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Das digitale terrestrische Fernsehen

Umbruch der französischen Fernsehlandschaft und Neuaufstellung der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender

Masterarbeit 2010 89 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 Vom analogen Fernsehen zur digitalen Konvergenz
2.1 Das „analoge Aus“ durch regulative Maßnahmen
2.2 Das technologische Umfeld
2.3 Übergang in die digitale und konvergente Welt
2.3.1 Die Medienkonvergenz: Treiber des modernen Fernsehens
2.3.2 Onlineangebote und –dienste
2.3.3 Konvergente Dienste für das digitale Fernsehen
2.3.4 Mobile-TV

3 Veränderte Marktbedingungen durch die Etablierung des digitalen Fernsehens
3.1 Marktsituation vor der Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens
3.2 Eine verstärkte Wettbewerbssituation
3.2.1 Erweiterung des Senderangebots durch die Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens
3.2.2 Veränderte Marktbedingungen seitens der Übertragungswege
3.2.3 Das delinearisierte Angebot und das Online-Segment
3.3 Die Werbung und die Rezipienten im Zeitalter der Digitalisierung
3.3.1 Der Rezipientenmarkt
3.3.2 Der Werbemarkt

4 Die Stellung der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender im Zeitalter der Digitalisierung
4.1 Die Abwandlung der TV-Geschäftsmodelle und -Strategien
4.1.1 Diversifikations- und Kooperationsstrategien am neuen TV-Markt
4.1.2 Kostendeckung durch die Schaffung von Synergien
4.1.3. Die innovative 360-Grad-Strategie für mehrseitige Geschäftsmodelle
4.2 Geschäftsmodelle der traditionellen privaten Sendergruppe TF1
4.2.1 Das „Reorganisieren“
4.2.2 Das „Erneuern“
4.2.3 Das „Repositionieren“
4.2.4 Das „Rentabilisieren“
4.3 Die Stellung der öffentlich-rechtlichen Sender im digitalen Zeitalter
4.3.1 Die Reform des öffentlich-rechtlichen Fernsehens
4.3.2 Die Neuaufstellung der Öffentlich-Rechtlichen
4.3.3 Die neuen Finanzierungspläne der Öffentlich-Rechtlichen

5 Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Marktanteile der nationalen und thematischen Sender

Abbildung 2: Marktanteile der nationalen und Digital-/ Themensender 2004 und 2008

Abbildung 3: Die Entstehung der neuen Sender am französischen Fernsehmarkt durch die Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens TNT

Abbildung 4: Durchdringung der digitalen Übertragungskanäle in Frankreich

Abbildung 5: Entwicklung der TV-Zuschaueranteile

Abbildung 6: Monatliche Zuschauerquoten der traditionellen Sender und der neuen Digital- und Themensender zwischen 2007 und 2008

Abbildung 7: Marktanteile der Medienbranchen nach Werbeerlösen

Abbildung 8: Anteile digitaler TV-Sender an der Werbeerlösen der TV-Branche

Abbildung 9: Anteile der TV-Sender am Werbemarkt 2008 und 2009

Abbildung 10: Prozentuale Entwicklung der Werbeumsätze und Werbeinvestitionen vom Jahr 2008 auf 2009

Abbildung 11: Positionierung der TNT-Sender

Abbildung 12: Das neuartige 360-Grad-Modell von TF1

Abbildung 13: Werbemodell des Senders TF1- „TF1 Publicité 361“

Abbildung 14: Neues Organisationsmodell der France Télévisions Gruppe

Abbildung 15: Das neue „Ökosystem“ von France Télévisions 2007 und 2009

Tabelle 1: Marktanteil nach Zuschauern zwischen 2007 und 2008

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Problemstellung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

„Le vieux paysage audiovisuel est totalement ré-configuré“[1]

„Die alte audiovisuelle Landschaft ist vollkommen re-konfiguriert“

(Agnès Chauveau)

Die französischen Medien sprechen von einem „Big Bang“[2], einer Revolution des Fernsehens – Kurz: Die französische „Fernsehlandschaft“ befindet sich seit etwa 5 Jahren in einem radikalen und ungeahnt dynamischen Umbruch. Ihre Struktur wird völlig neu geordnet und die Grenzen zu anderen Medien lösen sich immer mehr auf. Wir befinden uns im Zeitalter der „digitalen Konvergenz“. Die Akteure der Fernsehlandschaft müssen sich rasanten Veränderungen stellen und dabei zugleich versuchen ihre Marktposition zu bewahren.

Das digitale terrestrische Fernsehen wurde 2005 eingeführt und sorgte für eine ganze Reihe neuer Herausforderungen der bestehenden Sender. Gleichzeitig erzwingen politische und rechtliche Maßnahmen die Abschaffung des analogen terrestrischen Fernsehens sowie eine grundlegende Reform der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.

Diese Arbeit soll zunächst klären, welchen Veränderungen und Neuerungen die französische Fernsehlandschaft erlebt. Der erste Ansatz ist dabei die Umstellung von analoger auf digitale Technik und die damit einhergehende wachsende Konvergenz verschiedener Medien. Danach sollen die Auswirkungen dieser grundlegenden Umstellung auf die Marktbedingungen, den Markt selbst und seine Akteure untersucht werden. Schließlich wird der Umgang der „traditionellen“[3] Sendeanstalten mit den neuen Bedingungen und ihre Behauptung gegenüber einer wachsenden Konkurrenz untersucht und kritisch betrachtet.

Bis vor wenigen Jahren empfing der Hauptteil der französischen Bevölkerung TV-Programme über analoge terrestrische Übertragung. Die Fernsehbranche bestand nur aus wenigen Akteuren. Die Umstellung auf digitale terrestrische Übertragung hat eine extrem dynamische Entwicklung der Branche eingeleitet, die zu Veränderungen auf allen Ebenen des Fernsehens geführt hat: Von der Übertragungskapazität über TV-Angebote bis hin zum Nutzungsverhalten des Endverbrauchers. Daraus ergibt sich die Frage nach den Folgen der Digitalisierung. Letzter Untersuchungsgegenstand ist die Erfassung, wie TF1 als privater und die öffentlichen-rechtlichen Sendergruppen konkret mit neuen angepassten Geschäftsmodellen und Strategien reagieren, angesichts politischer und rechtlicher Maßnahmen.

1.2 Vorgehensweise

Die Vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf Teile. In der Einleitung werden zunächst Fragestellung und Zielsetzung definiert und die Vorgehensweise erläutert. Der zweite Teil geht dann auf die Umstellung von analoger auf digitale Technik des französischen Fernsehens ein und zwar sowohl auf politisch-rechtlicher Ebene als auch auf technischer und funktionaler Ebene. Auf diesen Erläuterungen bauen dann die späteren Kapitel auf.

Im dritten Teil der Arbeit soll geklärt werden, welchen Einfluss diese Umstellung auf die Marktbedingungen des französischen Fernsehens hat und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Zu diesem Zweck wird zunächst der Fernsehmarkt zu analogen Zeiten beschrieben, um ihm anschließend den digitalen Fernsehmarkt gegenüber zu stellen und diesen mit seinen zahlreichen Facetten zu analysieren.

Im vierten Kapitel wird dann die Stellung der privaten und der öffentlich-rechtlichen Sender im Zeitalter der Digitalisierung weiter vertieft. An erster Stelle stehen die Geschäftsmodelle und Strategien der traditionellen Sender im Vordergrund. Es stellt sich die Frage, wie sie angesichts der veränderten Marktbedingungen reagieren und ihre Geschäftsmodelle anpassen und welche aktuellen Strategieansätze sie verfolgen. Beispielhaft wird dann das neue Geschäftsmodell des Privatsenders und Marktführers TF1 erläutert. Dem gegenüber stehen im letzten Abschnitt dann die öffentlich-rechtlichen Sender von France Télévisions im Vordergrund. Hier wird die Reform erläutert, mit deren Hilfe sie den neuen Herausforderungen des digitalen terrestrischen Fernsehmarktes „Herr“ werden sollen und ihre Neuaufstellung näher in Augenschein genommen wird. Abschließend geht es um deren Finanzierung nach der Reform. Das Fazit ruft noch einmal die wichtigsten Punkte hervor.

2 Vom analogen Fernsehen zur digitalen Konvergenz

2.1 Das „analoge Aus“ durch regulative Maßnahmen

Aufgrund des Konvergenzprozesses und dem rasanten technologischen Fortschritt, hat sich der französische Staat für einen „Switch-off“ bzw. die Umstellung auf Digitale Technologien für das Fernsehen entschieden. Der sogenannte „Switch-off“: „[...] das politisch gewollte und rechtlich geregelte Abschalten der herkömmlichen analogen Distributionskanäle zu Gunsten einer ausschließlich digitalen Übertragung von Rundfunksignalen [...] [4], soll die französische Fernsehlandschaft in die digitale Welt einführen und ein modernes Medium schaffen.

Folglich wurde im Jahre 2005 das digitale terrestrische Fernsehen eingeführt[5] bei dem die Frequenzen und die vorhandene terrestrische Infrastruktur für eine digitale Übertragung der Fernsehprogramme genutzt wird. Anhand regularischer Maßnahmen werden die alte Technik und Funktionalitäten durch modernere ersetzt.

In Frankreich wurde mit dem Gesetz zur „Modernisierung der audiovisuellen Verbreitung und des Zukunftsfernsehens vom 5. März 2007“[6], beschlossen, die analoge Signalübertragung des französischen Fernsehens Ende 2011 vollkommen abzuschalten. Im Vergleich der drei verfügbaren Übertragungskanäle, Terrestrik, Satellit und Kabel, besitzt der analog terrestrische die größte Reichweite in Frankreich.[7] Bis Ende 2011 sollen 95% der französischen Bevölkerung von der analogen auf die digitale terrestrische Übertragung umgestellt werden.[8]

Die begrenzten Verbreitungsmöglichkeiten der analogen Technik würden die Entwicklung und Modernisierung des Fernsehens in einer konvergenten Welt stark behindern. Der Einfluss der digitalen Medien auf die heutige Gesellschaft ist zu großer Bedeutung, als dass man die Entwicklung und Modernisierung des Massenmediums Fernsehen vernachlässigen könnte.

Frankreich sorgt nun, wie andere europäische Länder, für den Aufbau einer modernen und starken Fernsehlandschaft, indem die neuesten Technologien, die Vorteile der Digitalisierung und des Konvergenzprozesses eingesetzt werden. Das regulative Umfeld ist wichtig um medientechnologische Vorsorgen zu treffen und Ordnung in der Entwicklung der Medien zu bringen. Bei der Abschaffung der analogen Fernsehübertragung und beim Eintritt in die digitale Welt sind regulierende Maßnahmen von Bedeutung denn „Rundfunk und Telemedien sind als typisch massenkommunikative Medien ein wesentlicher Faktor für Demokratie und kulturelle Vielfalt in Europa“[9] und können sich nicht ohne gültige Regeln, zum Wohle der Gesellschaft, entwickeln. Deshalb wurde, u.a. das Gesetz des 5. März 2007 ins Leben gerufen. Im Gesetzestext zur „Modernisierung der audiovisuellen Verbreitung und des Zukunftsfernsehens“ wird die Abschaffung des analog Fernsehens und die Umstellung auf digitale Technik wie folgt begründet: „Das Schema soll die Diversifikation der Dienstangebote fördern, die digitale Verbreitung verbessern und einen gleichberechtigten Zugang zu elektronischen Kommunikationskanälen gewährleisten, sowie die Effektivität der hertzschen Anschlüsse für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk entwickeln und die Frequenzen zugunsten der digitalen Verbreitung optimal verwalten.“[10]

Darüber hinaus setzt sich der französische Staat für den Aufbau einer „digitalen Wirtschaft“[11] (Sektoren wie Telekommunikation, Informationstechnologie, Medien, Entertainment etc.) ein, um die Wettbewerbsfähigkeit sowie Attraktivität der französischen Medienindustrie zu steigern. Daher sind hohe Investitionen in der digitalen Wirtschaft Frankreichs geplant.

Staatspräsident Nicolas Sarkosy und der Premierminister Eric Besson haben im Oktober 2008 eine Initiative zur Entwicklung der digitalen Wirtschaft angekündigt, um Frankreich als moderne digitale Nation zu positionieren[12]: Die Initiative „France Numérique 2012: Plan de développement de l’économie numérique“[13] hat den Ausbau der französischen Fernsehlandschaft und eine fortschreitenden Konvergenz mit der digitalen Welt zum Ziel. Dabei ist der Aufbau eines modernen digitalen Fernsehens von hoher Bedeutung, insbesondere wird Wert auf die Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, gelegt. Der Staat beugt mit dieser Maßnahme einerseits einer „digitalen Kluft“ vor, da alle Bürger das moderne Fernsehen empfangen können und stimuliert zugleich einen sehr großen Medienmarkt in Frankreich.

Bis zur vollkommenen Digitalisierung muss aber die Umstellung von der alten analogen Technik auf die moderne Technologie stattfinden. Der französische Staat hat entschieden, die Analogabschaltung schrittweise von November 2009 bis zum Jahresende 2011 durchzuführen[14]. Die analoge und digitale Übertragung sind in Frankreich, bis zum endgültigem „Switch Off“, beide simultan empfangbar damit jeder Bürger bis 2011, Zeit verfügt sich mit den entsprechenden digitalen Endgeräte auszurüsten. Seit November 2009 sind fünf „Départements“[15] in Frankreich auf digitalen Empfang umgestellt.[16] Pro Monat sollen zwei bis drei weitere Departements auf digitalen Empfang umgestellt werden.

Um diesen Wandel und seine Ursachen besser zu verstehen und nachzuvollziehen, weshalb die analoge Technik nicht mehr gebraucht wird, muss das technologische Umfeld erläutert werden.

2.2 Das technologische Umfeld

Mit dem technologischen Umfeld des Fernsehens ist primär die Art der Übertragung gemeint, d.h. mit welchem technischem Verfahren die audiovisuellen Daten verbreitet werden. Bild- und Tondaten werden von den Sendern an Empfangstationen gesendet. Diese senden wiederum die Signale an die Haushalte, die über drei verschiedene Übertragungskanäle empfangen werden: Terrestrik, Kabel oder Satellit.[17] Terrestrik wird über hertzsche Frequenzen übertragen, Kabel und Satellit nutzen andere Arten von Übertragungstechniken.

Der älteste und meist verbreiteste Übertragungsweg in Frankreich ist der analog terrestrische. Die analogen Signale werden durch erdgebundene Antennenmasten mittels elektromagnetischer Wellen (drahtlose Abstrahlung) im hochfrequenten Bereich übertragen.[18]

Die hertzschen Frequenzen bilden die Infrastruktur für die Distribution der Programme. Frequenzen sind ein wertvolles öffentliches Gut, von denen es nur eine begrenzte Anzahl gibt[19], die sorgfältig unter dem Rundfunk und dem Mobilfunk aufgeteilt werden. In Frankreich werden diese von der Regulierungsbehörde Conseil Superieur de l’Audiovisuel (CSA) vergeben.[20] Die Frequenzen sollen auch nach der Digitalisierung weiterhin im Einsatz bleiben, da sie „aufgrund [ihrer] Breitbandigkeit eine besonders wertvolle Ressource für Dienste der elektronischen Kommunikation darstellen.“[21]

Die analoge Technik wird nicht ohne Grund abgeschafft. Einer der wichtigsten Argumente ist die begrenzte Kapazität der analogen Distribution von TV-Programmdiensten bzw. Fernsehsender.[22] Analoge Daten brauchen deutlich mehr Frequenzkapazitäten als digitale Daten.[23] Daher kann nur ein Programmdienst pro Frequenz versendet werden, was zu Kapazitätsengpässen führt[24]. Dieses Problem wird durch den Einsatz der digitalen Technik gelöst und die Übertragungskapazitäten vervielfacht.[25] Der Kapazitätsgewinn ermöglicht die Entfaltung zusätzlicher TV-Sender und -Dienste. Auch bei den anderen Übertragungstechniken – Kabel- und Satellit – kann die Digitale Verarbeitung eingesetzt werden und die Kapazität steigern[26].

Beim digitaler Fernsehübertragung oder Digital Video Broadcasting (DVB), werden statt analoger Signale, binäre Impulse (Wertigkeiten 0,1) versendet. Die Daten werden komprimiert und beim Empfang wieder dekomprimiert.[27] Durch die Komprimierung können mehrere Programme in einem Datencontainer (Multiplex) gemischt und gemeinsam über eine Frequenz gesendet werden.[28] Somit wird Platz für zusätzliche Senderplätze geschafft. Obendrein ist „die digitale Distribution billiger als die analoge Distribution“[29], versichert Dominique Niel, Leiterin der Fernsehabteilung von Télédiffusion de France (TDF), Frankreichs Übertragungszentrale.

Die vorhandenen Übertragungskanäle, Terrestrik, Kabel und Satellit, werden auf digitale Technik umgestellt.[30] Mittels eines digitalen Empfangsgeräts (Set Top Box oder DVB-Receiver) können die Signale im MPEG-2-Format via Terrestrik (TNT oder DVB-T), Kabel (DVB-K) oder Satellit (DVB-S) übertragen werden.[31]

Die digitale Übertragungstechnik schafft nicht nur Platz für neue Sender, sondern verbessert zugleich die Bild- und Tonqualität. Störanfälligkeiten und Verzerrungen der Signale sind bei der digitalen Technik kaum mehr vorhanden.[32] Das hochauflösende Fernsehen, besser bekannt als „High Definition Television“ (HDTV), ermöglicht eine fünfmal höhere Bildauflösung.[33] Sämtliche Sender, sowie neue Endgeräte, sind mittlerweile für HDTV ausgestattet.

Darüber hinaus ermöglicht der Einsatz digitaler Technik im Fernsehen eine Technologische Konvergenz[34]: Die Digitalisierung fördert eine einheitliche Sprache für Produktions-, Distributions- und Rezeptionsformen, sowie Verfahren anderer Mediengüter, die früher unkompatibel waren. Das Massenmedium Fernsehen erlebt eine multiple Konvergenz: Die der Übertragungstechniken und der Produktionsformen aber auch der Endgeräte, im Zuge derer Fernsehgeräte, PCs und Mobiltelefone zunehmend multifunktional sind. Die Digitalisierung stellt somit Disparates auf eine einheitliche Grundlage. So wirkt die Fernsehlandschaft in der digitalen Welt mit und kann ihre Aktivitäten grenzenübergreifend einsetzen.

Die analoge Technik und dessen Welt macht nun Platz für die digitale konvergente Medienwelt. Im nächsten Abschnitt wird erläutert, welche neuen Dienste im Zuge dieser Entwicklung entstehen und welche Veränderungen sowie Vorteile das Digitale Fernsehen mit sich bringt.

2.3 Übergang in die digitale und konvergente Welt

Die Umstellung von analoger auf digitale Technik führt das Fernsehen in neue Dimensionen. Die digitale Technologie wird mittlerweile in allen denkbaren Branchen und Systemen global eingesetzt. Dies beeinflusst die allgemeine Fernsehentwicklung und die Entfaltung der französischen Fernsehlandschaft in der konvergenten Medienwelt. Neuartige Dienste und Angebote entstehen und verändern die Dimensionen des Massenmediums Fernsehen von Anbieter- als auch von Rezipientenseite.

2.3.1 Die Medienkonvergenz: Treiber des modernen Fernsehens

Durch die Vereinheitlichung der technischen Sprache, verschmelzen ehemals getrennte Branchen. Telekommunikations-, Informations-, Medien- und Entertainmentbranche konvergieren. Die Fernsehlandschaft ist Teil dieses Konvergenzprozesses und verschmilzt zunehmend mit der Telekommunikations- und Mobilfunkbranche. In Kombination mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Digitalisierung im Allgemeinen, bewirken die Annäherung und Verschmelzung der Branchen, eine Veränderung von Angebots- und Nutzungsformen der TV-Angebote.

Die Medienkonvergenz hat unterschiedliche Dimensionen die kumuliert auftreten: die technologische, die funktionale und die ökonomische Konvergenzdimension[35]:

Die technologische Konvergenz, die bereits im vorherigen Abschnitt erläutert wurde, beschreibt die fortschreitende Durchsetzung einer Basistechnologie innerhalb zahlreicher Bereiche und Branchen. Die funktionale Konvergenz führt zu einer Annäherung der verschiedenen Dienste im Bezug auf ihre Bereitstellung und Nutzung. Somit ist die Verbreitung und Verwendung der Dienste über unterschiedliche Plattformen und unter unterschiedlicher Nutzung möglich. Die funktionale Konvergenz ermöglicht eine Mehrfachverwertung der Dienste und Angebote. Durch die technologische und funktionale Konvergenz entsteht schließlich eine ökonomische Konvergenz: Einerseits verändern sich die Geschäftsmodelle der Fernsehakteure spürbar, da sie sich an die Entwicklungen anpassen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Eine weitere Dimension der Konvergenz und eine Folge der bereits genanten drei ist die Zusammenführung von bestimmten internen Geschäftsaktivitäten oder –bereichen in den Unternehmen. In Frankreich entstehen durch die Etablierung der digitalen Technologie und der Medienkonvergenz zahlreiche neue Strukturen innerhalb der TV-Gruppen.

Im Zuge der Konvergenz und des Verschmelzens mit anderen Branchen rekonfiguriert sich die Wertkette, es entsteht eine neuartige Fernsehlandschaft. Sie wird durch neuartige Distributionswege, Nutzungsformen, Angebote und Dienste sowie neue Akteure und Geschäftsmodelle reichhaltiger denn je.[36] Audiovisuelle Inhalte werden nicht mehr ausschließlich für das traditionelle lineare Modell (das TV-Programm) produziert, sondern für verschiedene nicht-lineare Angebote verwendet.[37] TV-Inhalte sind über ein breites Spektrum an Plattformen, Kanälen und Geräten verfügbar.

David Kessler, Geschäftsführender Direktor von Radio France und spezialisierter (Staats-) Berater, äußert sich über die Folgen der digitalen Konvergenz in Verbindung mit dem Fernsehen: „Die neuen Technologien zwingen die Sender komplementäre Dienste zu entwickeln. Insbesondere sollten, ergänzend zum linearen Angebot, delinearisierte Angebote entwickelt werden, wie VoD oder Catch-Up-TV.“[38]

Delinearisierte Angebote entfalten sich zunehmend im Rahmen der Onlinebranche. Im Zuge der Medienkonvergenz und der Entwicklung des Digitalen Fernsehens, spielt das Internet einer der bedeutendsten Rollen.

2.3.2 Onlineangebote und –dienste

Die Fernsehbranche entwickelt sich besonders stark im Bereich des Internets. Die „Online-Welt“ hat bereits viele Medien beeinflusst und spielt zunehmend eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft. Die Verschmelzung von Fernsehen mit dem Online-Segment ermöglicht den Fernsehempfang über multiple Plattformen und die Entwicklung neuer Angebote. Bernd W. Wirtz erklärt in Bezug auf die Entwicklungsperspektiven im TV-Bereich, dass Fernsehen und Internet immer stärker verschmelzen:

„Der Konvergenzprozess auf dem TV-Sektor ist bereits in vollem Gang. Die technische Entwicklung lässt langfristig eine fortschreitende Verschmelzung von TV und Internet erwarten.“[39] Markus Schächter, Intendant des ZDF, fügt hinzu: „Das Internet ergänzt nicht das Fernsehen, sondern verschmilzt immer stärker mit ihm.“[40] Die Präsenz im Onlinegeschäft ist für die meisten TV-Sender inzwischen unverzichtbar und ermöglicht es, audiovisuelle Inhalte auf alternativem und nicht-linearem Wege anzubieten. Das Internet selbst entwickelt sich stetig „von einem statischen Textmedium hin zum Bewegtbildmedium“[41]. Das müssen die Fernsehsender zu ihrem Vorteil nutzen, um den Anschluss an der digitalen Welt nicht zu verlieren und um nicht von anderen Anbietern aus anderen Branchen überholt zu werden.

Die meisten Online-Plattformen der Sender bieten audiovisuelle Inhalte als „Abruffernsehen“ an.[42] Das Abruffernsehen, auch Catch-up-TV genannt, ermöglicht es bereits gesendete TV-Inhalte über die Online-Plattform des Senders abzurufen. Verpasste Sendungen können so im Streamingmodus abgespielt werden. In der Regel werden die Sendungen eine begrenzte Zeit, meist ein bis zwei Wochen nach der Erstausstrahlung, im TV-Programm zur Verfügung gestellt[43] und anschließend als Video on Demand (VoD) angeboten.

Video on Demand (VoD) ist ein weiterer Dienst des Abruffernsehens, eine Art virtuelle Videothek, die den Zugriff auf audiovisuelle Inhalte ermöglicht. Die meisten Sender verlangen eine Vergütung für die einzelnen Abrufe.

Viele Sender sehen in Abrufdiensten eine Lösung, um den Zuschauerverlust an neue Dienste zu begrenzen[44] und junge Zuschauer, die zunehmend primär das Internet nutzen, zu gewinnen. Seit 2005 ist ein deutlicher Zuwachs der Catch-Up- und VoD-Dienste zu beobachten.[45] Ende 2009 gab es in Frankreich 48 aktive VoD-Dienste[46] – Tendenz steigend.

2.3.3 Konvergente Dienste für das digitale Fernsehen

Die Freigabe von Frequenzen, die Zunahme von Vertriebskanälen und die Verbesserung der Bild- und Tonqualität sind, wie im vorherigen Kapitel erläutert, einige der Vorteile des Digitalfernsehens.[47] Zudem bietet das digitale Fernsehen dem Zuschauer mittels eines DVB-Receivers innovative Dienste an:

Die DVB-Technologie und der Receiver (oder auch Set Top Box genannt) bieten dem Zuschauer den Electronic Program Guide (EPG)[48], einen elektronischen Programmführer, der es dem Zuschauer erlaubt, Informationen wie Anfangszeit, Dauer und Inhalt direkt über den Bildschirm anzuzeigen. In Verbindung mit dem EPG, verfügt die Set Top Box über einen Personal Video Recorder (PVR)[49], der eine sofortige Aufzeichnung der TV-Programme mittels einer integrierten Festplatte ermöglicht. Somit kann das Programm beliebig angehalten und wieder aufgenommen werden. Ein besonderer Vorteil für den Nutzer ist die Möglichkeit, mit dieser Funktion Werbung zu überspringen.[50]

Dr. Bernhard Engel diskutiert die Veränderung der Fernsehnutzung durch digitale Dienste: „Die Bedienfreundlichkeit der PVR verschiebt die Präferenzstrukturen zwischen Echtzeit-Fernsehen und nichtlinearer Nutzung.“[51] Er erklärt, dass „die Nutzung von PVR stark mit dem linearen Fernsehen verbunden ist“[52] und belegt damit die Theorie, dass das herkömmliche Modell des TV mit den modernen Diensten verschmilzt. Moderne DVB-Receiver sind mit dem Internet verbunden und können bereits VoD-Angebote bzw. andere Online-Dienste über das Fernsehgerät nutzen (Bspw. Free in Frankreich und Maxdome in Deutschland). Noch sind aber nicht alle digitalen Receiver mit dem Internet verbunden. Ein Großteil der Nutzer wechseln abwechselnd zwischen Fernsehen und Internet. Moderne Fernsehdienste befinden sich in einer dynamischen Entwicklung, doch ein gemeinsamer und standardisierter DVB-Receiver mit Internetzugang ist in Haushalten höchst selten vorhanden.[53] Eine komplette Verschmelzung der beiden Branchen ist noch nicht zu beobachten. Erst wenn das Fernsehgerät bzw. der DVB-Receiver, insbesondere für terrestrische Übertragung, einen Internetzugang ermöglicht, wird sich die Dimension der Fernsehnutzung und somit der TV-Branche noch extremer verändern. Andererseits ist bereits eine viel stärkere Verschmelzung zweier Leitmedien durch die Digitalisierung des (Terrestrischen- und Satteliten-) Fernsehens bereits viel weiter vorangeschritten; mit den digitalen Receivern kann man nun auch digitales Radio empfangen bei dem die Frequenz über die Fernbedienung gewechselt wird.

2.3.4 Mobile-TV

Die konvergierende Medienbranche lässt nichts aus und verbindet seit kurzem das Fernsehen mit der Telekommunikationsbranche bzw. mit der „mobilen Welt“. Einer der modernen Verteilwege, der das Fernsehen revolutioniert und mobil macht, ist das Mobile-TV oder auch Handy-TV. Die technischen Weichen für die mobile TV-Nutzung sind bereits gestellt. Fernsehprogramme können mit der UMTS-Technologie über Mobilfunk und neuerdings auch mittels digitaler Übertragung Digital Video Broadcasting – Handhelds (DVB-H), der Basistechnologie des Digitalen Fernsehens, empfangen werden[54].

„Fernsehen wird aufgrund der technologischen Entwicklungen zunehmend ubiquitär“[55] stellt Guillaume de Posch in seinem Vortrag zu Mobile-TV fest. Die heutigen Smartphones sind bereits mit Internetzugängen ausgestattet und können problemlos digitale Inhalte abrufen[56]. „Durch die ständige Verfügbarkeit der digitalisierten Inhalte wird die Nutzung ubiquitär sein: immer und überall ohne zeitliche oder räumliche Einschränkung“[57], so Dr. Andrea Malgara, Geschäftsführerin Marketing der SevenOneMedia GmbH. Sie präzisiert jedoch, dass es gilt, „auf die spezielle Nutzungssituation ausgerichtete Programme für Handy-TV zu entwickeln.“[58]

Das Mobile-TV erweitert die Geschäftsaktivitäten der Sender und ermöglicht die Entstehung neuer Ressourcen und neuer Zielgruppen. In Frankreich ist Mobile-TV ein viel diskutiertes Thema.[59] Viele Experten sehen darin ein großes Nutzerinteresse und einen sukzessiven Umsatzwachstum für die Fernsehlandschaft Frankreichs.[60]

In diesem Kapitel wurde der aktuelle technische Wandel der Fernsehlandschaft und die Veränderungen und Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt erläutert. Im nächsten Kapitel soll nun anhand einer Marktanalyse herausgearbeitet werden, inwieweit der Eintritt des Fernsehens in die digitale und konvergente Welt die Marktbedingungen der Branche verändert.

3 Veränderte Marktbedingungen durch die Etablierung des digitalen Fernsehens

Die französische Fernsehlandschaft hat in den letzten 50 Jahren, abgesehen vom Farbfernsehen, kaum grundlegende Veränderungen erlebt. Die Umstellung auf das digitale Fernsehen erscheint dagegen wie eine Revolution. Vielerlei Dimensionen des Massenmediums wandeln sich vollkommen.

Die Umstellung von der analogen auf die digitale Technik, der branchenübergreifende Einsatz und die Nutzung einer einheitlichen technischen Sprache führt zu veränderten Bedingungen des französischen Fernsehmarktes[61]. Durch den Einsatz der digitalen Technologie werden grundlegende strukturelle Veränderungen ausgelöst: Mit den neuen Marktakteure, neuen Übertragungsplattformen und neuen Angebote geht ein Wachstumsschub[62] einher. Im dritten Kapitel stellt sich die Frage, welche Veränderungen und Ursachen die Etablierung des digitalen terrestrischen Fernsehens sowie die Anwendung digitaler Innovationen hervorruft. Das Hauptaugenmerk der Analyse liegt auf dem terrestrischen Fernsehen, dem wichtigsten Distributionskanal Frankreichs. Dies ist zugleich der Ausgangspunkt der Analyse.

3.1 Marktsituation vor der Einführung des digitalen terrestrischen Fernsehens

Vor der Einführung der digitalen terrestrischen Übertragung (vor 2005) empfing der Hauptteil der französischen Bevölkerung gerade 6 bis 8 Sender auf nationaler Ebene. „Nationale Ebene“ heißt, die Sender, die via analog terrestrisch eine staatlich vereinbarte Sendeerlaubnis besitzen und so auf nationalen hertzschen Frequenzen senden.[63] Der Markt hat dadurch einen sehr geringen Kreis von Akteuren, er ist ein Oligopol, bestehend aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern:

Der öffentliche Sektor umfasst die Gruppe „ France Télévisions “, mit den Sendern France 2, France 3, France 5 und RFO[64] und den deutsch-französischen Sender ARTE. Die Sender von France Télévisions müssen sich an einem festgelegten Programmauftrag halten und werden teils von Fernsehgebühren und teils von Werbung finanziert. Der private Sektor bestand aus Frankreichs ältestem Sender, TF1 (TF1 Groupe, 1987 privatisiert) und dem Jugendsender M6 (Métropole Télévisions).[65] Ein Zusätzlicher Marktakteur ist der Pay-TV-Sender Canal+, der seine Hauptfrequenz in bestimmten Zeitfenstern auch über Free-TV unverschlüsselt ausstrahlt. Der Private Free-TV Sektor finanziert sich primär über Werbung, wohingegen Canal+ durch Entgeldfinanzierte Abonnements seine Programme anbietet.

Im Vergleich zu Deutschland, hat Frankreich verhältnismäßig wenig regionale Sender[66]. Entsprechend kleiner ist das Angebot an TV-Programmdiensten. Außerhalb der nationalen Sendefrequenzen werden zahlreiche thematische Sender über Kabel, Satellit und Pay-TV[67] ausgestrahlt. Im Jahre 2003 gab es bereits 97 Themensender.[68]

Die Nutzung bzw. Empfang der Kabel- und Satellitenangebote sowie der Terrestrik lässt sich anhand der Statistiken des „Guide des chaînes thématiques 2004“[69] ablesen: In den Jahren 2004 und 2005 konnten 74% französische Haushalte die analoge terrestrische Übertragung empfangen.[70] Die restlichen 26% bzw. 6,3 Millionen Haushalte konnten über Kabel und Satellit[71], mittels einem kostenpflichtigen Abonnement, eine große Anzahl an Sendern empfangen. Dennoch gibt sich die Mehrheit der Bevölkerung mit der kostenlosen[72] terrestrischen Ausstrahlung und ihren 6 bis 8 Sendern zufrieden.

Im Rahmen der analogen terrestrischen Übertragung erreichen die nationalen Sender im Jahre 2004 ganze 88,8% Marktanteil gemessen am Zuschaueranteil (Abbildung 1).[73] Die öffentlich-rechtlichen Sender erreichen dabei gemeinsam einen Zuschaueranteil von 38,7%.[74] Die zwei einzigen Privatsender erzielen mit 44,3% den höchsten Marktanteil wobei TF1 mit 31,8% für sich ausmacht, während M6 nur 12,5% erreicht.[75] Die restlichen 5,8% entfallen auf Canal+.

Die Themensender erreichen im kostenpflichtigen Segment der Satelliten- und Kabelbetreiber stolze 37,2% Marktanteil. Betrachtet man aber den gesamten Fernsehmarkt (Terrestrisches, Satellit und Kabel), kommen die thematischen Sender nur auf 11,2% Zuschauerquote gegenüber 88,8% für die nationalen Sender.[76]

Bei Betrachtung des Zuschaueranteils sollte der Werbeanteil erläutert werden, da sich die Öffentlich-Rechtlichen sowohl als auch die Privaten von Werbung finanzieren. Auch für die nationalen Sender und die Themensender ist Werbung eine äußerst wichtige und finanzielle Ressource. Hier haben die Sender, die via terrestrischer Übertragung auf nationaler Ebene senden dürfen, einen riesigen Vorteil. Die Zuschauerquoten messen das Volumen an Aufmerksamkeit und bestimmen die Platzierung und Investitionen der Werbeanzeigen. Werbekunden bemühen sich vor allem um Sendeplätze bei den Sendern und zu den Sendezeiten mit den höchsten Zuschauerquoten. Am Gesamtwerbemarkt sichern sich die nationalen Sender ganze 95,5% Marktanteil gegen knappe 4,5% für die thematischen Sender (Abbildung 1).[77] Dieses Übergewicht spiegelt sich ebenfalls im Gesamtumsatz der Sender wider; 87% Marktanteil für die nationalen Sender und 13% für die thematischen Sender.

Abbildung 1: Marktanteile der nationalen und thematischen Sender (in%)[78]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vor der Digitalisierung hatte der französische Fernsehmarkt diese wenigen Akteure. Anhand der Abbildung ist die bevorzugte Stellung der terrestrischen Infrastruktur klar erkennbar: Die nationalen Sender befinden sich in einer privilegierten Position mit kaum ernsthaftem Wettbewerb und sehr hohen Marktanteilen, gemessen an Zuschauerquoten, Werbe- und Umsatzerlösen.

Die Bedrohung durch potenzielle neue Anbieter im terrestrischen Sektor ist sehr niedrig: Die Eintrittsbarrieren des analogen terrestrischen Fernsehens sind hoch; einerseits technisch - aufgrund der begrenzten Kapazitäten der Frequenzen- und andererseits finanziell - aufgrund der relativ hohen Übertragungskosten, die die Sender zahlen müssen[79].

Außerdem werden die Programme der nationalen Sender (France Télévisions, Arte, TF1 und M6) ebenfalls über die Satelliten- und Kabelübertragung gesendet. Dies erhöht ihre Zuschauerreichweite - Ziel eines jeden Senders. Auf der anderen Seite können über 70% der französischen Bevölkerung ausschließlich die nationalen Sender empfangen und besitzen kein Zugang zur Satelliten- und Kabelangebot. Somit stellen die Themensender, die über Satellit und Kabel ausgestrahlt werden, kaum eine Konkurrenz dar.

[...]


[1] Chauveau (2009), S.25. Agnès Chauveau ist exekutive Direktorin der Journalismusschule Sciences Po.

[2] Chauveau (2009), S.25.

[3] Die traditionellen Sender bezeichnen die privaten und öffentlich-rechtlichen Sender, die zur Zeit des Analogfernsehens bereits präsent waren und als Pioniere des französischen Fernsehens gelten.

[4] Rummel (2008), S.232.

[5] o.V (2010a), [www].

[6] Gesetz zur Modernisierung der audiovisuellen Verbreitung und des Zukunftsfernsehen: Übersetzt aus dem Original (alle Übersetzungen von Französisch auf Deutsch in dieser Arbeit sind Eigenübersetzungen): Loi n°2007-309 du 5 mars 2007 relative à la modernisation de la diffusion audiovisuelle et à la télévision du futur.

[7] Vgl. LeDiberder/ Coste-Cerdan (1991), S.10.

[8] o.V (2010a), [www].

[9] Albert (2007), S.9.

[10] Gesetz zur Modernisierung der audiovisuellen Verbreitung und des Zukunftsfernsehen: Article 2 modifie la Loi n°86-1067 du 30 septembre 1986 - art. 21 (V) Arrêté du 22 décembre 2008 - art., v. init. Übersetzt aus dem Original:

„Ce schéma vise à favoriser la diversification de l'offre de services, à améliorer sur le territoire la couverture numérique et l'égalité d'accès aux réseaux de communications électroniques et à développer l'efficacité des liaisons hertziennes des services publics et la gestion optimale du domaine public hertzien.“

[11] Besson (2008), S.3. Übersetzt aus dem Original: „économie numérique“.

[12] Vgl. Besson (2008), S.3.

[13] Besson (2008), S.1. Übersetzt aus dem Original: „Digitales Frankreich 2012: Entwicklungsplan für die digitale Wirtschaft.“

[14] Vgl. o.V (2010b), [www]. Im Anhang 1 ist der Kalender für die Umstellung auf digitaler terrestrischer Übertragung abgebildet.

[15] „Départements“ sind die französischen Bundesländer.

[16] Vgl. o.V (2010b), [www].

[17] Vgl. Wirtz (2009), S.361.

[18] Vgl. Lherault/ Tron (2010), S.262.

[19] Ein Großteil der Frequenzen sind für die nationale Verteidigung und den Zivilschutz vorgesehen. Vgl. Lherault/ Tron (2010), S.268.

[20] Gesetz zur Modernisierung der audiovisuellen Verbreitung und des Zukunftsfernsehen: Article 2 modifie la Loi n°86-1067 du 30 septembre 1986 - art. 21 (V) Arrêté du 22 décembre 2008 - art., v. init.

[21] Albert (2007), S.9.

[22] Vgl. Schulz et al. (1999), S.23.

[23] Vgl. Schulz et al. (1999), S.57.

[24] Vgl. Lherault/ Tron (2010), S.266.

[25] Vgl. Schulz et al. (1999), S.57.

[26] Vgl. Schulz et al. (1999), ebenda.

[27] Vgl. Wirtz (2009), S.362.

[28] Vgl. Lherault/ Tron (2010), S.266.

[29] Niel (2007), S.30.

[30] Vgl. Wirtz (2009), S.362.

[31] Vgl. Wirtz (2009), S.363.

[32] Vgl. Lherault/ Tron (2010), S.262.

[33] Vgl. o.V (2010c), [www].

[34] Vgl. Krieb (2001), S.37.

[35] Vgl. Keuper/ Hans (2003), S.57.

[36] Vgl. Schächter (2008), S.148.

[37] Vgl. de Posch/ Englert (2008), S.167.

[38] A.C.C.e.S. u.a. (2009), S.88. Übersetzt aus dem Original: „Les nouvelles technologies obligent les chaines à développer des services complémentaires. Notamment à mettre en place une offre délinéarisée, telle que la VoD ou la Catch-Up-TV, à coté de l’offre linéaire“.

[39] Wirtz (2009), S.370.

[40] Schächter (2008), S.148.

[41] Schächter (2008), ebenda.

[42] Vgl. Schächter (2008), S.149.

[43] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2009), S.23.

[44] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2009), ebenda..

[45] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2009), ebenda.

[46] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2009), ebenda.

[47] Siehe Abschnitt 2.1.

[48] Vgl. A.C.C.e.S. u.a (2009), S.21; vgl. Kaumanns et al. (2008): S.454. EPG ist der meist genutzte Dienst in Frankreich: 80% der Zuschauer nutzen ihn mindestens einmal die Woche. Vgl. A.C.C.e.S u.a (2009), S.21.

[49] Vgl. Kaumanns et al. (2008), S.458.

[50] Vgl. Wirtz (2009), S.375.

[51] Engel (2008), S.91.

[52] Engel (2008), ebenda.

[53] Vgl. Engel (2008), S.91f.

[54] Vgl. Winter (2008), S.361.

[55] de Posch (2008), S.169.

[56] Vgl. Wirtz (2009), S.374.

[57] Malgara (2008), S.263.

[58] Malgara (2008), ebenda.

[59] Zur Entwicklung des Mobile-TV in Frankreich siehe Abschnitt 3.1.4.

[60] Vgl. Winter (2008), S.361.

[61] Zum besseren Verständnis der Marktanalyse und zum Vergleich mit der Marktsituation zur analogen Zeiten, ist im Anhang 2 eine detaillierte Erklärung der aktuellen Struktur des französischen Fernsehmarktes dargestellt.

[62] Vgl. Schneider (2008), S.22.

[63] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2004), S.13.

[64] RFO ist das Fernsehen für die französischen Überseeterritorien: Martinique, la Réunion, Guadeloupe, etc.

[65] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2004), S.13; S.29.

[66] Vgl. Jost et al. (2009), S.99.

[67] Das Pay-TV, d.h. das Bezahlfernsehen bot ausschließlich der Sender Canal+ über Terrestrik und andere Anbieter über Satellit und Kabel.

[68] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2004), S.10.

[69] A.C.C.e.S. u.a. (2004). „Guide des chaînes thématiques“ ist der jährlicher Bericht der thematischen Sender Frankreichs.

[70] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2006), S.44 ; vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2007), S.61.

[71] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2006), S.9.

[72] Das Empfangen der nationalen Sender ist mit eine Rundfunkgebührenpflicht von 116 Euro verbunden.

[73] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2006), S.49.

[74] Vgl. Rapport Public Thématique (2009), S.26.

[75] Vgl. Rapport Public Thématique (2009), ebenda.

[76] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2006), S.48.

[77] Vgl. A.C.C.e.S. u.a. (2006), S.56.

[78] Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an A.C.C.e.S. u.a. (2006), S.48, S.55f.

[79] Vgl. Schulz et al. (1999), S.21.

Details

Seiten
89
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842804357
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228037
Institution / Hochschule
Bauhaus-Universität Weimar – Medien, Studiengang Medienmanagement
Note
1,7
Schlagworte
fernsehen konvergenz tv-markt tv-reform frankreich

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Titel: Das digitale terrestrische Fernsehen