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Regionalentwicklung in Brandenburg

Brandenburger zwischen Clusterbildung und ländlichem Raum

Diplomarbeit 2002 89 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung und Vorgehensweise

2. Definitorische Grundlagen und Abgrenzungen
2.1 Regionen – Basiseinheiten der Regionalpolitik
2.2 Regionale Disparitäten - Ausgangspunkt der Regionalpolitik

3. Theorie der Regionalpolitik
3.1 Bestimmungsfaktoren der Regionalentwicklung
3.1.1 Transportkosten
3.1.2 Interne Ersparnisse
3.1.3 Externe Effekte
3.1.4 Kosten der Produktionsfaktoren
3.2 Regionalpolitische Konzeptionen
3.2.1 Theorie der zentralen Orte
3.2.2 Regionale Polarisationstheorie
3.2.3 Theorie der Infrastruktur
3.2.4 Exportbasis-Theorie
3.2.5 Neue Regionaltheorie
3.2.6 Konzept der „industrial districts“
3.2.7 „Innovativer Milieu“ Ansatz
3.2.8 Konzept der regionalen Kompetenzzentren
3.2.9 Cluster-Ansatz
3.2.10 Wertung der Theorien
3.3 Regionalpolitik - Definition und Positionsbestimmung
3.3.1 Nationale Regionalpolitik für Ostdeutschland
3.3.2 Europäische Regionalpolitik für Ostdeutschland

4. Regionalentwicklung in Brandenburg
4.1 Brandenburgs Leitbild der dezentralen Konzentration
4.2 Entwicklung und Disparitäten in Brandenburg
4.2.1 Bevölkerungsentwicklung
4.2.2 Entwicklung der Branchen- und Erwerbstätigenstruktur, Erwerbstätig- und Arbeitslosigkeit
4.2.3 Außenhandel
4.2.4 Wirtschaftswachstum
4.2.5 Effizienz der Wirtschaftsförderung
4.3 Handlungsempfehlungen
4.3.1 Polarisationstheorien und Infrastruktur
4.3.2 Cluster und innovative Netzwerke
4.3.3 Weitere Aspekte

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Gesamtsystem

Abb. 2: Zielbeziehungen der Regionalpolitik

Abb. 3: Raumordnerisches Leitbild der dezentralen Konzentration und Planungsregionen in Brandenburg

Abb. 4: Bevölkerungsentwicklung in Brandenburg 2000 bis 2015 in Prozent

Abb. 5: Betriebe in Brandenburg nach Betriebsgrößenklassen 2000

Abb. 6: Branchenstruktur Brandenburgs im engeren Verflechtungs- und äußeren Entwicklungsraum 1996

Abb. 7: Erwerbstätigenstruktur Brandenburgs im engeren Verflechtungs- und im äußeren Entwicklungsraum 1997

Abb. 8: Entwicklung der Arbeitslosigkeit im engeren Verfechtungs- und äußeren Entwicklungsraum 1995 bis 2001

Abb. 9: Struktur der Exporte der gewerblichen Wirtschaft Brandenburgs und Deutschlands 1999 in Prozent

Abb. 10: Anteil der Landkreise am BIP im Land Brandenburg 2000

Abb. 11: Saldo der Gewerbeanzeigen im Land Brandenburg 1999 bis 2001 nach wichtigen Wirtschaftszweigen

Abb. 12: Investitions- und Fördermittelvolumen für die gewerbliche Wirtschaft im Rahmen der GA (in Mio. DM) und Förderquoten nach Landkreisen und kreisfreien Städten in Brandenburg 1995 bis 2000

Abb. 13: Förderung je neu geschaffenem oder erhaltenen Arbeitsplatz (in DM) nach Landkreisen und kreisfreien Städten in Brandenburg 1995 bis 2000

1. Problemstellung und Vorgehensweise

Mehr als elf Jahre nach der politischen und wirtschaftlichen Vereinigung Deutschlands, scheinen die Unterschiede zwischen den beiden Teilen Deutschlands mehr als groß. Von einem einheitlichen Deutschland kann noch lange nicht gesprochen werden. Während die alten Bundesländer sich langsam dem Ende ihrer Wohlstandsphase bewusst werden, ist der Osten gerade bzw. immer noch dabei die Grundlagen für eine eigenständige und tragfähige Wirtschaft aufzubauen.

Trotz des, nunmehr als abgeschlossen betrachteten, wirtschaftlichen Transformationsprozesses zwischen den alten und neuen Bundesländern sind drei Aussagen über die verschiedenen politischen und theoretischen Lager hinweg Konsens:

1. in den NBL existiert keine selbsttragende Wirtschaft und diese ist mittelfristig auch nicht zu erwarten,
2. es ist für lange Zeit festgelegt, dass wichtige Entscheidungen für die wirtschaftliche Entwicklung außerhalb Ostdeutschlands getroffen werden und
3. die Unterschiede zwischen den ostdeutschen Regionen zu-nehmen.[1]

Sämtliche Analogien zu vergangenen Zeiten[2], anderen Ländern[3] und Zukunftsvisionen[4] haben verdeutlicht, das theoretische Bezüge weitgehend fehlen. Durch das Fehlen der Erklärungsansätze für die Entstehung der regionalen Disparitäten können wirtschafts- und regionalpolitische Implikationen kaum gewonnen werden.

Um aber die, trotz dessen, bereits bestehenden und angewandten regionalpolitischen Maßnahmen, von nationaler und europäischer Ebene, zu beurteilen und möglichst effektiv einzusetzen, ist eine Einordnung der räumlichen Entwicklungsprozesse der neuen Bundesländer in die Theorien der Regionalökonomik unerlässlich.

Daraus ergeben sich die zentralen Fragestellungen dieser Arbeit:

a) Welche regionalökonomischen Theorien liefern Erklärungsansätze für die bestehenden Ungleichgewichte innerhalb von Regionen?

b) Welche Implikationen ergeben sich daraus für wirksame regionalpolitische Handlungsansätze?

Die Handlungsansätze sollen anhand Brandenburgs auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden. Brandenburg ist, als Einziges der neuen Bundesländer konfrontiert mit dem Spannungsverhältnis zwischen Berlin als Agglomerationsraum und dem extrem dünn besiedelten ländlichen Räumen.

Um die eben genannten Fragen zu beantworten, werden zunächst begriffliche Grundlagen geklärt. Das darauf folgende Kapitel soll sich mit der Theorie der Regionalpolitik beschäftigen. Dort werden neben den Bestimmungsfaktoren auch einige bestehende Theorien zur Regionalentwicklung vorgestellt. Nach der Vermittlung von Kenntnissen zur nationalen und europäischen Regionalpolitik werden die regionalpolitischen Grundsätze Brandenburgs vorgestellt. Es wird auf die bestehenden Disparitäten im Vergleich zu Deutschland, den neuen Bundesländern und Berlin sowie innerhalb Brandenburgs eingegangen. Im Anschluss daran werden Handlungsempfehlungen für die brandenburgische Regionalpolitik gegeben. Abschließend werden die Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst.

2. Definitorische Grundlagen und Abgrenzungen

Diese Arbeit baut wie in Kapitel 1 schon dargestellt auf das Bestehen von Regionen und den zwischen ihnen bestehenden Ungleichgewichten auf. Daher soll dieses Kapitel die Begriffe Regionen und Regionale Disparitäten näher beleuchten.

2.1 Regionen – Basiseinheiten der Regionalpolitik

Der Begriff Region wird in unserem heutigen Sprachgebrauch in den verschiedensten Zusammenhängen verwendet. „Im allgemeinen kann unter einer Region ein durch bestimmte Merkmale gekennzeichneter, zusammenhängender Teilraum mittlerer Größenordnung in einem Gesamtraum verstanden werden. Dabei bildet der Begriff im alltäglichen Sprachgebrauch eine zwischengelagerte Ebene über der örtlichen, aber unterhalb der staatlichen Ebene ab. In Deutschland wird im allgemeinen eine Region als ein Raum der kleiner als ein Bundesland, aber größer als ein Landkreis bzw. eine Kommune ist verstanden.“[5]

Regionen können historisch gewachsene, kulturell und wirtschaftlich verflochtene Räume sein, die sich unabhängig von Landes-, Kreis- und Gemeindegrenzen herausbilden. Sie können durch differenzierte und spezifische Ausgangsbedingungen gekennzeichnet sein, da sie unterschiedliche Potentiale in Bezug auf Wirtschaft, Infrastruktur, Arbeitsmarkt, Ausbildung, Umwelt, Natur usw. besitzen.[6]

Der Begriff Region wird aber auch als politisch-administrativer Raum (Verwaltungseinheit), als planerisch-analytisches Element (Arbeitsmarkt-region, Raumordnungsregion), als grenzüberschreitender Raum (EU-Region), aber auch als Synonym für Heimat, Sprache und Landschaft verwendet. Wissenschaftlich werden Regionen im Hinblick auf ein speziell zu untersuchendes Problem abstrakt abgegrenzt.[7]

Grundsätzlich ist Region „... ein ganz allgemeiner Gattungsbegriff, der für Gebietskörperschaften verwendet wird, die unterhalb der Ebene des Gesamtstaats angesiedelt sind. In der Bundesrepublik Deutschland, wo gemäß der Grundentscheidung der Verfassung von 1949 das Bundesgebiet in Länder gegliedert ist, gelten diese Länder als Regionen.“[8]

Die EU definiert eine Region umfassender, um den verschiedenen Bezeichnungen für die Gebiete (z. B.: Kanton in der Schweiz oder Provinz in Frankreich) in den einzelnen Staaten der EU gerecht zu werden. Die Region wird „... als politisch sich selbstverwaltende, öffentliche Körperschaft definiert, die gleich nach dem Staat kommt, verfassungsrechtlich verankert ist und der das nationale Gesetz Autonomie, Identität, Befugnisse und Organisationsformen zuerkennt.“[9]

Welche Prinzipien bei der Bildung von Regionen zu Grunde zu legen sind, hängt von den Zielen und Instrumenten der Politik ab. Die entsprechende Abgrenzung von Regionen stellt eine Grundsatzentscheidung dar, die weitreichende Auswirkungen auf die darauf aufbauende Regionalpolitik hat. Allein durch die Variationen der Größe von Regionen kann sich das Ausmaß der Entwicklungsunterschiede verändern. Im Hinblick auf die praktische Regionalpolitik ist zu bedenken, dass es für einzelne Regionen gänzlich von der räumlichen Einteilung des Gesamtraumes abhängen kann, ob sie als förderungsbedürftig eingeschätzt wird und damit auch finanzielle Mittel für bestimmte Vorhaben zugewiesen bekommt oder nicht.[10]

Trotz der vorliegenden Definitionen gleicht keine Region der anderen. Sie unterscheiden sich nicht nur durch natürliche Gegebenheiten wie Bodenschätze (Erze, Öl) und Landschaftsstruktur (Wasser, Berge), ihre Geschichte und ihre geografische Lage sondern z. B. auch durch die Mentalität der in ihnen lebenden Bevölkerung und damit der eventuell unterschiedlichen (Arbeits-)Zeitgestaltung (z. B. ausgedehnte Siesta in Spanien versus ½ Stunde Mittagspause in Deutschland). Auch Schulbildung und Einflüsse aus dem Ausland sind von Region zu Region verschieden.

2.2 Regionale Disparitäten - Ausgangspunkt der Regionalpolitik

Aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten sind in manchen Regionen die Lebensbedingungen besser als in anderen. Denn durch die Standortentscheidungen der Unternehmen (die Arbeitnehmer benötigen und diese für ihre Arbeit entlohnen, wovon sich die Arbeitnehmer wiederum einen gewissen Lebensstandard leisten können) verändern sich die Lebensbedingungen der ansässigen Bevölkerung. Es kommt zu Unterschieden innerhalb der Regionen.

Diese Unterschiede kann man auf ökonomische Gründe zurückführen und erklären, aus politischer Sicht sind sie jedoch nicht gewollt. Dies ist aus dem Grundgesetz abzuleiten, das dazu verpflichtet „... die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse im Bundesgebiet ...“[11] zu wahren. Und auch die Europäische Union hat es sich als Ziel gesetzt „... den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt in der Union zu stärken und insbesondere den Abstand zwischen den Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete, ..., zu verringern.“[12]

Die Unterschiede zwischen den Regionen werden jedoch erst „dann als Disparitäten[13] bewertet, wenn sie gravierend sind und sich negativ auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Wohnen, Arbeiten, Bildungsmöglichkeiten, auf die Einkommensverhältnisse, die Lebenshaltungskosten, die Lebenserwartung und die Umweltbelastung auswirken.“[14]

Um Disparitäten verschiedener Entwicklungsräume vergleichbar zu machen, erfolgt häufig eine Messung mittels monetärer Größen wie Bruttoinlandsprodukt oder Konsumausgaben pro Kopf der Bevölkerung. Diese Messungen sind allerdings nicht in der Lage die Vielschichtigkeit der Entwicklungsdisparitäten und deren mögliche Verknüpfung mit Problemen im sozialen und kulturellen Bereich aufzuzeigen. Auch die politischen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten bleiben außerhalb der Betrachtung, wenn man ausschließlich von einzelnen monetären Größen ausgeht. Jedoch bleibt die Messung der Disparitäten anhand monetärer Größen, aus Gründen der Verfügbarkeit von Daten, oft die einzige Alternative.[15]

3. Theorie der Regionalpolitik

Das wesentliche Ziel regionalökonomischer Theorien ist die Bestimmung der Voraussetzungen und Bedingungen regionalen Wachstums.[16] Lange Zeit wurde die Regionalökonomik als Außenseiterdisziplin angesehen und noch immer verfügt sie über kein allgemein anerkanntes regionalökonomisches Totalmodell. Aber gerade in den neunziger Jahren wurden beachtenswerte Versuche unternommen, „... die bisher weitgehend isolierten Theoriestränge zu verbinden und mit dem ökonomischen ‚mainstream’ zu versöhnen.“[17] Regionalökonomische Theorien bestehen aus einer Fülle einzelner Bausteine aus unterschiedlichen Theoriebereichen, die sich nicht immer ergänzen und teilweise auch im Widerspruch zueinander stehen.[18] Aufgrund des Fehlens einer allgemein anerkannten Konzeption, wird die Regionalpolitik häufig als eine Förderpolitik betrachtet, die undurchsichtig wirkt und deren Sinn in Zweifel gezogen wird.[19] Dennoch ist zu beachten, dass die verschiedenen theoretischen Konzeptionen auf einem Grundstock von Bestimmungsfaktoren der Regionalentwicklung aufbauen. Diese werden im Folgenden kurz dargestellt und im Anschluss daran, die auf sie aufbauenden Theorien erläutert.

3.1 Bestimmungsfaktoren der Regionalentwicklung

Als grundlegend für die Ansiedlung von Unternehmen werden die Standortfaktoren angesehen[20]. Fragt man nach den Gründen für die ungleiche Entwicklung verschiedener Regionen, so stößt man neben den Standortfaktoren auf eine Reihe von raumdifferenzierenden Faktoren, die regionale Disparitäten hervorrufen oder verstärken können. Die sogenannten Bestimmungsfaktoren.

Als Bestimmungsfaktoren werden vor allem Transportkosten, interne Ersparnisse, externe Effekte sowie Kosten für Produktionsfaktoren angesehen. Prinzipiell kann für keinen der Bestimmungsfaktoren eine Wirkungsrichtung festgelegt werden. Alle können in Abhängigkeit von ihrer konkreten Ausprägung, sowohl konzentrationsfördernd als auch dezentralisierend wirken. Zudem muss beachtet werden, das einzelne Regionen nicht isoliert betrachtet werden können, da zwischen ihnen Dependenzen und Interdependenzen bestehen.[21]

3.1.1 Transportkosten

Transportkosten fallen immer bei der Überwindung von räumlichen Distanzen an. Entscheidend sind dabei die ökonomischen Entfernungen zwischen verschiedenen Orten. Sie werden in Zeit und Kosten der Raumüberwindung gemessen.

Je nach Transportkostenempfindlichkeit der Güter und der Mobilität der Arbeitskräfte wirken Transportkosten konzentrationsfördernd oder nicht. Ist die Mobilität der Arbeitskräfte hoch und sind die Güter transportempfindlich, wird sich die Produktion auf wenige Ballungszentren konzentrieren, die zugleich die Absatzorte für die Güter darstellen. Verhält es sich entgegengesetzt, so wird sich die Produktion entsprechend der Siedlungsstruktur im Raum verteilen.[22]

Im Lauf der Zeit hat die Bedeutung der Transportkosten als raumdifferenzierendes Element aufgrund des technischen Fortschritts abgenommen. Die ökonomischen Entfernungen zwischen verschiedenen Orten haben sich z. B. durch Telekommunikationsmedien oder auch schnellere, bequemere und kostengünstigere Transportmöglichkeiten verkürzt. Mit sinkender Bedeutung der Transportkosten steigt der Entscheidungsspielraum bei der Standortwahl.[23]

3.1.2 Interne Ersparnisse

Interne Ersparnisse ergeben sich, wenn bei Ausweitung des Produktionsvolumens die Durchschnittskosten pro Produkteinheit mit wachsender Ausbringungsmenge sinken. Durch die Anknüpfung direkt an die Durchschnittskostenentwicklung sind sie quantifizier- und kontrollierbar.

Bei einer entsprechenden Größe eines Betriebes an einem Standort können produktionstechnische Kostensenkungspotentiale und Möglichkeiten der Zentralisierung von Unternehmensfunktionen wie Forschung und Entwicklung, Finanzierung oder Marketing und damit der Stückkostensenkung genutzt werden. Im Gegenteil, je differenzierter die Produktionsprogramme sind und je mehr Funktionen in einer Unternehmung vereint sind, umso eher ist mit einer räumlichen Spaltung der Produktionsstätten eines Unternehmens zu rechnen. Je nach Branche unterscheiden sich die Möglichkeiten zur Nutzung von internen Ersparnissen. Können diese genutzt werden, wirken sie konzentrationsfördernd.[24]

In der Literatur werden interne Ersparnisse auch als economies of scale oder Skaleneffekte bezeichnet.

3.1.3 Externe Effekte

Externe Effekte können durch eine räumliche Ballung von Unternehmen derselben oder verschiedener Branchen in einer Region beziehungsweise an einem Ort entstehen. Ballen sich Unternehmen eines Produktionszweiges wird dies auch als localization economie bezeichnet. Bei der räumlichen Konzentration von Unternehmen verschiedener Branchen als urbanization economie. Aus ihnen können Agglomerationsvorteile und -nachteile entstehen.[25]

Unternehmenskonzentrationen verfügen über eine Attraktionskraft für die Bevölkerung, die zu einer Anziehung und damit einer Bevölkerungs-konzentration führt. Dabei wirken localization economies eher regional, während urbanization economies lokal die Entwicklung einzelner Standorte beeinflussen.

Die localization economies verbuchen durch die Konzentration Vorteile wie:

- die räumliche Konzentration der Beschaffungs- und Absatzmärkte für Vor- und Endprodukte und damit Transportkostensenkungen,[26]
- die leichtere Umsetzung von FuE-Aktivitäten, u. a. durch das Vorhandensein von „Wissenspillovers“
- die Entwicklung branchenadäquater Dienstleistungsunternehmen und
- auf die Branche ausgerichtete Aus- und Weiterbildungen der Arbeitskräfte.

Zu einem Nachteil kann die Konjunkturempfindlichkeit derjenigen Regionen wachsen, die von der Entwicklung einer einzigen Branche abhängig sind. Beispiel dafür wäre die massive Schrumpfung im Kohleabbau mit bekannten Folgen wie Arbeitsplatzabbau, Land-schaftsverödung etc.

Bei der Ballung von Unternehmen verschiedener Branchen an einem Standort ergeben sich u. a. Vorteile aus:

- der kürzeren ökonomischen und sozialen Entfernung,
- dem Zugriff auf große, differenzierte Absatzmärkte,
- dem breiten Angebot an privaten Dienstleistungen und
- der zur Verfügung gestellten, gut ausgebauten öffentlichen Infrastruktur.

Die Bedeutung der Vorteile wird je nach Branche unterschiedlich eingeschätzt. Dazu trägt wohl auch bei, dass diese sich nicht quantifizieren lassen. Somit sind generelle Rückschlüsse von der Größe einer Stadt auf mögliche Konzentrationen verschiedener Branchen und der damit einhergehenden Anziehungskraft auf weitere Produktions-faktoren nicht möglich. Bekannt ist aber, das mit der Ballung wirtschaftlicher Konzentrationen auch Nachteile, also externe Kosten, verbunden sind. Vor allem die Verknappung des Bodens - und damit verbundene Folgen wie Verteuerung der Lebenshaltungskosten (z. B. aufgrund von gestiegenen Mieten) – sowie Umweltverschmutzung (z. B. aufgrund von zunehmendem Autoverkehr, erhöhtem Benzinverbrauch durch ständige Staus oder einem höheren Müllaufkommen) wirken konzentrationsschwächend. Die Bedeutung externer Kosten ist stark angestiegen.[27]

3.1.4 Kosten der Produktionsfaktoren

Die Kosten für Boden, Arbeit und Kapital können je nach Lage der Regionen schwanken. Der Bodenrente als raumwirksamen Faktor kommt eine besondere Gewichtung zu. Es ist davon auszugehen, dass Bodenpreise oder Löhne in weniger stark entwickelten Regionen niedriger liegen und somit einer Konzentration eher entgegenwirken. Dem Faktor Boden und dessen Preis für die Bodennutzung kommt, bei flächenintensiven Produktionsprozessen, eine starke Bedeutung zu. Da Boden begrenzt ist, bestimmt sich der Preis allein durch die Nachfrage. Deshalb werden sich in Ballungszentren mit hohen Bodenpreisen eher Branchen mit geringem Raumbedarf ansiedeln. Die Bodenrente hat im Zeitverlauf, aufgrund des starren Angebotes, eher an Bedeutung gewonnen.[28]

Die Kosten für Arbeit und Kapital lassen sich nicht genau in ihrer Wirkung beurteilen, sie sind nachfrage- und angebotsabhängig. Es ist vorstellbar, das in Städten, durch die starke Nachfrage nach Arbeitsplätzen, die Löhne niedrig sind. Das könnte eine Abwanderung von Arbeitskräften zur Folge haben, die anderswo besser verdienen. Es ist aber auch denkbar, das die Löhne aufgrund der starken Nachfrage nach Arbeitskräften sehr hoch sind. Dadurch könnten Arbeitskräfte aus der Peripherie angezogen werden.

3.2 Regionalpolitische Konzeptionen

Wie schon erwähnt, bestehen in der regionalökonomischen Wissenschaft eine Vielzahl von Theorien. Die Standorttheorien, die die Struktur des Raumes erklären, werden bis auf die Theorie der zentralen Orte, die eine unmittelbare Bedeutung für die Regionalentwicklung in Brandenburg hat, außen vor gelassen.

Innerhalb der raumbezogenen Wachstums- und Entwicklungstheorien werden die Polarisationstheorie, die Infrastrukturtheorie und die Exportbasistheorie vorgestellt. Die klassischen Standorttheorien und die raumbezogenen Wachstums- und Entwicklungstheorien stellen die Fundamente der raumwirtschaftlichen Theorienbildung dar.[29] Die Theorien der „New Economic Geography“[30] stellen an die Erfordernisse einer Wissensgesellschaft angepasste Erklärungsansätze dar und analysieren den Zusammenhang zwischen dem durch technischen Fortschritt verursachten Strukturwandel der Wirtschaft und der Raumentwicklung.[31]

Die Auswahl der vorgestellten Theorien erfolgte nach folgenden Gesichtspunkten:

- der Möglichkeit des Realitätsbezuges (manche Theorien leiden unter einer solchen Vielzahl von Prämissen, dass keinerlei Realitätsbezug mehr möglich ist),
- der Überschaubarkeit des Zeithorizontes (man sollte eine Entwicklung für die nächsten 20 - 30 Jahre ablesen können) und
- der Möglichkeit des Herunterbrechens auf Regionen (einige der Theorien waren ursprünglich auf Volkswirtschaften ausgerichtet, lassen sich aber auch auf Regionen anwenden).

3.2.1 Theorie der zentralen Orte

Die Theorie der zentralen Orte gehört in ihrem Kern zu den Standorttheorien. Sie soll daher nur in ihren Grundzügen erklärt werden.[32]

Im Rahmen seiner ökonomisch-geografischen Untersuchung, über die Gesetzmäßigkeit der Verbreitung und Entwicklung der Siedlungen mit städtischen Funktionen, stellte Christaller die Theorie der zentralen Orte vor.

Die Theorie „formuliert Gesetzmäßigkeiten über die Verteilung von Siedlungen in Abhängigkeit von deren Größe und ihrer Lage zueinander. Die Zentralität eines Ortes entsteht dabei durch seine potentielle Eignung, Mittelpunkt zu sein, und durch einen Überschuss bei der örtlichen Verfügbarkeit an zentralen Dienstleistungen, die über seine eigenen Grenzen hinaus die Mitversorgung seines Umlandes möglich machen.“[33]

Die optimale Verteilung der Produktionsstätten für jedes Gut ist dabei in einem Netz sechseckiger Absatzgebiete gegeben.[34]

Der Rang eines Ortes bzw. der Grad seiner Zentralität hängt davon ab, wie viele verschiedene Güter das Angebot am Ort umfasst und wie hoch der Rang bzw. wie groß die Reichweite des Gutes ist, das gerade noch kostendeckend produziert werden kann. Es ergibt sich eine arbeitsteilige Rangfolge bei der Güterbereitstellung. Diese Arbeitsteilung erzeugt ein hierarchisches Muster bzw. eine Rangfolge der Orte, deren Relevanz für die regionale Struktur in Form eines bienenwabenähnlichen Netzmusters, anhand der Größe ihrer Einzugsbereiche, dargestellt werden kann.[35]

Da die Theorie sich allein auf den tertiären Sektor beschränkt, richtet sich die Kritik an Christallers Theorie vor allem gegen die Nichtbeachtung von Ballungseffekten bei Produktion und Konsum.[36] Auch die geringe Operrationalisierbarkeit grundlegender Begriffe wie Zentralität, Mindestgrößen, Einzugsgebiet etc. wird bemängelt.[37]

3.2.2 Regionale Polarisationstheorie

Gunnar MYRDAL und Albert O. HIRSCHMANN können als Begründer der regionalen Polarisationstheorie angesehen werden.[38] Gunnar MYRDAL stellt die Hypothese der zirkulären Verursachung eines kumulativen sozioökonomischen Prozesses zur Erklärung wirtschaftlicher Unterentwicklung und Entwicklung auf. Eine Prämisse dazu ist die freie Entfaltung der marktwirtschaftlichen Kräfte. Ist dies gegeben, „...sind die Variablen eines Systems in zirkulärer Verursachung so miteinander verbunden, dass die Veränderung einer Variablen die Veränderung einer anderen Variablen in gleicher Richtung bewirkt, diese wiederum aufgrund einer Rückkopplung die Intensität der ersten Veränderung verstärkt und im Zeitablauf einen kumulativen Prozess in Gang setzt.“[39] Dieser kumulative Prozess wird ausgelöst durch jede Veränderung von Nachfrage, Einkommen, Investitionen oder Produktion, sofern deren Intensität ausreicht und sie kontinuierlich abläuft. Dabei kann es nicht nur zu Wachstumsprozessen kommen, sondern auch bei einer negativen Veränderung zu Schrumpfungsprozessen. Das Ausmaß der interregionalen und internationalen Ungleichgewichte hängt ab, von Art und Intensität, der durch das wirtschaftliche Wachstum der Zentren ausgelösten Entzugs- und Ausbreitungseffekte.

Dabei sind zentripetale Kräfte (Entzugseffekte), alle negativen Veränderungen, die dafür sorgen, dass sich - aufgrund schlechterer Arbeits- und Lebensbedingungen, schlechterer Investitionsmöglichkeiten, verringerte Produktionspotentiale etc. – die Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, ...) aus der Peripherie zurückziehen und sich im Zentrum ansiedeln. Durch interne und externe Ersparnisse im Bereich des interregionalen Handels erhalten die Industriebetriebe in den Zentren einen Wettbewerbsvorsprung. Sie liefern ihre Güter in die Peripherie, so dass das ortsansässige produzierende Handwerk und die verarbeitende Industrie zurückgedrängt werden und die Gründung neuer Industriebetriebe erschwert wird.

Zentrifugale Kräfte (Ausbreitungseffekte) sind alle positiven Veränderungen, welche durch eine wirtschaftliche Expansion des Zentrums in andere Regionen hervorgerufen werden. Dazu gehört die Befriedigung der Nachfrage von Gütern (z. B. Agrarprodukte und bergbauliche Rohstoffe) sowie Dienstleistungen vor allem im Naherholungs- und Fremdenverkehr. Ausbreitungseffekte lösen in den zurückgebliebenen Regionen Entwicklungsimpulse aus ohne in Konkurrenz zum Wachstum der Zentren zu treten.[40]

In der Literatur wird davon ausgegangen, dass, in aller Regel, die Entzugseffekte die Ausbreitungseffekte in ihrer Wirkung übertreffen. Weiterhin wird angenommen, dass mit steigendem Entwicklungsstand die Ausbreitungseffekte verstärkt bzw. die Widerstände gegen ihre Ausbreitung verringert werden. Je stärker die Ausbreitungseffekte wirken können, desto schneller wächst die Wirtschaft - aufgrund der größeren Auslastung des nationalen Wachstumspotentials - eines Landes insgesamt[41].

Von HIRSCHMANN wird wirtschaftliches Wachstum als Kette von sektoralen Ungleichgewichten definiert, wobei von den führenden Branchen Wachstumsimpulse auf andere Wirtschaftsbereiche übertragen werden. Er erklärt diesen räumlichen Differenzierungsprozess an einem Zwei-Regionen-Modell. Region 1 verzeichnet Wirtschaftswachstum und überträgt positive Sickereffekte und negative Polarisationseffekte auf die zurückgebliebene Region 2. Dabei entsprechen Sickereffekte und Polarisationseffekte im Inhalt den Ausbreitungs- und Entzugseffekten von MYRDAL. Die Unternehmer der wachsenden Region 1 konzentrieren ihre Nettoinvestitionen – die sie durch interne und externe Ersparnisse realisieren konnten und die zudem von den Entscheidungsträgern überbewertet werden – wieder in Region 1. Als Folge ist die Verschärfung der Ungleichgewichte zu verzeichnen. HIRSCHMANN geht von einer räumlichen Konzentration der ökonomischen Akteure aus und erwartet aufgrund von Agglomerationsnachteilen und politischen Gegenkräften ein räumliches Gleichgewicht. Er geht davon aus, dass sich die positiven Sickereffekte kontinuierlich verbessern und die Polarisationseffekte übersteigen.[42]

Trotz der vergleichbaren theoretischen Ausgangsbasis und der räumlichen Interaktionsmechanismen erwartet MYRDAL eine andauernde Divergenz des regionalen Pro-Kopf-Einkommens, während HIRSCHMANN davon ausgeht, dass nach einer Phase ungleichgewichtiger Entwicklung durch „counter-balancing-forces“[43] zu einem Abbau der interregionalen Einkommensunterschiede kommt.[44]

Das die Entstehung kumulativer Prozesse nicht modellintern, sondern über externe Faktoren erklärt wird; das die räumliche Verteilung der Wachstums- und Rückstandsregionen als weitgehend historisch angesehen wird und das die Ausführungen über die Stärke der zentrifugalen und zentripetalen Kräfte keine abschließenden Aussagen über deren Auswirkungen auf den räumlichen Differenzierungsprozess zulassen, wird als wesentliche Kritik an diesen Theorien in der Literatur angemerkt.[45]

3.2.3 Theorie der Infrastruktur

Von der Infrastruktur an sich und den Wirkungen, die von ihr ausgehen, werden entscheidende Impulse für die wirtschaftlichen Aktivitäten in den Regionen erwartet.

„Die Theorie der Infrastruktur stellt ... empirisch belegte Hypothesen und Theoreme zur Erklärung des Entwicklungsstandes und der sozioökonomischen Entwicklung einer räumlich abgegrenzten Wirtschaft auf. Zentrales Anliegen ist es, die Funktion der Infrastruktur als Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum und eine optimale, nachhaltige sozioökonomische Entwicklung herauszuarbeiten, regionale Disparitäten zu erklären, sowie Handlungskonzepte für die Infrastrukturpolitik herzuleiten.“[46] SCHARFF stellt fest, dass eine geschlossene Theorie der Infrastruktur bzw. eine allgemeine anerkannte Definition des Begriffs nicht existieren und der Begriff der Infrastruktur noch nicht genügend differenziert und von Unschärfe gekennzeichnet ist.[47]

Der Infrastrukturausbau wird in der Praxis als Instrument der Wirtschaftspolitik angewandt. Dazu zählen die Schaffung von Verkehrsanbindungen, die Ver- und Entsorgung von Gewerbeflächen, Gewerbe- und Industrieparks sowie Gewerbehöfen. Auch die Bildungseinrichtungen und die kulturelle Infrastruktur sind für unternehmerische Standortentscheidungen von Bedeutung.[48]

In früheren Beiträgen zur Infrastrukturpolitik wurde unter Infrastruktur die Summe der materiellen, institutionellen und personellen Einrichtungen und Gegebenheiten verstanden, „die den Wirtschaftseinheiten zur Verfügung stehen und mit beitragen, den Ausgleich der Entgelte für gleiche Faktorbeiträge bei zweckmäßiger Allokation der Ressourcen, d.h. vollständige Integration und höchstmögliches Niveau der Wirtschaftstätigkeit zu ermöglichen“[49].

Die Regionalpolitik richtet ihre Maßnahmen konsequent auf den Ausbau der wirtschaftsnahen Infrastruktur auf die sogenannten Infrastrukturpro-duktivinvestitionen. Diese sollen dazu beitragen, die Produktionskosten der Unternehmen zu verringern.[50]

Nach SCHARFF werden insbesondere in der Phase der Leistungsabgabe einer Infrastrukturinvestition entscheidende, regionalwirtschaftlich positiv wirkende Ausstrahlungseffekte vermutet, deren wichtigste als Wachstums-, Anreiz-, Mobilisierungs- und Versorgungseffekte beschrieben werden können. Die Infrastrukturförderung stützt sich somit auf drei theoretische Basisannahmen:

1. Die regionale Infrastrukturausstattung, die als relativ immobil aufgefasst wird, bestimmt gemäß dieser Auffassung das regionale Angebotspotential an Produktionsfaktoren, indem sie mobile Produktionsfaktoren anzieht.
2. Aufgrund von Komplementäreffekten und multiplikativen Wirkungen zwischen Infrastrukturinvestitionen und privaten Investitionen werden sich, auch momentan überdimensionierte Infrastrukturkapazitäten, über den Preismechanismus die kapazitätsauslastende Nachfrage selber schaffen.
3. Infrastrukturinvestitionen sind imstande, einen sich selbst verstärkenden Wachstums- und Entwicklungsprozess kumulativer bzw. polarisationstheoretischer Art auszulösen.[51]

SCHARFF setzt diese Aussagen einer Reihe von kritischen Einwänden aus, die weniger auf die „logische Konsistenz, sondern eher ihren empirischen Aussagegehalt ... und ... ihre Relevanz für die Erklärung räumlicher Entwicklungstendenzen“[52] abhebt:

1. „Die angenommene Immobilität eines bedeutenden Teiles der Infrastruktur sowie deren grundsätzliche Notwendigkeit für die Entwicklung einer Region lassen keinerlei präzise Aussagen über die damit verbundenen Anziehungskräfte auf private Investitionen zu. Der Stellenwert der (vorhandenen) Infrastrukturausstattung im Unternehmerkalkül ist theoretisch wohl bekannt, er entzieht sich jedoch bislang einer exakten empirischen Überprüfung.
2. Die vorhandene Infrastruktur unterliegt dem Zwang ständiger Erneuerung und Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung. Eventuelle freie Infrastrukturkapazitäten veralteter bzw. nicht benötigter Konvenienz führen eher zu Nachteilen als zu Vorteilen bei der Regionalentwicklung.
3. Zunächst ist anzunehmen, dass Infrastrukturinvestitionen in (infra-) „strukturschwachen“ Regionen positive Wachstumseffekte nach sich ziehen können, insbesondere dann, wenn dort mangelnde Kapazitäten oder Engpässe bestehen, die durch Infrastrukturauf- und -ausbau beseitigt werden. Dies führt u. U. zugleich zu einer Selbstverstärkung von dort vorhandenen Entwicklungsansätzen. Gewarnt wird andererseits vor negativen Mobilisierungs- und Entleerungseffekten („Saugrohreffekte“). Eine Entwicklungsgarantie ist mit der Förderung der Infrastruktur jedenfalls nicht verbunden.“[53]

SCHARFF kommt zu der abschließenden Kritik, dass solange nicht gesagt werden kann, welche Mindestausstattung an Infrastruktur für das Wachstum anderer Teile des volkswirtschaftlichen Ganzen erforderlich ist, die Aussagen mehr einer Aufzählung von möglichen Entwicklungsmerkmalen als deren Erklärung gleichen.[54]

SEMPF stellt fest, dass bisher keine praktizierte Regionale Wirtschaftspolitik bekannt ist, die vorrangig auf der Theorie der Infrastruktur basiert. Bisher wurde die Entwicklung der Infrastruktur immer als Mittel zum Ziel, nie als Selbstzweck betrachtet. Für einen Entwurf einer eigenen Theorie der Infrastruktur fehlen bisher die empirischen Grundlagen, auch wenn die positiven Wirkungen, die von ihr ausgehen, unbestritten sind.[55]

3.2.4 Exportbasis-Theorie

„Die Grundhypothese der Exportbasis-Modelle besagt, dass das Wirtschaftswachstum einer Region entscheidend von der Entwicklung ihres Exportsektors, d.h. von der außerregionalen Nachfrageexpansion, abhängt.“[56]

Die Exportbasis-Theorie hat mehrere „Väter“. So entwickelten z. B. James S. DUESENBERRY und Douglas C. NORTH zwischen 1950 und 1960 Exportbasismodelle für Regionen als Subsysteme einer Volkswirtschaft. Während NORTH das regionale Wirtschaftswachstum in einer einzelnen Region mit dem Export von Gütern und Dienstleistungen zu erklären versucht, untersucht DUESENBERRY dieses Problem beschränkt auf den Güterexport mit Hilfe eines Zwei-Regionen-Modells. Beispielhaft soll DUESENBERRYs Zwei-Regionen-Modell vorgestellt werden. Region 1 - wurde erst kürzlich besiedelt, ist agrarisch strukturiert und wirtschaftlich noch wenig entwickelt – produziert über den Eigenbedarf hinaus Agrarprodukte die nach Region 2 exportiert werden. Region 2 ist schon länger besiedelt, industrialisiert und hat ein höheres Entwicklungsniveau. Durch den Export in Region 2 kommt es zu einem Einkommensanstieg in Region 1 und gleichzeitig zu einem Nachfragerückgang nach Produkten der Landwirte aus Region 2. Da Region 1 mehr Einkommen zur Verfügung hat, fragen diese vermehrt Industriegüter nach. Diese müssen aus Region 2 importiert werden, da Region 1 diese Nachfrage nicht befriedigen kann. An dieser Stelle löst die erhöhte Nachfrage nach Industriegütern einen Multiplikatoreffekt aus. Denn nun hat wiederum Region 2 einen Einkommensanstieg zu verzeichnen, der den ursprünglichen Einkommensrückgang bei den Landwirten übersteigt.[57]

[...]


[1] Vgl.: Krätke, S., 2001, S. 7

[2] gemeint ist das Deutsche Wirtschaftswunder; Vgl.: Klaphake, A., 2000, S. 1

[3] gemeint ist das Italienische Mezzogiorno: Die wirtschaftliche Stagnation Süditaliens wurde mit der politischen Vereinigung des Landes begründet, da die starke Industrie der nördlichen Provinzen einen erheblichen Vorsprung vor dem Süden hatte und so die industriellen Anstrengungen der südlichen Provinzen zunichte machte; Vgl.: Klaphake, A., 2000, S. 1

[4] Ostdeutschland als Globalisierungslabor: Vorreiterrolle bei den Auswirkungen der Globalisierung auf räumliche Entwicklungsprozesse; Vgl.: Klaphake, A., 2000, S. 1

[5] http://www.blk21.de/FILE/BLK/InfoBox%20Region/NachhRegionalentw.pdf

[6] Vgl.: http://www.blk21.de/FILE/BLK/InfoBox%20Region/NachhRegionalentw.pdf

[7] Vgl.: http://www.blk21.de/FILE/BLK/InfoBox%20Region/NachhRegionalentw.pdf

[8] Hrbek, R., 1999, S. 45

[9] Ambrosi, A., 1999, S. 109

[10] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 10

[11] Düring, G., 2002, Art. 106 Abs. 3 Nr. 2

[12] Stonzo-Weymann, D., 2001 S. 4

[13] lateinisch: Ungleichheiten, Verschiedenheit

[14] Stonzo-Weymann, D., 2001 S. 2

[15] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S.12

[16] Vgl.: Brenke, K., 1997, S. 41

[17] Klaphake, A., 2000, S. 2

[18] Eickelpasch, A., 1998, S. 73

[19] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 19

[20] Mit den Standortfaktoren befassen sich z. B. die Standorttheorien von Weber, Thünen, Christaller und Lösch. Weiterführende Literatur: Schätzl, L., 2001

[21] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 29

[22] Vgl.: Krätzschmar, S, 1995, S. 21 f.

[23] Vgl.: Krätzschmar, S. 1995, S. 22

[24] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 22 f.

[25] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 23 ff.

[26] Vgl.: Tuchfeldt, E., 1970, S. 128

[27] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 25 ff.

[28] Vgl.: Krätzschmar, S., 1995, S. 27 f.

[29] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 29

[30] Dazu gehört die Neue Regionaltheorie, das Konzept der „industrial districts“, der „Innovative Milieu“ Ansatz, das Konzept der regionalen Kompetenzzentren. Aufgrund des Netzwerkaspektes wird auch Porters Cluster-Ansatz innerhalb der NÖG vorgestellt.

[31] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 202

[32] weiterführende Literatur: u. a. Christaller, W., 1968 und Schätzl, L., 2001

[33] Scharff, R., 1993, S. 53

[34] Toepel, K., 1997, S. 67

[35] Vgl.: Scharff, R., 1993, S. 53 f.

[36] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 82

[37] Vgl.: Scharff, R., 1993, S. 54

[38] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 165

[39] Schätzl, L., 2001, S. 161

[40] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 163

[41] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 164

[42] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 165

[43] Agglomerationsnachteile und politische Gegenkräfte, die in Richtung des Abbaus interregionaler und internationaler Einkommensunterschiede zielen. (A. d. V.)

[44] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 165 f.

[45] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 165

[46] Sempf, H., 2002, S.115

[47] Vgl.: Scharff, R., 1993, S. 66

[48] Vgl.: Gloede, K., 2001, S. 18

[49] Tuchfeldt, E., 1970, S. 126

[50] Vgl.: Scharff, R., 1993, S.67

[51] Vgl.: Scharff, R., 1993, S. 68

[52] Sempf, H., 2002, S. 118

[53] Scharff, R., 1993, S. 69

[54] Vgl.: Scharff, R., 1993, S. 70

[55] Vgl.: Sempf, H., 2002, S. 119

[56] Schätzl, L., 2001, S. 149

[57] Vgl.: Schätzl, L., 2001, S. 149

Details

Seiten
89
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832491048
ISBN (Buch)
9783838691046
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224262
Institution / Hochschule
Fachhochschule Brandenburg – Wirtschaft
Note
1,2
Schlagworte
regionalpolitik disparitäten leitbild konzentration porter landesentwicklungsplanung

Autor

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Titel: Regionalentwicklung in Brandenburg