Lade Inhalt...

Entwicklung eines Konzepts für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen eines Integrationskurses

Bachelorarbeit 2010 149 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Überblick: Der Integrationskurs
2.1 Definition Frauenintegrationskurs
2.2 Rahmenbedingungen
2.3 Der Abschlusstest
2.4 Verpflichtete und berechtigte TeilnehmerInnen
2.5 Kosten

3 Prüfungsangst
3.1 Angst und Prüfungsangst
3.2 Zustand und Eigenschaft als Formen von (Prüfungs-) Angst
3.3 Ursachen und Entstehung von Prüfungsangst
3.3.1 Grundannahmen von Wolf und Merkle – Das ABC der Gefühle
3.3.2 Typen von Prüfungsängsten
3.4 Symptome von Prüfungsangst
3.4.1 Körperliche Symptome
3.4.2 Kognitive Symptome
3.5 Prüfungsangst und Leistung
3.6 Frauen und (Prüfungs-) Angst
3.7 Migration und (Prüfungs-) Angst

4 Prüfungsangstseminar: Vorüberlegungen
4.1 Feststellung des Bedarfs eines Prüfungsangstseminars
4.2 Organisatorische Vorüberlegungen
4.2.1 Räumlichkeiten und Teilnehmerinnenanzahl
4.2.2 Medien
4.2.3 Prüfungsangstseminar als 2-Tages-Projekt
4.2.4 Kosten
4.3 Ziele des Seminars
4.4 Inhaltliche Vorüberlegungen

5 Das Prüfungsangstseminar
5.1 Hausaufgabe
5.2 Unterrichtseinheit I
5.2.1 Einstimmung
5.2.2 Einführung in das Thema
5.2.3 Besprechung der Hausaufgabe
5.2.4 Kann Angst auch nützlich sein?
5.2.5 Warum habe ich Prüfungsangst?
5.2.5.1 Das Zitronen-Experiment
5.2.5.2 Das ABC der Gefühle
5.2.6 Umdenken!
5.3 Unterrichtseinheit II
5.3.1 Prüfungsvorbereitung
5.3.1.1 Effektives Lernen
5.3.1.1.1 Lern- bzw. Arbeitsplatz
5.3.1.1.2 Pausen sind wichtig!
5.3.1.1.3 Lernen muss geplant werden!
5.3.1.1.4 Lerntypen und Lernmethoden
5.3.1.1.5 Merkfähigkeit
5.3.1.2 Prüfungstipps
5.3.1.2.1 Verhalten kurz vor der Prüfung
5.3.1.2.2 Entspannung
5.3.1.2.3 Was mache ich bei einem Blackout?
5.3.1.2.4 Talisman als Hilfe
5.3.2 Positiv vorstellen
5.3.3 Feedback von den Teilnehmerinnen

6 Schlusswort

7 Danksagung

8 Quellenverzeichnis

9 Abbildungsverzeichnis

10 Anhang
10.1 Hausaufgabe
10.2 Arbeitsblätter
10.2.1 Gespräch von Ludmila und Fatma
10.2.2 Umdenken!
10.2.3 Arbeitsplatz
10.2.4 Pausen
10.2.5 Wochenplan
10.2.6 Verhalten kurz vor der Prüfung
10.2.7 Gedankenstopp
10.2.8 Progressive Muskelentspannung
10.2.9 Fantasiereise
10.2.10 Blackout
10.3 Karten „Umdenken lernen“
10.4 Lerntyp bestimmen
10.5 Lernkartei
10.6 Übersicht „Besser Lernen“
10.7 Übersicht „Lerntypen“
10.8 Interviewleitfaden
10.9 Interviews
10.9.1 Interview mit Frau Inge Mirzabak (18.01.2010)
10.9.2 Interview mit Dozentin A (18.01.2010)
10.9.3 Interview mit Frau Claudia Böschel (04.02.2010)

11 Persönliche Erklärung

1 Einleitung

Prüfungsangst ist eine weit verbreitete, unangenehme Nebenwirkung von Prüfungen oder Herausforderungen im Beruf.

„Für die meisten Menschen sind Prüfungen ein Stress. Sie verlangen, Leistungen und Wissen unter Beweis zu stellen und sich dafür beurteilen zu lassen.“

(Knigge-Illner, 2002, 8)

Bildung und Abschlüsse sind in unserer Gesellschaft sehr wichtig geworden. Wer nicht erfolgreich ist, kann keine Familie ernähren und dessen Ansehen sinkt in seinem Umfeld. Schon Kinder werden von Anfang an zu leistungsorientiertem Verhalten erzogen, was unter anderem auch zu immer mehr ängstlichem Verhalten gegenüber Prüfungen führt (Zeidner, 1998).

Umso schwieriger haben es Menschen, die in einer anderen Kultur aufgewachsen sind und nach Deutschland einwandern. Sie müssen sich der erfolgsorientierten Gesellschaft unterordnen und zurecht kommen. 2008 absolvierten über 73.000 MigrantInnen den Deutsch-Sprachkurs (B1), um sich beruflich und sozial integrieren zu können.

Untersuchungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zeigen, dass die Anzahl der Prüflinge, die an der Prüfung teilnehmen, sich zwar in den letzten Jahren stets erhöht hat, dennoch stellen sich noch nicht alle TeilnehmerInnen der Herausforderung (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2009, Integrationskurse: Bilanz 2008).

Speziell Frauen in Integrationskursen haben es nicht leicht: Die Teilnehmerinnen gingen oft nur wenige Jahre zur Schule (Interviews mit Mirzabak, 31:22-9 und Dozentin A 15:14-8, Anhang). Daher kann nicht von einem routinierten Umgang mit Prüfungen ausgegangen werden. Dies trägt natürlich in erheblichem Maße Unsicherheit und Angst vor Prüfungen bei und könnte mit ein Grund sein, warum sich nicht alle Teilnehmerinnen der Prüfung stellen.

In meinen Augen ist es sinnvoll hier auf die Bedürfnisse der Frauen einzugehen und eine Hilfestellung zur Prüfung zu geben, indem Ängste vor Prüfungen angesprochen und möglichst beseitigt werden sollten. Bereits bestehende Seminare zu Prüfungsangst in Integrationskursen gibt es nach Aussagen der Interviewpartnerinnen und Gesprächen mit den Trägern[1] der Kurse nicht. Dies veranlasste mich, ein Konzept für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen von Integrationskursen zu erstellen.

2 Überblick: Der Integrationskurs

Die folgenden Seiten sollen einen Überblick über die Situation der Integrationskurse, speziell Frauenintegrationskurse geben. Daten und Informationen wurden der Internetseite des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge entnommen.

2.1 Definition Frauenintegrationskurs

Es gibt verschiedene Arten von Kursen. Da viele Zuwanderer aus familiären, kulturellen oder biographischen Gründen an allgemeinen Integrationskursen nicht teilnehmen können, wurden spezielle Kurse entwickelt. Zudem werden Interessen und sprachpädagogischer Förderbedarf berücksichtigt. Unter den spezifischen Integrationskursen sind aufzulisten: Der Alphabetisierungskurs, der Jugendintegrationskurs, der Intensivkurs, der Förderkurs und der Frauen- bzw. Elternintegrationskurs.

Letztere definieren sich aus zusätzlichen Themen:

- Die Erziehung und Ausbildung der Kinder
- Der Besuch von relevanten Behörden und Einrichtungen vor Ort
- Die Auseinandersetzung mit den Geschlechterrollen in Deutschland und dem Heimatland

Ferner gibt es die Möglichkeit einer kursbegleitenden Kinderbetreuung, was wesentlich ist, um Müttern die Kursteilnahme zu ermöglichen.

2.2 Rahmenbedingungen

Nach § 11 Abs. 2 IntV sind die zugelassenen KursteilnehmerInnen verpflichtet einen Einstufungstest abzulegen, um in das richtige Modul (Kurs mit passendem Sprachniveau) eingestuft werden zu können oder um festzustellen, ob ein spezieller Integrationskurs geeignet ist (§13 IntV).

Ziel des Sprachkurses ist es, das Sprachniveau B1 zu erreichen. Der gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprache (GER) ist ein System, dass Sprachfertigkeiten unabhängig von dem Notensystem im jeweiligen Land, messbar und vergleichbar machen soll. Die sechsstufige Skala geht von A1 (erste Sprachversuche) bis zu C2 (beinahe muttersprachliches Niveau) und hat genaue Angaben zu den Teilgebieten Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen.

Frauen mit Sprachkenntnissen der Stufe B1, können demzufolge bei einfacher Sprache das Wichtigste verstehen und sich über vertraute Themen, wie zum Beispiel Kindererziehung, Arbeit oder eigene Interessen unterhalten und Erfahrungen mit anderen Personen austauschen. Allgemein soll der Kurs einen Einblick in die Rechtsordnung, die Kultur und die Geschichte Deutschlands geben. Dies trägt in einem hohen Maß zu der Integration der Frauen und indirekt auch der Kinder oder Familie bei.

Insgesamt gibt es im allgemeinen Integrationskurs sechs sogenannte Module mit jeweils 600 Stunden. Spezifische Kurse, wie der Frauenintegrationskurs, haben 900 Stunden.

Diese sind aufgeteilt in einen Basiskurs und einen Aufbaukurs, der vertieft in die Themen eindringt (eine Unterrichtseinheit dauert ungefähr 45 Minuten). Dabei werden unter anderen folgende Themen behandelt, die für den Alltag hilfreich und nötig sind:

- Alltag
- Einkaufen und Wohnen
- Gesundheit
- Arbeit und Beruf/Bewerbung
- Ausbildung und Erziehung der Kinder
- Freizeit und soziale Kontakte
- Medien und Mobilität
- Kontakt mit Behörden/Briefe schreiben und Formulare ausfüllen
- Verkehr
- Natur und Umwelt
- Kulturen und Weltanschauungen

Um den Leistungsstand der TeilnehmerInnen zu überprüfen, wird jeweils nach dem Basiskurs und dem Aufbaukurs ein Zwischentest durchgeführt, der zusätzlich auch auf den Abschlusstest vorbereiten soll.

Abschließend wird ein Orientierungskurs mit 45 Stunden angehängt. Inhaltlich werden die deutsche Kultur (z.B. Menschenbild, Werte und Normen), die Rechtsordnung (z.B. Staatsaufbau, Wahlrecht, Grundrechte und Pflichten) und die Geschichte von Deutschland behandelt.

Grundlage der Integrationskurse ist das „Rahmencurriculum für Integrationskurse - Deutsch als Zweitsprache“. Dies wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (BMI) vom Goethe-Institut erarbeitet. Durch die Analyse der wichtigen Lebensbereiche der Migranten in Deutschland, können wichtige Themen und Lernziele im Unterricht genau auf die Lebenssituation der Migranten/Innen abgestimmt werden und somit den bestmöglichen Beitrag zur sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Integration geben.

Es gibt eine Wiederholungsmöglichkeit (nach § 5 Abs.4 IntV) des Aufbaukurses: Im Falles eines Nicht-Erreichens des Sprachkursziels B1 - vorausgesetzt der Kurs wurde ordnungsgemäß besucht - kann das Bundesamt bis zu 300 weitere Stunden bewilligen. Inwieweit ein Kurs ordnungsgemäß besucht wurde, ist jedoch nicht präzise definiert.

2.3 Der Abschlusstest

Die abschließende Sprachprüfung ist der sogenannte „Deutsch-Test für Zuwanderer (A2-B1)“, kurz DTZ. Inhaltliche Grundlage ist das Rahmencurriculum für Integrationskurse des Goethe-Instituts.

Mit erfolgreicher Teilnahme kann der/die ZuwandererIn seine Sprachkenntnisse auf europäische Ebene durch das GER nachweisen. Ein Zertifikat wird mit entsprechendem Sprachniveau ausgehändigt. Auch wenn das Niveau B1 noch nicht erreicht wurde, kann ein Zertifikat mit dem Niveau A2[2] ausgehändigt werden. Dadurch hat der/die TeilnehmerIn eine höhere Chance, trotzdem ein Zertifikat zu erhalten und nicht ohne jegliche Bescheinigung mit dem Gedanken den Kurs zu verlassen: „Ich habe es nicht geschafft“ (Interview mit Frau Mirzabak, 00:07:25-8, Anhang).

Der DTZ besteht aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung. Das Zertifikat für B1 wird erreicht, wenn der/die TeilnehmerIn in den Teilen „Sprechen“ und einem der anderen Teilgebiete „Hören“, „Lesen“ oder „Schreiben“ Niveau B1 erreicht hat.

Daneben gibt es noch einen bundeseinheitlichen Test zum Orientierungskurs, der aus Multiple-Choice-Fragen besteht. Falls beide Prüfungen erfolgreich abgelegt wurden (13 richtige Antworten von 25 Fragen im Orientierungstest und der Sprachtest mit B1-Niveau), so erhält der Prüfling das „Zertifikat Integrationskurs“ und hat somit den Integrationskurs erfolgreich abgeschlossen.

Bei Nichtbestehen der Prüfung, trotz regelmäßiger Teilnahme am Kurs, kann der Aufbaukurs mit 300 Stunden und die Abschlussprüfung wiederholt werden.

Im Jahre 2008 zugelassenen Kursträger, die den DTZ anbieten:

- Ausländische Organisationen
- AWO
- Betriebliche/Überbetriebliche Aus-/Fortbildungsstätte
- Bildungswerke/-Stätten
- Deutsch-ausl. Organisationen
- Evangelische Trägergruppen
- Freie Trägergruppen
- Initiativgruppen
- Internationaler Bund
- Katholische Trägergruppen
- Kommunale Trägergruppen
- Sonstige Trägergruppen
- Sprach-/Fachschulen
- Volkshochschulen

In den Integrationskursen werden die TeilnehmerInnen auf die Prüfung vorbereitet. Die einzelnen Teilbereiche „Sprechen“, „Hören“, „Lesen“ und „Schreiben“ werden aufgegriffen und immer wieder geübt (Interviews mit Frau Mirzabak, Frau Böschel und Dozentin A, Anhang). Somit können sich die TeilnehmerInnen ein Bild von der bevorstehenden Prüfung machen und lernen mit der Prüfungssituation umzugehen.

2.4 Verpflichtete und berechtigte TeilnehmerInnen

An der Teilnahme von Integrationskursen sind zum einen neu zugewanderte AusländerInnen verpflichtet, die sich nicht auf deutscher Sprache (einfache Weise) verständigen können. Zum anderen können AusländerInnen mit besonderer Integrationsbedürftigkeit von der Ausländerbehörde zur Teilnahme aufgefordert werden. Die dritte Gruppierung sind AusländerInnen, die Leistungen nach dem SGB II beziehen und deren Deutschkenntnisse von den Trägern als mangelhaft eingestuft werden.

Berechtigt sind alle SpätaussiedlerInnen und neu zuwandernde AusländerInnen mit einem auf Dauer angelegten Aufenthaltsstatus und außerdem AusländerInnen, die schon länger in Deutschland leben, UnionsbürgerInnen, sowie besonders integrationsbedürftige Deutsche. Diese Zuwanderer können mittels eines Antrags beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, falls noch Plätze in den Kursen zu besetzen sind, zu den Integrationskursen zugelassen werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat seit 2007 die TeilnehmerInnenanzahl aufgrund einer Anhebung des Stundensatzes der Kursträger je Teilnehmerstunde, auf 20 TeilnehmerInnen pro Kurs reduzieren können.

2.5 Kosten

Die Kosten des Integrationskurses sind, sofern keine Befreiung besteht, zwischen dem/der TeilnehmerIn und dem Bundesamt aufgeteilt. Eine Kursstunde wird mit 2,35 Euro je TeilnehmerIn veranschlagt. Dabei übernimmt das Bundesamt 1,35 Euro und der/die TeilnehmerIn 1,00 Euro[3]. Bei dem Umfang von 900 Unterrichtsstunden des Frauenintegrationskurses entsteht somit ein Gesamtbetrag von 900 Euro für die Teilnehmerinnen. Der Abschlusstest, sowie die Wiederholung bei Nichtbestehen, sind seit 2007 kostenlos, um die Teilnahme zu erhöhen.

Sozialhilfe- und Arbeitslosengeld-II-Empfänger werden auf Antrag von den Kosten durch das Bundesamt befreit. Bei besonderer Härte, das heißt, wenn die Zahlung des Kostenbeitrags nicht bezahlt werden kann, können die TeilnehmerInnen durch eine Einkommensprüfung befreit werden.

Darunter fallen alle Ausländer, die bereits länger in Deutschland leben (Aufenthaltstitel vor dem 1. Januar 2005), Neuzuwanderer (dauerhaften Aufenthalt im Bundesgebiet haben und Aufenthaltserlaubnis wegen Erwerbszwecken, zum Zweck des Familiennachzugs oder nach dem § 38a Aufenthaltsgesetz langfristig Aufenthaltsberechtigter sind), EU-Bürger, Deutsche Staatsangehörige (besonders Integrationsbedürftige mit mangelnden Deutschkenntnissen), langjährig Geduldete (nach § 104 a Aufenthaltsgesetz) und langfristig aufenthaltsberechtigte Drittausländer (mehr als fünf Jahre in einem EU-Land lebend nach § 44 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz).

SpätaussiedlerInnen, sowie deren Ehepartner und Nachfahren haben einen Anspruch auf die einmalige kostenlose Teilnahme an einem Integrationskurs, wenn sie nach dem 1. Januar 2005 nach Deutschland gekommen sind (§ 9 Abs. 1 Bundesvertriebenengesetzes). Liegt die Einreise vor dem 1. Januar, kann per Antrag eine kostenlose Teilnahme bewilligt werden.

3 Prüfungsangst

Der folgende theoretische Teil definiert Prüfungsangst und gibt einen Überblick über Wissenswertes im Hinblick auf die Teilnehmerinnen von Integrationskursen. Es werden mögliche Ursachen dieser Angst aufgeführt und das Konzept „ABC der Gefühle“ von Wolf und Merkle vorgestellt, das Prüfungsängstlichen dabei hilft, mit Sorgen und Ängsten umzugehen. Wichtige weitere Aspekte, die angesprochen werden, sind sogenannte Prüfungsangsttypen und ein Blick auf den Zusammenhang von Angst in Verbindung mit dem weiblichen Geschlecht und dem Migrationshintergrund.

3.1 Angst und Prüfungsangst

Angst ist ein Gefühlszustand des Menschen, der sich zum Beispiel vergleichen lässt mit Freude oder Wut. Zwar ist Angst eher etwas Unangenehmes, doch eine sinnvolle Reaktion des Menschen auf eine bedrohliche Situation. Angst versetzt den Organismus in Aktivität, um eine Herausforderung überwinden zu können oder sich bei Gefahr zu schützen.

Angst ist also generell nicht schlecht und eine normale Reaktion (Morschitzky, 2009,1). Es gibt jedoch auch Ängste, die unbegründet stark auftreten und krankhaft sein können.

Von allen Definitionen erst einmal abgesehen, will diese Arbeit eher auf die Lernenden eingehen, um ihnen im Umgang mit der Angst weiterzuhelfen. Es soll dabei keine Diagnose gestellt werden, ob eine Person krankhafte Prüfungsangst hat.

Alle Teilnehmerinnen und Dozentinnen, die mit Prüfungsängsten in Kontakt kommen, sollen durch diese konzeptionelle Ausarbeitung eine „erste Hilfe“ vermittelt bekommen.

Denkbar wäre die Definition von Hackfort und Schwenkmezger (1985). Sie beschreiben Angst als

„(…) eine kognitive, emotionale und körperliche Reaktion auf eine Gefahrensituation bzw. auf die Erwartung einer Gefahren- oder Bedrohungssituation. Als kognitive Merkmale sind subjektive Bewertungsprozesse und auf die eigene Person bezogene Gedanken anzuführen (…).Emotionales Merkmal ist die als unangenehm erlebte Erregung, die sich auch in physiologischen Veränderungen manifestieren und mit Verhaltensänderungen einhergehen kann“.

(Hackfort und Schwenkmezger, 1985,19).

Diese Definition verdeutlicht, dass Gedanken das Verhalten beeinflussen können.

Wenn zum Beispiel eine Prüfung als schwer bewertet wird und der eigenen Person nicht die Fähigkeiten zugeschrieben werden, um diese Prüfung zu bestehen, dann können durch die unangenehmen Gefühle Verhaltensänderungen ausgelöst werden, die zu Leistungsbeeinträchtigungen führen können.

Im ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen) wird eine sogenannte Examensangst als neurotische Angst, speziell als „spezifische (isolierte) Phobie“ eingestuft. Es wird hier davon ausgegangen, dass die Prüfungsangst der Examensangst gleichgesetzt wird. Diese Angst ist begrenzt auf eine Situation (zum Beispiel eine Prüfung) und entsteht schon meist im Kindes- oder frühen Erwachsenalter.

Folgende Kriterien müssen für eine eindeutige Diagnose erfüllt sein (Dilling, 2008,172):

1. Die psychischen und vegetativen Symptome müssen primäre Manifestationen der Angst sein und nicht auf andere Symptome wie Wahn- oder Zwangsgedanken beruhen.
2. Die Angst muss auf die Anwesenheit eines bestimmten phobischen Objektes oder eine spezifische Situation begrenzt sein.
3. Die phobische Situation wird – wann immer möglich – vermieden.

Dennoch gibt es mehrere Ängste, auf die diese Symptome zutreffen können. Das ICD-10 zählt zum Beispiel auch Höhenangst oder Tierphobien hinzu. Demnach gibt es nur diese, eher weiter gefasste, und keine eindeutige konkrete Einordnung.

In der Psychologie werden die normale Prüfungsangst und die neurotische Angst unterschieden (Barthel 2001,10f): Die normale Prüfungsangst ist eine angemessene Reaktion auf eine bevorstehende Situation, die eine Herausforderung darstellt. Nur durch diese Angst wird der Organismus aktiviert und der Mensch kann reagieren und die Aufgabe bewältigen.

Bei der neurotischen Prüfungsangst dagegen, erfolgen nicht angemessene Reaktionen auf eine bevorstehende Situation. Die subjektive Einschätzung der Gefahr liegt bei weitem höher als sie in Wirklichkeit ist.

Schneider (2004) macht deutlich, dass viele Aspekte mit Prüfungsangst zusammenhängen:

„Prüfungsangst ist ein komplexes mehrdimensionales Konstrukt, welches die individuelle Bereitschaft beschreibt, auf Prüfungssituationen mit einem Übermaß von Sorge, physiologischer Erregung, mentaler Desorganisation und unkontrollierbaren, selbstwertbedrohlichen Gedanken zu reagieren. Sie äußert sich auf der physiologischen, emotionalen, kognitiven und der Verhaltensebene.“

(Schneider, 2004, 346).

3.2 Zustand und Eigenschaft als Formen von (Prüfungs-) Angst

Nach Zeidner (1998) gibt es zwei Formen von Angst:

Angst kann zum einen als (Charakter-) Eigenschaft beim Menschen auftreten. Das bedeutet, dass die Person prinzipiell eher dazu neigt, in Prüfungssituationen ängstlich zu sein.

Zum anderen kann Angst auch ein Zustand sein, bei dem eine spezielle Situation als bedrohlich empfunden wird. Die Prüfung an sich wird als schwer zu bewältigen eingestuft und die eigenen Fähigkeiten reichen nach eigenen Einschätzungen nicht aus, um mit Erfolg abzuschließen. Bei Menschen mit ausgeprägter Prüfungsangst sind meist beide Formen vorhanden.

3.3 Ursachen und Entstehung von Prüfungsangst

Nicht jeder Mensch hat Prüfungsangst. Aber warum ist das so? Da es viele Ursachen gibt, kann hier nur allgemein darauf eingegangen werden. Die spezifischen Ursachen von Prüfungsangst einer Person können nur im Rahmen einer professionellen Hilfe wie zum Beispiel der Psychotherapie herausgefunden werden.

Eine Annahme besagt, dass die Prüfungsangst in der Kindheit oder im Jugendalter entsteht (u.a. Barthel, 2001,12): Eine Prüfung oder ähnliche Herausforderung wird mit negativen Gefühlen bewertet, wenn die Person öfters schlechte Erfahrungen mit Prüfungen gehabt hat und dieses Bewertungsmuster verinnerlicht hat. Oft werden dann Prüfungen auch in der Zukunft mit negativen Gefühlen betrachtet. Auslöser können dabei überhöhte Leistungsansprüche der Eltern sein. Hierbei beeinflussen sicherlich auch gesellschaftliche Werte und Normen, Erziehung und Migrationshintergrund mit der jeweiligen Kultur die Prüfungsangst. Als Beispiel würde hier Erfolgsorientiertheit gelten, was bei außerordentlicher Motivation auch zu einem überhöhtem Anspruchsdenken führen könnte. Barthel zählt auch den tendenziellen Pessimismus bzw. Misserfolgsorientiertheit zu den möglichen Auslösern: Die Person malt sich schon vor der Prüfung aus, dass diese schwer oder nicht zu schaffen ist. Ebenfalls können schlechte Erfahrungen mit früheren Prüfungen zur Prüfungsangst führen. Jedoch haben viele der Teilnehmerinnen von Integrationskurse kaum Prüfungen hinter sich oder sind oftmals nur ein bis zwei Jahre oder nie in der Schule gewesen. Mögliche Auslöser könnten auch ein gestörtes Schüler-Lehrer-Verhältnis sein oder die allgemeine Tendenz zu Ängstlichkeit (Barthel, 2001).

Prahl (1979, 37ff.) wies ferner nach, dass auch die Prüfungsbedingungen Angst fördern können. Er kam zu dem Ergebnis, dass mündliche Prüfungen im Vergleich zu schriftlichen Prüfungen mehr Angst auslösen. Zudem erzeugen große einmalige (Abschluss-) Prüfungen mehr Unsicherheit und Sorgen, als mehrere kleinere Prüfungen, da das Nicht-Bestehen nachhaltigere Folgen hat. Zudem kann der Prüfling seinen eigenen Stand des Lernens nur mithilfe mehrerer kleinerer Prüfungen kontrollieren. Um das Zertifikat des Deutschkurses zu erhalten und erfolgreich abzuschließen, entsteht nun – auf Grund dieser einzigen Abschlussprüfung – eine größere Belastung und mehr Stress für die Teilnehmerinnen.

Prüfungsangst kann durch klare Anweisungen und gutes Zeitmanagement (weniger Zeitdruck) in der Vorbereitung beim Lernen und in der Prüfung selbst verringert werden. Ebenso kann die Angst durch ein gemeinschaftliches Vorbereiten der Prüfung in der Gruppe reduziert werden. Prahl weist noch darauf hin, dass die Rolle des Lehrers bzw. auch des Prüfers Prüfungsangst beeinflussen kann. Unfreundlichkeit und Strenge kann die Angst der Lernenden zusätzlich steigern.

Ausschlaggebend ist auch die Wichtigkeit des Bestehens der Prüfung. Nach Untersuchen von Becker (1980, 275) haben ängstliche Prüflinge, die einer Prüfung einen hohen Stellenwert zuschreiben, auch hohe Prüfungsangst.

3.3.1 Grundannahmen von Wolf und Merkle – Das ABC der Gefühle

Die persönlichen Ursachen, warum nur bestimmte Menschen an Prüfungsangst leiden, können also vom elterlichen Erziehungsstil, von Erfahrungen in der Kindheit und von Erwartungen der Umwelt ausgehen.

Da die Teilnehmerinnen des Seminars aus unterschiedlichsten Herkunftsländern kommen, ist es unmöglich auf Gründe der Prüfungsangst einzugehen, die durch frühere Erfahrungen zustande gekommen sind. Es muss ein Konzept angewendet werden, welches die Gedanken in der Gegenwart analysiert.

Deswegen scheint hier das „ABC der Gefühle“ nach Wolf und Merkle (2005)“ passend. Es beschäftigt sich mit den Gefühlen selbst, die eine Person verspürt, wenn sie Prüfungsangst hat.

Zunächst wird eine bestimmte Situation (A) wahrgenommen:

„In zwei Monaten habe ich meine Deutsch-Abschlussprüfung!“

Anschließend wird eine persönliche Bewertung dazu abgegeben (B), die unterschiedlich ausfallen kann:

(1) „Ich werde die Prüfung bestimmt nicht bestehen, weil ich nicht alles kann und vor Angst keinen Ton herausbringen werde. Wenn ich die Prüfung nicht bestehe, dann werden mich alle für einen Versager halten. Das wäre ein Weltuntergang.“
(2) „Ich habe viel gelernt und werde die Prüfung schon meistern. Auch wenn ich Fehler mache, kann ich die Prüfung bestehen. Falls ich durchfallen sollte, kann ich die Prüfung noch einmal wiederholen. Es wäre enttäuschend, aber kein Weltuntergang.“

Nach Wolf und Merkle ist es ausschlaggebend, wie die Situation bewertet wird. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Situation und die Zuschreibung von eigenen Fähigkeiten beeinflussen wiederum die Gefühle (C):

Im ersten Fall wird sich die Person sehr verunsichert und angespannt fühlen. Sie traut sich die Prüfung nicht zu und hat kein Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Die Prüfung macht ihr Angst.

Im zweiten Fall ist die Person gelassener, weil sie realistische Einschätzungen macht. Sie ist sich relativ sicher, dass sie die Prüfung schaffen kann, denn sie hat viel gelernt und vertraut ihren Fähigkeiten. Sie ist zwar leicht angespannt, da sie nicht sicher sagen kann, ob sie die Prüfung wirklich schafft, aber im schlimmsten Fall kann die Prüfung wiederholt werden.

Durch die subjektive Wahrnehmung und Einschätzung der Situation können also auf einer Seite Unsicherheit und Angst, auf der anderen Seite aber auch hilfreiche oder neutrale/positive Gefühle entstehen.

Wolf und Merkle stellen fest: Negative Bewertungen einer Situation führen demnach zu negativen Gefühlen wie zum Beispiel Angst oder Wut. Wird aber eine Situation als neutral bewertet, fühlt sich der Mensch ausgeglichen und innerlich ruhig. Positive Bewertungen bewirken beim Menschen positive Gefühle wie zum Beispiel Freude oder Glück.

„Unser Gefühl hat immer recht, in dem Sinne, daß es das wiederspiegelt, was wir denken. (…) Wir verspüren Angst, weil wir uns ängstliche Gedanken machen. Wir können aus unserer Angst niemals folgern, daß tatsächlich etwas gefährlich für uns ist, sondern nur, daß wir denken, es sei gefährlich.“

(Wolf und Merkle, 2005, 20)

Wolf und Merkle folgern daraus, dass Prüfungsangst durch ängstliche Gedanken entsteht und nur gesteuert werden kann, wenn die Bewertung der (Prüfungs-) Situation verändert wird. Da ein erwachsener Mensch schon viele Erfahrungen gemacht hat und die meisten Situationen automatisch mit einer bestimmten Bewertung verbindet, muss regelrecht neu gelernt werden, Situationen realistisch einzuschätzen.

Bei der Bewertung gibt es zwei Aspekte, die Wolf und Merkle wichtig erscheinen. Zum einen die Wichtigkeit der Prüfung:

Gedanken, die sich die Person stellt, sind zum Beispiel:

- Wie wichtig ist der erfolgreiche Abschluss der Prüfung?
- Was passiert, wenn die Prüfung nicht bestanden wurde?
- Was sagen Familie, Freunde, Bekannte etc., wenn ich nicht bestehe?

Zum anderen sind auch Gedanken auf das Ziel gerichtet:

- Wie wahrscheinlich es ist, die Prüfung zu bestehen?

Grundlage der Bewertung ist die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und Vorerfahrungen aus früheren Prüfungen.

Personen mit einer regen Fantasie haben es besonders schwer. Genau wie Gedanken, beeinflussen auch bildliche Vorstellungen die Prüfungsangst. Wer sich schon am Tisch sitzen sieht und keine Frage der Prüfung beantworten kann, der empfindet die Gedanken noch viel realistischer und wird sich noch mehr Sorgen machen.

„Ihre Prüfungsängste und deren körperlichen Begleiterscheinungen sind umso größer, je mehr Sie in der Lage sind, sich die vermeintliche Katastrophe – das Durchfallen oder den Mißerfolg – bildlich vorzustellen.“

(Wolf und Merkle, 2005, 26).

Um die Prüfungsangst in den Griff zu bekommen – sich selbst nicht mit unrealistischen Gedanken und Fantasien zu entmutigen – muss zunächst die Situation (A), vor der eine Person Angst hat, definiert werden. Im zweiten Schritt muss bewusst gemacht werden, wovor genau die Angst besteht, um die negativen Gedanken aufzudecken (B). Anschließend werden die Auswirkungen, also die negativen Gefühle erörtert (C). Nach der Analyse der Gedanken, muss überprüft werden, ob diese auch der Realität entsprechen oder Angst fördern könnten. Irrationale Gedanken, die für Prüfungsangst nicht hilfreich sind, sollen nach Wolf und Merkle durch hilfreiche bzw. positive Gedanken ausgetauscht werden. Es ist hierbei wichtig, keine positiven Gedanken zu formulieren, die nicht in Erfüllung gehen können. Die Aussage „Ich werde die Prüfung ohne Fehlern bestehen!“, ist sehr unwahrscheinlich und schwer zu verinnerlichen.

Durch realistische Gedanken, die immer wieder eingeübt werden müssen, kann der Prüfling seine negativen Gedanken durch positive Gedanken ersetzen. Dadurch werden wiederum auch negative Gefühle durch neutrale oder positive Gefühle ersetzt.

3.3.2 Typen von Prüfungsängsten

Zeidner (1998, 52ff.) unterscheidet sechs Typen von ängstlichen Prüflingen. Durch die Differenzierung können hier Rückschlüsse auf eine möglichst gute Hilfestellung für den Prüfling gezogen werden. Er bezieht sich zwar auf Studenten, jedoch können im weitesten Sinne auch Maßnahmen für Nicht-Studenten abgeleitet werden.

1. Dieser Prüfling bewältigt Prüfungen meist ungenügend. Gründe liegen dabei in den ungenügenden Fähigkeiten zu Lernen, sich zu Organisieren und in der Prüfung das Gelernte wiederzugeben. Durch die Erkenntnis, schlechte Leistungen auf Grund ihrer mangelnden Fähigkeiten zu erbringen, bereitet er sich umso weniger auf die Prüfung vor. Daher steigert sich die Angst vor Prüfungen.

Folglich sollte hier der Hilfeansatz bei den Lernstrategien und dem Umgang mit der Prüfungssituation liegen. Im Integrationskurs sollte gezielt auf Lernstrategien, Zeitmanagement und die Prüfung selbst (Rahmenbedingungen) eingegangen werden, um Prüfungsängste zu verringern.

2. Dieser Kandidat hätte theoretisch zwar die nötigen Fähigkeiten zum erfolgreichen Bestehen der Prüfung, wird jedoch von emotionalen Blockaden in der Vorbereitung und in der Prüfung selbst heimgesucht. Die Angst vor der Prüfung und somit Angst vor einer Blockade – das Gelernte nicht wiedergeben zu können – bereiten ihm Sorgen. Um diesem entgegen zu wirken, lernen diese Prüflinge auch meist im Übermaß. Sie kommen mit dem Stress und dem Druck der Situation nicht zurecht.

Entspannungsübungen und somit die Reduzierung der Aufregung könnten hier die Angst vor Blockaden bzw. vor der Prüfung verringern. Im Bezug auf die Teilnehmerinnen des Integrationskurses sind leicht lernbare Übungen zur Entspannung in der Prüfungsvorbereitung sinnvoll. Zudem ist es für die Migrantinnen wichtig zu wissen, wie mit Blockaden in Prüfungen umgegangen werden kann.

3. Der Lernende hat die Aussicht auf Erfolg bereits aufgegeben. Durch mehrmaliges Versagen in Prüfungen, ist er der Meinung, seine geringe Begabung begründet den Misserfolg. Er akzeptiert schlechte Prüfungsergebnisse und ist nicht Stolz auf Erfolge. Die Einschätzung eigener (In-)Kompetenz führt zur Angst, die Prüfung nicht bestehen zu können.

Eine Stärkung des Selbstbewusstseins und das Aufzeigen von realitätsgetreuen Fähigkeiten und Zielen der Person, können die Angst reduzieren.

Indem die Teilnehmerinnen in ihren Fähigkeiten bestärkt und auf frühere Erfolge und jetzige Begabungen aufmerksam gemacht werden, können sie ihre Fähigkeiten wieder richtig einschätzen. Diese Lernstrategien sollten gezielt im Kurs erlernt und geübt werden.

4. Der Prüfling hat Angst davor, in der Prüfung zu versagen, da er seinen Misserfolg ausschließlich auf sich selbst und die eigenen Fähigkeiten zurückführt. Sich jedoch umso mehr auf die Prüfung vorzubereiten, die Chance zum Erfolg somit zu erhöhen, ist eher unangenehm, da ihm bei Misserfolg umso weniger Talent zugeschrieben wird.

Hier muss an der Art und Weise, wie über Prüfungen und Fähigkeiten gedacht wird, gearbeitet werden und versucht werden, Misserfolge nicht als Weltuntergang zu sehen. Zudem ist es wichtig das Selbstbewusstsein zu stärken.

5. Diese ängstliche Person benutzt die Prüfungsangst als Grund für ihre schlechten Zensuren. Durch das Hineinsteigern, an massiver Prüfungsangst zu leiden, kann sie sich der Verantwortung entziehen und behindert sich selbst Erfolg zu haben.

Es soll keinem Prüfling vorgeworfen werden, er schiebe Prüfungsangst als Grund vor. Dennoch kann in den Kursen darauf aufmerksam gemacht werden, dass Angst etwas Normales ist und sie sich der Herausforderung stellen sollen.

6. Der letzte Typ ist der Perfektionist, der an sich selbst überaus hohe Erwartungen stellt, die schwer zu erfüllen sind. Gründe dafür können Anforderungen der Umwelt (z.B. Familie, Freunde) sein. Durch Erziehung, Werte und Normen der Kultur können eigene Erfolge als besonders wichtig erachtet werden. Die Möglichkeit diesen Forderungen nicht zu genügen, erfüllt den Prüfling mit Angst vor Versagen und schränkt ihn somit beim Lernen ein. Er überfordert sich durch eigene, zu hoch gestellte Anforderungen selbst. Hier wäre es sinnvoll nachzufragen, woher diese hohen Anforderungen kommen und diese, wenn möglich wieder zu senken, um kleine Erfolge wieder würdigen zu können.

Im Integrationskurs können erfolgreich gemeisterte Aufgaben mit positivem Feedback gelobt werden. Oft besteht die Schwierigkeit darin, alles können zu wollen. Realistische Einschätzung von Fähigkeiten und Zielen helfen dabei.

3.4 Symptome von Prüfungsangst

Prüfungsangst wirkt sich auf den Menschen in verschiedenster Weise und in unterschiedlichem Maße aus. Dennoch lassen sich die wesentlichen Symptome nach motorischen, kognitiven (gedanklichen) und physiologisch-biochemischen Merkmalen unterscheiden (Weiß, 1997, 14ff.). Metzig und Schuster (2009, 10ff.) haben dies auch in einer Studie untersucht. 33 Studenten zeigten bei Prüfungsangst unter-schiedlichste Symptome auf den drei obengenannten Ebenen.

3.4.1 Körperliche Symptome

Die körperlichen Auswirkungen unterteilt Weiß in motorische und physiologisch-biochemische Reaktionen.

Auf der motorischen Ebene ist vor allem eine erhöhte Spannung der Bewegungsmuskulatur zu erkennen. Anspannung und Verkrampfung, bis hin zum Zittern des gesamten Körpers, können Folgen von Prüfungsangst sein. Längere Anspannungsphasen können zu chronischen Schmerzen führen, die sich in den Bereichen von Rücken, Kopf, Bauch und Nacken zeigen können. Weitere Reaktionen können Veränderungen in der Stimme oder Artikulationsprobleme sein. Zudem können auf Grund der Anspannung auch vermehrt Nervosität und Unruhe bei der Person auftreten.

Bei Metzig und Schuster (2009) traten folgende Symptome als Ausdruck der Unruhe bei den Studenten auf: Augenlidzucken, Zittern, Schwächegefühl, Schlafstörungen, hektische Bewegungen, Torkeln, Rededrang, Stottern, Sprachverluste, Bauchschmerzen.

Physiologisch-biochemische Reaktionen zeigen sich in einer Veränderung der Organfunktionen. Das heißt, der Körper wird durch Angst aktiviert, um auf gefährliche Situationen reagieren zu können. Diese Aktivierung ist dem Menschen aus seiner Entwicklung geblieben, die als Reaktionen wie Flucht oder Kampfbereitschaft erfolgten. Weiterhin wird das Herz-Kreislauf-System angeregt. Dies bedeutet einen höheren Blutdruck, sowie schnelleren Herzschlag und Verengung der nahe unter der Haut liegenden Blutgefäße, was zu blasser Haut führt. Ferner wird die Atmung schneller und flacher. Auf Grund der Aktivierung der Schweißdrüsen schwitzt die Person vermehrt. Auch der Verdauungs- und Darmtrakt ist betroffen. Zunehmender Harndrang, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit und Erbrechen können die Folgen sein.

Folgende Erscheinungen nahmen Metzig und Schuster wahr: Erröten, Blässe, Schweißausbrüche, kalte Hände, Magen-Darm-Beschwerden (z.B., Übelkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit), Kreislaufbeschwerden (z.B. Herzklopfen, Schwindel, Herzrasen, erhöhte Körpertemperatur, Bluthochdruck, Ohnmacht, niedriger Blutdruck), Atembeschwerden und Hautveränderungen.

Aber auch die geistige Leitungsfähigkeit ist beeinträchtigt. Bei Angst ist das Gehirn vermehrt aktiviert, so dass Konzentrationsstörungen, Blackouts, Erinnerungsverluste, verzögerte Reaktionen und Verwirrung auftreten können (Metzig und Schuster, 2009).

3.4.2 Kognitive Symptome

Auf der gedanklichen Ebene zeigen Personen mit Prüfungsangst Reaktionen wie Unsicherheit, Verzweiflung und fühlen sich bedroht oder ohnmächtig. Die Prüfung erscheint ihnen nicht realisierbar. Prüflinge haben große Sorgen und fürchten die Konsequenzen des Nicht-Bestehens:

„(…) Misserfolg, bedeutet persönliches Versagen und Blamage. Sie glauben, dass im Falle eines Misserfolgs soziale Anerkennung, Zuwendung und Achtung, durch Freunde, Eltern, Bekannte etc. entzogen werden. Sie zweifeln an ihrer Leistungsfähigkeit, fühlen sich inkompetent und meinen, in Prüfungen nicht das zu bringen, was sie eigentlich bringen könnten.“

(Weiß, 1997, 14)

Auf der emotionalen Ebene sind folgende Symptome bei Metzig und Schuster aufgetreten: Stimmungsveränderungen (z.B. Depressionen, Wut, vermehrtes Weinen, Albträume, Reizbarkeit), verändertes Sozialverhalten wie z.B. sozialer Rückzug, Aggressivität, beunruhigende Gedanken wie frühere Misserfolge und mögliche Folgen von Misserfolgen.

Wie auch nach der ABC-Theorie von Wolf und Merkle, sind sich Metzig und Schuster (2009, 49 ff.) einig: Diese Komponenten beeinflussen sich gegenseitig. Wolf und Merkle untergliedern die Angst in drei Komponenten: Emotionen (physiologische Reaktion), Kognition (Angstgedanken) und spezifische Verhaltensweisen. Auf eine Situation (z.B. eine Prüfung) reagiert der Körper mit den genannten Symptomen (z.B. Muskelanspannung), die wiederrum mit bestimmten Gefühle (z.B. Unsicherheit) oder Gedanken (z.B. „Das werde ich nie schaffen“) einhergehen. Diese können die Intensität der körperlichen Erscheinungen nochmals verstärken und zudem das Verhalten beeinflussen.

3.5 Prüfungsangst und Leistung

Prüfungsangst wird im Normalfall als eher negativ und störend im Hinblick auf den Gefühlszustand gesehen. Untersuchungen zeigen auch, dass Prüfungsängste eher zu schlechten Zensuren führen (Zeidner, 1998; Sörensen, 1992,9; Weiß, 1997, 39).

Dennoch wird durch Forschungen belegt, dass Angst leistungssteigernd sein kann (Weiß, 1997, 37).

Nach der Theorie von Yerkes und Dodson (1908) ist der Grad der Erregung ausschlaggebend, ob Angst leistungsfördernd oder leistungsbeeinträchtigend ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei sehr großer Angst oder auch sehr geringer Erregung sinkt die Leistungsfähigkeit stark ab. Ein mittleres Maß an Angst bzw. Aktivierung, also weder Gleichgültigkeit, noch übermäßige Angst, führt zu den besten Leistungsergebnissen.

Auch nach Weiß (1997) ist ein bestimmter Grad an Angst leistungsfördernd. Der Prüfling entwickelt durch Angst höheren Ehrgeiz und mehr Ausdauervermögen, die ihn dazu motivieren, sich besonders gut auf eine Prüfung vorzubereiten. Gerade die kognitiven Symptome bewirken, dass sich der Prüfling nicht mehr richtig auf die Prüfung vorbereiten bzw. in der Prüfung konzentrieren kann. Es kommt zu einer Beein-trächtigung der Leistung, insbesondere das Durchhaltevermögen bei schwierigen Aufgaben oder auch daraus resultierende vermehrte Leichtsinnsfehler (Weiß, 1997).

[...]


[1] Träger in und im Umkreis von Nürnberg (Bayern)

[2] Informationen über A2 Sprachniveau unter http://www.migration-asyl.de/public1/aufr/home.nsf/url/E2029A29A0717C44C1257394002E1FEF?OpenDocument; zuletzt geprüft am 07.05.2010;

[3] Stand: April, 2009

Details

Seiten
149
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842803268
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227987
Institution / Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg – Sozialwissenschaften, Soziale Arbeit
Note
1,3
Schlagworte
prüfungsangst migrantinnen erwachsenenbildung seminar integration

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Entwicklung eines Konzepts für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen eines Integrationskurses