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Einfluss der Informationstechnologie auf die internationalen Finanzmärkte

Diplomarbeit 2006 101 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Der Finanzmarkt
2.1 Marktformen
2.1.1 Der Kapitalmarkt
2.1.2 Der Devisenmarkt
2.1.3 Der Geldmarkt
2.1.4 Der Terminmarkt
2.2 Finanzmärkte und Finanzplätze
2.3 Die Finanzmarktteilnehmer
2.3.1 Finanzintermediäre als Anbieter von Finanzdienstleistungen
2.3.2 Kapitalgeber und Kapitalnehmer
2.3.3 Betreiber der Handelsplattformen
2.4 Die Handelsphasen
2.4.1 Die Informationsphase
2.4.2 Die Order-Routingphase
2.4.3 Die Preisfeststellungsphase
2.4.4 Die Abwicklungsphase
2.5 Der elektronische Finanzmarkt
2.5.1 Was ist ein elektronischer Finanzmarkt?
2.5.2 Anforderungen an elektronische Finanzplätze
2.5.2.1 Verfügbarkeit
2.5.2.2 Sicherheit
2.5.3 Die Architektur eines elektronischen Finanzplatzes
2.5.4 Muss-Kriterien für einen elektronischen Finanzplatz
2.5.5 Transaktionsphasen beim elektronischen Handel
2.5.5.1 Die Informationsphase
2.5.5.2 Die Order-Routingphase
2.5.5.3 Die Preisfeststellungsphase
2.5.5.4 Die Abwicklungsphase
2.6 Die Effizienz der Finanzmärkte
2.6.1 Die Informationseffizienz
2.6.2 Die Markttransparenz
2.6.3 Die Liquidität
2.6.4 Die Konsolidierung des Orderstromes
2.6.5 Die Preisstetigkeit
2.6.6 Die Integrität

3 Klassische Einflussfaktoren auf die Finanzmärkte
3.1 Der Wechselkurs
3.2 Die Konjunktur
3.3 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
3.4 Inflation und Deflation

4 Die Auswirkungen des Einsatzes von I.- u. K.-Technologie auf die internationalen Finanzmärkte
4.1 Die Globalisierung der Finanzmärkte
4.2 Die Auswirkungen der I.- u. K.-Technologie auf die Effizienz in den unterschiedlichen Handelsphasen
4.2.1 Die Informationsphase
4.2.2 Die Order-Routingphase
4.2.3 Die Preisfeststellungsphase
4.2.4 Die Abwicklungsphase
4.2.5 Praxisbeispiel Xetra
4.2.5.1 Grundprinzipien
4.2.5.2 Handelsteilnehmer
4.2.5.3 Orderformen
4.2.5.4 Die Handelsphasen
4.3 Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft
4.4 Die Inflation der Information
4.4.1 Die Information
4.4.2 Die Informationsverarbeitung
4.4.3 Der Zeitfaktor
4.4.4 Finanzmarkteffizienz
4.5 Die Auswirkungen der I.- u. K.-Technologie auf das Tätigkeitsfeld der Finanzintermediäre

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Angebot und Nachfrage an den Finanzmärkten

Abbildung 2: Die Hauptfunktion der Finanzintermediäre

Abbildung 3: Kapitalgeber und Kapitalnehmer an den Finanzmärkten

Abbildung 4: Die Handelsphasen

Abbildung 5: Einflussfaktoren der Globalisierung

Abbildung 6: Paradigmenwechsel

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Kaum etwas anderes hat die Gesellschaft rund um den Globus in den letzten Jahren so stark verändert, ja schon revolutioniert, wie die Informations- und Kommunikationstechnologie. Ob es nun die Fortschritte beim Handy, beim Computer, bei der Fotografie oder in der Datenübertragung sind, durch die innovativen Technologien ergeben sich völlig neue Perspektiven für die Menschheit.

Auch die Finanzmärkte sind im Zuge dieser Entwicklungen seit vielen Jahren von tiefgreifenden Veränderungen gekennzeichnet. Während die Märkte in der Vergangenheit lediglich von den klassischen Faktoren wie z.B. Wechselkurse, Konjunktur, Inflation etc. beeinflusst wurden, kommen nun Faktoren wie die Globalisierung, die Deregulierung und die Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie hinzu, die die Entwicklung der Märkte nachhaltig bestimmen. Die einzelnen Einflüsse und ihre Wechselwirkungen prägen die internationalen Finanzmärkte und sorgen für strukturelle Veränderungen.

Aufgrund der standardisierten Produkte (Aktien, Anleihen, Devisen, Fonds etc.) und Handelsprozesse scheinen die Finanzmärkte geradezu prädestiniert für eine Elektronisierung und Automatisierung. Durch die hohe Informationsintensität, die zur Analyse und Bewertung von finanztechnischen Konstellationen benötigt wird, gelten die Finanzmärkte schon von jeher als Pionieranwender informations- und kommunikationstechnischer Innovationen.

Durch innovative Techniken (z.B. Internet) der Informationsübertragung und der Liberalisierung der Finanzmärkte sind die Investoren nicht mehr länger an nationale Grenzen und Handelszeiten gebunden. Die hoch entwickelten Datennetzwerke machen es heute möglich, Informationen und riesige Datenmengen zwischen den Marktteilnehmern über Handels- und Informationssysteme kostengünstig, schnell und effizient zu übertragen. Dabei spielt es auch keine Rolle, wo sich der Marktteilnehmer gerade aufhält, da er nun ortsunabhängig agieren kann. Damit ist die Vorherrschaft institutioneller Investoren, der Banken oder Börsen gebrochen, denn nun kann jeder Privatanleger auf aktuelle Informationen zugreifen und auch blitzschnell darauf reagieren.

Die innovativen Technologien ermöglichen eine effiziente Abwicklung der Handelsgeschäfte und die Transaktionskosten werden nachhaltig gesenkt. Vom Orderrouting über die Preisfeststellung bis hin zur vollständigen Abwicklung kann alles mit modernster Technik automatisiert werden. Doch welche Konsequenzen haben diese Innovationen für die Märkte? Zwar initiiert die I.- u. K.-Technologie[1]positive Wirkungen wie die Vernetzung der Märkte, die Beschleunigung der Transaktionsvorgänge oder die Abwicklung hoher Transaktionsvolumina, doch etwaige negative Nebenwirkungen wie z.B. der mögliche Wegfall der Finanzmittler, die Destabilisierung des internationalen Finanzsystems oder mögliche Fehlallokationen sind in ihrer ganzen Breite noch nicht abzusehen. Einige Entwicklungstendenzen werden im Laufe dieser Arbeit aufgezeigt.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der Fortschritte in der I.- u. K.-Technologie auf die internationalen Finanzmärkte und ihrer Akteure aufzuzeigen. Ein besonderer Augenmerk wird auf die Globalisierung, die Handelsphasen, die (scheinbare) Abkoppelung der Finanz- von der Realwirtschaft, die Masse an Informationen und auf die Folgen für die Finanzmittler gelegt.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. In Kapitel 2 wird zunächst der Finanzmarkt mit seinen verschiedenen Funktionen beschrieben. Im Weiteren folgt eine Abgrenzung der unterschiedlichen Teilmärkte (Kapital-, Devisen-, Geld-, Terminmarkt) und die Vorstellung der Finanzmarktteilnehmer mit ihren verschiedenen Aufgaben. Die einzelnen Handelsphasen des Präsenzhandels werden detailliert dargestellt. Anschliessend wird erörtert, was unter einem elektronischen Finanzmarkt zu verstehen ist und welche Kriterien zu erfüllen sind, damit überhaupt von einem vollelektronischen Computerhandel gesprochen werden kann. Es folgt dann die Darstellung der Handelsphasen im Computerhandel. Das Ende des 2. Kapitels beschäftigt sich intensiv mit den verschiedenen Effizienzkriterien, die für die Finanzmärkte ganz elementar sind.

Kapitel 3 befasst sich ausschliesslich mit den klassischen Faktoren (Konjunktur, Wechselkurs, Bruttoinlandsprodukt, Inflation und Deflation), die auf die Finanzmärkte einwirken. Die Faktoren werden einzeln beschrieben und es wird aufgezeigt, inwiefern sie die Märkte beeinflussen.

Im 4. Kapitel geht es darum, welchen Einfluss die I.- u. K.-Technologie auf die internationalen Finanzmärkte nimmt. So werden die neuen Technologien maßgeblich für die Globalisierung der Finanzmärkte verantwortlich gemacht. Diese Globalisierungstendenzen beinhalten neben einigen positiven Aspekten, wie z.B. einer besseren Ressourcenallokation, jedoch auch Risikopotenziale, wie z.B. eine höhere Finanzmarktinstabilität. Die innovativen I.- u. K.-Systeme verändern ganz erheblich die Handelsphasen von Transaktionen. Am Phasenmodell eines Handelsgeschäftes (Informations-, Orderrouting-, Preisfeststellungs- und Abwicklungsphase) werden dann die Auswirkungen der Computerisierung bzw. Automatisierung, im besonderen Hinblick auf die Effizienz, analysiert. Es folgt ein Praxisbeispiel, das die vollelektronische Handelsplattform Xetra am Finanzplatz Frankfurt beschreibt. In diesem Beispiel wird u.a. auf die Grundprinzipien, die Handelsteilnehmer und die Handelsphasen eingegangen. Anschließend wird dann der Verdacht geprüft, inwieweit sich die Finanzwirtschaft, aufgrund hoher Finanzmarktpreise und hoher Volumina, von der Realwirtschaft abkoppelt bzw. abgekoppelt hat. Denn auch hier spielen die modernen Systeme der I.- u. K.-Technologie eine entscheidende Rolle, schließlich ermöglichen sie den ortsunabhängigen Handel (zu Echtzeitkursen), die Abwicklung sehr hoher Handelsvolumina bei sinkenden Transaktionskosten oder die Option sein Geld überall in der Welt investieren zu können. Ein weiterer Effekt, der sich durch die modernen Technologien mit ihren hoch entwickelten Übertragungstechniken ergibt, ist der einfache Zugang zu allen relevanten Informationen für eine Finanzinvestition. Doch die Masse an Informationen sorgt wiederum für Probleme bei der Informationsverarbeitung. Mit einer Analyse über die Auswirkungen von Technisierung und Automatisierung auf das Tätigkeitsfeld traditioneller Finanzmarktintermediäre schließt das 4. Kapitel ab.

Abschließend werden in Kapitel 5 die wichtigsten Ergebnisse und Konsequenzen der Arbeit zusammengefasst.

2 Der Finanzmarkt

In einer modernen Volkswirtschaft werden kaum noch Waren gegen Waren getauscht, d.h. es findet nur in Ausnahmefällen ein Naturaltausch statt. In aller Regel wird die Bereitstellung und Überlassung von Waren, Dienstleistungen oder anderen bewertbaren Rechten und Pflichten durch das Tauschmedium Geld vorgenommen. Deshalb besteht neben der Notwendigkeit des Gütertausches auch die Notwendigkeit des Tausches von finanziellen Mitteln, da die Wirtschaftssubjekte in bestimmten Perioden höhere Auszahlungen leisten wollen oder müssen, als ihnen Einzahlungen zukommen. Für sie entsteht also ein Finanzbedarf, d.h. sie benötigen finanzielle Mittel, um diesen Bedarf decken zu können. Zur gleichen Zeit fließen anderen Wirtschaftssubjekten mehr Einzahlungen zu, als sie an Auszahlungen zu leisten haben. Sie üben dann bspw. heute einen Konsumverzicht, um in zukünftigen Perioden Investitionen zu sichern. Für sie ergibt sich also ein Anlagebedarf, sofern sie bereit sind, ihre Überschüsse zugunsten des Finanzbedarfs anderer Wirtschaftssubjekte zur Verfügung zu stellen. Ebenso wie für Waren, Dienstleistungen oder andere bewertbare Güter entstehen so Märkte für den Tausch von finanziellen Mitteln. Diese werden als Finanzmärkte bezeichnet. Sie entstehen dort, wo sich Anbieter von und Nachfrager nach finanziellen Mitteln treffen. Die Nachfrager sind dabei bereit, für die heutige Überlassung finanzieller Mittel Zahlungen in der Zukunft zu leisten (z.B. Zinsen, Dividende, Rückzahlungen). Anbieter hingegen wollen ihre finanziellen Mittel, die sie heute nicht für Konsumzwecke oder Investitionen benötigen, in die Zukunft transferieren. Somit erfüllen die Finanzmärkte als wichtigste Aufgabe, die effiziente Allokation finanzieller Mittel.[2]

Grafisch lässt sich dieser Sachverhalt folgendermaßen darstellen:

Abbildung 1: Angebot und Nachfrage an den Finanzmärkten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

Finanzmärkte gehören heute zu den am schnellsten wachsenden Märkten überhaupt. Sie wandeln auf effiziente Art und Weise Ersparnisse in Investitionskapital um, das die Wirtschaft dringend zum Wachstum benötigt. Die Finanzmärkte verteilen die Chancen und Risiken auf Investoren, Unternehmen und Intermediäre (z.B. Banken, Investmentgesellschaften). Effiziente Finanzmärkte sind einer der Schlüsselfaktoren für zukünftiges Wachstum und Wohlstand.[3]

In der Realität ist es jedoch sehr schwierig, für einen konkreten Finanzbedarf gerade den geeigneten Partner zu finden, sodass ein direktes Verhandeln zwischen Anbietern und Nachfragern von bzw. nach finanziellen Mitteln mit einem überaus hohen Informationsbeschaffungsaufwand verbunden wäre. Da die finanziellen Mittel, im Gegensatz zu materiellen Gütern, die Eigenschaft besitzen, keinen materiellen Wert bzw. nur einen sehr viel geringeren als ihren Nennwert zu haben, verschärft sich die Situation von potenziellen Tauschpartnern. Die wichtigsten Kriterien, über die sich zwei potenzielle Partner einigen müssen, sind die Fristsetzung und das Volumen, zu denen der Tausch stattfinden soll. Bei der Vielzahl von Situationen, in denen ein Finanz- bzw. Anlagebedarf in einer Volkswirtschaft entsteht, ist jedoch ein direktes Verhandeln um die Konditionen für einen Tausch finanzieller Mittel zwischen den Tauschpartnern nur schwer vorstellbar. Deshalb werden Angebot und Nachfrage durch sog. Finanzintermediäre zusammengeführt. Im Allgemeinen handelt es sich hierbei um Banken und andere Finanzdienstleister. Sie versuchen, die Vorstellungen der Beteiligten bezüglich Fristen, Volumina und Risikoaufteilung zu harmonisieren. Da die Finanzintermediäre selbst sowohl als Anbieter als auch als Nachfrager an den Finanzmärkten auftreten, können sie die individuellen Zielsetzungen der Tauschpartner größtenteils in Übereinstimmung bringen.[4]

Zusammenfassend kristallisieren sich folgende Hauptfunktionen der Finanzmärkte heraus:

- Signalisierungs- und Kanalisierungsfunktion:Die Finanzmärkte signalisieren, wo die besten Renditen für das eingesetzte Kapital erzielt werden können. Das Kapital soll schließlich dort investiert werden, wo es am ertragreichsten ist.
- Risikoübertragungs- und Risikoverteilungsfunktion:Die Anleger werden ihr Kapital nur dann bei den ertragreichen Stellen investieren, wenn sie nicht zugleich überdurchschnittlich hohe Kapitalverlustrisiken zu tragen haben. Das Kapital fließt somit zur rentabelsten Stelle, wobei die Rendite stets risikobereinigt ist.
- Instrumentelle Funktion:Die Finanzmärkte sollten geeignete Instrumente hervorbringen, die sowohl den Wünschen der Investoren als auch den Wünschen der Kapitalnachfrager gerecht werden. Demnach sind sie dafür verantwortlich, dass geeignete Anlage- und Finanzierungsinstrumente auf dem Markt platziert werden.
- Interessenausgleichsfunktion:Die Finanzmärkte habe dafür zu sorgen, dass es zu einem fairen Interessenausgleich zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern kommt. Es sollen in jeglicher Hinsicht faire Wettbewerbsbedingungen herrschen.

2.1 Marktformen

Finanzmärkte bieten ihren Akteuren die Möglichkeit, Finanztitel zu erwerben und zu veräußern. Sie lassen sich dabei auf unterschiedliche Arten und Weisen klassifizieren und charakterisieren. Ihre Hauptaufgabe besteht sicherlich darin, die optimale Allokation von finanziellen Mitteln, in denen sie unter Rendite- und Risikoabwägungen den höchsten Nutzen erbringen, zu ermöglichen. Deshalb ist die Existenz funktionsfähiger Finanzmärkte für eine arbeitsteilige Wirtschaft unbedingt notwendig. Grundsätzlich haben an den Märkten (z.B. Wertpapierbörsen) nur Mitglieder, die ihre Mitgliedschaft und damit ein Mitentscheidungsrecht durch den Kauf eines Sitzes erwerben, eine Berechtigung zur direkten Handelsteilnahme. Alle übrigen „Handelswilligen“ schalten mindestens einen Finanzintermediär zur Ausführung ihrer Handelswünsche ein. Allgemein sind die Finanzmärkte durch eine starke Standardisierung gekennzeichnet. Dies bezieht sich sowohl auf die Charakteristika der Finanztitel (Laufzeit, Währung, Stückelung etc.) als auch auf die Handelsgeschäfte selbst. Hieraus folgt insbesondere eine größere Liquidität und höhere Preiseffizienz der an der Börse getätigten Geschäfte im Vergleich zu außerbörslichen Geschäften. Dieser außerbörsliche Over-The-Counter-Handel ist ein dezentralisierter Markt, in dem i.d.R. maßgeschneiderte Transaktionen direkt zwischen den Handelspartnern via Telefon oder via Computerkommunikation abgeschlossen werden. Für die Kontrakterfüllung sorgen die Handelsparteien des OTC-Handels unter Verwendung individueller Verträge selbst. Der Börsenhandel und der OTC-Handel haben auch gewisse Berührungspunkte. Zum einen fungieren OTC-Märkte als Vorläufer von Börsen, zum anderen ergänzen sich der OTC-Markt und der organisierte Handel, indem die Investoren ihren Bedarf an maßgeschneiderten Produkten am OTC-Markt decken.[5]

Je nach Fristigkeit der gehandelten Kontrakte wird zwischen einem Markt für kurzfristige, dem Geldmarkt, und einem Markt für längerfristige Geldanlagen und Kredite, dem Kapitalmarkt unterschieden. Voraussetzung für die Durchführung internationaler Geld- und Kapitalbewegungen sind funktionsfähige Devisenmärkte, die ein Bindeglied zwischen den internationalen Handelsströmen und den verschiedenen nationalen Währungen bilden. Eine weitere Unterteilung kann zwischen Kassa- und Terminmärkten gemacht werden. Kassamärkte (auch: Cash Markets, Spot Markets) sind insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass Vertragsabschluss und Geschäftserfüllung zeitlich zusammenfallen. Bei den Terminmärkten ist es hingegen so, dass die Geschäftserfüllung in der Zukunft liegt. Finanztermingeschäfte haben stets Bezug zu Kassamärkten, da das dem Termingeschäft zugrunde liegende Basisobjekt (z.B. Aktie) durch den Kassamarkt definiert wird. Im Folgenden werden die einzelnen Märkte noch näher beleuchtet.[6]

2.1.1 Der Kapitalmarkt

Die Kapitalmärkte nehmen als Transformationsmedium zwischen den volkswirtschaftlichen Größen Investition und Ersparnis eine sehr wichtige Rolle im Wirtschaftskreislauf ein. Mit ihrer Hilfe werden die Ersparnisse privater Haushalte, wie auch die Überschüsse von Unternehmen (z.B. Banken, Industrieunternehmen, Versicherungen etc.), bspw. anderen Unternehmen oder der öffentlichen Hand zugeführt. Das geschieht durch die Ausgabe (Emission) von Wertpapieren (z.B. Aktien und Anleihen). Die Finanzintermediäre (z.B. Banken, Kapitalbeteiligungsgesellschaften) platzieren die Wertpapiere auf den Markt (Primärmarkt). Unter Umständen ist es auch möglich, dass Teile des Emissionsvolumens direkt Großkunden zugeführt wird – dies geschieht dann auf den als Börsen organisierten Sekundärmärkten, die als Märkte für in den Verkehr gebrachte Wertpapiere eine wichtige Rolle spielen. Kapitalmärkte tragen somit erheblich zur Finanzierung privater und öffentlicher Unternehmen und Institutionen bei, denn die Emission von Wertpapieren (z.B. Aktien, Anleihen) erlaubt ihnen eine Kapitalbeschaffung zu meist günstigen Konditionen.[7]

2.1.2 Der Devisenmarkt

Die Hauptaufgabe der Devisenmärkte ist, über Kauf- und Verkaufsgeschäfte einen Bedarf oder Überschuss an Devisen auszugleichen, wobei es sich bei Devisen um Buchgeld ausländischer Währungen handelt. Notwendig wird dieser Ausgleich durch die Abwicklung des dienstleistungs- oder handelsbedingten internationalen Zahlungsverkehrs. Auch hier treten die Banken als Vermittler auf. Den Zentralbanken dient der Devisenmarkt zur Durchführung von Währungsstützungen mit Hilfe von Interventionen. Der größte Teil der Transaktionen entfällt jedoch auf den Interbankenhandel, d.h. auf die Gewinn orientierten Eigengeschäfte der Banken. Nach dem Erfüllungstermin lassen sich am Devisenmarkt Kassa-, Termin- und Swapgeschäfte unterscheiden. Während es am Kassamarkt sofort oder ganz kurzfristig (i.d.R. 2 Börsentage) zur Geschäftserfüllung kommt, ist bei den Termingeschäften die Lieferung bzw. Abnahme und Bezahlung der gehandelten Werte nicht sofort, sondern zu einem späteren, beim Geschäftsabschluss vereinbarten Zeitpunkt und zu einem fixierten Preis bzw. Kurs. Bei den Swapgeschäften handelt es sich um eine Koppelung von Kassa- und Termingeschäften.[8]

2.1.3 Der Geldmarkt

Der Geldmarkt ist der Markt für kurzfristige Anlagen (Tages- oder Termingelder). Tages- und Termingelder werden üblicherweise ohne die Noten- oder Zentralbanken (z.B. Europäische Zentralbank, Federal Reserve Bank) abgeschlossen, so dass sich die Geldmenge dieser Banken nicht ändert. Doch sie beeinflussen dem Markt direkt, durch die Teilnahme am Handel mit Geldmarktpapieren, und indirekt durch ihr, den jeweiligen Marktbedingungen angepasstes Instrumentarium (z.B. Mindestreservepolitik). Der Geldmarkt dient den Zentralbanken zur Durchsetzung ihrer geldpolitischen Ziele. In erster Linie erfüllt der Geldmarkt jedoch eine Liquiditätsausgleichsfunktion zwischen den Banken. Damit wird zugleich ermöglicht, notwendige liquide Mittel fristgerecht und zinsgünstig zu beschaffen oder überschüssige Mittel anzulegen. Mittlerweile hat sich der Geldmarkt zu einem professionellen Handelsmarkt entwickelt, an dem sich auch Industrieunternehmen und große Konzerne aus Liquiditäts- und Handelsaspekten engagieren.[9]

2.1.4 Der Terminmarkt

Durch die zunehmende Globalisierung des Handels mit seiner Abhängigkeit von weltweiten wirtschaftlichen und politischen Einflüssen, die schnell zu Volatilität mit erhöhten Kurs-, Zins- und Wechselkursveränderungen führen können, ist in gleichem Maße das Verlangen nach Absicherungsinstrumenten gestiegen. Dafür sind die an den Terminmärkten gehandelten Derivate hervorragend geeignet, denn hierbei handelt es sich nicht um eigenständige Anlageinstrumente, sondern um Rechte, deren Bewertung vornehmlich aus dem Preis und den Preisschwankungen und –erwartungen eines zugrunde liegenden Basisinstruments, z.B. Aktien, Anleihen oder Devisen, abgeleitet ist. Zu den Derivaten zählen alle Arten von Optionen, Futures und Swaps sowie die sog. hybriden Instrumente, die Elemente des Geld-, Kredit- und Kapitalmarktes miteinander verbinden. Außer zum Zwecke der Absicherung von Finanzpositionen können Transaktionen auch aus Spekulationsmotiven vorgenommen werden, denn gerade im Options- und Futurehandel ist es möglich, mit geringem finanziellem Einsatz hohe Gewinne zu erzielen, aber auch hohe Verluste zu erleiden.[10]

2.2 Finanzmärkte und Finanzplätze

Dem Begriff Finanzmarkt untergeordnet sind alle einzelnen Finanz- oder auch Börsenplätze. Hierbei handelt es sich um die einzelnen Handelszentren z.B. in London, Tokio, New York oder Frankfurt. Finanzmärkte sind Beziehungen zwischen Menschen, die Angebot und Nachfrage von Finanzdienstleistungen ausgleichen sollen. Diese Beziehungen kann man sich als ein Geflecht von dünnen Fäden vorstellen, das sich über den ganzen Erdball spannt. Nationale und internationale Finanzplätze sind dabei die Knotenpunkte, an denen überdurchschnittlich viele Fäden zusammenlaufen. Internationale Finanzplätze sind solche Knoten, deren Fäden sich über die Landesgrenzen hinaus spannen. Wie im Laufe dieser Arbeit noch verdeutlicht wird, werden die internationalen Finanzplätze immer bedeutender. An einem internationalen Finanzplatz sind sowohl die Herkunft als auch die Verwendung der Mittel international. Sie fungieren sozusagen als Drehscheibe der internationalen Kapitalallokation. Somit sind sie zentrale Standorte für hoch entwickelte Finanzmarktleistungen, welche die Funktion internationaler Marktplätze erfüllen, auf denen Investoren, Unternehmen und Institutionen Finanzinstrumente anbieten und erwerben können.[11]

2.3 Die Finanzmarktteilnehmer

Eine Vielzahl von Institutionen, Gruppen und Personen, die entweder aus dem Banken- oder Nichtbankensektor stammen, agieren direkt oder indirekt an den Finanzmärkten. Der Nichtbankensektor beinhaltet neben privaten und öffentlichen Haushalten auch alle Unternehmen, die keine Banken sind. Die Mitglieder des Bankensektors zählen jedoch ohne Zweifel zu den wichtigsten Finanzmarkteilnehmern. Nachfolgend werden nun jene Marktteilnehmergruppen vorgestellt, die jeweils verschiedene Funktionen im Handelsprozess wahrnehmen und damit zugleich unterschiedliche Interessen repräsentieren.[12]

2.3.1 Finanzintermediäre als Anbieter von Finanzdienstleistungen

Wie bereits beschrieben, handelt es sich bei den Finanzintermediären um Wirtschaftssubjekte, die primär Finanztransformationen tätigen. Da es in der Regel bei den potenziellen Kontraktparteien divergierende Vorstellungen über z.B. Fristen, Renditen oder Losgrößen der Kapitalaufnahme bzw. –anlage gibt, vollziehen sich Transaktionen zwischen den einzelnen Wirtschaftssubjekten oftmals nicht direkt zwischen Kapitalanbietern und -nachfragern, sondern erst durch Zwischenschaltung von Finanzintermediären. Darüber hinaus erbringen Finanzintermediäre auch ein Wissenstransfer durch Ausübung einer Beratungsfunktion und sie entwickeln neue Finanzprodukte.[13]

Neben den traditionellen Institutionen des Finanzdienstleistungssektors, wie den Banken, Investmentgesellschaften, Börsen und Versicherungen, treten zunehmend Finanzintermediäre in den Markt, die bisher sehr wenig mit diesem Geschäft zu tun hatten. Zu ihnen zählen z.B. Leasinggesellschaften, Kapitalbeteiligungsgesellschaften Nachrichtenagenturen oder Bausparkassen. Finanzintermediäre haben die wichtige Aufgabe, die Ineffizienzen des Marktes zu verringern und somit Angebot und Nachfrage zusammenzuführen und die Transaktionskosten zu senken. In dem folgenden Schaubild werden die Hauptfunktionen der Finanzintermediäre anhand von Beispielen verdeutlicht:

Abbildung 2: Die Hauptfunktionen der Finanzintermediäre

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Sauermann, H., Finanzintermediäre und Kapitalmarkteffizienz, 2000, S. 6.

2.3.2 Kapitalgeber und Kapitalnehmer

Kapitalgeber sind Wirtschaftssubjekte, die anderen Wirtschaftssubjekten das Verfügungsrecht über eigene finanzielle Mittel gewähren. Grundsätzlich kommen als Auftraggeber sowohl institutionelle als auch private Investoren (Haushalte, Unternehmen) in Betracht. Den privaten Anlegern stiftet die Nachfrage nach Finanztiteln keinen unmittelbaren Konsumnutzen. Die Nachfrage nach Finanztiteln hat vielmehr den Sinn, den persönlichen Lebenskonsum von Realgütern oder Dienstleistungen in die Zukunft zu transferieren (Sparen), etwa im Hinblick auf die Schaffung eines Vermögens. Unter den institutionellen Investoren sind private Unternehmen, öffentliche Institutionen (z.B. Gebietskörperschaften) sowie private Organisationen ohne Erwerbszweck (z.B. Kirchen, Stiftungen) zu verstehen. Dabei fragen Produktionsunternehmen und öffentliche Institutionen primär deshalb Finanztitel nach, um temporär auftretende oder notwendige Liquiditätsbestände kurzfristig Ertrag bringend anzulegen. Die wichtigsten institutionellen Investoren stammen jedoch aus dem Finanzsektor, hierzu zählen Kapitalanlagegesellschaften, Banken und Versicherungsunternehmen.[14]

Zu den Kapitalnehmern gehören Wirtschaftsunternehmen und auch staatliche Institutionen, die ihre Investitionen finanzieren müssen. Neben die Innenfinanzierung von Investitionen etwa durch einbehaltene Gewinne (Selbstfinanzierung), treten hierbei die Möglichkeiten einer Außenfinanzierung durch Zuführung finanzieller Mittel externer Kapitalgeber. Dies geschieht etwa in Form einer Beteiligungsfinanzierung (z.B. Ausgabe von Aktien) oder in Form einer Fremdfinanzierung, etwa durch Aufnahme von Bankkrediten oder die Ausgabe von Schuldverschreibungen.[15]

In der folgenden Grafik sind Kapitalgeber und Kapitalnehmer in übersichtlicher Form dargestellt:

Abbildung 3: Kapitalgeber und Kapitalnehmer an den Finanzmärkten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Albrecht, P., Maurer, R., Investment- und Risikomanagement, 2002, S. 6.

2.3.3 Betreiber der Handelsplattformen

Als weitere Gruppe sind die Betreiber der Handelsplattformen zu nennen. Hierbei handelt es sich um jene Personen, die als Organisationsmitglieder ein Mitentscheidungsrecht für die Gestaltung der Handelsplattform erwerben und so die Struktur erheblich beeinflussen können. Bspw. können diese Personen im Entscheidungsprozess für bzw. gegen eine Computerisierung und Automatisierung des Handelsplatzes ihre persönlichen Interessen unmittelbar einbringen.[16]

2.4 Die Handelsphasen

Eine Transaktion lässt sich in vier unterschiedliche Transaktions- oder Handelsphasen unterteilen. Die folgenden Ausführungen beschreiben die Prozesse in den einzelnen Phasen und es wird zunächst nicht darauf eingegangen, wie einzelne Schritte mit Hilfe der I.- u. K.-Technologie automatisiert werden könnten. Nach der ablauforientierten Sichtweise lässt sich der Handelsablauf in die Informations-, Orderrouting-, Abschluss- und Abwicklungsphase gliedern. In der folgenden Grafik wird dieser Prozess verdeutlicht::

Abbildung 4: Die Handelsphasen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Picot, A., Bortenlänger, Chr., Röhrl, H., Börsen im Wandel, 1996, S. 16.

Jede Phase weist spezifische Informations- und Kommunikationsbedürfnisse auf, die jeweils der Erfüllung einer Teilaufgabe des Handelsprozesses dienen. Diese Bedürfnisse verursachen Kosten, die allgemein als Tranksaktionskosten bezeichnet werden. Transaktionskosten umfassen alle Opfer und Nachteile, die von den Tauschpartnern zur Verwirklichung des Leistungsaustausches zu tragen sind. Sie treten üblicherweise als Anbahnungskosten (Such- und Informationskosten), Vereinbahrungskosten (Verhandlungs-, Beratungs-, Entscheidungs- und Abstimmungskosten), Abwicklungskosten (Transaktionsgebühren, Registrierungskosten) oder als Kontroll- und Anpassungskosten (Qualitäts- und Terminüberwachung) auf. Während diese vier Kostenarten monetärer Natur sind, gibt es zusätzlich noch Kosten, die schwer quantifizierbar sind. Hier sind etwa die Opportunitätskosten, welche dann auftreten, wenn die Wahl nicht auf die bestmögliche der am Markt vorhandenen Lösungen fällt. Ausserdem verursachen auch Zeit und Mühe Kosten, die nur bedingt zu quantifizieren sind.[17]

2.4.1 Die Informationsphase

Die Informationsphase dient dem Investor zur Gewinnung der, seiner Risikoneigung und seinem Anspruchsniveau entsprechenden, Menge und Güte an Informationen, die er bei der Entscheidungsfindung benötigt. So werden beispielsweise Aktienkäufe und –verkäufe aufgrund von Informationen bezüglich Geschäftsverlauf, Einführung neuer Produkte, Managementwechsel, Strategieformulierung etc. getätigt. Da diese Informationen direkt als Auslöser von Handelsentscheidungen gelten, kommt der Informationsphase eine elementare Bedeutung zu. Die Informationsphase umfasst alle auf eine Handelsentscheidung gerichteten Aktivitäten eines Anlegers zur Informationsbeschaffung, -lagerung/-speicherung, -verarbeitung, und -bewertung. Die Informationen können bspw. in Form von Chartanalysen, Gewinnprognosen, Anlageempfehlungen, Ad-hoc Meldungen[18]etc. auftreten.[19]

2.4.2 Die Order-Routingphase

In der Order-Routingphase wird der Kauf- bzw. Verkaufsauftrag an den gewünschten Ort geleitet. Dies geschieht durch den Investor selbst oder durch einen Intermediär (Bank, Broker etc.). Der Auftrag des Investors wird hier als Order bezeichnet. Eine Order beinhaltet alle für einen Handelsabschluss erforderlichen Daten, wie etwa die genaue Bezeichnung des Wertpapiers (Wertpapierkennnummer), die gewünschte Menge, bestimmte Limitierungen, den Namen und die Kontoverbindung des Auftraggebers.[20]

2.4.3 Die Preisfeststellungsphase

Während der Preisfeststellungsphase erfolgt die eigentliche Ausführung der Transaktion, indem ein Gegenauftrag gefunden oder ein Börsenhändler zum Handelspartner wird. Die mit dem Abschluss des Verpflichtungsgeschäftes einhergehende Preisfestsetzung ist als Herzstück des Handels zu bezeichnen.[21]

2.4.4 Die Abwicklungsphase

In dieser Phase wird die getätigte Transaktion bestätigt und abgerechnet. Die Abwicklung umfasst die international gebräuchlichen Begriffe „Clearing“ und „Settlement“. Beim Clearing erfolgt die Ermittlung der gegenseitigen Schuld der Vertragparteien. Das Settlement (Regulierung) beinhaltet die Erfüllung des Geschäfts hinsichtlich der Lieferung der Wertpapiere sowie der Zahlung der Kaufsumme.[22]Das Abwicklungsprozedere einer Handelstransaktion umfasst zusammenfassend folgende Punkte:

- Die Handelsparteien erhalten eine Bestätigung ihrer Transaktion.
- Die Zahlungsverpflichtungen der Vertragspartner, die direkt aus dem Abschluss resultieren, werden ermittelt (=Clearing).
- Das Settlement (Abwicklung i.e.S.) am Abwicklungstag, welches die Erfüllung der monetären Verpflichtung des Käufers und die titelmäßige Abwicklung der Transaktion beinhaltet.[23]

Für den Investor ist neben der Sicherheit für die korrekte Einhaltung der Abwicklungsvereinbarungen die Frist zwischen Transaktionsabschluss und Transaktionserfüllung der wesentliche Faktor für die Qualität des Abwicklungssystems, da eine schnelle Erfüllungsfrist die Kapitalbindung verkürzt.[24]

Bei dem konventionellen, nicht automatisierten Präsenzhandel kommt es zu einer Vielzahl von Schnittstellen. Die entscheidenden Informationen werden von unterschiedlichen Personen in mehreren Arbeitsschritten an die jeweiligen Empfänger weitergeleitet. Zunächst spricht der Kunde mit einem Broker, dieser ruft auf dem Parkett an, wo ein Mitarbeiter die Order entgegennimmt und sie per Handsignal oder Zuruf an den Makler weiterleitet. Der Makler führt den Auftrag aus, bevor die relevanten Informationen vom Handelsplatz an das Backoffice[25]weitergeleitet werden. Im Backoffice wird dann die Richtigkeit der Angaben geprüft und der Buchungsvorgang eingeleitet. Auf diese Weise vergeht bis zum endgültigen Abschluss der Transaktion sehr viel Zeit, bei einer hohen Personalintensität.[26]

Der Präsenzhandel schuf vor allem in den 1990er Jahren einen „erbarmungslosen“ Finanzmarkt mit der starken Tendenz, die Preise für Maklerdienstleistungen zu drücken. Dies führte schließlich zum Aufbrechen des Präsenzhandelssystems. Sobald eine technologische Alternative zur Verfügung stand, setzte – selbst wenn sie noch der alten Methode unterlegen war – eine Flucht in den elektronischen Handel ein. Vereinfacht gesagt, katapultierte sich der Präsenzhandel selbst aus dem Markt und der Weg für den elektronischen Markt war geebnet.[27]

2.5 Der elektronische Finanzmarkt

Grundsätzlich handelt es sich bei einem elektronischen Markt um ein mittels der I.- u. K.-Technologie realisierten virtuellen Platz des Tausches. Die primäre Funktion des Marktes ist dabei die Unterstützung der Handelspartner, die sowohl Menschen als auch Softwaresysteme sein können. Von einem elektronischen Markt im engeren Sinne wird gesprochen, wenn alle Transaktionsphasen integriert sind.[28]Finanzmärkte und Elektronisierung sind mittlerweile zwei Begriffe, die nicht mehr voneinander zu trennen sind. Die Finanzmärkte kann man sich heute ohne die modernen Computersysteme nicht mehr vorstellen.

2.5.1 Was ist ein elektronischer Finanzmarkt?

Von einem elektronischen Finanzmarkt[29]wird gesprochen, wenn die Marktteilnehmer z.B. Wertpapiere oder Devisen mit Hilfe von Computersystemen handeln können, ohne persönlich oder telefonisch Kontakt zu treten. Die klassische Form, die lange Zeit die Finanzmärkte dominierte, war der Parkett- oder Präsenzhandel. Hier wurde noch auf Zuruf gehandelt und es herrschten oft tumultartige Zustände. Heutzutage sind die Händler beim Präsenzhandel zwar noch zu festen Zeiten auf dem Parkett anwesend und kommunizieren miteinander, doch der Handel läuft weitestgehend über Computersysteme. So wird auch in Deutschland (z.B. Frankfurt, Hamburg, München), in Europa oder an der Wall Street in New York ein großer Teil der Geschäfte in Form des Präsenzhandels mit Computerunterstützung abgewickelt. Von einer reinen Computerbörse spricht man, wenn die Händler ihre Geschäfte über die Computernetzwerke abwickeln können, ohne dass sie physisch anwesend sein müssen und auch ohne dass sie mit anderen Händlern Kontakt aufnehmen müssen. Die Transaktionen werden also vollständig über das Computersystem abgewickelt. Der Begriff Computerbörse wird aber auch für Börsen verwendet, die Computer zur Unterstützung des Präsenz- und Telefonhandels einsetzten.[30]Insofern müssen drei Arten von Computerbörsen differenziert werden:

- Computerunterstützter Handel:Die Transaktionen erfolgen durch direkten Kontakt zwischen den Händlern. Die Computer werden nur zum Weiterleiten von Aufträgen an die Börse, zur Abwicklung bereits abgeschlossener Geschäfte oder anderer technischer Transaktionen verwendet.
- Computergestützter Handel:Die Handelsgeschäfte erfolgen weiterhin durch direkte Kommunikation zwischen Käufer und Verkäufer. Die Computer werden hier als Informationssystem verwendet, in das die Händler die von ihnen getätigten Umsätze und Kurse eingeben. Damit stehen die aktuellen Preise und Umsätze stets allen Marktteilnehmern zur Verfügung.
- Computerhandel:Die Marktteilnehmer haben keinen direkten Kontakt zueinander. Verbindliche Kauf- und Verkaufsangebote sowie der eigentliche Geschäftsabschluss werden lediglich über den Computer abgewickelt.[31]

Beim Computerhandel wird die Technisierung auf die zentrale Börsenfunktion, die Feststellung des aktuellen Marktpreises, ausgedehnt. Das System ermittelt die Marktpreise auf der Grundlage aller eingegebenen Aufträge. Damit entfällt die Schnittstelle zwischen Orderpräsentation und Matching[32], in der der Mensch im Rahmen der Kursermittlung und des Kursaushandelns ohne Computersysteme aktiv wird und damit Angebot und Nachfrage zusammenführt. Eine in das Computersystem integrierte Clearingstelle kann zudem die komplette Abwicklung der Abschlüsse übernehmen.[33]

2.5.2 Anforderungen an elektronische Finanzplätze

Grundsätzlich ist es die Aufgabe der Finanzplätze, eine effiziente und vertrauenswürdige Infrastruktur für die Teilnehmer bereitzustellen. Ebenfalls muss die Organisation für die Überwachung der Marktaktivitäten und die faire Behandlung aller Markteilnehmer gewährleisten.

2.5.2.1 Verfügbarkeit

An die elektronischen Finanzplätze sind sehr strenge Anforderungen bezüglich der Verfügbarkeit des Gesamtsystems zu stellen. Die Verfügbarkeit darf sich nicht nur auf den zentralen Rechner beschränken, sondern muss für das gesamte System gelten. Für einen elektronischen Finanzplatz bedeutet dies konkret, dass

- Transaktionen nie verloren gehen dürfen,
- Transaktionen zur besseren Überwachung und Kontrolle im zentralen Rechner ausgeführt werden müssen, sofern ein korrespondierender Gegenauftrag vorhanden ist und
- nicht nur die Hardware, sondern auch die gesamte Applikation Fehler tolerant sein muss.

2.5.2.2 Sicherheit

Grundvoraussetzung für ein elektronisches Handelssystem ist die Sicherheit. Nur wenn dem System hinsichtlich der Sicherheit vertraut werden kann, wird es sich etablieren können. Es müssen organisatorische und technische Vorkehrungen getroffen werden, um die folgenden Anforderungen im Hinblick auf die Sicherheit erfüllen zu können:

Gewähren des Zugangs nur für legitimierte Benutzer;

Verschlüsselung aller Daten;

Möglichkeit der jederzeitigen, lückenlosen Zurückverfolgung aller Transaktionen (zusätzliche Speicherung auf externen Medien).

Diese Verfügbarkeits- und Sicherheitsanforderungen sind notwendige Bestandteile eines fairen elektronischen Finanzplatzes. Dabei sind einerseits organisatorische Maßnahmen seitens des Informatikmanagements zur Erfüllung der beschriebenen Anforderungen zu treffen und andererseits technische Maßnahmen (z.B. Verschlüsselungstechniken) zu implementieren.[34]

2.5.3 Die Architektur eines elektronischen Finanzplatzes

Die Architektur eines elektronischen Finanzplatzes besteht aus drei Hauptkomponenten:

- Zentrale Rechner (Database Services);
- Netzwerk (Routing Services);
- Händlersystem (Trader Services);

Die zentralen Rechner haben die Verantwortung für die Verarbeitung des Handels. Die Preise werden aufgrund von Angebot und Nachfrage ermittelt. Weiter werden Informationen zur Unterstützung der Börsenhändler von ihnen zur Verfügung gestellt. Zu den Aufgaben der zentralen Rechner gehören aber auch andere Applikationen wie Clearing, Settlement oder Kontrolle sowie die Aufbewahrung aller Daten. Das Netzwerk verbindet die zentralen Rechner mit dem Händlersystem und hat damit die Aufgabe, für die Übermittlung und die sichere Ausführung der Transaktionen zu sorgen. Außerdem soll es garantieren, dass alle Teilnehmer des elektronischen Finanzplatzes fair und zeitlich gleich, unabhängig von ihrer geografischen Entfernung zum zentralen System, behandelt werden. Im Händlersystem sind die Arbeitsstationen der einzelnen Händler integriert. Hier geben sie ihre Aufträge ein. Außerdem können die Händler das Börsengeschehen und andere relevante Informationen am Bildschirm verfolgen und die bereits getätigten Abschlüsse und eingegebenen Aufträge einsehen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, Berichte über das aktuelle Tagesgeschehen zu generieren und auszudrucken.[35]

2.5.4 Muss-Kriterien für einen elektronischen Finanzplatz

Weltweit kämpfen die einzelnen Finanzplätze um größere Marktanteile. Um ein attraktiver, kostengünstiger und starker Finanzplatz zu sein, braucht es heutzutage unbedingt den Einsatz moderner I.- u. K.-Technologie. Hier die wichtigsten Punkte, die für einen elektronischen Finanzplatz grundlegend sind:

Die Veröffentlichung aller börsenrelevanten Daten – die Transparenz des Marktes – ist sowohl für die Händler als auch für die Investoren von größter Bedeutung. Für die Händler bedeuten identische Informationen zur gleichen Zeit Chancengleichheit und damit faire Bedingungen. Der Investor möchte - gut informiert - Investitionsentscheidungen treffen und auch die Ausführung des Börsenauftrages nachvollziehen können. Das gesamte Handelsvolumen sowie die Preisbestimmung müssen sichtbar und nachvollziehbar sein. Je besser die Transparenz des Finanzplatzes, desto größer ist das Vertrauen in ihn.

Ein hoher Automatisierungsgrad an den elektronischen Finanzplätzen hilft, den Bearbeitungsaufwand zu reduzieren. Dies liegt im Interesse eines jeden Anlegers, denn schliesslich werden dadurch auch die Kosten gesenkt.

In dem elektronischen Handel muss auch die automatisierte Abwicklung (Settlement) integriert sein.

Der elektronische Finanzplatz muss Prinzipien verfolgen und Infrastrukturen bereitstellen, die die Gleichbehandlung aller Börsenmitglieder garantieren und die Fairness in jeder Beziehung sicherstellen.

[...]


[1]Informations- und Kommunikationstechnologie.

[2]Vgl. Weinhardt, Chr., Financial Engineering und Informationstechnologie, 1995, S. 9.

[3]Gerke, W. (Hg.), Die Börse der Zukunft, 1997, S. 3.

[4]Vgl. Weinhardt, Chr., Financial Engineering und Informationstechnologie, 1995, S. 9 f.

[5]Vgl. Picot, A., Bortenlänger, Chr., Röhrl, H., Börsen im Wandel, 1996, S. 13.

[6]Vgl. Albrecht, P., Maurer, R., Investment- und Risikomanagement, 2002, S. 11 f.

[7]Vgl. Paulsen, W., Internationalisierung und Technisierung der Finanzmärkte, 1994, S. 15 f.

[8]Vgl. Paulsen, W., Internationalisierung und Technisierung der Finanzmärkte, 1994, S. 14 ff.

[9]Vgl. Beyer, H.-T., Bestmann, U., Finanzlexikon, 1989, S. 117.

[10]Vgl. Paulsen, W., Internationalisierung und Technisierung der Finanzmärkte, 1994, S. 14 ff.

[11]Vgl. Abel, K. Globalisierung der internationalen Finanzmärkte unter besonderer Berücksichtigung des Börsenwesens, 1998, S. 74 f.

[12]Vgl. o.V., Einflussfaktoren und deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte, o.J., S. 6.

[13]Vgl. Albrecht, P., Maurer, R., Investment- und Risikomanagement, 2002, S. 9.

[14]Vgl. Albrecht, P., Maurer, R., Investment- und Risikomanagement, 2002, S. 6.

[15]Vgl. Albrecht, P., Maurer, R., Investment- und Risikomanagement, 2002, S. 7 f.

[16]Vgl. Picot, A., Bortenlänger, Chr., Röhrl, H., Börsen im Wandel, 1996, S. 15.

[17]Vgl. Mutter, D., Finanzportale im Internet, 2003, S. 21.

[18]Ad-hoc Meldung: Kurzfristige Veröffentlichung.

[19]Vgl. o.V., Kapitalmarkt und Effektenbörsen, o.J., S. 10.

[20]Vgl. o.V., Kapitalmarkt und Effektenbörsen, o.J., S. 10 f.

[21]Vgl. Picot, A., Bortenlänger, Chr., Röhrl, H., Börsen im Wandel, 1996, S. 17.

[22]Vgl. Abel, K., Globalisierung der internationalen Finanzmärkte unter besonderer Berücksichtigung des Börsenwesens, 1998, S. 142.

[23]Vgl. o.V., Kapitalmarkt und Effektenbörsen, o.J., S. 10 f.

[24]Vgl. Abel, K., Globalisierung der internationalen Finanzmärkte unter besonderer Berücksichtigung des Börsenwesens, 1998, S. 142.

[25]Der Begriff Backoffice beinhaltet die Prozesse, die im Hintergrund ablaufen (z.B. Erstellen der Abrechnung, Buchungsvorgänge etc.).

[26]Vgl. o.V., Kapitalmarkt und Effektenbörsen, o.J., S. 12.

[27]Vgl. Theys, Th., Young, P., Revolution im Kapitalmarkt, 2000, S. 25.

[28]Vgl. Müller, H., Elektronische Märkte im Internet, 1999, S. 213.

[29]Synonym werden künftig auch die Begriffe Computerbörse und elektronische Börse verwandt.

[30]Vgl. Dittmar, Th., Horstmann, R., IV-Unterstützung für interne Märkte im Handelsbereich von Kreditinstituten, o.J., S. 9.

[31]Vgl. o.V., Börsen ABC, Platow, o.J., o.S.

[32]Zusammenführen von Kauf- und Verkaufsaufträgen.

[33]Vgl. Paulsen, W., Internationalisierung und Technisierung der Finanzmärkte, 1994, S. 14 ff.

[34]Vgl. Gut, A., Fairness in Netzwerken am Beispiel einer elektronischen Börse, 1997, S. 41 f.

[35]Vgl. Gut, A., Fairness in Netzwerken am Beispiel einer elektronischen Börse, 1997, S. 27 f.

Details

Seiten
101
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783836620772
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226262
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Wirtschaftspädagogik, Studiengang Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
finanzmarkt informationstechnologie globalisierung realwirtschaft finanzwirtschaft

Autor

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Titel: Einfluss der Informationstechnologie auf die internationalen Finanzmärkte