Lade Inhalt...

Kosten-Nutzen-Aspekte in der betrieblichen Sozialarbeit

Diplomarbeit 2000 101 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

I. KAPITEL
1 Kosten-Nutzen-Erwägungen
2 Die Stanford-Formel
2.1 Die Stanford Formel in der Praxis
3 Das Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren in der betrieblichen Sozialberatung
3.1 Zur Kostenaufstellung der betrieblichen Sozialberatung
3.2 Erläuterungen zum quantifizierbaren Nutzen der Sozialberatung
3.2.1 Erfolgszahl
3.2.2 Berechnung der Arbeits- Ausfallzeiten
3.2.3 Die Parameter Anwesenheit und Leistung
3.2.4 Opportunitätskosten

II. KAPITEL
1 Kosten-Nutzen-Berechnung nach dem statischen Verfahren am Beispiel einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens
1.1 Die Ermittlung der Parameter durch die Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens Erster Teil der Kosten-Nutzen-Berechnung des I-Tech-Unternehmens
1 Grunddaten der Organisationseinheit Sozialberatung
2 Kosten
2.1 Kostenstelle Sozialberatung
2.2 Kostenstellennachweis der Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens
3 Nutzen
3.1 Nutzen der Klassischen Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens
3.1.1 Grunddaten der Sozialberatung
3.1.2 Unterscheidung der Tätigkeitsbereiche
3.1.3 Klassische Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens
3.1.4 Quantifizierbarer Nutzen nach erfolgreicher Beratung/Behandlung
3.1.5 Berechnung
3.1.6 Berechnung der Arbeits,- Ausfallzeiten der Kunden durch die Inanspruchnahme der Sozialberatung
3.1.7 Nutzen der Klassischen Sozialberatung
3.2 Nutzen Organisations- und Personalentwicklung (OE/PE)
3.2.1 Grundangaben
3.2.2 Aktivitäten im Bereich OE/PE
3.2.3 Anzahl der Tage und Stunden
3.2.4 Berechnung der Opportunitätskosten
3.2.5 Berechnung
4 Ergebnisdaten der Kosten-Nutzen-Berechnung
4.1 Gesamtkosten
4.2 Gesamtnutzen
4.3 Gewinn der Sozialberatung
Zweiter Teil der Kosten-Nutzen-Berechnung des I-Tech-Unternehmens
1 Grunddaten der Organistaionseinheit Sozialberatung
2 Kosten
2.1 Kostenstelle Sozialberatung
2.2 Kostenstellennachweis einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens
3 Nutzen
3.1 Nutzen Klassische Sozialberatung
3.1.1 Grunddaten der Sozialberatung
3.1.2 Unterscheidung der Tätigkeitsbereiche
3.1.3 Klassische Sozialberatung
3.1.4 Quantifizierbarer Nutzen nach erfolgreicher Beratung/Behandlung
3.1.5 Berechnung
3.1.6 Berechnung der Arbeits,- Ausfallzeiten der Kunden durch die Inanspruchnahme der Sozialberatung
3.1.7 Nutzen der Klassischen Sozialberatung
3.2 Nutzen Organisations- und Personalentwicklung (OE/PE)
3.2.1 Grundangaben
3.2.2 Aktivitäten im Bereich OE/PE
3.2.3 Anzahl der Tage und Stunden
3.2.4 Berechnung der Opportunitätskosten
3.2.5 Berechnung
4 Ergebnisdaten der Kosten-Nutzen-Berechnung
4.1 Gesamtkosten
4.2 Gesamtnutzen
4.3 Gewinn der Sozialberatung

III. KAPITEL
1 Kosten-Nutzen-Berechnung nach dem statischen Verfahren der Sozial-beratung des Rei-Tra-Unternehmens
1.1 Inhaltliche Unterschiede der Kosten-Nutzen-Berechnung der Sozial beratungen des I-Tech-Unternehmens und des Rei-Tra-Unternehmens
1.2 Die betriebliche Sozialberatung des Rei-Tra-Unternehmens
1.2.1 Einbindung der Sozialberatung in das Unternehmen
1.2.2 Personelle Ausstattung der Sozialberatung
1.2.3 Angebot und Aufgaben der Sozialberatung
1.3 Erläuterungen und Definitionen
1.3.1 Begrenzung der Quantifizierung des Nutzen der Einzelfallberatung
1.3.2 Die Übertragung der prozentualen Parameterzahlen
1.3.3 Erfolgszahl
1.3.4 Erfolgreiche Beratung
1.3.5 Durchschnittliche Beratungsstunden
1.3.6 Opportunitätskosten
1.3.7 Tageshonorar
1.3.8 Stundensatzberechnung Erster Teil der Berechnung des Rei-Tra-Unternehmens
1 Grunddaten der Organisationseinheit Sozialberatung
2 Kosten
2.1 Kostenstelle Sozialberatung
2.2 Kostenstellennachweis
2.3 Stundensatzermittlung
3 Nutzen
3.1 Nutzen der Einzelfallberatung
3.1.1 Grunddaten der Sozialberatung
3.1.2 Unterscheidung der Tätigkeitsbereiche
3.1.3 Einzelfallberatung
3.1.4 Quantifizierbarer Nutzen nach erfolgreicher Beratung
3.1.5 Berechnung
3.1.6 Berechnung der Arbeits,- Ausfallzeiten der Klienten durch die Inanspruchnahme der Sozialberatung
3.1.7 Nutzen der Einzelfallberatung
3.2 Nutzen durch Präventionsveranstaltungen
3.2.1 Grundangaben
3.2.2 Einsatzbereiche der Präventionsveranstaltungen
3.2.3 Anzahl der Tage und Stunden
3.2.4 Berechnung der Opportunitätskosten
3.2.5 Berechnung
4 Ergebnisdaten der Kosten-Nutzen-Berechnung
4.1 Gesamtkosten
4.2 Gesamtnutzen
4.3 Gewinn der Sozialberatung
Zweiter Teil der Berechnung des Rei-Tra-Unternehmens
1 Grunddaten der Organisationseinheit Sozialberatung
2 Kosten
2.1 Kostenstelle Sozialberatung
2.2 Kostenstellennachweis Sozialberatung des Rei-Tra-Unternehmens
2.3 Stundensatzermittlung
3 Nutzen
3.1 Nutzen der Einzelfallberatung
3.1.1 Grunddaten der Sozialberatung
3.1.2 Unterscheidung der Tätigkeitsbereiche
3.1.3 Einzelfallberatung
3.1.4 Quantifizierbarer Nutzen nach erfolgreicher Beratung/Behandlung
3.1.5 Berechnung
3.1.6 Berechnung der Arbeits,- Ausfallzeiten der Klienten durch die Inanspruchnahme der Sozialberatung
3.1.7 Nutzen der Einzelfallberatung
3.2 Nutzen durch Präventionsveranstaltungen
3.2.1 Grundangaben
3.2.2 Einsatzbereiche der Präventionsveranstaltungen
3.2.3 Anzahl der Tage und Stunden
3.2.4 Berechnung der Opportunitätskosten
3.2.5 Berechnung
4 Ergebnisdaten der Kosten-Nutzen-Berechnung
4.1 Gesamtkosten
4.2 Gesamtnutzen
4.3 Gewinn der Sozialberatung

IV. KAPITEL
1 Zum Ergebnis der Kosten-Nutzen-Berechnung
2 Zur Notwendigkeit der vorgestellten Berechnung
3 Persönliches Resümee

Anhang

1 Definitionen von Sachbegriffen

2 Literaturverzeichnis

3 Erklärung

Vorwort

Während meines Praktikumsemesters, das ich bei der Leiterin für Sozialarbeit eines deutschen Reise- und Transportunternehmens absolvierte, hatte ich die Möglichkeit, einen umfangreichen Einblick in die Koordination der betrieblichen Sozialberatung zu bekommen.

Die Schwerpunktthemen meines Praktikums lagen vor allem in den Bereichen: Einsatz der Sozialarbeiterinnen, Erfassung und Dokumentation der Statistik, Leistungsnachweis der Sozialberatung und Hospitation bei einem Standort der Sozialberatung des Reise- und Transportunternehmens.

Die betriebliche Sozialberatung des Reise- und Transportunternehmens stellt einen Teil des internen Servicedienstleisters dar, der neben der umfassenden Betreuung der Mitarbeiter (gesundheitlich, psychisch und sozial) in der unternehmerischen Pflicht steht, kostendeckend zu sein, bzw. darüber hinaus einen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu leisten.

Im Rahmen der Dienstleistungen der Sozialberatung werden Leistungsvereinbarungen mit den jeweiligen Kunden (Unternehmensbereiche des Rei-Tra-Unternehmens, Tochtergesellschaften sowie Externe) abgeschlossen. Hinsichtlich der dabei notwendigen Kundenorientierung werden von Seiten der Leiterin seit Bestehen der betrieblichen Sozialberatung innerhalb des internen Servicedienstleisters (Oktober 1998) umfangreiche Leistungsnachweise ausgewertet, die von den einzelnen Sozialarbeiterinnen erfaßt werden.

Ziel dabei ist, der Geschäftsleitung sowie den Kunden, die Dienste der Sozialberatung hinsichtlich ihres Nutzens darzustellen.

Bei meinem Praktikum konnte ich die bisherigen Berechnungen der Sozialberatung des Reise- und Transportunternehmens kennenlernen.

Aufgrund fehlender Daten und Berechnungsmethoden wurde dabei auf be- triebsinterne Studien und die allgemein bekannten Untersuchungsergebnisse und Berechnungsmöglichkeiten (Stanford Formel, unveröffentlichte Studie Mercedes-Benz, etc.) zurückgegriffen.

Demzufolge habe ich den Bedarf nach einer Kosten-Nutzen-Berechnung (der betrieblichen Sozialberatung), welche nicht auf veralteten Untersuchungsergebnissen und Übertragungen basiert, erfahren können.

Das Projektpraktikum wie auch der weitere fachliche Austausch mit meiner damaligen Anleiterin unterstützen mein Interesse für dieses Thema und somit auch meine Entscheidung, über Kosten-Nutzen-Aspekte in der betrieblichen Sozialarbeit die vorliegende Diplomarbeit zu schreiben.

Einleitung

Es wird davon ausgegangen, daß die Gesundheit der Beschäftigten, welche nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation[1] (vgl. S.88; Definitionen) auch das psychosoziale Wohlbefinden beinhaltet, Einfluß auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat.

Demnach basiert die betriebliche Sozialberatung, neben dem klassischen Führsorgeaspekt, auf einem wirtschaftlichen Hintergrund.

Die vorliegende Diplomarbeit hat Kosten-Nutzen-Aspekte der betrieblichen Sozialarbeit zum Thema.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt darin, ein Berechnungsmodell in Form einer Kosten-Nutzen-Berechnung im Bereich der betrieblichen Sozialarbeit anzuwenden. Dies wird in der Durchführung einer Kosten-Nutzen-Berechnung der betrieblichen Sozialberatung des Rei-Tra-Unternehmens umgesetzt.

Das dabei angewendete Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren wurde von Klaus Dietze (Concare Consulting) und Armin Barutzki (Konzernrevisor Merck AG) entwickelt. In Form einer Kosten-Nutzen-Berechnung läßt sich das entwickelte Berechnungsmodell auf den Sozialberatungsbereich anwenden. Das standardisierte Berechnungsmodell wurde von einem deutschen Großunternehmen, welches in der Industrie- und Technologiebranche tätig ist, für vorhandene Unternehmensbedingungen modifiziert und eine Kosten-Nutzen-Berechnung der betrieblichen Sozialberatung durchgeführt.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich im wesentlichen in vier Kapitel.

Das I.Kapitel beinhaltet Entwicklungen von Kosten-Nutzen-Erwägungen in der betrieblichen Sozialberatung sowie das Vorstellen der Stanford-Formel.

Anschließend wird das Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren inhaltlich beschrieben und anhand von Erläuterungen werden Begrifflichkeiten präzisiert, die für das Verständnis der Kosten-Nutzen-Berechnung von Bedeutung sind.

Im II.Kapitel wird am Beispiel der bereits durchgeführten Kosten-Nutzen-Berechnung einer Sozialberatung des Industrie- und Technologieunternehmens das Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren vorgestellt.

Im III.Kapitel wird die betriebliche Sozialberatung des Reise- und Transportunternehmens in ihrem Aufbau sowie ihrer Struktur und ihren Aufgabenschwerpunkten vorgestellt.

Anschließend wird basierend auf der Berechnung des Industrie- und Technologieunternehmens die Kosten-Nutzen-Berechnung der Sozialberatung des Reise- und Transportunternehmens durchgeführt.

Das abschließende IV.Kapitel beinhaltet Anmerkungen zum Ergebnis der Kosten-Nutzen-Berechnung und dessen Aussage bzw. Auslegungsmöglichkeiten.

Des weiteren werden Aspekte zur Notwendigkeit der Kosten-Nutzen-Berechnung nach dem statischen Verfahren angeführt.

Die Arbeit endet mit einem persönlichen Resümee der Autorin, in welchem abschließende Gedanken zum Thema dargelegt werden.

Zur Verständlichkeit der vorliegenden Arbeit werden im Anhang Definitionen von verwendeten Sachbegriffen angeführt.

Damit die Anonymität der in der Arbeit vorkommenden Unternehmen gewahrt wird, werden diese namentlich nicht genannt. Wegen der einfacheren Lesbarkeit, werden für die Unternehmen folgende Abkürzungen benutzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als “Muster“ für die Kosten-Nutzen-Berechnung, lag der Autorin zum einen die Tagungsdokumentation des Bundesfachverband Betriebliche Sozialarbeit e.V. (bbs) der Jahrestagung 1995 vor und zum anderen die durchgeführte Kosten-Nutzen-Berechnung einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der Arbeit sowohl die weibliche als auch männliche Form der Bezeichnung von Personen verwendet. Damit soll keine geschlechtsspezifische Rollenzuschreibung zum Ausdruck gebracht werden. Auch wenn nur eine Form verwendet wurde, sind immer beide Geschlechter gemeint.

I. KAPITEL

1 Kosten-Nutzen-Erwägungen

In Zeiten der florierenden Wirtschaft und steigender Erträge waren Leistungsnachweise einzelner Abteilungen bzw. Betriebseinheiten für das Unternehmen nicht von allzu großer Bedeutung.

Aufgrund der zahlreichen Veränderungen, denen die Unternehmen in Deutschland unterworfen waren bzw. noch sind, wie Globalisierung von Markt und Produkt, Rationalisierung und Automatisierung, rückten Themen wie Kostenverursachung, Effizenznachweis oder Rentabilitätsüberprüfung in die Mitte der Aufmerksamkeit. Dabei wurden Faktoren, die auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens Einfluß nehmen und bis dahin nicht bzw. zu wenig beachtet wurden, immer wichtiger.

Die Humanressource Mensch als die Produktivitätsquelle, gewann für das Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Dabei spielten alle Variablen, die das Arbeitsverhalten der Mitarbeiter und somit auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens beeinflussen konnten, eine große Rolle.

Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, trägt die betriebliche Sozialberatung einen wesentlichen Teil zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei, weil sie für das Humankapital zuständig ist.

Zudem lassen sich bestimmte Unternehmensziele und die Anliegen betrieblicher Sozialarbeit gleich lesen, wie beispielsweise Fehlzeitenreduzierung, Gesundheitsstatus, Arbeitszufriedenheit und Verbesserung des Arbeitsklimas. [2]

Die betriebliche Sozialberatung wurde unter diesem wirtschaftlichen Aspekt zunächst nicht gesehen und ihr Angebot im Unternehmen wurde lange Zeit als freiwillige Dienstleistung verstanden.

Je nach wirtschaftlicher Situation waren bzw. sind Unternehmen zu radikalen Kosteneinsparungen gezwungen. Wirtschaftliche Veränderungen führen im Unternehmen meist dazu, daß Abteilungen bzw. Betriebseinheiten mit ihren Leistungen zur Wirtschaftlichkeit des Unternehmens beitragen müssen und ein Effizienznachweis erwünscht bzw. erwartet wird.

Für Abteilungen eines Unternehmens, die dem produktiven Bereich angehören wie z.B. Anfertigung oder Verkauf, können ihren Leistungsnachweis durch wirtschaftliche Ergebnisse wie z.B. über Verkaufs,- oder Stückzahlen relativ einfach erbringen.

Dagegen ist es eher schwer für Abteilungen wie beispielsweise der betrieblichen Sozialberatung, ihren wirtschaftlichen Beitrag nachzuweisen bzw. darzustellen.

Demnach sind von Kosteneinsparungen eher Abteilungen betroffen, die für den Betriebsablauf nicht zwingend erforderlich sind und nicht zum produktiven Bereich des Unternehmens zählen.

Die betriebliche Sozialberatung stellt eine innerbetriebliche Dienstleistung dar, die keinen direkten Beitrag zur Wirtschaftlichkeit leistet und zunächst als seperater Kostenfaktor des Unternehmens betrachtet wird.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten für das Unternehmen ist die betriebliche Sozialberatung in ihrer Existenz und Zukunft eher gefährdet.

Aufgrund dieses wirtschaftlichen Zusammenhangs kamen im Sinne des Fortbestehens der betrieblichen Sozialberatung erste Kosten-Nutzen-Erwägungen auf.

Dabei wurde der innerbetrieblichen Alkoholproblematik zunehmend Beachtung geschenkt, weil alkoholbedingte Minderleistungen und Fehlzeiten der Mitarbeiter für das Unternehmen erhebliche Kosten darstellten.

Im Bereich der betrieblichen Sozialberatung gewannen daraufhin Kosten-Nutzen-Aspekte an Bedeutung und es wurden Überlegungen angestellt, wie ein Effizienznachweis ihrer Leistung erbracht werden konnte.

Im Vergleich zu Deutschland wurden in den USA betriebliche Alkoholpräventionsprogramme, Kontrollsysteme sowie Kostenberechnungen bereits durchgeführt und veröffentlicht.[3]

In Deutschland wurde bei ersten Kosten-Nutzen-Berechnungen auf amerikanische Studien zurückgegriffen und deren Untersuchungsergebnisse auf deutsche Betriebe übertragen.

Die amerikanische Studie des Stanford Research Institutes (SRI) scheint im deutschsprachigen Raum am bekanntesten und auch anerkanntesten zu sein.

Fast alle in Deutschland geführten Veröffentlichungen über Kostenverursach-

ung durch innerbetriebliche Alkoholprobleme, erwähnen die Studie des SRI und die daraus entwickelte Berechnungsformel.[4]

2 Die Stanford-Formel

Im Jahre 1975 veröffentlichte das SRI erstmals eine in sich geschlossene Stu­die über die Kostenverursachung durch innerbetriebliche Alkoholprobleme.

Die Veröffentlichungen amerikanischer Studien, speziell des SRI, unterstützten u.a. die Entwicklung der Kosten-Nutzen-Berechnungen im Bereich der Sucht­prävention in Deutschland.

Die im folgenden aufgeführten Ergebnisse des SRI resultieren aus einer von 1969 veröffentlichten Statistik der National Council on Alcoholism (NCA) basierend auf den Daten von 20 unterschiedlich großen US-Firmen.

Alkoholiker/innen:

- fehlen 16 x häufiger
- fehlen 2,5 x häufiger acht und mehr Tage
- erleiden 3,5 x häufiger Arbeitsunfälle
- nehmen 5 x häufiger Krankenversicherungsleistungen in Anspruch

Diese Untersuchungsergebnisse dienten den Mitarbeitern des SRI als Grundlage zur Entwicklung anschließend genannter Formel, mit der sie die jährlichen Folgekosten durch Alkoholismus im Betrieb berechneten.

Dabei wurde ein allgemeingültiger Verlustfaktor von 25% des Gehaltes angesetzt, der sich aus alkoholbedingten Fehlzeiten, Arbeitsunfähigkeitszeiten sowie Arbeitsunfällen zusammensetzt, d.h. alkoholkranke Mitarbeiter erbringen nur 75% der vergüteten Leistung.

Ebenso wurde aufgrund zuvor genannter Untersuchungsergebnisse ein durchschnittlicher Anteil von 18% exzessiver und pathologisch konsumierender Alkoholiker im Betrieb festgelegt.

Demnach lassen sich die jährlichen Kosten durch innerbetriebliche Alkoholprobleme folgendermaßen berechnen:

Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter x durchschnittliche Personalkosten pro MA im Jahr x durchschnittlichen Anteil von 18% konsumierender Alkoholiker durch die 25% Minderleistung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach dieser Berechnung würde einem Unternehmen mit 84 Millionen DM p.a. Personalkosten (1.200 Beschäftigte x 70.000 DM Personalkosten pro Person) ein jährlicher Schaden von 3.780.000 DM (entspricht 4,5%) entstehen.

Würde die aufgestellte Formel des SRI einer ausführlichen Analyse unterzogen werden, so würden vermutlich erhebliche Mängel auftauchen.

Fehlende Begriffsabgrenzungen, das Kombinieren unterschiedlicher Studien sowie nicht belegbare Annahmen lassen an einer korrekten Erhebung und Auswertung der Daten zweifeln und somit eine empirische Überprüfung der Ergebnisse nicht zu.[5]

Berechnungen mit dieser Faustformel sind natürlich ungenau, weil sie zum Teil auf subjektiven Schätzungen basieren und auch nur die im Laufe eines Jahres auftretenden Belastungen berücksichtigen.

Bei der Übertragung amerikanischer Studien auf deutsche Betriebe sollten zudem die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie z.B. das nationale Trinkverhalten, das Krankenversicherungssystem oder auch die Betriebskultur, um nur einige Faktoren zu nennen, berücksichtigt werden.

Um so erstaunlicher ist es, daß diese Studie trotz ihrer fachlichen Defizite und den über 30 Jahren alten Daten (1969) in der Fachliteratur weiterhin erscheint und zum Teil als Grundlage bei betrieblichen Wirtschaftlichkeitsberechnungen hinzugezogen wird.[6]

Für die weite Verbreitung und die Anwendung der Formel in der Praxis gibt es sicherlich eine Reihe von Erklärungsmöglichkeiten. Gründe dafür könnten sein, daß

- es in Deutschland keine vergleichbare Berechnungsmethode bzw. Formel gibt, die so einfach zu handhaben ist und die alkoholbedingte Kosten in Form von Zahlen darstellt.
- die Grundangaben, die für die Anwendung der Stanford Formel benötigt werden, nicht schwer zu erfassen sind.
- für die Berechnung keine mathematischen Fachkenntnisse benötigt werden.

2.1 Die Stanford Formel in der Praxis

Im Rahmen des Studienprojektes: “Betriebliche Sozialarbeit“ war es der Autorin möglich, verschiedene Unternehmen im Raum Berlin und Hamburg in Form von Betriebsbesichtigungen zu besuchen. Dabei handelte es sich um ca. zehn Unternehmen in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen (Metall, Automobil, Medien, Kosmetik, Technologie, Elektronik).

Aufgrund der unterschiedlichen Strukturen, Ziele und wirtschaftlichen Situationen der einzelnen Unternehmen, sind die betrieblichen Sozialberatungen in ihrer personellen Einbindung, ihrem innerbetrieblichen Stand oder auch ihren Aufgabenschwerpunkten recht verschieden.

Allerdings verwies die Mehrheit der dort arbeitenden Sozialarbeiterinnen im Gespräch über einen Leistungsnachweis bzw. Nutzen der Sozialberatung für das Unternehmen auf die Stanford-Formel.

Mit dieser wird in den meisten Unternehmen die Rentabilität der Sozialberatung überprüft, bzw. die Sozialberatung zeigt anhand von Berechnungen mit der Stanford Formel ihren Nutzen bzw. Kosteneinsparungen der Unternehmensleitung auf.

Nach Aussagen der Sozialarbeiterinnen besteht von ihrer Seite ein großer Bedarf an einer Berechnungsmethode, die nicht auf veralteten Untersuchungsergebnissen basiert und zudem weitere Faktoren außer alkoholbedingten Fehlzeiten und Minderleistungen mitberücksichtigt.

Jedoch ist allgemein bekannt, daß sich der Nutzen der Sozialberatung aufgrund von fehlenden meßbaren Kriterien nur schwer quantifizieren läßt, bzw. dieser nur unvollständig erfaßt werden kann. Beispielsweise kann nur schwer nachgewiesen werden, daß eine positive Fehlzeitenveränderung ausschließlich auf die Tätigkeit der Sozialberatung zurückzuführen ist.

Hierzu bietet sich ein Vergleich mit dem Arbeitsschutz innerhalb eines Unternehmens an, der sich hinsichtlich seines Effizienznachweises in einer ähnlichen Situation befindet. Eine Reduzierung von Arbeitsunfällen läßt auch nicht allein auf die Leistung des Arbeitsschutzes schließen.

Aufgrund der Komplexität bezüglich der Quantifizierung des Nutzens der betrieblichen Sozialberatung konnte bisher noch keine generell umsetzbare Berechnungsmethode erstellt werden.

Mit dieser Arbeit wird ein Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren vorgestellt, mit welchem eine differenziertere Wirtschaftlichkeitsberechnung der Sozialberatung möglich ist als bisher.

3 Das Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren in der betrieblichen Sozialberatung

Im Rahmen der Jahrestagung des Bundesfachverband Betriebliche Sozialarbeit e.V. wurde 1995 von Klaus Dietze und Armin Barutzki ein standardisiertes Kosten-Nutzen-Berechnungsmodell für die betriebliche Sozialarbeit vorgestellt.

Das Berechnungsmodell basiert auf einem gängigen Rechnungsverfahren, der Kostenvergleichsrechnung nach dem statischen Verfahren.

Mitarbeiterprogramme, zu denen u.a. eine betriebliche Sozialberatung zählt, sind Investitionen in das Humankapital eines Unternehmens. Der Mitarbeiter mit seinen körperlichen, geistigen und psychischen Fähigkeiten wird als eine der wichtigsten wirtschaftlichen Ressourcen und somit als Humankapital des Unternehmens gesehen.

Es ist üblich, daß für Investitionen, die Kostenänderungen auslösen, Investitionsrechnungen erstellt werden. Eine Investition ist eine Anlage von Geld in Produktionsmittel. [7]

Aufgrund des Ergebnisses der Investitionsrechnung kann dann für oder gegen eine geplante Investition entschieden werden, bzw. eine bereits durchgeführte Investition weiter unterstützt, abgeschafft oder durch eine kostengünstigere Investition ersetzt werden. Durch eine betriebliche Sozialberatung entstehen dem Unternehmen Kosten bzw. Kostenänderungen und demnach ist für diese eine Investitionsrechnung durchzuführen.

Investitionsrechnungen werden nach dem statischen und dynamischen Verfahren unterschieden.

Statische Methoden dienen dem Vergleich zeitpunktbezogener Perioden-Gesamtkosten einer oder mehreren Alternativen (bei Einzelentscheidungen). Das statische Modell nimmt nur durchschnittliche Werte an und berücksichtigt den Zeitraum über ein Jahr. [8]

Dagegen unterzieht die dynamische Methode die Investition einer Totalbetrachtung, d.h. es werden die Ein- und Auszahlungen in allen zukünftigen Perioden bis zum Ende der Planungs- bzw. Nutzungsdauer berücksichtigt.

Im Vergleich zur statischen Methode beachtet sie somit eine größere Zeitspanne, wird vorwiegend bei größeren Vorhaben der Investitionsarten angewendet und bedarf bei der Anwendung betriebswirtschaftlicher Fachkenntnisse.

Investitionsrechnungen nach dem statischen Verfahren sind in ihrer Anwendung einfacher und werden in der Praxis dementsprechend häufiger angewendet als das dynamische Verfahren.

Zur statischen Berechnungsmethode zählt die Gewinnvergleichsrechnung, Kostenvergleichsrechnung, Rentabilitätsvergleichsrechnung und Amortisationsrechnung.

Dieses Verfahren der Investitionsrechnung wird bei Projekten wie Rationalisierung, Ersatzbeschaffung, Behördliche Maßnahmen, Qualitätssicherung und -verbesserung oder sonstige Vorhaben angewendet. [9]

Das entwickelte Berechnungsmodell von Barutzki und Dietze basiert auf der Kostenvergleichsrechnung nach dem statischen Verfahren.

Nach Dietze eignet sich dieses Berechnungsverfahren für Modelle im eingeschwungenen Zustand. [10] D.h. es wird davon ausgegangen, daß ein konstantes Verhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen besteht und sich die erhöhten Ausgaben in der Anlaufphase der Investition relativiert haben.

Als Grundlage werden bei diesem Berechnungsmodell durchschnittliche Werte angenommen und ein Zeitraum von einem Jahr berücksichtigt. Die angefallenen Kosten werden dem erfahrungsgemäßen Nutzen gegenübergestellt.

Anhand von diesem Berechnungsmodell kann, je nach Ausführlichkeit des Kostenstellennachweises, ein jährlicher Nutzen (in DM ), die Rendite (in Prozent) sowie die Amortisationszeit (in Zeitangabe) ermittelt werden.

Von Dietze und Barutzki wurde mit diesem Berechnungsmodell erstmalig eine Modell-Rechnung mit dem Sozialberatungsbereich verbunden. Unter ihrer Anleitung wurde im Rahmen der Jahrestagung des bbs, das Berechnungsmodell am Beispiel einer fiktiven Sozialberatung vorgestellt und in einem Workshop praktisch angewendet.

Die in das Berechnungsmodell eingesetzten Kosten und inhaltlichen Angaben des bbs basieren auf Aussagen von den am Workshop teilnehmenden Sozialarbeiterinnen, die auf Erfahrungswerten in diesem Arbeitsfeld zurückgreifen konnten, sowie auf durchschnittlichen Werten, die als Ansatz im Controlling (vgl. S.86; Definitionen) verwendet werden. Dabei wurde von “konservativen Annahmen“ ausgegangen, d.h. es wurden eher höhere Kosten und ein niedriger Nutzen angenommen.

Barutzki und Dietze empfehlen, von einer realistischen Annahme auszugehen und den Ansatz so niedrig wie möglich zu halten.[11]

Nach Dietze war das Ziel des Workshops: Das Berechnungsmodell in der konkreten Arbeit verständlich zu machen mit dem Ziel, am Ende aus dem Seminar mit Arbeitsunterlagen und einer klaren Kosten-Nutzen-Vorstellung rauszugehen, bzw. ein handhabbares Modell zu besitzen, die Kosten in den Griff zu kriegen. [12]

3.1 Zur Kostenaufstellung der betrieblichen Sozialberatung

Bei dem Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren werden in einem Jahr alle Kosten dem erfahrungsgemäßen Nutzen gegenübergestellt.

Sofern die Sozialberatung innerhalb des Unternehmens über keine eigene Kostenstelle verfügt, müssen deren Kosten zunächst erfaßt werden.

Eine Kostenstelle wird als Teilbereich verstanden, der sich nach räumlichen, funktionellen, organisatorischen Merkmalen und/oder rechnungstechnischen Merkmalen bildet. Im Rahmen der Kostenrechnung wird eine Kostenstelle selbständig abgerechnet.[13]

In Form eines Kostenstellennachweises werden die Kostenarten wie Personalkosten, Materialkosten, Sachkosten etc. einer Kostenstelle aufgelistet und somit deren Gesamtkosten dargestellt.

Kostenstellennachweise können sich in ihrer Differenziertheit, sowie in der Auflistung der Kostenarten unterscheiden.

Beispielsweise können Kostenarten wie Sachkosten sehr detailliert oder allgemein aufgelistet werden. Ob diese nun ausführlich unterteilt und dementsprechend aufgeführt werden, ändert zwar an den aus dem Kostenstellennachweis hervorgehenden Gesamtkosten nichts allerdings an der Möglichkeit der Zuordnung der entstandenen Kosten. Ebenso kann die Auflistung der Investitionen in ihrer Ausführlichkeit unterschiedlich ausfallen, weil deren räumliche und technische Ausstattung verschieden ist und diese Investitionen unterschiedlichen Kostenarten zugeordnet sind (vgl. hierzu Kostenstellennachweis der Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens mit dem der Sozialberatung des Rei-Tra-Unternehmens).

D.h. es gibt keinen allgemein übertragbaren Kostenstellennachweis für eine Kostenstelle wie beispielsweise die der Sozialberatung. Der Kostenstellennachweis innerhalb des Unternehmens wird von verschiedenen Faktoren beeinflußt, wie z.B. dem Conrolling oder der personellen Einbindung der jeweiligen Abteilung, die Auswirkungen auf die Kostenarten und deren Auflistung der jeweiligen Kostenstelle haben kann.

In größeren Unternehmen werden von dem Controlling u.a. die jeweiligen Kostenstellennachweise erstellt.

Unter Controlling versteht man eine delegierbare Teilfunktion der Unternehmensführung, die in Form des Controllers oder der Controllingabteilung organisatorisch verselbständigt ist und für das Management der verschiedenen Entscheidungsebenen die führungsrelevanten Daten aufarbeitet und analysiert.[14]

In der Tagungsdokumentation[15] des bbs wird eine Auflistung der Kosten und inhaltlichen Angaben vorgestellt, die für die Kosten-Nutzen-Berechnung benötigt werden. Die konkreten Zahlenangaben, wie z.B. die der anteiligen Kosten oder prozentualen Abschreibungen basieren auf durchschnittlichen Erfahrungswerten, die als Ansatz im Controlling verwendet werden.

Die Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens hat im Rahmen ihrer Kosten-Nutzen-Berechnung einen differenzierten Kostenstellennachweis (in Anlehnung an die bbs-Tagungsdokumentation) erstellt, der in dieser vorliegenden Form als Musterbeispiel gesehen werden kann.

Einer Sozialberatung, die über keine Kostenauflistung ihrer Stelle innerhalb des Unternehmens verfügt, kann dieses “Musterbeispiel“ eine Unterstützung bei der Erfassung und Auflistung ihrer Kosten sein.

In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß auf eine “bereinigte“ Kostenstelle der Sozialberatung zu achten ist. Bereinigt ist eine Kostenstelle dann, wenn alle Verbuchungen tatsächlich der jeweiligen Kostenstelle zuzuordnen sind. In größeren Unternehmen kann es vorkommen, daß Kosten des Unternehmens, die aus verschiedenen Gründen nicht eindeutig zuzuordnen sind bzw. nicht geplant waren, und auf andere Kostenstellen verbucht werden. Mit Hilfe der Instrumente des Controlling kann die verursachungsgerechte Zuordnung der Ausgaben/Einnahmen einer Kostenstelle überprüft werden.

3.2 Erläuterungen zum quantifizierbaren Nutzen der Sozialberatung

Im folgenden werden die inhaltlichen Angaben und Begrifflichkeiten erläutert, die zur Kosten-Nutzen-Berechnung nach dem statischen Verfahren benötigt werden.

Die Angaben und Begrifflichkeiten resultieren aus der bbs-Tagungsdokumentation und die im Anschluß angeführte Kosten-Nutzen-Berechnung einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens.

3.2.1 Erfolgszahl

Die Erfolgszahl wird zur Berechnung des Nutzens der Einzelfallberatung benötigt. Sie definiert die Anzahl der erfolgreichen Beratungen/Behandlungen.

Damit die Erfolgszahl ermittelt werden kann, muß vorab die Definition einer erfolgreichen Beratung/Behandlung je nach Indikation (Alkoholproblem, psychische Erkrankung, etc.) bestimmt werden. Eine allgemeine Definition einer erfolgreichen Beratung/Behandlung gibt es nicht, von daher muß diese von jeder Sozialberatung anhand selbst aufgestellter Kriterien festgelegt werden (vgl. S.53; 1.3.4 Erfolgreiche Beratung).

Bei der Erfassung der Erfolgszahl kann die Auswertung einer differenzierten Statistik hilfreich sein, in der je nach inhaltlicher Ausführlichkeit die Anzahl der Beratungen/Behandlungen und deren Ergebnisse festgehalten werden.

Ist es der Sozialberatung nicht möglich, die Erfolgszahl zu ermitteln, so sollte eher von einer niedrigen Erfolgszahl ausgegangen werden. Barutzki weist darauf hin, daß die Festlegung des Nutzens wichtig sei, dahinter müssen die Sozialberater stehen. [16]

Barutzki empfiehlt, den „worst case“ (schlechtesten Wert) dem „best case“ (besten Wert) gegenüberzustellen. Sicherer sei tiefzustapeln und dabei die Schwachstellen zu berücksichtigen, weil die Controller (vgl. S.87; Definitionen) danach suchen.[17]

Das Controlling bildet innerhalb des Unternehmens u.a. ein Planungs- und Berichtsystem, welches das betriebliche Vorgehen, wie z.B. die Leistung verschiedener Abteilungen steuert und überwacht, indem es relevante Daten aufarbeitet und analysiert.

Besteht beispielsweise bei der Festlegung bzw. Ermittlung der Erfolgszahl Unsicherheit, weil keine konkreten Zahlen vorliegen, so sollte die Erfolgszahl eher niedriger angesetzt werden.

Das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Berechnung läßt sich gegenüber dem Controlling leichter vertreten, wenn die Zahlen bzw. Werte der Berechnung auf konservativem Ansatz beruhen.

3.2.2 Berechnung der Arbeits,- Ausfallzeiten

Die Berechnung der Arbeits- Ausfallzeiten der Klienten, die durch die Inanspruchnahme der Sozialberatung entstehen, wurde in der Modellrechnung des bbs nicht berücksichtigt und demnach auch nicht durchgeführt.

Jedoch werden die Ausfallkosten in der Kosten-Nutzen-Berechnung einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens beachtet (vgl. S.31).

Dabei werden die Kosten der Arbeits- Ausfallzeiten für das Unternehmen berechnet, die wegen der Inanspruchnahme der Sozialberatung erfolgen.

Für diese Berechnung werden folgende Angaben benötigt:

- Anzahl der durchschnittlichen Beratungsstunden je Klient
- Anzahl der Klienten, die die Sozialberatung in Anspruch genommen haben
- Anzahl der Arbeitstage
- Anzahl des Stundentages

3.2.3 Die Parameter Anwesenheit und Leistung

Der Nutzen der Sozialberatung (Einzelfallberatung) wird bei der Berechnung durch die Parameter Anwesenheit und Leistung anhand des Gehaltes der Klienten quantifiziert. Während der Berechnung stehen die beiden Parameter als Konstante (unveränderliche Größe) und werden in Prozent angegeben.

In diesem Berechnungsmodell wird davon ausgegangen, daß die Leistung und Anwesenheit dem Gehalt der Mitarbeiter entspricht.

Die Auswahl der Parameter beruht auf der Annahme, daß der Kunde nach einer erfolgreichen Beratung/Behandlung zum einen mehr Leistung erbringt als vor der Beratung/Behandlung. Zum anderen, daß sich die Fehlzeiten infolge einer Beratung/Behandlung reduzieren, was sich durch eine höhere Anwesenheit äußert. [18]

Der Nutzen der Sozialberatung durch die Einzelfallberatung wird mit den Parametern Anwesenheit und Leistung zahlenmäßig erfaßt, indem die Veränderungen der Anwesenheit und Leistung infolge einer erfolgreichen Beratung/Behandlung ermittelt werden.

Die Parameterzahlen des Berechnungsmodelles in der bbs-Tagungsdokumentation basieren auf Angaben bzw. Schätzungen von Sozialarbeiterinnen, die auf Erfahrungen in diesem Arbeitsfeld zurückgreifen konnten.[19]

Damit die Berechnung mit “tatsächlichen“ Zahlen (d.h. nicht mit Schätzwerten) durchgeführt werden kann, wurden zur Zahlenerfassung der Parameter Anwesenheit und Leistung folgende Überlegungen angestellt.

Der Parameter Anwesenheit:

Der Parameter Anwesenheit kann mit realen Zahlen anhand der Fehltage (Krankenstandszahlen) definiert werden.

Die prozentuale Verbesserung kann bestimmt werden, indem die durchschnittlichen Fehltage vor einer Beratung/Behandlung mit denen nach einer erfolgreichen Beratung/Behandlung verglichen werden.

Der Parameter Leistung:

Generell kann das Gehalt den Parameter Leistung definieren.[20]

Eine Differenzierung der Leistungserfassung ist möglich, wenn der Sozialberatung objektive Daten des jeweiligen Arbeitsplatzes wie z.B. Soll-/Ist-Plan Stundenvergleich, Leistungsvolumen, Stückzahlen oder andere Bezugsgrößen vorliegen.

Zudem kann der Parameter Leistung über eine Befragung der Klienten (Selbsteinschätzung) oder/und der Vorgesetzten bezüglich der Leistung vor und nach der Beratung/Behandlung definiert werden.

Damit Angaben bezüglich der Fehltage und Leistung ermittelt werden können, muß der Sozialberatung zum einen der Zugriff auf personelle Daten gewährleistet sein und zum anderen eine Einverständniserklärung der Klienten vorliegen.

Der Einblick in personelle Daten ist der Sozialberatung nur dann möglich, wenn der Betriebsrat diesem Zugriff zugestimmt hat (§94 in Verbindung mit §87 Abs.1 Punkt 6 BetrVG). Des weiteren müssen die Daten in anonymisierter Form festgehalten werden.

Nach Aussage der betrieblichen Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens war dieser der Zugriff auf personelle Daten gewährleistet, weil die Sozialberatung Teil der Personalabteilung ist (personelle Einbindung) und über den Zweck des Einblicks eine betriebsinterne Zustimmung vorliegt.

3.2.4 Opportunitätskosten

Opportunitätskosten sind die Kosten, die das Unternehmen spart, wenn anstelle eines externen ein interner Mitarbeiter eingesetzt wird.[21]

Es wird davon ausgegangen, daß durch das Einsetzen von internem Fachpersonal mehr Gewinn erwirtschaftet wird z.B. deswegen, weil innerbetriebliche Zusammenhänge dem Fachpersonal bekannt sind und dieses Wissen sinnvoll eingesetzt werden kann (Synergieeffekt = Effekt, der dadurch entsteht, daß Faktoren sich gemeinsam fördern [22] ).

Ein Synergieeffekt ist z.B. durch eine Vernetzung und Zusammenarbeit verschiedener Fachprofessionen (Betriebsärzte, Psychologen, Sozialarbeiter) innerhalb eines Unternehmens gegeben.

Eine Möglichkeit der Berechnung der Opportunitätskosten bietet die bbs-Tagungsdokumentation[23] und die Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens (vgl. S.33; 3.2.4 Berechnung der Opportunitätskosten).

Hierbei werden die Opportunitätskosten aus einem Mittelwert zwischen dem Tageshonorar für einen Unternehmensberater und einem Berater eines freien Trägers berechnet, d.h der daraus resultierende Durchschnittswert wird als Tageshonorar festgelegt.

II.KAPITEL

1 Kosten-Nutzen-Berechnung nach dem statischen Verfahren am Beispiel einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens

Das Berechnungsmodell nach dem statischen Verfahren wird im folgenden am Beispiel einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens vorgestellt.

Das in der Tagungsdokumentation vorgestellte Berechnungsmodell verwendete das I-Tech-Unternehmen als Grundlage für die Kosten-Nutzen-Berechnung ihrer Sozialberatung. Das für Deutschland von Klaus Dietze und Armin Barutzki entwickelte Berechnungsmodell wurde für die vorhandenen Bedingungen des I-Tech-Unternehmens modifiziert und eine exemplarische Kosten-Nutzen-Berechnung durchgeführt.

Die im folgenden aufgeführte Kosten-Nutzen-Berechnung wurde hinsichtlich der Gliederung und Reihenfolge durch Ergänzungen bzw. Änderungen an den Stellen umgestaltet, die nach Meinung der Autorin zur Verdeutlichung dienen.

Vorab der Berechnung wird noch eine Erläuterung zur Ermittlung der Parameter durch die Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens angeführt

Die anschließende Kosten-Nutzen-Berechnung gliedert sich in zwei Teile:

Im ersten Teil wird das Berechnungsmodell in Form einer gegliederten Auflistung, d.h. ohne Zahlen vorgestellt. Dabei werden die Kosten und inhaltlichen Angaben der Sozialberatung genannt, die für die anschließende Berechnung notwendig sind. In diesem Zusammenhang werden auch die einzelnen Berechnungsschritte verdeutlicht.

Im Anschluß daran werden im zweiten Teil die Zahlen einer Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens in die strukturierte Auflistung gesetzt und die Kosten-Nutzen-Berechnung vorgestellt.

1.1 Die Ermittlung der Parameter durch die Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens

Die Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens ist der Personalabteilung angebunden.

Aufgrund ihrer personellen Einbindung und einer internen Betriebsabstimmung ist der Sozialberatung der Einblick in Krankenstandszahlen gewährleistet.

Demnach konnte die Sozialberatung den Parameter Anwesenheit über die Zahl der Fehltage ihrer Kunden ermitteln und erfaßte eine 5%ige Verbesserung.

Durch quantifizierbare Dokumentationen des Arbeitsplatzes sowie durch Aussagen der Kunden und Führungskräften wurde der Parameter Leistung mit 15% definiert.

Nach Aussage der Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens hatten fast alle Führungskräfte durchschnittlich 50% mehr Leistungsfähigkeit angegeben.

Die Sozialberatung “korrigierte“ die Aussagen der Kunden und Führungskräfte, indem sie die Angaben niedriger ansetzten. Somit wurde die Berechnung mit konservativen Werten durchgeführt, d.h. es wurde von einem niedrigeren Nutzen ausgegangen.

Ergebnis der Parametererfassung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erster Teil der Berechnung des I-Tech-Unternehmens

Im ersten Teil der Berechnung wird das Berechnungsmodell in Form einer gegliederten Auflistung ohne Zahlen vorgestellt. Dabei werden die Kosten und inhaltlichen Angaben der Sozialberatung genannt, die für die anschließende Berechnung im zweiten Teil benötigt werden. In diesem Zusammenhang werden auch die einzelnen Berechnungsschritte vorgestellt.

1 Grunddaten der Organisationseinheit Sozialberatung

An dieser Stelle werden die Mitarbeiter der Sozialberatung aufgeführt, die auch mit anderen Bereichen wie z.B. weiteren Serviceleistern geteilt werden können.

Beispielsweise kann eine Bürokraft oder ein Praktikant mit dem ärztlichen oder psychologischen Bereich des Unternehmens geteilt werden. In diesem Falle werden die Mitarbeiter anteilig (z.B. 0,5 Personen für eine halbe Stelle) aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Kosten

2.1 Kostenstelle Sozialberatung

Im Zuge der Kosten-Nutzen-Berechnung wurde die Kostenstelle der Sozialberatung bereinigt, woraus eine differenzierte Auflistung und Erfassung der Kosten resultierte.

Die Gesamtkosten der Sozialberatung werden anhand eines Kostenstellennachweises folgendermaßen aufgelistet.

Die Kapitalkosten werden hier in Kosten aus Investitionen, d.h. Sachgütern wie Möbel, Computer etc., Instandhaltungen der Sachgüter und kalkulatorischen Zinsen unterteilt.

Die Abschreibungen/AfA[24] (= Absetzung für Abnützung, vgl. S.86; Definitionen), anteilige Kosten und Prozentzahl der kalkulatorischen Zinsen sind in der Berechnungsvorlage mit konkreten Angaben aufgelistet.

Demnach werden bei den Kapitalkosten die Büromöbel in 10 Jahren und die anderen Investitionen in 3 Jahren abgeschrieben. Bei der Instandhaltung der Investitionen werden 9% auf die Kommunikation und 2% auf Büromöbel und Unvorhergesehenes berechnet. Die kalkulatorischen Zinsen ergeben sich aus 4% der Gesamtsumme der Investitionen.

Die laufenden Kosten werden in Sachkosten und Personalkosten unterteilt. Die Sachkosten können in ihrer Zusammensetzung variieren, z.B. je nach Einsatzbereichen und Aufgabenschwerpunkten fallen entsprechende Sachkosten wie Supervision oder Übernachtungskosten etc. an, bzw. kommen andere hinzu.

Für Umlagen/allgemeine Verwaltung und Unvorhergesehenes/Sonstiges werden 5% der Sachkosten berechnet.

Personalkosten ist ein Sammelbegriff für die Kosten, die für alle Arbeitnehmer anfallen.[25]

Hierbei werden sowohl Löhne und Gehälter als auch Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, Urlaubsgeld) miteingeschlossen.

Die Gesamtkosten der Sozialberatung ergeben sich hier aus den Kapitalkosten und laufenden Kosten.

2.2 Kostenstellennachweis der Sozialberatung des I-Tech-Unternehmens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Der Brockhaus, Erster Band, S.657

[2] Rolf Engler, S.121

[3] Vgl. Entwicklung und Entwicklungsstand amerikanischer und kanadischer Alkohol- Präventionsprogramme, In: Betriebliche Suchtprävention; S.257

[4] Vgl. Lothar Schmidt; Alkoholkrankheit und Alkoholmißbrauch

[5] Fuchs; Petschler, S.14

[6] vgl. Lothar Schmidt: Alkoholkrankheit und Alkoholmissbrauch

[7] Gabler Kleines Lexikon, S.117

[8] bbs-Tagungsdokumentation, S.13

[9] bbs-Tagungsdokumentation S.14

[10] bbs-Tagungsdokumentation, S.13

[11] bbs-Tagungsdokumentation, S.18

[12] bbs-Tagungsdokumentation, S.12

[13] Uwe Schreibe, S.274

[14] Eberhard Scheffler, S.154

[15] bbs-Tagungsdokumentation, S.16

[16] bbs-Tagungsdokomentation, S.20

[17] bbs-Tagungsdokumentation, S.18

[18] bbs-Tagungsdokumentation, S.18

[19] vgl. bbs-Tagungsdokumentation, S.18 und Arbeitsblattvorlage, S.2

[20] bbs-Tagungsdokumentation, S.18

[21] bbs-Tgungsdokumentation, S.18

[22] Gabler kleines Lexikon, S.236

[23] bbs-Tagungsdokumentation/Arbeitsblattvorlage, S.8

[24] Eberhard Scheffler, S.10

[25] Gabler kleines Lexikon Wirtschaft; S.189

Details

Seiten
101
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783832444228
ISBN (Buch)
9783838644226
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220029
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin – unbekannt
Note
1,0
Schlagworte
berechnung beispiel sozialberatung industrie-technologie-unternehmens reise- transportunternehmens berechnungsmodell verfahren kosten-nutzen-erwägungen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kosten-Nutzen-Aspekte in der betrieblichen Sozialarbeit