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Das Portal der Zukunft

Untersuchung der Weiterentwicklung und Annäherung der Portal-Geschäftsmodelle in privater Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung

Diplomarbeit 2001 81 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Danksagung

III. Abkürzungsverzeichnis

IV. Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufgabenstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Definitorische Grundlagen
2.1 E-Business – E-Commerce
2.2 Portal
2.3 Elektroniscsher Marktplatz
2.4 E-Government
2.5 Lebenslagenprinzip
2.6 Public Private Partnership
2.7 Business Modell

3 Rahmenbedingungen
3.1 Marktgegebene Rahmenbedingungen für Portale und Marktplätze
3.2 Spezielle Gegebenheiten im Public Sector
3.3 Rechtlicher Status der Public Private Partnerships

4 Der Markt der Portale
4.1 Portale in der Wirtschaft
4.1.1 Enterprise Portal
4.1.2 Elektronischer Marktplatz
4.2 Portale in der öffentlichen Verwaltung
4.2.1 Bürgerportale
4.2.2 Virtuelles Rathaus
4.2.3 E-Government-Portal
4.3 Aktuelle Portalaktivitäten
4.3.1 Verwaltung 2000
4.3.2 Hildesheim.de
4.3.3 Trade2b.de

5 Szenarien für das Portal der Zukunft
5.1 Szenario-Technik
5.2 Workshop SBS BD Deutschland
5.2.1 Zielsetzung
5.2.2 Szenarien
5.2.3 Ablauf
5.2.4 Ergebnis

6 Schlussfolgerung

V. Literaturverzeichnis

VI. Eidesstattliche Erklärung

VII. Anhang

II. Danksagung

Für die tatkräftige Unterstützung bei der Anfertigung dieser Diplomarbeit möchte ich dem gesamten Center für Innovative Themen der Siemens Business Services in Berlin danken.

Im besonderen gilt dies für Petra Winkler und Elke Ortmann, die trotz eigener voller Terminkalender immer Zeit für diesen Diplomanten fanden und die – selbst Experten auf dem Gebiet der Portale und Marktplätze – mir mit ihren Erfahrungen und Informationen unschätzbare Unterstützung zuteil werden ließen.

Andreas Michligk
Berlin im Mai 2001

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kategorisierungsmöglichkeiten
E-Business / E-Commerce

Abbildung 2: Strukturierungsfunktion des Portals

Abbildung 3: E-Business Hype Cycle

Abbildung 4: Marktkräfte treiben elektronische Markplätze zur Neutralität

Abbildung 5: Komponenten eines Enterprise Portals

Abbildung 6: Virtuelles Rathaus

Abbildung 7: Elektronische Verwaltungsdienstleistungen

Abbildung 8: Verwaltung 2000: Prozess „Baugenehmigung“

Abbildung 9: Screenshot Hildesheim.de (18.Apr.2001)

Abbildung 10: Szenario-Trichter

Abbildung 11: Szenarien für branchenübergreifende Vernetzung von Branchenmärkten

1 Einleitung

1.1 Aufgabenstellung

Seit einigen Jahren drängt das Internet als immer wichtiger werdende Kommunikations- und Transaktionsplattform in das allgemeine Wirtschaftsgeschehen. Die Möglichkeiten, die der virtuelle Raum des weltumspannenden Netzes bietet, sind scheinbar dazu geeignet, etablierte Beschaffungsprozesse, Marketingstrategien, Vertriebskanäle und ganze Geschäftsmodelle zu revolutionieren, wenn nicht gar zu ersetzen. Dieser Wandel vollzieht sich in einem atemberaubenden Tempo, und die sich ständig verändernden aktuellen Trends und „Buzzwords“ sind für die Marktteilnehmer oftmals nicht überschaubar und daher schwer einschätzbar.

„Portal“ ist eines dieser „Buzzwords“ (Vgl. META 2000, S.13). Das Jahr 2000 kann als das Jahr der Portale bezeichnet werden. Nachdem zuvor jeder „irgendwie ins Internet“ musste, explodierte nun die Zahl der neuen Portalanbieter. Die Zielsetzungen dieser Plattformen variieren stark und sind zum größten Teil davon abhängig aus welcher Branche die Anbieter kommen und welche Zielgruppen sie ansprechen wollen (Vgl. Abb. 1). Beispielhaft seien hier die Branchenportale erwähnt, auch vertikale Portale oder „Vortale“ genannt. Diese Portale verfolgen den Ansatz, die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb der Branche abzubilden und die beteiligten Geschäftsprozesse zu optimieren (Vgl. u.a. META 2000, S.78ff.). Einen anderen Ansatz verfolgen die Portale der öffentlichen Verwaltungen in den Ausprägungen Bürgerportal, Virtuelles Rathaus und E-Government-Portal. Diese stellen Informationen für ihre Bürger und Unternehmen bereit und ermöglichen die Nutzung von ausgewählten Verwaltungsdienstleistungen rund um die Uhr über das Internet und andere Zugangskanäle (Vgl. SBS 2000b, S.7).

Beinahe allen Portalen ist gemein, dass sie bislang nicht wirtschaftlich sind. Dem „Portalboom“ folgte noch im selben Jahr ein ausgeprägtes „Portalsterben“. Der Konzentrationsprozess im E-Business Markt ist zu der Zeit, in der diese Untersuchung durchgeführt wird, in vollem Gange (Vgl. u.a. Forrester 2000, S.11f. und Gartner 1999, S.6). Nur solche Geschäftsmodelle überleben, die eine echte Chance haben, auf absehbare Zeit wirtschaftlich zu arbeiten (Vgl. Pohl 2000, S.52f.). Im Bereich der Portale muss die Frage gestellt werden, ob dies der Fall ist. Noch sind die meisten Portale weitestgehend branchenisoliert konzipiert, strategische branchenübergreifende Partnerschaften sind eher die Seltenheit. Aber der Trend geht dahin, dieses zu ändern (Vgl. u.a. Goldman Sachs 2000, S.108ff.). Wie müssen sich die Geschäftsmodelle der Portale verändern, um im Konkurrenzkampf zu bestehen? Wie könnte ein erfolgreiches Portal der Zukunft aussehen? Dies ist die übergeordnete Fragestellung, die in dieser Arbeit behandelt werden soll. Im Folgenden wird auf die konkrete Zielstellung dieser Untersuchung eingegangen.

1.2 Zielsetzung

Szenarien für das Portal der Zukunft auf der Basis einer umfassenden Marktbetrachtung und –analyse können aktiven Marktteilnehmern im Markt der Portale und den Dienstleistungsunternehmen, die ihr Angebot auf die Bedürfnisse dieses Marktes ausrichten wollen, Handlungsempfehlungen für ihre strategische Ausrichtung in den nächsten Jahren geben. Sie können auch Nährstoff und Beitrag für eine andauernde, lebendige und ergebnisfördernde Diskussion in einem noch neuen Geschäftsgebiet sein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, verfolgt diese Untersuchung die folgenden Ansätze.

Ziel ist die Untersuchung des Marktes der Portale insgesamt, um einen Gesamteindruck und Überblick über die Portalaktivitäten in verschiedenen Branchen zu gewinnen. Welches sind die vorherrschenden Geschäftsmodelle und welche Vor- und Nachteile gehen mit ihnen einher? Wo gibt es Verbesserungspotenziale? Auch sollen hier schon existierende branchenübergreifende Partnerschaften aufgezeigt und analysiert werden. Was sind die Antriebe für diese Partnerschaften und bringen sie einen echten Mehrwert für beide Seiten? Lassen sich diese zu Modellen für weitergehende, bisher nicht angedachte oder verwirklichte Partnerschaften nutzen?

Auf der Basis dessen lassen sich im zweiten Schritt Szenarien für das Portal der Zukunft unter Einbeziehung der Entwicklungspotenziale und der treibenden Kräfte am Markt entwickeln. Ein Fokus wird in dieser Untersuchung auf die Rolle der öffentlichen Verwaltung gelegt. Es soll untersucht werden, ob elektronische Verwaltungsdienstleistungen ein integraler Teil eines wirtschaftlich erfolgreichen Portals der Zukunft sein können. Die öffentliche Hand tritt in drei Rollen, nämlich als aktiver Marktteilnehmer, als Ausüber der Staatsgewalten und hoheitlicher Aufgaben sowie als Lokalzentrum – damit gemeint ist z.B. eine Stadt als Verwaltungsbezirk repräsentativ für die ganze Region als Wirtschaftsstandort und Heimat für seine Bewohner – in Erscheinung. Deshalb hat sie ein herausragendes Potenzial, der zentrale Integrator zwischen den Interessen der privaten Wirtschaft, der Bürgerschaft und der öffentlichen Verwaltung zu sein. Dies würde sie zu dem idealen Marktmacher für regional orientierte und lokale Portale machen.

Sind also E-Government-Portale der ideale Ausgangspunkt zu einem „Portal der Zukunft“? Tatsächlich gibt es im Verwaltungsbereich in Deutschland seit ein paar Jahren verstärkt Bemühungen, den Wandel zu einer elektronischen Verwaltung und dem elektronischen Staat (E-Government) voranzutreiben (Vgl. D21 2001 und Media@Komm 2001). Portale bilden dabei die Verbindung zu den Bürgern. Erste landesweite Angebote wie zum Beispiel „Baynet“ (Vgl. Baynet 2001) im Freistaat Bayern sind bereits freigeschaltet. Über das sogenannte Lebenslagenprinzip werden gezielt Informationen, Verwaltungsdienstleistungen aber auch Dienstleistungen der privaten Wirtschaft dem Situationsbedarf des Bürgers angepasst angeboten (Vgl. SBS 2001a).

Ein anderer Ansatz für die öffentliche Hand ist, sich über strategische Partnerschaften den Portalen der privaten Wirtschaft anzuschließen. Dabei gilt es, die Frage zu beantworten, ob elektronische Verwaltungsdienstleistungen die Geschäftsmodelle privater Portale komplementär ergänzen können, so dass es zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten kommt. Welche Public Private Partnerships (PPP) (Vgl. Matuschewski 1996, S.3f.) wird es geben, wie werden diese konkret aussehen? Einen kurzen Einblick wird es auch in die juristische Aspekte des Themas geben, da diese untrennbar mit den öffentlichen Verwaltungen verbunden sind. Dieser wird der Beantwortung der Frage dienen, welche Partnerschaftsmodelle zwischen privater Wirtschaft und öffentlicher Hand mit den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen überhaupt möglich sind.

Diese Themenbereiche bestimmen den inhaltlichen Horizont dieser Untersuchung und zeigen die gesetzten Ziele auf. Folgende Vorgehensweise wird zur Erreichung dieser Ziele verfolgt.

1.3 Vorgehensweise

Zu Beginn werden in Abschnitt 2 definitorische Grundlagen gelegt, um eine begrifflich eindeutige Basis für den weiteren Verlauf der Untersuchung zu schaffen. Es folgt in Abschnitt 3 eine Gesamtdarstellung der Rahmenbedingungen, die zur Bearbeitung und Erfassung des Themas und der Zielstellung wichtig sind. Dazu gehören die marktbedingten Rahmenbedingungen im Markt der Portale. Diese sind marktcharakteristische Kennzahlen, wie Marktvolumen, Marktteilnehmer, Marktaufteilung und Marktentwicklung. Ein weiterer Absatz zeigt die speziellen Gegebenheiten im Umfeld der öffentlichen Verwaltungen auf. Ein Fokus wird auf die Bedeutung und den Status Quo der rechtlichen Behandlung von Public Private Partnerships in Deutschland gelegt.

Nachdem ein gemeinsames Verständnis der umgebenden Faktoren geschaffen ist, wird in Abschnitt 4 eine Ist-Analyse des derzeitigen Portalmarktes durchgeführt. Für die Bereiche der privaten Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung werden gängige Portal-Geschäftsmodelle identifiziert und anhand der abgebildeten Prozesse und der bereitgestellten Funktionalitäten charakterisiert. Mögliche Weiterentwicklungen derzeitiger Geschäftsmodelle werden diskutiert. Eine Auswahl an aktuellen Portalaktivitäten zeigt anhand empirischer Beispiele, wie weit existierende Konzepte von den Marktteilnehmern bereits praktisch umgesetzt werden. Eine SWOT-Analyse (Vgl. u.a. Kreilkamp 1987, S.236ff.) zeigt, welche Stärken und Schwächen die heutigen Geschäftsmodelle haben und welche Chancen und Risiken darin begründet liegen, die Geschäftmodelle der privaten Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung weiterhin getrennt voneinander weiter zu verfolgen oder eine aktive branchenübergreifende Partnerschaft zu suchen. Dies schließt die Informationsgewinnung aus Sekundärquellen ab.

Die Erkenntnisse aus den Sekundärquellen bilden in Abschnitt 5 die Grundlage zur Entwicklung vorläufiger Szenarien für ein „Portal der Zukunft“. Methodische Leitschiene ist die Szenariotechnik der strategischen Unternehmensplanung (Vgl. u.a. Gausemeier/Fink/Schlake 1995 und Von Reibnitz 1991). Die Fragestellung zielt auf die Konsequenzen des Konzentrationsprozesses am Markt. Wird es ein wirtschaftliches Portal-Geschäftsmodell geben? Welche Funktionalitäten umfasst das „Portal der Zukunft“? Wie wird der zukünftige Marktaufbau aussehen, welche strategischen Partnerschaften wird es geben? Dies geschieht mit der Absicht, diese Szenarien im Rahmen eines eigens für diese Untersuchung konzipierten Workshops den Business Development (BD) Verantwortlichen der Siemens Business Services Deutschland zur Diskussion zu stellen. Die Leitthese dieses Workshops ist: „Das Portal der Zukunft ist ein virtuelles Unternehmen – Partner kommen bei Bedarf zusammen und gehen wieder auseinander. Neue komplexe und virtuelle E-Business Modelle verlangen geschäftsübergreifende Zusammenarbeit!“ Ziel ist es, die bisher gewonnen Erkenntnisse mit den Erwartungen der Wirtschaft zur Entwicklung des Portalmarktes auf mittelfristige Sicht aus der Perspektive eines großen IT-Dienstleistungsunternehmens zu verifizieren. Sollte es zu einer unterschiedlichen Einschätzung kommen, so trägt diese dazu bei, die bisherigen Erkenntnisse zu ergänzen (Methode der Dialektik, Vgl. u.a. Eisleben [u.a.] 1998/99).

Die Schlussfolgerung der Gesamtuntersuchung fasst die Arbeitsergebnisse in Abschnitt 6 zusammen. Die gesammelten Erkenntnisse werden in Thesen formuliert und zur Diskussion gestellt.

2 Definitorische Grundlagen

Bei einem Thema, welches sich im Umfeld des Internets und der neuen Medien bewegt, ist es ganz speziell wichtig, einen Konsens über die verwendeten Terminologien zu finden. Ein Geschäftsfeld, das sich so dramatisch entwickelt wie das Internet, ist dadurch gekennzeichnet, dass es durch die Verwendung von sogenannten „Buzz-Words“ beschrieben wird. Beinahe in allen Publikationen, in Gesprächen, auf Messen, Vorträgen oder Workshops von oder mit Unternehmensvertretern, Analysten, Consultants, Pressevertretern oder Wissenschaftlern ist die Rede von „E-Business“, „E-Commerce“, „Portalen“ oder „elektronischen Marktplätzen“. Diese Aufzählung lässt sich beinahe beliebig fortsetzen, würde aber den Rahmen dieser Untersuchung sprengen und keinen realen Gegenwert liefern. Denn scheinbar sind diese Begriffe zumeist untereinander austauschbar und werden auch so benutzt.

Trotzdem ist es schwierig, sich mit der Materie auseinander zu setzen, ohne auf dieses „Fachvokabular“ zurückzugreifen. Daher soll an dieser Stelle der Versuch unternommen werden, für diese Arbeit wichtige Termini zu definieren und gegebenenfalls untereinander abzugrenzen. Dabei wird verstärkt auf bestehende Definitionsversuche eingegangen, um zum einen herauszufinden, was der Markt tatsächlich mit diesen „Buzzwords“ meint und zum anderen um zu vermeiden, den bereits mannigfaltigen Interpretationen unnötigerweise noch eine weitere hinzu zu fügen.

2.1 E-Business – E-Commerce

Eine Definition dieser beiden Begriffe ist auf Grund des sich ständig ändernden Verständnisse am Markt besonders schwierig. Selbst Analysten geben zu, sie in der Vergangenheit synonym benutzt zu haben, dies im Moment ob der klaren und für die Unternehmen wichtigen Abgrenzung aber nicht mehr zu tun, obwohl sie von einer 90%igen Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sie in Zukunft wieder ein und das selbe bedeuten werden (Vgl. GIGA 2000b, S.7f.). Beide Begriffe beschreiben Vorgänge des Geschäftemachens unter Zuhilfenahme elektronischer Hilfsmittel, meist des Internets. Unterschiede werden heute in der Weitläufigkeit der Begriffe gesehen, wie weit sie in die Geschäftsprozesse der Unternehmer eingreifen.

Einigkeit herrscht darin, dass E-Commerce der weniger weit reichende Begriff ist. Scheer sieht darin lediglich den elektronischen Datenaustausch zwischen Anbieter und Abnehmer. E-Business fasst weiter und wickelt die Geschäftsprozesse an den Schnittstellen zwischen Anbieter und Abnehmer ab (Vgl. Scheer/Erbach/Thomas 2000, S.4). Diese Sicht greift allerdings recht kurz und vernachlässigt die unternehmensinternen Prozessveränderungen, die mit diesen Begriffen einher gehen. E-Commerce wird deshalb von anderen Seiten auch so weit gefasst, dass es all die nach außen sichtbaren Prozesse nicht nur zwischen Unternehmungen und ihren Kunden, sondern auch zu den Zulieferern und externen Partnern abdeckt. Diese Prozesse umfassen u.a. den Vertrieb, das Marketing, die Auftragsabwicklung und –auslieferung und den Kundenservice. E-Business beinhaltet E-Commerce und erweitert es um alle internen Geschäftsprozesse, die darauf ausgerichtet werden müssen, das sind u.a. die Produktion, Bestands- und Lagerwirtschaft, F&E, Risikomanagement, Rechnungswesen oder Personalwesen (Vgl. GIGA 2000b, S.1). E-Business wird dadurch zu einer ganzheitlichen Geschäftsphilosophie, die darauf abzielt, die Wertschöpfung eines Unternehmens durch Nutzung moderner Informations- und Netzwerktechnik kontinuierlich zu optimieren (Vgl. Gartner 1999, S.1).

Ein Aspekt, der in der Literatur recht einheitlich gesehen wird, betrifft die Bedeutung des „E“ in E-Business oder auch E-Commerce. Entgegen landläufiger Meinung steht das „E“ nicht synonym für „Internet“, sondern allgemein für die Nutzung von Netzwerktechnologien in öffentlichen oder privaten Netze (Vgl. Scheer/Erbach/Thomas 2000, S.4 und GIGA 2000b, S.1). Dies umfasst neben dem Internet, welches im einundzwanzigsten Jahrhundert die meist genutzte Plattform ist, auch schon länger im Einsatz befindliche Technologien wie z.B. EDI (Electronic Data Interchange).

Diese Untersuchung definiert E-Commerce als die Abwicklung von Geschäftstransaktionen in elektronischen Netzwerken, meist dem Internet, zwischen verschiedenen Anbietern und Abnehmern.

E-Business ist die Gesamtausrichtung eines Unternehmens auf die Abwicklung von eigenen Geschäften in elektronischen Netzwerken. Alle Unternehmensbereiche werden davon berührt und müssen ihre Prozesse an die neuen Gegebenheiten anpassen. E-Commerce-Prozesse sind ebenso ein Teil des E-Business.

Sowohl E-Business als auch E-Commerce können weiter in verschiedene Kategorien eingestuft werden, je nachdem welche Geschäftspartner zueinander kommen. Die Termini können einer Matrix entnommen werden, welche die potenziellen Marktteilnehmer „Administration“, „Business“, „Consumer“ und „Employee“ gegenüber stellt (Vgl. Abb. 1). Verkauft beispielsweise ein Unternehmen seine Produkte online an einen Endkunde, spricht man von B2C-E-Commerce (bzw. –Business). Für alle Kategorien gibt es heute einschlägige Beispiele am Markt (Vgl. u.a. 4.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an META 2000, S.14 Abb. 1: Kategorisierungsmöglichkeiten E-Business / E-Commerce

2.2 Portal

Von der eigentlichen Wortbedeutung her ist ein Portal „ein Zugang zu etwas“. Im E-Business-Sprachgebrauch ist ein Portal ein Zugang zu Internetinhalten, z.B. Informationen zu bestimmten Themenbereichen, Funktionalitäten, Anwendungen oder Dienstleistungen, der verschiedenen Benutzergruppen offen steht, beziehungsweise spezielle Nutzergruppen anspricht und personalisierbar ist. Ein Portal bereitet Inhalte nach Nutzerinteressen, Lebenslagen, thematischen und/oder regionalen Aspekten auf und bietet daher dem Benutzer einen effizienten und strukturierten Zugang zu Informationen im Internet (Vgl. u.a. Schwarz/Allweyer 2000, S.134f., BMI 2000, S.1). Der Benutzer wird durch das Portal geführt (Vgl. Abb. 2). Deshalb werden Portale häufig als Einstiegspunkte (Startseite) in das weltweite Netz benutzt. Auch Portale werden je nach Zielgruppe in Administration, Business, Consumer oder Employee Portale unterschieden.

2.3 Elektronischer Marktplatz

Ein elektronischer Marktplatz bietet im Grunde die gleichen Funktionen wie ein herkömmlicher Marktplatz. Er ist ein Treffpunkt für und Vermittler zwischen Anbieter und Nachfrager, nur dass dies nun im virtuellen Raum elektronischer Netze geschieht. Man unterscheidet Marktplätze mit verschiedenen Zielgruppen und Funktionalitäten (Vgl. Berlecon 1999, S.24ff.). Die wichtigste Unterscheidung ist zwischen vertikalen und horizontalen Marktplätzen. Vertikale Marktplätze sind auf die Bedürfnisse einer bestimmten Branche ausgerichtet und decken die gesamte Wertschöpfungskette dieser Branche ab. Horizontale Marktplätze hingegen spezialisieren sich auf die Automatisierung von Funktionen und Prozessen, die in vielen Branchen relevant sind, z.B. die elektronische Beschaffung (E-Procurement).

Elektronische Marktplätze und Portale wachsen zusammen. Sehr häufig sind elektronische Marktplätze Teil eines Portals. Reine Marktplätze bieten immer häufiger Portalfunktionalitäten an. Noch sind Portale gegenüber Marktplätzen breiter, allgemeiner angelegt. Sie konzentrieren sich weniger auf eine Marktmacherfunktion und die Abwicklung von Geschäftstransaktionen (Vgl. Schwarz/Allweyer 2000, S.134f.). Dennoch meinen die beiden Begriffe zunehmend gleiche Geschäftsmodelle und können weitestgehend synonym benutzt werden. In dieser Untersuchung werden sie weiterhin nebeneinander benutzt werden. Der Begriff „elektronischer Marktplatz“ findet im Kontext der privaten Wirtschaft häufig Anwendung, wohingegen „Portal“ meist im Umfeld der öffentlichen Verwaltung gebraucht wird.

2.4 E-Government

In Analogie zur Begriffsklärung von E-Commerce kann man unter E-Government schlicht das „Angebot öffentlicher Dienstleistungen über das Internet“ (Bundesregierung 2000, S.44) sehen. Doch auch hier fasst diese Definition zu kurz, da sie nur eine Dimension des Begriffes beschreibt, nämlich das Angebot von Dienstleistungen nach Außen an die Bürger. Aber auch E-Government muss als weiter fassendes Konzept verstanden werden. Für die öffentlichen Verwaltungen ist E-Government ein Weg, sich seinen Kunden, den Bürgern anzunähern, sich ihnen gegenüber transparenter zu machen und eine neue Qualität der Kommunikation mit den Bürgern und der Bürger untereinander möglich zu machen. Bürger sind in diesem Sinne nicht nur Privatpersonen, sondern auch gewerbliche Unternehmungen (die private Wirtschaft), Vereine und Verbände, Partnerbehörden, öffentliche Unternehmungen, Wissenschaftseinrichtungen und viele andere (Vgl. Reinermann 2000, S.71ff. und Cybiz 2001).

Es muss klargestellt sein, dass auch im öffentlichen Sektor „E“-Intiativen nicht ohne tiefgreifende interne Umwälzungen der Organisation und Prozesse möglich sind. E-Government bedeutet daher das Ausrichten der Verwaltungsphilosophie an die Möglichkeiten, die durch die neuen Medien und Technologien gegeben sind. Dies muss sich in der Definition des Begriffes widerspiegeln.

Unter E-Government wird im Rahmen dieser Untersuchung „ die Durchführung von Prozessen der öffentlichen Willensbildung, der Entscheidung und der Leistungserstellung in Politik, Staat und Verwaltung unter sehr intensiver Nutzung der Informationstechnik“ (E-Government Memorandum 2000, S. 3) verstanden. Es unterstützt Information, Kommunikation und Transaktion sowohl im inner-behördlichen Bereich als auch an der Schnittstelle Verwaltung-Bürger in den drei Hauptausprägungen Verwaltung-zu-Privatperson, Verwaltung-zu-Wirtschaft und Verwaltung-zu-Verwaltung (Vgl. PwC 2000, S.5 und Abb. 1).

2.5 Lebenslagenprinzip

Lebenslagen sind ein wesentliches Element bei der Umsetzung von E-Government Konzepten. Sie sind Ereignisse, die innerhalb eines Menschenlebens mehrmals (z.B. Organisieren einer Feier, Wohnungsrenovierung), selten oder nur einmalig (z.B. Familien- oder Firmengründung, Heirat) auftreten, oder verschiedene Lebensabschnitte eines Menschen (z.B. Ausbildung, Verrentung). Beinahe alle Lebenslagen verlangen für den Bürger nach einer komplexen Lösung, welche aus einer Sammlung von Informationen und Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung oft in Kombination mit entsprechenden Angeboten der privaten Wirtschaft besteht (Vgl. SBS 2001a). Lebenslagenmanagement im Rahmen einer E-Government Lösung vereint Angebote verschiedener Geschäftspartner aus Verwaltung und Wirtschaft, welche auf die Belange einer bestimmten Lebenslage abgestimmt sind und bei Bedarf gebündelt abgerufen werden können.

2.6 Public Private Partnership

Im allgemeinen sind Public Private Partnerships (PPP) Partnerschaften zwischen Institutionen der öffentlichen Hand auf der einen Seite und privaten Personen und/oder Institution auf der anderen Seite im weitesten Sinne. Diese Partnerschaften können auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Institutionalisierungsgraden geschlossen werden:

- Informelle Kooperationsform ohne vertragliche Regelung, z.B. Arbeitskreise, Erfahrungs- und Informationsaustausche etc.
- Auf gemeinsame Vereinbarungen und/oder Verträgen basierende Kooperationen, z.B. Outsourcing-Aufträge zum Betrieb von IT-Infrastruktur
- Zusammenschluss öffentlicher und privater Akteure in gemeinsamen Gesellschaften (Vgl. Matuschewski 1996, S.3f.)

Letztere Variante ist eine in Deutschland rechtlich unzureichend abgesicherte Form der PPP’s und findet daher selten Anwendung (Vgl. 3.3).

PPP’s werden geschlossen, um komplexe lokale oder regionale Probleme in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit zu lösen (Vgl. Kestermann 1993, S.206 zit. in Matuschewski 1996, S.3) oder um gemeinsame, in der Regel komplementäre Ziele zu verfolgen.

2.7 Business Modell

Ein Business Modell, oder auch Geschäftsmodell, beschreibt wie mit einer Geschäftsidee Geld verdient werden soll (Vgl. Afuah/Tucci 2001, S.3f.). „Das Business-Modell ist die Konfiguration eines Austauschprozesses, mit dem Ziel, (neue) Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen“ (Pohl 2000, S.53). Das Business Modell bestimmt den Aufbau und Einsatz von Ressourcen zur Schaffung eines Wertes für den Kunden und zur Schaffung eines Wettbewerbsvorteils für die Unternehmung. Ein wichtiges Element ist die genaue Definition von Kundenbeziehungen. Es beschreibt wie man Kunden für die Geschäftsidee gewinnt und wie man Geschäfte mit diesen Kunden abwickelt.

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Details

Seiten
81
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832446215
ISBN (Buch)
9783838646213
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220233
Institution / Hochschule
Beuth Hochschule für Technik Berlin – Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
business development portale zukunftszenarien

Autor

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Titel: Das Portal der Zukunft