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Multimedia im Fremdsprachenunterricht

Möglichkeiten und Grenzen

Magisterarbeit 2000 86 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Themeneinblick

1. Begriffsbestimmungen
1.1 Multimedia
1.2 Hypertext
1.3 Interaktivität

2. Schwächen und Stärken.

3. Interaktivität
3.1 Der Unterschied zwischen Lehrer und Computer
3.2 Die Bedeutung der Spontaneität

4. Textverarbeitungsprogramme
4.1 Fehlerkorrektur
4.2 Bearbeitung von Textteilen
4.3 Sprachliche Ressourcen.
4.4 Konkordanzprogramme

5. Lernprogramme in der Analyse
5.1 Unerlässliche Anforderungen an Lernprogramme
5.2 Weshalb ’Silberscheiben ohne Wert’?
5.3 ’Einblicke’ in ein Lernprogramm für Deutsch als Fremdsprache

6. Sprachspiele
6.1 Welche Eigenschaften machen ein Sprachspiel aus?
6.2 Vorteile von Sprachspielen
6.3 Sprachspiele und -spielereien via Internet

7. Das Internet im Fremdsprachenunterricht
7.1 World Wide Web
7.2 E-Mail
7.3 Chat

8. Die Sprache im Internet
8.1 Chatslang
8.2 Smilies

9. Mit Multimedia in die Zukunft?
9.1 Entwicklungen der Computertechnologie vor dem Hintergrund des Fremdsprachenunterrichts
9.2 Multimedia – heute ein wesentliches Element der Informationsgesellschaft..
9.3 Initiativen und Absichten im Bildungsbereich..

10. Motivation
10.1 Intrinsische und extrinsische Motivation
10.2 Motivation durch Medieneffekte
10.3 Demotivation.

Themenausblick

Erläuterung der Fachbegriffe

Quellenverzeichnis

Themeneinblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das neue Medium Computer hat für viele Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrer in aller Welt an Attraktivität gewonnen. Allen voran und mit Unterstützung der Regierungen haben sich Fremdsprachenlehrer in England und Frankreich mit dem Einsatz von Rechnern im Unterricht befasst. Sie nutzen sie derzeit erfolgreich in einem bei uns noch nicht annähernd erreichtem Maße.[1] Obwohl in einzelnen Bundesländern umfangreiche Erprobungen einzelner Programme stattgefunden haben, lässt die immer wieder angekündigte Revolution des Lernens durch Computer weiter auf sich warten.

Die wichtigsten Gründe dafür sind bekannt. Die schnelle Hardwareentwicklung und daran geknüpft, die ebenso schnelle Entwicklung der Betriebssoftware sorgt für eine Überalterung der technischen Ausstattung nach circa drei Jahren. Die meisten Bildungsinstitutionen können finanziell mit diesem Zyklus nicht Schritt halten. Es liegt auch an der Schwellenangst der Institutionen und Lehrer, dass dieses Medium es bisher nicht geschafft hat, ein integraler Bestandteil eines modernen Fremdsprachenunterrichts zu sein.

Der zögerliche Entwicklung hat aber auch damit zu tun, dass grundlegende Fragen zum computergestützten Lernen noch nicht beantwortet sind. W as nämlich die modernen Medien im Lernprozess leisten und welche Chancen sie als unterstützende Elemente des Lehrens und Lernens bieten aber auch, wo die Grenzen ihrer Einsatzmöglichkeiten liegen. Die pädagogische Diskussion um Multimedia im Fremdsprachenunterricht bewegt sich folglich zwischen den im Titel genannten Extremen.

Natürlich ist das Thema ’Multimedia im Fremdsprachenunterricht’ auch in Deutschland in den letzten Jahren voran geschritten, so dass Veröffentlichungen von Zeitungsartikeln, Seiten im Internet und Bücher hierzu keine Seltenheit mehr darstellen.

Als Student des Fachs Deutsch als Fremdsprache beschäftigte mich dieses Thema schon seit einiger Zeit. Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von ’Multimedia im Fremdsprachenunterricht’ zum gegenwärtigen Zeitpunkt genauer vorstellen.

Im ersten Kapitel werden zunächst einige Begriffe geklärt, die in der aktuellen Diskussion um den Wandel von der Industrie- hin zur Informations- und Kommunikationsgesellschaft häufig verwendet werden und die von zentraler Bedeutung für das Thema dieser Arbeit 'Multimedia im Fremdsprachen-unterricht' sind.

Unter ’Schwächen und Stärken’, werden allgemeine Feststellungen über Multimedia im Fremdsprachenunterricht aufgezeigt. In den anschließenden Kapiteln werden spezielle Einsatzformen für den Fremdsprachenunterricht vorgestellt. Hierbei werden die heutigen Möglichkeiten und Grenzen von Textverarbeitungsprogrammen, Lernprogrammen, Sprachspielen und dem Internet im Fremdsprachenunterricht abgehandelt. Der Schwerpunkt liegt jedoch im Bereich der Programmanalysen.

Ferner enthält die Magisterarbeit zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Zeichnungen. Die im Text verwendeten Fachbegriffe aus der EDV sind kursiv gekennzeichnet und werden im anhängenden Glossar erklärt.

1. Begriffsbestimmungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Besonders die „Computerszene“ umgibt sich mit einer hohen Sprachbarriere aus Abkürzungen und Anglizismen, die ’ Insider ’ souverän benutzen, die jedoch für ’ Outsider ’ völlig unverständlich sind. Ähnlich der Informationstechnik befindet sich auch das Forschungsfeld ’Multimedia im Fremdsprachenunterricht’ in einer raschen Expansion. Angesichts dieser Tatsache ist die hohe Zahl der neuen Wortschöpfungen und Abkürzungen, mit denen oft ähnliche, gleiche, teils überlappende Sachverhalte bezeichnet werden kaum überraschend.

In der englischsprachigen Fachliteratur ist zur Bezeichnung dieses Forschungsfeldes von Computer Based Education (CBE), Computer Assisted Instruction (CAI) oder Computer Assisted Language Learning (CALL) die Rede. Deutschsprachige Termini sind in diesem Bereich ebenfalls sehr vielgestaltig und unterscheiden sich nur geringfügig: Computerunterstützter Unterricht (CUU), Rechnergestützter Unterricht (RGU), Rechnerunterstütztes Lernen (RUL) usw. Um Missverständnissen entgegen zu wirken und der Multifunktionalität der Computer realistische Beachtung beizumessen, bietet sich an, den umfassenden Begriff ’Multimedia im Fremdsprachenunterricht’ für die folgende Arbeit festzuhalten.

Mehrfachbezeichnungen für ein und denselben Sachverhalt sind keine Seltenheit (z.B. Laptop = Notebook). Auch technologische Innovationen (Universal Mobile Telecommunications System = UMTS; Nero Burning Rom = nero), wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen (z.B. der Cash-Flow-Effekt in der Wirtschaftssprache oder das Burnout-Syndrom der Arbeitsgesellschaft) werden oft mit phantasievollen und kreativen Begriffen bezeichnet. Die wissenschaftliche Präzision ist hierbei jedoch nicht immer gegeben.[2] Der Fachsprachenforscher FLUCK bewertet die Präzision der Fachsprachen folgendermaßen: „Die – allgemein anerkannte – Aufgabe der Fachsprachen ist die Bereitstellung eines Zeichenvorrats zur Verständigung über bestimmte Gegenstands- und Sachbereiche, die möglichst präzise und ökonomisch erfolgen soll.“[3] Um eine Genauigkeit der Begriffe zu erreichen, ist eine strikte Festlegung der folgenden Begriffe also unumgänglich.

1.1 Multimedia

Der Ausdruck ’Multimedia’ erschien in der Pädagogik bereits in den 50er und 60er Jahren, und man verstand darunter die Unterstützung des Lernprozesses durch neue Medien. Zunächst bedeutete das nur eine zusätzliche Verwendung der unterschiedlichen Medien (Tonbandgerät, Video, Overhead-Projektor). ’Multimedia’ bzw. ’Hypermedia’ sollte man indessen heute anders verstehen: geplante, computergesteuerte Integration von Text, Pixel bildern, Ton, Animation und Video zur interaktiven Informationsvermittlung und -verarbeitung, eventuell auch Informationsproduktion.[4] Neben der technischen Dimension der Multimedialität seien nach KLIMSA auch weitere Aspekte zu beachten, wie z.B.:

- Interaktivität
- Parallelität (Ausgabe mehrerer Medien: Grafik, Text, Bilder)
- Multitasking (gleichzeitige Ausführung mehrerer Befehle)

1.2 Hypertext

’Hypertext’ bedeutet eigentlich ursprünglich ’nichtsequentielles Schreiben’. Das heißt, der Zugriff auf Anwendungen und Datenbanken erfolgt nicht nur linear wie bei einem Buch, sondern auch assoziativ durch Verwendung von Querverweisen durch alle Ebenen. Diesbezüglich stellt WEINGARTEN fest, "daß sie den Leser von dem Zwang einer linearen Abarbeitung eines gesamten Textes befreien sollen".[5] Der Nutzer kann sich unbekannte Begriffe mittels Mausclick durch ’Untertexte’ erklären lassen sowie detaillierte Zusatzinformationen zu Textstellen, Karten, Bildern, Tabellen abrufen, und zwar nicht nur in Form von Texten, sondern auch in Gestalt von Karten, Skizzen, Bildern, Ton, Animation und Video. Die Verbindung von Hypertext und Multimedia bezeichnet man deshalb zutreffenderweise neuerdings als Hypermedia. Diese lassen neuartige, vielfältige Nutzungsformen und Zugangsmöglichkeiten entstehen, die auch für den Sprachunterricht von Bedeutung sind. Diese neuen medialen Möglichkeiten kommen dem Sprachlernprozess entgegen, da das Sprachenlernen im Grunde "immer multimedial funktioniert", wie TSCHIRNER herausstellt.[6]

1.3 Interaktivität

Eine weitere, häufig in Verbindung zu Multimedia und Hypertext verwendete Bezeichnung ist die Interaktivität. Diese gilt häufig als Hinweis für die Qualität multimedialer Programme. Interaktivität ist eines der vorrangigen Kriterien für die Bezeichnung 'Multimediales Lernprogramm', zumal dieses Merkmal und die damit integrierten Optionen besonders für didaktische Zwecke interessant erscheint.

In diesem Fall bedeutet interaktiv, dass der Benutzer über einen "wahlfreien Zugriff auf die genannten multimedialen Informationen vor Ort (lokale Multimedien), oder über Netze (netzbasierte Multimedien)"[7] in Programmabläufe eingreifen kann und Informationen aktiv bearbeitet.

Kommunikationsprofessor und Medienexperte Gerhard E. ORTNER: „Interaktiv ist ein Computerprogramm erst dann, wenn es durch den Benutzer nach seinen Vorstellungen, Wünschen und Notwendigkeiten „gesteuert“ werden kann.“[8]

In Zusammenhang mit den neuen Medien bezeichnet Interaktion "im Gegensatz zur sozialwissenschaftlichen Bedeutung hier lediglich die technische Eigenschaft und keine Qualität des wechselseitigen Agierens und Reagierens zwischen Lerner und System oder Personen".[9] Der Lerner hat bei interaktiven Programmen zwar einen wahlfreien Zugriff, es besteht bisher aber lediglich die Möglichkeit, sich per Tastatur- oder Mauseingabe zu 'äußern' bzw. zu interagieren, die "Vielfalt der menschlichen Ausdrucksmöglichkeiten (gerade im nonverbalen Bereich) wird das Computersystem auch bei natürlich-sprachiger Eingabe nicht erfassen".[10]

2. Schwächen und Stärken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Seine Schwächen liegen, um dies vorwegzunehmen, in der bereits genannten Problematik der technischen Entwicklung, mit der kaum Schritt zu halten ist. Ein weiterer Nachteil ist der hohe technische Aufwand im Vergleich zu anderen Lernmedien wie Arbeitsblatt, Lehrbuch, aber auch Ton- und Videorecorder, sowie die Komplexität der Bedienung, die sich zum Teil zwangsläufig aus der Vielzahl der Optionen ergibt.

Außerdem sind die spezialisierten Einzelmedien dem multimedialen Computer immer dann überlegen, wenn es ausschließlich um die spezifische Fähigkeit des jeweiligen Mediums geht: das schlichte Lesen eines Textes ist von einem Blatt Papier wesentlich einfacher und auch immer noch benutzerfreundlicher als das Lesen am Bildschirm; das Anschauen eines Videofilms ist technisch problemloser mit Hilfe eines Videorecorders zu bewerkstelligen, ebenso das Anhören einer längeren Tonaufnahme mit einem Audiorecorder. Besonders bei sehr umfangreichen Datenbeständen wie bei Büchern, Videos in VHS- Qualität und Farbbildern im Großformat stößt man auch schnell an die Leistungsgrenzen etwas ’älterer’ Computer. (ab 2-3 Jahre; vgl. hierzu Kapitel 9.1 )

Die Stärken kommen zum Tragen, wenn viele Medien gleichzeitig oder aufeinander folgend eingesetzt werden. Die technische Vorrichtung Computer bietet die Möglichkeit, Texte, Tabellen, Zeichnungen, Fotografien, Animationen, Videoclips und Tonaufnahmen auf einem Gerät und in nahezu beliebiger Verbindung ohne nennenswerte Zeitverluste zu präsentieren. Die digitalisierte Form, in der die Informationen dann vorliegen, erlaubt zudem eine exakte Steuerung und in vielen Fällen auch eine Veränderung der Informationsträger. Abschnitte aus Tonaufnahmen müssen nicht wie bei Tonbändern durch ein meist umständliches und ungenaues Vor- und Zurückspulen gefunden werden, sondern lassen sich millisekundengenau anspringen und ebenso genau schneiden, kopieren und wieder zusammenfügen. Videos werden pro Bild gesteuert bzw. bearbeitet. Für alle textbasierten Informationen stehen meist Suchfunktionen zur Verfügung, die einen schnellen und gezielten Zugriff auf Teile davon erlauben. Bei entsprechender Programmqualität werden die genannten Möglichkeiten vorbildlich ausgeschöpft, so dass beachtliche Resultate erzielt werden können. Multimedia bietet daher leichte Lernvorteile, spart Lernzeit und kann die Motivation und das Selbstvertrauen der Lernenden erhöhen (vgl. hierzu Kapitel 10).

Ferner erfolgt die Vorbereitung zu einer Sprachprüfung in den meisten Fällen individuell. Auch wenn der Lernprozess von einem Lehrer gesteuert wird, so findet die meiste Zeit der Vorbereitung jedoch ’zu Hause’, also in der individuellen Arbeit statt. Und hier, könnte man denken, kommt dem Sprachlerner der Computer mit seinen multimedialen Angeboten und seiner unerschöpflichen Geduld entgegen.

Der Computer besitzt die Fähigkeit Sprache zu erkennen und übernimmt dadurch eine entscheidende Rolle für den Fremdsprachenunterricht (Lernbereich: Sprechen).

Der Lerner kann dadurch die Aussprache (einzelne oder mehrere Wörter, Sätze) und Intonation (Wortakzent, Satzmelodie) unabhängig von anderen Personen trainieren. Es ist für den Fremdsprachenlerner in der Regel unmöglich, jemanden zu finden der, wann immer der Lerner Lust hat und solange er es wünscht, ihm immer wieder mit der gleichen Geduld den gleichen Satz vorspricht, sich die Aussprache und Intonation des Lerners anhört und ihm anschließend sagt, was daran verbessert werden könnte (vgl. hierzu Kapitel 5.3).

Von Nachteil könnte sein, dass mehrere Lerner nur schwer räumlich nebeneinander arbeiten können, da andere Lerner, die sich gerade auf etwas anderes konzentrieren (wie z. B. Lesen, eine Übung auf dem Computern ohne zu sprechen) gestört werden könnten.[11] Ferner wird die phonetische Auswertung der Sprechleistung in vielen Programmen entweder aus didaktischer Sicht nur mangelhaft oder überhaupt nicht durchgeführt.

3. Interaktivität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1 Der Unterschied zwischen Lehrer und Computer

Die wichtigste und effektivste Handlung des Lehrers im Klassenzimmer ist die Interaktion mit den Schülern (Interaktion = die gegenseitige Beeinflussung, wechselseitige Abhängigkeit, miteinander in Verbindung treten). In einem Fremdsprachenunterricht mit dem Computer ist eine wechselseitige Abhängigkeit nicht gegeben (vgl. hierzu Kapitel 3). Ein Dialog mit einem Computer muss durch Eigeninitiative des Anwenders am Leben erhalten werden. Die Fortsetzung eines Dialogs zwischen zwei Personen hängt jedoch von beiden Gesprächspartnern ab. Somit erhält der Computer die Funktion eines Initiators und kann zur aktiven fremdsprachlichen Interaktion anregen, sie allerdings im Gegensatz zum Lehrer nicht steuern. Dies ist ein gravierender Unterschied, der einen Vergleich von Lehrer und Computer nahezu überflüssig macht.

3.2 Die Bedeutung der Spontaneität

Während der Entstehung eines echten Dialogs ist die Spontanität der Partner von großer Bedeutung. Damit ist gemeint, dass ein Gesprächspartner auf Stimmung, Witz, Ironie und originelle Einfälle angemessen und verschieden reagieren kann. Nehmen wir an, dass ein Schüler im Unterricht auf eine Grammatikübung eine kreative Antwort gibt. Daraufhin kann der Lehrer entsprechend reagieren, lachen, eine anerkennende Geste machen oder mit einer passenden Bemerkung den Schüler überraschen. Dieses abweichende Verhalten ist oftmals bereichernd, da es zu neuer Begeisterung, Interesse und Motivation führt. Gleichzeitig werden die Schüler zur Kommunikation ermutigt. Das Programm hingegen sucht nach passenden Mustern und wenn es ausnahmsweise mal mit geistreichen, witzigen oder idiomatisierten Antworten konfrontiert wird, spuckt er oft eine standardisierte Fehlermeldung aus. Die binäre Arbeitsweise des Gerätes erlaubt dem Lerner sich nur innerhalb der festgesetzten und unausweichlichen Grenzen zu bewegen. Derartige Verhältnisse im Lernprozess können leicht dazu führen, dass kreative Bemühungen der Lerner nachlassen. Eine ’kognitive’ Interaktion würde unter den genannten Umständen nur bedingt zustande kommen.

4. Textverarbeitungsprogramme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit einem Textverarbeitungsprogramm kann der Computer zur Textproduktion und Textverarbeitung genutzt werden. Das reiche Angebot an Schriftarten und –größen, das Einsetzen von allerlei Bildmaterial, die Möglichkeit des Ein-scannens von Texten sowie der Farbausdruck haben im Bildungsbereich eine neue Dimension der Gestaltung eröffnet. Er dient somit auch besonders den Lernbereichen Schreiben, Grammatik und Wortschatz.

Folgende Funktionen in einem Textverarbeitungsprogramm sind für den Deutsch als Fremdsprache Unterricht auch besonders geeignet:

4.1 Fehlerkorrektur

Bei der Eingabe von Texten können Fehler auf einfache Weise korrigiert werden. Es kommen keine unleserlichen oder durchgestrichenen Stellen vor.[12] Der Reiz einen solchen Text weiter zu verbessern, zu zeigen oder zu sammeln ist sicherlich höher als bei einem handschriftlich verfassten Text.

4.2 Bearbeitung von Textteilen

„Wörter, Sätze, Textteile, oder ganze Texte können markiert und je nach Wunsch bearbeitet werden. Textteile oder ganze Texte können gelöscht und an anderen Stellen wieder eingefügt werden. So kann man Textteile leicht umstellen, verdoppeln, kopieren und die einzelnen Versionen leicht abändern.“[13] Während einer Textproduktion können Assoziationen zu einem Thema zunächst festgehalten und später ohne ein nochmaliges Schreiben eingesetzt werden.

4.3 Sprachliche Ressourcen

Die Textverarbeitungsprogramme bieten je nach Qualität verschiedene Extras an. Die meisten haben Zugriff auf Lexika, mit denen die Rechtschreibung überprüft und Silbentrennung durchgeführt werden kann. Es besteht sogar die Möglichkeit verschiedene Wörterbücher in die Textverarbeitungsprogramme einzubinden (vgl. hierzu Kapitel 7). Diese können angewählt werden, wenn ein Benutzer z. B. einen Text auf amerikanisches oder britisches Englisch überprüfen möchte.[14]

Darüber hinaus entwickelt die Computerindustrie immer weitere Hilfsprogramme, die genauso als speicherresidente Programme bei Bedarf in das Textverarbeitungsprogramm eingeladen werden können.

Eine syntaktische und semantische Kontrolle des Textes kann ein Rechtschreibkorrekturprogramm nicht selbständig leisten. Fehler, wie die falsche Verwendung von “dem“ statt “den“, von “Lehrer“ statt “Lerner“, von “ist“ statt “sei“ oder “war“ können solche Programme noch nicht erkennen.[15]

4.4 Konkordanzprogramme

Konkordanzprogramme ermöglichen die Suche nach bestimmten Begriffen oder/und sprachlicher Strukturen. Sie stellen die gefundenen Textstellen als vollständige Sätze oder als Satzbruchstücke auf dem Bildschirm dar. Man kann auch mehrere Suchbegriffe gleichzeitig eingeben.[16] „Damit wird dem Benutzer und Lerner die Möglichkeit eröffnet, abseits der vom Lehrer “erfundenen bzw. didaktisierten Beispiele“ zu erfahren, wie z.B. bestimmte grammatische Strukturen in authentischen Texten verwendet werden.“[17]

[...]


[1] Brandenburg, Ingrid; Heinrichs, Uwe: Computereinsatz im Fremdsprachenunterricht. Computer Assisted Language Learning auf der Sekundarstufe I und II. Hamburg 1991. S. 7.

[2] vgl.: Feller, Wolfgang: Schule@Multimedia. Zur Integration der „neuen Medien“ in den Schulunterricht. In: ide, 2/99, S.24.

[3] Fluck, Hans-R.: Fachsprachen. Tübingen 19965 . S. 12-13.

[4] vgl.: Klimsa, Paul: Multimedia aus psychologischer und didaktischer Sicht. In: Information und Lernen mit Multimedia. (Hrsg.)Issing / Klimsa. Winheim 1997. S. 7.

[5] Weingarten, Rüdiger: Perspektiven der Schriftkultur. In: Schrift und Schriftlichkeit – Writing and ist Use. (Hrsg.) Günther/Ludwig. Berlin 1994. S. 580.

[6] Tschirner, Erwin: Deutsch als Fremdsprache im Medienzeitalter. In: Fremdsprache Deutsch, (Sondernummer II), 1997, S. 55.

[7] Kerres, Michael: Multimediale und telemediale Lernumgebungen. Konzeption und Entwicklungen. München 1998. S. 86.

[8] Ortner, Gerhard E.: Mehr Spaß am Lernen. In: Medien+Bildung, 10/1995, S. 25.

[9] ebd., S. 86.

[10] ebd., S. 87.

[11] Grüner, Margit; Hassert, Tim: Computer im Deutschunterricht. Langenscheidt 1995. S. 41.

[12] ebd., S.55.

[13] ebd., S.55.

[14] Brandenburg, Ingrid; Heinrichs, Uwe: A. a. O., S. 15.

[15] Grüner, Margit; Hassert, Tim: A. a. O., S .71.

[16] ebd., S.63.

[17] Brandenburg, Ingrid; Heinrichs, Uwe: A. a. O., S.25.

Details

Seiten
86
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783832444150
ISBN (Buch)
9783838644158
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220022
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – unbekannt
Note
2,0
Schlagworte
computergestützter fremdsprachenunterricht deutsch fremdsprache multimedia

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