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Interkulturelle Begegnungen im Souvenirverkauf auf Java

Magisterarbeit 2006 156 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Darstellung der Thematik
1.1 Aufbau der Arbeit

2 Theoretischer Teil: Von der Makroperspektive zur Mikroperspektive
2.1 Begriffserläuterungen
2.1.1 Tourismus und Globalisierung
2.1.2 Kultur
2.1.2.1 Der ethnologische Kulturbegriff
2.1.2.2 Kultur in der Interkulturellen Kommunikation
2.1.2.3 Der Kulturbegriff in der Arbeit
2.2 Reisen in die pleasure periphery: Entwicklungsländertourismus
2.2.1 Entwicklungsländertourismus als Finanzspritze oder Blutsauger?
2.2.2 Der informelle Wirtschaftssektor
2.2.3 Reisemotivationen
2.2.3.1 Reisen mit Imaginationen im Gepäck: Tourismus und Neokolonialismus
2.2.3.1.1 Der Reiz des Unbekannten: Die Entwicklung von Entdeckerphantasien
2.2.3.1.2 Exotik und Orientalismus
2.2.3.1.3 Authentizität
2.2.4 Täter-Opfer-Beziehungen oder Begegnungen selbstbestimmter Akteure?
2.3 Tourismus und Konsum: Souvenir(ver-)kauf
2.3.1 Die Kommodifikation von traditionellem Kunsthandwerk zu Souvenirs
2.3.2 Konsumenten auf der Spur: Kaufmotivationen unter der Lupe
2.3.2.1 Zeige mir, welches Souvenir du kaufst, und ich sage dir, wie du reist
2.3.2.2 Ansprüche an Souvenirs am Beispiel von „Authentizität“
2.3.2.3 Einfluss von Kaufmotivationen auf die materielle „Souvenirkultur“
2.3.3 Interkulturelle Begegnungen unter kommerziellem Vorzeichen in der Literatur
2.3.3.1 Begegnungen zwischen Touristen und Lokalbevölkerung
2.3.3.2 Strukturorientierte Darstellung des informellen Souvenirverkaufs
2.3.3.3 Von sozialen Verpflichtungen, Raumkontrolle und authentifying stories
2.3.3.4 Von utopischen Räumen und Kulturspekulanten
2.4 Eindrucksbildung und Interaktion in der Sozialpsychologie und Soziologie
2.4.1 Soziale Beziehungen als mathematische Gleichung
2.4.2 Eindrucksbildung
2.4.3 Einstellungen: Vorurteile und Stereotype
2.5 Zusammenfassung

3 Lokale Hintergründe zu Java und Yogyakarta
3.1 Das touristische Javabild
3.2 Javanische Märkte: Schnittstellen im kommerziellen Diskurs um kulturelle Einflüsse
3.3 Forschungsrelevante Elemente javanischer Weltsicht und Umgangsformen
3.4 Tourismus in Yogyakarta
3.4.1 Voraussetzungen auf überregionaler Ebene
3.4.2 Yogyakarta, das kulturelle Herz Javas
3.4.3 Yogyakarta als touristischer Standort
3.4.4 Landschaften des Souvenirverkaufs in Yogyakarta
3.4.5 Exkurs: Vom Kulturgut zur Touristenkunst: Kommodifikation von Batik

4 Forschung
4.1 Das Forschungsfeld als Interaktionsraum
4.1.1 Touristenkategorien
4.1.2 Interaktionen in unterschiedlichen Verkaufssituationen
4.1.2.1 Begegnungen im öffentlichen Raum
4.1.2.2 Interaktionen in Ladengeschäften
4.1.2.3 Hereingefallen – ein Erfahrungsbericht aus einer „Touristenfalle“
4.2 Auswahlkriterien und Vorstellung der Informanten
4.2.1 Die Verkäufer
4.2.2 Die Käufer
4.3 Forschungsmethode und -prozess
4.3.1 Teilnehmende Beobachtung
4.3.2 Das Gewinnen von Interviewpartnern
4.3.3 Vorgehensweise bei der Auswertung

5 Analyse
5.1 Souvenirs unter dem Stern der Kundenwünsche
5.1.1 Wiedergabe von Kaufmotivationen im Souvenirsortiment?
5.1.1.1 „Japanese like simple“: Differenzierte Zuordnung von Kundenbedürfnissen
5.1.1.2 „I always do what I like”/„We support the tradition“: Freiheit und Idealismus
5.1.1.3 „Whatever I sold I try to get again“: Getätigte Käufe als Kaufvorhersage
5.1.1.4 „Turis asing ingin apa?“: Der unbekannte Kunde
5.1.1.5 Übereinstimmungen in der Wahrnehmung des Konsumverhaltens
5.1.1.6 Zusammenfassung
5.1.2 Kaufmotivationen der Touristen
5.1.2.1 Geschmacksgewohnheiten auf Reisen: Objektbezogene Kaufmotivationen
5.1.2.2 Kondensierung von Wunschbildern in Souvenirs
5.1.2.3 Vom Erinnern und Schenken: Klassische Souvenirfunktionen
5.1.2.4 „We bought more than we can carry” oder „they should sell other things“: Kunden(un-)zufriedenheit
5.1.2.5 Zusammenfassung
5.2 Der Einfluss von Ladengestaltungen auf Kaufmotivationen
5.2.1 Die Gestaltung von Läden mit vorwiegend indonesischer Kundschaft
5.2.2 Ganz Indonesien in einem Laden
5.2.3 „If I put like this, they will not afraid“: Ladengestaltung für „Angsthasen“
5.2.4 Traumurlaub im Urlaub: Imaginationsförderliche Gestaltungselemente
5.2.5 „I just read in the books“: Do-it-yourself -Ladeneinrichtung nach westlichem Rezept
5.2.6 Zusammenfassung
5.3 Schwerpunkte in der Wahrnehmung der Touristen beim Souvenirkauf
5.3.1 Emotionale Ambivalenzen in Interaktionen
5.3.1.1 „It´s great fun, bargaining”: Begegnungen zwischen Lernerfahrung und Kick
5.3.1.2 „I can´t say no easily”: Mitgefühl verpflichtet
5.3.1.3 „Sometimes it´s not fun“: Handeln in Bedrängnis
5.3.1.4 Zusammenfassung
5.3.2 „Habe ich zu viel gezahlt oder zu wenig?“: Die ewige Preisfrage
5.3.2.1 „Getting ripped off“: Gesichtsverlust durch Übervorteiltwerden
5.3.2.2 „I would feel ashamed“: Großzügigkeit als Image-Management
5.3.2.3 Zusammenfassung
5.3.3 Straßenstand oder Ladengeschäft? Pro und kontra der Einkaufslokalitäten
5.3.3.1 „It´s a lot easier buying in the shops”: Sicherer Erfahrungskonsum in Läden
5.3.3.2 „Ich glaub´ die Shops sind für Touristen“: Antitouristisches Programm
5.3.3.3 Zusammenfassung
5.4 Verkaufsstrategien der Ladenverkäufer in der Interaktion
5.4.1 „ Have a look is OK“: Mit Zurückhaltung zum Erfolg
5.4.2 „I always tell them the story of the thing“: Das Spiel mit Imaginationen
5.4.3 „I push them to try in the soft way“: Kinästhetische Verkaufsstrategien
5.4.4 „They sometimes bargain far too low”: Probleme der Verkäufer mit dem Handeln
5.4.5 Zusammenfassung
5.5 Begegnungen zwischen Kommerz und interkulturellem Austausch
5.5.1 Interkulturelle Erfahrungen der Verkäufer
5.5.1.1 „Money to money”: Geschäftsorientierte Interaktionen
5.5.1.2 „It opened our mind“: Bewusstseinserweiternde Begegnungen
5.5.2 Interkulturelle Begegnungen aus Sicht der Touristen
5.5.2.1 „They are sellers, we are tourists”: Gefangen in Rollenzuschreibungen
5.5.2.2 „Es ist immer nett, wenn man sich unterhalten kann“: Annäherungen
5.5.3 Zusammenfassung
5.6 Begegnungen zwischen Souvenirverkäufern und Touristen in der Zusammenschau

6 Rückblick und Ausblick
6.1 Zusammenführung der Makro- und Mikroperspektiven
6.2 Resumée

Literaturverzeichnis

Anhang
Interviewausschnitt A: Touristeninterview mit Tommy T6a und Karen T6b
Interviewausschnitt B: Verkäuferinterview mit Adi V4
Interviewausschnitt C: Verkäuferinterview mit Anto V3a und Novi V3b

Abbildungen

Interkulturelle Begegnungen im Souvenirverkauf auf Java

1 Einleitung und Darstellung der Thematik

Das Thema meiner Arbeit ist im Feld der weltweiten Praxis des Souvenirverkaufes angesiedelt und damit vor allem der ethnologischen Tourismusforschung zuzuordnen. Speziell geht es um interkulturelle Aspekte in den wirtschaftlichen Austauschbeziehungen zwischen Souvenirverkäufern[1] und Touristen. Fragestellungen, welche die gegenseitige Wahrnehmung, Verhalten und weiterführende Auswirkungen der Begegnungen betreffen, möchte ich anhand eines lokalen Beispiels behandeln, zu dem ich geforscht habe: Souvenirverkaufssituationen im zentraljavanischen Yogyakarta.

Begegnungen von Touristen und im Tourismussektor arbeitenden Einheimischen stellen wahrscheinlich in unserer immer globalisierteren Welt - abgesehen von Begegnungen zwischen Migranten und den Einwohnern der jeweiligen Emigrationsländer - zahlenmäßig die häufigsten direkten Kontakte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen dar. Der weiterhin wachsende Wirtschaftszweig des Tourismus verzeichnete im Jahr 2005 laut World Tourism Organisation (UNWTO) trotz Naturkatastrophen und Terroranschläge 808 Mio. international Reisende (www.world-tourism.org).

Der Umstand, dass viele Urlauber - v. a. Pauschaltouristen - ihre Zeit im Ausland häufig in Enklaven aus Hotelanlagen und auf organisierten Rundreisen in geschlossenen Gruppen verbringen, schränkt die Kontakte zwischen Lokalbevölkerung und Touristen erheblich ein. Nichts desto trotz finden zahlreiche Interaktionen mit einheimischem Servicepersonal in Hotels und Restaurants sowie mit lokalen Kleinunternehmern in Läden und auf öffentlichen Flächen statt. Souvenirverkäufer machen unter diesen Personen einen großen Anteil aus (Hitchcock 2000:6). „One of the most common encounters Western tourists have while traveling in developing countries is with stationary or roaming vendors [...] one of the most ubiquitous segments of the informal sector [...] and one which has a widespread tourist appeal“ (Timothy/Wall 1997:325). Die Begegnungen zwischen Verkäufern und Touristen bieten beiden Seiten gleichermaßen Möglichkeiten, Menschen aus anderen sozialen und kulturellen Umfeldern „hautnah“ zu erleben, zu interagieren, Kontakte zu knüpfen und etwas über sie oder sich selbst zu erfahren. Menschen unterschiedlicher gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Hintergründe treten mit ihren unterschiedlichen Einstellungen, Werten, Motivationen und Handlungsmustern für begrenzte Zeit miteinander in Beziehung.

Doch wie sehen die Begegnungen wirklich aus? Wie nehmen die Partizipanten einander wahr? Welche Einstellungen gegenüber den „Anderen“ existieren bereits aus welchen Gründen? Können sich die Selbst- und Fremdbilder bei wiederholtem Umgang verändern? Welche Handlungsoptionen werden gewählt? Und gibt es letztendlich etwas, das die Menschen über das Aufeinandertreffen der Motivation, etwas zu verkaufen oder zu konsumieren hinaus, einander näher bringt und zu einem Austausch oder zur Entstehung von etwas Neuem führt? Oder bleibt es bei aufeinander projizierten Stereotypen (s. Abb. 1)?

Wenig wird über die Auswirkungen der Begegnungen zwischen internationalen Touristen und Einheimischen geschrieben: „A few authors […] do allude to some ways Southeast Asians interact with their visitors – at least during the ephemeral occasions when they are relating to one another. But beyond the instrumental purposes of their relationships (buying a carving, visiting a batik shop, responding to the attention of a bar girl), the meaning and impact of the encounter on the traveler is rarely spelled out”, wobei Phillips hinzufügt, dass der Ausdruck „ephemeral” keineswegs besage, dass die Begegnungen in ihrer Summe ohne Auswirkungen auf die Südostasiaten seien (1999:321).

In der vorliegenden Arbeit möchte ich anhand des empirischen Datenmaterials den aufgezählten Fragestellungen nachgehen und untersuchen, welche Formen das Zusammen-treffen zwischen Souvenirverkäufern und Touristen annehmen kann. Möglicherweise über die Situation hinausführende Auswirkungen sollen ermittelt werden. Souvenirs[2] nehmen in den wechselseitigen Beziehungen zwischen Verkäufern und Touristen eine wichtige Rolle ein, da sie die Akteure zusammenführen. In Souvenirs akkumulieren Touristen zahlreiche Bedeutungszuschreibungen. Die daraus resultierenden Kaufmotivationen initiieren Interaktionen zwischen beiden Personengruppen, beeinflussen das angebotene Sortiment, dessen Präsentationsform und handlungsorientierte Verkaufsstrategien. In diesem Sinne sind Souvenirs Requisiten in Aushandlungsprozessen zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft. Ihre Rolle soll in der Untersuchung einen angemessenen Platz einnehmen.

Dazu, den Fokus auch auf die Dinge zu lenken, inspirierte mich mein persönliches Interesse: Als gelernte Goldschmiedin mit Produktions- und Verkaufserfahrung in einem deutschen mittelständischen Unternehmen verfüge ich über praktische Einblicke in Verkäufer-Kunden-Objektbeziehungen - jedoch ohne interkulturelle Komponente.

1.1 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit gliedert sich in sechs Teile - die Einleitung als ersten Abschnitt eingerechnet. In Kapitel 2 bewege ich mich von der Makroperspektive auf die Rahmenbedingungen der Akteure zur Mikroperspektive interpersonaler Begegnungen. Ausführungen zu internationalem Tourismus als Phänomen einer globalisierenden Welt und die Erläuterung verschiedener Kulturbegriffe geben den Verständnishintergrund ab. Die Vorstellung bestimmter Charakteristika von Tourismus und informeller Wirtschaft in sog. Entwicklungsländern soll den Kontext der Souvenirverkäufer und Reisenden beleuchten (s. Abb. 2). Beschreibungen zur Konstruktion kollektiver Imaginationen, die mit Reisemotivationen und Konsumbedürfnissen in Verbindung stehen, zeigen auf, welche Einstellungen und Bilder von Touristen in den Urlaub mitgebracht werden. Schließlich werden die Darstellung von Begegnungen zwischen Händlern und Touristen in der Literatur thematisiert. Um interpersonale Vorgänge nachvollziehen zu können, werden Konzepte aus der Sozialpsychologie und Soziologie eingebracht. Diese kontextualisierende „tour d´horizon“ nehme ich vor, da eine Lokalstudie mit dem Fokus auf der Mikroebene zwischenmenschlicher Beziehungen ansonsten Gefahr liefe, im Tunnelblick das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren, welches die Szenerie bedingt. Es wäre ein Trugschluss, wie z. B. im Funktionalismus praktiziert, aus der Untersuchung einer ahistorischen Mikroebene alleine Erklärungen ableiten zu können. Laut Ulf Hannerz sollte Ethnologie die Spaltung von Makro- und Mikroanthropologie überwinden, indem deren Konzeptbildung in Zusammenhang gesehen wird (1986:365f; Wolf in Kreff 2003:31). In Kapitel 3 gehe ich auf fragestellungsrelevante Verhältnisse des Forschungsortes Yogyakarta ein. In Kapitel 4 stelle ich die Forschung vor, welche ich in den Jahren 2004 und 2005 durchführte. Der erste Besuch fand im Rahmen einer Lehrforschung statt, die ein Kooperationsprojekt mit der örtlichen Gadjah Mada- Universität einschloss. Die Forschungsarbeit erfolgte zum Teil mit dem antropologi -Student Hafid Nur Adikara als Tandempartner. Bei meinem selbstorganisierten zweiten Aufenthalt setzte ich die Forschung über bereits geknüpfte Kontakte gezielter fort. In der Auswertung in Kapitel 5 ziehe ich vorwiegend Interviewergebnisse heran. Die emische Perspektive von Verkäufern und Touristen findet ihren Niederschag in der Relevanz unterschiedlicher Gesichtspunkte. Abschließend stelle ich in Kapitel 6 die theoretischen und forschungsbezogenen Ergebnisse in einem Rück- und Ausblick vereint dar.

Da die - für die Touristen urlaubsalltäglichen und die indonesischen Verkäufer arbeitsalltäglichen - Verkaufssituationen zu den zuvor erwähnten wenigen Berührungspunkten zählen, bei denen sich Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Zusammenhängen leibhaftig gegenüber stehen, erachte ich eine ethnologische Untersuchung, welche die unterschiedlichen Dimensionen des Aufeinandertreffens in Verkaufssituationen auslotet, für wichtig. Mit der steigenden Zahl von interkulturellen face-to-face -Kontakten in Alltag und Urlaub steigt auch ein Informationsbedarf, dessen Deckung zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beitragen kann. Hierin sehe ich meinen Beitrag. Interkulturelle Kontakte, wie sie weltweit im Rahmen einer Reise stattfinden, können von Ethnologen analysiert werden, um Wahrnehmungsdiskrepanzen aufzudecken, zu einer Neueinschätzung zu führen oder - noch besser - zu einem genaueren Hinsehen in jeder neuen Begegnung zu ermutigen.

2 Theoretischer Teil: Von der Makroperspektive zur Mikroperspektive

2.1 Begriffserläuterungen

Zu Beginn möchte ich erläutern, welches Verständnis der Schlüsselthemen Globalisierung, Tourismus im Kontext der Globalisierung und Kultur ich meiner Arbeit zugrunde lege.

2.1.1 Tourismus und Globalisierung

Internationaler Tourismus zählt zu den globalen Prozessen, die unter dem Begriff „Globalisierung“ summiert werden. Aus der Fülle von Theorien zu Globalisierungsvorgängen wähle ich zuerst die marxistisch orientierte, relativ statische Weltsystemtheorie von Immanuel Wallerstein mit dem Fokus auf ökonomischer Ebene, um Grundstrukturen aufzuzeigen. Danach möchte ich Ansätze Arjun Appadurais ansprechen, die differenzierter auf Dynamiken globaler Veränderungen eingehen. Zusätzlich werde ich auf das Verhältnis globaler Homogenisierungs- und lokaler Heterogenisierungstendenzen eingehen.

Immanuel Wallerstein sieht die kapitalistische Weltwirtschaft als ein hierarchisch gegliedertes Weltsystem an, in das - bis auf wenige auf Subsistenzwirtschaft gestützte Ethnien - alle Menschen eingebunden sind. Dieses System globaler Arbeitsteilung besteht aus Zentrum - den Industrieländern, der Semi-Peripherie - von diesen abhängigen Ländern, und der Peripherie - den übrigen abhängigen sog. Entwicklungsländern (Kreff 2003:23f). Rohstoffe, Waren und Geld wandern in einem ungleichen Tausch zwischen den Zonen des Weltsystems hin und her. Bleibt man bei der Beschreibung von Ferntourismus bei der Terminologie des Weltsystems, so fließen Touristenströme vom Zentrum in die Peripherie. Massenferntourismus wird als „an industrial process in the Fordist sense of mass production, with global flows of tourists forming part of a truly global market“, aufgefasst. Souvenirs stellen einen Strom von Gütern in die Gegenrichtung dar (Hampton 2003:87).

Laut Fernand Kreff lehnt Arjun Appadurai alle Zentrum-Peripherie-Modelle als „mechanistische Metaphern“ ab, welche die kulturelle Komponente vernachlässigten und die komplexen dynamischen Entwicklungen in einer postmodernen fragmentierenden Welt nicht wiedergeben könnten. Appadurai unterscheidet fünf verschiedene globale kulturelle Flüsse oder Räume bzw. scapes, die nicht an Orte gebunden dauernd in Bewegung sind und die bestehenden kulturellen und politischen Landschaften durchkreuzen: ethnoscapes, technoscapes, mediascapes, ideoscapes und financescapes. Der Begriff scapes weist auf perspektivische Konstrukte hin, die vom jeweiligen Betrachter abhängen (Kreff 2003:128, 131f, 138; Hess 2000:209). Touristen bevölkern als Teil der ethnoscapes die sich bildenden transnationalen sozialen Räume. Souvenirs wandern ebenfalls als kulturelle Artefakte von ihren Ursprungsorten losgelöst umher. Die Flüsse sind für Appadurai Ausdruck einer Welt in Bewegung. Die Anforderungen des internationalen Kapitals, neu geweckte Konsumbedürfnisse usw. führen zu einer Zunahme weiträumiger Wanderungsbewegungen und damit zu einer Deterritorialisierung, welche die Entstehung imaginierter Welten fördere: „Dieser Prozess der Enträumlichung, in dem Geld, Waren und Personen einander rast- und ruhelos um die Welt jagen, bildet den Nährboden für das üppige Gedeihen von zusammengestückelten Phantasievorstellungen ganzer Menschengruppen“ (Appadurai 1998:12, 15, 41ff). Die durch Migration und elektronische Medien verstärkte Imaginationstätigkeit wertet Appadurai als soziale Praxis, die konstituierendes Merkmal der modernen Subjektivität sei (Appadurai in Kreff 2003:134).

Die beschriebenen Prozesse sind sowohl für Homogenisierungs- als auch Heterogenisierungserscheinungen verantwortlich. Sah man erst eine weltweite, zu einem kulturellen Einheitsbrei führende McDonaldisierung oder den umstrittenen clash of civilisations nach Huntington voraus, so zeigt sich mittlerweile, dass globale Angleichung[3] und lokale Diversifizierung in unterschiedlichen Bereichen gleichzeitig stattfinden. Roland Robertson prägte die Bezeichnung Glokalisierung für lokalspezifisch ablaufende kulturelle Globalisierung. Die unterschiedlichen Reaktionen auf Globalisierungsprozesse zeugen von gewissen Wahlmöglichkeiten der Akteure vor Ort. Antworten auf Veränderung können entweder in Widerstand, Hybridisierung, Integration des Neuen oder in der Assimilation der eigenen Kultur münden (Wimmer 2002:77ff; Hauser-Schäublin 2002:10; Spittler 2002:16).

Tourismus lebt sowohl von Homogenisierung als auch Heterogenisierung. Selbst wenn die Reisetätigkeit eine Vereinheitlichung der Infrastruktur vorantreibt, erwarten viele Touristen im Urlaubsland dennoch Unbekanntes und Einzigartiges. Jedes Land, jede Region oder Ethnie muss sich als einmalig präsentieren. Dies erfordert Heterogenisierung, die notfalls erfunden wird (Vogel 2002:92; Goethe 2002:13). Die Lokalbevölkerungen tragen durch einen unterschiedlichen Umgang mit Tourismus ebenfalls zu Heterogenisierung bei.

Um Globalisierungsvorgänge zu erfassen, sind Lokalstudien von großer Bedeutung. Da Globalisierung aus vielen parallelen, verknüpften lokalen Situationen besteht, erweist es sich als wichtig, Globalisierungserfahrungen an „konkreten Veränderungen auf der lebensweltlichen Ebene und in den Handlungs- und Orientierungskontexten der Subjekte“ auszumachen (Schlehe 2003:195). Marcus schlägt zur besseren Erfassung von Einflüssen global ausgestrahlter Mythen, Bilder, Produkte und Lebensstile auf die Identität von einzelnen und Gruppen aufwendige multisited ethnography vor (Marcus in Kreff 2003:168ff, 176).

2.1.2 Kultur

2.1.2.1 Der ethnologische Kulturbegriff

Mit der Theoriebildung unterliegt zugleich der Kulturbegriff einem fortlaufenden Wandel. Ein Kulturverständnis, das von homogenen, geographisch begrenzten ethnischen Gruppen mit „shared meanings, practices, and symbols“ ausgeht, gilt längst als überholt (Rabinov / Sullivan zit. n. Kreff 2003:89). Die erwähnten scapes tragen dazu bei, dass die innerhalb jeder Gesellschaft auftretende kulturelle Variabilität stark zunimmt. Nach Marcus wird „die Identität jedes Einzelnen und jeder Gruppe an verschiedenen Orten simultan von vielen verschiedenen Einflüssen für viele verschiedene Zwecke produziert” (Marcus zit. n. Kreff 2003:169). Appadurai betrachtet Kultur, von der er nunmehr adjektivisch spricht, als relative, wandelbare Differenz. Ethnische Identität bilde sich heute nicht notwendigerweise durch Abstammung, sondern durch den kreativen Umgang mit Subensembles von Differenzen und kollektiven Imaginationen. Das Individuelle differenziert sich als postmodernes hybrides Subjekt heraus. Durch diesen schlecht fassbaren Kulturbegriff kommt es zu einem Paradoxon: Einerseits werden die komplexen Gegebenheiten besser berücksichtigt, andererseits ergeben sich vor allem beim praktischen Kulturvergleich Schwierigkeiten. Hier erweist sich der ethnologische Kulturbegriff als zu theoretisch (Appadurai 1996:13; Kreff 2003:152, 207).

2.1.2.2 Kultur in der Interkulturellen Kommunikation

In den letzten Jahren hat sich die Interkulturelle Kommunikation als anwendungsorientierte Fachrichtung etabliert. Konzepte aus der „IK“ kommen vor allem in wirtschaftlichen und pädagogischen Bereichen zum Einsatz, wo interkulturelle Begegnungen an der Tagesordnung sind. Die „Interkulturalisten“ möchten dort, wo ethnozentrisch unbewusst von allgemeingültigen Interaktionsstandards ausgegangen wird, ein Bewusstsein für kulturell bedingte Unterschiede schaffen und eine pragmatisch orientierte Handlungskompetenz vermitteln. Damit einher geht ein stark vereinfachter, deterministischer Kulturbegriff, der von kultureller Differenz als einer realen und messbaren Größe ausgeht. Ethnologen kritisieren, dass diese in ihren Augen überholte Sichtweise zur Stereotypenbildung beitrage. Sie bemängeln, dass der Fokus auf den Auswirkungen kultureller Differenz liege und nicht auf deren Entstehung. Die fehlende historische, ökonomische, politische und soziale Kontextualisierung führe dazu, „daß die in den meisten interkulturellen Interaktionen gegebenen Machtungleichheiten nicht berücksichtigt”, bzw. sogar verschleiert würden. Alois Moosmüller, der selber die Fachrichtung Interkulturelle Kommunikation vertritt, erkennt die erwähnten Probleme, plädiert aber dennoch dafür, je nach Kontext Konzepte aus der Interkulturellen Kommunikation eingeschränkt anzuwenden (2000:15f, 21ff).

2.1.2.3 Der Kulturbegriff in der Arbeit

Die vorangegangenen unterschiedlichen Kulturbegriffe habe ich erläutert, da es in meiner auf empirischen Daten beruhenden Arbeit ebenfalls nicht einfach ist, über „Kultur“ zu schreiben. Leicht passiert es, Assoziationen stereotypisierender Kategorien hervorzurufen. Genauso kann es sein, dass im Zuge der Globalisierungsprozesse keine oder nur sehr differenzierte kulturbezogene Aussagen möglich sind. Um überhaupt über interkulturelle Begegnungen schreiben zu können - welche das Vorhandensein voneinander unterscheidbarer Gruppen voraussetzen - muss ich bei meinen personenbezogenen Beschreibungen verallgemeinern (Kreff 2003:162, 152). Dies beginnt massiv dort, wo von „Indonesiern“ oder „westlichen Touristen“[4] die Rede ist. Da Kultur vor allem aus gelebter Alltagspraxis besteht und nur noch in ihrem spezifischen lokalen Kontext verstanden werden kann, bemühe ich mich in meiner Arbeit um eine Kontextualisierung der Akteure und viele konkrete Fallbeispiele. Damit möchte ich ein möglichst breites Spektrum aus „most other and self“ in meinem Untersuchungsfeld aufzeigen und einen eng gefassten Kulturbegriff vermeiden (Hannerz 1986:363; Moosmüller 2000:23). Unter der Begegnung zwischen einem indonesischen Souvenirverkäufer und einer französischen Touristin verstehe ich somit nicht die Begegnung von zwei Personen, die einer spezifisch „indonesischen” oder „französischen” Kultur angehören, sondern von Menschen, die jeweils durch Einflüsse ihres lokalen Umfeldes und darüber hinaus reichende Verbindungen geprägt sind (Schlehe 2003:195). So bilden die Verkäufer bereits von ihrer geographischen Herkunft und ihrem ethnischen Zugehörigkeitsgefühl her keine homogene Gruppe. Über Medien und Kontakte mit Ausländern sind die Verkäufer zahlreichen weiteren kulturellen Einflüssen ausgesetzt. Die Quellen, aus denen sich die kulturelle Identität von Touristen unterschiedlicher Herkunft speist, kann ich in einer Forschung ausschließlich am Urlaubsort kaum erfassen.

2.2 Reisen in die pleasure periphery: Entwicklungsländertourismus

Wie bereits erwähnt ist der internationale Tourismus ein bedeutender Weltwirtschaftssektor mit ungebrochenem Wachstum, das 2005 5,5% betrug (www.world-tourism.org). Das gesamte Tourismusaufkommen entsprach rund 12% der weltweiten Exporte. Mindestens 8,3% aller Arbeitsplätze verdanken ihre Existenz direkt oder indirekt dem Tourismus. Etwa 10% aller persönlichen Ausgaben fließen in die Finanzierung von Reisen (Vorlaufer 2003:4; WTTC 2005:3). Anhand dieser eindrücklichen Zahlen wird nicht nur die wirtschaftliche Rolle des internationalen Tourismus erkennbar. Man kann sich leicht vorstellen, dass Tourismus ein großes Ausmaß an Auswirkungen auf andere Bereiche hat. Eine besonders wichtige wirtschaftliche Rolle spielt Tourismus für sog. Entwicklungsländer.[5]

2.2.1 Entwicklungsländertourismus als Finanzspritze oder Blutsauger?

Die jungen Nationalstaaten, die fast alle eine koloniale Vergangenheit haben, weisen eine hohe Auslandsverschuldung auf. Tourismus ist daher eine wichtige Devisenquelle. Ging man in diffusionistischen Ansätzen davon aus, dass Tourismus ein wirkungsvolles Werkzeug zur „Entwicklung“ eines Landes sein könne, da Devisen von den Tourismusorten ins Umland flössen, sei Tourismus laut Oppermann „an industry like any other, which is used by developed countries to perpetuate the dependency of the development countries“ (1993:540). Ein Großteil der Devisen verbleibt bei westlichen transnationalen Konzernen im Zentrum des Wallersteinschen Weltsystems. Um die hohen Ansprüche vieler Touristen im Land zufrieden zu stellen, sind Importe nötig, was eine weitere Sickerrrate von 50-70% der Einnahmen im formalen Tourismussektor ausmacht. Die dependence-theory besagt sogar, dass kapitalistische Entwicklung im Zentrum zur Unterentwicklung der Peripherien führe. Jedoch hängt es von der Art der Tourismusentwicklung und der Tourismusform ab, wie viele Devisen im Urlaubsland verbleiben (Shaw 1999:68; Job/Weizenegger 2003:634).

Institutionalized tourism in Ressorts oder Sternehotels begrenzt die Kontakte zwischen Einheimischen und Touristen. Arbeitsstellen in unmittelbarer Touristennähe beschränken sich auf „niedere Tätigkeiten” im Servicebereich, z. B. als Zimmermädchen oder Kellner. Gelenkter Pauschalreisetourismus führt die Touristenströme an Orte, zu denen nur wenige Menschen aus der Lokalbevölkerung Zugang haben. „Preordained ‘souvenir’ stops are made along the route at artshops and handicraft shops [...] guests being offloaded out of the buses and quickly ushered into suitably airconditioned shops“ (Shaw 1999:75f). Die bereits bestehende ökonomische, soziale und kulturelle Kluft zwischen Gästen und Gastgebern wird weiter vergrößert (ebd.:80; Cohen 1972). Non-institutionalized tourism dagegen bietet der Lokalbevölkerung mehr Möglichkeiten, in direkten Kontakt mit Touristen zu kommen. Doch obwohl Individualtouristen durchschnittlich längere Zeit im Land bleiben und die Einkünfte zu einem großen Teil in die lokale Wirtschaft fließen, werden vor allem budget -Reisende von einigen Tourimusplanern ungern gesehen, da sie pro Kopf und Zeiteinheit weniger Devisen bringen (s. Abb. 3; ebd.; Hampton 2003:87, 90, 95f).

Immer mehr Menschen besuchen im Urlaub preislich und klimatisch attraktive, sog. Entwicklungsländer, die um die Jahrtausendwende etwa ein Drittel aller Auslandsankünfte verbuchten. Auf der Suche nach neuen Orten der Erholung, Vergnügung und Abenteuer nutzen westliche und ostasiatische Touristen die Entwicklungsländer als pleasure periphery. Unter diesem am Wallersteinschen Weltsystem orientierten Begriff fasst Matthews alle sonnenreichen Entwicklungsländer in Meeresnähe, ungeachtet der ethnischen Unterschiede zusammen (Matthews in Silver 1993:307). Luxuriöse Unterkünfte, exotisches Essen, Strände und atemberaubende Landschaft im Landesinneren, historische Sehenswürdigkeiten, kulturelle Veranstaltungen, ausgefallene Souvenirs und günstiger Sex - all das ist für fast jeden westlichen Geldbeutel erschwinglich (Forshee 1999:4; Job/Weizenegger 2003:629). Gleichzeitig werden Entwicklungsländer mit Vorsicht genossen. Die Kehrseite des günstigen Urlaubs sind neben etwaigen Bedenken bezüglich hygienischer Verhältnisse vor Ort vor allem die politische Sicherheit betreffende Befürchtungen. Wirtschaftliche und politische Krisen oder Naturkatastrophen wirken sich demnach besonders stark auf Entwicklungsländertourismus aus. In den letzten Jahren verursachten Asienkrise, Terroranschläge und Tsunami große Schwankungen bei den Besucherzahlen Südostasiens. Die Auswirkungen des jüngsten Erdbebens bei Yogyakarta bleiben abzuwarten (Vorlaufer 2003:5; Job/Weizenegger 2003:629, 634; www.world-tourism.org).

2.2.2 Der informelle Wirtschaftssektor

In den sog. Entwicklungsländern spielt der recht unscharf definierte informelle Wirtschaftssektor eine große Bedeutung. Ca. 30-60% der städtischen Bevölkerung - je nach Definition und Land - findet in diesem ihr tägliches Auskommen. In Indonesien lebt etwa 20% der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Viele der somit als arm definierten Indonesier sind im informellen Sektor mit seinem großen Spektrum an Aktivitäten beschäftigt: „A diversity of undertakings may be found, including hawkers, shoe shiners, rooms for minimal rent, unofficial tourism guides, and prostitutes” (Timothy/Wall 1997:324; Escher 1999:660; Hampton 2003:97). Kleinbetriebe weisen wenig Kapital und einen schwachen Organisationsgrad auf, sind häufig verwandtschaftlich strukturiert und arbeiten auf niedrigem technologischen Level außerhalb staatlicher Unterstützung und Kontrolle. Die arbeitsrechtlichen Bedingungen sind nicht festgeschrieben. Die International Labour Organization (ILO) zählt zum informellen Sektor „alle Selbstbeschäftigten sowie Inhaber und Beschäftigte von Kleinbetrieben mit weniger als 10 Arbeitskräften” (Steiner 1994:61; Escher 1999:658). Preise sind meist auf Verhandlungsbasis, da weder standardisierte Vorgaben noch allgemeine Marktinformationen vorliegen. Die wirtschaftliche Rolle des informellen Sektors ist umstritten. Bei der Betrachtung werden allerdings häufig die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen vernachlässigt, was zu verschiedenen Positionen beiträgt.

Wurde der informelle Wirtschaftssektor eine Zeit lang, ähnlich wie Entwicklungs-ländertourismus, als Potential zur Beseitigung von Arbeitslosigkeit und Armut angesehen, so ist eine pessimistischere Lesart, dass ein Zuwachs der Zahl der im informellen Sektor Tätigen eine Folge von zur Verarmung führenden Globalisierungsvorgängen sei (Schneider 1999:662). „The globalization project is accompanied by another social process arising from the limits of development projects – a growing culture of informal, or marginal, activity” (McMichael 1996:190). Die Durchsetzung des Neoliberalismus durch Institutionen der ehemaligen Kolonialmächte lässt die bereits vorhandenen Strukturen des informellen Sektors überhaupt erst zur „billigen” Ergänzung formaler ökonomischer Organisation werden. Durch die Zahl der Millionen, die in diesem Randbereich am Existenzminimum wirtschaftend ein Schattendasein fristen, wird Massenarbeitslosigkeit verschleiert (Escher 1999:659f). Dahles verbindet beide Sichtweisen. Ihren Untersuchungen nach täusche das geschäftige Treiben im informellen Sektor zwar über hohe Arbeitslosenzahlen hinweg, gleichzeitig seien aber stark innovative und unternehmerische Kräfte zu finden (Dahles 2001:208).

Selbständige Kleinunternehmer sind in Indonesien zahlreich im Tourismussektor vertreten. Angeboten werden Unterkünfte, Transport, Dienstleistungen und Souvenirs. Da Dienstleister im Tourismusbereich keine Stammkundschaft aufbauen können, wie das in anderen Bereichen des informellen Sektors möglich ist, ist das Geschäft risikoreicher, wenn auch die Gewinne im günstigen Fall höher liegen können (ebd.:94; Timothy/Wall 1997:324; Steiner 1994:46). Ein rascher personeller Zuwachs im informellen Sektor steht mit dem Wirtschaftswachstum und der folgenden Asienkrise 1997 in Zusammenhang. Das Wachstum führte zu „einer Verdrängung der Subsistenzproduktion zugunsten der Marktwirtschaft, der Einbindung immer weiterer Lebens-, Produktions- und Arbeitsbereiche in das Marktgeschehen sowie daraus resultierende soziale und kulturelle Veränderungen”. Mit dem unerwarteten wirtschaftlichen Einbruch standen plötzlich mehr Menschen vor dem Nichts, als vor dem Aufschwung und mussten im informellen Sektor verbleiben (Buchholt 1999:717).

Staatliche Maßnahmen schränken das Wirken informeller Händler häufig ein, da sie als rückständig, und damit als Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen werden. Steuereinnahmen werden durch informelle Anbieter gemindert. Tourismusplaner befürchten teilweise, dass das Image einer Tourismusdestination durch informelle Unternehmer negativ beeinflusst wird. Für formelle Betriebe stellen die Kleinunternehmer eine Konkurrenz sowohl um Standorte als auch um Kunden dar (Dahles 2001:93, 180; Vorlaufer 1999:682). Aufgrund der Abneigungen von staatlicher und tourismusplanerischer Seite gegenüber informellen Kleinunternehmern werden informelle Souvenirverkäufer im Ressorttourismus, z. B. auf Bali in Randgebiete verdrängt. Manchen Anbietern werden von staatlicher Seite Verkaufsareale zugewiesen. Nicht immer werden Verkäufer aus dem informellen Sektor als Belästigung für Touristen erachtet. Vor allem Märkte gelten mit ihrem quirligen Treiben als touristische Anziehungspunkte. Dies ist auch der Fall bei Yogyakartas Hauptgeschäftsstraße Jalan Malioboro (Shaw 1999:76; Oppermann 1993:543; Steiner 1994:20; Forshee 1999:296).

Auch wenn der informelle Sektor in seiner existierenden Form kein Allheilmittel für wirtschaftliche und soziale Probleme anbietet, ist er dennoch eine bedeutsame Einkommensquelle für die Lokalbevölkerung. Somit trägt er zur Überlebenssicherung vieler Menschen bei und ermöglicht in manchen Fällen den Aufbau tragfähiger Existenzen. Um den im informellen Sektor Tätigen langfristig eine Basis zu verschaffen, fordert Dahles die Bereitstellung von Kleinstkrediten, Bildung, Informationen, sowie verbesserte rechtliche Bedingungen von staatlicher Seite, anstelle von Regulierungsmaßnahmen (1999:13; Hampton 2003:85).

2.2.3 Reisemotivationen

Selbst wenn aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Europa der Trend zu innereuro-päischen Kurzreisen zunimmt, kommt Fernreisen doch weiterhin ein hoher gesellschaftlicher Stellenwert zu. Im Jahr 1999 reisten über 70 Mio. Europäer in außereuropäische Länder, darunter viele Entwicklungsländer (Vorlaufer 2003:5). Sie legten Hunderte von Kilometern zurück, überquerten Ozeane und Kontinente auf der Suche... nach was eigentlich?

Neben der Höhe des Einkommens spielen Push- und Pullfaktoren, Einstellungen dem Reisen gegenüber, sowie Werte eine Rolle bei der Herausbildung von Reisemotivationen (Parrinelli 1993:241; Hallerbach 2003:180). Dass diese kulturimmanent sind, folgert Forshee daraus, dass Touristen unterschiedlicher nationaler Herkunft unterschiedliche Reisearten bevorzugen (1999:5). Ließen sich früher recht eindeutige Touristenkategorien bilden, z. B. Strandurlauber, Kulturtouristen oder Aktivurlauber, zeigen Entwicklungen seit den 1990ern allerdings eine Tendenz zum hybriden Urlauberprofil (Hallerbach 2003:172ff). Tat sich zwischen pauschalem Massentourismus und Alternativtourismus eine unversöhnliche Kluft auf, so sind viele Reisen heute Maßanfertigungen aus pauschalen Bausteinen und Elementen der Individualreise. Der Kundenwunsch nach Individualität und Freiheit - dem Ideal der Postmoderne, das sich in der Freiheit der Wahl des Urlaubsproduktes äußert - soll befriedigt werden: „Es geht nicht mehr um die Massenfertigung eines genormten Produktes, sondern um die massenhafte Herstellung individueller Begegnungs- und Erlebnisangebote“ (Backes 2002:154; Goethe 2002:23).

Die Gründe, warum Menschen in heute gar nicht mehr so ferne Länder reisen, sind vielfältig und komplex, da alle Anteile einer Person an deren Entstehung beteiligt sind (Parrinello 1993:235). Einstellungen von Touristen gegenüber Einheimischen und Motive für den Erwerb von Souvenirs hängen mit Reisemotivationen zusammen. Deshalb möchte ich diesen einige Aufmerksamkeit schenken, um Aufschlüsse zu touristischem Verhalten im Souvenirkauf zu bekommen.

„Sonne, Strand und Sex“ sind weiterhin Dauerbrenner: 30% aller Fernreisen sind Badeurlaub (www.tzl.de/prenski/entwicklung/tourismus/aufschwung.htm 3.2006). Die Hochkonjunktur von last-minute- Buchungen lässt die Wahl des Urlaubslandes nebensächlich erscheinen. Betrachtet man Reiseprospekte, ist jedoch das Erleben einheimischen Lebensgefühls eine wichtige Zutat eines attraktiven Urlaubsangebots (Backes 2002:149). Ein Schuss „fremde Kultur” ist anscheinend nicht nur bei sog. Studienreisen gefragt. Das Erlebte sollte auf jeden Fall anders sein als zu Hause, aber auf eine gewisse Art: schön, bunt, geheimnisvoll, exotisch, erotisch usw. (Vogel 2002:86). Nach Backes geht es bei Fernreisen nicht mehr so sehr um das Überwinden von Entfernung, sondern um das sinnbildliche Bereisen eines unbekannten Raumes, was sich in der Suche nach Erfahrungen von Differenz äußere (2002:154). Doch dieser aus dem Alltäglichen heraus erwachsene Wunsch führt zu einem Paradoxon: „Tourism emerges as a ‘counter-everyday’ non-ordinary experience [...], while the tourist always carries his ordinary experience as a part of his cultural baggage“ (Parrinello 1993:239; Hauser-Schäublin 2002:9). In der Art des Reisens spiegeln sich Werte westlicher Industriegesellschaften wieder: Konsumcharakter, oberflächliches Interesse, Verfolgen von Modetrends, Schnelllebigkeit und Geschwindigkeit (Hampton 2003:87). Die Fortbewegung und die Unterkunft sollten im Pauschaltourismus mindestens so komfortabel und annehmlich sein, wie zu Hause. „Beim Essen, der Hotelausstattung oder den Verkehrsmitteln hört der Wunsch nach dem exotischen Anderen auf, sind die eigenen Standards gefragt“ (Vogel 2002:92). Eine selbst organisierte Reise eröffnet hingegen Erfahrungen, die auch an eigene Grenzen bringen können. Individualtouristen setzen sich in größerem Maße den Umständen und kulturellen Gegebenheiten vor Ort aus, was mehr Flexibilität und eine gewisse Aufgeschlossenheit erfordert, auch wenn die „Gebrauchsanweisung“ des Reiselandes, der Reiseführer, vor einigen Konfrontationen mit dem „Unbekannten“ bewahrt.

2.2.3.1 Reisen mit Imaginationen im Gepäck: Tourismus und Neokolonialismus

Touristen „haben aufgrund tradierter, medial wie literarisch vermittelter Inhalte bereits vor der Reise eine Idee, wohin sie reisen und wen sie dort erwarten. [...] Bilder über die Fremde prägen als gesellschaftlich gewachsene und komplexe Vorstellungen die Reisewünsche und Reisemotive im heutigen Tourismus“ (Brauen 2002:135). Bilder des Anderen, die ständig produziert und reproduziert werden, kursieren in Printmedien, sowie im Fernsehen und Internet. Erzählungen von Freunden, Kollegen oder Verwandten stellen für viele Menschen wichtige Informationsquellen über potentielle Urlaubsziele dar (Silver 1993:303; Rao 2002:97; Hampton 2003:95). In der Deutschen Reiseanalyse von 1989 gaben bei Mehrfachnennungen rund 33 % der 6000 Befragten an, Reiseinformationen aus Gesprächen, z. B. beim Betrachten von Urlaubsfotos erhalten zu haben, was auf eine sozial verankerte Kultur des Tourismus verweist. Mittlerweile sind Reiseführer wie Lonely Planet über backpacker- Kreise hinaus bekannt und waren 2000 bei etwa 40% der deutschen Reisenden im Gepäck vorzufinden (Parrinello 1993:243; Hampton 2003:95; Strauch 2003:792).

Die Herkunft stereotypisierender Bilder u.a. in der Reisewerbung, sind teilweise in der Vergangenheit zu suchen (Backes 2002:155). Betrachtet man die Imaginationen erzeugenden Motive eingehender, so sind sie teilweise mit aus der Kolonialzeit fortgeführten asymmetrischen Machtbeziehungen gekoppelt, welche von den postcolonial studies und tourismuskritischen Studien untersucht werden. Die unterschiedlichen Möglichkeiten, „die ‚Begegnungen‘ zwischen den [ehemals] kolonialisierenden Gesellschaften und ihren ‚Anderen‘ zu inszenieren“, werden analysiert (Hall 2002:225ff).

Etwas Schwierigkeiten habe ich zugegebenermaßen mit der allumfassenden Perspektive, die das Fortbestehen kolonialer Beziehungsstrukturen in Begegnungen zwischen „Westlern“ und dem „Rest der Welt“ aufzeigt. Auch als angehende Ethnologin befinde ich mich keinesfalls außerhalb der postulierten Machtstrukturen (Burawoy 2000:4). Als relativ gut situierte Mitteleuropäerin ist es mir zu einem gewissen Grad unangenehm, einen Blick auf Verhältnisse zu werfen, die ich eventuell als Forscherin reproduziere: „To study a culture is to construct an implicit structure of power in which the studied becomes ‘other’ and the interpreter the powerful norm that it is unnecessary to study“ (Featherstone 2005:16). Eine Umgangsmöglichkeit mit dieser Problematik stellt das deutsch-indonesische wissenschaftliche Kooperationsprojekt dar.

2.2.3.1.1 Der Reiz des Unbekannten: Die Entwicklung von Entdeckerphantasien

Frühe Reiseliteratur - exploration writing - Ende des 19. Jh. beschrieb die Entdeckung unbekannter Weltregionen durch Expeditionen. Die Weißen präsentierten sich den zu Hause Gebliebenen als heldenhafte Entdecker des Landes, das den ansässigen Einheimischen natürlich längst bekannt war. Die Entdeckung fand laut Mary Pratt mit dem Auge statt. In Besitz genommen wurden die Gebiete mit Worten (Pratt 1992:202ff).

Auch heute wird bei vielen Reisewilligen der Entdeckergeist durch den Mythos des „Unberührten“ und „Unbekannten“ geweckt, der eine grundlegende Dichotomie von „Eigenem“ und „Fremdem“ voraussetzt. „Der Tourist des Orients, Afrikas oder Lateinamerikas nimmt die Perspektive des Entdeckers an, [...] Die Popularität von Abenteuer- und Naturtourismus spiegelt die Besetzung des Tourismus mit Männlichkeit, Aggression und Invasion mit dem Ziel der Eroberung der Welt der Anderen wieder“ (Rao 2002:101). Reiseführer machen sich hierfür unentbehrlich. Sie stellen das Reisen als abenteuerlich aufregend, aber mit ihrer Überlebenshilfe als sicher dar (Silver 1993:314). Reisenden ist es auch im Informationszeitalter wichtig, das Reiseland auf eigene Faust erkunden zu können. Die Deutsche Reiseanalyse ergab, dass neben 24,4 % der Reisenden, die vor Abreise alles über das Reiseziel wissen wollten, 33,9 % nur die notwendigen Dinge zu erfahren wünschten. Ganze 38,1 % brachen unvorbereitet auf, da sie entweder Abenteuer erleben wollten oder den eigenen Gewohnheiten vertrauten. Das Informationsdefizit wurde absichtlich aufrecht erhalten, um eine selbst gezogenen Grenze überschreiten zu können (Parrinello 1993:240).

An den Entdeckergeist der Touristen wird auch dort erfolgreich appelliert, wo längst nur ausgetretene Pfade vorzufinden sind. Die kolonialistische Vergangenheit vieler Länder, Folgen der Globalisierung, wie materielle und soziale Verarmung werden von Reiseveranstaltern verschwiegen oder verklärt. Ein Kulturbegriff, der Kultur als etwas Unveränderliches und Ortsfestes konstruiert, wird damit in der Tourismusindustrie weiterhin gepflegt. Das vermittelte Bild sagt eher etwas über die Bedürfnisse von Reisewilligen aus, als über die Dargestellten (Goethe 2002:22; Silver 1993:303). Die erwähnte Bildung eines Gegensatzes zwischen „Eigenem“ und „Fremdem“ ist an sich nichts Verwerfliches, sondern etwas zutiefst Menschliches. Kritisch zu sehen sind die daran geknüpften Bewertungen.

In der frühesten Kindheitsentwicklung ist die Unterscheidung zwischen Bekanntem und Fremdem von fundamentaler Bedeutung für die Wahrnehmung und Einteilung der Welt. Fremd ist zuerst alles außerhalb der Mutter. Dabei ist das, was als fremd definiert wird, immer eine subjektive Teilmenge der Gesamtwahrnehmung (Vogel 2002:87; Backes 2002:154). Die Dichotomie „wir“ und „die Anderen“ verschafft Orientierung durch eine Aufteilung der Welt in „schwarz“ und „weiß“. Menschen, denen man sich zugehörig fühlt, werden positiv attribuiert. Unerwünschte Anteile werden abgespalten und auf Außenstehende übertragen, z. B. indem Kindern eingebläut wird, sich vor „Fremden“ in Acht zu nehmen. Eine ambivalente Haltung entsteht: „Als Ergebnis erzeugt dieser Abspaltungsprozess Angst und Aggression, aber auch Faszination und Neugierde“ (Vogel 2002:87).

Dieses entwicklungspsychologische Merkmal sorgt auch im fortgeschrittenen Alter für eine Mischung aus Misstrauen und Faszination. Im Urlaub überwiegt Letztere, da das Unbekannte nicht zu nahe kommt. Das Leben ist „lange genug im Blick, um Phantasien freizusetzen, aber nicht lange genug, um das, was phantasiert wurde, mit harter Gegenwart zu konfrontieren“ (Baumann in Goethe 2002:23). Man kann die „Anderen“ als Anstöße nutzen, um sich in der phantasierten Differenz seiner eigenen Identität bewusst zu werden. Diese Möglichkeit der selektiven Wahrnehmung empfinden Touristen als Freiheit. Den touristischen Drang, Differenzerfahrungen zu machen, interpretiert Backes somit als Bedürfnis nach Individualisierung. Im Kennenlernen unbekannter Räume und Menschen werden auch neue innere Räume betreten und in die eigene Persönlichkeit integriert. Das vermeintlich „Fremde“ dient Reisenden im Ferntourismus als Projektionsfläche für unterschiedliche Arten von Imaginationen, die ich im folgenden Kapitel vorstellen möchte, da sie auch im Souvenirverkauf anzutreffen sind (Backes 2002:155).

Zu Hause kommt Misstrauen gegenüber dem vermeintlich Fremden schneller zum Zug, da man ihm schwerer ausweichen kann. So finden Faszination und Misstrauen gegenüber Fremdem ihre Entsprechungen im Tourismus und Rassismus, die von Tourismuskritikern auf eine Stufe gestellt werden. „Während im Tourismus die Differenz positiv erlebt wird - durch Suchen und Entdecken von Neuem -, wird im Rassismus Differenz negativ wahrgenommen. Sie dient der Abwertung und Ausgrenzung” (Goethe 2002:15, 23f).

Touristen nehmen auch im Urlaub unterschiedliche Distanzen zwischen sich und der lokalen Bevölkerung ein. In Touristentypologien wird u.a. danach unterschieden in wieweit Touristen im Urlaub Vertrautes aufsuchen oder nach ungewohnten Erfahrungen suchen. Eine Typologie, die sich dieses Themas annimmt, stammt von Erik Cohen (1972). Er unterscheidet vier Kategorien, die sich entlang eines Kontinuums anordnen. Am einen Ende steht der organized mass tourist, der unterwegs ähnlichen Komfort sucht, wie zu Hause und in einer Sicherheit vermittelnden environmental bubble reist. Der individual mass tourist reist ebenso von Hotel zu Hotel und hat touristische Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Er verfügt lediglich über individuellere Zeiteinteilung und Routenplanung. Der explorer erkundet das Land auf eigene Faust und nimmt Kontakte zur einheimischen Bevölkerung auf. Grund-legende Annehmlichkeiten sind ihm wichtig. Am anderen Ende des Kontinuums steht der drifter, der an die örtlichen Gegebenheiten anpasst unter Einheimischen lebt (Cohen 1972:167f). Wird die von den Touristen gewählte Distanz von Einheimischen unterschritten, können diese als lästige Begleiterscheinung oder Bedrohung wahrgenommen werden. Hinweise in Reiseführern und von Reiseveranstaltern warnen zudem vor Einheimischen „wenn diese sich zu freundlich geben, ungefragt den Weg in preiswerte Hotels und Restaurants weisen oder gar Ware zum Verkauf anbieten. […] hinter jedem Handel könnte ein Betrug stecken und hinter jedem freundlichen Fremden ein hinterhältiger Dieb“ (Vogel 2002:85).

2.2.3.1.2 Exotik und Orientalismus

Ein Reiz des „Unbekannten“ besteht darin, die Imaginationstätigkeit der Reisenden herauszufordern. So existieren bezüglich Fernreisezielen vielfach Phantasien, die sich um Exotik ranken. Bei diesem westlichen Phänomen wird Faszination mit „willkürlich ausgewählten, subjektiv interpretierten und ins Unermessliche gesteigerten Zügen realer, zeitlicher oder räumlich entfernter Kulturen“ gefüttert (Günther in Magg 2002:78). Exotismus besteht laut Rosaly Magg aus Wunschbildern der Fremde, in denen sich eigene Sehnsüchte in farbig ausgemalten Imaginationen paradiesischen Inhaltes äußern. Diesen Bildern wird u. a. die Funktion zugeschrieben, das „Fremde” weniger fremd und klassifizierbarer erscheinen zu lassen und es sich durch das Mittel des Genießens anzueignen. Das „Fremde” darf dennoch nicht zu vertraut werden, sonst würde der Zauber verschwinden. Somit sind die Bereisten in einer Art Rolle gefangen, solange sie fürs Tourismusgeschäft attraktiv sein wollen. Modernisierung und damit Verwestlichung sind unerwünscht (Magg 2002:78f).

Eine Spielart des Exotismus ist der Orientalismus, ein Diskurs, auf den Edward Said in seinem Werk „Orientalism“ (1978) ausführlich hinwies. „Der Orient steht paradigmatisch für exotische Bildkonstruktionen und Phantasien aus ‚1001 Nacht‘“ und ist eines der ältesten europäischen Bilder des „Anderen“ (ebd.:80). Aufgrund historischer Ereignisse wurde die Dichotomie des „Eigenen“ und „Fremden“ auf „Abendland“ und „Morgenland“ übertragen. Ambivalente, sowohl anziehende als auch abstoßende Bilderwelten, die von unerfüllten Wünschen und verdrängten Anteilen zeugen, wurden erschaffen. Bilder eines märchenhaften Orients und eines despotischen Islam stehen unverbunden nebeneinander. Auch Asien wurde in den Orientalismusdiskurs eingeschlossen (ebd.:82).

Der als Begründer des Postkolonialismus geltende Said versuchte, westliche stereotype Bilder vom Orient als Mittel der Machtausübung und Identitätsfindung zu dekonstruieren und Praktiken des Kolonialismus aufzudecken. Er arbeitete heraus, wie der Orient im Verhältnis zum Westen definiert und mit Gegensatzpaaren beschrieben wird, bei denen der Orient jeweils die untergeordnete Position zugewiesen bekommt. Der Westen gilt als rational, wissend, fortschrittlich, erwachsen, diszipliniert, rechtschaffen, dominant und männlich, der Orient wird im Gegenzug als irrational, emotional, unwissend, vergangenheitsorientiert, kindisch, faul, gerissen, weiblich und exotisch attribuiert. Said beachtete weniger, wie die Kolonialisierten mit den auf sie projizierten Bildern umgingen. Said wies den Kolonialisten die aktive, den Kolonialisierten die passive Rolle zu, womit er bestehende Machtverhältnisse fortführte (Klein 2003:10ff; Sears 1996:13; ebd. 2000:333; Moore-Gilbert 2000:452).

Auch mich stört an der Tourismuskritik, dass die Imaginationen der Touristen stärker als die Perspektive der Besuchten ausgeführt werden. Deshalb möchte ich auf die Wahrnehmung der Touristen und Souvenirverkäufer gleichermaßen eingehen. Weitere Vertreter des Postkolonialismus, wie z. B. Homi Bhabha, nahmen sich derartiger Probleme an. Für Bhabha ist die Beziehung zwischen Kolonialherren und Kolonialisierten komplexer und ambivalenter, als bei Said. Aus dem Machtgehabe der Kolonialisten liest Bhabha deren verletzliche Identität heraus. Beide Seiten bedingen einander: „Each side needs and depends on the other in order to constitute itself (if only to distinguish, what it is not), whether as colonizer or colonized“. Die Komplizenschaft eröffne eine affektive Zone, die Einheimischen ermögliche, die koloniale Macht zu umgehen oder selbst zu nutzen (Moore-Gilbert 2000:458).

Im modernen Asien stehen sich Einheimische und Touristen heute offiziell gleichberechtigt gegenüber (ebd.:460; Magg 2002:81f). Über die realen Verhältnisse liesse sich diskutieren. Die Kenntnis des Orientalismusdiskurses verschafft zumindest „a historical context in which touristic images of the Other can be properly understood“ (Silver 1993:303).

2.2.3.1.3 Authentizität

Weitere Imaginationen von Touristen stehen mit dem Begriff Authentizität in Verbindung. Dieser lässt sich mit „Echtheit“ übersetzen, wird aber auch gerne mit „Ursprünglichkeit“ gleichgesetzt. Doch was für Touristen z. B. eine authentische Erfahrung ist, variiert stark. Cohen beschreibt Authentizität als „a socially constructed concept and its social connotation is, therefore, not given but ‘negotiable’“ (Cohen 1988:374). Touristen verleihen ihrer Urlaubserfahrung aktiv Bedeutung, anstelle davon, nur Vorgegebenes aufzunehmen. Aus diesem Grund können auch kommerzialisierte Formen lokaler Bräuche als authentisch empfunden werden (ebd.:378). Trotz des Konsumcharakters vieler Reisen besteht die Annahme, dass mit den Gastgebern eine Interaktion frei von kommerziellen Beweggründen möglich sei (Evans-Pritchard 1993:10). „Die einheimische Kultur wird zur bezahlten Dienstleistung, die bei Tanz- und Musikvorstellungen, Ausflügen und Kunsthandwerk-Ausstellungen geboten wird. Imaginiert wird jedoch statt der Dienstleistung eine authentische Kultur in einer fremden Welt“ (Vogel 2002:91).

Vor allem individualreisende Touristen, denen bewusst ist, einer eigens für sie inszenierten Performanz von „Kultur“ beizuwohnen, hegen oft den Wunsch, hinter den Kulissen in ihren Augen ursprünglichere Erfahrungen zu machen. Neben dem „Entdeckertrieb” liegt dem Bedürfnis vieler westlicher Menschen nach Authentizität die Sehnsucht zu Grunde, eine Bedeutung für ihr selbstentfremdetes, fragmentiertes Leben zu finden. Touristen suchen nach Hinweisen auf ein Leben, „that evokes a simpler life rich in meaning“ (Littrell et al. 1993:200). In vielen Köpfen existiert die Annahme, dass das Leben anderer Ethnien noch lebensnaher, erfüllender, zusammenhängender und somit heiler sei, als ihr eigenes. Die idealisierende Wahrnehmung kann zur Ausblendung teilweise recht problematischer realer Lebensbedingungen der Lokalbevölkerung führen (Hitchcock 2000:4).

2.2.4 Täter-Opfer-Beziehungen oder Begegnungen selbstbestimmter Akteure?

Bislang wurden in der Tourismusforschung vorwiegend die negativen Einflüsse und die neokoloniale Fortführung ungleicher Machtverhältnisse im Entwicklungsländertourismus gesehen. „Tourism research in Southeast Asia has been in good part about intrusion of the ‘First World’ into the ‘Third’“ (Forshee 1999:4; Dahles 1999:6). Aus der Makroperspektive ist diese Sichtweise begründet. Die Bewegung von den klimatisch gemäßigten, wohlhabenden Ländern Europas, Nordamerikas und Ostasiens hin zu den wärmeren und ärmeren Entwicklungsländern erfolgt innerhalb des kapitalistischen Systems, das Roth als westlich-ethnozentrische Hegemonialstrategie dekonstruiert (2000:92). Die Organisation einiger Tourismusformen ist deutlich zu Ungunsten der Lokalbevölkerung. Kapitalintensiver Tourismus ist durch expansive Raumbeanspruchung gekennzeichnet. „Der Tourismus dringt in heilige Stätten ein oder untersagt den traditionellen Zugang zu Ressourcen, wo immer diese auf den Reiserouten und im Wirkungsbereich der TouristInnen liegen. Gerade so wie die KolonisatorInnen den Einheimischen nicht erlaubten, ihre Clubs, Sport- und Wohnanlagen oder Verwaltungen zu betreten, es sei denn als DienerInnen” (Rao 2002:99).

Tourismusplanungen, die in den meisten sog. Entwicklungsländern Angelegenheit des Staates sind, zeugen häufig von einer top-down -Entwicklung, in der nicht oder kaum mit der Lokalbevölkerung kooperiert wird (Hampton 2003:97; Shaw 1999:69). Seit einigen Jahren übernehmen Tourismusplaner Leitgedanken einer wirtschaftlich, ökologisch und kulturell nachhaltigeren Tourismusentwicklung. In der Umsetzung mangelt es aber häufig immer noch an integrativen Lösungen, in denen alle Faktoren eines Gebietes ausreichend weitblickend berücksichtigt werden (Vorlaufer 2003a:12f).

Ein Punkt, an dem Ungleichgewicht herrscht, ist die viel höhere Kaufkraft der Touristen, die bei einer einzigen Shoppingtour mehrere Monatsgehälter einfacher Angestellter ausgeben können. Der Erwerb von Souvenirs birgt somit laut Vogel ein ökonomisches Herrschaftsverhältnis in sich (2002:93). Die Diskrepanzen schlagen sich real vor allem in unterschiedlichen Handlungsoptionen nieder: Touristen verfügen durch das Preisgefälle zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern über die finanziellen Mittel, sich verwöhnen zu lassen, während viele Einheimische um ihr tägliches Einkommen kämpfen. Zudem verstärkt Tourismus ein gewinnorientiertes Verständnis unter der Bevölkerung, was zu sozialen Veränderungen führen kann (Forshee 1999:4, 310; Silver 1993:304; Rao 2002:98). Außerdem verhalten sich einige Reisende meist unbeabsichtigt unsensibel. „Many seem to believe that it is the natives´ job to adapt to them, rather than their responsability to adjust to the particular conditions of the host society“ (Silver 1993:309).

Zahlungskräftige Bereiche der Tourismusindustrie üben großen Einfluss darauf aus, wie sich besuchte Kulturen darzustellen haben, um sich gut zu verkaufen (Vogel 2002:92f). Die gesellschaftliche Realität des Großteils der Bevölkerung wird dafür in der Werbung unterschlagen, schwerwiegende Probleme geflissentlich übersehen. „Tourists may feel that the amount of money they are spending to travel entitles them to leave their problems at home“ (Silver 1993:309). Eine beliebig herausgegriffene Werbung für ein Ressort in Kamerun veranschaulicht dies: „A seaside holiday village, created for you in a paradise of plants and flowers, between sea and mountain, river and forest. Can you hear the waves... the marvellous beach awaits you and after the swim in the atlantic ocean, a comfortable lodging with air conditioned rooms, panoramic view on the sea or mountain is there to explore!“ (www.afroxlds2006.com/delegates/index.html; 3.2006). Anstelle zu erwähnen, dass z. B. die Kindersterblichkeit in Kamerun bei 15 % liegt und nur 58 % der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser hat, wird an die Vorstellungskraft der Leser appelliert, die sich der Beschreibung nach in einem exotischen Paradies wähnen könnten (www.gesundes-reisen.de; 3.2006). Einer Entdeckeraufforderung am Ende des Werbetextes widerspricht nicht, die modernen Annehmlichkeiten der Unterkünfte anzupreisen. Die zuvor aufgezählten Umstände vor Ort zu übersehen, erfordert eine gehörige Portion Verdrängung von touristischer Seite. Um die Reisenden vorfinden zu lassen, was sie erwarten, kontrollieren Reiseveranstalter häufig die Begegnungen zwischen Reisenden und Einheimischen (Silver 1993:306).

Trotz alledem sind die Einheimischen nicht ausschließlich Opfer touristischer Ausbeutung. „Natives are hardly passive in accepting marketed images about them“ (Silver 1993:310). Die Lebensgestaltung im Umgang mit Touristen „[can] turn ‘impacts’ creatively into economic and cultural opportunities“ (Dahles/Meijl 1999). Aus den Diskrepanzen heraus werden laut Forshee bisweilen Räume neuer sozialer Begegnungen und Möglichkeiten betreten (1999:5). Der Fokus der Tourismusforschung richtet sich zunehmend auf Bewegungen aus den Reihen der Lokalbevölkerung, die im Gegensatz zur häufig praktizierten top-down -Entwicklung eine bottom-up -Version liefern (Shaw 1999:69; Goethe 2002:22).

Lokalstudien auf der Mikroebene, welche die persönlichen Verhältnisse von Menschen in unmittelbarem Kontakt zu Touristen untersucht, zeigen u. a., dass die ortsspezifische Kenntnis der Lokalbevölkerung gegenüber Urlaubern einen Wissensvorsprung bringt. Vor allem im weniger kapitalintensiven informellen Sektor können kleine Existenzen aufgebaut werden. Über backward linkages [6] fließen Gelder in das soziale Umfeld (Vorlaufer 2003:8; Timothy/Wall 1997:333f). Die Auseinandersetzung mit Touristen und deren Sichtweisen kann zu Identitätsbildungsprozessen führen, welche die Kultur der Besuchten belebt und stärkt. So können Menschen in sog. Entwicklungsländern wenn auch unter beschränkten Bedingungen auf der lokalen Ebene an der Gestaltung des Tourismus mitwirken. Der von mir untersuchte Souvenirverkauf stellt ein Beispiel dafür dar, wie die einheimische Bevölkerung mit den ausländischen Besuchern umgeht und aus ihrer Anwesenheit auf unterschiedliche Weisen einen Nutzen zu ziehen sucht (Dahles/Meijl 1999; Shaw 1999:69).

2.3 Tourismus und Konsum: Souvenir(ver-)kauf

Wie bereits angeklungen, werden Reisen in industriellen und postindustriellen Ländern als Konsumartikel erachtet. Mit dem Urlaub werden Erlebnisse, Vergnügungen usw. gebucht. Kultur ist laut Vogel ebenfalls nur in konsumierbarer Form von Interesse. „Zu den Highlights des Urlaubs gehören Essen, der Erwerb von Souvenirs und Sightseeing / Naturerlebnis“ (Vogel 2002:93; Backes 2002:153). Einkaufen ist eine beliebte Urlaubsaktivität, auf die ein hoher Prozentsatz der Ausgaben im Reiseland entfällt. In Yogyakarta waren dies 2002 etwa 20 %. Der Erwerb von im Gastland hergestellten ethnischen Produkten wird von Tourismusplanern als wesentlicher Bestandteil einer bereichernden Urlaubserfahrung promotet (Parnwell 1993:240; Dinas Pariwisata 2000:15).[7]

Tourismuskritiker bewerten Konsum durch Touristen als oberflächliches Verhalten, das eine Form von Machtausübung darstellt. Dagegen werden in der Konsumforschung Motivationen und Auswirkungen von Konsum unabhängig vom postkolonialen Diskurs als Ausdruck der Lebensgestaltung, kultureller Identität und als Teil kultureller Strategien untersucht. Diese beiden Interpretationen ermöglichen unterschiedliche Sichtweisen auf die nachfolgenden Ausführungen (Spittler 2002:17; Vogel 2002:93; Friedman 2002:234).

Die Ursprünge des Souvenirkauf als kapitalistisches Verhalten werden im 17. Jahrhundert verortet: „Collecting can be seen as a quintessentially capitalistic activity that reflects the availability of disposable income. Since the 17th century, the Western world has developed and lived with the idea that ‘the individual surrounds itself with accumulated properties and goods’; and collecting and display have been described as ‘crucial processes of Western identity formation’“ (Evans-Pritchard 1993:16). Sogenannte tourist art, die als „ethnic art and craft products, produced for an ‘external’ audience“ definiert wird, hat also eine lange Geschichte. Bereits im 17./18. Jh. wurden von Expeditionen Andenken nach Hause gebracht und dort zur Schau gestellt. Diese Gegenstände mögen nach objektiven Gesichtspunkten unnütz erscheinen. Wer Bourdieus Theorie des symbolischen und kulturellen Kapitals kennt, kann nachvollziehen, dass Souvenirs als Ansehen erhöhendes symbolisches Kapital dienten. Als Statussymbole und Kuriositäten - Objekte der Neugierde - wurden die Erinnerungsstücke Familienangehörigen, Freunden und weiteren Interessenten vorgeführt (Graburn 1976:8; Cohen 1993:1; Petermann 2004:983; Goldberg 2000:74).

2.3.1 Die Kommodifikation von traditionellem Kunsthandwerk zu Souvenirs

Vor Einzug der maschinellen Produktion waren überall auf der Welt sämtliche Gegenstände handwerklich gefertigte Objekte,[8] die sowohl eine praktische oder symbolische Funktion als auch ein ansprechendes Äußeres besaßen. Bei dieser Gebrauchskunst existiert keine Trennung zwischen Handwerk und Kunst (Feest 1985:101ff). Sie dient auch dem kulturellen Ausdruck: „In a living tradition art was a means of communication, another kind of language, a way of conveying without words some basic concepts of philosophy and religion - to educate or to inspire, to help put the individual in harmony with the universe, or to give him magic protection“ (Camman zit. n. Fischer 1994:1).

Kommodifikation - das „zur Ware machen“ - definiert Cohen mit Bezugnahme auf Appadurai als „a process by which things (and activities) come to be evaluated primarily in terms of their exchange value, in a context of trade, thereby becoming goods (and services)“ (Cohen 1988:308). Phillips und Steiner betrachten den Prozess der Kommodifikation als wichtigste Erscheinung der - auf der Kolonialgeschichte beruhenden - globalen Ausweitung des Kapitalismus (1999:4). Als Begleiterscheinung des Tourismus findet eine Kommodifikation gewisser Gegenstände, welche die Kultur der besuchten Ethnie für die Besucher möglichst eindeutig repräsentieren, statt.[9] Souvenirs sind Teil der cultural industries, zu denen neben materieller Kultur alle Medien zählen, anhand derer ein Bild von Kultur wiedergegeben oder geschaffen wird. Produkte der cultural industries sind nicht primär dazu bestimmt, Kultur zu vermitteln, sondern „[to] function at least in part as personal ornaments, modes of social display, aestheticized objects, forms of entertainment and distraction, or sources of information and self-awareness” (Scott zit. n. Power 2003:168f). Anhand bestimmter Gestaltungsmerkmale kenntliche „Ethnizität“ wird zum Verkaufsartikel für ein globales Publikum. Dies führt sowohl zu einem Bedeutungswandel der Objekte in der lokalen Gesellschaft und bei Touristen, als auch zu einer Veränderung der äußeren Form (s. Kap. 2.3.2.3; Forshee 1999:308). Die Verbindung zwischen Objekt, Bedeutung und Ort verflüchtigt sich. Das kommodifizierte Kunsthandwerk wird unabhängig von der sich wandelnden kulturellen Praxis für den Erwerb im Urlaub angeboten und den Imaginationen der Touristen preisgegeben (Hauser-Schäublin 2002:12; Cohen 1993:4; Fischer 1994:3; Spittler 2002:25; Steiner 1994:13). Laut Appadurai fördert die räumliche und kulturelle Distanz zwischen Herstellern und Konsumenten von Souvenirs die Entstehung von specialized mythologies bei Produzenten, Händlern und Konsumenten (1986:52). So scheuen sich Verkäufer nicht, um Gewinne zu erzielen, die Imaginationstätigkeit von Touristen zu nutzen. Da die Verkäufer vorwiegend auf den Tauschwert der Objekte, nicht auf den Verwendungszweck fokussieren, können Verbraucher sich Souvenirs materiell und symbolisch leicht aneignen (Bentor 1993:126f; Spittler 2002:19).

Echte und künstlich gealterte Antiquitäten, in denen zugleich mit Ethnizität Vergan-genheit als Ware verkauft wird, stellen vielerorts eine eigene Souvenirkategorie dar. Je weiter die Vergangenheit entfernt ist, desto romantisierbarer erscheint sie: „While ethnic tourist arts may evoke a cultural ‘otherness’ separated by distance in space, antiquities evoke a historical ‘otherness’ separated by distance in time“. Die Vergangenheit sieht Evans-Pritchard als flexibles kognitives und emotionales Konstrukt. Dies erklärt, dass Reproduktionen eine akzeptierte Alternative zu „echten“ Antiquitäten sind. Vielen reicht das Aussehen, um nostalgische Imaginationen hervorzurufen (Evans-Pritchard 1993:10ff, 17, 27).

2.3.2 Konsumenten auf der Spur: Kaufmotivationen unter der Lupe

Gründe für den Erwerb von Souvenirs sind multivariabel und wandelbar, da sie mit veränderlichen Werten gekoppelt sind (Parrinello 1993:241; Hallerbach 2003:180). Zwar möchten Tourismuskritiker im Konsum eine Reaktion der Touristen auf die Konfrontation mit dem „Fremden“ erkennen, um Unsicherheitsgefühle zu kompensieren (Vogel 2002:93). In Souvenirs könne darüber hinaus das „Fremde“ als „bereicherndes willenloses Kleinod“ in das eigene Leben integriert werden (Goethe 2002:24). Diese allein auf Machtverhältnisse fokussierende Erklärung erscheint mir allerdings zu einseitig.

Hintergründige Bedeutungsebenen des Souvenirkaufes können u. a. die Erinnerung an eine außergewöhnliche Zeit im Leben der Touristen sein, eine Statusäußerung gegenüber anderen oder ein Versuch, sich mit den auf die besuchte Ethnie projizierten Wunschvorstellungen zu verbinden (Causey 1999:280). Der Besitz eines exotischen Objektes eröffne „an imagined access to a world of difference, often constituted as an enhancement of the new owner´s knowledge, power, or wealth“. Die Kaufumstände bestimmen dabei mit, welcher Wert einem Souvenir beigemessen wird (Phillips/Steiner 1999:1). Für Friedman trägt Konsum entscheidend zur Identitätsbildung und -aufrechterhaltung bei. Je nach Geschlecht, ethnischer und gesellschaftlicher Schichtzugehörigkeit konsumieren Menschen andere Dinge, um damit auf unterschiedliche Weise das Selbst, Lebensstile und Lebensräume zu erschaffen. Zu jeder Gruppe gehört eine spezifische Konsumstruktur, die etwas über ihr Selbstverständnis aussagt. Er sieht Konsum als Mittel, sich sozialer Zugehörigkeit zu vergewissern oder sich von anderen sozialen Schichten abzugrenzen (Friedman 2002:235; Petermann 2004:983). So scheint für viele Menschen zum Touristenstatus der Souvenirkauf dazu zu gehören. Von mir befragte Touristen, die kein Interesse an Souvenirs zeigten, grenzten sich zugleich entschieden vom Touristsein ab.

2.3.2.1 Zeige mir, welches Souvenir du kaufst, und ich sage dir, wie du reist

Cohen, Forshee, Hallerbach, Littrell et al. suchen Muster touristischen Konsumverhaltens. Laut Cohen und Forshee lässt sich der Souvenirmarkt nach Nationalitäten, sozialer Schicht und life style der Konsumenten in unterschiedliche Segmente unterteilen (Cohen 1993:4; Forshee 1999:298). Hallerbach meint hingegen, Konsum sei in westlichen Ländern nur noch begrenzt sozialen Schichten oder demographischen Verhältnissen zuordbar, sondern sei hauptsächlich werteabhängig (Hallerbach 2003:174). Littrell et al. fanden in der quantitativen Souvenirforschung heraus, dass je nachdem, ob sich die Reisenden mehr für Kultur, Geschichte, sportliche Betätigung oder Unterhaltungsangebote interessieren, unterschiedliche Souvenireigenschaften geschätzt werden. Neben einem Zusammenhang mit der Reiseaktivität wurde eine Korrelation mit dem Alter festgestellt. Littrell et al. deuten den Sachverhalt, dass jüngere Touristen originelle Souvenirs bevorzugen damit, dass sie in dieser Lebensphase damit beschäftigt seien, ihre Identität zu bilden. Mit zunehmendem Alter richte sich der Fokus stärker auf das Äußere und damit auf Souvenirs mit kulturellen und historischen Bezügen (1993:211). Die Ergebnisse stützen Friedmans Beobachtungen.

Littrell et al. weisen zusätzlich darauf hin, dass sich das Konsumverhalten im Urlaubsland von demjenigen zu Hause erheblich unterscheiden kann: „Tourists’ descriptions of their souvenir buying while on holiday and as they search for the authentic serve as warnings that their consumption may be different in form and meaning than everyday spending behavior. [...] Old and well-used tribal crafts may appeal to the tourist who only buys new and pristine products when at home“ (1993:198). Auch dies zeigt, dass das Touristendasein mit einer eigenen sozialen Gruppenzugehörigkeit einher geht.

2.3.2.2 Ansprüche an Souvenirs am Beispiel von „Authentizität“

So, wie Touristen häufig nach authentischen, einzigartigen, angenehmen aber preisgünstigen Urlaubserfahrungen suchen, herrscht ein Verlangen nach authentischen, ungewöhnlichen, ansprechenden und preislich attraktiven Souvenirs. Da Touristen bei ihrer Ankunft selten genauere Kenntnis des Kunsthandwerks einer besuchten Region haben, bringen sie Konzepte mit, wie ihre Souvenirs auszusehen haben (Causey 1999:281, 288; Forshee 1999:310). Der Begriff „Authentizität“ z. B. wird auf die Praxis bezogen sehr unterschiedlich definiert. Das Hauptmotiv für den Wunsch nach authentischen Souvenirs sehen Littrell et al. darin, handfeste Beweise zu erwerben, das „Ursprüngliche“ entdeckt zu haben. Steiner vermutet dagegen hegemoniale Motive (1994:14; Littrell et al. 1993:200).

Auf die Frage, was in ihren Augen authentisch sei, lautete die häufigste Antwort US-amerikanischer Touristen „ uniqueness “. Weiterführende Erklärungen wichen beträchtlich voneinander ab. Souvenirs sollten Einzelstücke sein, konnten aber auch massenproduzierte Stücke sein, die nicht genau identisch sind. Littrell et al. deuten, dass einzigartige Stücke den Antwortenden „feelings of specialness in what may otherwise be a life impoverished of meaning“ vermitteln (ebd.:204f, 211). Doch tourist art weist häufig Wiederholungen auf. Massenproduktion, die Steiner als kulturelle Ausdrucksform ansieht, die anderen Produktionsweisen objektiv gesehen gleichwertig ist, wird von Touristen hochgradig abgelehnt, da sie dem Wunsch nach etwas Einmaligem zuwider läuft und unromantisierbare Herstellungsarten umfasst (Steiner 1999:89). Für einige schließen sich Authentizität und Souvenirs aus: Etwas für Touristen Hergestelltes ist automatisch wertlos (Graburn 1974:27; Errington 1998:137ff; Steiner 1994:101). Zweithäufigstes Authentizitätsmerkmal ist die Herstellung nach traditionellen Methoden, die im Idealfall seit Generationen weitergereicht wurden. Künstlerische Traditionen werden mit sentimentalen Imaginationen belegt und industrielle Fertigungsmethoden sowie zeitsparende Arbeitsteilung abgelehnt, was dem häufigen Wunsch nach kostengünstigen Souvenirs widerspricht (Littrell et al. 1993:205f; Fischer 1994:1f; Miller 1987:114f). Für andere ist die Ethnizität des Herstellers ausschlaggebend für Authentizität (vgl. Bentor 1993:118; Errington 1998:141f). Für den Rest der Befragten war das Aussehen eines Stückes entscheidend. „Apparently people want just an authentic look “ (ebd.:150; Littrell et al. 1993:206). Authentizität als westliches Konstrukt zeigt sich u.a. bei Verkäufern an der Côte d´ Ivoire, die das Wort „authentic“ nur gegenüber Kunden, niemals untereinander benutzen (Steiner 1994:103).

2.3.2.3 Einfluss von Kaufmotivationen auf die materielle „Souvenirkultur“

Wollen Verkäufer geschäftlich erfolgreich sein, sollten sie die Kundenbedürfnisse kennen. Graburn, Cohen und weitere Souvenirforscher behandeln die Auswirkungen der - durch die Verkäufer beobachteten - Kundenbedürfnisse auf das Sortiment. Silverman beschreibt, wie Souvenir-/Kunstverkäufer auf Papua Neuguinea versuchen, ihre Gegenüber nachzuvollziehen: „As tourists gaze down on the objects, the artists look across the spatial and aesthetic boundary on the tourists’ faces, thus reading their reading of the art” (1999:57). Graburn weist Touristen die Rolle von agents of change zu, die ihrerseits unbewusst einen Wandel der materiellen Kultur einer besuchten Ethnie induzieren: „However, even short term visitors exert an influence through [...] their selection of articles to purchase as souvenirs“ (Graburn 1974:13). Auch Verkäufer mit häufigem Kontakt zu Touristen werden von ihm als agents of change gewertet, da sie Kundenpräferenzen an die Produzenten weiterleiten und somit auf kulturübergreifende Transfers spezialisiert sind (ebd.:1).

Objekte werden in unterschiedliche Richtungen verändert, um Interesse zu wecken und Hemmschwellen herabzusetzen: „Even specific aspects of tourist arts can change in contradictory directions“ (Cohen 1993:5). So kann es zu Innovation oder Archaisierung, Vereinfachung oder Ausschmückung kommen. Funktionelle Gegenstände werden zu reiner Dekoration; neue Gebrauchsgüter, die den Lebensumständen der Kunden entsprechen, entstehen. Im Sortiment spiegelt sich postmoderner Pluralismus in all seinen Facetten. Miniaturisierung erleichtert Touristen den Transport. Farben und Formen werden an westlichen zurückhaltenderen Geschmack angeglichen oder übertrieben eingesetzt, um exotisierenden Wunschbildern der Touristen entgegenzukommen. Von Verkäufern werden des Weiteren Ansprüche an Qualität und Preise registriert. Dies hat auf dem Souvenirmarkt häufig drei Qualitätsstufen zur Folge: Wenige, beinahe unbezahlbare Sammlerstücke von feinster Qualität werden für Kenner hergestellt. Produkte von mittlerer Qualität sind für den einheimischen Markt angefertigt. Handwerkliche Massenproduktionen niedriger Qualität sind für diejenigen Touristen, welche niedrige Preise für Mitbringsel zahlen und sich mit einer vereinfachten Ausführung zufrieden geben. Souvenirs als Geschenke werden in größerer Anzahl aber durchschnittlich für einen günstigeren Preis gekauft werden, als Gegenstände für sich selber (ebd.:5; Bentor 1993:121, 125). „Most tourists grab a thing or two and throw it in the suitcase“, meinte ein US-amerikanischer Geschäftsmann mir gegenüber.

Die unterschiedliche Nachfrage kann zur Erhaltung, Wiederbelebung aber auch zu einer Anpassung oder Neuschöpfung kunsthandwerklicher Gegenstände beitragen (Cohen 1993:2, 4f). Indonesische Kunsthandwerker erweisen sich hierin als flexibel. „Craftsmen draw on a complex […] body of artistic traditions and techniques. They are exceptionally curious, receptive and creative, and their remarkable ability to absorb, blend and transform new ideas and images has long been a source of great strength in design“ (Richter 1993:13). Mit der Anpassung von ethnisch attribuiertem Kunsthandwerk an den Kundengeschmack kann im Laufe der Zeit eine Änderung der touristischen Auffassung dessen, was „authentisch“ ist, einher gehen. Im richtigen Rahmen werden auch Neuschöpfungen als traditionell angesehen und das Bild der besuchten Kultur weiter entwickelt (Causey 1999:286). Die Ausführungen zeigen, wie komplex und vielfältig die Aushandlungsprozesse um das Aussehen ethnischer Produkte auf dem Souvenirmarkt sind.

2.3.3 Interkulturelle Begegnungen unter kommerziellem Vorzeichen in der Literatur

Zwar gibt es zahlreiche Studien über die Bedeutung und Veränderung von Souvenirs in unterschiedlichen Kontexten, sowie über die Produzenten von tourist art, doch Souvenirverkäufer sind bislang selten betrachtet worden, obwohl mit dem Verkauf die gesamte Souvenirindustrie steht und fällt (Cohen 1993:4; Steiner 1994:12). Die Vernachlässigung des Vertriebs ist umso erstaunlicher, da laut Spittler jeder Aneignung eines Objektes eine menschliche „Verflechtung“ voraus geht. Er vermutet, dass das Thema Ethnologen bislang zu trivial erschien, wobei dessen Bedeutung als überall auftretendes Phänomen übersehen wird (Spittler 2002:19, 29). Steiner beschreibt die Rolle von Verkäufern in interkulturellen Verkaufssituationen folgendermaßen: „The traders are not only moving a set of objects through the world economic system, they are also exchanging information - mediating, modifying, and commenting on a broad spectrum of cultural knowledge“ (1994:2).

In Ermangelung auf den Souvenirverkauf bezogener Quellen, möchte ich zuerst allgemeine Ansätze über die Begegnungen von Einheimischen und Touristen vorstellen, da sie auf den Souvenirverkauf übertragbar sind. Danach werde ich unterschiedliche Blickwinkel auf den Souvenirverkauf erläutern und - um selber darauf zurückgreifen zu können - die für meine Arbeit relevantesten theoretischen Vertreter anführen, die von den Untersuchenden herangezogen werden.

2.3.3.1 Begegnungen zwischen Touristen und Lokalbevölkerung

Dean MacCannell (1974) stellt in seinem Artikel „Staged authenticity“ Begegnungen zwischen Einheimischen und Touristen als inszeniert dar. Wie auf einer Bühne bekommen Touristen auf der Suche nach authentischen Erfahrungen das präsentiert, was sie vorzufinden erhoffen. Viele Touristen möchten - was im Alltag unerwünscht ist - hinter die Kulissen anderer schauen, da sie im Bereich der Privatsphäre das „Wirkliche“ vermuten. Deshalb werden von der Lokalbevölkerung öffentliche frontstage -Bereiche als backstage -Bereiche vorgeführt, was Touristen teilweise erkennen. Dagegen werden zufällige Einblicke in „echte“backstages - die alltägliche Routine der lokalen Bevölkerung, wie die Arbeit im Tourismussektor - häufig nicht als solche wahrgenommen oder für uninteressant erachtet. Die Unterteilung sozialer Räume in „vorne“ und „hinten“ stammt von Erving Goffmann.

Angela Cheater rechnet die flüchtigen interkulturellen Begegnungen zu den sozialen individualisierten Beziehungen im Kontext der globalisierenden Welt. Sie seien charakterisiert durch „instability, volatility, especially where contact link itinerant strangers to individual locals, in limited and temporary interactions where one or both parties (in the context of local in-group expectations and values) may regard ‘normal’ constraints on their social behavior as irrelevant“ (Cheater 1996:124f). Nach Appadurai führen derartige Begegnungen zu losen Verbindungen, die zur Entstehung translokaler Nachbarschaften beitragen. Touristenorte bieten hierfür mit ihren komplexen Bedingungen zur Produktion und Reproduktion von Lokalität gute Voraussetzungen (Kreff 2003:182).

Marion Thiem vertritt das Modell der tourismusinduzierten Akkulturation, wonach es durch Verhaltensimitation, emotionale und kognitive Übernahme fremder Kulturelemente, Einstellungsänderungen und Identitätswandel zur Akkulturation der Besuchten käme. Über die Auswirkungen auf Touristen ist nichts zu erfahren. In Thiems Annahme, dass sich in der Begegnung zwischen Touristen und Einheimischen vorgeschaltete Teilkulturen - eine Dienstleistungskultur zum Schutz der lokalen Gesellschaft und eine Ferienkultur kompensatorischen Charakters - begegnen, zeigt sich ein vorgefasster, enger Kulturbegriff. Streng ökonomisches Kosten-Nutzen-Denken, was sowohl psychologischen als auch materiellen Gewinn betrifft, wird zugrunde gelegt (Seifert 2000:46ff).

Annette Kühnel (2000) stellt, ausgehend von der Interkulturellen Kommunikation, Voraussetzungen vor, die Touristen mitbringen müssen, damit Begegnungen vor Ort zu gegenseitigem Verständnis führen. Selbstwahrnehmung zur Reflexion der eigenen individuellen sowie kollektiven Identitätskonstruktionen, eine „Reflexion stereotyper Fremdbilder“, „Fähigkeit zur Perspektivenübernahme“ und „interkulturelle Konfliktfähigkeit“ seien nötig, wobei sie unter letzterem „Ambiguitätstoleranz, Fähigkeit, mit Stress umzugehen, zwischen rigidem Universalismus und Kulturrelativismus unterscheiden können“ versteht. Ergebnis dieser Fähigkeiten sind z. B. „kulturelles Einfühlungsvermögen, Verhaltensflexibilität, eigen- und fremdkulturelle Bewußtheit“ (Kühnel 2000:263).

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit die männliche Form verwendet. Sie bezieht sich bei der Nennung von Personengruppen, außer wo es explizit erwähnt wird, in den meisten Fällen auch auf Frauen,

z. B. Verkäuferinnen oder Touristinnen.

[2] Die Bezeichnung „Souvenir“ , die eine Vielzahl von Objektgattungen umfassen kann, wird von mir synonym für Kunsthandwerk verwendet, da dieses die Masse der Souvenirs an meinem Untersuchungsort Yogyakarta ausmacht.

[3] Dies betrifft z.B. die globale Infrastruktur, wie Transportsysteme, Handelsabkommen, elektronische Medien oder vereinheitlichte Finanzmärkte.

[4] Da es in meiner qualitativen Arbeit mit wenigen Interviewpartnern nicht möglich ist, länderspezifische Kriterien ausführlicher zu untersuchen, belasse ich es teilweise bei dieser undifferenzierten Bezeichnung für weiße Reisende aus Europa oder dem angloamerikanischem Raum.

[5] Eine gibt keine einheitliche Definition. Der westlich-ethnozentrische Begriff „Entwicklungsland“ impliziert Unterentwicklung und ist deswegen an sich verwerflich. Kennzeichnend für Länder, die zu den Entwicklungsländen gerechnet werden, ist eine mangelhafte Ausstattung mit Real- und Humankapital, vergleichsweise schwache ökonomische Kennzahlen, hohe Analphabetenrate, schnelles Bevölkerungswachstum, schlechte Gesundheitsversorgung und eine niedrige Lebenserwartung (Job/Weizenegger 2003:629).

[6] Wirtschaftliche Verbindungen zu Produzenten und Zulieferern von Rohmaterial.

[7] Auf der „International Conference on Tourism and Handicrafts“ vom 13.-15.5.2006 in Teheran, Iran, setzten sich zahlreiche Tourismusplaner damit auseinander, wie die Vermarktung kunsthandwerklicher Souvenirs noch stärker vorangetrieben werden könne, um stabile Zusatzeinkommen für Lokalbevölkerungen zu schaffen.

[8] Bis auf manche rein funktionellen Gebrauchsgegenstände, wie Werkzeuge.

[9] Auch Ethnologen trugen zur Kommodifizierung bei, da sie im 19. Jahrhundert in großem Stile „materielle Kultur“ als Repräsentationen entfernter Ethnien sammeln ließen (Miller 1987:110).

Details

Seiten
156
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783842808737
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228226
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Philologische Fakultät, Studiengang Ethnologie
Note
1,3
Schlagworte
tourismus interkulturalität indonesien interaktion souvenir

Autor

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Titel: Interkulturelle Begegnungen im Souvenirverkauf auf Java