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Währungsmanagement und Hedging von Währungsrisiken mittels Finanzderivaten in international tätigen Unternehmen

Diplomarbeit 2000 56 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

1. Einführung

Unternehmen, die ihre Aktivitäten über den inländischen Währungsraum hinaus ausweiten, sind grundsätzlich mit dem Problembereich und der Notwendigkeit des Währungsmanagements konfrontiert. Die Liste der in diesem Zusammenhang bedeutsamen Aktivitäten ist lang, von Exporten und Importen über Transithandel, Direktinvestitionen im Ausland bis hin zur Beteiligung an internationelen Ausschreibungen und Übernahme von Bürgschaften oder Garantien zugunsten ausländischer Wirtschaftsteilnehmer.

Im Zuge zunehmender Globalisierung und der damit verbundenen Ausweitung weltweiter Aktivitäten sehen sich Unternehmen immer stärker wachsenden Risiken im internationalen Geschäft ausgesetzt.

Zudem nimmt das Volumen der Finanztransaktionen, die nicht mit Realgüterströmen in Verbindung stehen, ständig zu.[1] Als Folge ist eine steigende Volatilität der Zins- und Wechselkurse an den Finanzmärkten zu beobachten.

Um die Risiken im internationalen Geschäft erfassen und steuern zu können, kommt dem Risikomanagement, insbesondere dem Währungsrisikomanagement, eine immer größere Bedeutung zu.[2] In den letzten Jahren haben Unternehmen daher vermehrt Anstrengungen unternommen, um effiziente Meß- und Steuerungssysteme zu generieren und implementieren.

Damit in Zusammenhang steht die fortschreitende Entwicklung und Verwendung von derivativen Finanzinstrumenten. Diese sind sowohl dazu geeignet, Risiken zu übernehmen als auch dazu, Kursrisiken zu handelbaren Gütern zu machen und diese entsprechend der vorherrschenden Präferenzen auf andere Marktteilnehmer zu verteilen.[3]

In dieser Arbeit soll das Währungsmanagement in Unternehmen dargestellt und die Frage geklärt werden, welche Möglichkeiten zum Hedging von Währungsrisiken mit Derivaten bestehen und wie diese zu bewerten sind hinsichtlich ihrer Einsatzmöglichkeiten und Vorteilhaftigkeit für Unternehmen.

Dazu sollen eingangs Währungsrisiken analysiert werden, anschliessend werden die Grundlagen des Währungsmanagements in Unternehmen erläutert.

Erst dann kann auf einzelne interne und externe Instrumente zum Hedging von Währungsrisiken im Rahmen des Währungsmanagements eingegangen werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Darstellung verschiedener Formen und Merkmale von Derivaten und deren spezifische Einsatzmöglichkeiten und Risiken. Es erfolgt eine Bewertung und ein Vergleich mit den vorgestellten Alternativen zur Absicherung.

Um das Bild des Währungsmanagements zu komplettieren, soll nicht nur der

Hedging-Aspekt behandelt werden, sondern im Rahmen des strategischen Währungsmanagements auch Hedging-Strategien, strategische Währungsrisiken und Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung, Analyse- und Prognoseinstrumente und das Controlling des Währungsmanagements erläutert werden. Außerdem sollen die angrenzenden Gebiete der Spekulation und Arbitrage kurz andiskutiert werden.

Ein Ausblick auf aktuelle Entwicklungen im Währungsrisikomanagement bildet den Abschluß dieser Arbeit.

2. Währungsrisiko und Währungsmanagement

2.1. Währungsrisiken

Anfangs wird der Risikobegriff definiert, um anschliessend die Währungsrisiken und ihre Ursachen verständlich erläutern zu können. Eine Systematisierung der Währungsrisiken gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen und Ausprägungen der Risiken, die sich für internationale Unternehmen in Zusammenhang mit ausländischen Währungen ergeben.

2.1.1. Risikobegriff

Zur Erläuterung der Wechselkursrisiken soll zunächst der Begriff Risiko erklärt werden.

Eine Größe, die in der Zukunft nur eine bestimmte Ausprägung annnehmen kann, ist eine sichere Größe. Kann sie aber zukünftig mehrere Ausprägungen entwickeln, so handelt es sich um eine unsichere Größe, im Umgang mit damit ergibt sich Unsicherheit. Jedoch erst in Verbindung mit einem Ziel wird diese zum Risiko. Risiken sind also „ Gefahren, [Herv. durch Verf.] die den Prozeß der Zielsetzung und Zielerreichung begleiten und ihn negativ beeinflussen können.“[4]

2.1.2 Ursachen von Währungsrisiken

Risiken ergeben sich durch Unsicherheit in Bezug auf eine Zielgröße.

Währungsrisiken entstehen demnach aus der Ungewißheit darüber, in welche Richtung und in welchem Ausmaß sich die Austauschverhältnisse zwischen der inländischen und der ausländischen Währung ändern.

Diese Unsicherheit des Wechselkurses schlägt sich folglich beim Erfolg eines international tätigen Unternehmens als Risiko nieder.[5]

Wäre der Wechselkurs zweier Währungen im Vorhinein bekannt und als sicher anzusehen, so bestünde auch kein Risiko.

Ein Zustand konstanter Devisenaustauschverhältnisse und völliger Freiheit von Austauschbeschränkungen ist jedoch wegen der unterschiedlichen Leistungskraft der Volkswirtschaften und den unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Ausrichtungen bestenfalls vorübergehend, nicht aber dauerhaft realisierbar. Eindrucksvolles Beispiel hierfür ist das Scheitern des Währungssystems von Bretton Woods.[6]

2.1.3. Systematisierung von Währungsrisiken

Aus den vielfältigen internationalen Aktivitäten eines weltweit aktiven Unternehmens ergibt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Risiken im Zusammenhang mit dem Währungsbereich. Eine einheitliche Kategorisierung existiert in der betriebswirtschaftlichen Literatur nicht, es soll folgende Untergliederung vorgestellt werden:

- Wechselkursrisiken
- Politische Risiken (Transferrisiken, Konvertibilitätsrisiken)
- Geschäfts- und Erfüllungsrisiken
- Swapsatzrisiken
- Leistungsrisiken

Das typischste und am meisten behandeltste Währungsrisiko ist wohl das Wechselkursriko. Wechselkursrisiken, auch Valutarisiken genannt, bestehen in zweierlei Hinsicht. Einerseits verändern sich die Kurse der Währungen auf den Devisenmärkten. Es handelt sich hierbei um freie Wechselkurse, die Volatilität nimmt tendenziell stark zu bei gleichzeitig immer schlechter werdender Prognostizierbarkeit. Andererseits können sich auch feste Wechselkurse im Vergleich zur heimischen Währung ändern. Dies geschieht durch Festlegung der Parität auf einem anderen als dem bisherigen Niveau durch die jeweilige nationale Notenbank des betreffenden Landes. So bezeichnet man dieses Risiko auch als Paritätsänderungsrisiko.

Neben den Wechselkursrisiken bestehen aber noch einige andere Gefahren im internationalen Geschäft. Unter dem Begriff Politische Risiken können Transfer- und Konvertibilitätsrisiken zusammengefasst werden, sie stellen eine nicht zu unterschätzende Gefahr bei grenzüberschreitenden Transaktionen dar.

Die Ursache für solche Risiken liegen nicht beim Vertragspartner, sondern beim Staat. Die Gefahr des administrativen Eingriffs einer ausländischen Zentralnotenbank in laufende internationale Zahlungsverkehrsabwicklungen nennt man Transferrisiko. Die vom Schuldner zu leistenden Beträge unterbleiben in Folge von Zahlungsstockungen oder werden hinausgeschoben. Dies kann sich in einem Rahmen von mehreren Monaten oder auch Jahren bewegen, Rückzahlungen erfolgen meist in verringertem Umfang, in der Regel ohne Zinsausgleich.[7]

Konvertierungsrisiken bestehen in der Gefahr des Verlustes der Möglichkeit bislang unbeschränkten Austausches von Guthaben im Ausland in inländische Währung und der freien Verfügbarkeit über Guthaben im Ausland.[8] Besonders in politisch instabilen Ländern, wie etwa in einigen Ländern Asiens, ist dieses Risiko besonders hoch.

Geschäftsrisiken bestehen in der Zahlungsunfähigkeit oder Zahlungsunwilligkeit des ausländischen Geschäftspartners. In beiden Fällen erhält das Unternehmen weniger Devisen als angenommen, im Extremfall überhaupt keine.

Erfüllungsrisiken dagegen sind auf Leistungsstörungen seitens des ausländischen Partners bei der Währungssicherung zurückzuführen. Das inländische Unternehmen muß trotzdem den Verpflichtungen aus dem Kurssicherungsgeschäft nachkommen, dies erfolgt durch Devisenkauf am Markt zu höheren als erwarteten Kursen als Ausgleich für den Mindereingang an Devisen durch den Sicherungspartner.

Die Gefahr, die aus Devisenterminpositionen resultiert, die zwar betragsmäßig, aber nicht laufzeitmäßig geschlossen sind, wird als Swapsatzrisiko bezeichnet. Hat man beispielsweise den Kauf eines bestimmten Devisenbetrages auf Termin in drei Monaten und den Verkauf des selben Devisenbetrages auf Termin in vier Monaten getätigt, so muß man die sich öffnende Position durch Abschluß eines Termingeschäfts, in diesem Fall für den restlichen Monat, erneut schliessen. Der Swapsatz hat sich aber möglicherweise so entwickelt, daß der weitere Swap zu höheren Kosten abgeschlossen werden muß.[9]

Leistungsrisiken treten in Form von unvorhergesehenen Inanspruchnahmen aus Bürgschaften, Garantien oder Gewährleistungsverpflichtungen durch ausländische Geschäftspartner auf. Das Unternehmen ist meist gezwungen, die benötigten Devisen am Kassamarkt zu beschaffen und trägt zusätzlich Valuta- und Transferrisiken.[10]

2.2 Währungsmanagement

2.2.1 Notwendigkeit

Jede der oben aufgeführten Gefahren birgt schon allein für sich genommen ein enormes Risiko für Unternehmen, die international tätig sind. Kombiniert beinhalten sie ein Risiko, das nur durch systematisches Währungsmanagement in den Griff zu bekommen ist.

Währungsmanagement ist also notwendig, um die Gefahren, die mit internationalen Aktivitäten verbunden sind, zu vermeiden. Da dies meistens zur Gänze nicht möglich ist, sollen die Risiken auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Andererseits sollen auch Chancen realisiert werden, die sich einem grenzüberschreitend tätig werdenden Unternehmen in Zusammenhang mit Fremdwährungsgeschäften bieten.

Auch hierzu wird systematisches Management benötigt, nur damit werden erzielbare Vorteile rechtzeitig erkannt und optimal realisiert.

Im Zuge der Europäischen Währungsunion hat das Währunsmanagement für multinationale Unternehmen an Aktualität gewonnen, die Rahmenbedingungen für ein weltweit tätiges Unternehmen sind in ständigem Wandel begriffen.[11] Verstärkt internationale Aktivitäten von Unternehmungen stehen einer zunehmenden Volatilität an den Devisenmärkten gegenüber.

Zusätzlich zum ohnehin komplexen Feld der Währungsabsicherung vergrössern Neuerungen im Bereich der derivativen Finanzinstrumente das Aktionsfeld des Währungsmanagements, so daß nur ein systematisches Management in der Lage ist, die Absicherung sinnvoll zu gestalten hinsichtlich der Auswahl und des Einsatzes der verschiedenen Instrumente. Die herkömmliche Institution des Finanzmanagements wäre angesichts der Komplexität der Thematik besonders bei großen internationalen Unternehmen überfordert und würde die Aufgaben nur suboptimal erfüllen.

Ein weiterer Grund für das Einführen eines gezielten Währungsmanagements kann das 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) sein. Dies fordert zwar nicht explizit ein umfangreiches Währungsmanagement, jedoch verpflichtet es GmbH’s und börsennotierte Gesellschaften dazu, ein System zur Früherkennung von existenzgefährdenden Risiken einzurichten und zu betreiben.[12] Und daß für international tätige Unternehmen Währungsrisiken gefährdend für das Fortbestehen der Unternehmung sein können, ist unbestreitbar. Somit kann Währungsmanagement als Teil des zu implementierenden Risikomanagementsystems notwendig werden.

2.2.2 Ziele und Aufgaben

Primäre Zielsetzung ist, die Währungsrisiken so weit als möglich zu begrenzen. Es geht hauptsächlich um die Existenzsicherung und die Sicherung des Erfolges. Da Sicherungsmaßnahmen mit Kosten verbunden sind, ist ein vernünftiges

Kosten-Nutzen-Verhältnis anzustreben. Weder eine übervorsichtige Absicherung ist nützlich, da die Kosten zu minimieren sind, noch ist eine zu geringe Sicherung von Währungsrisiken zu empfehlen.

Sekundäre Zielsetzung sollte dann die Realisierung von Chancen in Zusammenhang mit ausländischen Währungen sein. Dies bedeutet nicht, alle sich bietenden, auch spekulativen Chancen wahrnehmen zu wollen. Der Aktionsradius zur Erfolgserzielung sollte auf relativ unproblematische Gebiete mit geringen Verlustrisiken beschränkt werden. Dies kann zur Marktwertsteigerung des Unternehmens beitragen und ist besonders für börsennotierte Gesellschaften mit Fokus auf die Anteilseigner von Bedeutung.

Aus den Zielen des Währungsmanagements lassen sich dessen Aufgaben herleiten. Diese umfassen somit die Identifizierung, Quantifizierung, Steuerung und Kontrolle von Risiken und Chancen im Währungsbereich.

Zur Identifizierung von Risiken steht eine Reihe von Analyse- und Prognoseinstrumenten zur Verfügung. Untersucht werden hierbei unter anderem die Ursachen von Wechselkursschwankungen mit dem Ziel, künftige Schwankungen prognostizieren zu können.[13] Eine kontinuierliche Beobachtung der Devisenmärkte ist die Grundvoraussetzung zur Erkennung von Währungsrisiken. Sowohl wirtschaftlich als auch politisch bedingte Veränderungen der Rahmenbedingungen müssen frühzeitig festgestellt werden. Es ergibt sich also ein allgemeines Risikoprofil in Bezug auf Fremdwährungsaktivitäten.

Nun muß ein individuelles Risikoprofil erarbeitet werden. Währungsrisiken, denen jedes international tätige Unternehmen unterliegt, wirken sich aufgrund unterschiedlicher Geschäfts- und Absicherungstätigkeiten nicht auf jede Unternehmung gleich aus. Eine Spezifikation der eigenen Risikopositionen ist notwendig.

Es sollen die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen der Wechselkursschwankungen und Veränderungen auf den Devisenmärkten auf das Unternehmen ermittelt werden. Dazu ist im nächsten Schritt die Risikoposition zu quantifizieren, die den Währungsrisiken ausgesetzt ist.[14] Es gibt verschiedene Methoden zur Erfassung der Währungs-Exposure, diese werden im Abschnitt 2.2.4 erläutert. Die sorgfältige Analyse der eigenen Geschäftsstrukturen ist entscheidend.

Der Kern des Währungsmanagements ist die Steuerung der Währungsrisiken und –chancen. In diesen Bereich fällt die Sichtung der zur Verfügung stehenden Sicherungsinstrumente, die Beurteilung der Alternativen und schliesslich die Auswahl hinsichtlich vorher zu definierender Kriterien.

Das Gebiet umfasst sehr unterschiedliche Handlungsfelder von der Absicherung von Währungsrisikopositionen allgemein, dem Einsatz von Instrumenten zur Kurssicherung spezieller offener Positionen bis hin zur Strukturierung von Auslandsforderungen und –verbindlichkeiten zu einem ausgewogenen Verhältnis. Generelle Entscheidungen über Sicherung oder Nichtsicherung, über integriertes oder singulares Hedging fallen ebenso darunter wie Entwicklung von Währungsstrategien und interner Richtlinien in Bezug auf Fremdwährungsgeschäfte. Der Bereich Währungsmanagement vereint also sowohl operative als auch strategische Elemente.

Außerdem obliegt dem Währungsmanagement die Aufgabe der Kontrolle. Darunter fällt die Evaluation der ergriffenen Maßnahmen. Zu prüfen ist, ob die jeweiligen Instrumente geeignet waren für vorgesehene Zwecke, inwieweit die Ziele erfüllt und der abgesteckte Kostenrahmen eingehalten wurde.

Auch das Risikoreporting gehört zu diesem Aufgabenbereich. Berichte über das Volumen und die Entwicklung der Risikopositionen sowie über die Auslastung von Limiten und die erzielten Ergebnisse sind regelmässig zu erstellen.[15]

Weiterhin muss eine ständige Anpassung der verwendeten Parameter bei Analyse- und Prognoseverfahren erfolgen, Marktgegebenheiten sind immer im Auge zu behalten. Dies gilt auch für die Weiterentwicklung von Strategien und Richtlinien.

2.2.3 Organisatorische Eingliederung

„Die Organisationsstruktur des Unternehmens ist von wesentlicher Bedeutung für die Möglichkeiten des Devisenmanagements.“[16] Aus diesem Satz wird ersichtlich, daß eine generelle Empfehlung für die institutionelle Eingliederung des Währungsmanagements in eine Unternehmung nicht sinnvoll ist.

Jedoch gibt es einige verschiedene Varianten der Organisation, aus deren Grundformen im Hinblick auf die jeweilige Unternehmenssituation, im speziellen die Unternehmensgröße, eine Anpassung erfolgen kann.

Es ist möglich, die Verantwortung für das Devisenmanagement an die Vertriebsabteilung (Sales Division) zu übertragen, auch eine Übernahme durch die Geschäftsleitung selbst ist denkbar. Beides empfiehlt sich aber nur für kleinere Unternehmen mit geringem Fremdwährungsanteil.

Bei größeren Gesellschaften und Konzernen dagegen spricht viel für ein eigenständiges Währungsmanagement. Für eine präzise und erfolgreiche Steuerung ist die genaue Abgrenzung von Aufgaben und Kompetenzen notwendig.

Bei einem eigens gebildeten Währungsausschuß, dem Führungskräfte der betroffenen Bereiche angehören, ist eine effiziente Kommunikation zwischen der Unternehmensleitung und den verschiedenen Unternehmensbereichen möglich. Auch kann eine Koordination zwischen den Interessen der einzelnen Bereiche und eine Abstimmung der währungspolitischen Vorgehensweisen leichter erreicht werden. Der Zuständigkeitsbereich ist klar abgegrenzt, die Zuordnung der Ergebnisse ist eindeutig vorzunehmen.

In der Mehrzahl der Fälle liegt das Währungsmanagement im Aufgabenbereich des Finanzmanagaments (Treasury) oder des Risikomanagements.

Hierbei sind zwei Grundsatzentscheidungen zu fällen. Einerseits muß festgelegt werden, ob das Devisenmanagement als Cost Center oder als Profit Center geführt wird. Andererseits ist entscheidend, ob währungspolitische Entscheidungen dezentral oder zentral gefällt werden.[17]

Das Devisenmanagement als Cost Center hat primär die Aufgabe, Währungsrisiken weitestgehend zu eliminieren bei möglichst geringen Kosten. Es übernimmt damit eine Dienstleistungsfunktion für andere Unternehmensbereiche. Die Verantwortung ist beschränkt auf die Ausführung vorgegebener Fremdwährungsentscheidungen und die Kontrolle der Fremdwährungspositionen. Es bleibt wenig Spielraum für eine Ergebnisoptimierung, eigene Entscheidungen oder Zielvorgaben können kaum realisiert werden. Dieser Ansatz findet sich meist in Industriezweigen mit großem Kontraktvolumen und kleinen Margen.

Bei einer Organisation als Profit Center wird ein gewinnorientierter Ansatz verfolgt. Ertragspotentiale sollen also ausgeschöpft werden. Notwendigerweise ist damit eigene Entscheidungskompetenz und Verfolgung selbst definierter Ziele und Strategien verbunden. Eine unverzichtbar gewordene ständige Überwachung der Märkte sowie Implementierung von Analyse- und Prognoseinstrumenten fordert einen größeren Einsatz finanzieller und personeller Mittel. Diesen Mehraufwand rechtfertigen soll dann die Erzielung eines Ergebnisbeitrages beziehungsweise eine Gewinnverbesserung. Diese Form existiert oft in Industriezweigen mit hohen Gewinnmargen, die das Eingehen eines größeren Risikos lohnen.

Im Falle von Konzernen ist die Frage zu klären, ob das Währungsmangement ganz oder teilweise zentral oder bei den Tochtergesellschaften selbst angesiedelt wird.

Zentrales Devisenmanagement bietet den Vorteil, daß eine einheitliche Strategie gewährleistet wird.[18]

Da währungspolitische Entscheidungen für alle mit dem Unternehmen verbundenen Gesellschaften getroffen werden, kann eine weitestgehende Optimierung des Devisenmanagements erfolgen. Eine präzise Risikosteuerung wird möglich, die Entscheidungsprozesse werden verkürzt und qualifiziertes Personal wird gebündelt. Außerdem können günstigere Kusssicherungskonditionen aufgrund des hohen Transaktionsvolumens durchgesetzt werden. Die Zentrale übernimmt die Währungsrisiken der operativen Einheiten, sie wiederum kann durch rechtliche Ausgliederung des Treasury von Devisenkursrisiken befreit werden.

Diese Gestaltung bietet sich für Großunternehmen mit hohem Fremdwährungsanteil an, denn damit verbunden ist großer administrativer Aufwand und hohe Kosten.

Zusätzlich erschweren verschiedene Zeitzonen oder auch unterschiedliche steuerliche und gesetzliche Regelungen das zentrale Management bei weltweit vertretenen Unternehmen.

Diese Nachteile werden vermieden, wenn die Verantwortung für das Währungsmanagement bei den Tochtergesellschaften verbleibt. Diese sind dann bis auf generelle Richtlinien und vorgegebene Ziele durch die Konzernzentrale in ihren Handlungsspielräumen weitgehend frei.[19]

Ein weiterer Vorteil des dezentralen Mangaments ist die zusätzliche Motivation der Mitarbeiter, die aus der Eigenverantwortung für das erzielte Ergebnis resultiert.

Jedoch sollte nicht aus Kostengründen auf die insgesamt vorteilhaftere zentrale Organisation verzichtet werden.

2.2.4 Bestimmung der Währungs-Exposure

Um die Aufgabe der Minimierung der Währungsrisiken optimal erfüllen zu können, ist zuerst die Bestimmung der relevanten Risikopositionen notwendig. Bevor also Maßnahmen zur Sicherung ergriffen werden können, müssen vorher der Inhalt und die Höhe der Währungsrisikopositionen identifiziert und quantifiziert werden. Erst im Anschluß daran sind Überlegungen zum Management der Risiken sinnvoll anzustellen.

Der zu betrachtende betriebswirtschaftliche Risikozeitraum beginnt bereits mit der Entscheidung, Aktivitäten mit Fremdwährungsbezug vorzunehmen. Das Risiko besteht bis zur Glattstellung durch Zahlung oder der Weitergabe bzw. Überwälzung des Risikos an Dritte oder den Markt.[20]

Den Betrag, der aufgrund der künftigen Veränderungen der Wechselkurse unsicher ist, nennt man Währungs-Exposure. Mit anderen Worten: Das Exposure ist die dem Wechselkursrisiko ausgesetzte Position.

So ist also das Währungs-Exposure nicht gleich dem Währungsrisiko, es ist die Basis für dessen Ermittlung. Wäre die Wechselkursveränderung bekannt, so existierte zwar ein Währungs-Exposure als der der Schwankung unterliegende Betrag, aber kein Währungsrisiko.

Allgemein unterscheident man das Translation-Exposure (Umrechnungsrisiko), das Transaction-Exposure (Umwechslungsrisiko) und das Economic-Exposure (Ökonomisches Risiko).

2.2.4.1 Translation-Exposure

Das Translation-Exposure, teilweise auch Accounting-Exposure genannt, entsteht aus der Notwendigkeit, eine stichtagsbezogene Bilanz in einheitlicher Währung zur Darstellung der weltweiten Vermögenssituation zu erstellen. Einfacher: Fremdwährungspositionen müssen am Stichtag in Inlandswährung umgerechnet werden. Finanzielle Folgen der Kursänderungen entstehen also erst am Tag der Bialnzerstellung. Das Translation-Exposure ist vor allem in internationalen Gesellschaften von Bedeutung, die ihre ausländischen Tochterunternehmen im Konzernabschluß konsolidieren müssen.[21]

Die Umrechnungrisikoposition erfasst die möglichen Änderungen des buchhalterischen Reinvermögens durch Wechselkursänderungen.

[...]


[1] Vgl. Spindler, Ch., Währungsmanagement in internationalen Unternehmen, in: Handbuch derivativer Instrumente, 1996, S.420

[2] Vgl. Broll, U. / Milde, H.: Risikomanagement im Vergleich, in: WiSt 10/1999, S.516

[3] Vgl. o.V., Seminar TPS, Deutsche Bank AG, München 21.07.1999

[4] o.V., Wirtschaftslexikon, 1997, S.3279

[5] Vgl. Battermann, H. / Broll, U., Wechselkursrisiko und Risikomanagement, in: WiSt 02/1998, S.60

[6] Vgl. Eilenberger, G., Währungsrisiken, 1990, S. 12

[7] Vgl. Büschgen, H.E., Internationales Finanzmanagement, 1997, S.284

[8] Vgl. Stocker, K., Internationales Finanzrisikomanagement, 1997, S.33

[9] Vgl. Bernstoff, Ch. Graf von, Finanzinnovationen 1996, S.127

[10] Vgl. Eilenberger, G., Währungsrisiken, 1990, S.23

[11] Vgl. o.V., Seminar TPS, Deutsche Bank AG, München 21.07.1999

[12] Vgl. Hornung, K. u.a., Risikomanagement, in: Controlling 07/1999, S.317

[13] Vgl. Reszat, B., Währungsmanagement von Unternehmen, 1991, S.8

[14] Vgl. Jokisch, J., Währungsrisikopolitik, 1987, S.98

[15] Vgl. Scharpf, P. / Luz, G., Bilanzierung und Aufsicht, 1996, S.130

[16] Liepach, W.E:, Effizientes Devisenmanagement, 1993, S.25

[17] Vgl. Beike, R., Devisenmanagement, 1995, S.6

[18] Vgl. Beck, M.S., Devisenmanagement, 1989, S.72

[19] Vgl. Malcolm, F. u.a., Derivatives, 1999, S.103

[20] Vgl. Winstone, D., Financial Derivatives, 1995, S.7

[21] Vgl. Lachmann, H.C., Instrumente des Devisenmanagements, 1981, S.153

Details

Seiten
56
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783832445966
ISBN (Buch)
9783838645964
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220212
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf – Betriebswirtschaftslehre
Note
1,0
Schlagworte
risiko währungsmanagement finanzderivate währungsrisiko hedging

Autor

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Titel: Währungsmanagement und Hedging von Währungsrisiken mittels Finanzderivaten in international tätigen Unternehmen