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Auswirkungen vom Umweltmanagementsystemen aus Unternehmenssicht

Diplomarbeit 2002 162 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Problemstellung

2 Umweltschutz als Managementaufgabe
2.1 Zielstellung
2.2 Darstellung der Umwelt in der betriebswirtschaftlichen Forschung
2.2.1 Ökologische Herausforderungen
2.2.2 Ursachen ökologischer Probleme
2.2.3 Produktionsfaktor Umwelt
2.2.4 Umweltschutz als betriebswirtschaftliches Ziel
2.3 Ökonomie vs. Ökologie?
2.3.1 Kennzeichen ökonomischer Systeme
2.3.2 Kennzeichen ökologischer Systeme
2.3.3 Verhältnis ökologischer und ökonomischer Systeme
2.3.4 Ökonomie im Einklang mit Ökologie
2.3.5 Wettbewerbsfaktor Umweltschutz
2.4 Analyse des Umweltbewußtseins der Anspruchsgruppen
2.4.1 Begriffsbestimmung
2.4.2 Konsumentenbezogene Aktionsbereiche des Umweltschutzverhaltens
2.4.3 Mögliche Erscheinungsformen ökologieorientierten Konsumentenverhaltens
2.4.4 Ökologische Forderungen verschiedener Anspruchsgruppen
2.5 Integrierter Ansatz eines marktorientierten Umweltmanagement
2.5.1 Die Managementlehre als integrierende Umweltlehre
2.5.2 Ansatzpunkte zur Integration des Umweltschutzes in betriebswirtschaftliche Aussagensysteme
2.6 Zwischenfazit

3 Umweltmanagemtsystem – von der Entscheidung zur Zertifizierung
3.1 Zielstellung
3.2 Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem
3.2.1 Intention eines Umweltmanagementsystems
3.2.2 Funktionen eines Umweltmanagementsystems
3.3 Entscheidungsgründe für die UMS-Einführung
3.3.1 Stand der Erkenntnis
3.3.2 Wahrnehmung und Beurteilung von Umweltfragen
3.3.3 Ökologische Betroffenheit von Unternehmen
3.3.4 Ökologische Betroffenheit durch Anspruchsgruppen
3.3.5 Umweltrelevante Aspekte
3.3.6 Gründe für die Einführung von UMS
3.4 Umweltschutz als Unternehmensziel
3.4.1 Einbeziehung des Umweltschutzes in die Unternehmensgrundsätze
3.4.2 Integration von Umweltschutzzielen in das Zielsystem
3.4.2.1 Die Funktionen der Umweltschutzziele
3.4.2.2 Operationalisierung von Umweltschutzzielen
3.5 Strategische Ausrichtung des Umweltmanagement
3.5.1 Verfahrensschritte des strategischen Management
3.5.2 SWOT-Analyse als Planungsinstrument strategischen Umweltmanagement
3.5.3 Strategisches Umweltmanagement des Unternehmens
3.5.4 Möglichkeiten umweltbezogener Unternehmensstrategien
3.5.5 Gestaltungsprozeß umweltorientierter Unternehmensstrategien
3.6 Das betriebliche Umweltinformationssystem (BUIS)
3.6.1 Anforderungen an BUIS
3.6.2 Betriebliche Umweltinformationsbedarfsanalyse
3.6.3 Funktionen eines BUIS
3.6.4 Potentielle Probleme und Vorteile eines BUIS
3.7 Implementierung eines UMS
3.7.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.7.2 Planung
3.7.3 Organisation
3.7.3.1 Implementierung eines UMS als geplanter organisatorischer Wandel
3.7.3.2 Aufgaben und Ziele der Umweltschutzorganisation
3.7.3.3 Stellenbildung und Organigrammvarianten
3.7.4 Öko-Controlling
3.7.4.1 Begriff und Ziele
3.7.4.2 Aufgaben des ökologieorientierten Controlling
3.7.4.3 Funktionen des ökologieorientierten Controlling
3.7.4.4 Ökologieorientierte Portfolioanalyse
3.7.5 Unternehmenskultur als verhaltensprägendes Element des Umweltmanagement
3.8 Umweltaudit und Zertifizierung
3.8.1 EMAS-Verordnung
3.8.2 ISO 14001
3.8.3 Ein Vergleich der Normensysteme
3.9 Zwischenfazit

4 Auswirkungen von UMS aus Unternehmenssicht
4.1 Zielstellung
4.2 Allgemeine Wirkungen
4.3 Ökologische Wirkungen von UMS aus Unternehmenssicht
4.3.1 Gesamtbeurteilung der UMS-Wirkungen auf die Umweltleistung
4.3.2 Einsparpotentiale
4.4 Ökonomische Wirkungen von UMS aus Unternehmenssicht
4.4.1 Kosten von UMS
4.4.2 Wirtschaftlichkeit von UMS
4.4.3 Kosteneinsparungspotentiale
4.5 Interne Nutzenpotentiale von UMS
4.5.1 Systematisierung bestehender Umweltmaßnahmen
4.5.2 Positive Auswirkungen der Mitarbeiter-Beteiligung
4.5.3 Risikovorsorge und Haftungsvermeidung
4.5.4 Erkennen von Kostensenkungspotentialen
4.6 Externe Nutzenpotentiale von UMS
4.6.1 Verbessertes Image in der Öffentlichkeit
4.6.2 Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
4.6.3 Vorteile bei Banken und Versicherungen
4.6.4 Verbesserungen der Beziehungen zu Behörden

Zusammenfassung und Ausblick

Anhangsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

Internetbeiträge

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ursachen des Umweltproblems

Abbildung 2: Erweiterte Objektbetrachtung im Rahmen der Produktionstheorie

Abbildung 3: Das System Unternehmung und seine Umsysteme

Abbildung 4: Ansatzpunkte zur Ökonomisierung der Ökologie

Abbildung 5: Ökologieorientiertes Unternehmensverhalten als wettbewerbsbezogenes Problem – dargestellt anhand des Gefangenendilemmas

Abbildung 6: Die Managementlehre als „integrierende Umweltlehre“

Abbildung 7: Bausteine eines Managementsystems

Abbildung 8: Exemplarische Darstellung der Erfassung umweltschutzrelevanter betrieblicher Funktionsbereiche durch ein Umweltmanagementsystem

Abbildung 9: Aussagen zur Umweltproblematik (in %, n=158)

Abbildung 10: Beispiel eines hierarchisch strukturierten, multiattributen Zielsystems

Abbildung 11: Chancen und Risiken durch Ökologie-Pull und Ökologie-Push

Abbildung 12: Strategische Ausrichtung von UMS

Abbildung 13: Mögliche Zusammenhänge interner und externer Faktoren

Abbildung 14: Charakter defensiver und offensiver Basisstrategie

Abbildung 15: Gestaltungsprozeß umweltorientierter Unternehmensstrategien

Abbildung 16: Betriebliches Umweltinformationssystem

Abbildung 17: Umweltschutz als Linienorganisation

Abbildung 18: Umweltschutz als Stab-Linien-Funktion

Abbildung 19: Funktionale Eingliederung des Umweltschutzes

Abbildung 20: Matrixorganisation im Umweltschutz

Abbildung 21: Ökologieorientiertes Portfolio

Abbildung 22: Umweltmanagementsystem nach EMAS-Verordnung

Abbildung 23: Umweltmanagemensystem nach ISO 14001 ff

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Erkennungshinweise für umweltfreundliche Produkte

Tabelle 2: Gemeinsamkeiten und Unterschiede von EMAS und ISO 14001

1. Problemstellung

Wir leben in einer Zeit, in der sich der Mensch nicht mehr als Teil der Natur begreift, sondern als eine übergeordnete Instanz, deren Bestimmung es ist, die Natur zu erobern und zu beherrschen. Wir sprechen sogar von einem Kampf gegen die Natur, vergessen dabei aber, daß wir alles verlieren würden, sollten wir diesen Kampf gewinnen. E. F. Schumacher (deutscher Wirtschaftswissenschaftler)

Schon seit Urzeiten verändert der Mensch die Umwelt. Waren es am Anfang noch die Jäger und Sammler, die Tierherden folgten, um immer einen Vorrat an Nahrung zu haben, ließen sich Menschen später an geeigneten Orten nieder, um den dortigen Boden zu bestellen. Die landwirtschaftlichen Gemeinschaften waren geboren. Zum Betreiben von Ackerbau waren jedoch Veränderungen der Umwelt durch Brandrodungen notwendig, um die erforderlichen Flächen zu schaffen. Damit der Boden bestellt werden konnte, waren Werkzeuge vonnöten, die am Anfang sehr einfach, später jedoch immer spezialisierter wurden. Der Mensch erfand Waffen zum Angriff oder zur Verteidigung gegen andere Gemeinschaften. Er gewann aus Gesteinen Erze und bearbeitete sie. Zu dieser Zeit spielten Umweltverschmutzungen, ausgelöst durch Schadstoffemissionen bei Brandrodungen oder der Metallverarbeitung keine große Rolle und stellten keine direkte Bedrohung der Lebensweise dar. Jedoch durch den Anstieg der Bevölkerungsdichte in den Ballungszentren ergaben sich erste Umweltprobleme. Sie entstanden durch verunreinigtes Wasser oder auch nicht beseitigte Abfälle. Es dauerte aber bis Mitte des 20. Jahrhunderts, um die Gefahr durch Umweltverschmutzungen zu erkennen. Die Umweltschäden, welche durch die Produktion von Gütern des täglichen Bedarfs entstanden, waren nicht mehr zu übersehen. Die Wechselbeziehung zwischen Industrialisierung und Bevölkerungswachstum wurde als originäre Ursache der Umweltbelastungen erkannt.

Seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sehen sich Unternehmen verstärkt Umweltschutzforderungen gegenüber gestellt. Diese richten sich in Form von ökologischer Verträglichkeit, Ressourcenschonung und Erhaltung des Lebensraumes an Produkte und Herstellungsprozesse der Unternehmungen. Dabei werden sie sowohl extern aus dem Unternehmensumfeld, als auch intern von Mitarbeitern an das Unternehmen heran getragen.

Die Unternehmen sehen sich auf vielfältige Weise mit Umweltschutzproblemen konfrontiert. Einerseits verändern sich die gesellschaftlichen und staatlichen Rahmenbedingungen und andererseits eröffnen sich den Betrieben neue Erfolgspotentiale. Umweltmanagement bedeutet die Bewältigung der Aufgaben, die sich aus den ökologischen Herausforderungen ergeben.

Seit Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts erfahren Umweltmanagementsysteme (UMS) eine erhöhte Aufmerksamkeit in Wissenschaft und Praxis. 1995 wurde es durch die Fertigstellung der EMAS-Verordnung als erster internationaler Umweltmanagementnorm für Unternehmen möglich, ein UMS nach einer Norm einzuführen. Ein knappes Jahr später folgte die weltweit gültige Norm ISO 14001ff. Die vorliegende Arbeit untersucht, welche Effekte aufgrund der Implementierung von Umweltmanagementsystemen in der Praxis beobachtet werden und wie sich die Einführung ökologisch und ökonomisch bei den Unternehmen aus Sicht der Unternehmen auswirkt. Dabei geht die Arbeit von den gegebenen Betriebs internen und externen Gründen und Voraussetzungen aus, untersucht die verschiedenen Strategiemöglichkeiten und betrachtet den Implementierungsprozeß. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf den Wirkungen der notwendigen Maßnahmen auf die Unternehmen.

2 Umweltschutz als Managementaufgabe

2.1 Zielstellung

Kapitel 2 setzt sich mit den allgemeinen Marktbedingungen im Umweltschutzbereich auseinander. Die zentrale Frage ist, ob Umweltschutz und betriebswirtschaftliches Denken miteinander vereinbar sind, ob ein Interesse seitens des Marktes oder sonstiger Anspruchsgruppen an ökologisch orientierten Unternehmen besteht und inwieweit sich dieses in der Betriebswirtschaft niederschlägt sowie die Unternehmen in ihren Handlungen beeinflußt.

2.2 Darstellung der Umwelt in der betriebswirtschaftlichen Forschung

2.2.1 Ökologische Herausforderungen

Eine offensive Auseinandersetzung mit ökologischen Problemstellungen unserer Gesellschaft wurde in den letzten Jahren von ganzen Branchen und einzelnen Unternehmen versäumt. Das offenbart sich in der Art und Weise, in der sich diese nun mit der ganzen Umweltschutzproblematik konfrontiert sehen. Hier ging wohl strategische Weitsicht der ökonomischen Fragestellung mit ökologischer Kurzsicht einher. Problembereiche, wie die folgenden Beispiele, scheinen heute in nahezu allen Branchen, international wie auch national, die Entwicklungsdynamik mitzubestimmen:

- Der Treibhauseffekt,
- das Ozonloch,
- das Müllproblem,
- der Verkehrsinfarkt,
- die Umwelthaftung,
- sowie die Entwicklung der Umweltschutz- und Konsumgütermärkte.[1]

Die Auflistung verdeutlicht, daß es sich sowohl um regionale, nationale und auch internationale Problemfelder handelt, die Auswirkungen dieser Probleme sich jedoch meist nicht regional oder national begrenzen lassen, sondern als weltweite Probleme mit globalen Auswirkungen (z.B. Treibhauseffekt, Ozonloch, globale Erwärmung) dargestellt werden müssen. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, sich den erkannten Problembereichen zu stellen und branchenspezifische und/oder unternehmensspezifische Lösungsansätze zu erarbeiten und umzusetzen.

2.2.2 Ursachen ökologischer Probleme

Wicke teilt die zentralen Ursachen für die Probleme der ökologischen Umwelt in drei Kategorien ein: entwicklungsbedingte, sozio-ökonomische und wirtschaftssystem-bezogene Ursachen.[2]

Die entwicklungsbedingten Ursachen sieht er im rapiden Wachstum der Weltbevölkerung und den damit verbundenen Versorgungs- und ökologischen Problemen. Abgesehen von der Schaffung von Millionen neuer Arbeitsplätze als eine der schwierigsten Aufgaben, erscheint der Anspruch aller Menschen, das Wohlstandsmodell der westlichen Industrienationen zu erreichen, als kaum durchführbar. Der Hauptanteil des Bevölkerungswachstums fällt dabei auf so genannte Entwicklungs- und Drittweltländer.[3]

Bei den wirtschaftssystembezogenen Ursachen nennt Wicke das Streben nach möglichst hohem Unternehmergewinn und Konsumentennutzen, bei gleichzeitiger Vernachlässigung umweltbezogener, negativer Folgen in den marktwirtschaftlich-demokratischen Systemen.[4]

Die sozio-ökonomischen Ursachen wiederum, sieht er als direkte Folgen der Produktions- und Konsumprozesse für die natürliche Umwelt.[5]

Abbildung 1: Ursachen des Umweltproblems

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Wicke, L.: Umweltökonomie, München 1991, S. 28

2.2.3 Produktionsfaktor Umwelt

Zunächst stellt sich die Frage, inwieweit die Umwelt als Produktionsfaktor in klassischen Faktorsystemen im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Überlegung überhaupt Berücksichtigung findet. Nach Strebel, der versucht diese Frage in seinem Grundlagenwerk mit Rückgriff auf die von Gutenberg beschriebenen Elementarfaktoren Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe sowie dem dispositiven Faktor der Geschäftsleitung anzugehen, sind zusammengefaßt die folgenden Schlußfolgerungen hervorzuheben:[6]

- Die natürliche Umwelt findet im Rahmen ihrer Versorgungsfunktion durch die Bereitstellung natürlicher Ressourcen als Inputfaktor für Produktionsprozesse Berücksichtigung.
- Die natürliche Umwelt ist auch als produktiver Faktor zu berücksichtigen, da Produktions- und Konsumtionsprozesse nicht der Forderung nach „Null-Emission“ nachkommen können. Das hat zur Folge, daß die Leistungserstellungsprozesse jeglicher Art unerwünschte Kuppelprodukte, wie auch erwünschte Konsum- und Investitionsgüter bereitstellen. Diese nehmen ebenfalls die Trägerschaft der Umwelt in Anspruch.
- Zwischen Raten- und Kumulativknappheit ist hinsichtlich der Verfügbarkeit der Umweltressourcen zu unterscheiden. Während von Ratenknappheit bei regenerierbaren Umweltressourcen gesprochen wird, liegt Kumulativknappheit bei einem über das Maß seiner Regenerierbarkeit beanspruchten Produktionsfaktor Umwelt vor. Dabei werden die Funktionen der natürlichen Umwelt beeinträchtigt. Diese Umweltressourcen können dann gar nicht, oder nur über einen sehr langen Zeitraum, regeneriert werden.
- Da die Umwelt ein Kollektiv- oder auch öffentliches Gut ist, kann niemand von der Nutzung dieses Gutes ausgeschlossen werden. Der gesamte Nutzen streut über die Volkswirtschaft.[7]

Im Rahmen der Produktionstheorie plädiert Dyckhoff dafür, den übergeordneten und wertneutralen Objektbegriff für die In- und Outputfaktoren zu verwenden. Abb. 2 stellt in einer erweiterten Objektbetrachtung drei zu unterscheidende Objektategorien „Gut, Übel und Neutrum“ nach Dyckhoff dar.[8] Letztlich bedarf es jedoch einer differenzierten Informationsgrundlage über ökologische Auswirkungen von In- und Output sowie der Berücksichtigung der Präferenzen gesellschaftlicher Anspruchsgruppen, um herauszufinden, was als ökologisch erwünscht oder unerwünscht einzustufen ist. Dies ist notwendig, da im Ansatz weitgehend offen bleibt, auf welcher Bewertungsgrundlage die Einstufung in Gut, Neutrum und Übel erfolgt.[9]

Abbildung 2: Erweiterte Objektbetrachtung im Rahmen der Produktionstheorie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Dyckhoff, H.: Betriebliche Produktion, Berlin 1994, S. 67

2.2.4 Umweltschutz als betriebswirtschaftliches Ziel

Unternehmensziele kennzeichnen zukunftsbezogene Vorgaben, welche durch Unternehmensaktivitäten erreicht werden sollen. Bis Anfang der 80er Jahre hat der Umweltschutz im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Zielforschung kaum Berücksichtigung gefunden. Ökonomische Ziele wie Gewinnmaximierung, Umsatz, Marktanteil sowie nichtökonomische Ziele wie Unabhängigkeit oder soziale Verantwortung, standen bis dato im Vordergrund. Eine Berücksichtigung gesetzlich vorgeschriebener Standards war nur zur Abwehr renditebeeinträchtigender Sanktionen betriebswirtschaftlich relevant.[10]

Später wurden in Diskussionen über mögliche Interdependenzen zwischen ökologischen und ökonomischen Zielsetzungen drei zentrale Formen zur Integration von Umweltschutzzielen in das bestehende Zielsystem eines Unternehmens vorgestellt:

1. Darstellung des Umweltschutzes in konfliktärer Beziehung zu ökonomischen Unternehmenszielen sowie als von außen vorgegebene Restriktion des Gewinnziels.
2. Feststellung einer Komplementär- bzw. Mittel-Zweck-Beziehung zwischen Gewinnerzielung und Umweltschutzzielen.
3. Integration des Umweltschutzes als autonomes Ziel in das Zielsystem in Form eines gleichrangigen Unternehmensziels, neben anderen ökonomischen Zielsetzungen bei freiwilliger Gewinnreduzierung, unabhängig von externen Umweltschutz-forderungen aufgrund der sozialen Verantwortung der Unternehmensführung.[11]

In konfliktärer Beziehung werden für die Unternehmung lediglich die gesetzlichen Mindestanforderungen als Nebenbedingung und extern vorgegebenen Restriktionen der Gewinnerzielung angesehen. Mögliche Sanktionen aufgrund von Überschreitungen gesetzlich vorgeschriebener Grenzwerte, die zu einer Beeinträchtigung ökonomischer Zielsetzungen führen können, sind Gründe für eine Berücksichtigung dieser gesetzlichen Restriktionen.[12]

Komplementärbeziehungen sind vorhanden, wenn Umweltschutz als Chance wahrgenommen und durch umweltgerechte Prozeß- und Produktinnovationen eine Kopplung zwischen Kosten- und Ertragszielen erzielt wird, um eine verbesserte Umweltqualität zu erreichen.

In keinem der beiden Fälle handelt es sich um eine autonome Berücksichtigung des Umweltschutzes. Gründe in diesen Fällen für die Integration sind veränderte Kundenanforderungen oder Wettbewerbsbedingungen zur Wahrnehmung potentieller Chancen.[13]

Festzustellen bleibt, daß eine zunehmende Berücksichtigung des Umweltschutzes im Rahmen betriebswirtschaftlicher Zielsysteme stattfindet. Aufgrund geringer Anreizwirkung der klassischen ökonomischen Ziele zu umweltorientiertem Unternehmensverhalten ist eine explizierte Formulierung von Umweltschutzzielen erforderlich, selbst wenn es kein autonomes Ziel, sondern ein Sachziel zur Sicherung der ökonomischen Zielsetzungen darstellt.[14]

2.3 Ökonomie vs. Ökologie?

Der griechische Wortstamm „oikos“ kann mit Begriffen wie Haus, Haushalt oder Wohnort gleichgesetzt werden. Auf die Natur bezogen ist festzustellen, daß auch sie einen Haushalt besitzt und ihn bewirtschaftet. Hieraus läßt sich ableiten, daß Ökonomie als künstliche oder technische Ökologie und Ökologie als natürliche Ökonomie bezeichnet werden kann.[15] Im Folgenden wird versucht herauszufinden, ob sich beide Systeme unvereinbar gegenüberstehen oder ob es möglich ist, sie miteinander in Einklang zu bringen.

2.3.1 Kennzeichen ökonomischer Systeme

Systeme, wie auch ökonomische Systeme, sind geprägt durch die Beziehungen der Elemente aus denen sie bestehen. Solche Beziehungen in einem ökonomischen System sind beispielsweise Arbeits-, Materialzufluß-, Informations-, Leitungs- oder informelle Beziehungen.[16] Weiterhin bestehen bei einem ökonomischen System Außenbeziehungen, wie z.B. zum Absatz- oder Beschaffungsmarkt.[17]

Beziehungen bestehen jedoch nicht nur im System selbst sondern auch zwischen ihm und seinen Umsystemen. Als diese werden die Mengen aller anderen Systeme bezeichnet. Betriebswirtschaftlich relevant sind jedoch nur die, woher Input bezogen und wohin Output abgegeben wird.

Abbildung 3: Das System Unternehmung und seine Umsysteme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Bleicher, K.: Unternehmensentwicklung und organisatorische Gestaltung, Stuttgart New York 1979, S.14

Eines dieser Umsysteme ist die natürliche Umwelt. Ihr werden Rohstoffe und Energie entnommen, während sie gleichzeitig nicht erwünschten Output, wie Schadstoffe u.s.w., aufnimmt.

Ökonomische Systeme sind gekennzeichnet durch:

- Dynamik: Ständige Veränderungen der Systemstrukturen durch im System ablaufende Prozesse werden als innere Dynamik bezeichnet (z.B. Investition, neue Verfahren), Veränderungen durch extern induzierte Anpassungsprozesse des ökonomischen Systems sowie durch umgekehrt wirkende Veränderungen von ökonomischen Systemen auf Umsysteme als externe Dynamik (z.B Produktionsanpassung durch veränderte Nachfrage, Werbung zur Veränderung der Nachfrage),[18]
- Zielorientierung: Systemziele (Marktanteile, Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit) leiten sich aus ihrem Systemzweck (Bedarfsdeckung, Gewinnerzielung) ab,
- Determiniertheit (Abhängigkeit von äußeren und inneren Einflüssen): Nur begrenzt voraus bestimmbare Reaktionen des Systems auf Vielfältigkeiten der Veränderungen: Je geringer die Determiniertheit ist, desto weniger sind Reaktionen voraus bestimmbar,
- Komplexität: Durch die große Anzahl, in sich gegenseitig beeinflussender Beziehungen stehender, verschiedenartiger Elemente,
- Flexibilität: Anpassungsfähigkeit von Unternehmen auf sich verändernde Umsystembedingungen ohne innere Strukturveränderungen, ein hohes Maß an Flexibilität des Unternehmens zu erreichen, ist ein Ziel organisatorischer Gestaltung,
- Gleichgewicht (Stabilität – Labilität): „Überlebenssicherung“ des Unternehmens durch Gelangen zu neuen Gleichgewichten in den Systembeziehungen trotz Störungen.[19]

Flunger führt aus, daß der, ökonomische Systeme kennzeichnende, Produktions- und Konsumtionsprozeß von Linearität und Eindimensionalität geprägt ist. Oft nicht regenerative Ressourcen werden aus dem Naturhaushalt entnommen, ebenfalls meist nicht regenerative Energieträger zur Stoffumwandlung eingesetzt. Sowohl die Nutzung als auch die Beseitigung des (nicht mehr benötigten) Produktes erfolgt unter Fremdenergieeinsatz. Letztendlich erfolgt auch ein - sofern möglich - Recycling unter Verwendung von (oft nichtregenerierbarer) Fremdenergie. Außerdem sind sämtliche Stufen durch Emissionen gekennzeichnet.[20]

2.3.2 Kennzeichen ökologischer Systeme

Wie bei ökonomischen, stehen auch die Elemente ökologischer Systeme in einem sehr komplexen Beziehungsgeflecht zueinander. So können kleinere Störungen im Beziehungsgeflecht ein hohes Maß an Labilität hervorrufen und sogar ökologische Teilsysteme zerstören. Andererseits können sie sich auch, je nach äußeren Bedingungen und verschieden langen Anpassungszeiten, neue Gleichgewichte selbst schaffen. Ebenfalls ist das System in der Lage, trotz Störeinflüssen das ursprüngliche Gleichgewicht wieder herzustellen (natürliche Regenerationsfähigkeit).[21]

So gesehen können Ökosysteme auch als „Betriebe der Natur“ bezeichnet werden. Die innerhalb dieses Systems ablaufenden Prozesse sind geprägt von Kreislaufbeziehungen, Symbiosen und Rückkopplungseffekten. Durch die Kreislaufbeziehungen wird ein sparsamer Umgang mit Ressourcen, bei gleichzeitiger Verhinderung der Anhäufung von Abfällen, sichergestellt. Symbiosen sind ebenfalls dem sparsamen Ressourcenumgang zuzurechnen, da sie gleichzeitig mehreren Nutzern dienen können. Rückkopplungseffekte lenken den Aufbau und die Stabilisierung von Systemen. Einzige notwendige Fremdenergie, die sowohl für die prozessualen Abläufe benötigt wird als auch in der Biomasse gespeichert werden kann, ist die Sonnenenergie.[22]

Das ökologische System unterliegt jedoch verschiedenen wichtigen Gesetzmäßigkeiten wie Evolution (fortschreitende Entwicklung), Selektion (natürliche Auslese), Vitalismus (besondere Lebenskraft organischen Lebens) und Entropie (Kennzeichnung der Verlaufsrichtung des Wärmeprozesses).[23]

Von entscheidender Bedeutung für das Überleben des ökologischen Systems und damit auch für ihr eigenes Überleben, ist die menschliche Gesellschaft, ihr Verhältnis zur natürlichen Umwelt und die Art der Funktionen, die sie ihr zuordnet. Im Gegensatz zu den ökonomischen, stehen die, durch den Menschen für das ökologische System gesetzten Ziele offensichtlich dort, wo von Umweltverschmutzung und -zerstörung gesprochen wird.[24]

2.3.3 Verhältnis ökologischer und ökonomischer Systeme

Beide Großsysteme sind sehr komplex und aufgrund ihrer weitverzweigten Abhängigkeiten nur schwer zu durchschauen. Sie sind nur indirekt lenkbar und haben ihre jeweiligen eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die ökonomische Balance ähnelt in ihrer Zerbrechlichkeit dem ökologischen Gleichgewicht. So ist ein „Umkippen“, wie es aus der Ökologie bekannt ist, gleichzusetzen mit einer Depression oder auch einer Hungersnot. Die Ökonomie kann nach Bonus daher auch als ein eigenes ökologisches System bezeichnet werden. Es besteht aus Millionen von Menschen, die aufeinander angewiesen, in ihren Tätigkeiten hochspezialisiert und in vielfältiger Weise aufeinander bezogen sind.[25]

Weiterhin sind nach Flunger ökonomische Systeme auf ständiges quantitatives Wachstum angewiesen. Geringere Wachstumsraten, Stagnation oder gar Rückgang sind Ursachen von Firmenzusammenbrüchen, Arbeitslosigkeit, zunehmender Verteilungs-kämpfe und im Ergebnis dessen, möglicherweise Grund für soziale Unruhen. Folgen des ständigen quantitativen Wachstums dagegen sind jedoch exponentiell zunehmender Ressourcenverbrauch und steigende Entsorgungsprobleme. Andererseits scheint das ökologische System dem ständigen Wachstum des ökonomischen Systems nicht mehr länger stand zu halten.[26]

Aufgrund der Begrenztheit von Ausbeutungs- und Aufnahmefähigkeit der natürlichen Umwelt, führt die momentane Inanspruchnahme der Umwelt für beide Zwecke zu Nutzungskonkurrenzen (z.B. Nutzung der Landschaft für Erholung, Land- und Forstwirtschaft sowie als Deponieraum für Abfälle). Unternehmungen beziehen ihren Input aus dem natürlichen Umsystem und wandeln diesen durch Kombination der Produktionsfaktoren zu erwünschtem Output (Produkte) und unerwünschtem Output (Abfälle, Emissionen) um. Auch nach Gebrauch des erwünschten Outputs entsteht ein unerwünschter Konsumrückstand, der, wie auch der Produktionsrückstand, begrenzt wieder in den Material- und Energiestrom zurückgeführt werden kann.[27]

Wünschenswerte ökologische Ziele können mit ökonomischen Zielen einerseits in Harmonie, andererseits aber in Disharmonie stehen. Disharmonien werden im Allgemeinen als „Umweltverschmutzung“ bezeichnet und immer häufiger als solche erkannt. Harmonische Ziele hingegen sind z.B. Kostenminimierung durch Einsatzminimierung als ökonomisches, in Harmonie mit Ressoucenschonung als ökologisches Ziel.[28]

Im wesentlichen erkennt Schreiner Aufgaben einer ökologisch ausgerichteten Ökonomie in zwei Arbeitsrichtungen:

- Ein durch Beeinflussung bzw. Manipulation der ökologischen Sphäre (z.B. durch Maßnahmen zur Verstärkung der natürlichen Regenerationsfähigkeit) sowie Anpassung der ökonomischen Ziele und Handlungsweisen an ökologische Erfordernisse zu erreichender Abbau bzw. Begrenzung bestehender Zieldisharmonien,
- sowie Entdeckung und Förderung von Zielharmonien beispielsweise durch umweltfreundliche Rationalisierungsmaßnahmen, verbessertem Technologie- und Wissenstransfer oder Stärkung des marktwirtschaftlichen Lenkungssystems (Preis als Knappheitsindikator).[29]

2.3.4 Ökonomie im Einklang mit Ökologie

Auf dem Weg eines harmonisierten Stoffwechsels zwischen Systemen und Umgebung beinhaltet Umweltverträglichkeit eines Systems die Verträglichkeit der Systemabgrenzung (Grenzziehung und Aufgabenteilung) und der Systemaktivitäten mit seiner Umwelt oder Teilen davon. Sie ist die Basis der Überlebens- und Entwicklungsfähigkeit jedes Systems.

Ökologieverträglichkeit bezeichnet die Verträglichkeit der Input-Output-Transformationen eines Systems mit ökologischen Kreisläufen der Systemumgebung. Da sie „nachhaltiges Haushalten“, gerichtet auf Überleben, Sinnerfüllung und Sozialverträglichkeit bedeutet, kann sie als oberstes Wirtschaftlichkeitsprinzip strategiegerechten Wirtschaftens bezeichnet werden.[30]

Zabel führt aus, daß ex ante kein unauflöslicher Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie besteht. Der Widerspruch oder Entscheidungskonflikt im Status quo resultiert daraus, daß Übernutzung bzw. Überlastung der Natur zu Zwangslagen in der Form führen, daß auftretende Schadenssituationen nur mit ökonomisch schwer vertretbarem Aufwand abgeschwächt oder aufgehalten werden können.[31]

Wagner sieht die Notwendigkeit einer Gesamtkonzeption der Betriebswirtschaftlichen Umweltökonomie. Diese wird - unter der Voraussetzung des Bemühens um substantielle Fortschritte einer erklärenden und handlungsleitenden Theorie - in der Lage sein, sich auch neuartigen Herausforderungen aus anderen Disziplinen kompetent zu stellen. Diese sind beispielsweise Herausforderungen des Umweltrechts, der Umweltsoziologie, der Umweltpsychologie oder auch der Umwelttechnologie.

Der strategischen Planung und strategischen Risikopolitik der Unternehmen erklärend und handlungsleitend zu helfen, wird, vor allem an der Schnittstelle von Ökonomie, Ökologie und auch der entsprechenden Rechtsvorschriften dann zunehmend als Aufgabe auf die Betriebswirtschaftliche Umweltökonomie zukommen.[32]

In Bezug auf Umweltschutz vollzieht sich in den Einstellungen der Unternehmensleitungen ein grundlegender Wandel. Dies ist nicht nur auf zunehmende ordnungs- und prozeßpolitische Aktivitäten des Staates zurückzuführen. Neue Gesetze und deren Umsetzung bringen erweiterte und neuartige Anforderungen für betriebswirtschaftliche Entscheidungsprozesse mit sich.[33]

Abbildung 4: Ansatzpunkte zur Ökonomisierung der Ökologie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 12

Heute berücksichtigen Unternehmen Umweltziele jedoch nicht mehr nur aufgrund gesetzlicher Anforderungen, sondern auch in zunehmendem Maße aus internen Motiven heraus. Gründe hierfür sind beispielsweise Erschließung neuer Märkte oder höhere Marktchancen durch umweltfreundliche Produkte, Reduzierung von Haftungsrisiken oder Imagegewinn. Letztere könnten auch Gründe für einen Wandel von der bisher vorherrschenden reaktiven, defensiven Unternehmenspolitik (Umsetzung von Vorschriften), hin zu einer offensiveren Politik sein. Allerdings mangelte es bisher an einem geschlossenen Managementkonzept für eine umweltfreundliche Unternehmensführung als langfristige Unternehmens- und Marketingstrategie. Mit Einführung von Umweltmanagementsystemen nach EG-Öko-Audit-Verordnung, die europaweit gilt und nach DIN EN ISO 14001, mit weltweiter Gültigkeit, besteht nun die Möglichkeit der Zertifizierung nach diesen Normen, was unter anderem einen nicht unerheblichen Imagegewinn zur Folge haben kann.[34]

2.3.5 Wettbewerbsfaktor Umweltschutz

Im Einzelfall ist die konkrete Bedeutung der Ökologie nur branchenspezifisch zu beurteilen. Meffert/Kirchgeorg erkennen die folgenden Einflußfaktoren auf die generellen Triebkräfte des Branchenwettbewerbs:

- Gefahr des Markteintritts neuer Konkurrenten,
- Bedrohung durch Ersatzprodukte,
- Ausmaß der Betroffenheit von Wettbewerbern bei der Beschaffung, Produktion, dem Absatz und der Entsorgung der Produkte z.B. durch umweltgesetzliche Regelungen und einer verstärkten Nachfrage nach umweltorientierten Problemlösungen,
- Kooperationsbereitschaft der Wettbewerber zur gemeinsamen Lösung der sich stellenden ökologischen Herausforderungen in einer Branche,
- Ausmaß der Rivalität der Unternehmen innerhalb der Branche durch Forcierung des Angebots umweltgerechter Produkte sowie einer offensiven Kommunikations-politik.[35]

Es ist zu erkennen, daß eine explizite Aufführung des Umweltverhaltens als Wettbewerbsdeterminante hier fehlt. Nun stellt sich die Frage, ob der Umweltschutz über die oben aufgeführten Determinanten Eingang in den Wettbewerbsprozeß findet. Nach Meffert/Kirchgeorg scheint es jedoch grundsätzlich möglich, daß ein Einwirken des Umweltschutzes auf den Branchenwettbewerb über jede der Determinanten erfolgen kann. Der Markteintritt neuer Konkurrenten beispielsweise erfolgt vielfach als Reaktion auf verändertes Nachfrageverhalten von Konsumenten.[36]

Vom sogenannten „prisoner´s dilemma“ werden weitere wettbewerbstheoretische Erkenntnisfortschritte hinsichtlich des Umweltschutzverhaltens erwartet. In der fogenden Abbildung ist das „Gefangenendilemma“, dem sich zwei Wettbewerber ausgesetzt sehen, in Form einer Konsequenzen-Matrix dargestellt. Dabei wird von zwei Strategieoptionen der Wettbewerber ausgegangen. Weiterhin wird für beide Wettbewerber die Lösung der ökologischen Problemstellungen grundsätzlich als wünschenswerter Zustand, sowie keinerlei auftretende Kommunikations- und Kooperationsaktivitäten zwischen ihnen unterstellt.[37]

Abbildung 5: Ökologieorientiertes Unternehmensverhalten als wettbewerbsbezogenes Problem – dargestellt anhand des Gefangenendilemmas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: de Haas, J.-P.: Management-Philosophie im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie, Köln 1989, S. 304 ff.

Eine Ignoranz des Umweltschutzes scheint aus ökonomisch rationaler Sicht einer offensiven Umweltschutzstrategie überlegen, vorausgesetzt, die erhöhten Umweltschutzkosten des einen Wettbewerbers führen zu Benachteiligungen gegenüber dem nicht umweltorientierten anderen Wettbewerber, bevor Umweltschutzmaßnahmen von Konsumenten und Gesellschaft gewürdigt werden. In der Praxis sind die hier zugrunde gelegten Prämissen jedoch nicht gegeben. Dennoch lassen sich in vielen Branchen passive Verhaltensmuster durch dieses Modell erklären. Allerdings stellt sich der Komplementärfall (beide Unternehmen setzen auf Strategie I) im Rahmen des Gefangenendilemmas für den Fall ein, bei dem eine verstärkte Marktakzeptanz von ökologischen Problemlösungen einerseits und mögliche Kosteneinsparungen durch Umweltschutzmaßnahmen andererseits zu einem offensiven Umweltmanagement führen.[38]

Abschließend bleibt festzustellen: Der Umweltschutz wird zunehmend zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor. In einem veränderten Nachfrageverhalten, umweltpolitischen Maßnahmen und dem Innovationsverhalten einzelner Unternehmen liegen dafür die Gründe. Daraus folgt, daß der aktive Umweltschutz ein wichtiges Element zur Erhaltung und zum Ausbau der Wettbewerbsposition darstellt. Somit sollte eine markt- und wettbewerbsorientierte Ausrichtung von Umweltschutzmaßnahmen im Rahmen des Umweltmanagement eine besondere Berücksichtigung erfahren.[39]

2.4 Analyse des Umweltbewußtseins der Anspruchsgruppen

2.4.1 Begriffsbestimmung

Im neueren Sprachgebrauch taucht zunehmend das Wort „Stakeholder“ für Anspruchsgruppen auf. Unter diesem englischen Begriff sind all diejenigen Personen zusammengefaßt, die Ansprüche an ein Unternehmen erheben dürfen, welche sich auf ein vertraglich begründeten Verhältnisses stützen.[40] Das betrifft alle Kapital-, Absatz- und Arbeitsmarktbeziehungen. Diese sogenannten „primary Stakeholders“ auf der marktlichen Seite schließen sämtliche Geschäftspartner, sowohl der Beschaffungsseite als auch der Absatzseite, wie z.B. Kapitaleigner, Fremdkapitalgeber, Versicherer und Kunden, ein.[41] Aber auch von der nicht marktlichen Seite, den sogenannten „secondary Stakeholders“, werden Ansprüche an die Unternehmensleitung herangetragen. Darunter sind Institutionen, Personen und sonstige Gruppierungen zusammengefaßt, die aufgrund formaler Regelungen legitimiert sind, Anspruch auf Überwachung und Einflußnahme von unternehmerischer Tätigkeit zu erheben,[42] oder sich durch irgendwelche Unternehmenstätigkeiten beeinträchtigt fühlen.[43]

Unter Anspruchsgruppen, im vorliegenden Fall ökologischen Anspruchsgruppen, sind diejenigen Handlungseinheiten bzw. sozialen Gruppen zusammengefaßt, die ihre Interessen und Ansprüche im ökologischen Bereich an die Unternehmen richten. Dabei artikulieren sie ihre Interessen selbst oder mit Hilfe von Interessenvertretern. Sie nehmen Einfluß auf geplante oder bereits getätigte unternehmerische Handlungen, bei denen sie unerwünschte ökologische (Neben-)Wirkungen für sich selbst, andere Menschen, künftige Generationen oder andere Lebewesen (Pflanzen, Tiere) feststellen oder vermuten.[44]

Anspruchsgruppen nutzen zur Durchsetzung ihrer Anliegen dabei eine oder mehrere der folgenden Strategien:

- Mobilisierung von öffentlichem Druck (besonders über Massenmedien),
- Mobilisierung von politischem Druck,
- Mobilisierung von Marktkräften (Konsumboykott),
- Aktivierung von Gesellschaftern der Unternehmen (z.B. durch geringfügigen Anteilserwerb zur Nutzungsmöglichkeit des Forums Hauptversammlung),
- direkte Verhandlungen mit den Unternehmensvertretern.[45]

Für die betroffenen Unternehmen können diese Strategien Auswirkungen haben, die vom Ansehensverlust, über Einbußen im Umsatz, bis hin zur Belastung der Arbeitsmoral der Beschäftigten reichen können.

2.4.2 Konsumentenbezogene Aktionsbereiche des Umweltschutzverhaltens

„In der alltagssprachlichen Verwendung wird der Begriff `Umweltbewußtsein´ für unterschiedlichste Einstellungen und Verhaltensweisen verwendet. Das Separieren von Hausmüll, das Engagement in einer Bürgerinitiative, die Überzeugung, wir wären an den Grenzen des Wachstums angekommen und vieles andere wird unter diesem Begriff zusammengefaßt. Auch die empirische Sozialforschung, die sich der Thematik annahm, hat bislang keine eindeutige Begriffsbestimmung zu bieten.“[46]

Nicht nur von den Herstellern, auch vom Verbraucher wird, orientiert am Leitbild des „sustainable development“, ein nachhaltiger Konsum (sustainable consumption) gefordert.[47] Eine, bis dato, zu enge Sichtweise der Konsumentenverantwortung auf alleinige Kaufkraft wird durch explizite Miteinbeziehung der kundenseitigen Umweltbeeinflussung im Verlauf der Nutzung und auch der Entsorgung im Sinne einer integrierten Sichtweise dadurch erweitert.[48]

Schon mit der Kaufentscheidung beginnt die Verantwortung der Verbraucher für einen umweltgerechten Konsum. Die Wahl zwischen umweltgerechten und herkömmlichen bzw. umweltschädigenden Produktvarianten oder sogar ein vollkommener Kaufverzicht sei hier als Beispiel genannt.

In der Nutzungsphase entscheidet der Konsument, in welcher Intensität er die Produkte nutzt. So kann selbst ein übermäßiger Verbrauch umweltgerechter Produkte auf Dauer zu einem Anstieg des Müllberges führen. Beispielsweise führt der rapide Anstieg der zugelassenen und genutzten PKW mit geregeltem Katalysator, trotz geringerer Abgaswerte letztendlich zu einem erhöhten Schadstoffausstoß.

In der Produktentsorgungsphase entscheidet der Verbraucher mittels Abfalltrennung einerseits und seiner Bereitschaft, getrennte Abfälle vorgesehenen Recyclingsystemen zuzuführen andererseits, über den Grad seines gezeigten ökologiegerechten Konsumverhaltens.[49]

2.4.3 Mögliche Erscheinungsformen ökologieorientierten Konsumentenverhaltens

Meffert/Kirchgeorg unterscheiden zwischen drei Formen des Konsumentenverhaltens:

1. Der totale Konsumverzicht,
2. der partielle Konsumverzicht und
3. selektives Konsumentenverhalten.

Beim totalen Konsumverzicht bringt die Verwendung bestimmter Produktgruppen keinen relevanten Nutzen für den Konsumenten.

Der partielle Konsumverzicht ist gekennzeichnet durch wesentlich bewußteren (in möglicherweise geringeren Dosierungen) Einsatz bestimmter Produkte.

Selektives Konsumentenverhalten zeichnet sich durch gezielten und bevorzugten Kauf umweltverträglicher Produktvarianten aus. Dem totalen und partiellen Konsumverzicht kann seitens der Hersteller durch ein hinreichendes Angebot umweltverträglicher Produktvarianten vorgebeugt werden.[50]

2.4.4 Ökologische Forderungen verschiedener Anspruchsgruppen

Ökologische Ansprüche der Arbeitnehmer

Nicht unwesentlichen Anteil an Erfolg oder Mißerfolg eines Unternehmens hat das sogenannte „Humankapital“, die Mitarbeiter des Unternehmens. Die vom Unternehmen angebotenen Arbeitsplätze sollten so beschaffen sein, daß die Mitarbeiter bereit sind, Zeit, Energie und Persönlichkeit auf Dauer zu investieren.[51] Eine der großen Forderungen der Arbeitnehmer im Zusammenhang mit ihrem Arbeitsplatz ist die nach Sicherheit am Arbeitsplatz. Sie richtet sich u.a. auf unfall- und krankheitsverhütende Vorsorgemaßnahmen. Die Maßnahmen sollen das Risiko einer Umweltkatastrophe verhindern. Zur Kompensation sie betreffender Umwelt- bzw. Gesundheits- und/oder Sicherheitsbelastungen am Arbeitsplatz, könnten Arbeitnehmer beispielsweise mit Forderungen nach erhöhtem Arbeitsentgelten reagieren.[52]

Interessenvertreter der Arbeitnehmer, die deren Ansprüche im Unternehmen durchsetzen können, sind der Betriebsrat[53] oder auch die Gewerkschaften. Als Beispiele der umweltpolitischen Arbeit der Gewerkschaften sollen hier das Programm „Umweltschutz im Betrieb“ der IG Metall sowie das im Rahmen der Informationsarbeit zur Verbesserung des Umweltbewußtseins der Arbeitnehmer ausgearbeitete Umweltprogramm „Umweltschutz und qualitatives Wachstum“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes genannt werden.[54]

Ökologische Ansprüche der Kapitalgeber

Bei der Frage der Kapitalgeber wird im Folgenden zwischen Eigen- und Fremdkapitalgebern unterschieden.

Ökologische Ansprüche der Eigenkapitalgeber

Eigenkapitalgeber sind im Regelfall die Eigentümer oder auch eventuell Mitarbeiter des Unternehmens. Sie sind aufgrund ihres höheren Kapitalrisikos an der Politik des Unternehmens interessiert. Aus diesem Grund stellen sie auch Ansprüche hinsichtlich der Sicherheit ihrer Kapitalanlagen sowie der Sicherung der zukünftigen Ertragskraft des Unternehmens. Gefährdet werden können die betrieblichen finanzwirtschaftlichen Überschüsse auch durch Umweltbelastungen und/oder Umweltgefährdungen seitens des Unternehmens. Das erfolgt beispielsweise durch öffentlich-rechtliche Haftungsregelungen oder aufgrund notwendig werdender privatrechtlicher Kompensationsleistungen bzw. -zahlungen. Dadurch kann der Erwartungswert der Rückflüsse der Anteilseigner geschmälert werden.[55]

Ökologische Ansprüche der Fremdkapitalgeber

Hierzu zählen im wesentlichen Banken, Versicherungen sowie private Investoren (dies können auch Mitarbeiter des Unternehmens sein). Bei der Entscheidungsfindung der Fremdkapitalgeber spielt die Berücksichtigung des Umweltschutzes insgesamt betrachtet noch eine geringe Rolle.[56] Eine im Jahre 1990 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit durchgeführte Studie zur „Umweltorientierten Unternehmensführung“ unter 626 befragten Unternehmen ergab, daß 59,7% der Unternehmen angaben, das Umweltschutzprofil eines Unternehmens spiele als Vergabekriterium für Kreditgeber keine Rolle.[57] Infolge verschiedener Gründe, wie z.B. eine sich verschärfende Gesetzgebung, ist jedoch in den nächsten Jahren mit Umweltschutzinvestitionen in Milliardenhöhe zu rechnen. Darum sollte es im Interesse der Fremdkapitalgeber liegen, Finanzierungen dieser Investitionen durch umweltorientierte Maßnahmen zu fördern.[58]

Ökologische Ansprüche der Lieferanten

Lieferanten haben eine eigene Stellung als eigenständige Unternehmen. Sie streben nach der eigenen Existenzerhaltung und -entwicklung, nach eigenen Gewinnen sowie langfristig nach einer Unternehmenswertsteigerung und Unabhängigkeit von den abnehmenden Unternehmen.[59] Als Lieferanten umweltfreundlicher(er) Vorprodukte, sind sie auch an der Herstellung umweltfreundlicher(er) Endprodukte interessiert, besonders, wenn sie noch nach Einbau ihrer Vorprodukte in das Endprodukt als Zulieferer identifizierbar sind. Mögliche Schwierigkeiten im Umweltverhalten des Endproduzenten fallen dann auch auf das Image des Zulieferers zurück. Bei entsprechender Marktmacht können sie Garantien über die Umweltfreundlichkeit der Endprodukte oder gar des Produktionsprozesses vertraglich fixieren lassen.[60] Die Ausprägung der Lieferantenmacht hängt von:

- Der Anzahl von Lieferanten innerhalb einer Branche, gegenseitiger Absprachen und Konzentrationen,
- der Stellung des Unternehmens für den Lieferanten,
- der Gefahr der Verdrängung durch Ersatzprodukte,
- der Wichtigkeit des eigenen Produktes für die Leistungserstellung,
- der Möglichkeit einer Differenzierung der Produkte des Lieferanten,
- der anfallenden Umstellungskosten seitens des Unternehmens im Falle eines Lieferantenwechsels

ab. In der Regel ist es jedoch so, daß die Hersteller den Lieferanten die Bedingungen diktieren.[61]

Ökologische Ansprüche des Handels

Der Handel bildet eine Brückenfunktion zwischen den Herstellern und dem Endverbraucher. Er vermittelt die Leistungs- und Wertströme zwischen Hersteller und Konsument (es sei denn, der Hersteller hat einen Direktvertrieb). Der Handel kontrolliert aufgrund seiner Gate-Keeper-Funktion in vielen Branchen, welche Produkte überhaupt auf den Markt kommen.[62] Er ist bestrebt, schnell und gewinnträchtig wiederzuverkaufende, neuartige Produkte und dafür auch Verkaufshilfen (Einführungswerbung, -rabatte, Propagandisten) zu erhalten. In erster Linie bestehen Erfolgsaussichten für (neue) Produkte im Handel dann, wenn ein aktueller oder potentieller Bedarf seitens der Konsumenten zu erkennen ist.[63]

Außer für seine eigenen Handelsmarken sieht sich der Handel in der Rolle des Gate-Keepers nicht für bestimmte Produkte verantwortlich, sondern vielmehr für Selektions- und Vermittlungsleistungen. Aufgrund marktlicher (Ökologie-Push der Konsumenten), staatlicher (Druck durch Gesetze und Richtlinien zur Durchführung umweltentlastender Maßnahmen) oder wettbewerbsstrategischer Erfordernisse (Anpassungs- oder Innovationsstrategien), kann der Handel eine ökologieorientierte Unternehmenspolitik betreiben.[64]

Wichtig bei der Durchsetzung ökologischen Verhaltens bei dem Hersteller ist auch hier die Machtposition des Handels. Ein bedeutungsloser Händler wird kaum den Einfluß auf den Hersteller ausüben können, wie ein Händler mit großem Regalflächenangebot oder einer Schlüsselposition gegenüber wichtigen Zielgruppen. Vom Erlaß schriftlich fixierter Richtlinien (z.B. zur Verringerung und Vermeidung von Verpackungen), über das Verlangen der Herkunftsdeklaration von Rohstoffen, bis hin zur Auslistung bestimmter Produkte kann die Beeinflussung des Herstellers durch den Händler reichen.[65]

Ökologische Ansprüche des Staates

Häufig übernimmt der Staat die Anwaltschaft für bestimmte Gruppen in unserer Gesellschaft. Diese können besonders Schutzbedürftige sein oder Gruppen, die ihr ökologisches Anliegen noch nicht direkt an die Unternehmen weitertragen können (z.B. zukünftige Generationen). Als Anwalt dieser Gruppen kann er großen Einfluß auf die ökologische Tätigkeit von Unternehmen ausüben. Dieser Einfluß kann u.a. in Form von ordnungsrechtlichen Instrumenten (Gesetze und Verordnungen) oder auch ökonomischen Anreizen (Abgaben, Umweltzertifikate, Kompensationsleistungen), durch Steuervergünstigungen, Subventionen oder auch Finanzierungshilfen erfolgen. Dabei unterscheiden sich die ordnungsrechtlichen Instrumente von den ökonomischen Anreizen in der Form, daß dem Unternehmen umweltschutzbezogenes Verhalten zwingend, per Gesetz oder Verordnung, vorgeschrieben wird. Solange Vermeidungskosten geringer sind als Emissionsabgaben, erscheint es für Unternehmen sinnvoll, durch umweltschutzbezogene Vorsorgemaßnahmen Emissionen zu verringern oder zu verhindern. Eine zunehmende Verschärfung der Gesetzgebung, sowohl national als auch international, wird in Zukunft das umweltschutzbezogene Verhalten von Unternehmen in größer werdendem Maße beeinflussen.[66]

Ökologische Ansprüche der Öffentlichkeit

In der Literatur sind Ansprüche der Öffentlichkeit bisher nicht einheitlich gekennzeichnet worden. Öffentliches Interesse kann in verschiedenen Formen auftreten und durchgesetzt werden. Da sind zum einen staatliche Institutionen und zum anderen eine Vielzahl außerparlamentarischer Interessenverbände (Vereine, Organisationen). Eine Vielzahl von Bundesbürgern engagiert sich in lokalen, regionalen und bundesweiten Umwelt- und Naturschutzverbänden. Über diese Verbände soll das allgemeine Umweltbewußtsein gefördert werden. Möglichkeiten sind durch Aus-, Fort- und Weiterbildungen der Öffentlichkeit, Interessenvertretungen oder durch die Betreuung von Schutzgebieten gegeben. Umweltverbände wie Greenpeace, BUND oder Robin Wood haben in der Bundesrepublik mittlerweile einen großen Einfluß auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Eine besondere Stellung in der Gesellschaft nehmen die Medien ein. Dadurch besetzen sie auch eine besondere Position bei der Durchsetzung öffentlichen Interesses über das Anprangern von Unternehmen.[67]

2.5 Integrierter Ansatz eines marktorientierten Umweltmanagement

2.5.1 Die Managementlehre als integrierende Umweltlehre

„Die zunehmende Komplexität und Dynamik der durch das Management zu bewältigenden Aufgaben hat in vielen Unternehmungen zu einer verstärkten organisatorischen Arbeitsteilung und persönlichen Spezialisierung der Mitarbeiter geführt. Die sich auf diesem Wege abzeichnende Tendenz, unverbundene Insellösungen für Teilprobleme zu entwickeln, steht der Forderung nach vernetzten Systemen und ganzheitlichem Verhalten ... entgegen. Ansätze eines i. M. (integrierten Management d.A.) ... versuchen, grundsätzliche Interdependenzen von notwendigerweise zu berücksichtigenden Elementen des Managements innerhalb eines umfassenden Bezugsrahmens aufzuzeigen und Methoden für deren gegenseitige Abstimmung bereitzustellen.“[68]

Mit der Einbeziehung des Umweltbegriffs in die allgemeine Managementlehre sehen sich die obersten Leitungsinstanzen der Unternehmungen neuen, erweiterten Managementaufgaben, -inhalten und -kontexten gegenüber. Werden nicht nur die gesellschaftlichen Anspruchsgruppen, sondern auch die Natur (durch indirekte Artikulation über die Anspruchsgruppen) involviert, kann von einer verschärften Problematik des Erkennens von und des Eingehens auf die, an die Unternehmungen gestellten Ansprüche ausgegangen werden.[69]

Die Managementlehre ist im Gegensatz zu den speziellen (Funktions-) Betriebswirtschaftslehren eine übergreifende, führungszentrierte Betriebswirtschaftslehre, Gestaltungs-/Steuerungsprozesse, Funktionsbereiche und Unternehmensebenen werden integrativ betrachtet. Dadurch erfährt sie innerhalb der Ökologieorientierung der Wirtschaftswissenschaften eine besonders große Herausforderung. Das integrierende Moment der Managementlehre in Bezug auf Umweltbetrachtungen wird in Abb. 6 dargestellt. Herausforderungen einer besseren Integration der natürlichen Umwelt in das Managementverständnis führt zu einer Vielzahl von Einzelfragen, deren Beantwortung letztlich jedoch nur jedes Unternehmen für sich selbst vornehmen kann.[70]

Abbildung 6: Die Managementlehre als „integrierende Umweltlehre“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an: Kolbeck, F.: Entwicklung eines integrierten Umweltmanagementsystems, München 1997, S. 55

2.5.2 Ansatzpunkte zur Integration des Umweltschutzes in betriebswirtschaftliche Aussagensysteme

Meffert/Kirchgeorg unterscheiden drei mögliche Wege, bei der Einbeziehung der Ökologie in betriebswirtschaftliche Aussagensysteme. Der erste ist die sogenannte Minimum-Strategie, die bewährte Theoriekonzepte durch ökologische Aspekte ergänzt.

Der zweite ist der ergänzende bzw. modifizierende Ansatz, welcher im wesentlichen darin besteht, betriebswirtschaftliche Aussagensysteme durch ökologische Fragestellungen anzureichern bzw. zu modifizieren. Dieser wird offensichtlich durch die Mehrheit der betriebswirtschaftlichen Forscher verfolgt. Der Vorteil wird darin gesehen, daß, trotz Integrationsgedankens, einem ökologieorientierten Management Rechnung getragen werden kann und vorhandene Paradigmen nicht verändert werden müssen.

Bei dem dritten Weg wird an den Werten bzw. Zielsystemen der Entscheidungsträger sowohl innerhalb des Unternehmens als auch außerhalb bei den Anspruchsgruppen angesetzt. Hier wird teilweise losgelöst von ökonomischer Rationalität, ein Höchstmaß ökologieorientierten unternehmerischen Handelns gefordert. Ziel ist eine ganzheitliche Sicht unter ökologieorientierten Maßstäben.[71]

Nach Stitzel/Wank beantwortet keiner dieser Ansätze die großen Fragen einer Integration und Ganzheitlichkeit, im Sinne einer geschlossenen Konzeption der ökologisch orientierten Unternehmensführung, befriedigend. Das bedeutet: Keine Unternehmensführung kann als Ganzes in einer ausgewogenen Synthese das Prädikat „ökonomisch“und „ökologisch“ beanspruchen.[72]

2.6 Zwischenfazit

Abschnitt 2 stellt dar, welche Gründe aus Unternehmenssicht und aus der Sicht des Unternehmensumfeldes für die Integration eines UMS sprechen.

Der Markt wird sich trotz vorübergehender Stagnation im Umweltbewußtsein weiter in Richtung zunehmend umweltschonenderer Produkte und Produktionsverfahren entwickeln. Das zeigt schon die Verschärfung von Gesetzen und Restriktionen seitens des Staates, aber auch die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit z.B. im Falle von Umweltkatastrophen.

Umweltschutz entwickelt sich verstärkt zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor, dem sich die Unternehmen auf Dauer nicht verschließen können. Sie können es sich schon allein aus Imagegründen nicht mehr erlauben, Gesetze oder öffentlichen Druck zu ignorieren. Die Konsequenzen, die beispielsweise bei Nichteinhaltung von Gesetzen und Verordnungen oder bei Nichtbeachtung der öffentlichen Meinung etc. können für Unternehmen erhebliche Ausmaße annehmen. Das kann von Umsatzeinbußen, über den Verlust der Arbeitsmoral der Mitarbeiter bis hin zum Imageverlust reichen.

[...]


[1] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 3 f.

[2] Vgl. Wicke, L.: Umweltökonomie, München 1991, S. 28.

[3] Vgl. Wicke, L.: Umweltökonomie, München 1991, S. 31; Weizsäcker, E. U. von: Erdpolitik-Ökologische Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt, Darmstadt 1990, S. 112 ff; Meadows, D.: Dynamik des Wachstums in der begrenzten Welt, Münster 1993, S. 62 ff.

[4] Vgl. Wicke, L.: Umweltökonomie, München 1991, S. 27 ff.

[5] Vgl. ebd.: S. 27 ff.

[6] Vgl. Strebel, H.: Umwelt und Betriebswirtschaftslehre, Berlin 1980, S. 38 f.

[7] Vgl. Strebel, H.: Umwelt und Betriebswirtschaftslehre, Berlin 1980, S. 38 f.

[8] Vgl. Dyckhoff, H.: Betriebliche Prduktion, Berlin Heidelberg New York 1994, S. 42 ff.

[9] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 41 f.

[10] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 45.

[11] Vgl. Strebel, H.: Umwelt und Betriebswirtschaftslehre, Berlin 1980, S. 48.

[12] Vgl. Terhart, K.: Die Befolgung von Umweltschutzauflagen als betriebswirtschaftliches Entscheidungsproblem, Berlin 1986, S. 101 ff.

[13] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 48.

[14] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 48.

[15] Vgl. Locke, B.: Die Biosphäre und ihre weltweite Gefährdung, Bern München Wien 1990, S. 165 ff.

[16] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 4.

[17] Vgl. Strebel, H.: Umwelt und Betriebswirtschaftslehre, Berlin 1980, S. 36.

[18] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 5 f.

[19] Vgl. ebd.: S. 5 f.

[20] Vgl. Flunger, S.: Öko-Audit im Kleinbetrieb, Wiesbaden 1998, S. 40 f.

[21] Vgl. Flunger, S.: Öko-Audit im Kleinbetrieb, Wiesbaden 1998, S. 39

[22] Vgl. Haber, W.: Landschaftsökologische Erkenntnisse als Grundlage wirtschaftlichen Handelns, Wiesbaden 1992, S. 20.

[23] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 6.

[24] Vgl. ebd.: S. 7.

[25] Vgl. Bonus, H.: Die Schmutzaktionäre, in: Stern, Natur, Heft 12/81

[26] Vgl. Flunger, S.: Öko-Audit im Kleinbetrieb, Wiesbaden 1998, S. 41

[27] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 8 ff.

[28] Vgl. Ulrich, H.: Die Unternehmung als produktives, soziales System, Bern Stuttgart 1970, S. 112.

[29] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 8 ff.

[30] Vgl. Flunger, S.: Öko-Audit im Kleinbetrieb, Wiesbaden 1998, S. 41 f.

[31] Vgl. Zabel, H.-U.: Wirtschaft und Umwelt-Systembetrachtungen unter Erfolgsgesichtspunkten, Wiesbaden 1994, S. 4 ff.

[32] Vgl. Wagner, G.R.: Betriebswirtschaftliche Umweltökonomie, Stuttgart 1997, S. 21.

[33] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 13 f.

[34] Vgl. Schreiner, M.: Umweltmanagement in 22 Lektionen, Wiesbaden 1996, S. 13 f.

[35] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 142.

[36] Vgl. ebd. S. 57 ff.

[37] Vgl. de Haas, J.-P.: Management-Philosophie im Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie, Köln 1989, S. 304 ff.

[38] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 58.

[39] Vgl. ebd. S. 59

[40] Vgl. Caroll, A.B.: Business & Society, Cincinnati etc. 1998, S. 60.

[41] Vgl. Schmidt, R.B.: Wirtschaftslehre der Unternehmung, Stuttgart 1977, S. 58 ff.

[42] Vgl. Haedrich, G.: Entwicklungstendenzen der Public Relations aus der Sicht der Wissenschaft, Münster 1986, S. 8.

[43] Vgl. Green, R.M.: The Ethical Manager, New York 1994, S. 26.

[44] Vgl. Janisch, M.: Das strategische Anspruchsgruppenmanagement, Bern Stuttgart Wien 1993, S. 4.

[45] Vgl. Dyllick, T.: Management der Umweltbeziehungen, Wiesbaden 1989, S. 56 ff.

[46] Vgl. Keller, A.: Umweltbewußtsein, Frankfurt 1991, S. 91

[47] Vgl. Hansen, U.: Marketing im gesellschaftlichen Dialog, Frankfurt New York 1996, S. 43 f.

[48] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 128.

[49] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 129.

[50] Vgl. ebd.: S. 131 f.

[51] Vgl. Seydel, S.: Ökologieorientiertes Kommunikationsmanagement, Wiesbaden 1998, S. 49 ff.

[52] Vgl. Wagner, G.R.: Betriebswirtschaftliche Umweltökonomie, Stuttgart 1997, S. 62.

[53] Vgl. Steinmann, H./Gerum, E.: Unternehmensordnung, Stuttgart 1990, S. 243.

[54] Vgl. Pfriem, R.: Ökologische Unternehmensführung, Berlin 1991, S. 51.

[55] Vgl. Wagner, G.R.: Betriebswirtschaftliche Umweltökonomie, Stuttgart 1997, S. 93.

[56] Vgl. Seydel, S.: Ökologieorientiertes Kommunikationsmanagement, Wiesbaden 1998, S. 53 ff.

[57] Vgl. Umweltbundesamt (Hrsg.): Umweltorientierte Unternehmensführung, Berlin 1991, S. 198.

[58] Vgl. Seydel, S.: Ökologieorientiertes Kommunikationsmanagement, Wiesbaden 1998, S. 55 f.

[59] Vgl. Kreikebaum, H.: Strategische Unternehmensplanung, Stuttgart u.a. 1989, S 166.

[60] Vgl. Seydel, S.: Ökologieorientiertes Kommunikationsmanagement, Wiesbaden 1998, S. 56.

[61] Vgl. Mihle, R.: Ökologieorientiertes Marketing, Zürich 1993, S. 60 f.

[62] Vgl. Ahlert D.: Distributionspolitik, Stuttgart 1991, S. 148 f.

[63] Vgl. Bänsch, A.: Käuferverhalten, München Wien 1996, S. 211 ff.

[64] Vgl. Hansen, U./Kull, S.: Der Handel als ökologieorientiertes Diffusionsagent, in: JAV, Heft 1/1996, S. 92

[65] Vgl. Hansen, U.: Ökologisches Marketing im Handel, Frankfurt/Main New York 1988, S. 342.

[66] Vgl. Seydel, S.: Ökologieorientiertes Kommunikationsmanagement, Wiesbaden 1998, S. 59 f.

[67] Vgl. Jänicke, M.: Akteure der Umweltpolitik, Berlin 1995, S. 11.

[68] Vgl. Gabler: Wirtschaftslexikon, CD-Rom, Wiesbaden 1997.

[69] Vgl. Kolbeck, F.: Entwicklung eines integrierten Umweltmanagementsystems, München 1997, S. 53 f.

[70] Vgl. Steinle, C.: Betriebswirtschaftslehre als Führungslehre?, Stuttgart 1994, S. 297 ff.

[71] Vgl. Meffert, H./Kirchgeorg, M.: Marktorientiertes Umweltmanagement, Stuttgart 1998, S. 70 f.

[72] Vgl. Stitzel, M./Wank, L.: Was kann die Lehre vom strategischen Manegement zur Entwicklung einer ökologischen Unternehmensführung beitragen?, Wiesbaden 1990, S. 105 ff.

Details

Seiten
162
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832464103
ISBN (Buch)
9783838664101
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221837
Institution / Hochschule
Fachhochschule Worms – Betriebswirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
umweltschutz umweltmanagment umweltinformationssysteme öko-controlling umweltaudit

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Titel: Auswirkungen vom Umweltmanagementsystemen aus Unternehmenssicht