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Informationsmanagement und der Einfluss neuer Technologien auf Unternehmen

Diplomarbeit 2001 259 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Danksagung

2 Einleitung

3 Aufbau der Arbeit

4 Die Entwicklung von einer Industrie- zur Informationsgesellschaft
4.1 Informationsüberlastungsgesellschaft
4.1.1 Informationsflut
4.1.2 Ursachen der Informationsüberlastung
4.1.3 Problemlösung
4.2 Informationsgesellschaft

5 Einflussgrößen auf die Unternehmensumwelt und das Informationsmanagement
5.1 Kultur
5.2 Politische Umwelt
5.3 Rechtliche Umwelt
5.4 Wirtschaftliche Umwelt
5.5 Bildungsumwelt
5.6 Umwelt des Individuums

6 Teil I: Grundbegriffe der Informationstheorie
6.1 Grundbegriffe der Informationstheorie
6.1.1 Daten:
6.1.2 Information:
6.1.3 Wissen:
6.1.4 Kommunikation
6.1.5 Informations- und Kommunikationstechnologie

7 Informations- und Kommunikationstechnologien
7.1 Entwicklung neuer IKT
7.1.1 Computertechnik der 40er und 50er Jahre
7.1.2 Computertechnik der 60er: Ära der „Datenverarbeitung“
7.1.3 Computertechnik der 70er: Ära der „Managementinformations-Systeme“ (MIS)
7.1.4 Computertechnik der 80er und 90er Jahre: Ära der „Strategischen Informationssysteme“ (SIS)
7.1.5 „Data Warehouse“
7.2 elektronische Kommunikation in Unternehmen
7.2.1 Traditionelle und neue Formen elektronischer Kommunikation
7.2.1.1 Mitarbeiterzeitschrift (MAZ)
7.2.1.2 Internet
7.2.1.3 Intranet und Extranet
7.2.1.4 Elektronische Post (E-Mail)
7.2.1.5 CD-ROM
7.2.1.6 Business TV
7.2.1.7 Videokommunikation
7.2.2 Neue Medien und ihr ungebremster Einzug in Unternehmen
7.3 Unternehmenskommunikation
7.3.1 Definition Unternehmenskommunikation
7.3.2 Unterscheidung von Kommunikationsfunktionen
7.3.2.1 Interner und externer Unternehmensbereich
7.3.2.2 Marktkommunikation
7.3.2.3 Öffentlichkeitsarbeit bzw. Public Relations (PR)
7.3.3 Unterscheidung verschiedener Kommunikationsformen
7.3.3.1 Monolog versus Dialog als Kommunikationsform
7.3.3.2 Persuasive, argumentative und informative Kommunikationsform
7.3.3.3 Interaktive Kommunikationsform
7.3.4 Magisches Dreieck Unternehmenskommunikation
7.3.5 Die Rolle neuer IKT in der Unternehmenskommunikation
7.3.6 Kommunikationsarbeit und die Möglichkeiten durch neue IKT
7.3.7 Notwendigkeit neuer IKT in Unternehmen
7.3.8 Haupttrends der Medienentwicklung

8 Teil II: Grundbegriffe der Informationstheorie
8.1 Informationsinfrastruktur
8.2 Informations- und Kommunikationssystem
8.2.1 Begriffsdefinition
8.2.2 Hierarchische Zusammenhänge
8.2.3 Zielrichtung und Entwicklung der Informationssysteme
8.2.4 Dauer und Schwierigkeiten der Implementierung eines IS
8.3 Management
8.3.1 Entwicklung des strategischen Managements
8.4 Informationsmanagement: Grundlage und Bestandteil der Unternehmensstrategie

9 Informationsmanagement und Unternehmen
9.1 Einordnung in Wissenschaftsdisziplinen
9.2 Informationswirtschaftliche Grundlage
9.3 Integriertes Informationsmanagement
9.4 Funktionale Analyse des Informationsmanagements
9.4.1 Bausteine informationeller Aktivitäten
9.5 Wissensmanagement Kreislauf
9.6 Analyse des informationellen Prozesses
9.7 Netzwerke
9.8 Informationsmanagement - Dynamik, Komplexität, Technologie
9.9 Informationsmanagement und Innovation
9.10 Stellenwert des Informationsmanagements
9.11 Ziele des Informationsmanagements
9.11.1 Sachziele
9.11.2 Formalziele
9.12 Aufgaben des Informationsmanagements
9.12.1 Inhaltliche Aufgabe des IM
9.12.2 Strategische-, administrative- und operative Aufgabenebene des IM
9.13 Anforderungen an das Informationsmanagement
9.14 Methodik des Informationsmanagements

10 Ganzheitliches Informationsmanagement
10.1 Gestaltungsdimensionen
10.2 Organisationsstrukturen
10.2.1 Übersicht und Definition
10.2.2 Einfluss neuer Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Organisationsstruktur
10.2.3 Entwicklung von der Aufbau- zur Ablauforganisation
10.2.4 Das Ende funktionaler Organisationsstrukturen
10.2.5 Business Process Reengineering: Aus Alt mach Neu
10.2.6 Geschäftsprozessmanagement
10.2.7 Strategische Organisation
10.2.8 Gefahren der Informations- und Kommunikationstechnologien

11 Informationsmanager
11.1 Stellenwert des Informationsmanagers
11.2 Mögliches Tätigkeitsprofil des Informationsmanagers
11.3 Mögliches Anforderungsprofil eines Informationsmanagers
11.4 Neues Berufsfeld: Informationsmanager
11.4.1 Verschiedene Arten von Wissensmanagern
11.4.2 Datenverarbeitungsmanager versus Informationsmanager
11.5 Informationsflussmodell

12 Wettbewerbsfaktor Informationsmanagement
12.1 Kommunikation: Unterschätzter kritischer Erfolgsfaktor
12.2 Der Wettbewerbsfaktor Information
12.2.1 Differenzierung des Wettbewerbs durch veränderte Branchenstrukturen
12.2.2 Wertschöpfungskette und Differenzierung des Wettbewerbs durch neue Wettbewerbsvorteile für Unternehmen
12.2.3 Differenzierung des Wettbewerbs durch neue Märkte
12.2.4 Ausblick
12 Schlussbetrachtung

13 Literaturverzeichnis

1 Danksagung

An dieser Stelle möchte ich all jenen danken, die mich bei der Entstehung dieser Arbeit unterstützt haben.

Mein Dank für die Betreuung und die hilfreichen Anregungen gilt Herrn Prof. Mag. Diethard Kurz.

Ferner danke ich allen Unternehmen, für die bereitwillige Beantwortung des Internetfragebogens sowie die zahlreichen positiven Beiträge.

Mein Dank gebührt auch Herrn DI Christian Leeb der Firma VA-TECH, für die großzügige Bereitstellung von Unterlagen und die freundlichen Interviews, wodurch ich viele Anregungen erhielt und eine große Zahl an Beispielen einbringen konnte. Die Beiträge ermöglichten es mir, eine ideale Verbindung zwischen Theorie und Praxis herzustellen.

Einen ganz besonderen Dank möchte ich meinem Freund Alexander Grübling aussprechen. Für die tatkräftige Unterstützung, die zahlreichen Tipps und Anregungen, so manch nächtliches Korrekturlesen und so manch aufmunternden, verständnisvollen Zuspruch.

Abschließend bedanke ich mich bei meinen Eltern und meiner Familie in ganz besonderem Maße. Ihrer Förderung und Stütze verdanke ich den erfolgreichen Einklang von Studium und Beruf. Ihnen sei diese Arbeit gewidmet.

Ulrike Schuster

Wien, im April 2001

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Trends der Wissensgesellschaft

Abbildung 2: Exponentielles Wachstum des verfügbaren Wissens

Abbildung 3: Modell der Unternehmenskultur nach Schein

Abbildung 4: Die Beziehungen zwischen den Ebenen der Begriffshierarchie

Abbildung 5: Die Ebenen der Semiotik

Abbildung 6: Vergleich von materiellen Wirtschaftsgütern und Information

Abbildung 7: Steigende Anforderungen an das Management

Abbildung 8: unternehmensinterne Verbreitung von Mitarbeiterinformationen

Abbildung 9: häufigste Kommunikationsformen im Berufsalltag

Abbildung 10: Positionierung Business TV im Kommunikations-/Media-Mix

Abbildung 11: Magisches Dreieck der Unternehmenskommunikation

Abbildung 12: externe Informationsverarbeitung

Abbildung 13: positiver Einfluss neuer IKT auf Unternehmensbereiche

Abbildung 14: Fortschrittlichkeit im Umgang mit neuen IKT

Abbildung 15: Formen der Telekommunikation zwischen Individual- und Massenkommunikation

Abbildung 16: Das Informationssystem als Subsystem des Unternehmens

Abbildung 17: Hierarchischer Zusammenhang von IS, betrieblichem IS und computerunterstütztem betrieblichen IS

Abbildung 18: Zielrichtung der Informationssysteme

Abbildung 19: Managementprozess

Abbildung 20: Funktionen und Objekte des Informationsmanagements

Abbildung 21: Das Kontinuum von Daten und Informationen zum Wissen

Abbildung 22: Assoziation mit dem Begriff Informationsmanager

Abbildung 23: Bausteine des Wissensmanagements

Abbildung 24: Wissensmanagement Kreislauf

Abbildung 25: Informationsfunktion als besondere Querschnittsfunktion

Abbildung 26: Der geschäftliche Wandel

Abbildung 27: Ziele durch neue IKT

Abbildung 28: Die Wissenschaft der Informatik im Überblick

Abbildung 29: Gestaltungsdimensionen zur strategischen IS-Planung

Abbildung 30: Annahmen und Forschungsansätze

Abbildung 31: Einfluss neuer IKT auf Organisationsstrukturen

Abbildung 32: Prozessorientierte Organisation

Abbildung 33: Funktionale Organisation

Abbildung 34: Alte und neue Spielregeln

Abbildung 35: Vorgehensmodell

Abbildung 36: Horizontal-Struktur: Systeme/Beratung/Service

Abbildung 37: Qualifikationen des Informationsmanagers

Abbildung 38: Ein Informationalfußmodell

Abbildung 39: Veränderung der Wettbewerbsstruktur durch den Faktor Information

Abbildung 40: Branchenstrukturanalyse: Analyse der Wettbewerbskräfte

Abbildung 41: Fragebogen – befragte Führungsebenen

Abbildung 42: Fragebogen – Daten zum elektronischen Fragebogen

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Einleitung

Information fließt. Nach jahrelangen Prophezeiungen scheint der Wandel unserer wirtschaftlichen und sozialen Umwelt in eine Informationsgesellschaft endlich vollzogen. Einst wurde die Industrie- von der Dienstleistungsgesellschaft abgelöst (vgl. Probst et al., 1999, S.19f). Heute ist es die Informationsgesellschaft die vornehmlich unser Denken bestimmt (vgl. Busch, 1999, S.11).

Die letzten Jahrzehnte brachten eine Vielzahl neuer technologischer Entwicklungen, die in einem atemberaubenden Tempo unsere Welt verändern. Die „New Economy“ ist bereits Realität und nimmt ungebrochen Einfluss auf (vgl. Evans/Wurster, 2000, S.7) gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und technische Bereiche unseres Lebens (vgl. Pfeiffer, 1990, S.1).

Populäre Beispiele neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wie etwa das Internet, deuten Möglichkeiten neuer Kommunikationsformen an. Diese sind auch für Unternehmen von wettbewerbsrelevanter Bedeutung, da sie ein großes kommerzielles Nutzungspotential darstellen und dem innerbetrieblichen Informationsaustausch dienen (vgl. Nitschke, 1996, S.4).

Nach Meinung zahlreicher Wissenschafter werden die Auswirkungen des Internet auf die Gesellschaft und den Markt mit jenen der Entwicklung der Elektrizität und dem Übergang auf das Industriezeitalter vergleichbar sein. „Die weltweite Vernetzung der Computer, das Zusammenwachsen digitaler Kommunikationsmedien und der daraus resultierende blitzartige Austausch von Daten beschert uns ein neues Zeitalter, dass unseren Lebensstil und unseren Umgang mit Kommunikation entscheidend verändern wird“(vgl. Gleissner et al., 2000, S.9f).

Neue Technologien ermöglichen einen fast unbegrenzten Zugriff auf Informationen bei geringem Kostenaufwand. Die Informationsflut steigt dadurch laufend an, die Entwicklung der Informationstechnologie schafft neue wirtschaftliche Möglichkeiten in der technischen Unterstützung (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.7).

Durch die steigende Informationsflut werden auch Produkte und Preise für die Kunden immer leichter vergleichbar. Dank dieser erhöhten Transparenz verschiebt sich nun die Macht allmählich vom Unternehmer zum Kunden. Denn dieser hat die Möglichkeit, Informationen über eine Vielzahl von Anbietern abzufragen, bevor er sich zum Kauf eines Produktes oder einer Dienstleistung entscheidet. Deshalb wird in Zukunft ein verstärkter Kampf um den Kunden entbrennen (vgl. Evans/Wurster, 2000, S.8).

Auch in der Vergangenheit waren Märkte Veränderungen ausgesetzt. Der Ablauf vollzog sich aber in einem absehbaren, moderaten Tempo. Durch das Vordringen des Computers in alle Bereiche der Wirtschaft und Technik entstand ein globaler Markt mit einer schnell wachsenden Dynamik und erhöhten Komplexität (vgl. Guertler, 1997, S.1).

Der intelligente Umgang mit eigenen Wissensbeständen und eine wettbewerbsorientierte Unternehmensführung wird in einem zunehmend wissensintensiven Wettbewerbsumfeld zur zentralen Herausforderung für Unternehmen. Viele Probleme rücken unaufhaltsam in den Vordergrund: weltweite Überkapazitäten, Marktsättigungen, Globalisierung des Wettbewerbs, eine immer stärkere Differenzierung der Kundenwünsche und die immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen sowie höhere Innovationsraten (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.1).

Viele Unternehmen können mit dieser extern herangetragenen Entwicklung noch nicht umgehen. Für Firmen in führenden Industrienationen ist es aber evident, ihre Strategien und Strukturen entsprechend anzupassen, um auf Marktveränderungen rasch und flexibel zu reagieren und Wachstumschancen nutzen zu können (vgl. Evans/Wurster, 2000, S.8).

Märkte und Unternehmen stehen neuen Herausforderungen gegenüber. Stärker als bisher sind sie gezwungen, rasch und zukunftsorientiert zu handeln, um Zeitvorteile gegenüber Mitbewerbern zu erzielen. Dieser Lauf mit der Zeit gestaltet sich deshalb sehr schwierig, da die wachsende Komplexität von Unternehmen und Umwelt eine erhöhte Reaktionszeit erfordern. Die verfügbare Reaktionszeit sinkt jedoch aufgrund der Dynamik der Umweltentwicklungen. Aus diesem Grunde müssen Konzepte entwickelt werden, die eine Bewältigung der explosionsartig steigenden Informationsmengen erlauben. Die Ressource Information und das Management spielen deshalb eine zentrale Rolle für den Unternehmenserfolg (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.1f).

Die wirtschaftliche Bedeutung von Information liegt in deren Eigenschaft als Wirtschaftsgut, Wettbewerbs- und Produktionsfaktor. Betriebswirtschaftlich wird Information, nach der Definition von Wittmann (1959, S.14), als zweckorientiertes Wissen verstanden. Informationen stellen die Grundlage des unternehmerischen Handelns dar. Neben Erfahrung, Intuition und Werthaltung ist die vorhandene Informationsbasis eine wichtige Entscheidungsgrundlage für den Unternehmer. Herrscht ein mangelhaftes Informationsverhalten (Nachfrage, Angebot) vor, erhöht sich das Risiko eines Misserfolgs von Entscheidungen und Maßnahmen in den verschiedenen Institutionen (vgl. Gabler, 1997, S.1869).

Das Informationssystem (IS) fungiert als Bindeglied zwischen den einzelnen Mitarbeitern und Abteilungen und trägt somit zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Unternehmung bei (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.7f).

Die Fokussierung auf einzelne Segmente eröffnet auch klein und mittelständischen Unternehmen (KMU) neue Chancen in der „New Economy“. Sie haben die Möglichkeit durch Spezialwissen jene Bereiche abzudecken, die große Unternehmen nicht mehr im Detail beherrschen können (vgl. Evans/Wurster, 2000, S.8). KMU werden beschaffungs- und marktseitig eine Reichweite nutzen können, die vormals nur großen Unternehmen vorbehalten war (vgl. Rupp, 2001, S.19). Somit könnte eine völlig neue Art der Kooperation zwischen Großunternehmen und Mittelstand entstehen (vgl. Evans/Wurster, 2000, S.8).

In einer von Technologie getriebenen Welt spielt aber im System Unternehmen auch der einzelne Mensch wieder eine größere Rolle (vgl. Evans/Wurster, 2000, S.9). „Das Know-How jedes einzelnen Arbeitnehmer gewinnt für das Unternehmen zunehmend an Bedeutung (Bartenstein, 2001, S.4)“. Im Zuge von Reorganisationen wird dem einzelnen Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung übertragen. Der Mitarbeiter identifiziert sich stärker mit dem Unternehmen. Dadurch bleibt das Unternehmen konkurrenzfähig und kann zukünftigen Anforderungen leichter entsprechen (vgl. Krcmar, 2000, S.218).

Information als zentraler Wettbewerbsfaktor muss im Unternehmen transparent aufgezeigt werden, damit vorhandene Potentiale gänzlich ausgeschöpft werden können. Um diesen Wandlungsprozess durchführen zu können, gilt es die Mitarbeiter von der Notwendigkeit der Informations- und Kommunikationsoffenheit zu überzeugen und ihnen die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen (vgl. Guertler, 1997, S.2). Es zeigt sich, dass Unternehmen den steigenden Herausforderungen der Zukunft nur gewachsen sein werden, wenn sie dies erkennen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Informationsaktivitäten entwickeln (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.2f).

Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht das Management der Ressource Information. Schon seit einiger Zeit beschäftigen sich Wissenschaft und Praxis mit dieser Problematik (vgl. Krcmar, 2000, S.18). Als Resultat hat sich dabei der Begriff Informationsmanagement (IM) herausgebildet. Im angloamerikanischen Sprachgebrauch ist vom „Informations-Ressource-Management“ die Rede, der den Rohstoff-Charakter der Information verdeutlicht (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.2).

Das IM stellt zwar erst einen relativ jungen Zweig der Betriebswirtschaft dar, zählt aber sowohl aus Management- wie technologieorientierter Sicht zu den wesentlichen Bestandteilen heutiger Unternehmensführung. Informationsmanagement[1] stellt für alle Unternehmen eine Herausforderung dar, die in der Informationsgesellschaft überleben und ihre Wettbewerbsposition ausbauen wollen (vgl. Probst et al., 1999, S.17). Es soll im Hinblick auf das Unternehmensziel den bestmöglichen Einsatz der Ressource Information gewährleisten (vgl. Krcmar, 2000, S. VII).

Das Verständnis des Begriffs IM ist jedoch keineswegs einheitlich (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.2). Es muss vorweg betont werden, dass der Begriff IS nicht mit jenem der Informationstechnologie oder der EDV gleichgesetzt werden darf. Während Informationstechnologie extern zugekauft werden kann, muss ein gelebtes IS von jedem Unternehmen intern erarbeitet werden. Der Beginn des IS ist weit vor einem Einsatz von EDV zu suchen (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.5).

Integrierte IS in Unternehmen zu gestalten und zu realisieren ist eine komplexe Aufgabe. Viele Integrationsansätze sind techniklastig und berücksichtigen organisatorische Aspekte nur am Rande (vgl. Keller, 1993, S. V). Auch die Literatur kennt zumeist nur die Beschränkung auf informationstechnologische Fragestellungen. IM wird manchmal gar auf einen neuen Begriff der Datenverarbeitung beschränkt. Diese eindimensionale, technikgetriebene Betrachtungsweise birgt jedoch die Gefahr des Verlustes der Ganzheitlichkeit der Planung. Es kommt dadurch zu einer Vernachlässigung anderer Problemfelder des IM. Überdies wird eine Nutzung der zweifelsfrei vorhandenen Potentiale der IKT gefährdet.

Es gibt auch Autoren, die ein Management der Ressource Information verlangen. Dieses entspricht dem der anderen Unternehmensressourcen (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.2). Informationen stärken die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Deshalb wird eine systematische Betrachtung des IS, wenigstens gleichwertig mit einzelnen Funktionalbereichen oder anderen Querschnittsbereichen, immer wichtiger. Diese Ansicht wird außerdem durch verschiedene, bereits in der Vergangenheit durchgeführte, empirische Untersuchungen gestützt. Die Untersuchungsresultate ergaben, dass der Einsatz der IKT per se kaum positive Wirkungen auf den Unternehmenserfolg zeigt (vgl. Trott zu Solz, 1992, S.4f); (vgl. Oberhauser/Daniel, S.17).

Eine Professionalisierung der Managementinstrumente im Bereich der Ressource Information erfolgte bis heute nicht. Hingegen werden die Techniken und Instrumente zur Steuerung klassischer Produktionsfaktoren wie Arbeit, Kapital und Boden laufend verbessert. Organisationales Wissen liegt also noch in vielen Unternehmensbereichen brach.

Aus der Hilflosigkeit des Managements im Umgang mit der Ressource Information bzw. Wissen haben sich aber bereits verschiedene innovative Positionen und Bezeichnungen herausgebildet. Mit steigendem Bewusstsein der Notwendigkeit von gezielten Informationen gewinnt der Begriff Informations-, Wissens-, Knowledge- oder E-Business Manager in Unternehmen langsam an Bedeutung. Seine Aufgabenbereiche unterscheiden sich allerdings inhaltlich noch sehr stark voneinander. Jeder einzelne sieht sich jedoch mit derselben Herausforderung konfrontiert: ein wettbewerbsintensiveres Umfeld, in dem der verbesserte Umgang mit der Ressource Wissen zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden kann (vgl. Probst et al., 1999, S.23f).

Aus den bisherigen Ausführungen wird ersichtlich, dass der wachsende Einfluss neuer IKT und der veränderte Stellenwert der Ressource Information umfangreiche Veränderungen in sämtlichen Lebens- und Unternehmensbereichen nach sich ziehen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nun, diese Veränderungen festzustellen und deren Einfluss auf Unternehmen zu bestimmen.

3 Aufbau der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die nachfolgende Darstellung gibt einen Überblick über den Aufbau dieser Arbeit.

4 Die Entwicklung von einer Industrie- zur Informationsgesellschaft

„Die ganze Welt verändert sich in eine Veränderung hinein,

wie sie früher einmal war in einem früheren Leben.“

(Schwab Werner, [zit. nach Martin/Schumann, 1998, S.9])

Der Umbau unserer wirtschaftlichen und sozialen Umwelt in eine Informationsgesellschaft, scheint nach jahrelangen Prophezeiungen nun endlich in greifbare Nähe gerückt zu sein (vgl. Probst et al., 1999, S.19f). Weltweit sind wir einem immer stärkeren Wandel der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen ausgesetzt. Diese Tendenz ist typisch für die Entwicklung führender Wirtschaftsnationen, wie sie v.a. in den USA, der EU und Japan zu finden sind (vgl. Heuser et al, 1997, S.2). Triebkräfte dieser Veränderungen sind in der Globalisierung der Märkte, der weltweiten Verbreitung neuer IKT und der Internationalisierung der Unternehmensstrukturen zu suchen (vgl. Welsch, 2000, S.11).

Bislang herrschte die Industriewirtschaft[2] vor. Diese wird mehr und mehr durch die Informationswirtschaft[3] als Zentrum des wirtschaftlichen Wachstums abgelöst. Es erfolgt eine Verschiebung jener Faktoren und Kräfte, die für die Schaffung neuer Tauschwerte bedeutend sind. In der Industriewirtschaft standen Tätigkeiten, wie das Gewinnen von Rohstoffen, die Verformung von Werkstoffen, das die Bearbeitung von Dingen als auch das Transportieren von materiellen Produkten ermöglichte, im Mittelpunkt des Interesses. Die Arbeit wurde unterstützt durch Sachkapitalgüter wie Maschinen, Fabrikanlagen, Transportfahrzeugen und vielem mehr. Der Grad technischer Modernität des Sachkapitalbestands wurde als der Engpassfaktor dieser Zeit angesehen. Er war für die Steigerung der Arbeitsproduktivität und somit der Produktion insgesamt relevant.

Mit dem Umbruch in die Informationswirtschaft veränderten sich die Engpassfaktoren schlagartig. Information und Wissen rückten in den Mittelpunkt des Wertschöpfungsprozesses[4] (vgl. Welsch, 2000, S.17ff). Aufgrund der „digitalen Revolution“ sind Informationen, aus denen Wissen generiert und in Produkte umgesetzt wird, immer weniger zeit- und ortsgebunden (vgl. Holetschek, 1999, S.29). Informations- und Wissensarbeit wie das Sammeln, Auswerten, Verändern, Übertragen und Verteilen von Informationen sind heute die wichtigsten Formen der Erwerbsarbeit.

Die agrarische und industrielle Produktion stützen sich ebenfalls auf die Nutzung von Wissen. Denn wenn das Wissen über die Gesetzmäßigkeit des Ackerbaus keinen Fortschritt erfahren hätte, wäre auch eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität undenkbar gewesen. Auch die industriellen Arbeitsprozesse zur Gewinnung von Metall aus Erzen, der Umwandlung von Metall in Maschinen, der Nutzung von fossilen Rohstoffen zur Gewinnung von Energie etc. sind alle mit der Anwendung von Wissen verbunden.

Aufgrund gesteigerter Automatisierung, Mechanisierung und Rationalisierung verliert der produzierende Bereich zunehmend an Bedeutung. Er wird verstärkt in „Billiglohnländer“ verlagert. Dadurch freigesetzte Arbeitskräfte werden in den letzten 40 Jahren verstärkt vom tertiären Sektor[5] aufgefangen. Die stetig wachsende Dominanz des tertiären Bereiches ist ein typisches Merkmal unserer heutigen Gesellschaft und eng verknüpft mit der historischen, gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung und Nutzung neuer IKT (vgl. Heuser et al, 1997, S.2).

Die grundlegende Veränderung beim Übergang in die Informationswirtschaft ist jedoch der Stellenwert von Information und Wissen im wirtschaftlichen Prozess. Sie sind die wichtigsten Produktionsfaktoren in dieser Zeit (Information als Ressource) und stellen damit auch zukünftig die entscheidenden Engpassfaktoren der ökonomischen Wertschöpfung dar (vgl. Welsch, 2000, S.17ff).

In den siebziger Jahren bezeichnete man das Resultat der Entwicklung von der warenproduzierenden (Industrie-)Gesellschaft hin zur Dienstleistungs-gesellschaft, die nicht mehr vorrangig vom Faktor „Produktion“, sondern vom Faktor „Information“ bestimmt war, als „nach-industrielle Gesellschaft“. Innerhalb kürzester Zeit entstand aus dieser abstrakten Bezeichnung der Begriff „Informationsgesellschaft“(vgl. Klutmann, 1992, S.1). Diese zeichnet sich dadurch aus, dass in ihr eine „fast vollständige Erreichbarkeit beliebiger Informationen (Bullinger/Kornwachs, 1986, S.4, [zit. nach Klutmann, 1992, S.1]) “ realisiert ist. Für die Informationsgesellschaft ist ein kontinuierlicher Anstieg des Informationsüberschusses charakteristisch.

Bereits eine Vielzahl führender Managementtheoretiker sind der Ansicht, dass Investitionen in die Wissensressourcen eines Unternehmens ungleich profitabler wären, als jene in materielles Anlagekapital (vgl. Probst et al., 1999, S.19f).

4.1 Informationsüberlastungsgesellschaft

„Overnewsed but underinformed“

(Grob/Bieletzke, 1998, S.31)

In der heutigen Zeit müssen Unternehmen in einer wesentlich komplexeren Wissensumwelt agieren, als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Erst 300 Jahre nach Erfindung der Druckerpresse verdoppelte sich erstmals das weltweite Volumen der verfügbaren Informationsmedien. Mittlerweile vollzieht sich eine solche Verdoppelung beinahe alle 5 Jahre. Zwischen 1950 und 1975 wurden z.B. genauso viele Bücher produziert wie in den 500 Jahren, seit Gutenbergs revolutionärer Erfindung. In den letzten 30 Jahren vollzog sich überdies eine Verdoppelung des prozentualen Anteils von Forschungs- und Entwicklungsmitarbeitern in westlichen Industrieunternehmen, was dazu beiträgt, dass die technologische Entwicklung einer ähnlichen Wachstumskurve folgt (vgl. Probst et al., 1999, S.23f).

Mit Hilfe neuer Anwendungen, Technologien, der steigenden Leistungsfähigkeit von Netzen und Prozessoren und der Verbreitung des Internet-Zugangs, werden diese Entwicklungen immer weiter vorangetrieben (vgl. Bernhard, 2000, S.61).

Mit der Vermehrung des Wissens geht auch eine stärkere Spezialisierung in den wissenschaftlichen Disziplinen einher. Die ersten beiden Auflagen der „Encyclopedia Britannica“ wurden bspw. noch von zwei einzigen Wissenschaftern erstellt. Heute arbeiten an einer neuen Edition bereits zehntausende Experten (vgl. Probst et al., 1999, S.23f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Trends der Wissensgesellschaft (vgl. Probst et al., 1999, S.24)

Unsere Gesellschaft wird im Einklang mit den Sozialwissenschaften als strukturiertes und organisiertes System menschlichen Zusammenlebens und -wirkens verstanden. Sie hat sich, wie bereits einleitend erwähnt, von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft gewandelt, die ihren Schwerpunkt in der Informationsdienstleistung sucht.

Die Geschichte lehrt uns, dass sich ein ähnlicher Wandel bereits mehrmals vollzogen hat. Solche Veränderungen wurden jeweils durch technische Erfindungen, wie etwa die Ausnutzung von Dampfdruck und anschließende wirtschaftliche Innovationen, wie z.B. der dampf-riemengetriebene Webstuhl (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.33f), Elektrizität, Verbrennungsmotor oder Telefon, ausgelöst. „Mit dem Einsatz und der massenhaften Nutzung dieser damals bahnbrechenden Entwicklungen geschahen nicht nur sprunghafte und beschleunigte Veränderungen bei Produktionsformen, Verkehrsverbindungen und beim Austausch von Waren und Informationen. Was sich dazu parallel ebenso rasch veränderte, waren Weltbilder, Wertvorstellungen, die Wahrnehmung von Zeit und Raum, die Arbeitswelt und nicht zuletzt soziale Beziehungsgeflechte.

- Kondratieff--Wellen

„Nach der Theorie des russischen Wirtschaftwissenschaftlers Kondratieff treten in der Weltwirtschaft ungefähr alle 50 Jahre bedeutende technische Innovationen auf, die der Industrie eine völlig neue Richtung geben. Seit beginn der Industrialisierung konnten vier solcher Kondratieff-Wellen festgestellt werden. Eine fünfte welle könnte mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Biotechnologie, der Lasertechnik u.ä. ausgelöst werden. Die Zeiten zwischen den Wellenhöhepunkten waren immer von wirtschaftlicher Depression, Massenarbeitslosigkeit und damit zusammenhängenden sozialen Problemen gekennzeichnet (vgl. Volkmann, H., 1996, S. 47ff [zit. nach Breinbauer, 1999, S. 38]).“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die langen Wellen der Weltkonjunktur (vgl. Volkmann, H., 1996, S. 47ff [zit. nach Breinbauer, 1999, S. 38])

Alle bedeutenden technischen Entwicklungen haben zudem die Fähigkeiten und Chancen ihrer Nutzer erhöht, ihren wirtschaftlichen, politischen und nicht zuletzt auch ihren kulturellen Einfluss auszuweiten und zu verstärken.“ Es ist nicht anzunehmen, dass dies bei den neuen IKT anders sein wird (vgl. Baum et al., 2001, S.2).

Als nächste Basisinnovation ist die Informations- und Telekommunikationstechnologie kurz IKT zu erwähnen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Internet die Welt radikaler verändern wird als die Dampfmaschine. Leider leben wir noch nicht in einer informierten Welt, so wie es von einer funktionierenden Informationsgesellschaft zu erwarten wäre, sondern in einer Informationsüberlastungsgesellschaft. Daraus lässt sich schließen, dass diese Entwicklung noch länger andauern wird (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.33f).

4.1.1 Informationsflut

„Die Vielzahl der Bücher ist von großem Übel. Es gibt kein Maß und

keine Grenze für dieses Fieber des Schreibens, jeder muss ein Autor sein...“

(Martin Luther, [Krcmar, 2000, S.39])

Da Information lange Zeit ein knappes Gut war, kam es zu der Erwartungshaltung, dass viel Information auch automatisch für bessere Entscheidungen sorgen würde. Oft war zu hören „Je mehr Informationen, desto besser!“ So wurden den Mitarbeitern bei auftretenden Problemen, wie mangelnder Flexibilität oder geringen Innovationsraten, noch umfangreichere Informationen zugeleitet, da man sich dadurch eine verbesserte Kooperation und Innovation erwartete (vgl. Mast, 2000, S.57). Es zeigt sich jedoch immer mehr, dass ein Zuviel an Information geradezu das Gegenteil zu bewirken scheint (vgl. Krcmar, 2000, S.39).

Das derzeitige Informationszeitalter ist geprägt von einem extremen Anstieg an vorhandenem Wissen. Die nachfolgende Abbildung stellt diese Entwicklung grafisch dar (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.19):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Exponentielles Wachstum des verfügbaren Wissens (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.19)

Bevor das Internet seinen globalen Einzug in die Arbeitswelt hielt, konnte nur das Telefon ungestörtes Arbeiten verhindern. Mit dem Handy wurde dem nächsten „Störenfried“ der Weg in den Büroalltag geebnet. Durch das Internet und der damit möglichen weltweiten Vernetzung von Wissen steigt die Informationsflut ununterbrochen an. Die tägliche Überschwemmung mit E-Mails kostet Geduld und v.a. ein enormes Potential an Arbeitszeit, die zumeist ohnedies schon sehr knapp bemessen ist (vgl. Leonhartsberger, Simone: In der Informationsflut surfen oder untergehen/Wissensmanagement im Betrieb forcieren, in: Kurier vom 22.10.2000, S.3).

Tag für Tag werden wir überschwemmt mit Nachrichten zu nationalen und globalen Ereignissen, neuen Produktwerbungen, wissenschaftlichen Publikationen und Videounterhaltungen (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.33f). David Shenk bezeichnet diese Situation treffend als „Datasmog“. Davon betroffen ist auch das amerikanische Repräsentantenhaus, das z.B. im Jahr 1972 an die 14,6 Millionen Postzusendungen erhielt, wohingegen es 1985 bereits 225 Millionen waren. Somit beliefen sich auf jedes Mitglied dieser Institution in etwa eine halbe Million Sendungen (vgl. Königer/Reithmayer, 1998, S.14). Auch die Anzahl der im Netz verfügbaren Dokumente wächst zusehends. Während im Jahr 1995 noch etwa 2 Millionen Dokumente abrufbar waren, so gehen Schätzungen davon aus, dass es im Jahr 2002 bereits 450 Millionen sein werden (vgl. Krcmar, 2000, S.39).

Obwohl die Klagen über die Informationsflut immer lauter werden, sind Informationen zur neuen Ressource geworden und bilden die Vorraussetzung für den persönlichen Erfolg. „Wir laufen demnach Gefahr, von der Informationsflut weggespült zu werden und bleiben dabei dennoch durstig nach Wissen, weil es uns nicht gelingt, aus der Menge die richtigen Schlucke zu nehmen.“(vgl. Königer/Reithmayer, 1998, S.13)

Auch das persönliche Wissensmanagement gewinnt immer mehr an Bedeutung. In großen Unternehmen übernehmen meist Informationsmanager[6] diese Aufgabe. Im Privatleben muss jedoch jeder für sich wichtige Informationen herausfiltern. Dadurch ist eine persönliche Weiterentwicklung gesichert. Wer nicht in regelmäßigen Abständen sein Wissen überprüft und herausfindet, welche Qualifikationen er sich aneignen muss, um neuen Herausforderungen gewachsen zu sein, wird den Sprung in die Zukunft kaum schaffen und gehört der Vergangenheit an (vgl. Davidovits, Daniela: Eigenes Wissen managen, in: Kurier vom 22.10.2000, S.3).

Mit Hilfe weltweit vernetzter IS in Unternehmen und privaten Haushalten schrumpften die Kosten für die Informationserstellung und -verbreitung auf ein Minimum. Durch die neuen Informationstechnologien wurde es auch verhältnismäßig einfach, große Informationsmengen zu versenden. Diese Gründe sind mit ausschlaggebend für eine zunehmend kommunizierte Informationsmenge.

Somit senden oder empfangen Manager, im Jahr 1997, täglich rund 150-190 elektronische Nachrichten. 98 Prozent der österreichischen Manager kommunizieren täglich per E-Mail. Dies ergab eine Studie der Produktivitätsberatung Czipin & Partner. 68 Prozent der Manager sind der Meinung, damit ihre Produktivität steigern zu können (vgl. o.V.: E-Mails bei Managern, in: Kurier, 13.01.2001, S.33).

Die Versendung von Nachrichten durch dieses Medium wird also bedeutend leichter. Trotzdem birgt selbst diese Art der persönlichen Kommunikation eine gewisse Verpflichtung, sich mit den übermittelten Nachrichten auch auseinander zu setzen (vgl. Krcmar, 2000, S.39).

Die zunehmende Informationsflut in Unternehmen ist oft auch hausgemacht. Ein Beispiel dafür wäre etwa, wenn interne Medienprodukte ohne genauen Adressatenbezug erstellt und verteilt werden. Dasselbe gilt auch für elektronische Speicher. Sie wurden in der ersten Euphoriephase unkontrolliert gefüllt und kaum jemand achtete darauf, ob die Nachricht für den Empfänger tatsächlich wünschenswert und brauchbar ist. Viele Unternehmen arbeiten daher bereits an einer einheitlichen, nutzerfreundlichen und klar strukturierten Intranet-Plattform (vgl. Mast, 2000, S.230).

Die Flut an Informationen kann eine Vielzahl negativer Auswirkungen auf uns haben. Mittel- bis langfristig kann es zu einer Schmälerung der Leistungsfähigkeit kommen. Es wird Stress verursacht, der zu gesundheitlicher Beeinträchtigung führt. Im folgenden sollen einige mögliche Auswirkungen aufgezeigt werden, die bei Informationsüberlastung auftreten können (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.38f):

Selektive Informationen:

Werden Informationen, vom Informationsempfänger als „angenehm“ empfunden, werden diese bevorzugt aufgenommen. „Problematische“ Informationen werden zum Teil unbewusst gefiltert und rufen keine Reaktion hervor.

Informationsflucht:

Die Aufnahme neuer Informationen wird vom Empfänger verweigert. Die Folge ist eine unzureichende Deckung des Informationsbedarfs, sowie eine Unterbrechung des Informationsflusses zu anderen Stellen.

Schubladisierung:

Es erfolgt eine subjektive Einschätzung und Reihung der Wichtigkeit von Informationen. Problematisch dabei ist die subjektive Bewertung und die „beabsichtigte“ Bearbeitung, die oft nicht mehr zustande kommt. Dadurch verschlechtert sich der Aktualitätsgrad von Informationen.

Persönliche Konflikte:

Indem Informationen verdrängt werden, kommt es zu „kognitiven Dissonanzen“, die zu Unzufriedenheit führen. Diese Unbehaglichkeit wird vom Betroffenen durch eine „Umbewertung“ verdrängter Informationen gemildert. „Das ist für mich nicht wichtig.“

Soziale Konflikte:

Durch die Informationsüberlastung kann es also zu Informationsumbewertungen und Verdrängungen kommen, die wiederum das Arbeitsklima belasten. Des Weiteren wird Zeit und Energie für Überzeugungs- und Abstimmungsarbeit aufgewendet, um individuelle Vorstellungen durchzusetzen.

Kommt es zu solchen Symptomen, so müssen diese Schwachstellen vom Informations- und Kommunikationssystem eines Unternehmens festgestellt und verbessert werden (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.38f).

Der Mensch kann nur circa 300 Worte pro Minute lesend verarbeiten, womit ihm in seiner Informationsverarbeitungskapazität Grenzen gesetzt sind (vgl. Probst et al., 1999, S.23). Um die Menschen nicht unbezwingbaren Informationsmengen auszuliefern, müssen systematisch sämtliche technologischen und organisatorischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit eine menschenfreundliche Nutzungskultur von IKT entwickelt werden kann (vgl. Krcmar, 2000, S.40f).

Um es in den Worten des Ökonomen und Nobelpreisträgers Herbert Simon auszudrücken: „Informationen nehmen die Aufmerksamkeit ihrer Empfänger in Anspruch. Ein Zuviel an Informationen führt zu einem Mangel an Aufmerksamkeit. Es ist daher notwendig, die Aufmerksamkeit in diesem Überangebot von Informationsquellen optimal zu lenken (vgl. Weber, Die vernetzte Gesellschaft – Vision oder Realität?, in: Ti-flash, 09.04.2001, S.1).“ Diese zentrale Aufgabe wird dem Informationsmanagement auf der Ebene der Informationswirtschaft zukommen (vgl. Krcmar, 2000, S.40f).

Der nächste Abschnitt soll nun die Frage klären, wo die Ursachen für eine solche Informationsüberlastung zu suchen sind.

4.1.2 Ursachen der Informationsüberlastung

„Die Zahl derer, die durch zu viele Information nicht mehr informiert sind, wächst.“

(Augstein Rudolf, [zit. nach Harenberg, 1997, S.605])

„Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß!“ Der mangelnde Informationsaustausch zwischen den einzelnen Teilfirmen bereitete den Konzernmanagern lange Zeit große Sorgen und hohe Kosten. Inzwischen betreibt das Unternehmen eine Wissensplattform im Internet, wo Mitarbeiter ihre Projekte dokumentieren, austauschen und einander wechselseitig helfen können. Doch „der Aufbau dieses Wissensmanagement-Systems war langwierig und schwierig“, berichtet Zoltan Wirth vom „Sienns-Sharenet-Projekt“(vgl. Rubasch, Ulrike: Goldstücke unter Steinen/Studenten werden Informationsmanager, in: Kurier, 22. 10. 2000, S.8) Dieser Firmenwitz ist inzwischen auf die meisten der informations-verarbeitenden Unternehmen übertragbar. Dadurch wird auf sarkastische Weise die dahinterstehende informationelle Problematik aufgezeigt (vgl. Klutmann, 1992, S.2).

Die primäre Ursache der Informationsüberlastung ist in der vermehrten Produktion von Information zu suchen. Heute leben 90% aller Wissenschafter der Menschheitsgeschichte, die alle 15 Jahre das schriftlich fixierte Weltwissen verdoppeln. Datenmengen nehmen also rasant zu und die Produktion weiterer Daten wächst progressiv (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.33). Den Nutzern der Kommunikationsnetze bereiten v.a. die mangelnde Übersichtlichkeit und die Einstufung nach Wichtigkeit Probleme. Damit wird die Hoffnung nur teilweise erfüllt, dass interaktive Medien die Informationsbeschaffung erleichtern (vgl. Mast, 2000, S.24).

Der Produktion nachgelagert ist die Verbreitung von Informationen. Dies geschieht durch spezielle Institutionen und Rolleninhaber wie bspw. Redaktionen oder Professoren. Sie treffen bereits die erste Vorauswahl über Informationen, die publikationswürdig sind oder im Hörsaal verbreitet werden. Dennoch kann nur das Individuum selbst entscheiden, welche Informationen für sein Leben relevant oder irrelevant sind.

Der Verbreitung wiederum folgt der Konsum von Informationen. Die Aufnahmefähigkeit von Individuen wird jedoch aufgrund der Fülle an Informationen oft überstrapaziert. Heute ist ein Europäer in einer Woche mit so vielen Daten konfrontiert, wie ein Bürger des Mittelalters in seinem ganzen Leben. Informationen, mit denen man sich genauer beschäftigen möchte, werden daher individuell selektiert. Von dieser persönlichen Auswahl der bereits vorgefilterten Menge wird wiederum nur ein Teil wahrgenommen und verarbeitet. Ein noch kleinerer Teil wird schließlich, zumindest eine Zeit lang, im Gedächtnis verankert, bis der natürliche Weg des Vergessens seinen Lauf nimmt (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.33f).

Einige ausgewählte Beispiele weiterer Ursachen und Probleme des wachsenden Informationsüberschusses sind:

- Die Tatsache, dass mehr Informationen angeboten als konsumiert werden können.
- Die Entstehung eines subjektiven Informationsstresses, da indirekt suggeriert wird etwas zu verpassen, wenn nicht alles gelesen wird, Informationen jedoch nur begrenzt aufgenommen und verarbeitet werden können (vgl. Mast, 2000, S.108).
- Die Veränderung des Betriebsklimas, beeinflusst durch Gerüchte und Phantasien, die durch zu viele oder mangelhafte Informationen ins Leben gerufen werden.
- Der Informationsanstieg, der zur Bewältigung immer neuere Techniken verlangt, die wiederum neue Informationen produzieren (vgl. Klutmann, 1992, S.1f).
- Die mangelnde Delegation und ein zu umfangreiches Aufgabengebiet („Bevor ich das alles erkläre, mache ich es lieber selbst“).
- Die ständigen Arbeitsunterbrechungen durch Telefonate, Mitarbeiter, etc. (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.40).

4.1.3 Problemlösung

„Weniger ist mehr!“

Informationen finden sich in Firmen bereits in Hülle und Fülle. Trotzdem fällt es den Mitarbeitern oft schwer herauszufinden, worum es eigentlich geht. Manager dürfen sich nicht rein auf die Informationsvermittlung beschränken, sondern müssen lernen, Botschaften zu formulieren und Entscheidungen darüber zu treffen, welche Botschaft zum jeweiligen Zeitpunkt essentiell ist. Durch eine Konzentration auf das Wesentliche vermitteln sie Orientierung und Führungsstärke.

„Einmal ist keinmal!“

Angesichts der Informationsflut kann nicht davon ausgegangen werden, dass einmal Gesagtes, eine versendete E-Mail, ein verkündetes Ziel in einem Rundschreiben oder eine Botschaft auf einer Tagung ausgesprochen, sich schon im Bewusstsein des Empfängers verankert. Manager überschätzen ihre Mitarbeiter zuweilen und in Folge macht sich bei ihnen Verzweiflung breit: „Ich habe es denen doch genau gesagt, was zu tun ist? Warum tun sie es dann nicht?“

Das Erfolgsrezept sind Wiederholungen, in Varianten und über verschiedene Kommunikationswege, bis Mitarbeiter oder Partner die Botschaft behalten. Des Weiteren sind konkrete und veranschaulichende Beispiele unabdingbar, damit sich der Gesprächspartner ein Bild von seiner Aufgabe machen kann. Diese Maßnahmen sind notwendig, da die Wachsamkeit der Menschen ebenso begrenzt ist wie ihre Aufnahmekapazität (vgl. Mast, 2000, S.64ff).

“Maximum an Information, Minimum an Zeit”

Nach diesem Motto geht bspw. SAP vor. Durch zielgruppengenaue Adressierung von verteilten Nachrichten und ein übersichtliches und klar strukturiertes Intranet soll dies erreicht werden. Die Firma SAP setzte zur Selektion und Bündelung von Informationen auf professionelle Redaktionen, die nach dem Newsroom-Prinzip arbeiten. Dies bedeutet, dass mit speziell ausgebildeten Kräften gearbeitet wird und nicht mit Mitarbeitern, die diese Aufgaben nebenher erledigen (vgl. Mast, 2000, S.230).

Wie Lösungsansätze zur Eindämmung der Informationsflut noch aussehen könnten, sollen folgende Beispiele zeigen (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.36f). :

- Zunächst sollte die Vorselektion durch bspw. Redakteure und Professoren verringert werden. Dadurch steigt die Informationsmenge an. Diese muss auf geeigneten und allgemein zugänglichen Datenträgern zum Abruf bereitgehalten werden. Umsetzbar wird dieses Ziel durch die Schaffung eines World Wide Web (WWW). Mit dieser Infrastruktur können Daten leichter bereitgestellt und verteilt werden.
- Um beim Benutzer Akzeptanz zu erreichen, muss die Navigation in diesem Informationsraum rasch und einfach sein. Des Weiteren muss dem Benutzer die Möglichkeit eröffnet werden, durch selbst definierte Filter jene Bereiche im Informationsraum auswählen zu können, die für ihn von Interesse sind.
Dieses Ziel kann durch den Einsatz von Hypertext und Suchmaschinen[7] zur Navigation und zur Informationsauswahl verwirklicht werden.
- Damit die Effizienz des Informationskonsums gesteigert werden kann, muss die Darstellung von Informationen an Informationsinhalte sowie an individuelle Vorlieben der Informationsaufnahme anpassbar sein. Für eine Realisierung dieses Ziels kommt zur besseren Darstellung der Information die Möglichkeit des Einsatzes von Multimedia[8] in Betracht.

Die Datenflut wird einerseits durch die Bereitstellung von globalen Datennetzen erheblich zunehmen, andererseits kann individuell entschieden werden, was aus diesem riesigen Datenpool ausgewählt wird. Somit verbleibt eine Informationsmenge, die nun in geeigneter Form konsumiert werden kann (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.36f).

4.2 Informationsgesellschaft

„Indem wir [...] Technik entwerfen, bestimmen wir nicht nur,

was wir tun, sondern auch, wer wir sind.“

(Capurro, 1997, S.329 [zit. nach Grob/Bieletzke, 1998, S.80])

Der Begriff der Informationsgesellschaft wird oft gleichbedeutend mit anderen Begriffen wie „Wissens-“, „Dienstleistungs-“, „Kommunikations-“ oder „Mediengesellschaft“ verwendet. Im Rahmen dieser Arbeit soll unter „ Informationsgesellschaft eine Gesellschaft verstanden werden, in der eine leistungsfähige und hochentwickelte Informationsinfrastruktur vorhanden ist.“ In ihr wird ein hoher Anteil gesellschaftlicher Transaktionen durch informationstechnische Systeme unterstützt oder übernommen. Durch die Schaffung und Verwertung von Informationen und Wissen bringt deren Wirtschaft einen neuen hohen gesellschaftlichen Reichtum hervor (vgl. Welsch, 2000, S.17f).

Ein Wandel von der Informationsüberlastungsgesellschaft zur Informationsflut beherrschenden Informationsgesellschaft kann aber nur dann erfolgen, wenn die technischen Voraussetzungen dafür stimmen. Wenn nämlich eine rapide Verbreitung und Durchdringung des Internet als eine weltweit verfügbare Datenbank realisiert wird. Denn gleichsam wie das Telefonnetz, welches um so sinnvoller genutzt werden konnte, je mehr Telefonteilnehmer erreichbar waren, könnte diese Voraussetzung auch für die Teilnehmer in Computernetzen gelten (Grob/Bieletzke, 1998, S.66f). „Das WWW wird wirtschaftlich erst dann interessant, wenn der ökonomische Erfolg erhöht werden kann (Rupp, 2001, S.18).“

Internet und Multimedia werden sich auf unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft auswirken. „Durch das Internet wird eine neue Basisdemokratie und Lebenskultur entstehen.“ Die Internet-Ökonomie zieht nicht nur immer weitere Kreise in der Volkswirtschaft, sie beeinflusst auch die Gesellschaft. Sie ist grenzenlos und basiert auf einer neuen elektronischen Infrastruktur.

Veränderungen vollziehen sich in immer kürzeren Abständen. Über das Netz können Menschen Gruppen bilden. Kommunikation über kulturelle, geographische, politische und organisatorische Grenzen hinweg wird ermöglicht. Sie können ebenso Wissen verteilen und es weiterentwickeln (vgl. Bernhard, 2000, S.61).

- Verborgene Ängste

Allerdings ist die Verbreitung der Informationstechnologie auch von problematischen gesellschaftlichen Auswirkungen begleitet, da Veränderungen meist mit Ungewissheiten und Ängsten verbunden sind (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.80).

Schon in den 70er Jahren hieß es, die Informationsgesellschaft sei die Gesellschaft der Zukunft. Sie sei eine Gesellschaft der sauberen Industrien, eine, in welcher vermehrt Arbeitsplätze im Informationssektor entstehen, eine Gesellschaft mit mehr Wissen und Information. Im Gegensatz zu dieser euphemistischen Betrachtung sei an dieser Stelle aber auch auf die Ängste der Menschen zu dieser Zeit verwiesen. Arbeitslosigkeit durch informations- und kommunikationstechnische Modernisierung, computerisierte Kontrolle sowie der Gedanke, dass Information allein noch kein Wissen bringe, waren als Schreckgespenst dieser Zeit gefürchtet (vgl. Mettler-Meibom, 1995, S.13).

Obgleich diese Befürchtungen heute kaum mehr in dem Maße präsent sind, da der Computer gegenwärtig für ein wirtschaftliches Überleben nicht mehr wegzudenken ist, bleiben sie dennoch im Gespräch.

Hohe Aktualität genießt z.B. die Problematik der Überwachung von Personen durch Computer. Umfangreiche Personendatenbanken werden von Unternehmen, Verwaltung und Behörden geführt. Legitim ist das Interesse, Bearbeitungsabläufe effizienter zu gestalten. Beim Austausch oder Verknüpfen dieser Daten, wird jedoch immer die Privatsphäre tangiert. Hierbei schwingt ständig die Angst eines Missbrauchs im Hintergrund mit (vgl. Witwer, 1996, S.160).

Um die Akzeptanz für den technologischen Wandel zu verbessern, müssen die Kenntnisse über mögliche Auswirkungen verbessert und ein neues Bewusstsein geschaffen werden. So sollen im folgenden Kapitel Überlegungen zu Veränderungen in der Informationskultur, der politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und Bildungsumwelt dargestellt werden, die sich wieder auf die individuelle Umwelt auswirken. Obgleich zwischen den einzelnen Umwelten sicherlich Dependenzen und auch Interdependenzen bestehen, werden diese im Zuge der nachfolgenden Ausführung getrennt behandelt (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.80).

Es soll nun auf die wesentlichsten Einflüsse und Veränderungen neuer Technologien auf die Umwelt eingegangen werden. Neben ihrem Einfluss auf die Informationsgesellschaft zeichnen sich die folgenden unternehmensinternen wie auch -externen Einflussgrößen ebenso für die Gestaltung des IM verantwortlich.

5 Einflussgrößen auf die Unternehmensumwelt und das Informationsmanagement

Wollte man sämtliche externen und internen Einflüsse der IKT auf ein Unternehmen exakt aufzeigen, entspräche dies einer Betrachtung der Blutbahnen im menschlichen Körper (vgl. Kurtzke, 1999, S.186). Aus diesem Grund wird in der Folge nur auf die wesentlichsten Einflussgrößen eingegangen.

5.1 Kultur

Das gesellschaftliche Werte und Normensystem beeinflusst die Einstellungen und das Verhalten von Gestaltern und Anwendern der IKT (vgl. Pfeiffer, 1990, S.131f). Technische Hilfsmittel allein genügen nicht, um den Herausforderungen durch neue Medien entsprechen zu können. Auch die Kultur muss einen Wandel erfahren, damit ein neues Bewusstsein ermöglicht wird (vgl. Königer/Reithmayer, 1998, S.18).

In der heutigen Zeit sind große Teile der Bevölkerung traditionellen Werte- und Gesinnungsgemeinschaften wie Parteien, Gewerkschaften oder der Kirche nicht mehr in dem Ausmaß verbunden, wie es früher der Fall war. Immer häufiger treten Idealvereine und globale virtuelle „Communities“ an ihre Stelle. Diese gruppieren sich dann fallweise und temporär an bestimmte Personen, Themen und Zeichen (vgl. Krzeminski/Zerfaß, 1998, S.19).

Die Globalisierung bedingt intensive kulturelle Beziehungen, welche eine Quelle von Konflikten hervorbringen können. Die globale Telekommunikation ist mit dem Risiko behaftet, dass es zu einer weltweiten Vereinheitlichung kultureller Werthaltungen und Lebensstile kommt. In vielen Ländern ist hingegen eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Es kommt zu einer krampfhaften Abschottung, die mit einer Hinwendung zu alten Traditionen verbunden ist. Demzufolge können im wesentlichen folgende Fragen aufgeworfen werden:

Schafft es die Kultur, die Kluft zwischen lokalen Identitäten, ethnischen oder religiösen Verbindungen und der nationalen Bürgerschaft zu überwinden?

Kann die Kultur „ein System schaffen, dass es Menschen erlaubt, sich einer lokalen oder mikro-regionalen kulturellen Gruppierung ebenso zugehörig zu fühlen wie einer Bürgergemeinschaft?“

Die Europäische Kommission sieht in der Kultur, „der grundlegenden Quelle von Gedächtnis bzw. Erinnerung und Identität“, die bedeutendste Antriebskraft zur Schaffung eines neuen Bewusstseins von Zugehörigkeit und einer neuen Form des Zusammenlebens (vgl. Arizpe, 1998, S.8).

- Kultur des Informationsmanagements:

Unser Alltag ist geprägt von einer Kultur der Informationsbewältigung, die über Jahrhunderte gewachsen ist. Ein Großteil dieser Kultur ist uns nicht bewusst. Doch gerade das macht ihre Wirksamkeit aus. Potentiale des IM, von denen jeder profitieren kann, sind bspw. im Aufbau der Tageszeitung, in Fahrplänen und Nachschlagewerken oder in den Institutionen des Alltags, wie z.B. Bibliotheken, enthalten. Es beginnt bereits bei eingespielten Verhaltensweisen, wie etwa dem Anlegen von Telefonnotizen und findet ihre Fortsetzung bei festen Konventionen, wie dem inhaltlichen Aufbau und dem Layout von Geschäftsbriefen. Diese werden systematisch erlernt und deren Einhaltung kontrolliert.

Spürbar und greifbar wird die Kultur in einer Fülle materieller Hilfsmittel. Immer wieder werden sie eingesetzt, wobei wir nicht merken, dass wir dadurch bereits Ansätze professionellen IM verwirklichen. Beispiele dafür wären etwa die Registerlaschen, die wir in Ordner einlegen oder das Fernsehprogramm, welches bereits einen festen Platz im Wohnzimmer einnimmt. Anhand dieser materiellen Hilfsmittel kann man die Kultur des IM studieren, die uns allen zur Verfügung steht (vgl. Königer/Reithmayer, 1998, S.18f).

- Unternehmenskultur:

Unter Unternehmenskultur wird die Verhaltensdimension des normativen Managements verstanden. Das heißt, dass die Unternehmenskultur im wesentlichen die Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften eines Unternehmens und ihrer Mitglieder widerspiegelt (vgl. Hungenberg, 2000, S.33). Das Unternehmen kann demnach als eigene abgegrenzte Gemeinschaft angesehen werden. Wie die sie umgebende Gesellschaft verfügt sie über eigene Lebens- und Leitvorstellungen. Diese werden durch ihr eigenes Handeln beeinflusst (vgl. Guertler, 1997, S.33).

Soll eine Umsetzung von Prinzipien und Methoden gelingen, muss es zu einer Veränderung der Unternehmenskultur kommen. Wesentliche Erfolgselemente dafür sind die schrittweise Einführung und unmittelbare Nutzenerfahrung (vgl. Königer/Reithmayer, 1998, S.194).

Der erfolgsbestimmende Faktor der Unternehmenskultur wird erst seit Beginn der 80er Jahre verstärkt diskutiert. Es handelt sich hier um ein vielschichtiges, verzweigtes Phänomen. Das Modell von Schein, welches die Unterscheidung der drei Elemente einer Unternehmenskultur zum Ausdruck bringt, soll die Komplexität veranschaulichen (vgl. Hungenberg, 2000, S.33):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Modell der Unternehmenskultur nach Schein (vgl.Hungenberg, 2000, S.34)

Verdeutlicht wird die Unternehmenskultur in gemeinschaftlich gepflegten Verhaltensweisen, Sitten und Bräuchen, die in sog. „Artefakten“ ihren Niederschlag finden: Die Architektur von Gebäuden, Bekleidungsgewohnheiten, aber auch Symbole, Mythen und Zeremonien - das Unternehmen schafft sich so eine eigene Identität (vgl. Bleicher, 1991, S.149 [zit. nach Wittwer, 1996, S.183]).

- Informationskultur:

Die Informationskultur stellt einen Teilbereich der Unternehmenskultur dar. Da die Kultur das Verhalten der Menschen beeinflusst, muss sie in die Betrachtungen des Informationswesens mit einbezogen werden (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.44).

Kultur und Informationstechnologien nehmen gegenseitigen Einfluss aufeinander. Auf der einen Seite bestimmen kulturelle Bedingungen den Rahmen des Technologieeinsatzes, auf der anderen Seite greift die Informationstechnologie bereits so tief in das Unternehmen ein, dass mitunter die Kultur eine Veränderung erfährt (vgl. Wittwer, 1996, S.219). Als ein Teilbereich der Unternehmenskultur bezieht sich die Informationskultur hauptsächlich auf die

- „Informationsorientierung bei der Entscheidungsfindung und
- auf den Grad der informellen Information.“

Die Kultur beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern kann auch aktiv beeinflusst werden. Speziell im Bereich der informellen Kommunikation kann die Geschäftsführung eine Verhaltensänderung durch eine Vorbildfunktion erreichen. Im Bereich der Informationsweitergabe nimmt die Informationskultur einen wichtigen Platz ein. Führungspersonen müssen sich dessen bewusst sein, welch große Bedeutung ein richtiger Informationsfluss für das Unternehmen hat. Leider ist es jedoch immer wieder der Fall, dass die spontane Übermittlung von Ideen oder Problemen behindert wird. Dadurch entsteht eine Beeinträchtigung des Kommunikationsklimas.

Das Wissenspotential eines Unternehmens kann nur bei einem guten Informationsfluss zwischen allen Beteiligten genutzt werden. Aus diesem Grund sollte eine Zusammenführung des Spezialwissens von Mitarbeitern unterer Hierarchieebenen und des zusammenhängenden Wissens der Führungspersonen erfolgen (vgl. Oberhauser/Daniel, 1994, S.44).

- Soziale Gefahren der IKT

Als mögliche negative Folge der Informatisierung sei die Gefahr sozialer Verarmung genannt. In der westlichen Welt sind die zwischenmenschlichen Kontakte bereits auf ein Mindestmaß geschrumpft. Der Tratsch beim Dorfbrunnen oder das Gespräch beim Greißler ums Eck, wurden in der Großstadt durch den anonymen Nichtkontakt an der Supermarktkasse ersetzt. Neben der Anonymität tritt nun auch die Entmenschlichung hinzu. Als Mittelsmann fungiert der Computer (vgl. Witwer, 1996, S.160). Einerseits könnte man die Meinung vertreten, dass eine Anbindung an ein leistungsfähiges Kommunikationsnetz v.a. für Alte und Behinderte besonders begrüßenswert sei. Andererseits könnte man dem auch entgegenhalten, dass die Einsamkeit dieser Bevölkerungsgruppen dadurch noch strukturell befestigt wird. Es bestünde nämlich keine Notwendigkeit mehr, den Kontakt zu anderen zu suchen und zu pflegen. Dieser ließe sich zur Not auch medial herstellen. Somit reduziert die mediale Verfügbarkeit von Kontakt den realen sozialen Kontakt (vgl. Mettler-Meibom, 1995, S.62).

Wird sich in Zukunft auch der Weg zum Kiosk erübrigen, wie auch der Gang ins Kino oder zur Bank? Zeitungen sind per Internet abrufbar, Videos problemlos herunterzuladen und Bankkonten können am heimischen Bildschirm bearbeitet werden. Zudem kann man die Frage aufwerfen, ob sich auch Konferenzen, zu denen Teilnehmer heute noch hinfliegen, dank zahlreicher Datenautobahnen zukünftig erübrigen werden? Auch die Frage über die Zukunft der Universitäten ist von Bedeutung. Fernstudien scheinen eine interessante Alternative zu herkömmlichen Unterrichtsweisen (vgl. Witwer, 1996, S.160).

5.2 Politische Umwelt

In vielen Ländern setzten sich die Regierungen beim Thema Internet Ziele. Aus England kam einer der ersten Vorstöße. Mit dem Regierungsantritt von Tony Blair wurde erstmals ein Minister für E-Commerce ins Amt berufen. Mittlerweile wurden schon zahlreiche Initiativen zwischen Regierungen ergriffen. Ein Beispiel ist das gemeinsame Vorgehen gegen „Hacker“. Die Zahl der Virusattacken steigt stetig. So waren vom Virus „I Love You“ sowohl in privaten als auch staatlichen Einrichtungen weltweit etwa 45 Mio. Computer betroffen. Innerhalb einer Woche entstand ein Schaden von rund 10 Milliarden DM (vgl. Bernhard, 2000, S.61).

- Multimedia für alle

Vorreiter zum „Information Highway“ ist die US-Regierung. Das Thema avancierte zur Nr. 1 in der öffentlichen Diskussion. Des Weiteren schürte sie ein rechtliches und finanzielles Maßnahmenpaket. Es sollen u.a. regulative Bestimmungen im Kommunikationsbereich geändert werden, die zur Stärkung des Wettbewerbs und zur Ermöglichung von Privatfinanzierung dienen. In finanzieller Hinsicht stimuliert die US-Regierung mit 1,2 Milliarden Dollar über 10 Jahre hinweg, private Investitionen von 50-100 Milliarden Dollar zum Aufbau von Informationsinfrastrukturen. Die Grundlage dafür bildet die „Gore-Clinton-Initiative“ von 1993 - „The National Information Infrastructure“. Ziel ist es, allen BürgerInnen eine multimediale Kommunikation jederzeit zu ermöglichen (vgl. Heuser et al, 1997, S.3).

Zahlreiche Länder errichten Investoren-Parks mit bisher unvorstellbaren Anreizmechanismen. Sie tun dies, um wettbewerbsfähig zu bleiben und um wichtiges „Know-How“ zu sichern. „Cyberyaya“ in Malaysia ist ein Beispiel dafür. Als Anreiz gewährt der Staat neu gegründeten Firmen zehn Jahre Steuerfreiheit. In Brasilien können Steuererklärungen bereits seit einigen Jahren per Internet abgeben werden.

Das Internet wird mittel- bis langfristig alle Aufgabenbereiche des Staates durchdringen. Entscheidungsprozesse können den Entwicklungen allerdings nur schwer folgen. Als zentrale Herausforderung der Zukunft muss der Staat deshalb angemessene Regulierungsmechanismen durchsetzen (vgl. Bernhard, 2000, S.61).

Ein weiteres Beispiel neue IKT in der Verwaltung anzuwenden wäre, dass politische Wahlen und sonstige „Urnengänge“ online über das Internet stattfinden. Abstimmungen jeder Art in Zukunft von zu Hause aus abzuwickeln, sind noch mit vielen Problemen verbunden, wie z.B. der Gewährleistung des Datenschutzes. Dennoch könnte es eine wirkungsvolle Alternative sein, den Bürger wieder stärker für das politische Geschehen zu interessieren (vgl. Heuser et al, 1997, S.9). Die SPD in Deutschland sprach sich bereits für die Möglichkeit aus, Wählerstimmen künftig über Internet abgeben zu dürfen. Wahlen per Internet könnten aber nur eine Ergänzung zum Gang in die Wahlkabine darstellen, so der SPD Vorstand (vgl.o.V.: SPD will Wahlen übers Internet erproben, in: Austria Presse Agentur; 0633 5 AA 0117; 19.03.01)

Die Wirtschaftskammer Österreich unterstützt die Idee des E-Governements für Österreichs Unternehmen. Inzwischen verkaufen bereits 27 Prozent der heimischen Einzelhändler ihre Produkte und Dienstleistungen über das Internet. Umsatzsteuermeldungen, An- und Abmeldungen von Dienstverträgen und Gewerbeanmeldungen müssen allerdings immer noch auf traditionellem Wege erledigt werden. Dadurch fielen jährlich 5,15 Millionen Meldungen an den Staat an, die alle mit Hilfe der Internettechnologie automatisiert werden könnten. Die elektronische Bearbeitung könnte in der österreichischen Verwaltung ein Einsparungspotential von rund 30 Prozent bringen (vgl. o.V.: Neue Wege im E-Business - WKÖ präsentiert ihre Idee am E-Day, in: Austria Presse Agentur; 0235 5 WI 0233 II; 01.03.2001). Österreich hat sich nunmehr verstärkt zum Ziel gesetzt elektronische Behördenwege - E-Governement - auszubauen (vgl. Bartensein, 2001, S.6).

Verglichen mit anderen hochentwickelten Industrieländern, wie Finnland oder Irland, hat sich die heimische Politik und Wirtschaft erst sehr spät mit den Veränderungen der Informationsgesellschaft auseinandergesetzt (vgl. Bachmaier, 2001, S.28). Dies ist vermutlich auf die zersplitterten Kompetenzen in fünf Bundesministerien und neun Bundesländern zurückzuführen. Zwar gibt es eine Reihe interessanter Einzelinitiativen, eine nationale Strategie fehlt allerdings noch (vgl. Bock, 2001, S.20).

- Neue Impulse

Soll der Informationsfluss zwischen Wirtschaft und Staat automatisiert werden und zugleich ein abgesichertes ökonomisches Arbeiten im Netz erlaubt sein, bedarf es neu festgelegter Rahmenbedingungen durch Gesetzgeber und Politik. Diese hat die Aufgabe, basierend auf dem aktuellsten technischen Wissen, Infrastrukturen zu ermöglichen (vgl. Aufenanger, 1997, S.114). Dabei ist das Urheber-, Steuer- und auch Arbeitsrecht (z.B. Telearbeit) neu zu prüfen und anzupassen (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.81). Diese Rahmenbedingungen sollen die wirtschaftlichen Bedingungen optimieren, wie etwa die Wettbewerbsfähigkeit und jedem die Mitwirkung im Kommunikationssystem ermöglichen. Die Politik selbst wird durch die wachsende Interaktivität ebenfalls neue Impulse erfahren (vgl. Aufenanger, 1997, S.12).

Inhaltlich obliegt der Politik die Überwachung von Angeboten. Überdies ist bei der Mediatisierung von Politik Imagekompetenz gefordert. Hiermit ist nicht die Konstruktion medienwirksamer, aber künstlicher und medienopportunistischer Politiker durch sog. „spin doctors“ gemeint. Vielmehr geht es um die optimale, d.h. attraktive, jedoch auch vollständige und differenzierte Vermittlung politischer Inhalte bei hoher persönlicher Glaubwürdigkeit.

Was den Wähler betrifft, so soll dieser die Möglichkeit haben, aus der „Zuschauerdemokratie“ auszubrechen und auf Wunsch am Meinungsbildungsprozess zu partizipieren (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.81f). Dadurch soll die Chance zur Teilnahme am öffentlichen Leben verbessert werden. Beispiele dafür wären die Partizipation bei öffentlichen Planungsvorhaben, Umweltinformationen, Informationen über Entscheidungen politischer Gremien auf lokaler, Landes-, Bundes- und europäischer Ebene sowie Zugriff auf digitale Bibliotheken (vgl. o.V.: http://www.bundestag.de/ftp/ 9000500.htm, 09.01.2001).

Da die Zugangsbarrieren zu politischen Diskussionsforen minimal sind, können neue Ideen rasch verbreitet und demokratisch diskutiert werden. Einer politischen Kontrolle kann das Netz jedoch nicht unterliegen, da jeder Nutzer als Informationssender agieren kann. Das Netz ist selbst gegen einen Ausfall mehrerer Rechner gewappnet, wie Putschisten der ehemaligen UdSSR oder die Parteien im Balkankonflikt erfahren mussten (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.81f).

Sowohl die Innovationsgeschwindigkeit als auch die Konvergenz der Märkte zeigen, dass es wenig Sinn macht, wollte die Politik auf dem Gebiet der Entwicklung neuer IKT im Detail regulierend eingreifen. „Politiker sind weder die besseren Forscher noch die besseren Unternehmer“. Aufgrund dieser Tatsache tut hier eine Selbstbeschränkung des Staates Not. Dies soll nicht heißen, dass sich die Politik aus dieser Thematik völlig entziehen könnte. Im Gegenteil, der Medienpolitik kommt in der Informationsgesellschaft stärker als früher eine Querschnittsaufgabe zu. Ihr werden sich künftig Bildungs-, Gesundheits- und Sozialpolitiker genauso widmen müssen, wie klassische Medienpolitiker. Dies wird deshalb der Fall sein müssen, da die Ökonomie der Informationsgesellschaft unsere gesamte Art zu wirtschaften, zu arbeiten und selbst mitunter die Art des Zusammenlebens grundlegend verändern wird. Damit Politik fähig ist den Wandel zu gestalten, wird sie sich auch selbst ändern müssen. Deshalb wird sie in einer vernetzten Welt auch lernen müssen, selbst vernetzter zu denken (vgl. Holetschek, 1999, S.32).

Denn wie sagte doch Giuseppe Tomasi die Lampedusa in „Der Leopard“: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“ Das hat auch für die Politik Gültigkeit.

5.3 Rechtliche Umwelt

Beim Einfluss neuer IKT auf unser Leben gilt es die Freiheit der individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu wahren. Dies schließt sowohl die freie Meinungsäußerung als auch den freien Empfang und die Mitteilung von Nachrichten oder Ideen mit ein, wie es auch im Artikel 10 (1) der EMRK[9] verankert ist.

Um Potenziale des elektronischen Geschäftsverkehrs voll ausschöpfen zu können, müssen rechtliche Rahmenbedingungen bestehen, die eine sichere wirtschaftliche Betätigung mit den neuen Medien garantieren. Seit Mitte 1999 existiert ein Gesetz zur digitalen Signatur und seit 1. Jänner 2000 die dazu notwendige Verordnungsrichtlinie sowie ein neues Datenschutzgesetz (vgl. Gleissner et al., 2000, S.86).

Das Phänomen Internet wirft dennoch eine Reihe rechtlicher Fragen auf. „Inwiefern ist nationales Recht auf das WWW anwendbar? Welche der verschiedenen Parteien des Systemgeschäfts ist für die Inhalte verantwortlich?“

Hierzu sei folgender Fall beispielhaft angeführt (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.94ff):

Ein deutscher Bierbrauer bewirbt sein Bier plus Anleitung im Netz. Er bekommt eine iranische E-Mail, in der er aufgefordert wird, die Werbung zu unterlassen, da Werbung für Alkoholika im Iran rechtlich verboten ist.

Unter Berücksichtigung der Netiquetten[10] ist eine Werbung im kommerziellen Bereich des WWW legitm. Schwieriger zu bestimmen ist hingegen die Legalität. Die erste Annahme wäre eine für Nutzer gesundheitsgefährdende Brauanleitung aufgrund problematischer Bestandteile. Diesbezüglich entschied die Rechtssprechung, dass der Informationslieferant, nämlich der Autor der Information selbst und nicht Anbieter für Internetzugänge dafür verantwortlich sind. Gesundheitsschädigende Brauanleitungen auf einer deutschen Website machen den Autor „grundsätzlich“ strafbar. Dasselbe gilt, wenn Dritte durch die falsche Publikation Schaden erleiden. Zumindest dann, wenn sich Anbieter, Nachfrager und WWW-Rechner auf deutschem Staatsterrain befinden.

Das Internet hingegen kennt keine territorialen Grenzen und somit auch keine nationalstaatlichen Rechtsordnungen. Das sog. Kollisionsrecht kann für die Klärung globaler Konflikte beitragen. Es gilt, in Anlehnung an „allgemeine Gesetze“ das Recht des Landes, in dem eine WWW-Homepage bestimmungsgemäß abgerufen werden kann. Lässt sich denn die „Bestimmung“ einer Homepage überhaupt festlegen? Hier gilt nicht die Sichtweise des Brauers, der nur deutsche Kunden erreichen möchte, sondern der objektiv mögliche Empfängerhorizont. Demzufolge müssen mehrere nationale Wettbewerbsordnungen beachtet werden, womit der Bierbrauer eventuell illegal handelte.

Als nächstes ist die Frage zu klären, welches Gericht in diesem Fall zuständig ist. Nach Feststellung eines deutschen Landesgerichts[11] ist der Gerichtsstand jenes Land, in dem sich der WWW-Server befindet. Es käme jedoch auch jeder Ort in Frage, an dem die Homepage von Dritten bestimmungsgemäß abrufbar ist. Wo wiederum die nächste Grauzone der „Bestimmtheit“ betreten wäre. Angenommen es käme zu einer Klage gegen den deutschen Brauer vor iranischem Gericht, so eröffnet sich schon die nächste Hürde, nämlich, die Frage der Vollstreckung. Diese sind nämlich nur innerhalb bilateraler Vollstreckungsübereinkommen gewährleistet, die allerdings oft gar nicht erst bestehen. Schlussendlich kann der deutsche Bierbrauer sein Bier weiter im Iran bewerben, da mit dem Iran ein solches nicht besteht.

Diese ausländischen Vollstreckungsoasen bieten aber auch unseriösen Anbietern Handlungsspielraum, die ihre Inhalte ungeniert auf Rechnern eines Landes ablegen, das keine genaue Gesetzgebung erarbeitet hat. So wird das Netz zu einem rechtsfreien Raum (vgl. Grob/Bieletzke, 1998, S.94ff).

Rechtliche Grundsätze zur Regelung des Datenschutzproblems müssen zu Beginn des Informationszeitalters festgelegt werden. Nur so werden Grundrechte in der multimedialen Zukunft auch weiterhin gewährleistet. Hierzu gehören der Datenschutz auf Datenautobahnen ebenso wie die Sicherstellung des Jugendschutzes im Internet sowie die Einhaltung von arbeitsrechtlichen Vorschriften im Telematikbereich (vgl. Heuser et al, 1997, S.12). Auch der Schutz von Urheberrechten nimmt einen wichtigen Stellenwert im Rechtsbereich ein. Erwähnenswert scheinen hier Neuregelungen in bezug auf immaterielle Wirtschaftsgüter wie z.B. Software (vgl. Klutmann, 1992, S.35).

Technologien, die den Datenschutz sichern, müssen vom Staat gefördert und im Notfall auch zwingend vorgeschrieben werden. Hierzu sind genaue und aktuelle Vorschriften, Richtlinien und Gesetze zu verabschieden. Damit neue Technologien regulierend begleitet werden können, ist darauf zu achten, dass nicht auf alten Gesetzestexten ausgeruht wird. Aufgrund der Schnelllebigkeit der IKT muss regelmäßig auf neue Entwicklungen mit Novellierungen reagiert werden (vgl. Heuser et al, 1997, S.12).

Sollen neue IKT kreativ für Wettbewerbszwecke eingesetzt werden, ist auch die Wirtschaft gefordert, die Struktur von Gesetzten und staatlichen Vorschriften günstig zu verändern (vgl. Klutmann, 1992, S.35).

Auch im Zeitalter moderner IKT muss der Staat seine wichtigsten Aufgaben, die Erhaltung der demokratischen Verfassung und damit der Gewährleistung der gesellschaftlichen Grundrechte und der Schutz seiner Bürger erfüllen (vgl. Heuser et al, 1997, S.12).

[...]


[1] Der Begriff Informationsmanagement wird in dieser Arbeit gleichbedeutend mit dem Begriff Wissensmanagement oder Knowledge-Management verwendet.

[2] Industriewirtschaft: Darunter wird die Ökonomie der Industriegesellschaft verstanden (vgl. Welsch, 2000, S.18).

[3] Informationswirtschaft: siehe 8.2 Informationswirtschaftliche Grundlage

[4] Wertschöpfung: siehe Punkt 11.2.2

[5] Tertiärer Sektor: Dieser beinhaltet öffentliche und private Dienstleistungen aller Art, Handel, Banken und Versicherungen. Weiters beinhaltet er all das was nicht vom primären (Landwirtschaft) bzw. sekundären Sektor (produzierendes Gewerbe einschließlich Industrie) erfasst wird (vgl. Heuser/Hofmann, 1997, S.2).

[6] Zur genaueren Erläuterung dieses Begriffs siehe Kapitel 10 Informationsmanager

[7] Suchmaschinen: Zur Informationsbeschaffung dienen „spiders“ oder „robots“, die die Informationen vollautomatisch in einem Breiten- und Tiefendurchlauf nach Inhalt, Titel, URL durchsuchen. Sie stützen sich dabei auf einen inhaltsorientierten Index zum Abgleich mit der Suchanfrage, den sie laufend erstellen, indem sie automatisch alle neuen Dokumente absuchen und bereits bekannte Dokumente auf Änderungen überprüfen. Als die bekanntesten Suchmaschinenanbieter sollen YAHOO (Akronym für „Yet Another Hierarchically Officious Oracle“), ALTA VISTA, INFOSEEK, EXCITE, WEBCRAWLER und DINO angeführt werden. Sie finanzieren sich zum Großteil über Anzeigen. Nutzungsentgelte („pay per use“) sind nur bei professionellen Nutzern bei dementsprechend erwarteter Qualität möglich z.B.: Wall Street Journal http://www.wsj.com (vgl. Hofmann, 1999, S.33).

[8] Multimedia: Der Begriff wird v.a. als Oberbegriff für eine Vielzahl neuartiger Produkte und Dienste aus dem Computer-, Telekommunikations- und Medienbereich verwendet (vgl. Heuser/Hofmann, 1997, S.6). I.e.S. wird darunter die „Präsentation einer Information bzw. eines Informationsobjektes mittels Kombination unterschiedlicher Darstellungsmedien wie Text, Bilder, Graphiken, Sprache, Musik, Video und Animation verstanden“(vgl. Gabler, 1997, S.2684f).

[9] EMRK: Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten

[10] Netiquette: Im Internet sind hierunter so etwas wie die „10 Gebote für die Computerethik“ zu finden: (http://www.fau.edu/rinaldi/netiquette.html , 07.01.2001)

Übersetzt lauten diese (vgl. Busch R., 1999, S.71):

Du sollst nicht Deinen Computer benutzen, um anderen Schaden zuzufügen
Du sollst nicht anderer Leute Arbeit am Computer behindern.
Du sollst nicht in anderer Leute Datenbestände stöbern.
Du sollst nicht den Computer zum Stehlen benutzen.
Du sollst nicht den Computer benutzen, um falsches Zeugnis abzulegen
Du sollst nicht Software benutzen oder kopieren, für die du nicht gezahlt hast.
Du sollst nicht anderer Leute Ressourcen ohne deren Erlaubnis verwenden.
Du sollst nicht anderer Leute geistiges Werk als deines ausgeben.
Du sollst über die sozialen Konsequenzen deiner Programme nachdenken.
Du sollst den Computer so benutzen, dass du Verantwortung und Respekt zeigst.

[11] Landesgericht Düsseldorf, Urteil vom 4. April 1997, 34 O 191/96, WM 1997, 1444

Details

Seiten
259
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832443849
ISBN (Buch)
9783838643847
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v219994
Institution / Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH – unbekannt
Note
1,0
Schlagworte
globalisierung informationsgesellschaft informationsmanagement technologien wissenmanagement

Autor

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Titel: Informationsmanagement und der Einfluss neuer Technologien auf Unternehmen