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Bewältigungsstrategien der Prüfungsangst

In der Erwachsenenbildung und ihren Ausbildungsstätten in Wien und NÖ

Diplomarbeit 2001 312 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

I. THEORETISCHER TEIL
0.EINLEITUNG
Ergebnisse zu den Ursachen der Prüfungsangst:
Behandlung und Therapiemöglichkeiten der Prüfungsangst:
Untersuchungsergebnisse zur Prüfungsangst:
Zweck der Progressiven Muskelentspannung
Streß - die Herausforderung des modernen Lebens
Nicht abgebauter Streß macht krank

II. ALLGEMEINER TEIL
1. Theorie der Prüfungsangst in der Erwachsenenbildung und deren allgemeine Bedeutung in der Bevölkerung
1.1 Theorie über den Aufbau von Prüfungsangst und Prüfungsängstlichkeit
1.2 Ursachen der Leistungs- und Prüfungsangst
1.3 Determinanten der Prüfungsangst
1.4 Definition der Prüfungsangst aus klinischer Sicht
1.5 Das Phänomen Angst
1.6 Klassifikation von Ängsten
1.7 Diagnostische Zugangsweisen zur Prüfungsangst
1.8 Auswirkungen der Prüfungsangst auf die körperliche Gesundheit
2.Erwachsenenbildung in den VHS, WIFI, Bfi, Polycollege
3.Der Beitrag der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobson zur Reduktion der Prüfungsangst
3.1 Die Funktionsweise der Muskelentspannung
3.2 Die muskuläre Tiefenentspannung: Das Grundprinzip
4. Alternative Methoden der Therapie gegen Prüfungspanik
4.1 Entspannungsübungen
4.2 Aromatherapie
4.3 Nervennahrung
4.4 Temperaturtraining und Entspannung
4.5 Die letzte Rettung
4.6 Privates Streßmanagement – Prüfungsangst bewältigen
4.7 Systematische Desensibilisierung
4.8 Hypnose vs. Progressive Muskelentspannung
5. Coping von Prüfungsangst bei berufstätigen Erwachsenen in der Praxis
5.1 Therapie von Prüfungsangst mit Hypnose
5.2 Coping von Prüfungsangst aus kognitionspsychologischer Sicht
6. Persönlichkeitsentfaltung der berufstätigen erwachsenen Studenten in der Erwachsenenbildung
6.1 Bildungsinstitutionelle Maßnahmen und Konsequenzen
6.2 Therapie der Prüfungsangst online

III. EMPIRISCHER TEIL
7. Fragestellung und Zielsetzung der Untersuchung
8. Untersuchungsdesign
8.1 Beschreibung des Untersuchungsdesigns bzw. der Untersuchungsmethode
8.2 Beschreibung des Meßverfahrens
8.3 Statistische Hypothesen
8.4 Statistische Methoden
9.Statistische Interpretation der Ergebnisse
9.1 Überprüfung des Skalenniveaus der metrischen Variablen
9.2 Interpretation der statistischen Ergebnisse
9.3 Persönlichkeitstypus und Prüfungsangst
9.4 Ausmaß der tatsächlichen Prüfungsangst als Persönlichkeitseigenschaft vor der ersten, zweiten und dritten Muskelentspannung 258
9.5 Aktuelle und situative Prüfungsangst
9.5.5. Entspannungsfähigkeit der Versuchspersonen
9.5.6.Progressive Muskelentspannungstherapie als Hilfe
9.5.7 Erste, zweite und dritte Progressive Muskelentspannungstherapie als Hilfe
10. INTERPRETATION UND DISKUSSION
10.1 Auswirkungen von Leistungs- und Prüfungsangst im Zusammenhang mit dem Alter
10.2 Einfluß des Geschlechts auf die situative und die aktuelle Prüfungsangst
10.3 Einfluß der Bildungsinstitution und der Schicht auf die Prüfungsangst
10.4 Einfluß des Gestreßtseins auf die Prüfungsangst nach den drei Sitzungen mit der Progressiven Muskelentspannung
10.5 Personentypus und Prüfungsangst (5)
10.7 Angst als Wesenszug und Zustand und ihr Zusammenhang mit der Wirkung der Entspannung auf die ängstigende Vorstellung der Probanden in der Prüfungssituation
10.8 Reproduktion von Lerninhalten und Progressive Muskelentspannung (8)
10.9 Die Wirkung der Entspannung auf die Gedächtnisleistung

IV. ZUSAMMENFASSUNG

V. LITERATURVERZEICHNIS

VI. VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN

VII. VERZEICHNIS DER TABELLEN

VIII. ANHANG

B) Rohdaten

IX. EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG

X. LEBENSLAUF

I. THEORETISCHER TEIL

0.EINLEITUNG

Zu Beginn dieser Diplomarbeit soll vorausgeschickt werden, daß es zum Thema der Therapie der Prüfungsangst mit der Progressiven Muskelentspannung bei berufstätigen Erwachsenen in der Literatur nicht sehr viele empirische Befunde gibt. In der Diplomarbeit wird daher wenig Literatur zu jenem Thema erörtert werden können.

Culler und Holahan (1980) kamen zur Ansicht, „...daß prüfungsängstliche Studenten schlechtere Studientechniken und Schwierigkeiten bei der Informationsverarbeitung haben. Sie sind also von Anfang an in der Fähigkeit, ihre Aufgaben auszuführen, gehandikapt, worüber sie auch Bescheid wissen“(S.16-20).

Nach Smith, Snyder & Handelsman (1982) kann somit gezeigt werden, daß sie durch dieses Defizit in der Informationsverarbeitung ihre schlechten Leistungen entschuldigen sollten. Sie halten somit ihre Ängstlichkeit als Handikap zugute.

Die von mir zu untersuchende Gruppe der berufstätigen Erwachsenen beherrscht ihre Ängste oftmals genauso gut wie ihre gleichgesinnten Kollegen/innen an der Universität.

Damit Erwachsene lernen, ihre Ängste zur Sprache zu bringen, mit ihren Ängsten umzugehen und sie als Bestandteil ihres Lebens zu begreifen und zu akzeptieren, ist es erforderlich, sie bei diesem Erkenntnis-und Erfahrungsprozeß zu unterstützen.

Vielen Menschen fällt es schwer, sich die Existenz ihrer Ängste einzugestehen, so daß diese eine sehr große Belastung für sie darstellen können. Durch die Verleugnung ihrer Angst geraten sie immer tiefer in Depression und Hilflosigkeit, aus der sie oft nicht wissen, wie sie entfliehen können.

Meine Erfahrungen mit betroffenen prüfungsängstlichen Erwachsenen, die ich durch zahlreiche Trainings gemacht habe in der Erwachsenenbildung, ließen mich auf das Phänomen der Angst und ihrer Verdrängung aufmerksam werden.

Sensibilisiert durch diese Beobachtungen stellte die Verfasserin der Arbeit auch an vielen befragten Erwachsenen Unsicherheiten im Umgang mit Ängsten bis hin zu eigenen Verdrängungsmechanismen fest.

Dies veranlaßte die Verfasserin, sich mit der Problematik Angst und Prüfungsangst in ihrer Diplomarbeit intensiver zu beschäftigen.

Eines jener Phänomene, denen in dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden soll, ist jenes, daß erschreckend viele erwachsene berufstätige Studenten und Studentinnen unter Prüfungsangst und Hypernervosität leiden.

Sehr oft können jene Personen, durch diese Ängste verursacht, ihr optimales Prüfungsergebnis nicht erreichen und versagen oft noch, bevor sie sich überhaupt der Prüfungssituation aussetzen. Diesen Leuten kann in den meisten Fällen geholfen werden, ohne daß sie eine Psychotherapie beginnen müssen.

Jacobson beschäftigt sich seit den 60er Jahren mit der Entspannung und hat eine Reihe verschiedenster Entspannungstechniken wie unter anderem die Progressive Muskelentspannung zusammengestellt. Jene Techniken helfen dem Prüfling, Nervosität oder gar Panikgefühle, die ihn in seiner Leistungsfähigkeit stark einschränken, zu vermeiden und so sein individuelles Lernpotential voll auszuschöpfen und sein Wissen.

Ergebnisse zu den Ursachen der Prüfungsangst:

- Die Prüfungsangst unterliegt verschiedenen Ursachen und kann demnach auch mit vielen Bewältigungsmechanismen alternativer und schulmedizinischer wie auch psychologischer Art und Natur behandelt werden.
- Zusammenfassend kann betreffend der Ursachen und der Auswirkung der Angst in den diversen Stadien davon gesprochen werden, daß sich die Angst in der Vorbereitungsphase als nützlich erweist und in der Konfrontationsphase des Klienten eher als hinderlich und leistungsmindernd darstellt. In letzterer Phase stören bedrohungsrelevante Gedanken eine konzentrierte Aufgabenbearbeitung.

In der Vorbereitungsphase fördert Angst zwar die Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Prüfung (Prüfungsängstliche denken nachweislich öfter an die Bedrohung), konfrontiert jedoch andererseits das Individuum mit seiner eigenen Schwäche.

- Nicht Angst zu haben, steigert die Lernmotivation und wird demnach nicht als diejenige Bedrohung gesehen, welche durch Lernen hinreichend bewältigt werden kann:

Wird diese Angst jedoch dem prüfungsängstlichen Klienten bewußt, so könnte das Lernen dadurch beeinträchtigt werden und der Betreffende könnte die Leistungserbringung als rationale Bedrohung seines Wesens sehen. Abgesehen von dieser Möglichkeit der diversen Ursachenattribuierung gegen Prüfungsangst, gibt es, wie in der Arbeit gezeigt werden konnte, nicht nur das Progressive Muskelentspannungstraining für die leichte Verbesserung der Entspannungsfähigkeit des prüfungsängstlichen Klienten, sondern auch noch sehr viele Alternativmethoden wie z.B. Nervennahrung in Form von Baldriantropfen gegen Prüfungsangst und Aromatherapie, beruhigende Öle, um die individuelle Prüfungsangst zu reduzieren.

- Die Kunst besteht vielmehr in der flexiblen und glaub-würdigen Gewichtung aller Kriterien, die für die richtige Wahl der Copingstrategie in Frage kommen. Wer beispielsweise seine Leistungsgrenzen in Prüfungen testen will und das Erreichen eines hervorragenden Ergebnisses als überaus wichtigen Lebensinhalt begreift, muß die für die Zielerreichung notwendige Belastung in Kauf nehmen und riskiert damit auch unweigerlich das Risiko, notfalls massive Angstzustände ertragen zu müssen.

Ein eintretender Mißerfolg läßt sich dann nicht einfach wegstecken, wiederholte Mißerfolge nicht locker wegattribuieren oder gar vollständig verdrängen. Wenn ein Student eine solche Strategie im Umgang mit der Bedrohung ohne jede Beschönigung vor sich selbst akzeptieren kann, so ist dem schwerlich etwas entgegenzuhalten.

Probleme im Umgang mit der Bedrohung ergeben sich stets dann, wenn der Student sein eigenes Vorgehen nur noch schlecht kontrollieren kann und er den Eindruck hat, daß sich die Prozesse verselbständigen. Dann handelt er häufig so, wie er selbst gar nicht handeln will: Zum Beispiel glaubt er, es sei vernünftig, die Prüfung nicht so wichtig zu nehmen, kann diese Ansicht aber selbst nicht glaubwürdig vertreten, weiß, daß seine ständigen Zweifel nicht weiterführen, zweifelt aber unentwegt weiter, usw. Somit kann man also insgesamt gesehen davon ausgehen, daß die Sichtweise jedes einzelnen Prüfungsängstlichen maßgeblich dazu beiträgt, dessen Prüfungsangst erfolgreich oder weniger erfolgreich zu bekämpfen.

Behandlung und Therapiemöglichkeiten der Prüfungsangst:

- Bei der großen Menge des Angebotes an diversen Anleitungen zu Bewältigungsmechanismen gegen Prüfungsangst stellt sich die Frage, ob die Prüfungsangst jedes einzelnen damit nicht verhindert werden könnte, indem der ängstliche Klient durch die Inanspruchnahme der richtigen Therapie oder Alternativmethode sofort etwas in der Entstehungs- bzw. fortgeschrittenen Phase seiner Prüfungsangst machen kann, um diese Angst erfolgreich zu bekämpfen.

Eine Akut-Online-Beratung für prüfungsängstliche Personen wurde zwar in den Internetdiensten noch nicht eingerichtet, könnte aber angesichts der steigenden Zahl von prüfungsängstlichen Personen in der Bevölkerung bald Realität sein und angeboten werden. Betreffend der verschiedensten Copingstrategien, die es für die Reduzierung der Prüfungsangst gibt, wurde in der Arbeit versucht ,das Grundprinzip jeder der möglichen Alternativtherapien, die es am Markt dafür gibt, vorzustellen. Weiters skizzierte die Verfasserin, wie die jeweilige Methode zur Reduktion der Prüfungsangst eingesetzt werden kann.

- In der Diskussion, welche Methode die bessere von den in der Arbeit vorgestellten ist, wurde hier diesbezüglich keine Bewertung vorgenommen und jede Methode unabhängig von der entsprechenden Alternativmethode möglichst unparteiisch bewertet. Jedem prüfungsängstlichen Klienten steht die Entscheidung für eine Methode frei.
- Dem Progressiven Muskelentspannungstraining wurde in seinem neuen Einsatzgebiet als alternative Methode gegen Prüfungsangst in der Untersuchung der Vorzug gegeben und beobachtet, wie sehr die prüfungsängstlichen Personen auf diese Form der Therapie ansprechen. Die Reaktion auf diese Form der Behandlungsmöglichkeit war seitens der prüfungsängstlichen Personen sehr positiv.

In den geführten Gesprächen mit den prüfungsängstlichen Personen an den einzelnen Ausbildungsstätten betonten die befragten Personen in den Feedbackrunden immer wieder, wie froh sie darüber sind, daß die Wissenschaft nun beginnt, sich für ihre Ängste zu interessieren. Die Personen sprachen von einer Erleichterung ihrer Ängste, denen sie schon seit vielen Jahren ausgesetzt waren, als sie begonnen hatten, sich an verschiedenen Ausbildungsstätten weiterzubilden. Sie wünschten sich, daß eine Online-Beratung eingeführt wird, die sie in Anspruch nehmen möchten, um gegen ihre Ängste ankämpfen zu können.

Untersuchungsergebnisse zur Prüfungsangst:

- Das Alter beeinflußt die Ausprägung der Prüfungsangst nicht signifikant.
- Das Geschlecht beeinflußt die Ausprägung der Prüfungsangst nicht signifikant.
- Die Wahl der Ausbildungsinstitution beeinflußt die Ausprägung der Prüfungsangst nicht signifikant.
- Die Personeneigenschaft, gestreßt oder nicht gestreßt zu sein, steht nicht signifikant im Zusammenhang mit der Prüfungsangst.
- Die Personeneigenschaft, ängstlich oder nicht ängstlich zu sein, steht nicht signifikant im Zusammenhang mit der Prüfungsangst.
- Die Prüfungsangst zum Zeitpunkt einer Prüfung im Vergleich zu danach unterscheidet sich nicht signifikant.

Die Personen sind nach den Trainings ein bißchen weniger prüfungsängstlich.

- Prüfungsängstliche unterscheiden sich im Vergleich zu nicht Prüfungsängstlichen in deren Prüfungsangst nicht signifikant.
- Prüfungsängstliche unterscheiden sich im Vergleich zu nicht Prüfungsängstlichen in deren Merkleistung zwischen den einzelnen Trainingszeitpunkten und auch generell nicht signifikant voneinander.

Die Merkleistung wird nach jeden der Trainings ein wenig besser, die Versuchspersonen merkten sich die Silben leichter in den Prüfungssituationen. Das Muskelentspannungstraining half den prüfungsängstlichen und nicht prüfungsängstlichen Personen demnach sehr, ihre Merkfähigkeit zu verbessern.

Viele der befragten Versuchspersonen konnten sich nach den Übungen mit der Progressiven Muskelentspannung die vorgegebenen Silben dem Namen nach leichter merken als zuvor.

- Prüfungsängstliche unterscheiden sich im Vergleich zu nicht Prüfungsängstlichen in deren subjektivem Entspannungserleben nach dem dritten Training und auch generell nicht signifikant voneinander.

Die Gruppe der nicht ängstlichen Personen profitierte in gleicher Weise wie die Gruppe der prüfungsängstlichen Personen vom Progressiven Muskelentspannungstraining. Die nicht Prüfungsängstlichen sind nach den Sitzungen der Progressiven Muskelentspannung noch entspannter wie vor dem Zeitpunkt der Untersuchung. Die Prüfungsängstlichen sind nach Ende der Sitzungen ein wenig entspannter wie vorher.

Sie geben kurz zu Beginn der Untersuchungsphase an, daß sie weniger entspannt sind und änderten bald im Fortlauf der Untersuchung ihre Meinung zu ihrem Zustand der Entspannung und fühlten sich infolge der Übungen entspannter wie davor.

- Prüfungsängstliche im Vergleich zu nicht Prüfungsängstlichen unterscheiden sich in deren Streßerleben nach den Trainings und auch generell nicht signifikant:

Sie sind mit fortlaufender Zahl der Trainings weniger gestreßt wie zuvor. Deren Gestreßtsein wurde durch die erworbene Fähigkeit, Muskelpartien anspannen und lockerlassen zu können, in der Prüfungssituation leicht und signifikant verbessert. Die Stichprobe zeigte nach den Übungen an, daß Prüfungsängstliche in Prüfungssituationen nicht mehr so gestreßt reagieren wie vor der Progressiven Relaxation. Die Fähigkeit, sich in Prüfungssituationen zu entspannen und weniger gestreßt zu reagieren, nahm mit jeder Trainingseinheit zu.

Der Gruppe der Prüfungsängstlichen half die Progressive Muskelentspannung nicht übermäßig oft signifikant dabei, ihren Streß und ihre Ängste abzubauen, jedoch gaben mit fortlaufender Zahl der Übungen mehr Probanden wie zu Anfang der Untersuchung an, von den Übungen individuell profitiert zu haben. Dasselbe gilt für die Gruppe der nicht Prüfungsängstlichen. Somit werden die Verbesserungen mit der Anzahl der drei Trainings bestätigt und belegt.

- Nach jeder Sitzung zur Progressiven Muskelentspannung gaben immer weniger Personen an, prüfungsängstlich zu sein.

Eine Verbesserung der Prüfungsangst aufgrund der Übungen nach der Methode der Progressiven Muskelentspannung kann anhand dieser Ergebnisse bestätigt werden.

- Die Progressive Relaxation half ebenso, die gegenwärtige Verspannung ihrer Muskeln zu beseitigen.

In der Untersuchung konnte gezeigt werden, daß die nicht prüfungsängstlichen Personen derart von den Übungen profitierten, daß sie nach zwei Anwendungen der Progressiven Muskelentspannung angaben, sich entspannter zu fühlen. Die Gruppe der prüfungsängstlichen Personen gab dies ebenso an.

Insbesondere die Gruppe der Prüfungsängstlichen wie auch die Gruppe der nicht Prüfungsängstlichen konnte mit der aus deren Sicht bedrohlichen Situation der Prüfungsangst im Hinblick auf eine bessere Entspannungsfähigkeit nach den Übungen mit der Progressiven Relaxation besser umgehen wie zuvor.

Dieser Befund ist insofern auch theoretisch zu bewerten, als nach Schwarzer (1975) festgestellt werden konnte, daß hohe Angst nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn keine effizienten Reaktionen gegen die Bedrohung (also nur ineffizientes Coping zur Verfügung stand) realisiert werden können. Somit ist demnach gut erkennbar, daß das Progressive Muskelentspannungstraining als wirksame Maßnahme gegen die Bedrohung der Angst eingesetzt werden kann. Wie oben schon gezeigt worden ist, kann die Progressive Relaxation dazu beitragen, die Prüfungsangst in jedem Falle zu reduzieren.

Trotz der Tatsache, daß es, wie in der Arbeit gezeigt werden wird, eine Fülle von Bewältigungsstrategien gegen Prüfungsangst gibt, kann die Angst jedes einzelnen Prüfungsängstlichen sehr groß und irrational sein.

Sieht man sich die Vorgehensweise des „idealen Prüflings“ in der heutigen Zeit an, dann dürfte der Einwand berechtigt sein, das die Bewältigung der Prüfungsangst schwerlich mit der Natur des Menschen vereinbar sei. Wie bereits oben erwähnt, gibt es viele Ursachenerklärungen für das Zustandekommen der Prüfungsangst und auf sie bezogene Copingstrategien, jedoch lassen sich nicht alle Adäquanzkriterien optimal verwirklichen.

- Die Zustandsangst der Probanden nach den drei Anwendungen der Entspannungsübungen nach der Progressiven Relaxation verminderte sich. Die Personen fühlten sich weniger ängstlich wie zuvor.
- Eine leichte Verbesserung der situativen Angst wie auch der Ängstlichkeit zum Zeitpunkt der Befragung durch die Progressive Muskelentspannung kann bestätigt werden.

Zusammenfassend ist zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung zum Thema der Prüfungsangst und ihrer Bewältigungsmechanismen zu sagen, daß in der Untersuchung die Tendenz feststellbar war, daß sowohl die prüfungsängstlichen Kandidaten wie auch die weniger prüfungsängstlichen Personen in einigen Betrachtungspunkten der Erscheinungsform ihrer Prüfungsangst (z.B. Grad der Entspanntheit vor der Progressiven Muskelentspannung im Vergleich zu danach bzw. Grad der Verbesserung des Gestreßtseins vor der Progressiven Muskelentspannung und danach und anderen Aspekten dieser Angst in Prüfungen und ihrer Auswirkung auf die Psyche des Angstpatienten, ) individuell stark und verschiedenartig vom Progressiven Muskelentspannungstraining profitierten.

Sozialer Stellenwert der Ausbildung im Leben eines Berufstätigen In diesem Absatz soll der Frage nachgegangen werden, welchen sozialen Stellenwert die Ausbildung im Leben eines berufstätigen Erwachsenen haben kann, der sich gerade für eine Zusatzausbildung an einer der für ihn interessanten Ausbildungsstätten hat.

Bei der Diskussion des sozialen Stellenwertes einer Prüfung für den Erwachsenen kommt es manchmal vor, daß für manche Berufstätige die Wahl einer Zusatzausbildung im Berufsleben sehr oft eine nicht freiwillige Angelegenheit darstellt. Die Personen, die die Bildungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, sehen dies oft als Zwang und unter dem Aspekt des „Erledigen-Müssens“ und sträuben sich oft davor, diese vorgeschriebene Ausbildung machen zu müssen und zu wollen. Somit entwickelt der berufstätige Erwachsene oft das Gefühl, daß er nicht freiwillig, sondern unter Druck stehend lernen muß. In seinem Bewußtsein weiß er, daß er für die bevorstehende Prüfung lernen muß und hat oft Angst vor der Prüfung. Da er nicht freiwillig seine Zusatzqualifikation erwerben möchte, sondern sich wegen seiner beruflichen Situation oftmalig weiterbildet und sich daher auch oft umschulen läßt, bedeutet einem berufstätigen Erwachsenen, der die Zusatzausbildung oder Umschulung als Zwang erlebt, die Weiterbildung manchmal vom sozialen Stellenwert her betrachtet nicht sehr viel. Für ihn ist in einem solchen Falle die Bildung Mittel zum Zweck. Die Ausbildung stellt dann oft kein Bildungsgut dar, worauf man stolz sein könnte, in dessen Genuß zur Weiterbildung man gekommen ist, sondern sie stellt oft ein „Muß“ dar. Im Gegensatz dazu gibt es aber ebenso viele berufstätige Erwachsene, die sich darüber freuen, daß sie eine Zusatzqualifikation erwerben können und daher der Ausbildung einen höheren Stellenwert beimessen wie Personen, die die berufliche Umschulung als „Muß-Situation“ erleben. Trotz hohen Stellenwerts der Zusatzqualifikation, die die Personen der Ausbildung und den Umschulungen an den verschiedensten Ausbildungsstätten beimessen, gibt es auch unter dieser Gruppe genügend Leute, die sich trotz der Freude an der Ausbildung vor der Prüfung fürchten und weiterhin an aktueller Prüfungsangst leiden. Jene Personen werden in der Untersuchung der Diplomarbeit ebenso berücksichtigt wie Personen, die sich nicht freiwillig für den Besuch einer Volkshochschule oder für eine andere Institution entscheiden.

Ein ebenso interessantes Phänomen neben der Freiwilligkeit bzw. Unfreiwilligkeit der Entscheidung für eine Zusatzausbildung stellt der bereits erworbene Status der befragten Personen in der Untersuchung dar. Der Status einer Person kann für den sozialen Stellenwert der in Anspruch genommenen Ausbildung nicht unwesentlich für die Sichtweise seiner Prüfungsangst und deren Copingstrategie sein.

Ist z.B. ein berufstätiger Erwachsener in der Position eines Arztes, der stets gewöhnt daran war, sich immer weiterbilden zu müssen, so ist die Aus- und Weiterbildung für diese Berufsgruppe meist mit einem höheren Stellenwert besetzt wie für jemanden, der eine kaufmännische Lehre besucht hat. Die Aus-und Weiterbildung kann, unter Anführungszeichen gesehen, für den Kaufmann nur ein Mittel zum Zweck darstellen und daher für den sozialen Stellenwert nicht so bedeutend sein wie für den Arzt, für den sich durch die Konsumation der Weiterbildung ein besserer Status in der Gesellschaft einstellen könnte. Es sei angemerkt, daß diese Phänomene des Erwerbs eines hohen oder geringen Stellenwertes der Aus-und Weiterbildung auch umgekehrt möglich sein können, daher ein Akademiker die erworbene Ausbildung zum Magister oder Doktor auch nicht gerade sozial hoch einschätzt und für ihn die Bildung mit einem geringeren Stellenwert besetzt ist. Im Vergleich zur Möglichkeit, daß auch ein Arzt seine Aus- und Weiterbildung nicht gerade hoch einschätzt, erlebt vielleicht der Kaufmann seine Ausbildung als etwas Besonderes und mißt ihr einen hohen sozialen Stellenwert bei. Er erinnert sich sehr stolz an die erworbene Ausbildung und ist gerne bereit, sich weiterbilden zu wollen.

Somit kann man meiner Meinung nach in der Diskussion des sozialen Stellenwertes, die Bedeutung des sozialen Stellenwertes der Aus- und Weiterbildung jedes einzelnen berufstätigen Erwachsenen und deren Bedeutung für die berufliche Karriere nicht von der Berufsgruppe und dem damit in der Gesellschaft hohen oder geringen Status abhängig gemacht werden. Jedem einzelnen Erwachsenen soll es damit individuell allein überlassen bleiben, für sich selbst zu entscheiden, der Aus- und Weiterbildung einen geringen oder hohen Stellenwert beizumessen und seine Einstellung der Aus- und Weiterbildung nicht von der gesellschaftlichen Meinung der Bevölkerung abhängig zu machen.

Welchen Stellenwert hat demnach die Zusatzausbildung für die Gruppe der erwachsenen Berufstätigen zwischen 30 und 70 Jahren aus dem oben Gesagten wirklich für diese Zielgruppe, wenn sie von einigen befragten Personen in der Untersuchung als „Muß“ und von einigen anderen Personen als „Zwang“ und von einigen als „freiwilliges Tun und Freude“ erlebt wird?

Die Zusatzausbildung soll, geht es nach den Interessen der Arbeitnehmer, dem beruflichen Fortkommen dienen und wird von den Akademikern (z.B. den Ärzten) oder von den anderen berufstätigen Personen der Angestellten-und Arbeiterschicht, die sich ebenso auf freiwilliger Basis weiterbilden, oft als Bereicherung ihres bestehenden Wissens wie auch ihrer gebildeten Person gesehen. Für den Arzt, der sich demnach verpflichtet, sich weiterbilden zu müssen und keine Qual darin erlebt, wenn er an seine Prüfungsangst in Prüfungssituationen denkt, ist die Angst als solche oft mit anderen Werthaltungen oder Vorstellungen besetzt wie z.B. für einen ausgebildeten Schlosser. Der Schlosser wird oft dazu aufgefordert, sich nach der Lehre den Gegebenheiten der Arbeitswelt anzupassen und Prüfungen für den Aufstieg in eine bessere Abteilung zu schaffen. Jener Schlosser erlebt demnach die Ausbildung oft als „Qual“ und im Gegensatz zum „angstfreien“ Arzt, der gewöhnt ist, viele Prüfungen zu machen, ist der Arbeiter bei Prüfungen wegen seiner ängstlichen Vorstellung oft extremeren Prüfungsängsten ausgesetzt wie der Akademiker. Die Ausbildung hat somit für den Arbeiter einen anderen Stellenwert im Leben wie z.B. im Gegensatz dazu für jemanden, der sich nur aus eigenem Interesse in seiner Freizeit weiterbilden möchte. Personen, die sich in ihrer Freizeit aus eigenem Interesse weiterbilden, sehen die Aus- oder Weiterbildung nicht als Muß, sondern bilden sich gerne weiter. Die Prüfung hingegen, die der Schlosser z.B. über Word ablegen muß und vom Arbeitgeber im Sinne und als Zweck eines betriebsinternen Weiterbildens gesehen wird, dient dem Arbeitnehmer sehr oft als Mittel zum Zweck und hat somit keine weitere inhaltliche oder persönliche Bedeutung für den Arbeitnehmer. Dient die Prüfung nur dem Mittel zum Zweck des beruflichen Fortkommens des Arbeitnehmers, so kann es sein, daß der prüfungsängstliche Arbeiter sich oft mehr vor der Prüfung fürchtet wie z.B. der Arzt, der eine zusätzliche Unternehmensprüfung macht, um sich weiterzubilden und sich nicht vor den bevorstehenden Prüfungen fürchtet. Der Arzt kann in solchen Fällen z.B. weniger Angst davor haben, eine Prüfung abzulegen wie z.B. der Angestellte, der in der Firma beschäftigt ist und für den die bestandene Prüfung eine Bewährungsprobe für das Bleiben in dem Betrieb bedeuten könnte. Der Arzt ist in diesem Falle als Selbständiger unabhängiger wie der Arbeiter, dessen Existenz von dem Schaffen der Prüfung abhängen könnte und braucht sich demnach nicht so sehr zu fürchten vor dem Nicht-Schaffen der Prüfung wie der Arzt, für den das Nicht-Schaffen der Prüfung nicht den existentiellen Verlust seiner Position bedeuten könnte.

Geht man noch konkreter auf den Sachverhalt des Stellenwertes der Aus- und Weiterbildung des prüfungsängstlichen Klienten ein, so kann man ebenso der Frage nachgehen, wie sehr sich die einzelnen Copingstrategien der berufstätigen Personen in deren Therapie im einzelnen voneinander unterscheiden. Die wissenschaftliche Forschung beobachtet, die diversen Coping Strategien zusammengefaßt, sehr oft das Phänomen, daß z.B. ein Arzt in seiner Person in der Öffentlichkeit weniger gerne zugibt, daß er sehr stark prüfungsängstlich ist. Im Gegensatz dazu steht ein Schlosser, der es als öffentliche Blamage sehen würde, wenn er vor den Bekannten oder Verwandten zugeben würde, daß er Angst in Prüfungen hat, zu seiner Prüfungsangst und versucht, diese zu überspielen und keine Angst vor den anderen zu zeigen. Der Arzt entwickelt in solchen Fällen jedoch oft als geeignete Copingstrategie die Ausrede. Er negiert in der Öffentlichkeit leichter, daß er prüfungsängstlich ist und sieht es als persönliche Schwäche an, wenn er vor anderen zugibt, daß er prüfungsängstlich ist. Sein sozialer Stellenwert als vorbildlicher Arzt in der Gesellschaft könnte damit leicht bedroht sein, wenn er die Prüfung nicht schafft. Er verwendet die Ausrede dafür, um sich nicht vor anderen blamieren zu müssen. Der Schlosser z.B. negiert diese Angst nicht, sondern behält sie in diesem Falle oft für sich und versucht, so gut es geht, eine Copingstrategie für die Angst zu entwickeln.

Er besucht einen Psychologen oder einen Arzt und fragt diesen um Rat. Für ihn bedeutet die Angst gesellschaftlich und statusmäßig nicht so sehr einen persönlichen Imageverlust wie für den Arzt. Er sieht in der Angst vor Prüfungen und dem damit verbundenen Risiko weniger eine persönliche Niederlage wie der Arzt, weiß er doch, daß er jederzeit die Firma wechseln kann und so vielleicht eine Firma findet, die ihn nicht zur Weiterbildung und Ausbau seiner Zusatzqualifikation zwingt. Die Angst des Arbeiters vor der Angst, oft nicht zu wissen, welche Copingstrategie er einsetzen kann, um die Prüfungsangst zu eliminieren, verhindert oft, daß er weiterdenken kann und sich überlegen kann, wie er die Angst beseitigen kann, daraufhin manchmal resigniert und oft lieber die Notstandshilfe bezieht, anstatt daß er gerne arbeiten ginge und die Weiterbildung als einen guten Zweck sehen würde, um beruflich Karriere machen zu können.

Die von dem Schlosser entstandene Reaktion der Angst und der Ausrede des Arztes als gezeigte mögliche Copingstrategie und Antwort dieser Ängste läßt sich naturgemäß erweitern auf eine Vielzahl anderer Copingstrategien. Daß die Wahl der geeigneten Copingstrategie nicht so sehr von der Schicht in Abhängigkeit zu sehen ist, soll an dieser Stelle betont werden. Der Zusammenhang von Schicht und Ausmaß der positiven und negativen Einstellung auf die Prüfungsangst bietet jedoch in der Arbeit eine gute Möglichkeit an, um den Unterschied des sozialen Stellenwertes der Aus-und Weiterbildung eines Akademikers im Vergleich zu einem Arbeiter mit einem abgeschlossenen Lehrberuf oder eines Vertreters eines anderen Berufsstandes wie z.B. eines selbständigen Unternehmers demonstrieren zu können und deren unterschiedliche Einstellung zur Prüfungsangst aufzuzeigen. Die Klassifikation in Akademiker, Lehrabsolventen, Hauptschüler und Volksschüler soll dabei die Berufstätigen in ihrer Position nicht ab-und /oder aufqualifizieren. Jeder Berufstätige hat, wie schon erwähnt worden ist, eine unterschiedliche Auffassung darüber, wie er glaubt, die Prüfungsangst bewältigen zu können.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es auch, eine präzisere Vorstellung davon zu bekommen, welchen Einfluß Prüfungsängstlichkeit auf die Leistung der Personen in den Ausbildungen der von ihnen gewählten Ausbildungsinstitutionen des WIFI, der Volkshochschule oder anderen Ausbildungsinstitutionen einnimmt und wie man das Phänomen der Prüfungsangst attributionstheoretisch aus der Sicht der Prüfungsängstlichen sehen kann und welche Methoden des Copings für Erwachsene es in diesem Bereich geben kann.

Die empirisch dazu eruierten wissenschaftlichen Befunde setzen sich zusammen aus Diskussionsbeiträgen, die die Attributionsstile der Prüfungsängstlichen aus sozialpsychologischer Sicht gesehen beschreiben, die Theorie der Prüfungsangst aus kognitions-und lernpsychologischer Sicht gesehen betrachten und belegen und Selbstwerttheorien zur Erklärung der Prüfungsangst heranziehen. Auf jene Beiträge wird in dieser Arbeit noch näher eingegangen.

Ziel und Zweck dieser Arbeit soll es ebenso sein, auf die Progressive Muskelentspannung als neue Therapieform gegen Prüfungsangst einzugehen und deren Konzept kurz vorzustellen. Da jene Methode aus der Klinik der Forschung der Disziplin Psychologie zur Beseitigung der Prüfungsangst noch nicht öffentlich untersucht und diskutiert worden ist, soll die Auseinandersetzung mit dem Thema auf eine sehr intensive Weise erfolgen und versucht werden, viele Zusammenhänge von Variablen, die für die Entstehung von Prüfungsangst verantwortlich zu sehen sind, aufzuzeigen und zu erklären.

Um Informationen darüber zu erhalten, welchem Zweck jene Methode der Progressiven Muskelentspannung für die prüfungsängstlichen berufstätigen Erwachsenen dient, ist es erforderlich, diese Methode in einem speziellen Kapitel der Arbeit vorzustellen und zu erklären.

Zweck der Progressiven Muskelentspannung

Mittels der Progressiven Muskelentspannung soll dem Zwecke nach, so die Autoren vieler veröffentlichter Arbeiten zur Progressiven Muskelentspannung, durch gezielte Entspannung ein neues Lebensgefühl erreicht werden können. Eines der wirksamsten Mittel gegen Streß ist demnach das Erreichen des Zustandes einer tiefen Entspannung für den Prüfungsgestreßten. Ziel und Zweck der Progressiven Muskelentspannung ist es demnach, daß man mit jener Methode als Prüfungsängstlicher gut erlernen kann, daß man sich innerhalb weniger Minuten erholt fühlt und neue Kraft für die Prüfung schöpft. Jene positive Kraft soll dazu verhelfen, sich in der Prüfungssituation, in der der Prüfling einer Streßsituation ausgesetzt ist, besser konzentrieren zu können und eine bessere Leistung zu erbringen.

Mit der Beherrschung der Progressiven Muskelentspannung kann es damit dem prüfungsängstlichen Kandidaten besser gelingen, zu erlernen, mit Streßsituationen wie einer Prüfung gelassener umgehen zu können. Nach der muskulären Tiefenentspannung in der prüfungsängstlichen Situation fühlt sich jener Kandidat erholt, entspannt und fit genug, um freudevoll in die Prüfung hineinzugehen.

Jene erlernte Technik kann der Betreffende auch für andere Lebenssituationen erlernen und anwenden.

Um zu verstehen, warum die Progressive Muskelentspannung so leicht zu erlernen ist, möchte die Verfasserin kurz das Prinzip der muskulären Tiefenentspannung erläutern.

Nach Borkovec (1990) ist dieses Prinzip für jeden Erwachsenen wie auch für jeden jungen Menschen leicht erlernbar:

Durch die gezielte Lockerung aller Muskeln wird ein tiefes Entspannungsgefühl in Körper und Seele erreicht. Die Übungen sind problemlos zu erlernen: Hektik und Erfolgsdruck, die durch das berufliche Weiterkommen oftmalig erzwungen werden, führen oft zu belastendem Streß, so daß es in der Folge leicht zu einer Verspannung der Muskelgruppen im Schulter-und Nackenbereich kommen kann. Nacheinander werden beim Erlernen der Technik alle Muskelgruppen im Körper angespannt und wieder entspannt. Durch die Anspannung wird gezielt die Aufmerksamkeit auf die Muskeln gelenkt. Durch das Lösen der Anspannung wird die Entspannungsphase eingeleitet. Durch die Wahrnehmung des Unterschieds zwischen An-und Entspannung wird die Entspannung erfühlt und vertieft. Die ängstlichen Prüflinge bauen so Anspannungen in Körper und Seele ab. Ihr Kopf wird wieder frei. Sie fühlen sich erholt und vom Streß befreit.(S.16ff)

Diese Entspannungstechnik ist eine Fortentwicklung der bewährten Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson. Einer ihrer besonderen Vorteile liegt darin, daß die Probanden feststellen werden, daß die Übungen schon nach der ersten Durchführung ein deutliches Gefühl der Entspannung bewirken. Mit zunehmender Übung werden die prüfungsängstlichen Kandidaten das Gefühl der Entspannung auch in schwierigen Situationen gezielt erreichen und vertiefen können.

Streß - die Herausforderung des modernen Lebens

Unsere moderne Gesellschaft erfordert in vielen Lebensumständen und Berufen einen Lebensstil, der die sogenannten Zivilisationskrankheiten begünstigt und dem Streß der heutigen Zeit standhalten kann. Einerseits ist jeder Einzelne von uns in Beruf, Familie und Alltag hohen individuellen Anforderungen ausgesetzt, die er bestehen muß. Zeit-und Termindruck in Prüfungssituationen bestimmen im Falle einer Weiterbildung oft den Tagesablauf vieler Erwachsene, die sich für eine Zusatzausbildung entscheiden. In vielen Berufen wächst der Konkurrenz–und Leistungsdruck so stark, daß für die eigentliche Ausbildung von den berufstätigen Erwachsenen sehr viel Zeit investiert werden muß und die Personen sich oft überfordert fühlen. Andererseits kann dieser Streß nicht unmittelbar mit körperlicher Aktivität ausgeglichen werden, wie es die natürliche Reaktion unseres Körpers eigentlich vorsieht.

Die Streßreaktion des Körpers ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers bei drohender Gefahr. Vor einigen tausend Jahren hatte der Mensch noch Gefahrensituationen zu bestehen, in denen Flucht oder Kampf die einzigen lebensrettenden Alternativen darstellten. In diesen Augenblicken war es unerläßlich, daß der Körper alle verfügbare Energie bereit stellen konnte. Der Körper reagierte damals nicht anders als heute, wenn ein Mensch Streß empfindet. Im Streßmoment wird Adrenalin ausgeschüttet, dadurch erhöht sich der Herzschlag und die Blutgefäße verengen sich. Der Körper stellt Glucose (Zucker) bereit, um die Muskeln mit mehr Energie zu versorgen. Die Atemwege werden erweitert, um die Sauerstoffzufuhr zu erhöhen -alles zu dem einen Zweck, augenblicklich höchste, unter Umständen lebensrettende Leistungsfähigkeit zu ermöglichen.

Nicht abgebauter Streß macht krank

Viele Menschen können Streß nicht mit unmittelbarer körperlicher Aktivität ausgleichen und werden oft krank. Ihr parasympathisches Nervensystem schafft es dann nicht mehr so leicht, die gestressten prüfungsängstlichen Personen entspannen zu lassen. Somit sind alle sympathischen Aktivitäten wie z.B. Aktivität und schneller Herzschlag in Bewegung. Vor dem Haushalt und den Kindern können viele Berufstätige nicht einfach davonlaufen. Bei einer Rüge seitens ihres Vorgesetzten können sie nicht mit einem körperlichen Gegenangriff oder wildem Toben reagieren. Der Streß wäre zwar wirkungsvoll abgebaut, aber die Folgen würden nur neuen schlimmeren Streß heraufbeschwören. Doch wer von den prüfungsängstlichen Personen sich unter Druck gesetzt fühlt und den Ärger immer in sich hineinfrißt, kann auf lange Sicht körperliche Krankheiten wie z.B. einen Herzinfarkt, Blutdruck und Schlaganfall bekommen.

Auch Magengeschwüre, Asthma und psychosoziale Probleme können Folgeerscheinungen von nicht bewältigtem Streß sein. Wie schon erwähnt, bietet die muskuläre Tiefenentspannung einen einfach zu erlernenden und problemlos durchzuführenden Weg an. Sie ist eine hochwirksame, wissenschaftlich abgesicherte und therapeutisch vielfältig einsetzbare Entspannungsmethode. Ist sie richtig eingeübt und wird sie regelmäßig angewandt, verhilft sie zu einem entspannten, ausgeglichenen Körpergefühl und fördert das seelische Wohlbefinden. Viel Bewegung baut in so einem Falle langsam Streß ab.

II. ALLGEMEINER TEIL

Der allgemeine Teil dieser Arbeit kommt nun auf die Theorie der Prüfungsangst und deren Bedeutung für die Erwachsenenbildung zu sprechen. Jene theoretischen Erörterungen sollen in dieser Arbeit einen wesentlichen Beitrag für das Verständnis des Phänomens der Prüfungsangst darstellen und erklären, nach welchen Kriterien Prüfungsangst aufgebaut ist und wie sie von den prüfungsängstlichen, berufstätigen Erwachsenen empfunden wird.

1. Theorie der Prüfungsangst in der Erwachsenenbildung und deren allgemeine Bedeutung in der Bevölkerung

In Gesprächen mit der zufällig gewählten Stichprobe der befragten 100 berufstätigen Personen, die unter Prüfungsangst leidet, wird diese Angst, ebenso wie sie in der Bevölkerung oft gesehen wird, in der Ausbildungszeit von jenen mehr als Ansporn zu guten Leistungen und diszipliniertem sozialem Verhalten angesehen und manchmal als zur Entwicklung eines reifen Menschen dazugehörend empfunden. Sie wird dabei von vielen als weniger störend auf deren Wohlbefinden empfunden und von einigen als sehr negativ beeinflussend erlebt. Trotz der reifen Einstellung eines Teils der befragten Population zu dem Thema, gibt es dennoch sehr viele Personen, denen der Ansporn und Leistungsdruck oft zu viel wird und die umso mehr mit Ängsten vor, während und nach Prüfungen als Reaktion auf den erhöhten Leistungsdruck der Gesellschaft reagieren.

Sich öffentlich in der Kursgruppe oder auch privat in der Familie der befragten Personen der Untersuchung dazu zu bekennen, daß man keine Prüfungsangst haben muß, fällt vielen Leistungsorientierten wie auch weniger Leistungsorientierten nicht immer leicht. Da muß man durch, es wäre peinlich, wenn man als erwachsene Person nicht durchkäme, alles Aussagen, die mir von Erwachsenen, befragt nach deren Prüfungsängsten, entgegnet wurden. Dieser Leitsatz wird in der Literatur zur Erwachsenenbildung auch oft vertreten. Die Erwachsenenbildung hat sich zwar zum Ziel gesetzt, über diese Probleme öffentlich nachzudenken, jedoch konnten in den letzten Jahren noch keine konkreten Lösungsvorschläge eingebracht werden. Aufgrund dieser Aussagen kann man, wie ich meine, ganz gut erkennen, daß die Erwartungshaltung der prüfungsängstlichen Personen gegenüber Prüfungen und des Bestehens dieser Prüfungen eine hohe ist und die Personen oft weniger gerne sehen wollen, daß sie prüfungsängstlich sind.

Kaum jemand der befragten Personen der Untersuchung wie auch andere Personen aus der Bevölkerung, die mit Prüfungsangst bereits konfrontiert worden sind, wird jedoch Situationen vergessen haben, in denen er selbst, oder auch als Mitschüler aus Angst vor bestimmten schulischen und Leistungs- Situationen Gefühle der Hilflosigkeit, Verzweiflung und Panik durchlebte. Ist es also selbstverständlich, daß nicht nur Erwachsene in der Prüfungssituation selbst Ängste entwickeln können, sondern ihnen ebenso der Erfolgsdruck der Ausbildungsstätten wie des Berufsförderungsinstitutes, der Volkshochschule oder des WIFI, Angst machen können und sich jene Leute oft davor fürchten, wenn sie nur an das Betreten des Gebäudes und/oder z.B. das Bestehen einer Prüfung in solchen Institutionen denken?

Handelt es sich demnach bei der Theorie der Prüfungsangst nur um Zustandsängste, von denen der prüfungsängstliche Klient der Untersuchung wie auch der Bevölkerung gerade eingeholt wird, oder auch um institutionelle Ängste, und wenn ja, stellt sich dann nicht automatisch die Frage, wie Therapeuten aus Disziplinen wie der Psychologie, Medizin oder auch z.B. der Psychiatrie dem einzelnen Prüfungsängstlichen in der heutigen Zeit helfen können, jene Ängste individuell zu überwinden.

Angesichts der von mir durchdachten und formulierten Fragestellungen dieser Untersuchung ist es sehr erstaunlich, daß ich in der Literatur der Erwachsenbildung oftmalig feststellen konnte, daß sich weder die Pädagogik noch die Psychologie dieses Problems der Prüfungsangst und deren verschiedenen Erscheinungsformen und dem Coping hinreichend genau aus aktuellen oder bildungspolitischen Anlaß, angenommen hat und Lösungsvorschläge für dieses Thema präsentiert hat. Liest man sehr viele Zeitschriften wie z.B. das „Journal for Psychiatry“ aus Großbritannien oder andere Publikationen zum Thema der Prüfungsangst, so wird erst seit den letzten zwei Jahrzehnten das Phänomen der Prüfungsangst als psychiatrisches Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit ernsthaft thematisiert und überlegt, wie man das Thema mit den staatlichen und finanziellen Mitteln der Medizin und Psychologie bearbeiten und eine zufriedenstellende Lösung für die Problematik finden kann.

Das Aufgreifen jener Thematik wird somit für die Öffentlichkeitsarbeit und für die Bevölkerung der Jetztzeit zunehmend wichtiger und bedeutender hinsichtlich der Behandlung der Prüfungsangst in der Öffentlichkeit. Gerade die Frage nach den Auswirkungen der Angst auf die Lernleistungen von Prüfungskandidaten macht die Notwendigkeit der intensiven Beschäftigung mit der Thematik Prüfungsangst und der Erarbeitung von Lösungsansätzen gerade auch für Pädagogen, Psychologen wie auch für jeden Einzelnen deutlich und wichtig für die Erörterung seiner Problematik.

Versucht man weiters eine Definition für Angst zu finden, so wurde in der Wissenschaft der Angstforschung oftmalig festgestellt, daß Angst ein Warnsignal vor Gefahren darstellt, die von allem Neuen und Unbekannten ausgeht. Sie sensibilisiert uns für diese Gefahren und befähigt uns, sich mit voller Aufmerksamkeit gefährlichen Situationen zu stellen und diese zu meistern. Angst kann unsere Handlungen einerseits blockieren, andererseits jedoch auch als motivierender Impuls wirken, sie zu bewältigen. Die Frage, die aus obiger Erkenntnis gezogen wird, ist jene, welche Erscheinungsform die Angst in der jeweiligen Prüfungssituation annimmt, so daß jener prüfungsängstliche und berufstätige Erwachsene die Möglichkeit hat, seine Prüfungsangst einmal richtig zu klassifizieren und dementsprechend den Schweregrad seiner Problematik einstufen und bewerten zu können.

In seiner Entwicklung wird der Mensch immer wieder neuen, unvertrauten und damit angstauslösenden Situationen ausgesetzt. Die Angstüberwindung läßt ihn reifen und bereitet ihn auf die nächste Entwicklungsstufe vor. In diesen Zusammenhang ist auch die Angst des Kursteilnehmers vor der Bildungsinstitution einzuordnen. Kursstätten, Colleges oder andere Bildungsinstitutionen im zweiten Bildungsweg, die als Institution an den Erwachsenen neue soziale und kognitive Anforderungen stellen, erzeugen bei den Erwachsenen immer öfters Angst. Diese Angst wird dadurch erzeugt, daß der Ausbildungsleiter sich nicht mehr ausreichend Zeit für die betreffende Prüfungsangst des Kursteilnehmers nimmt. Der Ängstliche kann, wie oben schon eingangs erwähnt wurde, keinen Psychologen in der Institution wählen, um über seine Ängste zu reden. Nimmt Prüfungsangst jedoch einen krankhaften Charakter an, ist es für wirkungsvolle Gegenmaßnahmen häufig schon zu spät.

Eine wichtige angstauslösende Situation in der Bildungsinstitution ist oft die „Prüfung“. Jeder kennt diese Situation: man geht gut vorbereitet an eine Prüfung und sobald man an seinem Platz sitzt und die ersten Fragen liest, sind die Gedanken wie weggeblasen. Die Prüfung wird heutzutage von der Bevölkerung oft als besondere Leistungssituation gesehen. Sie steht für ein Endziel, das verlangt, den gelernten Stoff wiederzugeben und wird meist als etwas sehr Belastendes erlebt. Bei fast allen prüfungsängstlichen Kursteilnehmern der gebuchten Kurse des WIFI, der VHS, oder einer anderen Institution erzeugen bevorstehende Prüfungen unangenehme Gefühle oder psychophysische Spannungszustände.

Nach Spandl (1979) kommen zur psychischen Belastung häufig somatische Beschwerden hinzu: Magenschmerzen, Herzklopfen, weiche Knie, Mattigkeit, Erbrechen, Übelkeit, trockene Kehle und Diarrhöe.

Jeder kennt wie schon erwähnt die Situation der Prüfungsangst: man geht gut vorbereitet an eine Prüfung und sobald man an seinem Platz sitzt und die ersten Fragen liest, sind die Gedanken wie weggeblasen. Vielleicht bin ich ein Versager, denkt sich dann vielleicht ein prüfungsängstlicher Kandidat! Jeder, der schon einmal vor einer für ihn wichtigen Prüfung stand, kann diese Gefühle nachempfinden. Jedoch hat nicht jeder, der vor Prüfungen aufgeregt ist, unbedingt Prüfungsangst.

Für manche ist eine gewisse Erregung notwendig, um sich für Lernmarathons zu motivieren und das Optimale an Leistung zu erbringen.

Ist das Erregungsniveau jedoch zu hoch, läuft gar nichts mehr. Das mühselig am Tag Eingepaukte ist am Abend wieder verschwunden, dabei nahm man sich vor, viel erledigen zu wollen. Tausend Ausreden werden herangezogen, um sich nicht mit dem Prüfungsstoff zu beschäftigen. Selbst die sonst so verpönte Hausarbeit wird vorgezogen, nur um beim Lernen nicht wieder einen Mißerfolg zu erleiden. Jedoch, je mehr das Notwendige hinausgeschoben wird, desto größer wird der Druck. Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen machen dem Prüfling zu schaffen. Der Selbstwert sinkt auf Null. Nun kann nur noch ein ärztliches Attest das Unheil aufhalten, ein ärztlich bewilligter Krankenstand muß her, die Prüfung wird verschoben, bis dann in einem halben Jahr alles wieder von vorne beginnt. Die Knie werden weich und an irgend einem Körperteil verspürt man eine Spannung. Nervosität macht sich breit, und das schlechte Resultat ist vorprogrammiert. Prüfungsangst ist heute weit verbreitet. Im Sport wird heute die weitverbreitete Technik des mentalen und autogenen Trainings angewendet, um Höchstleistungen erbringen zu können. Ebenso kann man jenes Prinzip des autogenen Trainings auch an den weiterbildenden Institutionen anbieten. Aus dem Gesagten läßt sich erkennen, daß die Diskussion zur Prüfungsängstlichkeit in der Erwachsenenbildung ein wichtiges Thema darstellt und auch allgemein in der Bevölkerung ein großes Diskussions- und Problemfeld charakterisiert.

1.1 Theorie über den Aufbau von Prüfungsangst und Prüfungsängstlichkeit

Im Anschluß an das Kapitel über die Bedeutung und Theorie der Prüfungsangst für berufstätige Erwachsene in der Erwachsenenbildung wird auf die eigentliche Auseinandersetzung mit der Prüfungstheorie eingegangen und versucht, den Begriff der Prüfungsangst terminologisch zu definieren. Ebenso werden Ergebnisse wissenschaftlicher Studien betreffend den Unterschied zwischen der Leistungs- und Prüfungsangst in der Literatur, deren Ursachen, Determinanten sowie deren Klassifikation in der Diagnostik der Psychologie, Medizin und Psychiatrie und auf deren Reduktion in der Praxis erläutert.

1.1.1 Begriffliche Klärung des Terminus der Prüfungsangst

Unter Prüfungsangst werden grundsätzlich alle Symptome verstanden, die der prüfungsängstliche Kandidat als Folge negativer Emotionen, Beeinträchtigungen oder Bedrohungen im Zusammenhang mit der Bildungsinstitution erlebt hat. Dabei kann die Bedrohung entweder nur fiktiv, real existierend oder erst in der Zukunft liegend definiert sein. Durch Vermeidungsreaktionen wie Flucht, in diesem Fall auch Schwänzen an der Bildungsinstitution in den einzelnen Ausbildungsstätten, der Erwachsenenbildung oder der Aggression gegen den Lehrer versucht der prüfungsängstliche Kandidat der Gefahr der Prüfung aus dem Weg zu gehen. Unter diesen Umständen ist das Schwänzen als eine verständliche Reaktion zur Vermeidung der gefürchteten Situationen in der Bildungsorganisation zu sehen, in der sich der prüfungsängstliche Kandidat immer als der Kleine und Unterlegene empfindet. Auf eine wiederholt schlechte Benotung, welche für den Kandidaten den Angstauslöser darstellt, reagiert dieser häufig nicht aktiv mit Aggression oder ähnlichem Verhalten, sondern mit Resignation und Schweigen. Der prüfungsängstliche Kandidat empfindet dabei zwar Gefühle von Hilflosigkeit, jene sind für den Betrachter jedoch kaum erkennbar.

Nach Seligmann (1979, zit. nach Speichert, 1977) läßt „...das Verhalten des prüfungsängstlichen Kandidaten oft erkennen, daß er sich mit seinen negativen Leistungen an der Organisation mittlerweile abgefunden hat“ (S.88).

Hier spricht der Autor oft von „erlernter Hilflosigkeit“, weil der ängstliche Kandidat der eingetretenen Konsequenz und der schlechten Note machtlos gegenübersteht, obwohl er sich schon seit langer Zeit vergeblich um eine bessere Note bemüht.

Der Autor Seligmann (1979, zit. nach Schwarzer, 1993)ist der Meinung, daß gelernte Hilflosigkeit demnach ein motivationaler, kognitiver und emotionaler Zustand ist, der auf der wiederholten Erfahrung von Unkontrollierbarkeit beruht.

Unkontrollierbarkeit ist dabei erst dann gegeben, wenn alle dem Schüler zur Verfügung stehenden Reaktionen fehlgeschlagen sind. Die erlebte Ohnmacht, die der Schüler als Folge des gescheiterten Kontrollversuches hinnehmen muß, ergibt eine starke subjektive Beeinträchtigung. Die Stabilität sowie die Intensität der Hilflosigkeit ist von der Art des Kontrollverlustes abhängig. Dieser kann variabel, also nur von kurzer Dauer sein. Dagegen tritt eine chronische Hilflosigkeit ein, wenn eine zeitstabile Ursache zugrunde liegt.(S.15 und S.145)

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Details

Seiten
312
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832441340
ISBN (Buch)
9783838641348
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v219758
Institution / Hochschule
Universität Wien – Human- und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
ängste lernprobleme prüfungsangst noten therapie

Autor

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Titel: Bewältigungsstrategien der Prüfungsangst