisonalen Charakter auf. Über 90 % der Feriengäste besuchen die Insel während der vier Sommermonate[48], was erheb­liche Beeinträchtigungen für die Auslastung der Fremdenverkehrsein­richtungen während der übrigen Monate mit sich bringt[49] und demzufolge entsprechende Konsequenzen für den Arbeitsmarkt außerhalb der Hochsai­son hat[50].

Doch die Struktur des Fremdenverkehrs auf Korsika weist neben der saisonalen Konzentration noch eine räumliche auf. Über 85 % der Touristen konzentrieren sich auf die Küstenbereiche der Insel[51]. Bevorzugte Standorte sind die gesamte Ostküste, der Golf von Ajaccio, der Golf von Valinco so­wie der Küstenabschnitt zwischen Calvi und Ile-Rousse. Die Konzentration auf diese Gebiete – wie Abb. 10 deutlich zeigt – ist vor­wiegend durch die ungünstige Reliefstruktur der übrigen Insel zu erklären. Große Teile der Westküste und des Landesinneren lassen sich aufgrund fehlender Infrastruktur, un­zureichender Siedlungsstruktur und großer Höhenunterschiede auf engem Raum nicht für den Massentourismus im Stile spanischer Fremdenverkehrsurbanisationen erschlie­ßen[52].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Die touristische Erschließung und Beherbergungskapazität Korsikas

(Quelle: Lücke 1998, S. 142)

Die Struktur des Fremdenverkehrs auf Korsika lässt sich wie folgt zusam­menfassen[53]:

- Küstentourismus

Durch die einseitige Ausrichtung des Fremdenverkehrs auf bestimmte Küstenab- schnitte steigt die Abhängigkeit jener Gebiete. Alternative Formen des Tourismus sind auf Korsika zwar existent, besitzen aber keine nennenswerte quantitative Be- deutung.

- Urlaubstourismus

Vorwiegende Urlaubsbedürfnisse der Korsika-Reisenden sind - wie auf Mallorca - Sonne, Strand und Meer. Kulturelle Sehenswürdigkeiten und die Sportmöglichkei- ten, die die einzigartige Naturlandschaft der Insel bietet, werden von Touristen zwar vermehrt angenommen, schlagen sich in der Fremdenverkehrsstatistik aber nicht nennenswert nieder.

- Campingcharakter

Im Wesentlichen besteht das Beherbergungsangebot Korsikas aus Campingplätzen und Feriendörfern. Hotels spielen bei den gewerblichen Übernachtungen nur eine untergeordnete Rolle.[54]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Beherbergungsarten und deren Anteil auf Korsika 1997

(Quelle: INSEE 1999, S. 215)

- Untere bis mittlere Qualität

Der Anteil der Campingplätze lässt auf eine eher geringe Qualität der Gesamtaus- stattung des Fremdenverkehrssektors schließen. Ein bedeutendes Angebot an Lu- xushotels ist bis auf einige Abschnitte im Golf von Ajaccio und auf der Ile Cavallo[55] nicht vorhanden.

Korsika ist auf dem Weg die bestehenden Strukturen der saisonalen und räumlichen Konzentration zu beseitigen[56]. Konzepte zur Stärkung der Binnen­regionen sowie der touristischen Nutzung der einzigartigen Naturlandschaft können der Insel zu entschei­denden Impulsen in Richtung eines nachhalti­gen, naturnahen und sanften Tourismus geben.

2.3. Auswirkungen und Konfliktpotentiale des Tourismus

2.3.1. Ökonomische, ökologische und demographische Folgen auf Mallorca

Die Baleareninsel Mallorca gilt seit den 60er Jahren als Inbegriff des Mas­sentourismus und spätestens seit den 80er Jahren als Negativbeispiel einer einseitig auf den Fremden­verkehr ausgerichtete Region. Der unkontrollierte Ausbau der touristischen Infrastruktur führte zu zahlreichen negativen Aus­wirkungen, die unter Schlagwörtern wie „Beton­burgen“, Zersiedlung und Zerstörung der Landschaft, Wasserknappheit und Überfrem­dung treffend charakterisiert werden können.

Die einseitige Ausrichtung auf den Tourismus führte in den letzten 100 Jahren zu einem drastischen Wandel in den Wirtschaftssektoren, wie die folgende Tabelle deutlich herausstellt[57].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4: Beschäftigung auf Mallorca nach Wirtschaftssektoren im Jahresvergleich

(Quelle: Angaben nach Bardolet 1992, S. 38)

Der ursprünglich dominante Sektor der Landwirtschaft spielt Ende dieses Jahrhunderts nur noch eine untergeordnete Rolle. Der starke Anstieg des tertiären Sektors ist mit dem enormen Wachstum des Tourismussektor zu erklären. Davon profitiert auch der sekun­däre Sektor in Gestalt des Bauge­werbes, das allerdings von den Aufträgen aus der Tou­rismusbranche abhän­gig ist. Mittlerweile ist die gesamte Wirtschaft Mallorcas praktisch als „Mo­nokultur“ ausgewiesen, was längerfristig zu einer potentiellen ökonomi­schen Gefährdung führen kann[58].

Die massive touristische Entwicklung der Insel hat jedoch nicht nur zu ökonomi­schen Nachteilen geführt. Die Balearen erwirtschaften in Spa­nien das höchste Regionale Brutto-Produkt (RBP)[59] des gesamten Staates und das durchschnittliche Pro-Kopf-Ein­kommen lag auf Mallorca 1998 mit ca. 43.000 DM doppelt so hoch wie auf dem Fest­land[60]. Diese unbestreitba­ren Vorteile der touristischen Entwicklung mögen Anlass für die erst relativ spät einsetzende Kritik an der unkontrollierten Bautätigkeit gewesen sein.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Insel vollzog sich auf Mallorca auch ein demographischer Wandel. Seit den 60er Jahren ist die demographische Entwicklung durch ein positives Wanderungssaldo ge­kennzeichnet. Im Gegensatz zu den hohen Auswanderungsraten früherer Jahrzehnte ist Mallorca derzeit Einwanderungsgebiet für Arbeitssuchende aus Süd- und Zentralspanien[61]. Die Regionen positiver Wanderungssal­den sind die größeren Städte, z. B. Palma und Inca, sowie die durch den Touris­mus geprägten Küstenzonen. Die ländlichen Gemeinden dagegen sind von einer hohen Abwanderungsrate und Überalterung geprägt[62]. Ein zweiter Fak­tor der Zuwande­rung sind die Zweitwohnsitze der sogenannten „Residenz­touristen“. Die hohe Zahl jener ausländischer und festlandspanischer Resi­denten, die größtenteils ihre Wohnungen und Anwesen nur temporär nutzen, führt in manchen Orten (besonders im Landesinneren) zu einer massiven Überfremdung[63]. Mangelnde Integration und der Aufbau eigener so­zio-kultu­reller und ökonomischer Milieus fördern die Opposition der Einheimischen gegen die „Invasoren“.

Neben den wirtschaftlichen und demographischen Auswirkungen sind die nega­tiven ökologischen Folgeerscheinungen des Tourismusbooms auf Mallorca Inbegriff für eine durch den Fremdenverkehr übermäßig bean­spruchte Umwelt. Die hohen Raum- und Nutzungsansprüche der Reisebran­che bewirkten im Laufe der letzten Jahrzehnte zahlreiche Zerstörungen der Landschaft. Die Ausdehnung der Urbanisationsflächen hat weder störanfäl­lige Ökosysteme geschont, noch Inselbereiche von landschaftlichem Reiz. Besonders betroffen von der Ausweitung der Siedlungsfläche sind die Öko­sys­teme, die nahe den Küstenzonen liegen, wie z. B. Stranddünen, Sümpfe und Felsküsten. Da bereits 80 % der mallorquinischen Küstenstreifen zuge­baut sind[64], ist der Verlust jener Gebiete aus Umweltgesichtspunkten irreversi­bel. Beispiele für eine völlige Zerstö­rung bzw. starke Degradation von Küstenökosystemen sind: Santa Ponsa, Port d’Alcudia, C’an Picafort und Platja de Palma – El Arenal, mit dem ehemals größten Dünengürtel der Insel. Doch auch außerhalb der verdichteten Siedlungsbereiche an der Küste hinterlassen die Belastungen durch den Tourismus Spuren. Reiter, Safari-Jeeps, Motorradfahrer, Fußgänger und Mountainbiker verursachen mechani­sche Schäden an Boden und Vegetation[65]. Die hohe Anzahl der Leihwagen und der Ausbau des Straßennet­zes schädigen direkt oder indirekt die Öko­systeme der ländlichen Gebiete, wie z. b. die Serra de Tramuntana. Ein weiterer kritischer Punkt ist der enorme Wasser­verbrauch, der gerade in den Sommermonaten immer wieder zu Engpässen führt[66]. In den letzten Jahren mußte Wasser aus dem Ebrodelta mit Schiffen nach Mallorca trans­portiert werden[67], da die natürlichen Ressourcen nicht mehr ausreichten, den Wasser­verbrauch von Golfplätzen[68] und der Masse der Touristen zu befriedigen.

Die zahlreichen negativen ökologischen Auswirkungen haben jedoch ein Um­denken im Hinblick auf einen Natur- und Landschaftsschutz bewirkt, der den authenti­schen Charakter der natürlichen Landschaft zumindest in den Gebieten, in denen er noch halbwegs intakt ist, erhalten soll[69].

2.3.2. Politische Konflikte auf Korsika

Der Ausbau des Tourismussektor auf Korsika hat der Insel bei weitem nicht die ökono­mischen Vorteile wie auf Mallorca gebracht, dagegen ebenso we­nig jene gravierenden ökologischen Folgeerscheinungen. Dies ist auf zwei miteinander verbundene Aspekte zurückzuführen. Zum einen konzentriert sich die Fremdenverkehrsbranche seit Beginn der touristischen Entwicklung zu einem überwiegenden Teil auf ausländische Investo­ren[70], die die erwirt­schafteten Gewinne nicht auf der Insel reinvestieren[71]. Daraus resultie­ren ein auf französischer Ebene sehr niedriges Pro-Kopf-Einkommen und er­höhte Lebenshaltungskosten, die aufgrund der Einfuhr von Konsumgütern vom Konti­nent entstehen[72].

Der wichtigere Aspekt, warum der Tourismus sich auf Korsika nicht so, wie in anderen Regionen des Mittelmeerraums entwickelt hat, spielt sich auf einer anderen Ebene ab. Seit Jahrhunderten wehren sich die Korsen mit einem unbändigen Willen gegen jene wechselnden Okkupatoren, die die Insel im Laufe der Geschichte immer wieder besetzten. Daraus entwickelte sich mit der Zeit eine Mentalität, die sich gegen jedes Fremde und jede Ver­änderung wehrt. Es besteht auf Korsika eine „tiefverwurzelte Angst vor dem Massenphänomen Tourismus. Eine Angst, überrollt zu werden von einer Invasion, die alljährlich über die Insel hereinbricht, so wie früher die Erobe­rer vom Meer her eingefallen sind.“[73]

Auf jener psychologischen Ebene beruht die Abneigung der Korsen gegen den Zentralstaat in Paris, der sie seit der Übernahme der Insel von den Genuesen im Jahre 1768 nur ungerecht behandelt habe. Somit lösen Entscheidungen in Paris stets einen Emotionalisierungsprozeß aus, der sich seit Mitte der 70er Jahre in einem gefährlichen politischen Klima ausdrückt. Bevor es jedoch zu jenen politischen Gewalttaten, die Korsika das Image einer Insel des Terrors gaben, kam, bedurfte es einer längeren Vor­laufzeit in diesem Jahrhundert. Wirtschaftlich schon im 19. Jahrhundert von Frank­reich ausgeblutet[74], wurde Korsika während der beiden Weltkriege und des Krieges in Indo­china von Frankreich als Reservoir für einfache Soldaten, von denen ein Großteil nicht zurückkehrte, genutzt. Daraus resultiert der große Bevölkerungsrückgang, von dem sich das korsische Volk bis heute nicht erholt hat, und der viele Ackerbaugebiete immer noch brachliegen lässt.

Den eigentlichen Grundstein des bewaffneten Kampfes der Korsen legte die Pa­riser Zentralregierung Ende der 50er Jahre. Zwei wesentliche Faktoren begünstigten den Zulauf der nationalistischen Gruppen. Zum einen wurde ein großangelegter Entwick­lungsplan vorgestellt, der den Ausbau der Insel zum reinen Tourismusparadies vorsah. Jener Plan provozierte eine gewaltige Bau- und Immobilienspekulation durch ausländi­sche Investoren, die bereits einen Großteil der Küste in ihre Hände gebracht hatten[75]. Der zweite Faktor war die massenhafte Niederlassung von Algerien-Franzosen, den soge­nannten „Pieds-Noir“, an der Ostküste. Der französische Staat för­derte jene Bevölke­rungsgruppe, die nach dem Zusammenbruch der französi­schen Herrschaft in Algerien heimatlos geworden war, durch die Bereit­stellung großzügiger Kredite und die Urbar­machung der besten landwirt­schaftlichen Gebiete der Insel, die seit jeher malaria-ver­seucht waren. Durch die Bevorzugung der ca. 17 500 Nordafrika-Franzosen fühlte sich ein Teil der Bevölkerung diskriminiert[76]. Bereits Mitte der 60er Jahre formierten sich die ersten nationalistischen Bewegungen, die eine Front gegen den Pariser Zentralismus bilden wollten, sich aber schon nach kurzer Zeit wieder auf­lösten[77]. Bis Mitte der 70er Jahre funktionierte das Zusammenleben zwi­schen Korsen und Neuansiedlern aufgrund der wirtschaftlich günstigen Lage. Auftakt zu einer Eskalation der Gewalt war das so­genannte „Drama von Aleria“. Ausgelöst durch einen Weinpansch-Skandal der Alge­rien-Franzosen besetzten 1975 bewaffnete korsische Nationalisten unter der Füh­rung der Brüder Siméoni das Weingut des Henri Depeille. Der folgende Aufmarsch von 2000 französischen Soldaten endete mit dem Tod von 2 Gendarmen und der Inhaftierung der Nationalisten. Eine bis dahin nicht gekannte Solidaritätswelle ergriff die gesamte Insel. Neue Bewegungen formierten sich und nahmen unter verschiedenen Vorstellungen von Auto­nomiebestrebungen den bewaffneten oder verbalen Kampf gegen die Pariser Zent­ralregierung auf. Neben Einrichtungen des französischen Staates wur­den in der Folge­zeit Tourismuseinrichtungen vermehrt Ziele von Spreng­stoffanschlägen[78]. Unter dem Deckmantel, Korsika vor einer „Balearisie­rung“ zu schützen, genossen jene Anschläge die Sympathie der Bevölke­rung[79]. Frankreich reagierte teils mit Repressionen, teils mit Zugeständnissen an das korsische Volk. 1981 wurde die korsische Universität in Corte eröff­net und ein Jahr später das erste Regionalparlament mit begrenztem Auto­nomie­status eingerichtet[80]. Doch die korsischen Nationalisten verstanden es aufgrund des vom allgegenwärtigen Clanwesen bestimmten Wahlrecht nicht, ihre Interessen in der Regio­nalversammlung wahrzunehmen[81].

In den 90er Jahren zerfällt die nationalistische Bewegung zuneh­mend in Split­tergruppen, die durch interne Fehden und mafiöse Strukturen gekennzeichnet sind. Gewalt gegenüber verfeindeten Gruppen prägen den korsischen Nationalismus zur Zeit mehr, als der einst visionäre Kampf um kulturelle Identität. Die Sympathie der Bevölke­rung für die Ext­remisten schwindet zusehend, kaum noch jemand befürwortet die Un­abhän­gigkeit von Frankreich[82]. Frauengruppen, ehemalige bewaffnete Kämpfer, korsi­sche Musiker und die Kirche propagieren mittlerweile öffentlich eine Abkehr von den Gewaltaktionen, die der Insel ein so schlechtes Image ver­leihen, dass die Touristen ausbleiben[83].

Doch welche Konsequenzen ergeben sich aus dem mittlerweile 25 Jahre dauern­den bewaffneten Kampf? Können die erstrittenen Vorteile die ökonomischen Nachteile aufwiegen? Auf Korsika besteht die einhellige Meinung, dass "ohne die Nationalisten gar nichts möglich gewesen wäre. Die Insel wäre genauso zubetoniert wie die Balearen; der Naturschutzpark und die Universität würden nicht existieren, die Sprache wäre tot“[84]. Die Auswirkungen hinsichtlich der touristischen Entwicklung sind enorm. Die großen Konzerne der Reisebranche investieren aus Angst vor Sprengstoff­anschlägen nicht mehr auf der Insel und die einfachen Touristen bleiben aufgrund der schlechten Presse im übrigen Europa aus. Hinzu kommen ein extrem hohes Preisniveau im Vergleich zu an­deren Mittelmeerregionen und ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, was zu stag­nierenden Bettenzah­len führt[85].

Doch gerade durch seine Verweigerung gegenüber dem internatio­nalen Mas­sentourismus hat Korsika eine einmalige touristische Chance, weil die Insel nicht so zugebaut wie andere Regionen des Mittelmeerraums ist und die Fehler Mallorcas ver­meiden kann. Die Alternative wäre ein Qualitätstourismus, der große Teile der Bevölke­rung mit einbeziehen kann und sich an den Leitthesen der Nachhaltigkeit orientiert. Erste Ansätze sind mit der Einrichtung des Naturschutzparks und den dort angelegten Wander­regionen bereits verwirklicht. Welche Auswirkungen solche Konzepte auf die Insel haben, wird die Zukunft zeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Anschläge auf touristische Einrichtungen auf Korsika

(Quelle: Lücke 1994, S. 344)

2.4. Touristikpolitik

Die touristische Entwicklung auf den Balearen war bis in die 80er Jahre gekennzeichnet durch das weitgehende Fehlen raumordnerischer und raum­planerischer Konzepte sowie eine mangelhafte Gesetzgebung[86]. 1983 konnte Mallorca endlich über sein eigenes Territo­rium verfügen, da die Insel erst zu diesem Zeitpunkt die politische Autonomie innerhalb der autonomen Kommunen des Staates Spanien erhielt[87]. Damit war der Grund­stein zu einer Gesetzgebung gelegt, die eine planvolle Entwicklung des Fremden­verkehrs und eine Regulierung der Nutzungsansprüche fördert. Folgende Gesetze bzw. Richtlinien wurden seitdem erlassen[88]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[89]

Verbesserung der touristischen Gebiete anhand der Anlage von begrünten Zonen für Dienstleistungen, Sport, Spaziergänge etc., wobei öffentliches Gelände geschaffen und die Beseitigung von Gebäuden ermöglicht wird.

Einige Gesetze sind Meilensteine in der touristischen Entwicklung der Bale­aren, da sie erstmalig den Willen zur Selbstbeschränkung innerhalb der freien Marktwirtschaft zei­gen, wie die Sprengung mehrerer Hotelkomplexe der Gemeinde Calvià beweist[90]. Der Versuch, naturnahe und ökologisch wert­volle Biotope vor planlosen weiteren Erschlie­ßungsmaßnahmen durch die Touristikbranche zu sichern, ist anerkennenswert. Anderer­seits existiert auf Mallorca kein regional übergreifender Bebauungsplan, der die Er­schlie­ßungen der gesamten Insel regulieren könnte[91]. Andere Maßnahmen, wie z. B. eine geplante Touristenabgabe mit Namen „Ökosteuer“, werden kontro­vers diskutiert[92]. Es bleibt zu hoffen, dass die größte Baleareninsel es in den nächsten Jahren versteht, unter den Schlagwörtern „Naturschutz“ und „Qualitätstourismus“ sein Landschaftsbild, das die Basis des touristischen Erfolges ist, zu bewahren bzw. zu restaurieren.

Die Touristikpolitik setzte auf Korsika wesentlich früher als Mallorca ein. Bereits in den 50er Jahren entwickelte die Zentralregierung in Paris die ers­ten Pläne zum Ausbau des Fremdenverkehrssektors auf der Insel. Die Pla­nung der staatlichen Seite fand jedoch von Anfang an ohne Beteiligung der korsischen Bevölkerung statt und war somit ein Grundpfeiler der „Koloni­sation“, die der korsische Nationalismus zu bekämpfen ver­suchte. Die Tou­ristikpolitik lässt sich wie folgt zusammenfassen[93]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[94]

Einrichtung einer Agentur zur Koordinierung der touristischen Entwicklung auf Korsika; Zielvorstellung der Agentur: Begrenzung des unkontrollierten touristischen Ausbaus in allen korsischen Fremdenverkehrsregionen; zu große Abhängigkeit vom Regionalparlament lähmt die Suche nach Lösungen der insularen Entwicklungsprobleme.

Bisher war die Touristikpolitik durch Planlosigkeit, Gewinnmaximierung und Rück­sichtslosigkeit gegenüber natürlichen Bedingungen gekennzeich­net[95]. Positiv erwähnens­wert ist lediglich die Schaffung des Naturparks im Inselinnern, der den Gebirgsregionen zu entscheidenden wirtschaftlichen Impulsen verhelfen konnte. Konkrete Maßnahmen touristischer Entwick­lungen, die sich außerhalb von Formen des Massentourismus bewegen, bleiben größtenteils der Eigeninitiative von einzelnen Gemeinden, wie z. B. Pigna[96] und Lama[97], überlassen.

3. Theoretische Grundlagen des Kulturtourismus

Reisen zu kulturellen Zwecken (Studien- und Bildungsreisen) besitzen eine lange Tra­dition in der Geschichte des Tourismus[98]. In den vergangenen Jahrhunderten waren die Bildungsreisen des gehobenen Bürgertums die vorherrschende Form des Reisens[99]. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm der Sonnen- und Badetourismus die führende Rolle im europäischen Fremdenverkehr. Zu diesem Zeitpunkt gestattete das ungezügelte ökonomische Wachstum in den mitteleuropäischen Ländern einer breiten Bevölke­rungsschicht die Möglichkeit eines Sommerurlaubes an den Stränden des Mittelmeeres[100]. Andere Formen des Fremdenverkehrs wurden in den Nachkriegsjahren an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt.

Mit dem gesteigerten Regionalbewusstsein und der Suche nach den eigenen historischen Wurzeln entstand in den 70er Jahren ein zunehmendes Bedürfnis nach al­ternativen Tourismusangeboten, besonders im kulturellen Bereich[101]. Seither ist die Nach­frage nach kulturtouristischen Angeboten und das Wachstum kultureller Produktionen zu Zwecken des Fremdenverkehrs stetig gestiegen und erfreut sich nach gegenwärtigem Stand einer ungebrochenen Konjunkturphase[102].

Der folgende Teil der Arbeit wird sich mit den theoretischen Grundlagen des Kulturtourismus auseinandersetzen, d. h. zunächst den Begriff definieren und systemati­sieren um anschließend auf den Markt, die Chancen und Risiken sowie auf die Mög­lichkeiten zur Förderung kulturtouristischer Angebote einzugehen.

3.1. Definitionen

Für den Begriff Kulturtourismus existiert in der Wissenschaft leider keine allgemein anerkannte Definition. Im deutschen Sprachraum wurde der Begriff erst in den 80er Jahren durch die EG eingeführt, während im französischen und englischen Sprachraum schon früher damit operiert wurde[103]. Die folgende Definition ist die am weitesten ge­fasste:

„Mit Kulturtourismus werden alle Reisen bezeichnet, denen als Reisemotiv schwerpunktmäßig kulturelle Aktivitäten zugrunde liegen.“[104]

Diese Definition verzichtet auf detaillierte Beschreibungen, welche Formen der Kultur für touristische Zwecke genutzt werden können und vernachlässigt räumliche Aspekte sowie die Bedingungen des Angebots und der Nachfrage. Genauer ist dagegen die fol­gende, in Deutschland weit verbreitete Definition[105]:

„Der Kulturtourismus nutzt Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in Orten und Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsent- wicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besich- tigungsmöglichkeiten und spezifisches Informationsmaterial nahe zu bringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus.“[106]

Hierbei wird der Begriff der Kultur einer Region unter Einbeziehung der Hoch- und Alltagskultur genauer charakterisiert und der funktionale Aspekt möglicher kultureller Reiseformen in den Vordergrund gestellt[107]. Zusätzlich zu dieser Definition sollte berück­sichtigt werden, dass Urlauber nicht ausschließlich kulturelle Reisemotive haben müs­sen, sondern Kultur als zusätzliche Form der Urlaubsgestaltung in Betracht ziehen kön­nen[108]. Hierbei würde dann der Kulturtourismus eine Vermittlungsrolle zwischen frühe­ren und gegenwärtigen kulturellen Lebensweisen der einheimischen Bevölkerung und dem Reisenden übernehmen und somit die Schnittstelle zwischen Urlauber und Region darstellen[109]. Weitere, für diese Arbeit nicht relevante Definitionen sind bei Lindstädt 1994 (S. 9-13) und Weissenborn 1997 (S. 14-17) nachzulesen.

3.2. Systematisierung

Um die definitorischen Grundlagen des Begriffes Kulturtourismus besser einordnen zu können, ist eine Systematisierung kulturtouristischer Reiseformen notwendig. Es exis­tieren viele Möglichkeiten die verschiedenen kulturellen Sehenswürdigkeiten und Ei­genarten einer Region der touristischen Nutzung zuzuführen. Die folgende Abbildung vermittelt einen Überblick über die unterschiedlichen Formen eines kulturell orientier­ten Tourismus und bietet eine adäquate Gliederung an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 13: Gliederung der Kulturtourismusformen

(Quelle: Weissenborn 1997, S. 19)

Die Inwertsetzung jener Formen des Kulturtourismus ist durch unterschiedliche Arten der Reisegestaltung möglich. Jede Region oder jedes Gebiet muss hierbei seine charak­teristischen Eigenarten in eine, der touristischen Nutzung angemessene Art der Gestal­tung umsetzen. Folgende Erscheinungsformen des Kulturtourismus können der Umset­zung dienen[110]:

- Eventtourismus

Events sind besondere Veranstaltungen und Ereignisse mit einem zeitlich begrenz- ten Rahmen. Jene Großveranstaltungen können natürlicher, sportlicher, kunstbezo- gener, wirtschaftlicher oder gesellschaftspolitischer Art sein. Städte und Regionen haben hierbei die Möglichkeit sich für eine kurze Zeit einer breiten Öffentlichkeit darzustellen. Zu den großen Events zählen z. B. die Olympischen Spiele, die EXPO, Stadtfeste und Musik- bzw. Medienfestivals.

- Musicaltourismus

Vereinzelte Städte (besonders in Deutschland) partizipieren seit fast 15 Jahren am Boom des Musicaltourismus. Die Erscheinungsform dieser Art des Kulturtourismus basiert auf einer dauerhaften Niederlassung einer Musicalproduktion in einer bestimmten Stadt. Beispiele hierfür sind die Niederlassungen der Musicals „Cats“ und „Phantom der Oper“ in Hamburg, die seit den jeweiligen Premieren Millionen von Besuchern angelockt haben.

- Museums-/ Ausstellungstourismus

Jede Stadt bzw. Region besitzt mittlerweile ein Museum mit einer eigenen, größten- teils themenbezogenen Ausstellung. In den letzten Jahren ist zwar eine Konjunktur hinsichtlich Museumseröffnungen zu beobachten, jedoch gehört der Besuch der tra- ditionellen großen Museen, wie z. B. des Louvre in Paris oder der Uffizien in Flo- renz, seit Jahrzehnten zu den Pflichtveranstaltungen von Städtereisenden und ist somit keine neuartige Erscheinung auf dem Tourismusmarkt.

- Thementourismus

Einige Regionen und Städte versuchen durch eine spezielle, themenbezogene Darstellung ihre charakteristischen Eigenarten herauszustellen und dadurch kulturell interessierte Besucher anzulocken. Hierbei können die Themen aus den verschie- densten bereichen der Kultur entstehen, z. B. der Architektur, Literatur, Musik, Kunst oder Philosophie und Theologie. Meistens verfolgen jene kulturtouristischen Konzepte einen längerfristigen Zeitraum, der über ein oder mehrere Jahre dauern kann (z. B. das „Goethejahr“ in Weimar).

- Kulturrouten

Kulturrouten sind festgelegte Reisewege, die sich anhand von bestimmten Stationen bzw. Haltepunkten einem speziellen Thema (z. B. einer historischen Epoche oder einer ausgewählten Person) widmen. Zumeist sind jene Routen als selbst zu führen- de Tour angelegt, die anhand von Hilfsmitteln (Faltblätter, Wegweiser und Informa- tionstafeln) leicht zu finden ist. Kulturrouten können sowohl von regionalem und ü- berregionalem Umfang sein, oder sich in Form von Lehrpfaden auf lokal begrenzte Einheiten beschränken.

- Bildungstourismus

Bildungsreisen haben in der Geschichte des Tourismus eine lange Tradition. In der heutigen Zeit werden zum Bildungstourismus die Studienreisen und Sprachreisen gezählt. Studienreisen sind zumeist Gruppenreisen mit einem festgelegten Reise- thema und –verlauf, einer begrenzten Teilnehmerzahl und einer qualifizierten Reiseleitung. Jene Reiseform ist überwiegend historisch-, kunst- und kulturorien- tiert. Sprachreisen dienen dagegen primär dem Ziel des Erlernens oder Vertiefens einer Fremdsprache im Mutterland. Bevorzugte Interessenten dieser Form sind hauptsächlich Schüler und Studenten, die in den Ferien an einem festen Ort im Aus- land Fremdsprachenkurse in Anspruch nehmen.

- Industrietourismus

Der Industrietourismus ist eine relativ junge Erscheinungsform auf dem Fremden- verkehrsmarkt. Erst mit den Stillegungen großer Industrieanlagen im ausgehenden 20. Jahrhundert konnte diese Form des Kulturtourismus in größerem Umfang Fuß fassen. Herausragende Beispiele des Industrietourismus sind die Anlagen des Ruhr- gebiets, die im Zuge der IBA (Internationale Bauausstellung) Emscher Park revitali- siert wurden, und die des Saarlandes.

- Städtetourismus

Städtereisen haben sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Reiseformen entwickelt. Häufig sind jene Reisen von einem Veranstalter organisiert und gehen über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum (bis zu einer Woche). Die Urlauber haben bei der zumeist geleiteten Reise die Möglichkeit, sämtliche Charakteristika einer Stadt kennen zu lernen. Dies kann von der Architektur über Kunst und Kultur bis hin zu Events und Großveranstaltungen reichen.

Weitere Erscheinungsformen von Kulturreisen sind der Religionstourismus in Form von Pilgerfahrten oder –wanderungen, der Miltitärtourismus in Form von Besichtigungen militärischer Anlagen und Einzelobjekten, und der Rootstourismus, dessen Urlaubsmo­tiv die Spurensuche nach kultureller Identität zur Grundlage hat. Diese Erscheinungs­formen können jedoch nur – mit Ausnahme der Pilgerfahrten – geringfügige Besucher­zahlen aufweisen und sind somit im Bereich des Kulturtourismus Randerscheinungen.

3.3. Der kulturtouristische Markt

Die gesellschaftlichen Trends der letzten Jahre bewirkten auch auf dem Fremdenver­kehrssektor strukturelle Veränderungen. Der gesamte Freizeitbereich ist durch einen Bedeutungszuwachs gekennzeichnet, der sich auch in Form einer veränderten Nachfragestruktur im Hinblick auf Urlaubsgestaltung, Urlaubsmotiv und Urlaubsziel auswirkt[111]. Durch die Verfügbarkeit von mehr Zeit, Geld, Bildung und Wohlstand ist die Urlaubsreise zu einem Ereignis von gesellschaftlicher Notwendigkeit geworden, die alle Schichten der Bevölkerung betrifft[112]. Der Wunsch nach etwas Besonderem, was man im Urlaub erleben kann, führt zu einer differenzierten Ausgestaltung der Angebote im Freizeit- und Tourismusbereich. Hierbei sind Kombinationen der Urlaubsgestaltung gefordert, die die Elemente Kultur, Natur und Erholung miteinander verbinden[113]. Als wesentliche Faktoren für einen Zuwachs der kulturtouristischen Angebote werden ein „Nostalgie­trend“[114], der die Vergangenheit glorifiziert, das zunehmende Bildungsniveau der Bevölke­rung[115] sowie die ungünstigen Nebenwirkungen des Massentourismus in den südeuropäischen Bildungsreiseländern[116], die eine Trendumkehr zum Kulturtourismus erwarten lassen, ausgemacht.

Im Bereich der Reisemotive lösen die Faktoren „Eindrücke, Entdeckung und Bildung“ die jahrzehntelang vorherrschenden Motive „Abschalten, Ausspannen und Ruhe“ ab[117]. Einen immer höheren Stellenwert erleben kombinierte Urlaubsformen, die alle wesentlichen Aspekte der Erholung, Abwechslung, Natur und Kultur umfassen[118]. Die folgende Tabelle gibt einen Einblick in die veränderten Reisemotive zwischen 1987 und 1992.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 5: Prozentuale Veränderung der Reisemotive zwischen 1987 und 1992

(Quelle: Lindstädt 1994, S. 36)

Die Motive der kulturinteressierten Nachfrager beziehen sich im Wesentlichen auf Ein­zelkulturobjekte, Kulturobjekthäufungen, Kulturensembles, kulturelle Ereignisse und die gastronomische Kultur der bereisten Region[119]. Das Hauptinteresse der kulturmotivier­ten Urlauber liegt dabei auf den Faktoren Bildung und Studium, Besuch kultureller Veranstaltungen und Besichtigung von Kunstwerken[120].

Im Bereich der Urlaubsaktivitäten ist allerdings kein deutlicher Anstieg in Bezug auf kulturtouristische Aktivitäten festzustellen. Die folgende Tabelle weist auf eine eher konstante Entwicklung hin.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 6: Prozentuale Veränderung der Urlaubsaktivitäten zwischen 1981 und 1992

(Quelle: Weissenborn 1997, S. 23)

Diese relativ konstante Entwicklung ist damit zu erklären, dass jene Unternehmungen Bestandteile von sehr unterschiedlich motivierten Reisen sind und nicht ausschließlich dem Kultururlaub zuzurechnen sind[121]. Dennoch ist in den vergangenen Jahren gerade im Bereich des Besuches kultureller Veranstaltungen ein Anstieg der Besucherzahlen fest­zustellen[122].

Das Bild des klassischen Bildungs- und Kulturreisenden muss aufgrund der Er­fahrungen der kulturtouristischen Anbieter im Laufe der letzten Jahre korrigiert werden. Waren es ursprünglich die hochgebildeten, einkommensstarken und älteren Bevölke­rungsschichten, die eine Reise zwecks kulturorientierter Gestaltung unternahmen, so gestaltet sich der Personenkreis jener Reisenden mittlerweile weitaus differenzierter[123]. Jüngere, nicht unbedingt hochgebildete und relativ einkommensschwache Personen unternehmen vermehrt Reisen mit einem kulturell motivierten Hintergrund[124]. Gerade im Bereich der Städtereisen ist der Anteil der 14-29jährigen und der Anteil der Reisenden mit Hauptschulabschluss besonders hoch, was auf eine deutliche Veränderung im Be­reich dieser Reiseform hindeutet[125]. Hierbei wurden allerdings nicht die Motive für den Antritt einer solchen Reise hinterfragt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass gerade die deutschen Kulturtouristen eine anspruchsvolle und attraktive Reisekombina­tion fordern, die sich aus den Elementen Kultur, Konsum, Erlebnis und Gourmet zu­sammensetzt[126].

Um jene Anforderungen an eine Reise zu erfüllen, bedarf es gezielter markt­strategischer Maßnahmen zur Schaffung von neuen und anspruchsvollen Angebotsfor­men der Kulturreise. 13,8 % der deutschen Urlauber traten 1991 ihre Reise aus kultur­motivierten Hintergründen an, was zu einer erheblichen Steigerung gegenüber den 80er Jahren führte und viele Feriengebiete an den Rand ihrer Kapazitäten führt[127]. Die boomar­tige Entwicklung des Marktes für Kulturreisen führt zu einer differenzierten Ausbildung der Anbieter. Bei den Reiseveranstaltern geht die Tendenz zu kleinen Spezialanbietern, deren Absatzgebiet national ausgerichtet ist und deren Angebote auf das jeweilig ge­wünschte Klientel zurechtgeschnitten ist[128]. Tourismusverbände setzen verstärkt auf die kulturellen Besonderheiten von Land und Regionen und zusätzlich zu den regionalen Verbänden schließen sich vermehrt Städte oder kulturelle Institutionen zu themenbezo­genen Kooperationen zusammen, z. B. die Arbeitsgemeinschaft der UNESCO-Welt­kulturgüter in Deutschland[129]. Kulturelle Events schießen aus dem Boden, die Produktion von Musicals an festen Standorten hatte in den 90er Jahren Hochkonjunktur und Mu­seen werden deutlich besucherfreundlicher[130]. Viele Städte und Regionen innerhalb Euro­pas versuchen der Nachfrage nach kulturorientierten Reisen gerecht zu werden, was zu einem Anstieg der kulturellen Produktion in den letzten Jahren führte[131].

Der Boom für kulturorientierte Reisen betrifft zum größten Teil die Städte. In diesem Bereich sind demnach auch die größten Wachstumsschübe und trendartigen Ent­wicklungen für Kultur- und Bildungsreisen zu erwarten. Städte bieten zu Reisen mit kulturellem Hintergrund verstärkt Pauschalprogramme an, schaffen vermehrt groß an­gelegte Events zur Reisemotivation und gestalten kulturelle Einrichtungen (Museen, Bibliotheken und Theater) gezielt besucherfreundlicher, um eine große Masse an Besu­chern aufnehmen und zufrieden stellen zu können[132]. Hierbei vollführen viele Städte ei­nen Balanceakt zwischen der Darstellung der eigenen kulturellen Besonderheiten und Tendenzen zur Trivialisierung und zur massenorientierten Ausrichtung von Kultur.

3.4. Chancen, Risiken und Auswirkungen

Europa verfügt über eine unermessliche Vielfalt an kulturellen Werten auf engstem Raum. Im Laufe der Geschichte haben die verschiedenen Völker ein kulturelles Erbe hinterlassen, das oft in vielen Schichten übereinanderliegt[133]. Die große Chance des Kultur­tourismus besteht darin, diese Werte zu pflegen, den einzelnen Besuchern nahe zu bringen und damit ein Verständnis für andere Kulturen zu schaffen, das Toleranz und Akzeptanz gegenüber allem Fremden beinhaltet[134]. Ein derartig zu realisierender Kulturtou­rismus sollte folgende Grundsätze beachten[135]:

- Kulturtouristische Angebote sollten für Einheimische und Touristen konzipiert wer­den. Eine einseitig auf den Tourismus ausgerichtete Kultur verschafft keine Akzep­tanz in den bereisten Regionen.
- Der Tourist sollte im Zielgebiet ein regionalspezifisches, authentisches Erlebnis vermittelt bekommen.
- Das kulturelle Potential der Zielregionen sollte längerfristig gesichert, schonend benutzt und sozial- und umweltverträglich gestaltet sein.
- Die kulturtouristischen Angebote sollten sich durch ein hohes Maß an Sachkunde, Gründlichkeit und Phantasie auszeichnen.

Wenn diese Grundsätze bei der Realisierung kulturtouristischer Angebote eingehalten werden, besteht für die Zielregionen die große Chance sowohl ihre kulturellen Bestände zu sichern und dem Urlauber ihre spezifischen Eigenheiten zu vermitteln, als auch posi­tive Auswirkungen für die Region zu erzielen.

Im wirtschaftlichen Bereich äußert sich der Zusammenhang zwischen Tourismus und Kultur häufig in positiven Nebenwirkungen[136]. Mit dem Besuch von kulturellen Veran­staltungen werden meist andere Aktivitäten verknüpft, die zu einer Umsatzerhö­hung bei Buchhandlungen, Hotels, Restaurants und Verkehrsbetrieben und dadurch zu einem Multiplikatoreffekt, gerade im Bereich der großen Städte, führen[137]. Doch auch andere positive Effekte können durch kulturtouristische Angebote in den Zielregionen registriert werden[138]:

- Bewusstwerden der eigenen Kultur und Entstehen eines neuen Regionalbewusst­seins
- Positiver Beitrag zur Imagebildung
- Regionalpsychologische Stabilisierungseffekte
- Nutzung des endogenen kulturellen Potentials wie Bauten, Relikte und Brauchtum
- Hohe Kaufkraft der Kulturtouristen und große Wertschöpfung für die Region
- Räumliche Diversifizierung der Nachfrage – speziell durch Kulturstraßen – vermei­det Überlastungserscheinungen
- Arbeitsintensiver Sektor mit vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten für Gästefüh­rer und Reiseleiter

Dazu können kulturtouristische Angebote die Vermittlung globalen, grenzüberschrei­tenden Denkens ausführen, die Integration der europäischen Völker durch Studienreisen fördern und einen Beitrag zur Völkerverständigung und Vergangenheitsbewältigung leisten[139].

Neben den positiven Effekten, die der Kulturtourismus für die Zielregionen be­wirken kann, bestehen jedoch auch Risiken und Gefahren bei einer zu massenorientier­ten Ausrichtung kulturtouristischer Angebote. Da die touristische Nutzung kultureller Güter ein sehr sensibler Bereich ist, leiden zahlreiche Kulturdenkmäler unter einer Über­lastung durch übermäßige touristische Nachfrage[140]. Die Folgen des Massentourismus sind in besonders stark frequentierten Zielgebieten anhand von Zerstörungen der histo­rischen Bausubstanz sowie Beschädigungen in überfüllten Museen, Schlössern und Kir­chen deutlich zu erkennen[141]. Die Gefahr der übermäßigen Beanspruchung einzelner Kultur­denkmäler ist deutlich zu erkennen und in einigen Regionen schon in bedenkli­cher Weise fortgeschritten[142]. Zum Schutz der Kulturgüter werden bereits einige Maßnah­men unternommen (In Lascaux wurden z. B. die weltbekannten Höhlenmalereien zum Schutz der Originale in einem parallelen Höhlensystem detailgenau rekonstruiert), wäh­rend Möglichkeiten der Reglementierung von Besucherströmen (z. B. in den Uffizien in Florenz) eher mäßig verfolgt werden[143]. Auch im Bereich des Verkehrssektors sind nega­tive Auswirkungen durch die massenhafte touristische Nutzung kultureller Güter aus­zumachen. Die Überfüllung historischer Innenstädte verursacht z. B. eine überhöhte Lärmbelastung für Anwohner, ein starkes zusätzliches Verkehrsaufkommen und dichtes Gedränge im Umfeld der Kulturgüter[144]. Eine weitere große Gefahr der touristischen Nut­zung besteht in der Inszenierung kultureller Erlebnisse und der damit verbundenen Kommerzialisierung von Bräuchen und Veranstaltungen[145]. Es bestehen Tendenzen, dass touristische Arrangements zu einer irrealen Bühnenwelt verkommen, die in einseitig dimensionierten Reiseführer oftmals romantisierend, ästhetisierend und traditionsver­haftet dargestellt werden[146]. Hierbei werden „dunkle“ Perioden der Zeitgeschichte häufig ausgeklammert, um eine makellose Vergangenheit der Region darzustellen[147].

Eine nachhaltige touristische Nutzung kultureller Güter kann nur durch den schonenden Umgang mit den Denkmäler und durch ein umwelt- und sozialverträgliches Fremdenverkehrskonzept realisiert werden. Inwieweit diese Vorgaben umgesetzt wer­den können, wird die Zukunft zeigen.

3.5. Kulturtourismus in Europa, Spanien und Frankreich

3.5.1. EU

Die Organe der EU (allen voran der Europarat), die für touristische Fragen verantwort­lich sind, treten für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen und kulturellen Ressour­cen durch den Fremdenverkehr ein und forcieren damit die Realisierung von neuen Formen des Tourismus und der Tourismusindustrie[148].

„Tourismus soll heute bei gleichgewichtiger Berücksichtigung der ökonomi- schen, ökologischen, sozialen und kulturellen Aspekte entwickelt werden. In sei- ner Entwicklung soll er die menschliche Dimension bewahren, besonders Infra- strukturen und Einrichtungen in die Natur integrieren und Verantwortung und Schutz gegenüber den Ökosystemen, den Kulturgütern und –stätten und der so- zialen und kulturellen Struktur sichern. Dabei müssen besonders die Rechte und Kulturen der ansässigen Bevölkerung berücksichtigt und geschützt werden [..] Nicht nur der heutige Mensch soll von den kulturellen Werten und Schätzen Eu- ropas profitieren, sondern auch künftigen Generationen müssen diese Werte erhalten werden [.] Der sanfte, menschliche und kulturelle Tourismus scheint ein richtiger Weg in diese Richtung zu sein.“[149]

Bei der Umsetzung dieser Grundsätze im kulturtouristischen Bereich unternimmt die EU verschiedene Anstrengungen. 1993 wurde ein Arbeitskreis eingerichtet, der sich mit besonderen Aspekten einer kulturtouristisch orientierten Ausrichtung des Fremdenver­kehrs beschäftigt. Dieses Projekt steht jedoch erst am Anfang seiner konzeptionellen Gestaltung und beschäftigt sich daher noch mit der Erarbeitung einer Grundstudie[150].

Im gleichen Jahr trat der bereits zwei Jahre zuvor von der EU-Kommission vor­gelegte „Aktionsplan der Gemeinschaft zur Förderung des Fremdenverkehrs“ in Kraft. Der Kulturtourismus wird darin als ein Bestandteil der zukünftigen Fremdenverkehrs­entwicklung gesehen und unterliegt einer speziellen Förderung[151]. Die Bedeutung des Kulturtourismus liegt vor allem in der Entzerrung der Reiseströme und der Stärkung neuer Reiseziele, wobei ein Beitrag zur Steigerung der Völkerverständigung und des europäischen Kulturverständnisses geleistet und die Erhaltung des europäi­schen Kulturgutes gesichert werden soll[152]. Erste Pilotprojekte wurden bereits anhand dieser Zielsetzungen staatenübergreifend realisiert[153].

Neben diesen Maßnahmen unternimmt die EU weitere Bestrebungen zur Stär­kung des Kulturtourismus. Spezielle Sprachlernprogramme (z. B. „Lerne die Sprache des Nachbarn“) und die Entwicklung und Realisierung europäischer Kulturstraßen wer­den vorangetrieben. Zu ausgesuchten Themen werden Kunstausstellungen durch den Europarat initiiert[154]. Historische Städte werden anhand von Symposien und Fachtagun­gen im Hinblick auf eine touristische Erschließung gesondert betrachtet, wobei die Städte bei Planungs- und Entwicklungsproblemen den Europarat um technische Hilfe bitten können, die in Form eines Gutachten mit Empfehlungen geleistet wird[155]. Beson­dere Beachtung verdienen die „Konvention für den Schutz des europäischen architekto­nischen Erbes“ von 1985 und die „Konvention für archäologische Stätten“ von 1992. Diese Konventionen sichern das Konzept der integrierten Planung und des Schutzes archäologischer Stätten und architektonischer Besonderheiten[156]. Da die Konventionen bereits ratifiziert sind, sind sie für alle Mitgliedsstaaten der EU allgemein und rechtlich verbindlich.

Neben den technischen und rechtlichen Hilfen, kann die EU auch Unterstützungen fi­nanzieller Art leisten. Die finanziellen Mittel zur Förderung touristischer Maßnahmen stammen überwiegend aus den Strukturfonds, die der Regionalentwicklung zugeordnet sind. Hierzu gehören vor allem die „Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE)“ und die sogenannten Gemeinschaftsinitiativen mit bestimmten Themenberei­chen[157]. Erstmals gefördert wurde der Kulturtourismus im Rahmen des „Europäischen Jahr des Tourismus 1990“. Die Zielsetzungen eines kulturell orientierten Tourismus waren hierbei die Förderung der besseren Kenntnis und des Lebensstils der anderen Mitgliedsstaaten sowie eine zeitlich und räumlich bessere Verteilung des Fremdenver­kehrs unter besonderer Entwicklung neuen Reisezielen und Fremdenverkehrsformen als Alternative zum Massentourismus[158]. Aus den Zielsetzungen leiten sich Projektthemen ab, die den Bereich Kultur- und Bildungstourismus umfassen und für Einzelprojekte mit einem maximalen Zuschuss von 40 % der Gesamtkosten von der EU bedacht werden können[159]. Die große Gefahr der EU-Förderung besteht darin, dass einzelne Fremdenver­kehrsträger nur an den Fördermitteln interessiert sind und aus diesem Grund kulturtou­ristische Themen ohne durchdachte Konzepte, in das sich das spezielle Projekt einfügt, initiieren[160]. Man sollte jedoch die Bedeutung der Förderung durch die EU nicht überschät­zen, da der Kulturtourismus nur eine Facette des Tourismus neben vielen anderen unterstützten Tourismusformen ist und daher nur einen Bruchteil der finan­ziellen Mittel in Anspruch nehmen kann.

[...]


[1] Alle Aufnahmen von Mallorca in dieser Arbeit wurden vom Verfasser in den Monaten März und April des Jahres 2000 gemacht, mit Ausnahme von Bild 2: Imhof 1998, S. 84

[2] Der Maßstab der Karte wurde aufgrund der vorgegebenen Formatgröße der Arbeit vom Verfasser geändert. Er ist auf ca. 1:1.400.000 verkleinert worden.

[3] Alle Aufnahmen von Korsika in dieser Arbeit wurden vom Verfasser im Monat Mai des Jahres 2000 gemacht.

[4] Der Maßstab der Karte wurde aufgrund der vorgegebenen Formatgröße der Arbeit vom Verfasser geändert. Er ist auf ca. 1:1.100.000 verkleinert worden.

[5] Strelocke 1981, S. 331

[6] Fabian/ Ruth 1987, S. 50

[7] siehe Scherer 1999

[8] Spahl 1995

[9] siehe Zeller 1996

[10] siehe Heinrich 1996

[11] siehe Pulver 1988 u. Battesti 1988

[12] Siegfried-Hagenow 1991, S. 173

[13] siehe auch Kapitel 2.3.2.

[14] siehe Schymik 1975

[15] siehe Betz 1996 (1)

[16] siehe von Reden 1989

[17] vgl. Breuer 1992, S. 22

[18] vgl. Breuer 1992, S. 22

[19] vgl. Mayer 1976, S 70ff.

[20] Bardolet 1992, S. 36

[21] vgl. Bardolet 1992, S. 36

[22] vgl. Schmitt 1993, S. 459f. u. Bardolet 1992, S. 40

[23] siehe Lücke 1994, S. 337

[24] siehe Fabian/Ruth 1987

[25] Prosper Mérimée wurde auf Korsika zu seinen berühmten Novellen „Colomba“ und „Matteo Falcone“ inspiriert

[26] Hilckmann 1950

[27] vgl. Pulver 1988, S. 13

[28] siehe Kapitel 2.3.2.

[29] vgl. Siegfried-Hagenow 1991, S. 173

[30] vgl. Hölscher 1995

[31] siehe Kapitel 2.3.2.

[32] Siegfried-Hagenow 1991, S. 175

[33] siehe Nicolai 2000

[34] Bardolet 1992, S. 39

[35] vgl. Bardolet 1992, S. 46

[36] siehe Govern Balear – Conselleria de Turisme 1994

[37] vgl. Bardolet 1992, S. 42

[38] vgl. Bardolet 1992, S. 45

[39] vgl. Schmitt 1993, S. 460

[40] vgl. Bardolet 1992, S. 56-58

[41] siehe Kunze 1992, S. 109f.

[42] siehe Serrano 1992

[43] vgl. Breuer 1992, S. 24f.

[44] siehe Kapitel 2.3.2.

[45] vgl. INSEE 1999, S. 14: Touristischer Druck wird definiert als die Zahl der Touristen pro Einwohner

[46] vgl. Lücke 1994, S. 342

[47] INSEE 1999, S. 211

[48] Pulver 1988, S. 13

[49] vgl. Lücke 1980, S. 449

[50] vgl. Battesti 1988, S. 17 u. INSEE 1999, S. 219

[51] Pulver 1988, S. 13

[52] vgl. Lücke 1994, S. 340ff.

[53] nach Battesti 1988, INSEE 1999, Lücke 1980, Lücke 1994, Lücke 1998 u. Pulver 1988

[54] siehe Abb. 11

[55] siehe Biehusen/ Nepaschink 1997, S. 214

[56] siehe Betz 1996 (1), Leinen 2000 u. Lücke 1986

[57] vgl. Bardolet 1992, S. 38f. u. Schmitt 1993, S. 461f.

[58] vgl. GOB 1992, S. 77

[59] Bardolet 1992, S. 39

[60] Schwede 1999, S. 15

[61] vgl. Schmitt 1993, S. 463

[62] vgl. Mayer 1976 u. Schmitt 1993

[63] vgl. GOB 1992 u. Schwede 1999

[64] GOB 1992, S. 77

[65] vgl. Schmitt 1993, S. 465

[66] siehe Fahrun 2000

[67] vgl. Schwede 1999, S. 16

[68] siehe Serrano 1992

[69] siehe Kapitel 2.4.

[70] Anm. d. Verf.: Auf Korsika werden auch Investitionen, die der Zentralstaat tätigt und von denen die Insel nicht direkt profitiert, als „ausländisch“ angesehen.

[71] siehe Pulver 1988, S. 13: Ende der 80er Jahre waren 83 % der Fremdenverkehrseinrichtungen auf Korsika in der Hand ausländischer Kapitalgeber

[72] vgl. Lücke 1980, S. 452

[73] Siegfried-Hagenow 1991, S. 173

[74] vgl. Waucampt 1978, S. 47f.

[75] vgl. Leicht 1983, S. 12

[76] vgl. Leicht 1983, S. 12f.

[77] vgl. Waucampt 1978, S. 50

[78] siehe Abbildung 12

[79] vgl. Hahn 1995, S. 16

[80] vgl. Culioli 1995 u. Hahn 1996

[81] vgl. Siegfried-Hagenow 1991, S. 154ff.

[82] siehe Chimelli 1995

[83] siehe Gsteiger 1996

[84] Culioli 1995

[85] vgl. Hölscher 1995 u. Siegfried-Hagenow 1991, S. 173

[86] vgl. Scherer 1995, S. 91 u. Schmitt 1993, S. 459

[87] vgl. Bardolet 1992, S. 50

[88] nach Bardolet 1992, S. 51f. u. Schmitt 1993, S. 465f.

[89] Der Namensgeber dieser Gesetze, Jaime Cladera, war in den 80er Jahren Tourismusminister der Balearen

[90] siehe Rodrian 2000 u. Zeller 1996

[91] vgl. Schmitt 1993, S. 466f.

[92] siehe Blum 2000 u. Scherer 1999

[93] nach Battesti 1988, Lücke 1980, Lücke 1988, Lücke 1998, Richez 1996 u. Siegfried-Hagenow 1991

[94] vgl. Siegfried-Hagenow 1991, S.160: Tonangebend im Regionalparlament von Korsika sind die Clanchefs, die durch jegliche Veränderungen um ihre Pfründe fürchten

[95] vgl. Lücke 1998, S. 154

[96] siehe Leinen 2000

[97] siehe Betz (1) 1996

[98] vgl. Richards 1996 (1), S. 3

[99] vgl. Opaschowski 1996, S. 70-72 u. Richards 1996 (1), S. 5

[100] vgl. Opaschowski 1996, S. 87f. u. Richards 1996 (1), S. 7

[101] vgl. Becker 1993 (1), S. 57, Becker 1993 (2), S. 7 u. Nahrstedt 1996, S. 7

[102] vgl. Becker 1993 (2), S. 7 u. Richards 1996 (1), S. 8-12

[103] vgl. Richards 1996 (1), S. 7f. u. Weissenborn 1997, S. 14

[104] Dreyer 1996 (2), S. 26

[105] Weissenborn 1997, S. 17

[106] Becker 1993 (2), S. 8

[107] vgl. Lindstädt 1994, S. 11 u. Weissenborn 1997, S. 17

[108] vgl. Lindstädt 1994, S. 11

[109] vgl. Lindstädt 1994, S. 13

[110] vgl. Becker/Steinecke 1993, S. 145-244, Dreyer 1996 (1), S. 51-150 u. Weissenborn 1997, S. 84-137

[111] vgl. Lindstädt 1994, S. 17

[112] vgl. Lindstädt 1994, S. 17 u. Weissenborn 1997, S. 32

[113] vgl. Lindstädt 1994, S. 17

[114] Lindstädt 1994, S. 17f. u. Weissenborn 1997, S. 33

[115] Opaschowski 1996, S. 128 u. Weissenborn 1997, S. 34

[116] Weissenborn 1997, S. 33

[117] vgl. Lindstädt 1994, S. 36 u. Weissenborn 1997, S. 28

[118] vgl. Lindstädt 1994, S. 36 u. Weissenborn 1997, S. 28

[119] vgl. Weissenborn 1997, S. 31

[120] vgl. Lindstädt 1994, S. 37

[121] vgl. Lindstädt 1994, S. 37

[122] vgl. Weissenborn 1997, S. 23

[123] vgl. Lindstädt 1994, S. 40 u. Weissenborn 1997, S. 26

[124] vgl. Lindstädt 1994, S. 40

[125] vgl. Dreyer 1996 (2), S. 31

[126] vgl. Weissenborn 1997, S. 27

[127] vgl. Opaschowski 1996, S. 128 u. Weissenborn 1997, S. 22

[128] vgl. Dreyer 1996 (2), S. 34

[129] siehe Dreyer 1996 (2), S. 35f.

[130] vgl. Dreyer 1996 (2), S. 36-40

[131] vgl. Richards 1996 (1), S. 8-12

[132] vgl. Dreyer 1996 (2), S. 47f.

[133] vgl. Becker 1993 (1), S. 57

[134] vgl. Maraite 1993, S. 10-13

[135] vgl. Becker 1993, S. 8f.

[136] vgl. Weissenborn 1997, S. 148

[137] vgl. Weissenborn 1997, S. 148f.

[138] vgl. Steinecke 1993 (1), S. 8f., Steinecke 1993 (2), S. 247 u. Weissenborn 1997, S. 150f.

[139] vgl. Steinecke 1993 (1), S. 9

[140] vgl. Weissenborn 1997, S. 152

[141] vgl. Weissenborn 1997, S. 155

[142] siehe Dreyer 1996 (2), S. 44-47

[143] vgl. Weissenborn 1997, S. 156f.

[144] vgl. Weissenborn 1997, S. 152f.

[145] vgl. Becker 1993 (1), S. 59, Steinecke 1993 (2), S. 248 u. Weissenborn 1997, S. 153-155

[146] vgl. Weissenborn 1997, S. 153f.

[147] vgl. Steinecke 1993 (2), S. 248 u. Weissenborn 1997, S. 154

[148] vgl. Bernhardt 1993, S. 84

[149] Bernhardt 1993, S. 84

[150] vgl. Bernhardt 1993, S. 81

[151] vgl. Lindstädt 1994, S. 23

[152] vgl. Lindstädt 1994, S. 23

[153] vgl. Richards 1996 (2), S. 98

[154] siehe Bernhardt 1993, S. 81-83

[155] vgl. Bernhardt 1993, S. 81f.

[156] vgl. Bernhardt 1993, S. 82

[157] vgl. Lindstädt 1994, S. 22

[158] vgl. Lindstädt 1994, S. 22

[159] vgl. Lindstädt 1994, S. 23

[160] vgl. Lindstädt 1994, S. 24

Details

Seiten
156
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832446987
ISBN (Buch)
9783838646985
Dateigröße
84.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220303
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – unbekannt
Note
1,3
Schlagworte
fahrradtouren fremdenverkehrskonzepten wandertouren

Autor

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Titel: Die kulturtouristischen Potentiale einer Region am Beispiel prähistorischer Kulturstätten