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Die wirtschaftliche Integration aus dynamischer Sicht

Diplomarbeit 2001 140 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

1. Einleitung

Das Gebiet des langfristigen[1] Wirtschaftswachstums ist seit jeher eines der zentralen Forschungsgebiete der Makroökonomik. Dennoch geriet diese Forschungsrichtung aufgrund mangelnder neuer Erkenntnisse, sowie der noch im folgenden näher zu spezifizierenden Erklärungsdefizite der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie, in den 60er Jahren in Vergessenheit.[2] Erst mit dem Aufkommen alternativer Möglichkeiten[3] langfristiges Wirtschaftswachstum zu erklären, begann in der zweiten Hälfte der 80er Jahre eine Renaissance der Wachstumstheorie, die heute unter den Begriff neue[4] bzw. endogene Wachstumstheorie subsumiert wird. Anfang der 90er Jahre wurden die entwickelten Modelle der endogenen Wachstumstheorie dann schrittweise auf offene Volkswirtschaften übertragen, auch aus der Erkenntnis heraus, daß sich mit der traditionellen Außenhandelstheorie nur Niveaueffekte bzw. Wachstumsboni erklären ließen.[5] Weiterhin zeigten Zeitreihenanalysen, daß sich besonders in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg die Wachstumsraten beschleunigten, wobei diese Zeit von einem Abbau der Handelshemmnisse[6] gekennzeichnet war.[7] Hauptsächlich geht es in der Wachstumstheorie nach wie vor um die Frage, wie sich unterschiedliche Wachstumsraten des PKE[8] im Länderquerschnitt erklären lassen und ob es einen Konvergenzprozeß gibt, der eine Angleichung der Wachstumsraten ermöglicht. Ausdrücklich stellt sich die Frage, welchen Einfluß freier Handel auf die Wachstumsrate des Einkommens der betrachteten Länder hat und inwiefern im Rahmen der endogenen Wachstumstheorie Aussagen bezüglich der Vorteilhaftigkeit von Außenhandel gemacht werden können. Das Zustandekommen von regionalen Handelsabkommen, wie z.B. der EU, ASEAN, SELA, ACP, NAFTA und MERCOSUR[9] unterstreicht einmal mehr deren Aktualität und Implikationen aus Sicht der endogenen Wachstumstheorie. Von besonderer Bedeutung ist die Frage, ob derartige regionale Handelsabkommen zu einer Reduktion der Einkommensunterschiede führen und inwiefern die teilnehmenden Staaten von Integrationsmaßnamen profitieren.[10] Die beschriebenen Effekte sind Merkmale einer zunehmenden Integration der Weltwirtschaft, wobei die Haupttriebkräfte der Integration zum einen der Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen und zum anderen die Reduktion von Transport- und Kommunikationskosten sind.[11] Während der Abbau von Handelshemmnissen den Fluß von Gütern, und im besonderen von Kapitalgütern[12], berührt, beeinflussen Informations- und Kommunikationsnetzwerke den Fluß von Ideen, oder anders formuliert, den Fluß von Wissen.[13] Beide aufgeführten Triebkräfte einer zunehmenden Integration der Weltwirtschaft spielen im Rahmen der endogenen Wachstumstheorie in offenen Volkswirtschaften eine zentrale Rolle.

Die Zielsetzung dieser Arbeit ist es, Wachstumseffekte in offenen Volkwirtschaften zu spezifizieren und zu analysieren, unter Berücksichtigung modelltheoretischer Ausführungen und empirischer Überprüfungen. Die Erkenntnisse und Ausführungen der letzten Dekade auf dem Gebiet von Wirtschaftswachstum und Außenhandel implizieren eine Sicht aus wachstumstheoretischer Perspektive. Auf eine ausführliche Darstellung der allseits bekannten Niveaueffekte des Außenhandels, im Rahmen der traditionellen Außenhandelstheorie, soll hier bewußt verzichtet werden. Dennoch gibt es durchaus Ansätze, die Erkenntnisse der traditionellen Außenhandelstheorie in den Modellen der endogenen Wachstumstheorie zu berücksichtigen. Bestes Beispiel hierfür ist die Dynamisierung des zentralen Ansatzes der komparativen Vorteile: „The interaction between endogenous technical change and comparative advantages has led a number of authors to speak of dynamic comparative advantages“.[14]

Kapitel zwei wird zunächst die elementare neoklassische Wachstumstheorie darstellen und im Anschluß deren Erklärungsdefizite anhand empirischer Tendenzen darstellen. Es folgt eine problemorientierte Erläuterung, anhand ausgewählter empirischer Studien, inwiefern eine Beziehung zwischen internationalem Handel und Wirtschaftswachstum besteht. Aufbauend auf diese Ergebnisse erfolgt eine Einführung in die endogene Wachstumstheorie und deren Relevanz für offene Volkswirtschaften. Kapitel drei wird sich dann ausführlich mit der Darstellung ausgewählter endogener Wachstumsmodelle in offenen Volkswirtschaften beschäftigen. Dabei ist von besonderer Bedeutung, welche Übertragungsmechanismen für Wachstumseffekte in offenen Volkswirtschaften aufgezeigt werden können. Da die Erweiterungen der endogenen Wachstumsmodelle um eine außenwirtschaftliche Komponente zum Teil erhebliche Erweiterungen erfordert, sei bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß eine Konzentration auf die wesentlichen Elemente der Modelle, welche für das Verständnis grundlegend sind, erfolgt. Kapitel vier wird die zentralen Aspekte der endogenen Wachstumstheorie in offenen Volkswirtschaften, insbesondere die Bedeutung von Humankapital, Wissen und Externalitäten, aufgreifen und anhand empirischer Studien beurteilen. Insbesondere soll auch die Rolle der multinationalen Unternehmungen, als Instrumente für Wissensimporte, näher untersucht werden. Außerdem wird die endogene Wachstumstheorie um eine weitere Dimension erweitert: Während endogene Wachstumsmodelle das Entstehen neuer Unternehmungen oder neuer Güter durch technischen Fortschritt betonen, untersucht die Theorie der Agglomeration ökonomischer Aktivitäten wo sich Unternehmungen niederlassen und warum es zu einer Konzentration von Unternehmungen in einzelnen Regionen kommt.[15] Integration und Agglomeration stehen somit in einer engen Beziehung[16], wobei gilt: “Economic Integration therefore induces agglomeration”.[17]

Interessante aktuelle Fragestellungen ergeben sich auch bei einer Betrachtung der Entwicklung der Einkommen in den neuen Bundesländern. So sollte es für diese regionalen Volkswirtschaften, wie anhand zahlreicher und umfangreicher empirischer Studien[18] gezeigt wurde, zu einer Konvergenz der Einkommen kommen. Entgegen jedoch aller gängigen Konvergenztheorien befindet sich der Aufholprozeß in den neuen Bundesändern bereits im vierten Jahr im Stocken.[19] Offensichtlich wird der Wachstumsprozeß einzelner Länder und Regionen auch von deren Politik und Institutionen bestimmt.[20] Das Beispiel der neuen Bundesländer, aber auch die Tatsache, daß die reichen OECD-Länder trotz ihres hohen Humankapitalbestandes nicht annährend Wachstumsraten wie die asiatischen Schwellenländer[21] erreichen konnten, kann von der endogenen Wachstumstheorie nicht beantwortet werden.[22] Deshalb wird der folgende Teil des vierten Kapitels institutionelle Aspekte des Wirtschaftswachstum aufgreifen und bietet somit, als weitere wachstumstheoretische Konstruktion, eine sinnvolle Ergänzung der bis dahin gewonnenen Erkenntnisse. Die neuere empirische Literatur unterscheidet sich zudem von älteren empirischen Arbeiten dadurch, daß sie nachdrücklich betont, Einkommensunterschiede, über Länderquerschnitte hinweg, erklären zu können.[23] Der letzte Teil des vierten Kapitels wird sich infolgedessen mit der Frage von Konvergenzprozessen, hinsichtlich des Einkommens, beschäftigen. Ausdrücklich wird zu untersuchen sein, welchen Einfluß Integrationsprozesse auf den Konvergenzprozeß haben. Kapitel fünf bildet den Abschluß dieser Arbeit. Es zeigt auf, welche wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen aus den vorangegangenen Kapiteln abgeleitet werden können. Da sich Teile dieser Arbeit mit empirischen Ausführungen auseinandersetzen werden, sei darauf hingewiesen, daß empirisches Arbeiten, insbesondere bei der Erfassung, Auswertung und Interpretation von Daten, z.T. mit erheblichen statistischen Problemen verbunden ist. An den relevanten Passagen sei auf die Erläuterungen hierzu verwiesen.

2. Ausgangspunkte für Wachstumseffekte in offenen Volkwirtschaften

Bereits in der traditionellen Außenhandelstheorie führt internationaler Handel zu statischen Wohlfahrtsgewinnen.[24] Jedes Land spezialisiert sich demnach auf die Produktion jener Güter, bei dem es einen komparativen Kostenvorteil hat. Die Ursache der Kostenvorteile werden zum einen in differierenden Faktorausstattungen (Heckscher-Ohlin-Hypothese)[25] und zum anderen in differierenden Faktorproduktivitäten (Ricardo-Hypothese) gesehen.[26] Beides würde implizieren, daß Gewinne für sehr unterschiedliche Volkswirtschaften wahrscheinlich am größten sind, wobei somit eine Ausweitung des Handels zwischen den Industrieländern und Entwicklungsländern besonders vorteilhaft wäre.[27] Es lassen sich gleichwohl drei zentrale empirische Merkmale des Außenhandels beobachten, welche mit der traditionellen Außenhandelstheorie nicht vereinbar sind:[28]

- Ein großer Teil des Welthandels wird zwischen Ländern mit ähnlichen Faktorausstattungen beobachtet.
- Eine bedeutender Teil des internationalen Handel ist intra-industriell.[29]
- Ein großer Teil der Ausweitung des Außenhandels in der Nachkriegszeit ging nicht mit einer großen Reallokation von Ressourcen oder Einkommensverteilungseffekten einher.

Eine weitere Ursache für die Aufnahme von Außenhandel sind steigende Skalenerträge[30], die eine vom komparativen Vorteil unabhängige Theorie darstellen: “As Ricardo doubtless knew, and as modern theorists form Ohlin on have re-emphasised, countries may also trade because there are inherent advantages in specialization, arising form the existence of economies of scale.”[31] Dementsprechend nehmen gleiche Länder, also beispielsweise Industrieländer mit identischen Produktions- und Nachfragebedingungen[32], Außenhandel auf.[33] Es kommt zu einer intra-industriellen[34] Spezialisierung, wobei die Produkte mit identischen Faktorproportionen hergestellt werde.[35] Die Modifikation der klassischen Außenhandelstheorie um den Aspekt von steigenden Skalenerträgen[36] impliziert eine neue Art von Handelsgewinn: Das konsumierte Güterbündel wird nicht größer, aber diversifizierter (Love-for-variety-Konzept, quality-gains).[37] Diese Handelstheorie, welche auch als neue Handelstheorie[38] bezeichnet wird, modifiziert die traditionelle Handelstheorie um zwei zentrale Aspekte: Die Einführung von intra-industriellem Handel und Marktunvollkommenheiten, welche durch steigende Skalenerträge verursacht werden. Die Ansätze der neuen Handelstheorie wurden, vor allem von Autoren wie Grossman und Helpman (1991a, b) sowie Rivera-Batiz und Romer (1991a, b), aufgegriffen und in die endogenen Wachstumsmodelle für offene Volkwirtschaften integriert.[39] Da sich die endogenen Wachstumsmodelle aus der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie ableiten (siehe Anhang Abb. 9), ist es zunächst zweckmäßig, einige grundlegende Aspekte der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie zu erläutern.

2.1. Vorüberlegungen

Das neoklassische Wachstumsmodell begründete seine Anfänge mit den bahnbrechenden Aufsätzen von Solow (1956) und Swan (1956), in denen wirtschaftliches Wachstum in Abhängigkeit vom Produktionspotential[40] definiert wurde. Die Grundlage bildete die folgende gesamtwirtschaftliche Produktionsfunktion, die zunächst ohne technischen Fortschritt dargestellt wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[41] (2.1)

Dabei entspricht K dem Produktionsfakor Kapital und L dem Produktionsfaktor Arbeit, jeweils bei einem gegebenen Stand des technischen Wissens.[42] Spezifiziert durch eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion weist diese Produktionsfunktion konstante Skalenerträge auf, jedoch mit abnehmenden Grenzprodukten in den einzelnen Faktoren, die Inada-Bedingungen[43] sind erfüllt. Die partiellen Produktionselastizitäten werden durch a und b beschrieben. Als Arbeitsproduktivitätsfunkion[44] in intensiver Schreibweise ergibt sich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[45] (2.2)

wobei k die Kapitalintensität darstellt. Proportionale Faktorvariationen lassen, aufgrund der Annahme der linearen Homogenität, die Arbeitsproduktivität und Kapitalintensität unverändert. Die zweite fundamentale Gleichung beschreibt die Kapitalakkumulation:[46]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.3)

Der Kapitalstock verändert sich im Zeitablauf gemäß den Bruttoinvestitionen (= Ibr), vermindert um die Abschreibungen (= d × K). Dividiert man die Gleichung (2.3) auf beiden Seiten durch L ergibt sich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten darzustellen:[47]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

umgestellt ergibt sich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.6)

Einsetzen von (2.6) in (2.4) und nach Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenaufgelöst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.7)

Die Gleichung (2.7) wird als die grundlegende Bewegungsgleichung oder fundamentale Anpassungsgleichung des Solow-Swan-Modells bezeichnet.[48] Zentrales Anpassungsinstrument ist die Kapitalintensität. Damit bestimmt sich die Kapitalausstattung pro Arbeiter durch die getätigten Bruttoinvestitionen pro Arbeiter, durch das Bevölkerungswachstum und den Abschreibungen. Der Ausdruck (n + d) × k kann als effektiver Abschreibungssatz im Hinblick auf die Kapitalintensität k interpretiert werden.[49] Im Steady State sind die relevanten Wachstumsraten konstant, wobei die Wachstumsrate der Arbeit (= n) exogen vorgegeben ist. Die Wachstumsrate des Kapitalstock (= gK) muß sich an die Wachstumsrate der Arbeit anpassen, weshalb die linear homogene Produktionsfunktion eine konstante Wachstumsrate des Outputs impliziert. Das Gleichgewicht ist stabil, und der Preismechanismus garantiert, über eine Veränderung des Grenzproduktivitätsverhältnisses von Lohn und Zins, daß sich die Wachstumsraten an die der Arbeit anpassen,[50] so daß sich auch k, als zentrales Anpassungsinstrument im neoklassischen Wachstumsmodell, an einen Wert annähert, bei dem die Bruttoinvestitionen gleich dem Abschreibungssatz auf die Kapitalintensität k entsprechen (siehe Abb. 1). Diese gleichgewichtige Kapitalintensität wird als k* bezeichnet.

Abb. 1: Das neoklassische Gleichgewicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Frenkel und Hemmer (1999), S. 44, eigene Darstellung.

Im Steady-State gilt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.8)

Als Cobb-Douglas-Produktionsfunktion formuliert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.9)

und umgestellt nach k ergibt sich die gleichgewichtige Kapitalintensität k*:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten , (2.10)

eingesetzt in die Produktionsfunktion aus Gleichung (2.2) ergibt die gleichgewichtige Arbeitproduktivität:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten . (2.11)

Die gleichgewichtige Arbeitproduktivität wird somit determiniert durch die Spar- bzw. Investitionsquote[51], der Abschreibungsrate und dem Bevölkerungswachstum. Die Erhöhung der Investitions- bzw. Sparquote führt nur zu einem positiven Niveaueffekt in der Arbeitsproduktivität. Die abnehmenden Grenzerträge des Kapitals würden jedoch zunehmend höhere Investitionsquoten erfordern. Umgekehrt würde die Erhöhung der Wachstumsrate der Arbeit zu einer Verminderung der gleichgewichtigen Arbeitsproduktivität führen. Die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität und der Kapitalintensität betragen im Steady-State jedoch null:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.12)

Dieses Ergebnis ist jedoch völlig unbefriedigend, da sich intensives Wachstum nur als Anpassungswachstum zum Steady-State ergeben würde, wobei über das letzte Jahrhundert eine durchschnittliche PKE-Wachstumsraten von 1,9 % p.a. für zur Zeit 16 Industrieländer und 1,4 % p.a. für zur Zeit 15 Entwicklungsländer beobachten werden konnte. Diese empirische Tendenz spricht gegen ein reines Anpassungswachstum (siehe Tab. 1).

Tab. 1: Langfristige PKE-Wachstumsraten für Industrieländer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 7; eigene Darstellung.

Tab. 2: Langfristige PKE-Wachstumsraten für Entwicklungsländer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 7; eigene Darstellung.

Erst durch die Einführung Harrod -neutraler[52] technischer Fortschritte (= xH) in die elementare neoklassische Wachstumstheorie, wird ein dauerhaftes Wachstum der Arbeitsproduktivität möglich:[53]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(2.13)

Die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität im Steady-State entspricht jetzt der Rate des technischen Fortschrittes, welcher exogen vorgeben ist. Der technische Fortschritt ist ein internationales öffentliches Gut, mit einer für alle Länder gültigen Produktionsfunktion und Fortschrittsrate.[54] Zentraler Kritikpunkt an der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie ist die Tatsache, daß Wachstum nicht erklärt wird, da der technische Fortschritt nicht endogen bestimmt wird.

Die bisherigen Ausführungen basierten auf der Annahme einer geschlossenen Volkswirtschaft. Da im elementaren neoklassischen Modell die Kapitalakkumulation die zentrale Variable darstellt, stellt sich die Frage, inwiefern internationale Wirtschaftsbeziehungen, und insbesondere internationaler Kapitalverkehr, die bisherigen Ergebnisse beeinflussen. Um die Konsequenzen einer Grenzöffnung zu verdeutlichen, sei zunächst angenommen, daß nur ein einziges Gut existiert, weshalb komparative Vorteile in der Produktion ausgeschlossen sind. Ausgangspunkt bildet das Solow-Swan-Modell ohne technischen Fortschritt und konstanter exogener Sparquote. Gemäß unterschiedlicher Grenzproduktivitäten, aufgrund differierender Sparquoten oder unterschiedlichem Bevölkerungwachstum, sollte Kapital von Ländern mit relativ hoher Kapitalausstattung pro Arbeiter und damit niedrigeren Grenzproduktivität des Kapitals (Industrieland) in Länder fließen, welche eine relative niedrige Kapitalausstattung pro Arbeiter und damit eine höhere Grenzproduktivität des Kapitals (Entwicklungsland) aufweisen. Damit sind international differierende Grenzproduktivitäten des Kapitals die Ursache für internationalen Handel, obwohl keine komparativen Vorteile bestehen. Der Prozeß läßt sich als eine internationale Reallokation der Ersparnisse bezeichnen (siehe Abb. 2).[55]

Abb. 2: Internationaler Handel im elementaren neoklassischen Wachstumsmodell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Frenkel und Hemmer (1999), S. 156, eigene Darstellung

Durch internationalen Handel ist es dem Land mit relativ geringer Kapitalausstattung pro Arbeiter möglich, seine Kapitalakkumulation zu beschleunigen. Damit wird deutlich, daß ein Land über internationalen Handel seine Anpassungsgeschwindigkeit an das Steady-State beschleunigen kann.[56] Die Kapitalimporte ermöglichen eine höhere Kapitalintensität, verbunden mit einem einmaligen Anstieg der Arbeitsproduktivität.[57] Sowohl im Solow-Swan-Modell mit exogener Sparquote als auch im Solow-Ramsey-Modell[58] mit endogenisierter Sparquote wird dennoch die langfristige Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität im Steady-State vom exogenen technischen Fortschritt bestimmt. Die Einbeziehung internationaler Wirtschaftsbeziehungen ermöglichen nur einmalige Erhöhungen der Arbeitsproduktivität, sowie temporär beschleunigter Wachstumsraten der Arbeitsproduktivität im Anpassungsprozeß zum Steady-State.

Um eine abschließende Beurteilung vornehmen zu können, erscheint es zweckmäßig, empirische Tendenzen aufzuzeigen. Bereits Kaldor (1957, 1961) lieferte eine Aufstellung von empirischen Tendenzen des Wachstumsprozesses, welche auch mit den heutigen langfristigen Daten der zur Zeit entwickelten Länder übereinstimmen.[59] Danach zeichnet sich folgende Entwicklung im Wachstumsprozeß der Industrieländer ab:[60]

a.) Der (durchschnittliche) Output pro Kopf bzw. Output pro Arbeiter wächst über die Zeit, wobei seine Wachstumsrate tendenziell nicht abnimmt.

b.) Der Einsatz des (durchschnittlichen) physischen Kapitals je Arbeiter nimmt über die Zeit zu und wächst im Trend mit derselben Rate wie der Output pro Arbeiter.

c.) Der Quotient aus dem physischen Kapital und dem Output und sein Kehrwert, die (durchschnittliche) Kapitalproduktivität, sind etwa konstant.

d.) Der interne Zinssatz des Kapitals ist nahezu konstant.

e.) Die Anteile der Arbeit und des physischen Kapitals am Volkseinkommen sind beinahe konstant, d.h. die funktionelle Einkommensverteilung ändert sich nicht.

Einzig der stilisierte Fakt e.) ist zu modifizieren, da langfristige Daten einen mäßigen Rückgang der realen Zinssätze zeigen. Somit gilt:

e.) (modifiziert) Der reale Zinssatz einer sich entwickelnden Volkwirtschaft tendenziell in einem Bereich fällt.[61]

Diese empirischen Tendenzen sind mit der um Harrod[62] -neutrale technische Fortschritte erweiterten elementaren neoklassischen Wachstumstheorie annährend konsistent, wie die vorangegangenen Ausführungen gezeigt haben. Um jedoch Erklärungsdefizite der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie erläutern zu können, ist es notwendig das Konzept der ß-Konvergenz[63] einzuführen, wobei sich eine absolute und bedingte ß-Konvergenz unterscheiden lassen. Absolute b-Konvergenz behauptet, daß arme Volkswirtschaften tendenziell schneller wachsen als reiche Volkswirtschaften[64], wobei diese Vermutung nur wahr sein kann, wenn die betrachteten Volkswirtschaften zum gleichen Steady-State[65] konvergieren, wobei die Wachstumsrate der Bevölkerung und die Sparquote übereinstimmen. Bedingte b-Konvergenz bedeutet, daß eine Volkswirtschaft um so schneller wächst, je weiter sie von ihrem Steady-State entfernt ist, weswegen die elementare neoklassische Wachstumstheorie, aufgrund der abnehmenden Grenzerträge des Kapitals, bedingte b-Konvergenz voraussagt.[66] Folglich kann die Wachstumsrate der Bevölkerung und die der Sparquote variieren.[67]

Folgende stilisierte Fakten sind mit der elementare neoklassische Wachstumstheorie jedoch nicht vereinbar:

f.) Die (durchschnittliche) Wachstumsrate des Output pro Kopf bzw. Output pro Arbeiter weicht im größerem Umfang zwischen den Ländern ab, wobei die PKE-Differenzen von 1990 auf Basis von Kaufkraftparitäten um den Faktor 45,2 differieren, bei zugrundegelegten Arbeitsproduktivitäten um den Faktor 33,3.[68]

g.) Zwischen der Höhe und der Wachstumsrate des PKE besteht kein eindeutiger Zusammenhang, so daß arme Länder mit niedrigem PKE nicht tendenziell höhere Wachstumsraten realisieren als reiche Länder mit hohem PKE, weshalb keine absolute Konvergenz vorliegt.[69] Erst die Zuordnung der Länder zu einzelnen Ländergruppen aus annährend kulturellen und wirtschaftspolitisch identischen Regionen verdeutlicht einen negativen Zusammenhang zwischen der Höhe und der Wachstumsrate des PKE. Die empirisch ermittelte bedingte b-Konvergenzrate beträgt ca. 2 % p.a.[70] Innerhalb einzelner Regionen von Ländern[71] konnte zudem absolute Konvergenz festgestellt werden, wobei die Konvergenzrate ebenfalls bei ca. 2 % p.a. lag.[72]

Im Gegensatz dazu sind die von der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie ermittelten Konvergenzraten zu hoch. Während eine empirisch ermittelte Konvergenzrate von ungefähr 2 % eine Halbwertzeit von ungefähr 35 Jahren[73] implizieren würde, prognostiziert die elementare neoklassische Wachstumstheorie eine Halbwertzeit, je nach Annahme der Parameter für xH, n und d, von 12,5 bis 17 Jahren.[74] Zudem kann die elementare neoklassische Wachstumstheorie, je nach der Annahme bezüglich n und s, nur PKE-Unterschiede erklären, die etwas mehr als das Doppelte im Steady-State betragen.[75] Bei der bereits angeführten Arbeitsproduktivitätsdifferenz von 33,3 müßte sich das Industrieland oberhalb oder das Entwicklungsland unterhalb seines Steady-States befinden, oder beide Situationen treffen zu. Dies würde in jedem Fall implizieren, gemäß der konkaven Arbeitsproduktivitätsfunktion, daß die Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität des Entwicklungslandes höher ist als die des Industrielandes, wobei dies empirisch nicht beobachtet werden konnte.[76]

Die elementare neoklassische Wachstumstheorie kann die empirisch beobachtbaren Phänomene somit nur begrenzt erklären. Insbesondere bei der um den Außenhandel erweiterten elementaren neoklassischen Wachstumstheorie können die prognostizierten Kapitalbewegungen, welche zu einer Angleichung der Grenzproduktivitäten des Kapitals führen sollten, nur für ausgewählte Ländergruppen, den sogenannten Schwellenländern, beobachtet werden.[77] Langfristiges intensives Wirtschaftswachstum wird nicht erklärt, weil der technische Fortschritt exogen vorgegeben ist. Die Wirkung des Außenhandels, und insbesondere der Direktinvestitionen, ist nur mit einmaligen Erhöhungen in der Arbeitsproduktivität verbunden. Der Einfluß von Humankapital und Wissen auf den Wachstumsprozeß kann im Rahmen der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie nicht beantwortet werden.

2.2. Außenhandel und Wachstum – der empirische Befund

Die empirische Überprüfung der Wirkung von Außenhandel auf das langfristige Wirtschaftswachstum ist problematisch. Zunächst besteht eine grundsätzliche Schwierigkeit darin, die Außenhandelsorientierung für unterschiedliche Volkwirtschaften einheitlich zu quantifizieren.[78] Dazu wird oftmals eine Nährungsvariable für die Offenheit einer Volkswirtschaft konstruiert, welche zugleich unterschiedliche handelspolitische Maßnahmen adäquat beschreiben muß.[79] Allerdings besteht auch hier das Problem, daß diese Näherungsvariablen für die Außenhandelsorientierung einer Volkswirtschaft wiederum nur eine Näherung für andere volkswirtschaftliche Veränderungen, wie z.B. veränderter makroökonomischer Stabilität und institutioneller Rahmenbedingungen, sein können.[80] Infolgedessen besteht die Gefahr, daß Fehlspezifikationen bei der Auswahl der Variablen gemacht werden und durch einbeziehen weiterer Regressoren die statistische Signifikanz der bisherigen Regressionskoeffizienten verloren geht.[81] Besonders problematisch ist die Tatsache, daß die exogenen Variablen untereinander korreliert sein können, weshalb Multikollinearität nicht auszuschließen ist.[82] Des weiteren ist statische Formallogik von kausalen Zusammenhängen zu unterscheiden. So wird in der überwiegenden Anzahl der Studien nur eine unzureichende ökonomische Erklärung der statischen Zusammenhänge gegeben. Im Rahmen dieser Arbeit sind die abgeleiteten Ergebnisse im Zusammenhang mit den in Kapitel drei dargestellten endogenen Wachstumsmodellen in offen Volkwirtschaften zu sehen. Zugleich ist Kausalität zwischen Außenhandelsorientierung und Wachstum eines der zentralen Probleme derartiger Studien. Danach könnte eine zunehmende Außenhandelsorientierung, z.B. gemessen durch einen sinkenden Index für effektive Zollsätze[83], verursacht werden durch ein hohes Einkommensniveau bzw. durch hohes PKE-Wachstum.[84] Außenhandelsorientierung wäre eine Funktion des Wirtschaftswachstums. Auch ist die Auswahl der in die Studien einbezogenen Länder oftmals willkürlich.[85] So ist davon auszugehen, daß durch die Einbeziehung oder Ausschluß von Ländern die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen, weshalb Data Mining in den angeführten Studien zu beachten ist. Die Ausführungen machen deutlich, daß: „...despite the voluminous literature on this topic, the debate is by no means resolved.”[86]

Dollar (1991) mißt Außenhandelsorientierung mit Hilfe eines Distorsions- bzw. Relative-price-Index[87], welcher den relativen Preis eines Landes auf der Basis realer Wechselkurse mißt. Ausgangspunkt der Wahl dieses Index ist die Überlegung, daß alle handelbaren Güter, die keinen Handelsbarrieren unterliegen, einen realen Wechselkurs von eins haben, womit Gleichheit zwischen den Preisniveaus realisiert wäre. Formal:

Distorsionsindex = 100 × e ×Pi / PUS,

wobei e den Preiswechselkurs darstellt. Ein Land, welches Importzölle erhebt, würde demnach den inländischen Preisindex ansteigen lassen und damit den Distorsionsindex erhöhen. Die Annahmen verdeutlichen, daß die Gültigkeit der Kaufkraftparität angenommen wird, wobei nichthandelbare Güter Abweichungen implizieren.[88] Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, daß allein eine Zunahme der geographischen Entfernung dazu führt, daß sich das Handelsvolumen , und damit die Preisangleichung, verringert.[89] Der Distorsionsindex steigt, obwohl keine Handelsbarrieren vorliegen. Weiterhin werden häufig Importbeschränkungen auf Devisenbewirtschaftungsmaßnahmen übertragen, so daß der offizielle nominale Preiswechselkurs erheblich gegenüber dem Schwarzmarktwechselkurs aufgewertet ist.[90] Dieser Umstand läßt den Distorsionsindex c.p. sinken, obwohl Handelsbarrieren vorliegen. Trotz der beschriebenen Probleme zeigt das Ergebnis, daß 25 % der 98 betrachteten Entwicklungsländer, welche als am stärksten (geringsten) außenhandelsorientiert eingestuft wurden, eine durchschnittliche PKE-Wachstumsrate von 2,9 % (-1,3%) im Zeitraum 1976-1985 erzielten.[91]

Edwards (1992) geht einen pragmatischeren Weg, indem er auf die von Leamer (1988) konstruierten Interventions- und Offenheitsindikatoren zurückgreift. Leamer benutzt das Heckscher-Ohlin-Modell[92], um die Nettohandelsströme und Handelsintensitäten[93] zu prognostizieren. Die Abweichungen der prognostizierten von den tatsächlichen Handelsströmen und –intensitäten (= Residuen) geben Auskunft über Handelsbarrieren.[94] Auf Basis dieses Ansatzes werden Offenheitsindikatoren konstruiert, die messen, inwiefern tarifäre und nicht-tarifäre Importrestriktionen ergriffen werden und Interventionsindikatoren, die zusätzlich Exportsubventionen berücksichtigen.[95] Die Koeffizienten dieser beiden Indikatoren werden dabei auf der Basis einer Querschnittsanalyse über 30 Entwicklungsländer, im Zeitraum 1970-1982, anhand folgender Regressionsgleichung, geschätzt:[96]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei gPKE die durchschnittliche Wachstumsrate des PKE, INVGDP das Investitions/BIP-Verhältnis, GAP zum einen das Ausgangsniveau des BIP und zum anderen die Anzahl der Forscher im F&E-Sektor angibt. Die Variable t steht für die Interventions- bzw. Offenheitsindikatoren. Das Ergebnis für unterschiedliche Modellspezifikationen der Offenheitsindikatoren[97] zeigt Tabelle 3.

Tab. 3: Außenhandelsorientierung und wirtschaftliches Wachstum in Entwicklungsländern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Edwards (1992), S. 42;

Anmerkung: Abhängige Variable ist das durchschnittliche PKE Zeitraum 1970-1982; t-Werte in Klammern; 5 % Signifikanzniveau; ;statistische Signifikanz wenn: |t| > t1-a/2; n-k ® H0 (ai = 0) ablehnen, wobei für a = 0,05 folgende Faustregel gilt: |t| > 2 ® H0 (ai = 0) ablehnen für nicht sehr kleine n-k (= Freiheitsgrade) [vgl. Rinne (1995), S. 434f.].

INVGDP = Investitions/BIP-Verhältnis.

RGDP70 = Ausgangsniveau des BIP von 1970.

RD = Anzahl der Forscher im F&E-Sektor.

Open 1 = Openness-Index, basierend auf der Differenz zwischen prognostizierten und tatsächlichen Handelsströmen (sog. Homoskedastizitäts- oder unscaled-Model). Zur ausführlichen Darstellung des Modells: Vgl. Leamer (1988), S. 179-199.

Open 2 = Openness-Index, basierend auf der Differenz zwischen prognostizierten und tatsächlichen Handelsströmen (sog. Heteroskedastizitäts- oder scaled- Model). Zur ausführlichen Darstellung des Modells: Vgl. Leamer (1988), S. 179-199.

Open M 1 = wie Open1, allerdings nur auf der Basis von industriellen Gütern.

Open M 2 = wie Open2, allerdings nur auf der Basis von industriellen Gütern.

Bis auf die Modellspezifikation Nr. 2 sind alle Koeffizienten der Offenheitsindikatoren statistisch signifikant von Null verschieden und haben das erwartete positive Vorzeichen. Außenhandel hat demnach einen positiven Einfluß auf die PKE-Wachstumsrate.

Eine besonders interessante Analyse geben Sachs und Warner (1995b). Sie konstruieren einen Openness-Indikator (null/eins-Dummy), wobei ein Land als „geschlossen“ gilt (Wert = 1), wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:[98]

1. Der Schwarzmarktwechselkurs ist um 20 % oder mehr gegenüber dem offiziellem Wechselkurs abgewertet.[99]

2. Wenn 40 % oder mehr der Importe von nichttarifären Handelsbarrieren betroffen sind, basierend auf Lee (1993).

3. Wenn die durchschnittlichen Zollsätze 40 % oder mehr betragen.

4. Ein hoher Anteil von Staatsmonopolen im Exportsektor vorhanden sind.[100]

5. Eine sozialistisch organisierte Volkswirtschaft vorliegt, basierend auf Kornai (1993).

Kritisch ist anzumerken, daß die gewählten Grenzen der jeweiligen Kriterien willkürlich gewählt wurden und nicht ökonomisch fundiert sind. Zudem wäre zu untersuchen, wie sensitiv die Ergebnisse auf Veränderungen der gewählten Grenzwerte reagieren.[101] Diese notwendige Sensitivitätsanalyse wird jedoch von Sachs und Warner nicht vorgenommen. Auf der Basis von 111 Ländern im Zeitraum 1970-1989 ergibt sich dennoch folgendes Ergebnis: So erzielten Industrieländer[102], welche als „offen“ gelten (Wert = 0), eine durchschnittliche PKE-Wachstumsrate von 2,29 %, während Industrieländer, welche als „geschlossen“ (Wert = 1) eingestuft wurden nur eine durchschnittliche PKE-Wachstumsrate von 0,74 % realisierten. Für „offene“ Entwicklungsländer[103] wird eine durchschnittliche PKE-Wachstumsrate von 4,49 % ermittelt, während Entwicklungsländer, die als „geschlossen“ gelten nur eine durchschnittliche PKE-Wachstumsrate von 0,69 % realisierten.[104] Sachs und Warner (1995a) erweitern diese Untersuchung, indem Sie zusätzlich einen Property-Rights-Indikator[105] (null/eins-Dummy) konstruieren. Bis auf zwei Ausnahmen[106] verfehlen alle Länder die den Property-Rights-Test nicht bestanden haben auch den Openness-Test, während umgekehrt ein Land, daß den Openness-Test nicht besteht, nicht auch zwangsläufig den Property-Rights-Test nicht besteht. Aus diesem Ergebnis folgt, daß politische und institutionelle Rahmenbedingungen eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung für die Aufnahme verstärkter außenwirtschaftlicher Beziehungen sind. Hinreichend wäre demnach auch der Abbau von tarifären und nicht-tarifären Handelshemmnissen. Auf der Grundlage des Openness-Indikators und Property-Rights-Indikators zeigt Tabelle 4 den Zusammenhang zwischen diesen beiden Indikatoren und der PKE-Wachstumsrate von 76 Entwicklungsländern im Zeitraum 1970-1989. Annähernd 70 % der betrachteten Entwicklungsländer liegen demnach im oberen linken oder im unteren rechten Feld, eine Bestätigung dafür, daß eine Beziehung zwischen den gewählten Kriterien und der PKE-Wachtumsrate existiert.

Tab. 4: Wirtschaftswachstum, Außenhandelsorientierung und institutionelle Rahmenbedingungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sachs und Warner (1995a), S. 24.

Anmerkung: Der Wert 0 bedeutet, daß das Land außenhandelsorientiert ist bzw. das Property-Rights vorhanden sind.

Die bisher angeführten Untersuchungen basierten alle auf Querschnittsanalysen, wobei die Wachstumsrate des PKE über längere Zeiträume für unterschiedliche Länder gemittelt wurde. Eine weitere Möglichkeit Wachstumseffekte zu untersuchen bietet die Längsschnitt- oder Zeitreihenanalyse, wobei die Varianz des PKE im Längsschnitt für das zu betrachtende Land untersucht wird.[107] Der große Vorteil besteht darin, individuelle länderspezifische Unterschiede in der Varianz des PKE erklären zu können.[108] Jin (2000) benutzt ein Vektor-autoregressives-Modell auf der ökonomischen Grundlage des IS-LM-Modells. Die exogenen Variablen umfassen das reale BIP, das Geldangebot, den realen Staatsverbrauch, einen Weltverbraucherpreisindex sowie das Verhältnis der Importe zum BIP[109], als ein Maß für die Außenhandelsorientierung einer Volkswirtschaft. Der Einfluß von Außenhandelsorientierung auf das BSP, als endogener Variable, wird mit Hilfe einer Impulsfunktion simuliert.[110] Auf Basis jährlicher Daten im Zeitraum von 1955-1995 ergeben sich für sechs ostasiatische Länder[111] folgende Ergebnisse: Bis auf einige Ausnahmen für Korea, sind alle geschätzten Koeffizienten der Außenhandelsvariable nicht statistisch signifikant von Null verschieden.[112] Somit zeigt sich, daß:“ Government policy shocks appear to be critical for growth among the East Asien economies.“[113] Auch Harrison (1995) zeigt, daß die Wahl der Methodik kritisch für die resultierenden Ergebnisse ist. Auf Basis der Paneldatentechnik[114] zeigt sich, daß sich die Signifikanz der Koeffizienten der zu schätzenden Parameter der Offenheitsindikatoren, im Gegensatz zu Querschnittsanalyse, wesentlich ändert.[115]

[...]


[1] Im Rahmen der Theorie der realen Konjunkturzyklen sind Produktivitätsschocks eine Ursache für die Veränderung des Outputniveaus [vgl. Dornbusch und Fischer (1995), S. 304]. Ein positiver Produktivitätsschock (oder ein positiver Geldangebotschock mit realen zeitlich begrenzten Auswirkungen) sollte kurzfristig eine Erhöhung der realen ökonomischen Aktivitäten verursachen, wobei learning-by-doing oder verstärkte F&E-Investitionen im Rahmen endogener Wachstumsmodelle Wachstumseffekte implizieren [vgl. Aghion und Howitt (1998) S. 236 f.; vgl. Howitt (1999), S. 12].

[2] Vgl. Barro und Sali-i-Martin (1998), S. XII.

[3] Insbesondere sei die Einbeziehung von steigenden Skalenerträgen, learning-by-doing, Humankapital, F&E-Aktivitäten und Externalitäten erwähnt [vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. XXI].

[4] Der Begriff neue Wachstumstheorie ist mißverständlich, da es sich eher um eine Weiterentwicklung der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie handelt (siehe Anhang Abb. 9), da grundlegende Konzepte wie z.B. die Schumpeterische Theorie (1934) des technischen Fortschritts oder das Arrowsche Konzept (1962) des learning-by-doing in der endogenen Wachstumstheorie von zentraler Bedeutung sind [ vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 175; vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 11; vgl. Bretschger (1996), S. 90; vgl. Maurer (1998), S. 35; vgl. Barro (1998a), S. 5].

[5] Vgl. Frenkel und Trauth (1997), S. 202; vgl. Frenkel und Hemmer (1998), S. 265.

[6] Die Zölle für industrielle Güter wurden auf nahezu durchschnittlich 4 % (Stand: 1.1.1999) gesenkt, wobei die Zölle vor dem GATT (1947) durchschnittlich ca. 35 % betrugen [vgl. WTO (1999), S. 8; vgl. Freund (2000), S. 359].

[7] Vgl. Frenkel und Trauth (1996), S. 202.

[8] Als PKE sei im folgenden das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung angenommen, wobei die Verwendung des BIP pro Arbeiter (= Arbeitsproduktivität) in der Wachstumstheorie üblich ist. Das BIP pro Kopf ist nicht zwangsläufig eine gute Näherung für die Arbeitsproduktivität [vgl. Temple (1999), S. 118].

[9] Zu den teilnehmenden Staaten der jeweiligen regionalen Handelsabkommen: Vgl. WTO (1999), S. 65.

[10] Bereits hier sei darauf hingewiesen, daß es im Rahmen der Modellstrukturen der endogenen Wachstumsmodelle möglich ist, daß ungleiche Volkswirtschaften unterschiedlich stark profitieren oder sogar ein Land verliert. Ein wichtiger Erklärungsansatz hierfür sind nationale und internationale Spillovers (= externe Effekte auf makroökonomischer Ebene) [vgl. Frenkel und Trauth (1996), S. 224; vgl. Aghion und Howitt (1998), S. 395; Grossman und Helpman (1991b), S. 257]. Regionale Integration impliziert u.U., daß gegenüber Drittländern diskriminiert wird, d.h. das sich die Integrationsmaßnahmen nur auf die teilnehmenden Staaten beziehen [vgl. Ethier (1997), S. 740; vgl. Walz (1997a), S. 317]. Im Rahmen des GATT-Vertrages werden regionale Präferenzräume von der Anwendung des Meistbegünstigungprizip (Artikel XXIV) ausgenommen. Bei den folgenden Ausführungen sollte also beachtet werden, daß sich die angeführten Ergebnisse der wirtschaftlichen Integration zunächst auf die teilnehmenden Staaten des Integrationsakommens beziehen. Zu den Ausnahmeregelungen des GATT-Vertrages bzgl. des Meitsbegüngstigungsprinzips: Vgl. Schanz und Hauser (1995), S. 34f.; vgl. Chroome (1998), S. 31.

[11] Vgl. Frankel (2000), S. 2.

[12] Der Handel mit Kapitalgütern beträgt mehr als 1/3 des Welthandelsvolumens [vgl. Maurer (1998), S. 117].

[13] Vgl. Rivera-Batiz und Romer (1991a), S. 533.

[14] Aghion und Howitt (1998), S. 368.

[15] Vgl. Martin und Ottaviano (1999), S. 281.

[16] Vgl. Baldwin und Forslid (1998), S.701.

[17] Krugman und Venables (1996), S. 959.

[18] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 479.

[19] Vgl. Sinn (2000), S. 15.

[20] Vgl. Rivera-Batiz und Romer (1991a), S. 533; vgl. Barro (1998a), S. 49; vgl. Aron (2000), S. 99; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 307; vgl. Jones (2000a), S. 38; vgl. Sachs und Warner (1995a), S. 5; vgl. Trauth (1997), S. 205.

[21] Zu den Wachstumsraten der Einkommen der asiatischen Schwellenlänger: Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 486.

[22] Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 307.

[23] Vgl. Durlauf und Quah (1998), S. 2.

[24] Dieser statische Wohlfahrtseffekt läßt sich in einen Handels- und Spezialisierungsgewinn aufteilen [vgl. Rose und Sauernheimer (1995), S. 508-511].

[25] Es konnten bisher keine eindeutigen empirischen Ergebnisse gefunden werden, die die Heckscher-Ohlin-Hypothese widerlegen [vgl. Rose und Sauernheimer (1995), S. 550].

[26] Vgl. Rose und Sauernheimer (1995), S. 383.

[27] Vgl. Ethier (1997), S. 62.

[28] Vgl. Krugman (1990), S. 38. Dennoch besitzt die Heckscher-Ohlin- bzw. Ricardo-Hypothese Erklärungskraft, besonders bei Integrationen zwischen ungleichen Volkswirtschaften. Demnach würden Unternehmen der EU bei einer zunehmenden Integration mit den MOEL die Güter exportieren, bei welchen sie einen Produktivitätsvorteil besitzen. Begründet werden diese Produktivitätsvorteile vor allem mit dem Argument, daß Unternehmen der EU aufgrund von Erfindungen oder importierten effizienzsteigernden Verfahren (Verfahrensinnovationen) die Möglichkeit haben, die Absatzpreise ihrer Produkte vergleichsweise niedrig zu halten [vgl. Stupp (1998), S. 100]. Der überproportionale Importanstieg bei den MOEL bestätigt diese Vermutung (siehe Anhang Tabelle 19). Auf der Grundlage des Faktorproportionentheorems lassen sich ebenfalls interessante Erkenntnisse gewinnen. Danach hätten die MOEL, vor allem bei arbeits- und energieintensiven Produkten, Vorteile, während Länder der EU komparative Vorteile bei der Produktion von sach- und humankapitalintensiven Produkten hätten, wobei eine Spezialisierung der MOEL, auf Textilien, Kleidung und Möbel, zu erwarten wäre [vgl. Eickhof (1997), S. 15]. Zu einer ausführlichen Analyse der komparativen Vorteile in den MOEL: Vgl. Weise et. all (1997), S. 85-102.

[29] Insbesondere der intraindustrielle Handel kann nicht von der Theorie der komparativen Vorteile erklärt werden, weil komparative Vorteile mit differierenden Faktorproportionen verbunden sind, d.h. mit interindustriellem Handel [vgl. Maurer (1998), S. 9].

[30] Es werden intern in der Unternehmung (Durchschnittskosten abhängig von der Unternehmensgröße) anfallende und extern in der Unternehmung (Durchschnittskosten abhängig von der Industriegröße) anfallende Skalenerträge unterschieden. Des weiteren werden nationale (Durchschnittskosten abhängig von nationalen Industrie) und internationale (Durchschnittskosten abhängig von weltweiten Industriegröße) Skalenerträge unterschieden. Zur Theorie der steigenden Skalenerträge als eine Alternative zum komparativen Vorteil: Vgl. Ethier (1997), S. 62-73; vgl. Rose und Sauernheimer (1995), S. 535-548; vgl. Krugman (1990), S. 63-89.

[31] Krugman (1990), S. 63.

[32] Folglich liegt auf Industrieniveau keine Spezialisierung vor.

[33] Vgl. Krugman (1990), S. 38, vgl. Rose und Sauerheimer (1995), S. 547.

[34] Die Verbindung von steigenden Skalenerträgen im Ansatz von Krugman (1979) und der Wunsch nach Produktdifferenzierungen seitens der Nachfrager (Linder-Hypothese) erklären, warum Handel bei identischen Produkten und Nachfragebedingungen zustande kommt [vgl. Rose und Sauerheimer (1995), S. 547].

[35] Vgl. Krugman (1990), S. 51.

[36] Dies impliziert auch eine Modifikation der Annahme der vollständigen Konkurrenz, da steigende Skalenerträge (intern in der Unternehmung) eine Ausdehnung der Produktion nach sich ziehen und der Marktpreis somit beeinflußbar wäre. Es käme also zu monopolistischen Verzerrungen [vgl. Rose und Sauerheimer (1995), S. 547].

[37] Vgl. Rose und Sauernheimer (1995), S. 547; vgl. Trauth (1997), S. 2; vgl. Maurer (1998), S. 8. Zu Einer ausführlichen graphischen und algebraische Ableitung einer Nutzen stiftenden Einführung von differenzierten Güter: Vgl. Maurer (1997), S. 9-16. Die Grundidee des Love-for-variety-Konzeptes wurde erstmals von Dixit und Stiglitz (1977) entwickelt und von Ethier (1982) auf die Produktionsseite übertragen.

[38] Vgl. Trauth (1997), S. 2.

[39] Vgl. Trauth (1997), S. 2; vgl. Maurer (1997), S. 13.

[40] Im Gegensatz zur neoklassischen Wachstumstheorie wurde in der postkeynesianischen Wachstumstheorie und deren Hauptvertreter Harrod und Domar, wirtschaftliches Wachstum in Abhängigkeit von der Nachfrageentwicklung angenommen. Zu einer ausführlichen Darstellung der postkeynesianischen Wachstumstheorie: Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 9 ff.

[41] Vgl. Durth (2000a), S. 1539; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 33.

[42] Üblicherweise wird der Stand des technischen Wissens durch den Parameter A ausgedrückt, so daß Y = A × Ka × Lb gilt. Da A zunächst als konstant angenommen wird, also kein technologischer Fortschritt stattfindet, wird dieser Parameter im folgenden nicht berücksichtigt. Insbesondere können unter A auch sozio-kulturelle und institutionelle Rahmenbedingungen zusammengefaßt werden.

[43] Es gilt: f ‘(k) > 0; f ¢¢ (k) < 0; f ‘(k) = ¥ ; f ‘(k) = 0 [vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 31].

[44] Im folgenden werden Arbeit, Bevölkerungsmenge und Anzahl der Erwerbstätigen gleichgesetzt. Es gilt PKE = Arbeitsproduktivität.

[45] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 20; vgl. Durth (2000a), S. 1539; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 34.

[46] Vgl. Durth (2000a), S. 1538; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 53.

[47] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 21.

[48] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 21; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 53.

[49] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 21.

[50] Zu einer ausführlichen Darstellung der Wirkung des Preismechanismus im elementaren neoklassischen Wachstumsmodell: Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 46-48.

[51] Da die Veränderung der Spar- bzw. Investitionsquote ein Vielzahl von Gleichgewichten impliziert, stellt sich die Frage, welche Sparquote, unter der Bedingung der Konsummaximierung, zu realisieren ist. Die Sparquote, welche diese Bedingung erfüllt wird als sgold bezeichnet. Man spricht somit von der „Goldenen Regel der Kapitalakkumulation“, die zunächst bei einer Zeitpräferenzrate von null abgeleitet wurde [vgl. Phelps (1961), S. 642]. Zur einer ausführlichen Ableitung von sgold: Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 65-73; vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 23-26. Weiterhin läßt sich die bis hierher exogene Sparquote im Rahmen einer intertemporalen Nutzenfunktion endogenisieren, im sogenannten Solow-Ramsey-Modell: Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 68 – 82; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 73-107; vgl. Aghion und Howitt (1998), S. 17-21].

[52] Nach Harrod (1942). Neutrale technische Fortschritte bedeuten, daß sich die funktionale Einkommensverteilung nicht ändert [vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 136]. Zu einer Einführung des technischen Fortschrittes in das elementare neoklassische Wachstumsmodell: Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 38-43; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 109-137; vgl. Heubes (1999), S. 301-304.

[53] Die gleichgewichtige Kapitalintensität bzw. Arbeitsproduktivität verändert sich bei technischem Fortschritt zu: k* =[s/(n+d+xH)]1/(1-a) bzw. y* = [s/(n+d+xH)]a/(1-a) [vgl. Mankiw, Romer und Weil (1992), S. 410]. Technischer Fortschritt sei im folgenden definiert als die fortwährende Verbesserung der Methoden der Produktion und der Arten und Qualitäten der produzierten Güter [vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 247].

[54] Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 166.

[55] Vgl. Maurer (1998), S. 30.

[56] Im Rahmen des Solow-Ramsey-Modells wird deutlich, daß sich diese Beschleunigung des Anpassungswachstum nur mit eine Verringerung des Steadty-state-Niveaus des Pro-Kopf-Konsums erreichen läßt [vgl. Maurer (1998), S. 30].

[57] Das internationale Gleichgewicht würde sich zwischen yEL und yIL bzw. kEL und kIL einstellen

[58] Zu einer ausführliche Darstellung des Solow-Ramsey-Modells in offenen Volkwirtschaft: Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 111-148; vgl. Maurer (1998), S. 16-34.

[59] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 6.

[60] Vgl. Kaldor (1961, 1957) zietiert nach Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 6; Frenkel und Hemmer (1999), S. 140; Bretschger (1996), S. 4; Trauth (1997), S. 7.

[61] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 6.

[62] Nach Harrod (1942).

[63] Neben dem Konzept der ß-Konvergenz gibt es ein zweites Konzept, die s-Konvergenz. Nach diesem Konzept tritt Konvergenz ein, wenn die Streuung der über die Standardabweichung gemessenen Arbeitsproduktivität oder Pro-Kopf-Einkommen innerhalb von Ländern oder Regionen über die Zeit abnimmt [vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 444]. Es gilt: s t+T < s t , wobei s t die Standardabweichung von log (yi,t) ist[vgl. Sala-i-Martin (1996b), S. 1020]. Die s-Konvergenz und die absolute ß-Konvergenz stehen dahingend in einer Beziehung, daß das schnellere Arbeitsproduktivitäts- oder Pro-Kopf-Wachstums ärmerer Volkswirtschaften tendenziell eine s-Konvergenz erzeugt [vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 444]. Da absolute ß-Konvergenz nicht beobachtet werden konnte, konnte auch keine s-Konvergenz empirisch ermittelt werden [vgl. Sala-i-Martin (1996b), S. 1034].

[64] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 31; vgl. Sala-i-Martin (1996b), S. 1020.

[65] Nur dann wird das ärmere Land eine höhere Wachstumsrate als das reichere Land realisieren können. Existieren dagegen unterschiedliche Steady-States läßt sich keine Tendenz einer Konvergenz finden [vgl. Aghion und Howitt (1998), S. 17].

[66] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 34

[67] Für die Überprüfung der Konvergenz wird häufig folgende Regressionsgleichung verwendet: log (yi, t+T/yi, t)/T = a - b log (yi,t) + g Xi,t + ei, t , wobei X ein Vektor ist, der Variablen enthält, die eine Näherung des Steady-State approximieren (z.B. s und n) sollten. Bedingte Konvergenz liegt vor, wenn b signifikant positiv von Null verschieden ist und der X-Vektor konstant gehalten wurde [vgl. Aghion und Howitt (1998), S. 17; vgl. Sala-i-Martin (1996b), S. 1027].

[68] Vgl. Jones (1997), S. 4. Besonders für Entwicklungsländer ist die Ermittlung des BIP pro Arbeiter, aufgrund fehlender Daten, schwierig. Weiterhin läßt sich das BIP, welches in Entwicklungsländern in nicht unerheblichen Ausmaß im Subsistenzbereich erstellt worden wird, kaum erfassen. Damit würde das angegebene BIP für Entwicklungsländer systematisch unterschätzt werden [vgl. Temple (1999), S. 118, vgl. Hemmer (200X), Kap. E, S. 76].

[69] Vgl. Temple (1999), S. 117, vgl. Durlauf und Quah (1998), S. 4, vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 165; vgl. Mankiw, Romer und Weil (1992), S. 425; vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 32.

[70] Vgl. Quah (1996), S. 1354; vgl. Sala-i-Martin (1996a), S. 1349; vgl. Sala-i-Martin (1996b), S. 1034; vgl. Temple (1999), S. 116.

[71] Beispielsweise die US-Staaten, japanische Präfekturen oder europäische Regionen [vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 448 – 480].

[72] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 480; vgl. Sala-i-Martin (1996b), S. 1034.

[73] Yo . e-0,02t = 0,5.Y0 , umgestellt nach t = (ln0,5)/-0,02 = 34,66.

[74] Vgl. Barro und Sala-i-Martin (1998), S. 44; vgl. Mankiw, Romer und Weil (1992), S. 433. Unterstellt wird zudem eine empirisch ermittelte partielle Produktionselastizität des physischen Kapitals von 1/3 [vgl. Barro und

Sala-i-Martin (1998), S. 44]. Die Erweiterung des elementaren neoklassischen Modells um die Humankapitalkomponente kann dagegen Konvergenzraten generieren, welche mit den empirisch beobachtbaren übereinstimmen [vgl. Mankiw, Romer und Weil (1992), S. 433].

[75] Zur Ableitung dieses Ergebnisses: Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 168-170.

[76] Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 149.

[77] Vgl. De Melo, (1997), S. 2; vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 158. Die Tatsache, daß sich die Kapitalbewegungen nur für ausgewählte Ländergruppen anhand der elementaren neoklassischen Wachstumstheorie erklären lassen, hängt insbesondere damit zusammen, daß der Effizienzparameter A (= technisches Wissen, sozi-kulturelle, politische und institutionelle Rahmenbedingungen) für alle Länder als konstant angenommen wird [vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 158]. Diese Annahme scheint jedoch offensichtlich in der Realität nicht zuzutreffen. Allerdings wird von den Befürwortern der neoklassischen Wachstumstheorie nicht zu unrecht angemerkt, daß es keinen Sinn macht Länder wie bspw. Zaire und die USA, mit stark differierendem A, zu vergleichen. Innerhalb von Ländergruppen mit annährend vergleichbarem A, die sogenannten Konvergenzclubs, besitzt die (elementare) neoklassische Wachstumstheorie nach wie vor Erklärungskraft.

[78] Vgl. Frenkel und Hemmer (1999), S. 266; vgl. Harrison (1995), S. 1; vgl. Jones (2000b), S. 1; vgl. Temple (1999), S. 143.

[79] Es besteht die Gefahr, daß bei der Auswahl der Variablen Adäquationsfehler gemacht werden, daß zudem Fehler bei der Erhebung und Aufbereitung (= Nichtstichprobenfehler) von Daten entstehen und Fehler gemacht werden die daraus resultieren, daß man nur Zufallstichproben und keine Totalerbebungen zugrundelegt (= Stichprobenzufallsfehler) [vgl. Schaich und Brachinger (1990), S. 12].

[80] Vgl. Harrison (1995), S. 21; vgl. Jones (2000b), S. 1.

[81] Dies wird häufig unter dem Begriff “Robustheit“ überprüft, wobei diese dann vorliegt, wenn bei Modellabweichungen (z.B. veränderte Variabelenspezifikation) das Modell nach wie vor im Kern zuverlässig arbeitet [vgl. Eckey, Kostfeld und Dreger (1995), S.222]. Außerdem besteht die Möglichkeit, daß keine statistische Signifikanz vorliegt, aber der Einfluß der exogenen Variable auf die endogene Variable trotzdem ökonomisch bedeutend ist.

[82] Multikollinarität führt zu hohen Varianzen der geschätzten Regressionskoeffizienten, wobei somit die Einschätzung des Einflusses (= Signifikanz) dieser exogenen Variable immer unsicherer wird [vgl. Eckey, Kostfeld und Dreger (1995), S. 87; vgl. Rinne (1976), S. 100].

[83] Weitere Näherungsvariable für Außenhandelsorientierung: Importe/BIP, Importe+Exporte/BIP, Schwarzmarkt-wechselkurspremium und verschiede Offenheitsindikatoren (kombiniert aus verschiedenen Offenheitsvariablen) und Indizes internationaler Organisationen (z.B. World Bank Index of Outward Orientation, World Development Reports Index of Trade Distorsions) [vgl. Harrison (1995), S. 2-6; vgl. Edwards (1992), S. 50 f.].

[84] Vgl. Frankel und Romer (1999), S. 379; vgl. Harrison (1995), S. 23.

[85] Ein weiteres Problem resultiert daraus, daß die Länder in den meisten Studien nicht sektoral disaggregiert werden, obwohl empirische Analysen gezeigt haben, daß rohstoffreiche Länder tendenziell langsamer wachsen als rohstoffarme Länder (sog. Holländische Krankeit bzw. Dutch-Disease) [vgl. Rodriguez und Sachs (1999), S. 277, vgl. Sachs und Warner (1995c), S. 2]. Insbesondere zeigt sich, daß ein hoher Anteil von Exporten aus dem primären Sektor zu geringeren Wachstumsraten des BIP führt [vgl. Sachs und Warner (1995c), S. 21]. Erklärt wird dieses Phänomen unteranderem mit der Vermutung, daß sich eine Volkwirtschaft, die Rohstoffe endeckt, aus wettbewerbsfähigen Industrigütersektoren zurückzieht und alle Ressourcen in den primären Sektor verlagert, obwohl der Industriegütersektor Externalitäten, welche für den Wachstumsprozeß bedeutend sind, generiert [vgl. Rodriguez und Sachs (1999), S. 277].

[86] Harrison (1995), S. 6.

[87] Dollar (1991) verwendet weiterhin die Varianz bzw. Variationskoeffizient des realen Wechselkurses um Außenhandelsorientierung zu messen (höhere Varianz bedeutet hier geringere Außenhandelsorientierung) [vgl. Dollar (1991), S. 524]. Dieser Ansatz ist jedoch äußerst problematisch, da es keinen direkten Zusammenhang zwischen Schwankungen des realen Wechselkurses und Außenhandelsorientierung gibt [vgl. Rodriguez und Rodrik (2000), S. 21].

[88] Es ist anzunehmen, daß Güterströme nur sehr träge auf internationale Preisdifferenzen reagieren, weshalb der Kaufkraftparität eine bestenfalls langfristige Bedeutung zukommen sollte [vgl. Maenning und Wilfing (1998), S. 341].

[89] Empirisch wurde eine Distanzelastizität von –0,6 ermittelt [vgl. Maennig und Wilfing (1998), S. 150].

[90] Vgl. Hemmer (200X), Kapitel L, S. 15.

[91] Vgl. Dollar (1991), S. 540.

[92] Insgesamt werden neun Produktionsfaktoren untersucht: Kapital, drei Typen von Arbeit, vier Typen von Land und Öl [vgl. Leamer (1988), S. 179]. Insgesamt werden 183 verschiedene Güter für 53 Länder berücksichtigt [vgl. Leamer (1988), S. 180f.].

[93] Üblicherweise gemessen durch (Importe+Exporte) / BSP.

[94] Vgl. Leamer (1988), S. 150.

[95] Vgl. Edwards (1992), S. 40. Die konstruierten Indikatoren besitzen drei zentrale Vorteile: Zum einen wurden Sie aus einem theoretischen Modell abgeleitet, welches die komparativen Kostenvorteile von Ländern mißt. Zweitens wird die Außenhandelsorientierung nicht nominal, anhand eines Openness-Indikator (null/eins-Dummy) gemessen, sondern ordinal, wobei unterschiedliche Offenheitsgrade berücksichtigt werden können. Derartige Indikatoren sind objektiv und nicht an die Definition verschiedener Offenheitsmerkmale gebunden [vgl. Edwards (1992), S. 409.

[96] Vgl. Edwards (1992), S. 38.

[97] Für die beiden Interventionsindikatoren ergibt sich folgendes Ergebnis (siehe auch Anhang Tab. 17): Die Koeffizienten des ersten Indikators sind, bis auf eine Modellspezifikation, signifikant negativ von Null verschieden, während der zweite Interventionsindikator überwiegend nicht statistisch signifikante Koeffizienten hat, weswegen die H0-Hypothese (a3 = 0) nicht verworfen werden kann.

[98] Vgl. Sachs und Warner (1995b), S. 22. Eine kritische Analyse der gewählten Kriterien gibt: Vgl. Rodriguez und Rodrick (2000), S. 25-36. Insbesondere zeigt sich, daß die hauptsächliche statistische Erklärungskraft zwischen Offenheit und PKE-Wachstum vom Schwarzmarktwechselkurspremium, kombiniert mit dem Staatmonopolindex, ausgeht [vgl. Rodriguez und Rodrick (2000), S. 24].

[99] Die Wahl dieses Kriteriums ist problematisch, weil sich in der Grundgesamtheit des untersuchten Sample mehrere afrikanische Länder befinden, die zum sogenannten CFA-Franc gehören. So betrieben Dahome (Benin), Obervolata (Burkina Faso), Elfenbeinküste, Mali, Mauretanien, Niger, Togo, Senegal, Gabun, Kamerun, Kongo, Tschad und die zentralafrikanische Republik bis 1994 de facto keine eigene Währungspolitik.

[100] Dieses Kriterium basiert auf einer Studie von Husain und Frauqee (1994), die einen Index für Monopole im Exportsektor aufstellen. Insgesamt wird dieser Index nur für 29 Länder Sub-Sahare-Afrikas konstruiert, weswegen die Verwendung dieses Indikators kritisiert werden kann, auch wenn Sachs und Warner darauf hinweisen, daß Ihrer Meinung nach kein anderes Land, welches als offen gilt, anhand dieses Indexes disqualifiziert werden würde [vgl. Sachs und Warner (1995a), S. 11].

[101] Besonders problematisch ist diese Tatsache deshalb, da man u.U. durch die Veränderungen der Grenzwerte und damit einer veränderten Teilmenge der Grundgesamtheit der offenen bzw. geschlossenen Länder, ein gewünschtes Ergebnis erhält (= Data Mining).

[102] PKE1970 auf Basis der Kaufkraftparität > 4000 US $.

[103] PKE1970 auf Basis der Kaufkraftparität < 4000 US $.

[104] Vgl. Sachs und Warner (1995b), S. 35 f.

[105] Folgende Kriterien: 1. Extremes Fehlen von zivilen und politischen Rechten, in Anlehnung an den Freedom-House-index von McMillan et al. (1994). 2. Extreme inländische Unruhen, verursacht beispielsweise durch Revolutionen, Putsch oder Krieg. 3. Eine sozialistische organisierte Volkswirtschaft vorliegt, basierend auf Kornai (1993). Trifft eines der Kriterien zu, so sind die Property-Rights-Kriterien nicht erfüllt, so daß das Land den Wert eins erhält [vgl. Sachs und Warner (1995a), S. 9].

[106] Haiti, Thailand

[107] Vgl. Hemmer (200X), Kap.E, S. 77.

[108] Vgl. Harrison (1995), S. 15; vgl. Jin (2000), S.7.

[109] Die Wahl diese Indikators (Import/BIP-Verhältnis), und somit die Nichtberücksichtigung von Exporten, resultiert aus der Beobachtung heraus, daß ein Land wie z.B. Japan ein großes Exportvolumen aufweisen kann, obwohl es eher als protektionistisch zu kategorisieren wäre. Dagegen wird Hongkong als außenhandelsorientiert betrachtet, obwohl der Anteil der Exporte am BIP, relativ zu anderen außenhandelsorientierten Ländern, gering ist [vgl. Jin (2000), S.8]. Weiterhin kommen empirische Untersuchungen für Japan, Korea und die USA zu dem Ergebnis, daß Importe, besonders durch den Rückgriff auf ausländische Technologien und einer Erhöhung der Wettbewerbsintensität, technischen Fortschritt (= TFP-Wachstum) stimulieren, während die Export-led-Growth-Hypothese nicht belegt werden konnte [vgl. Lawrence und Weinstein (1999), S. 22]. Eine allgemeingültige Ausschließung der Exporte, als eine Facette einer zunehmenden Außenhandelsorientierung bzw. Integration, scheint indes nicht ratsam. So spielen beispielsweise im Rahmen der EU-Osterweiterung statistische Skalenerträge dynamische Skalenerträge eine zentrale Rolle für die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft, wobei Skalenerträge auch besonders im F&E-Bereich zu realisieren sein sollten (höhere Ausbringungsmengen erlauben den Einsatz neuer und innovativer Verfahren). Zudem spielen im Rahmen der endogenen Wachstumstheorie dynamisch komparativen Vorteile eine Rolle. Einen hervorragenden empirischen Überblick zur Export-led-Growth-Hypothese geben Giles und Williams (2000), S. 261-337.

[110] Vgl. Jin (2000), S. 6.

[111] Korea, Japan, Philippinen, Thailand, Malaysia und Singapore

[112] Vgl. Jin (2000), S. 13.

[113] Jin (2000), S. 15.

[114] Bei der Bildung von Panels wird der Gesamtzeitraum in mehrere einzelne Perioden aufgeteilt.

[115] Vgl. Harrison (1995), S. 16-18.

Details

Seiten
140
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832444990
ISBN (Buch)
9783838644998
Dateigröße
848 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220100
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
außenhandel eu-osterweiterung integration konvergenz wachstumstheorie

Autor

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Titel: Die wirtschaftliche Integration aus dynamischer Sicht