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Möglichkeiten und Grenzen von Unternehmensportalen und deren Bedeutung für die interne und externe Kommunikation

Diplomarbeit 2003 82 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

I. Einleitung

Portale schaffen einen Zugang, einen Eingang zu Elementen die dahinter liegen. Im Sinne eines Internet-Basierten Portals, wie z. B. das Unternehmensportal, sind diese Elemente Informationen. Im privaten und im geschäftlichen Leben bilden sie die Grundlage jeder Aktivität. Informationen werden empfangen, verarbeitet, verändert, analysiert, bereitgestellt und kommuniziert. Sie tragen so zur Entscheidungsfindung in allen Bereichen bei. In alltäglichen Situationen ist der Mensch sich häufig gar nicht darüber bewusst, dass er ständig Entscheidungen auf Grundlage von Informationen fällt. Zum Beispiel im Supermarkt ist mit jedem zusätzlichen Produkt im Einkaufswagen eine Entscheidung für genau dieses Produkt getroffen worden. Unbewusst wurden Informationen über diese Art des Produkts abgewogen und letztendlich wurde das Eine ausgewählt.

Aber häufig müssen Entscheidungen getroffen werden, bei denen die benötigten Informationen an anderen, verschiedenen Orten gespeichert sind und erst verfügbar gemacht werden müssen.

Auf die verschiedenen Unternehmensbereiche übertragen bedeutet dies:

Außer bei Produkten des alltäglichen Bedarfs wollen viele Kunden vor und nach einer Kaufentscheidung umfassende Informationen und eine intensive Beratung zu dem Produkt. Auch der Informationsfluss zwischen einem Unternehmen und seinen anderen Bezugsgruppen muss bestehen, damit sichere Entscheidungen getroffen werden können. Neben der Sicherstellung des Informationsflusses, wird auch hier eine Bereitstellung von adäquaten Informationen erwartet.

Mitarbeiter müssen in Unternehmen tagtäglich viele wichtige Entscheidungen treffen. Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, sollten alle verfügbaren und relevanten Informationen dem Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Doch genau dies ist häufig nicht der Fall. Oft muss lange und mühsam an verschiedenen Orten und mit Hilfe verschiedenster Medien danach gesucht werden, ohne dass am Ende Sicherheit besteht, dass alle im Unternehmen verfügbaren und externen Informationen zu diesem Thema gefunden worden sind.

Auf den Punkt gebracht, besteht in allen Bereichen eines Unternehmens folgende Herausforderung:

Der richtigen Person am richtigen Ort zur richtigen Zeit, in der richtigen Art und Weise die gewünschte Information verfügbar zu machen.

Geschieht dies, können verschiedene Wettbewerbsvorteile wie z. B. effizientere Prozessabläufe, Kostenreduzierung und Umsatzsteigerung daraus gewonnen werden. Dies zu realisieren ist die Hauptaufgabe des Wissensmanagement.

Das Intranet, das Extranet und das Internet sind die technischen Möglichkeiten, mit denen bisher versucht wurde dieser Forderung nachzukommen.

Doch treten bei diesen Lösungen verschiedene Probleme auf, die einer optimalen Informationsversorgung im Wege stehen.

Eine Weiterentwicklung dieser drei Komponenten stellt das Unternehmensportal dar. Es verbindet die Stärken dieser drei Bereiche und versucht die Schwächen zu minimieren. Das Unternehmensportal macht alle verfügbaren Informationen an einer Schnittestelle für alle Stakeholder in einer individualisierten Art und Weise verfügbar. Darüber hinaus unterstützt es die interne und externe Unternehmenskommunikation, so dass auch der Informationsfluss und die Generierung neuer Ideen gefördert werden. Das hört sich zunächst an wie eine ideale Lösung, doch bietet das Unternehmensportal auch nur begrenzte Möglichkeiten.

Im Rahmen dieser Arbeit wird die oben beschriebene Problematik aufgegriffen und erläutert. Dabei wird zunächst ein notwendiger Einblick in die allgemeine Portalthematik bezüglich ihrer Charakteristika gewährt, um eine Vorstellung zu bekommen, wie der Name „Portal“ in diesem Zusammenhang entstanden ist, und wie Unternehmensportale in die verschiedenen Klassifizierungsmöglichkeiten einzuordnen sind.

Anschließend wird die Entwicklung der Unternehmensportale aufgezeigt. Dabei werden die Grundproblematik und die Möglichkeiten und Grenzen von Intranet, Extranet und Internet in diesem Zusammenhang näher erläutert, um ein komplexes Bild der Notwendigkeit von Unternehmensportalen generieren zu können.

Auf dieser Grundlage wird der Kern der Arbeit – die Möglichkeiten und Grenzen von Unternehmensportalen – herausgearbeitet und dadurch aufgezeigt, wie die angesprochene Problematik mit ihrer Hilfe gelöst werden könnte.

Nachdem auf diese Art und Weise eine komplexe Vorstellung von Unternehmensportalen geschaffen wurde, wird im darauf folgenden Kapitel die Bedeutung für die interne und externe Kommunikation von den Möglichkeiten und Grenzen der Unternehmensportale abgeleitet.

Im Anschluss wird ein Ausblick bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Unternehmensportale gewährt.

Schließlich werden die gesammelten Erkenntnisse in einem Fazit zusammenfassend dargestellt.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass in dieser Arbeit die sehr umfangreiche technische Seite der Unternehmensportale nur ansatzweise besprochen werden kann. Eine ausführliche Behandlung dieses Bereichs würde den vorgegebenen Umfang der Arbeit übersteigen. Vielmehr soll hier die theoretische Idee des Unternehmensportals vorgestellt werden. Die technische Realisierung wird dabei weitestgehend unterstellt.

Im selben Maße stellt die rechtliche Seite z. B. bezüglich des Publizierens von Informationen und des elektronischen Handels einen gesonderten Teil dar, auf den ebenfalls aus Platzgründen nicht näher eingegangen wird.

Ziel dieser Arbeit ist es, die theoretischen Möglichkeiten und Grenzen von Unternehmensportalen für Unternehmen herauszuarbeiten und die Konsequenzen für die externe und interne Unternehmenskommunikation abzuleiten.

II. Charakteristika von Portalen allgemein

A. Grundlagen:

In der Literatur gibt es zahlreiche Definitionen verschiedener Arten von Portalen.[1]

Um zunächst eine allgemeine Vorstellung von dem Begriff „Portal“ zu bekommen, vorab eine grundlegende Definition aus dem Duden 2001:

„Portal: Vorhalle, (prunkvolles) Tor, Pforte, großer Eingang.“[2]

Übertragen auf die EDV und auf das Internet, kann allgemein gesagt werden, dass ein Portal eine Anwendung (= der Eingang) ist, in der Inhalte, Dienste und Funktionen integriert werden.[3] Ein Portal ist vergleichbar mit einer „Pforte“ zu verschiedenen, ansonsten nicht an einem Ort befindlichen Informationen und Anwendungen. Diese Internet-Portale versuchen den Anwender gezielt in seinem Bedürfnis nach Information zu unterstützen.

Das eigentliche Charakteristikum eines Portals, welches es von einer normalen Homepage unterscheidet, ist jedoch die Funktion der Personalisierung. Der User des Portals hat die Möglichkeit sich anzumelden (z. B. mit Benutzername und Passwort) und die Einstiegsseite und die darauf folgende Darstellung von Informationen dauerhaft seinen Wünschen anzupassen.[4]

B. Klassifizierung von Portalarten:

Es fällt schwer Portale zu klassifizieren. In der Literatur und in der Praxis haben sich viele verschiedene Arten von Gliederungen der zahlreichen Varianten entwickelt, wodurch eine konkrete Einteilung problematisch geworden ist. Über die grobe Unterteilung in horizontale und vertikale Portale besteht jedoch in nahezu der gesamten Literatur Einigkeit:[5]

1. Horizontales Portal:

„Website, die als Einstieg in das Internet dient (z. B. Suchmaschine)“[6],

auch Mega-Portale oder (allgemeine) Webportale genannt. Sie wenden sich an eine sehr breite Nutzerschicht und weisen hohe Besucherzahlen auf. Als Beispiele seien hier genannt: www.yahoo.de, www.t-online.de etc.[7] Größtenteils sind diese Megaportale aus Suchmaschinen entstanden.[8]

Abb. 1: Beispiel für ein horizontales Portal: Einstiegsseite von yahoo.de

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://de.yahoo.com

2. Vertikales Portal:

Ein vertikales Portal ermöglicht den „Zugang zu einem bestimmten Themengebiet im Internet (z. B. Sport-, Wissensportal).“[9]

Sie werden auch Vortals genannt. Diese Portale bieten der definierten Zielgruppe Informationen zu ausgewählten – z. T. eng abgegrenzten – Themenbereichen, oft kombiniert mit der Möglichkeit eines Chats oder eines Diskussionsforums zum Gedankenaustausch rund um das ausgewählte Thema, Linklisten zu Unterthemen, Online-Shopping-Möglichkeiten etc.[10] Als Beispiele seien hier genannt: www.haus.de und www.baby.de.

Auch ein Unternehmensportal kann als vertikales Portal bezeichnet werden, der Themenbereich ist in diesem Fall das Unternehmen selbst.[11]

Abb.2: Beispiel für ein vertikales Portal: Einstiegsseite von baby.de

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.baby.de

3. Weitere Klassifizierungsmöglichkeiten

Außer der relativ klar abgrenzbaren Unterteilung in horizontal und vertikal gibt es weitere Arten und Unterarten. Hier lassen sich viele Varianten aufzählen, die sich bezüglich des Zwecks, der Schwerpunktsetzung oder nach dem Betreiber des Portals unterscheiden lassen.

Eine eindeutige Trennung der einzelnen Portaltypen ist jedoch nicht möglich, da sie sich z. T. in den Möglichkeiten, die sie bieten, überschneiden oder ergänzen.

Unterschieden werden können Portale z. B. nach Art des Zugangs in offene und geschlossene Portale.[12]

Oder es erfolgt eine Differenzierung nach Art der anvisierten Benutzer: Dann spricht man von Business-to-Business-, Business-to-Consumer-, Business-to-Employee- oder Business-to-Public-Portalen.[13]

Bezüglich des Grades der Ortsabhängigkeit können auch mobile und fixe Portale unterschieden werden.[14]

Genauso vielseitig wie die Anzahl der Portalarten ist auch die Anzahl der möglichen Betreiber eines Portals.[15] Prinzipiell kann jeder ein Portal betreiben. Deshalb ist eine allgemeine Kategorisierung auch hier schwierig.

Um dies zu verdeutlichen nun eine (erweiterbare) Auflistung möglicher Betreiber:

- Unternehmen
- Staat
- verschiedene kommunale Behörden
- Städte und Gemeinden
- Hochschulen
- Schulen
- Privatleute
- sonstige öffentliche Einrichtungen etc.

Jeder dieser Betreiber verfolgt einen anderen Zweck und ein anderes Ziel mit seinem Portal. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird insbesondere die Zielsetzung von Unternehmen weiter untersucht werden.

4. Zusammenfassung

Es existiert eine Fülle verschiedener Arten von Portalen, welche alle unterschiedliche Charakteristika aufzeigen, die sich jedoch auch in einigen Punkten überschneiden. Das eigentliche Charakteristikum eines Portals, die Möglichkeit der Personalisierung, haben sie allerdings alle gemeinsam. Der Besucher kann also dauerhaft bestimmen, welche Inhalte auf seiner Einstiegsseite stehen.

Auch die Betreiber und die möglichen Motive, die hinter einem Portal stehen können, sind sehr vielfältig.

Welche Portalarten hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung an Bedeutsamkeit zu- oder abnehmen werden, ist nicht eindeutig.

Die Fachwelt ist sich jedoch in einem Punkt einig: Der Entwicklung von Unternehmensportalen wird einstimmig eine erfolgreiche Zukunft vorausgesagt.[16]

Wo der Ursprung von Unternehmensportalen liegt und wie genau sie zu klassifizieren und einzuordnen sind, wird das folgende Kapitel verdeutlichen.

III. Entwicklung von Unternehmensportalen

A. Das „Business Problem“ und der Stakeholder-Ansatz

„Wenn Siemens wüsste, was Siemens alles weiß“[17] – so kann das Grundproblem des ungenutzten Wissens als wichtige Ressource in einem Unternehmen wohl am treffendsten beschrieben werden. Denn innerhalb eines Unternehmens sind unzählig viele Informationen vorhanden. Diese liegen häufig in einer sehr unstrukturierten Art, an verschiedenen Orten, auf verschiedenen Datenträgern und Medien vor, so dass Mitarbeiter oft sehr viel Zeit investieren müssen, um an bestimmte Informationen (z. B. wichtige Emails, Verträge, Protokolle, Präsentationen etc.) zu gelangen.[18] Je größer ein Unternehmen und damit die vorhandene Menge an Informationen ist, desto ausgeprägter tritt dieses Problem zum Vorschein.

Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren durch die Entwicklungen in der Softwareindustrie viele verschiedene Programme entstanden sind, die von Unternehmen verwendet werden, um Daten verschiedener Abteilungen zu verwalten. Für die Buchhaltung, die Kundenbetreuung, den Außendienst, die Geschäftspartner- und Lieferantenbetreuung, das Management etc. gibt es verschiedene Programme, die nicht untereinander vernetzt und deren Daten oft inkompatibel sind. Dies führt dazu, dass z. T. dieselben Daten (z. B. Kundendaten) gespeichert und unabhängig voneinander verändert/aktualisiert werden. Folglich kann es zu Diskrepanzen kommen. Ein Kunde könnte z. B. wesentlich besser bedient werden, wenn der Kundenberater vollständige Einsicht in die Geschichte einer Kundenbeziehung hätte.[19]

Um eine fundierte strategische Entscheidung zu treffen, müssten die verschiedenen Datenquellen, Systeme und Anwendungen kombiniert werden. So muss ein Mitarbeiter jedoch sehr viel Zeit aufwenden, um diese unstrukturierten Daten zu sichten, bzw. sich mit den verschiedenen Anwendungen und Programmen vertraut zu machen.[20]

Dieses Problem wird generell auch als „Business Problem“ bezeichnet.[21]

Das Managen der Informationen und des Wissens im Unternehmen ist auch als Teil des Wissensmanagements oder auch Knowledge-Managements bekannt.[22]

Es wäre also von Vorteil, die richtige Information zur richtigen Zeit der richtigen Person verfügbar zu machen, um schnellere und fundiertere Entscheidungen treffen zu können.[23] Das wiederum trägt zur Optimierung der Geschäftsprozesse und somit zu einer Kostenersparnis und anderen Wettbewerbsvorteilen, wie z. B. Umsatz- oder Gewinnsteigerung, bei.[24]

Doch nicht nur für Mitarbeiter als eine Bezugsgruppe des Unternehmens sollen Informationen verfügbar gemacht werden – auch für alle anderen Stakeholder des Unternehmens sollten alle gewünschten Informationen bereit stehen. Mögliche potentielle Stakeholder sind neben den Mitarbeitern z. B.: Kunden, Lieferanten, Kreditgeber, Investoren, Gemeinden, Wohlfahrtsverbände, Unternehmerverbände, Eigentümer/Aktionäre, Konkurrenten, Einzel-/Großhändler, Staat, Medien, ausländische Regierungen und Öffentlichkeit.[25] Jede einzelne Bezugsgruppe hat eine bestimmte Machtposition, mit der sie sowohl negativen wie positiven Einfluss auf das Unternehmen nehmen kann.[26] Jedes Unternehmen sollte seine eigenen potentiellen Stakeholder identifizieren und sich mit deren Interessen und Forderungen an das Unternehmen auseinandersetzen, und diese in die Ermittlung und Festlegung relevanter Unternehmensziele mit einbeziehen.[27]

Durch eine umfassende individuelle Kommunikation und Bereitstellung von Informationen, kann eine Identifikation der Bezugsgruppen mit dem Unternehmen erreicht werden. Solch eine offene Kommunikationspolitik trägt dazu bei, dass die Stakeholder dem Unternehmen mehr Vertrauen entgegen bringen und so weniger gewillt sind, ihre Machtposition im negativen Sinne gegen das Unternehmen zu gebrauchen.

Erhöhtes Vertrauen und eine Identifikation mit dem Unternehmen seitens der Stakeholder sind daher wünschenswert und können durch Wissens- und Informationsmanagement unterstützt werden. Dies wiederum kann zu steigenden Absatzzahlen und Marktanteilen (Marketingziele) führen oder z. B. auch die

Investor-Relations verbessern (Finanzziele), was letztendlich auch für die Erreichung des entsprechenden Unternehmensziels, z. B. Umsatz- oder Gewinnsteigerung, förderlich ist.

Deshalb sollte das Business-Problem des Informationsmanagements nicht nur in Hinsicht auf die Mitarbeiter eines Unternehmens untersucht werden, sondern auch alle anderen Stakeholder müssen in eine mögliche Lösung der Problematik einbezogen werden. Dazu wurden zunächst drei Teil-Lösungen entwickelt.

1. Die erste Teil-Lösung: Das Intranet

1.1. Möglichkeiten des Intranet

Die erste Teil-Lösung für diese Aufgabe und Vorläufer des Unternehmensportals heißt „Intranet“.[28] Das Intranet lässt sich definieren als ein „durchgängiges und geschlossenes, nicht-öffentliches Computernetzwerk in Organisationen auf der Basis der Internettechnologie“[29].

Der Schwerpunkt liegt bei einem Intranet in der Bereitstellung statischer Informationen für die Mitarbeiter (z. B. Unternehmens-, Telefon- und Adressbuch, Unternehmenseckdaten, etc.) und der Mitarbeiterkommunikation (z. B. per internen E-Mails).[30] Es ist also möglich, am Computer über das Intranet auf die verschiedenen dort bereitgestellten Daten zuzugreifen. So kann dezentral von jedem an das Intranet angeschlossenen Computer aus im Unternehmen Formulare abgerufen, Anwendungen geöffnet, Projektpläne eingesehen, E-Mails an Mitarbeiter geschrieben werden etc.

Das Intranet trägt also dazu bei, dass das Informations- und Kommunikationsbedürfnis der Mitarbeiter befriedigt wird, und der Prozess der Informationsbeschaffung beschleunigt wird.

Das Business-Problem wurde also zumindest bezüglich der Mitarbeiter scheinbar durch das Intranet gelöst.

Doch das Intranet weist Grenzen auf, weshalb es keine optimale Lösung darstellt.

1.2. Grenzen des Intranet

Neben der Tatsache, dass das Business-Problem nur in Hinsicht der Mitarbeiter teilweise gelöst wurde, gibt es noch andere Schwierigkeiten, die beim Einsatz eines Intranets auftreten können:

(1 ) Fehlende Verknüpfung der Datenquellen untereinander

Die Dateneingabe erfolgt immer manuell, man kann also als End-Anwender (hier: Mitarbeiter) keine Daten zwischen zwei unterschiedlichen Systemen austauschen.[31] Gibt es z. B. zwei Datenbanken, in denen Kundendaten abgespeichert werden (Buchhaltung und Versandabteilung), ist es bei Adressen-Änderungen notwendig beide Datenbanken separat voneinander zu aktualisieren. Sie sind

i. d. R. nicht miteinander verknüpft, so dass eine Änderung in einer Datenbank nicht automatisch auch die andere Datenbank aktualisiert.

Die meisten Intranets bestehen außerdem aus einer Vielzahl von Applikationen und vielfach verschiedenen Datenbanken, die sich nicht miteinander verknüpfen lassen. Dadurch fehlt die Möglichkeit einer zusammenhängenden Darstellung und Analyse der vorhandenen Informationen.[32]

(2 ) Menge der angebotenen Informationen

Die Menge der angebotenen Informationen im Intranet wächst täglich. Diese Informationen müssen organisiert und aufbereitet werden, damit andere Mitarbeiter sie schnell finden. [33] Ansonsten wird das Intranet sehr schnell unübersichtlich und nimmt chaotische Züge an, es kommt zum so genannten „Information Overload“.[34]

(3 ) Pflege und Aktualität der Informationen [35]

Die angebotenen Informationen müssen immer aktuell sein, um die Mitarbeiter auf dem neuesten Stand zu halten. Dies erfordert eine sehr gute Strukturierung, damit die Mitarbeiter sich schnell zurechtfinden und die gesuchte Information ohne viel Zeitverlust finden können. Dies kann bei der stets steigenden Menge an Informationen sehr zeitaufwendig sein. Zwar können speziell ausgebildete Mitarbeiter mit der Pflege des Intranet betraut werden, doch können sie nicht über alle Projekte der einzelnen Abteilungen bis ins Detail informiert sein und wissen somit auch nicht, welche Informationen gerade bei welchem Projekt benötigt werden, welche schon nicht mehr aktuell sind und gelöscht werden könnten etc.

Hier wäre es gut, wenn die Mitarbeiter der einzelnen Projekte selbst diese Informationen verwalten könnten und die Informationssuche durch Suchfunktionen unterstützt werden würde.

(4 ) Nicht alle Informationen im Intranet [36]

Es gibt Informationen, die nicht im Intranet, sondern nur in anderen Programmen und Anwendungen zur Verfügung gestellt werden können. Dies kann an dem Format oder der Größe, sowie an Sicherheitsproblemen liegen.

Mitarbeiter müssen also evtl. zeitgleich das Intranet und verschiedene Anwendungen und Programme durchsuchen, bis sie entsprechende Informationen gefunden haben. Dies hat einen erhöhten Zeitaufwand zur Folge.

(5 ) Schwierigkeiten der Informationsbeschaffung und

des Zugangs zu bestimmten Informationen [37]

Oft kommt es vor, dass aufgrund der oben genannten Kritikpunkte unvollständige und nicht fundierte Entscheidungen getroffen werden, da die benötigten Informationen nicht gefunden werden oder kein Zugang zu diesen Daten möglich ist.

Dies gilt es unbedingt zu vermeiden. Dabei sollten der Aufwand und die Kosten, die notwendig sind, um ein Intranet funktional zu organisieren, analysiert werden und dem Erfolg, den solch eine Organisation bringt, gegenüber gestellt werden.

2. Die zweite Teil-Lösung: Das Extranet

2.1. Möglichkeiten des Extranet

Das Extranet ist wie das Intranet ebenfalls ein geschlossenes Informationsangebot, welches jedoch nur ausgewählten Stakeholdern (wie z. B. Lieferanten, Außendienstmitarbeitern, Kunden, Einzel-/Großhändler etc.) zur Verfügung steht.[38] Es wird mit Hilfe der Internettechnologie über das Internet den Geschäftspartnern angeboten und dient demnach der B-to-B-Kommunikation.

Die Geschäftspartner können sich dann z. B. über ihre persönlichen Zugangsdaten einloggen und so mit dem Unternehmen in Kontakt treten. Dabei gibt es keinerlei Verbindung zu dem internen Netzwerk des Unternehmens, um die Sicherheit der unternehmensinternen Daten zu gewährleisten. Die Inhalte des Extranet sind dabei auf die Bedürfnisse der Geschäftspartner ausgerichtet.

Es dient dazu, die Kommunikation zwischen dem Unternehmen und den Geschäftspartnern zu verbessern. Bestellvorgänge können über das Extranet ohne Medienbrüche abgewickelt werden. Dies optimiert die Prozesse und verringert die Durchlaufzeiten.[39] Ein weiterer Vorteil ist die günstige, schnelle und individuelle Einrichtung.[40]

2.2. Grenzen des Extranet

Auch das Extranet kann das Business-Problem nur partiell bewältigen.

Im Weiteren kommt es beim Einsatz eines Extranets zu ähnlichen Problemen wie beim Einsatz eines Intranets, und werden an dieser Stelle wegen der Vergleichbarkeit nicht noch einmal aufgezählt.

3. Die dritte Teil-Lösung: Das Internet

3.1. Möglichkeiten des Internet

Über das Internet kann ein Unternehmen z. B. in Form eines eigenen Internetauftritts Informationen publizieren. Jeder kann darauf zugreifen, der einen internetfähigen Computer besitzt. Dabei wird allen Besuchern des Internet-Auftritts derselbe Inhalt präsentiert, egal um welche Gruppe der Stakeholder es sich handelt. Der Inhalt variiert von Unternehmen zu Unternehmen und kann u. a. folgende Bereiche umfassen:

Präsentation des Unternehmens, Produktinformationen evtl. mit der Möglichkeit zum Kauf, allgemeine Informationen über das Unternehmen, Job-Anzeigen, aktuelle Nachrichten, evtl. Bestellung eines Newsletters, die Möglichkeit per E-Mail Kontakt zu dem Unternehmen aufzunehmen, ein Gästebuch, Diskussionsforen etc.[41]

Neben den Informationen und Anwendungen rund um das eigene Unternehmen können auch Links zu Webseiten von Partnern, Kunden oder anderen interessanten Anbietern zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem kann eine Suchfunktion eingerichtet werden, die auf Wunsch entweder die entsprechenden Seiten des Unternehmens und deren Inhalte oder das gesamte Internet nach einem bestimmten Begriff absucht.

3.2. Grenzen des Internet

Das Internet spricht also grundsätzlich alle Stakeholder an, jedoch in ein und derselben Weise. Es bietet nicht die Möglichkeit zwischen den Benutzern zu Unterscheiden, so dass keine individuellen Informationen für jeden einzelnen Benutzer zur Verfügung stehen. Die so genannte Funktion der Personalisierung, wie sie z. B. typisch ist für Portale, fehlt in einer „normalen“ Internetseite eines Unternehmens.

Das Business-Problem wird zwar insofern angegangen, als das alle Stakeholder angesprochen werden, doch wie oben bereits erwähnt, hat jede Gruppe einen andern Informationsanspruch an das Unternehmen. Durch die einheitliche Darstellung ausgesuchter Informationen wird dieser Forderung jedoch nicht Rechnung getragen.

B. Zusammenfassung

Das Business-Problem lässt sich auf alle Stakeholder eines Unternehmens erweitern. Jede Bezugsgruppe des Unternehmens hat bestimmte Informationsansprüche an selbiges. Das Unternehmen sollte dies in seine Zielplanung einbeziehen, um sich Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Das Intranet, das Extranet und das Internet sind dabei Möglichkeiten zur Lösung des Informationsproblems. Mit dem Intranet werden jedoch nur die Mitarbeiter angesprochen und beim Extranet nur ausgewählte Geschäftspartner. Das Internet bietet zwar allen Gruppen Informationen an, jedoch in ein und derselben, nicht spezifizierten Weise. Außerdem haben alle drei Bereiche bestimmte Probleme, die es zu lösen gilt, um die Informationen effizienter zu verbreiten.

Die Möglichkeit eine einheitliche Plattform für die Bereitstellung der Informationen in einer personalisierten Weise zu schaffen, hat die Grundidee der Unternehmensportale geprägt.

Wie und ob diese ihren hohen Anforderungen gerecht werden, zeigt das nächste Kapitel.

IV. Möglichkeiten und Grenzen von Unternehmensportalen

A. Definition von Unternehmensportal

Wie oben bereits angedeutet, stellt ein Unternehmensportal eine Plattform dar und kann wie folgt definiert werden:

„Ein Unternehmensportal bietet Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Lieferanten unternehmensübergreifend alle Inhalte und Applikationen an, die diese für die Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen. Das Portal ist also eine unternehmensweite und personalisierte Web-Integrationsplattform: Es vereinheitlicht die verschiedenen Internet-, Extranet- und Intranet-Aktivitäten und integriert unterschiedliche Anwendungen.“[42]

Durch die einheitliche Benutzeroberfläche stellen Portale eine technische Infrastruktur zur effizienten Umsetzung von Wissensmanagement zur Verfügung.[43]

In der Literatur werden Unternehmensportale u. a. auch als Corporate Portals oder Enterprise Information Portals (EIP) bezeichnet.[44]

Es wird sich zeigen, dass die Möglichkeiten und Grenzen, die ein Unternehmensportal bietet, die externe und die interne Kommunikation betreffen. Eine ausführlichere Behandlung der Auswirkungen auf die Unternehmenskommunikation wird dabei in Kapitel V erfolgen, wobei die beschriebenen Möglichkeiten und Grenzen aufgegriffen, weiter vertieft und hinsichtlich der Unternehmenskommunikation analysiert werden.

In diesem Kapitel wird der Schwerpunkt jedoch auf die Aufzählung der Möglichkeiten und Grenzen gesetzt.

[...]


[1] Vgl. u. a.: Hartmann (Portal-Sites als Einflussfaktor der Internet-Ökonomie / 2000), S. 7-8.;

Eberhardt / Gurzki (Portalsoftware / 2002), S. 14.

[2] Duden (2001), S. 790.

[3] Schelp / Winter (Enterprise Portals und Enterprise Application Integration / 2001), S. 7.

[4] Vgl. u. a.: Bauer (Interview mit Andreas T. Frenko / 2001), S. 1-2.

[5] Vgl. u. a.: Bauer (Unternehmensportale, 2001), S. 42.; Eberhardt / Gurzki (Portalsoftware / 2002), S. 14.

[6] Duden (2001) S. 790.

[7] Anders / Büchel (Internetportale / 2001), S. 37-42.

[8] Bauer (Unternehmensportale / 2001), S. 23.

[9] Duden (2001), S. 790.

[10] Anders / Büchel (Internetportale / 2001), S. 39.

[11] Bauer (Unternehmensportale / 2001), S. 34.

[12] Anders / Büchel (Internetportale / 2001), S. 37-42.

[13] Bauer (Unternehmensportale / 2001) S. 36-38.

[14] Anders / Büchel (Internetportale / 2001), S. 38-42.

[15] Hoffmann / Wolf (Portal-Basierte Geschäftsmodelle / 2000), S. 25-32.

[16] Vgl. u. a.: Anders / Büchel (Internetportale / 2001), S. 45-46.

[17] Hönicke (Knowledgemanagement / 2003), S. 1.

[18] Vgl. u. a.: Maier (Sind Unternehmensportale Himmelpforten? / 2002), S. 26.

[19] Hudetz / Kaftan (Knowledge Management / 2001), S. 359.

[20] Vgl. u. a.: Schneider / Zwerger (Sichere Unternehmensportale mit SAP / 2002), S. 15.

[21] Collins (Corporate Portals / 2001), S. 3.

[22] Hudetz / Kaftan (Knowledge Management / 2001), S. 359.

[23] Vgl. u. a.: Kuppinger / Woywode (Vom Intranet zum Knowledge Management / 2000), S. 119.

[24] Hudetz / Kaftan (Knowledge Management / 2001), S. 359.

[25] Welge (strategisches Management / 1999) S. 165-175.

[26] Welge (strategisches Management / 1999)S. 165-175.

[27] Welge (strategisches Management / 1999)S. 165-175.

[28] Collins (Corporate Portals / 2001), S. 4.

[29] Hoffmann (Das Intranet / 2001), S. 87.

[30] Schneider / Zwerger (Sichere Unternehmensportale mit SAP / 2002), S. 25-26.

[31] Schneider / Zwerger (Sichere Unternehmensportale mit SAP / 2002), S. 25-26.

[32] Anders /Büchel (Internetportale / 2001), S. 43.

[33] Collins (Corporate Portals / 2001), S. 4-5.

[34] Kappe (Informations-Portale / 2000), S. 36.

[35] Hoffmann (Das Intranet / 2001), S. 160-161.

[36] Collins (Corporate Portals / 2001), S. 5.

[37] Collins (Corporate Portals / 2001), S. 4-5.

[38] Stolpmann (Die Stellung des Internet im Rahmen integrierter Kommunikation / 2002), S. 88.

[39] Schub von Bossiazki (Schwerpunkt Kommunikation: Vorlesungsskript / 2003), S. 82.

[40] Schub von Bossiazki (Schwerpunkt Kommunikation: Vorlesungsskript/ 2003), S. 82.

[41] Vgl. u. a.: Jaspersen (Grundlagen einer optimierten Website-Gestaltung / 2002), S. 107 – 114.

[42] Vgl. u. a.: Franchi (Geschäftsprozesse effizienter gestalten / 2003), S. 3.

[43] Hudetz / Kaftan (Knowledge Management / 2001), S. 374.

[44] Vgl. u. a.: Bullinger / Eberhardt (Typen von Portalen / 2002), S. 2.

Details

Seiten
82
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832472146
ISBN (Buch)
9783838672144
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v222518
Institution / Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf – Wirtschaft
Note
2,7
Schlagworte
intranet extranet internetauftritt portale stakeholder-ansatz

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