Lade Inhalt...

Wellness als neue Ausprägungsform des Gesundheitstourismus in traditionellen Heilbädern und Kurorten

Eine Angebotsuntersuchung der Heilbäder Badenweiler, Bad Homburg, Bad Krozingen und Bad Saarow

Diplomarbeit 2001 147 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Methodischer Aufbau der Arbeit

2 Der Wellnesstrend
2.1 Entwicklung und Definition
2.1.1 Entwicklung des Wellness-Gedankens
2.1.2 Begriffsverständnis im deutschsprachigen Raum
2.1.3 Begriffsverständnis im internationalen Vergleich
2.2 Voraussetzung für die Entwicklung des Gesundheitstrends
2.2.1 Demographischer Wandel
2.2.2 Gesellschaftlicher Wandel
2.2.3 Wertewandel
2.2.4 Wandel im Gesundheitsverständnis
2.3 Der Wellnessmarkt
2.3.1 Volumen und Verteilung
2.3.2 Der Wellnesskunde
2.3.3 Entwicklungsprognosen
2.4 Zusammenfassung

3 Der Wellnesstourismus
3.1 Definition und Abgrenzung
3.1.1 Gesundheitstourismus
3.1.2 Wellnesstourismus
3.1.3 Die Hauptelemente des Wellnesstourismus
3.2 Trend zum Gesundheitstourismus
3.3 Angebotsstruktur
3.3.1 Wellnesshotels
3.3.2 Wellnessangebote in Fremdenverkehrsorten oder –regionen
3.3.3 Kooperationen im Wellnesstourismus
3.3.4 Spezialreiseveranstalter
3.4 Die Nachfragespezifika
3.5 Die Zielgruppe
3.6 Trends und Prognosen für den Wellnesstourismus
3.7 Zusammenfassung

4 Kurwesen in Deutschland
4.1 Definitionen und Abgrenzungen
4.1.1 Kur
4.1.2 Kurtourismus
4.1.3 Abgrenzung von Kur- und Wellnesstourismus
4.2 Historische Entwicklung des Kurwesens
4.3 Rahmenbedingungen der Heilbäder und Kurorte
4.3.1 Infrastrukturelle Gegebenheiten
4.3.2 Bädersparten und Prädikatisierung
4.3.3 Grundlinien der Kurortbehandlung
4.3.4 Rechtsformen der Kurortunternehmungen
4.3.5 Träger der Kur
4.4 Der Markt der Heilbäder und Kurorte
4.4.1 Entwicklung des Angebotes
4.4.2 Entwicklung der Nachfrage
4.4.3 Zielgruppen
4.4.3.1 Kurgäste
4.4.3.2 Gesundheitstouristen
4.4.3.3 Sonstige Touristen
4.4.3.4 Ausländische Gäste
4.4.4 Wettbewerbsanalyse
4.4.4.1 Gesundheitsorientierte Ferienorte
4.4.4.2 „Neue“ Feriendestinationen
4.4.4.3 Ausländische Kurorte
4.5 Die Bäderkrisen und ihre Ursachen
4.5.1 Strukturelle Ursachen
4.5.2 Konjunkturelle Ursachen
4.5.3 Finanzpolitische Ursachen
4.5.4 Die Auswirkungen der Kurkrise
4.6 Wege aus der Krise
4.6.1 Wirtschaftliche Situation seit 1998
4.6.2 Neupositionierung der Kurorte
4.6.3 Marktfeldstrategien
4.6.4 Trends in der Nachfrage und im Angebot

5 Wellnesstourismus in traditionellen Kurorten
5.1 Zögerliche Entwicklung
5.2 Beispiele zur Angebotsprofilierung durch Wellness
5.2.1 Badenweiler – Wellness mit Tradition
5.2.1.1 Struktur des Heilbades
5.2.1.2 Das Wellnessangebot
5.2.1.3 Weitere Maßnahmen
5.2.1.4 Positive Auswirkungen
5.2.2 Bad Homburg v. d. Höhe – Wellness in Wohnortnähe
5.2.2.1 „Champagnerluft und Tradition“
5.2.2.2 Kurbetrieb und Fremdenverkehrsstruktur
5.2.2.3 Gesundheitspolitische Maßnahmen in Hessen
5.2.2.4 Wellness statt klassische Kurmittel
5.2.2.5 Weitere Pläne und Fazit
5.2.3 Bad Krozingen – Wellness für Normalverdiener
5.2.3.1 Ausgangssituation
5.2.3.2 Restrukturierungsmaßnahmen
5.2.3.3 Gelungener Turn-around
5.2.3.4 Fazit
5.2.4 Bad Saarow – Der Kurort der Zukunft?
5.2.4.1 Abwechslungsreiche Geschichte
5.2.4.2 Kurortrahmenplanung
5.2.4.3 Das Angebot
5.2.4.4 Der Erfolg
5.2.4.5 Fazit
5.2.5 Synopse
5.3 Die neue Zielgruppe
5.4 Innovative Entwicklungen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Konzeptioneller Aufbau der Diplomarbeit

Abb. 2: Das Gesundheitskontinuum

Abb. 3: Wellnesselemente

Abb. 4: Entstehung des Wellness-Begriffs nach Nahrstedt

Abb. 5: Verständnis von Wellness der Schweizer Bevölkerung

Abb. 6: Der Wohlfühlmarkt in Deutschland

Abb. 7: Die langen Wellen der Konjunktur und ihre Basisinnovationen

Abb. 8: Kategorien des Gesundheitstourismus

Abb. 9: Entwicklung von Urlaubsformen (Auswahl) 1994 bis 2002

Abb. 10: Abgrenzung von Wellnesshotels zu anderen Hoteltypen

Abb. 11: Übersicht über die Artbezeichnungen für Kurorte

Abb. 12: Gästezahlen in westdeutschen Kurorten 1988-1997 (in Tausend)

Abb. 13: Entwicklung der Gästezahlen und Übernachtungen in Kurorten1995-2000

Abb. 14: Wettbewerbskräfte im Markt der deutschen Heilbäder und Kurorte

Abb. 15: Ursachen der Bäderkrisen

Abb. 16: Positionierungskategorien für Kurorte

Abb. 17: Zentrale Aussagen der ETI/FTM Studie

Abb. 18: Die Lage der untersuchten Kurorte in Deutschland

Abb. 19: Außenfassade Cassiopeia-Therme (ehemaliges Markgrafenbad)

Abb. 20: Kuppelbad in der Cassiopeia-Therme in Badenweiler

Abb. 21: Cassiopeia-Therme Badenweiler, Eingangsbereich

Abb. 22: Kaiser-Wilhelms-Bad in Bad Homburg vor der Höhe

Abb. 23: Kuppelhalle in der Vita Classica Therme, Bad Krozingen

Abb. 24: Japanisches Bad im Wohlfühlhaus, Bad Krozingen

Abb. 25: Stadtplan von Bad Saarow

Abb. 26: Moorbad in Bad Saarow um 1915

Abb. 27: SaarowCentrum in Bad Saarow im Jahr 2000

Abb. 28: SaarowTherme in Bad Saarow, innen

Abb. 29: SaarowTherme in Bad Saarow, außen

Abb. 30: Typische Ferienresidenz in Bad Saarow

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Erfahrungen mit und Interesse an gesundheitsorientierten Urlaubsformen

in den nächsten drei Jahren (in %) (Basis: 63,6 Mio. Personen)

Tab. 2: Bevorzugte Nutzungsorte für Wellnessangebote

Tab. 3: Abgrenzung der Sozialversicherungskur vom Gesundheitstourismus

Tab. 4: Kurgäste und Übernachtungen 1997 nach Bädersparten

Tab. 5: Rechtsformen der Kurortunternehmungen

Tab. 6: Entwicklung der Übernachtungen der Privatkurgäste, Sozialkurgäste, Kurmittelabgabe sowie der Anträge bei der gesetzlichen Rentenver- sicherung in den Krisenjahren (in %)

Tab. 7: Marktfeldstrategien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Volkswirtschaftliche und demographische Entwicklungen in Deutschland bewirken, dass in den letzten Jahren die Verantwortung für die individuelle Gesundheit vom Staat auf den einzelnen Menschen übertragen wurde. Die Bevölkerung wird immer mehr mit Leistungseinschränkungen im Gesundheitsbereich konfrontiert. Auf der Nachfrageseite des Gesundheitsmarktes ist ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein die Reaktion auf diese Entwicklung. Die Nachfrage nach ganzheitlichen Angeboten im Gesundheitstourismus, die neben medizinischer Behandlung und Betreuung auch Erholung, Erlebnis und Genuss berücksichtigt, wächst.

Auf der Anbieterseite besteht angesichts der sich verschlechternden Marktbedingungen im Tourismus für Urlaubsanbieter die Notwendigkeit, sich stärker zu profilieren und auf bestimmte Zielgruppen besser einzugehen. Für viele Ferienorte und –regionen in Europa ist daher der Gesundheitsurlaub ein zunehmend interessantes Marktsegment. Insbesondere die deutschen Kurorte müssen sich aufgrund der Einschränkungen im staatlich finanzierten Kurbereich und der daraus folgenden Kurkrise nach neuen Aufgaben neben der klassischen Kur umsehen. Aus dem steigenden Konkurrenzdruck des Körper-, Gesundheits- und Fitnessmarktes ist in den 90er Jahren das touristische Segment Wellnesstourismus entstanden.

Die Tourismusbranche begegnet den Interessen der Gesundheitsurlauber heute mit immer neuen Trendangeboten aus dem Wellness- und Beautybereich. Fitness- und Vital-Center in Hotels, multifunktionale Wellnessressorts, City-Spa-Zentren, Schönheitsfarmen und Thermalerlebnisbäder – die Zahl der Anbieter nimmt zu.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Seit der letzten Gesundheitsreform von 1997 befinden sich die traditionellen Kuren auf dem Rückzug. Den rund 330 deutschen Kurorten und Heilbädern[1] ist seither die Hälfte ihrer Gäste weggebrochen. Die große Hoffnung der meisten Kurorte ist, dass auf die ausbleibenden Patienten nun selbstzahlende Gäste folgen, was sich allerdings als ein schwieriges Unterfangen darstellt. Auf der einen Seite bieten Kurorte mit ihrer jahrhundertealten, traditionellen medizinischen Kompetenz und ihrer gesundheitsförderlichen und touristischen Infrastruktur ideale Voraussetzungen für die Entwicklung des modernen Wellnesstourismus. Andererseits haben die deutschen Kurorte vor allem bei den jüngeren Menschen ein negatives Image und wecken Assoziationen von krank, alt und streng. Die eher genussbetonten Wellnesstouristen mögen das Krankenkassenaroma nicht so gerne. Zudem lassen sich Reha-Kliniken nicht so ohne weiteres in großzügige Wellnessquartiere verwandeln und die Kostenträger werden misstrauisch, wenn die verordnete Rehabilitation in Wohlfühlthermen stattfindet.

Viele Kritiker befürchten, durch ein zunehmendes Wellnessangebot eine Verwässerung der traditionellen Kur, da Wellness stark genuss- und lustbetont ist und sich weniger an Regelwerke orientiert. Nach ihrem Standpunkt ist das Wellness-Motto „Gesundheit soll Spaß machen“ nicht mit der klassischen Kur vereinbar. Durch diese Diskussion verunsichert, haben sich viele Kurorte in den 90er Jahren mit der Angebotsausweitung im Wellnessbereich noch zurückgehalten.

Andere Kritiker bezweifeln, dass Wellness überhaupt eine Innovation im kurörtlichen Angebot darstellt. Ihrer Meinung nach handelt es sich bei diesem Begriff lediglich um eine moderne Bezeichnung für das traditionelle Angebot der Prävention (z. B. nach den Lehren von Kneipp).

Es stellt sich daher die Frage, unter welchen Bedingungen Wellnesstourismus in Kurorten funktionieren kann? Welche Voraussetzungen muss ein Wellness-Kurort erfüllen? Welche Strategien sind möglich, um Wellness als Angebotselement zu integrieren? Wie äußert sich Wellness im Angebot der Kurorte? Kann Wellness in Kurorten ein primäres Angebot sein oder lediglich ein Angebotselement unter vielen anderen? Wie sehen die Erfolgsstrategien aus? Inwieweit kann der Wellnesstourismus zur Überwindung der Bäderkrise in Deutschland beitragen?

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, durch eine Angebotsuntersuchung in ausgewählten Heilbädern eine umfassende Analyse des touristischen Wellnessmarktes unter besonderer Berücksichtigung der Heilbäder und Kurorte zu liefern.

1.2 Methodischer Aufbau der Arbeit

Der Begriff Wellness ist im deutschen Sprachraum noch relativ neu es bestehen sehr viele Unsicherheiten in Bezug auf seine Bedeutung. Trotzdem ist er besonders im Marketingbereich stark verbreitet und hat sich zu einem regelrechten Boom entwickelt. Aus diesem Grund widmet sich Kapitel 2 recht ausführlich dem Wellnessbegriff, der Entstehung des Wellnessbooms und dem aktuellen Wellnessmarkt als Grundlage für den Wellnesstourismus, welcher dann im darauf folgenden Kapitel umfassend dargelegt wird: Definition, Abgrenzungen, Angebot, Nachfrage, Zielgruppe, Trends und Prognosen.

Das Kapitel 4 beschäftigt sich als weitere Grundlage eingehend mit dem Kurwesen in Deutschland und berücksichtigt neben den Rahmenbedingungen vor allem den Markt, die Ursachen der Bäderkrisen, die Reaktionen und aktuellen Entwicklungen.

Vor diesem Hintergrund wird dann im fünften Kapitel Wellnesstourismus als neue Ausprägungsform in traditionellen Heilbädern nach einer einleitenden Beschreibung der Entwicklung anhand von vier verschiedenartigen Fallbeispielen näher vorgestellt. In einer vergleichenden Übersicht werden Anschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie Stärken und Schwächen der Beispiele herausgearbeitet. Hieran anschließend erfolgt die Vorstellung der idealen, jedoch bisher noch wenig berücksichtigten Zielgruppe für den Wellnesstourismus. Die Arbeit endet mit einem zusammenfassenden Fazit.

Die Methodik der vorliegenden Arbeit umfasst eine ausführliche Literaturauswertung der Themen Wellness im allgemeinen, Wellnesstourismus im besonderen und Kurverkehr, Auswertung von Prospektmaterial der verschiedenen deutschen Heilbäder und Kurorte sowie weiteren Anbietern im Gesundheitstourismus und die qualitative Auswertung der Fallbeispiele aufgrund von Expertengesprächen und eigenen Beobachtungen in den Untersuchungsgebieten. Abbildung 1 zeigt den konzeptionellen Gesamtaufbau und die verwendete Methodik der Diplomarbeit im Überblick.

Abb. 1: Konzeptioneller Aufbau der Diplomarbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die Expertengespräche der vorliegenden Arbeit wurden mit den Kurdirektoren oder Repräsentanten der untersuchten Kurorte geführt. Außerdem wurden Verantwortliche von Leistungsträgern im Wellnessbereich befragt, beispielsweise von einem zertifizierten Wellness-Hotel, einem Spezial-Reiseveranstalter, einem Thermalbad, einer Beautyfarm und dem Wellness- und Spa-Bereich eines großen Resort-Hotels. Darüber hinaus gab es Gespräche mit dem Geschäftsführer des Deutschen Wellness Verbandes (DWV) und einem Berater für Kurortmarketing. Die Gesprächspartner sind im Anhang aufgelistet, ebenso wie der für die Gespräche benutzte Gesprächsleitfaden.

Die Leitfadengespräche wurden teilstrukturiert durchgeführt, das bedeutet, dass die Fragen vorbereitet und vorformuliert waren, die Reihenfolge jedoch variiert wurde. Eine solche Vorgehensweise ermöglicht die Aufnahme von interessant erscheinenden Themen während des Gespräches und eine Weiterführung von neu aufkommenden Aspekten. In den Leitfadengesprächen wurden offene Fragen gestellt, bei denen die Gesprächspartner keine Antwortvorgaben hatten, sondern mit eigenen Worten formulierten. Der Vorteil liegt darin, dass der Befragte nicht durch vorgegebene Antwortvorgaben in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Es kommt somit eher zu Äußerungen, die tatsächlich im Wissensstand oder Einstellungsrahmen des Befragten verankert ist (vgl. Schnell/Hill/Esser 1995, S. 300 f. und 353).

Die Leitfadengespräche sind, soweit möglich, mit einem Tonbandgerät aufgezeichnet worden, teilweise wurde jedoch auf Wunsch der Interviewpartner schriftlich protokolliert, was die Gesprächsleitung erschwerte. Die Gespräche waren größtenteils sehr intensiv und dauerten im Durchschnitt zwei Stunden.

Die erarbeiteten Ergebnisse wurden durch den Besuch verschiedener Messen (ITB und CMT), Tagungen und Vorträge mit inhaltlichem Bezug zum Thema (u. a. 97. Deutscher Bädertag in Bad Kissingen, Pressekonferenz IKD-Reisen und F.U.R. auf der ITB 2000) und durch die Mitarbeit an der FTM/ETI-Trendstudie „Deutsche Kurorte nach der Krise“ ergänzt.

Im Zusammenhang mit Wellness werden häufig Begriffe von fernöstlichen Heilmethoden, Entspannungstechniken oder Sportarten genannt, die nicht unbedingt jedem Leser geläufig sind. Zur Information befindet sich im Anhang dieser Arbeit ein kleines Wellness-Lexikon.

„Gesundheit als das Freisein von Krankheit ist ein Maßstab der Mittelmäßigkeit, Gesundheit als Lebensqualität ist ein Maßstand für Begeisterung und zunehmende Vollendung.“

(Jesse F. Williams 1934)[2]

2 Der Wellnesstrend

Was ist Wellness? In einer Umfrage fand die TUI heraus, dass kaum zwei Befragte unter Wellness dasselbe verstehen. Wohlbefinden? Gesundheit mit Spaß? Gut sein zu sich selbst? Alles scheint offensichtlich möglich (vgl. Krohn 2001, S. 28). Diese Verwirrung ist nicht verwunderlich, denn dank des allgegenwärtigen Stempels Wellness, der unterschiedlichen Produkten und Dienstleistungen aufgedrückt wurde, verwässert der Begriff zusehends.

„Neues Wohlbefinden, Vitalität und Lebensfreude“, „Kraft und Energie schöpfen ... sich mal rundum verwöhnen lassen“, „Vitaltraining“, „Entspannung pur für Körper, Geist und Seele“ – all dies und vieles mehr wird in Reisekatalogen, Werbespots und Annoncen von Wochenjournalen oder Prospekten von Hotels, Beautyfarmen, Day-Spas und Wellness-Centern versprochen (vgl. Pilz-Kusch 2001a, S. 6).

So schillernd und vielfältig die Angebote sind, so verwirrend ist auch die Begriffsvielfalt. Häufig wird Wellness fälschlicherweise mit Wohlbefinden oder reinen Verwöhn- und Kosmetikprogrammen verwechselt. Manche Werbeprospekte vermitteln den Eindruck, man müsste nur in die Wellnesswelt eintauchen und sich verwöhnen lassen. Doch das allein macht noch kein echtes Wellnessangebot aus.

Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Wellnessbegriff und seiner Philosophie werden die Voraussetzungen für die Entwicklung des Gesundheitstrends aufgezeigt. Zur besseren Einschätzung werden abschließend die volkswirtschaftliche Bedeutung des Wellnessmarktes, seine Zielgruppe und seine Entwicklungsprognosen erläutert.

2.1 Entwicklung und Definition

Das folgende Kapitel gibt einen umfassenden Einblick in die Entwicklung des Wellnessgedankens und beschreibt die Entstehung des Begriffs. Es vergleicht das Begriffsverständnis des deutschsprachigen mit internationalen Sprachräumen und erläutert die Problematik der Inflationierung des Begriffes in Deutschland.

2.1.1 Entwicklung des Wellness-Gedankens

Wellness wurde in den USA vor rund 25 Jahren zum Motto einer Bewegung. Der Begriff stammt aus dem amerikanischen Gesundheitssystem und bezeichnet die Strategie, Gesundheit durch eigenmotiviertes, persönliches Verhalten zu verbessern.

Als Begründer der Wellnessphilosophie gilt der US-amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn. In seiner Publikation High Level Wellness schreibt er 1961 erstmals über einen speziellen Zustand von hohem menschlichen Wohlbefinden, in dem der Mensch als ganzheitliches Wesen bestehend aus Körper, Geist und Seele verstanden wird (vgl. Dunn 1961, zit. in: Lanz-Kaufmann 1999, S. 35). Dieser Publikation gingen zwei Artikel in medizinischen +Fachzeitschriften voraus (vgl. Dunn 1959a, Dunn 1959b). Dunn betrachtet Gesundheit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit, sondern als einen Zustand, in dem man voller Energie, Vitalität und lebendig bis in die Fingerspitzen ist. Diesen Zustand großer und persönlicher Zufriedenheit nennt Dunn „high-level Wellness“[3]. „High-level Wellness is an integrated method of functioning which is oriented toward maximizing the potential of which the individual is capable, within the environment where he is functioning ... .High-level Wellness, therefore, involves (1) direction in progress forward and upward towards a higher potential of functioning, (2) an open-ended tomorrow with its challenge to live at a fuller potential, and (3) integration of the whole being of the total individual – his body, mind and spirit – in the functioning process” (Dunn 1959b, S. 447). Diese Veröffentlichungen bildeten die konzeptionellen Grundlagen für eine seit den siebziger Jahren wachsende Wellnessbewegung.

Als weiterer früher Vertreter des Wellness-Gedankens gilt der US-amerikanische Arzt John W. Travis, Gründer des Wellness-Resource-Center in Mill Valley, Kalifornien. Ähnlich wie Dunn erkennt er, dass eine gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber der eigenen Lebensweise und der Umwelt den Schlüssel zu einer besseren Gesundheit bildet. Nur auf diese Weise lassen sich die Wahrscheinlichkeit des vorzeitigen Alterns und des unnötigen Leidens an Degenerationskrankheiten verringern und die hohen Kosten der Medizin reduzieren. 1977 werden die Ideen von Dunn und Travis in der Publikation von Ardell wie folgt zitiert: „Ein Zustand höchsten Wohlbefindens ist von jedem erreichbar. Ein gesunder Lebensstil wird nicht nur drastisch die Risiken von Krankheit oder Leiden vermindern, er wird ein Leben größerer Befriedigung, wachsender Heiterkeit und erweitertes Interesse an der Zukunft verschaffen.“ (Ardell 1977, S. 8)

Travis betont in der weiteren Entwicklung den dynamischen Aspekt von Wellness und umschreibt Wohlbefinden treffend als „a state of being, an attitude and an ongoing process, not a static state which we reach and never have to consider again. … There are degrees of Wellness as there are degrees of illness” (Travis 1984, S. 188 ff.). In seinem Wellness-Resource-Center setzt Travis seine relativ neue Idee um: er misst die Gesundheit seiner Klienten und hilft ihnen dabei, höhere Stufen der Gesundheit zu erreichen. Wellness stellt in seinem Verständnis also einen veränderlichen Punkt auf einem Gesundheitskontinuum dar. In seiner vielbeachteten graphischen Darstellung verdeutlicht er die Abgrenzung des Wellness-Konzeptes vom Behandlungs-Ansatz der kurativen Medizin im traditionellen Gesundheitssystem (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Das Gesundheitskontinuum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Hertel 1992, S. 39 (modifiziert nach Travis/Ryan 1988)

Beim Mittelpunkt sind weder Anzeichen von Krankheit noch positiver Gesundheit erkennbar. Die Bewegung von der Mitte zur linken Seite zeigt einen sich verschlechternden Zustand der Gesundheit. Nach Travis bemüht sich die traditionelle Medizin (das Behandlungsmodell) um das Heilen von Krankheitsanzeichen, erschöpft sich aber bei Erlangung des neutralen Zustandes. Die Gesundheitsmedizin (Wellness-Modell) aber kann überall auf der Skala ansetzen und befähigt ein Individuum zum Überschreiten des Neutralpunktes in Richtung auf eine seinen persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten entsprechende größtmögliche Lebensqualität, denn die rechte Seite zeigt steigende Stufen von Gesundheit und Wohlbefinden. Travis weißt ausdrücklich darauf hin, dass beide Modelle koexistieren sollen und auf das Behandlungs-Modell nicht verzichtet werden kann (vgl. Travis/Ryan 1988).

Der Gesundheitsplaner und –forscher Donald B. Ardell nahm Dunns Gedanken in einer gleichnamigen Veröffentlichung 1977 wieder auf und revidierte diese mehrmals. Nach seinem Verständnis bedeutet high-level Wellness eine Art zu leben, in der man sich bemüht, die höchste Gesundheitsebene innerhalb der eigenen Fähigkeiten zu erreichen. Ziel dieses Lebensstils ist, die fünf Dimensionen von Gesundheit, Selbstverantwortung, Ernährungsbewusstsein, körperliche Fitness, Stressmanagement und Umweltsensibilität, ins Gleichgewicht zu bringen. In einem verfeinerten Modell berücksichtigt er später auch noch Normen und Werte der Gesellschaft sowie ethische Aspekte (vgl. Ardell 1977, S. 15 und S. 21 sowie Ardell 1986, S. 324 ff.).

In Deutschland spricht der Freizeitforscher Opaschowski bereits 1987 von der Ablösung der Fitnesswelle durch Wellness für den deutschen Markt und umschreibt Wellness als körperliche Aktivierung in Verbindung mit seelischer Entspannung und geistiger Anregung (vgl. Opaschowski 1987, S. 34).

Die erste deutsche Definition von Wellness verfasste Haug 1991. Er versteht unter Wellness eine „neue praxisorientierte und pragmatische Auffassung von Gesundheit, die die Lebensqualität des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Sie findet ihren Ausdruck in individuumsbezogenen Harmonieprogrammen, die folgende fünf Komponenten umfassen: Eigenverantwortung, Fitness, Stressbewusstsein und –bewältigung, bewusste Ernährung und Umweltbewusstsein. “ (Haug 1991, S. 428)

Nach einer Auswertung von zahlreichen weiteren Definitionen im nordamerikanischen Sprachraum,[4] stellt Hertel die gemeinsamen Merkmale heraus: die zentrale Bedeutung des Lebensstils, die Selbstverantwortung für die Gesundheit, die multifaktorielle Genese von Gesundheit sowie die Ausschöpfung von Potentialen zu größerer Lebensqualität (vgl. Hertel 1992, S. 37).

Kaspar umschreibt Wellness „als Lebensphilosophie... , die das körperliche, geistige und seelische Wohlbefinden fördert. ... Wellness wird stellvertretend für Gesundheit, Schönheit und Fitness verwendet.“ (Kaspar 1996a, S. 56 f.)

Hartmann charakterisiert Wellness als einen „neuen, aktiven und interdisziplinären Konsumstil”, der vom Circuit-Training über die sportive Mode bis zur kosmetischen Körperpflege reicht. Die „triebhafte Konsumphase der 80er Jahre, die im materialistischen Genuss gipfelte,“ wird „von einem geistig höheren Konsum im Stil der Wellness abgelöst“ (Hartmann 1996, S. 22 f.). Konsum wird im Zuge dieser Entwicklung umweltbewusster und sanfter vollzogen. Ausflüge in die Natur werden behutsamer und bewusster wahrgenommen.

Greenberg/Dintiman vergleichen Wellness mit einem Rad, welches in ihrer Definition aus den fünf Gesundheitsaspekten körperliche, soziale, mentale, spirituelle und emotionale Gesundheit besteht. Sind diese Komponenten im Gleichgewicht, wird Wellness erreicht (vgl. Greenberg/Dintiman 1997, S. 3).

Auf diesen Grundlagen entwickelt Lanz-Kaufmann in ihrer Arbeit folgende Definition, die auch der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt (vgl. Abb. 3):

Wellness ist ein „Gesundheitszustand der Harmonie von Körper, Geist und Seele. Wesensbestimmende Elemente sind Selbstverantwortung, körperliche Fitness, gesunde Ernährung, Entspannung, geistige Aktivität sowie Umweltsensibilität.“ (Lanz-Kaufmann 1999, S. 37)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lanz-Kaufmann 1999, S. 37 (in Anlehnung an Ardell 1986, S. 324)

Beim Wellness-Gedanken geht es also nicht nur um Aerobic und Gymnastik, sondern ebenso um gesunde Ernährung, Raucher-Entwöhnung, Anti-Stress-Kurse und alternative Lebensformen. Ganzheitliche Therapieformen charakterisieren den neuen Trend. Dabei geraten besonders asiatische Traditionen in den Blickpunkt. Mit Tai Chi[5], dem chinesischen Schattenboxen mit seinen langsamen weichen Bewegungen, mit Yoga oder Aikido[6] sollen Körper und Seele in Harmonie zueinander gebracht werden. Auch andere Bewegungs-Therapieformen wie Feldenkrais[7], Tanz- und Atemtherapie oder Eutonie[8] finden neue Anhänger (vgl. Gafga 1994, S. 48).

Es gibt Überschneidungen des Wellness-Konzeptes sowohl mit wissenschaftlichen Ansätzen der Gesundheitsförderung wie beispielsweise dem Salutogenese-Konzept von Antonovsky[9] und dem ganzheitlichen Lebensweisenkonzept der Weltgesundheitsorganisation WHO[10], aber auch mit älteren ganzheitlichen Gesundheitsansätzen wie den Lehren von Hippokrates[11], Hildegard von Bingen oder Kneipp[12], sowie mit der Homöopathie und fernöstlichen Lehren (vgl. Pilz-Kusch 2001a, S. 14).

Der Geschäftsführer des Deutschen Wellness Verbandes (DWV), Hertel, definiert Wellness heute als „Kombination aus subjektivem Wohlbefinden und wissenschaftlich abgesicherter gesunder Lebensweise“. Die Schwierigkeit dieser Kombination liegt darin, dass gesunde Lebensweise dem Verbraucher häufig kein Vergnügen bereitet. Andererseits gibt es eine Vielzahl von Tätigkeiten, denen die Menschen gerne nachkommen, die jedoch oftmals ungesund sind . Die Kunst der Profession Wellness besteht darin, Gesundheit mit Wohlbefinden in Einklang zu bringen (mündl. Mitteilung Hertel 2001). Dieses hedonistische[13] Lebensprinzip steht den gesellschaftlichen Normen nach Disziplin und Rationalität zumindest in unserer Kultur scheinbar entgegen (vgl. Hoefert 1997, S. 28).

In der Literatur ist häufig zu lesen, dass Dunn den Begriff ‚Wellness’ in seiner Veröffentlichung High-level Wellness aus den beiden englischen Wörtern wellbeing [14] und fitness zusammengesetzt hat.[15]

Nahrstedt führt weiter aus, dass mit diesen beiden Begriffen zwei Bewegungen zusammengefasst werden, die sich nach dem zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen globalen Gesundheitsbewusstseins formierten. Wellbeing wurde Ausdruck der neuen Gesundheitsdefinition der WHO von 1948: Gesundheit sei der „Zustand eines vollkommenen körperlichen, seelisch-geistigen und sozialen Wohlbefindens“. Der Begriff ‚Fitness’ kennzeichnet die ‚sport-for-all’-Bewegung seit den 50er Jahren in den USA, die in den 70er Jahren vom Deutschen Sportbund als Trimm-dich-Bewegung übernommen wurde (Abb. 4) (vgl. Nahrstedt 1999, S. 367).

Abb. 4: Entstehung des Wellness-Begriffs nach Nahrstedt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung (in Anlehnung an Nahrstedt 1999, S. 367)

Für Hertel ist Wellness keine neuzeitliche Wortschöpfung, sondern ein „Urbestandteil des angelsächsischen Sprachgebrauchs“ (Hertel 2000, S. 1). Im Oxford English Dictionary wird wellness als ein Zustand von Wohlbefinden und guter Gesundheit beschrieben und wurde erstmals 1654 dokumentiert[16]. Hertel betrachtet Fitness lediglich als Teilsegment des Oberbegriffes Wellness und die Zusammensetzung der beiden Begriffe Fitness und Wellbeing zu Wellness „wird international auch nicht so interpretiert“ (mündl. Mitteilung Hertel 2001). Das Vorkommen der Endung -ness beschränkt sich in der englischen Sprache nicht nur auf den Begriff fitness. Möglicherweise ist der Begriff wellness in der englischen Sprache als Antonym zum Begriff illness entstanden.

Ebenso wie über die Entstehung des Begriffes Uneinigkeiten bestehen, ist das Begriffsverständnis von Wellness häufig nicht eindeutig.

2.1.2 Begriffsverständnis im deutschsprachigen Raum

Das Verständnis über einen Begriff kann in Wissenschaft und Praxis auseinandergehen. Im folgenden werden die Ergebnisse der UNIVOX-Umfrage Freizeit von 1998 aus der Schweiz exemplarisch für das Begriffsverständnis von Wellness im deutschsprachigen Raum vorgestellt.

Auf die Frage, was sie unter Wellness verstehen, antworteten knapp zwei Drittel der befragten Schweizer Bevölkerung, dass ihnen der Begriff bekannt sei und sie konnten ihn einer der vorgegebenen Erklärungsvarianten zuordnen (vgl. GfS/FIF 1998, zit. in: Lanz-Kaufmann 1999, S. 43). 40% wählten die Beschreibung „körperliche und geistige Betätigung, gesunde Ernährung und Entspannung“[17] und damit die Definition, welche am ehesten der Theorie entspricht. Mehr als die Hälfte der Befragten hat demzufolge ein zu wenig umfassendes oder kein Verständnis von Wellness (vgl. Abb. 5).

Differenziert man die Antworten nach Geschlechtern, fällt auf, dass Frauen den Wellness-Begriff besser kennen (48 %) als Männer (42 %) und häufiger ein umfassenderes Verständnis darüber haben. Die Befragung bestätigt weiterhin, dass den jungen Leuten der Trend Wellness besser bekannt ist als den Älteren: In der Altersgruppe der 18-39-jährigen Personen können mehr als die Hälfte den Begriff richtig zuordnen und nur gut ein Viertel hat keine Vorstellung von ihm. In der nächsten Altersgruppe wächst der Anteil auf 37 % an und bei den 65-84-Jährigen hat bereits über die Hälfte keine Vorstellung mehr von Wellness.

Abb. 5: Verständnis von Wellness der Schweizer Bevölkerung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: GfS/FIF 1998, S. 11

Das Wellnessverständnis hängt im weiteren mit dem Bildungsniveau, dem Einkommen und dem Siedlungsgebiet der Befragten zusammen. Mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung mit niedrigem Bildungsniveau hat keine Vorstellung über Wellness, bei jenen der mittleren Bildungsklasse beträgt dieser Anteil gut ein Drittel und bei den höher Gebildeten noch ein Fünftel. Die Verteilung der Antworten über die drei Einkommensklassen liegt sehr ähnlich. Vergleicht man die Auffassungen nach Siedlungsgebiet, fällt auf, dass Personen, die in ländlichen Gebieten wohnen, öfter keine Vorstellung von Wellness haben (41 %), als jene aus der Stadt oder der Agglomeration (32 %) (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 43 ff.).

Bedenkt man, dass der Begriff Wellness erst Ende der achtziger Jahre in den deutschen Sprachraum gelangte, ist der Anteil von zwei Dritteln der Schweizer Bevölkerung, denen der Begriff zumindest bekannt ist, beachtlich.

Zum Vergleich: In der aktuellen deutschen Reiseanalyse[18] 2001 haben immerhin noch 43 % der Bundesbürger angegeben, keine genaue Vorstellung über Wellnessurlaub zu haben. In deutschsprachigen Wörterbüchern ist der Begriff Wellness seit 1999 zu finden und wird dort mit „durch (leichte) körperliche Betätigung erzieltes Wohlbefinden“ definiert.[19]

Der Wellnessbegriff ist inhaltlich nicht geschützt. Er erlebt seit einigen Jahren in verwirrender Vielseitigkeit Verwendung. Da Wellness einen Zustand des Wohlbefindens beschreibt, nutzt ihn die Werbewirtschaft, um ein positives Lebensgefühl zu transportieren. In Werbeslogans für zahlreiche Kosmetikartikel und Lebensmittel wird den Konsumenten vermittelt, eben jenes Wohlbefinden durch Konsum der Produkte zu erreichen. Es gibt kaum eine moderne Frauenzeitschrift, die heute ohne Wellness-Tips auskommt. Seit Ende der letzten Dekade ist eine regelrechte Inflationierung des Begriffes zu beobachten. So formuliert Hertel: „Wellness allerorten: kaum ein zeitgemäßer Mensch kann diesen neudeutschen Ausdruck übersehen oder überhören. Eignet er sich doch wunderbar als Etikett für sämtliche Qualitäten, die dem persönlichen Wohlergehen Gutes versprechen, aber letztenendes doch irgendwie ‚Wischiwaschi’ bleiben. Da gibt es Wellness-Drinks, Wellness-Strumpfhosen mit Aloe Vera, Wellness-Look, Wellness-Tee, Wellness-Yoghurts bis hin zur Wellness-Pille. Wellness total. Kann denn alles Wellness sein?“ (Hertel 2001, S. 2). Er mahnt vor der vielfach unbedachten Verwendung des Begriffes und fordert zu einem kritischeren Umgang mit diesem Ausdruck auf.

Im deutschsprachigen Raum operationalisiert der Begriff Wellness zugleich den Weg zu seinem Ziel, nämlich „Wellness auf hohem Niveau“ zu erlangen. Wellness-Angebote, Wellness-Hotels und Wellnessreisen bieten Maßnahmen, um den Gesundheitszustand zu steigern und dadurch Wellness auf einem möglichste hohen Niveau zu erreichen (vgl. Nahrstedt 2000, S. 173). Deshalb wird der Begriff häufig mit Tourismus und Freizeit in Verbindung gebracht.[20] In diesem Zusammenhang ist häufig ein starker Akzent auf dem Beauty-Bereich zu erkennen, der von der oben genannten Definition gar nicht umfasst wird, da er sich in erster Linie um die äußere Erscheinung kümmert. Wellness beschreibt im Tourismus eine touristische Dienstleistung, die jedoch nicht einheitlich verstanden wird, sondern verschiedene Abstufungen kennt (vgl. Illing 1999, S. 11). „Die Vorstellungen reichen vom durchdachten, ganzheitlichen meist luxuriösen Angebot für Körper, Geist und Seele bis hin zu puren me-too-Angeboten[21], bei denen lediglich die bestehenden Angebotskomponenten unter dem Schlagwort Wellness verkauft werden“ (Lohmann 1997, S. 34). Das Kapitel 3 befasst sich eingehend mit dem Wellnesstourismus.

2.1.3 Begriffsverständnis im internationalen Vergleich

Im englischen Sprachraum wird dem Ursprung der Wellnessidee in der Gesundheitsförderung mehr Rechnung getragen. Wellness wird dort vor allem als Lebenseinstellung verstanden, welche den Alltag beeinflusst oder wird für die betriebliche Gesundheitsförderung verwendet (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 58). In den USA hat sich der Begriff zunächst in Betrieben, Hochschulen und Krankenhäusern ausgebreitet. Wellness wird oft im Sinne von Gesundheitsförderung verwendet, da die Bezeichnungen ‚health promotion’[22] und ‚wellness’ häufig synonym verwendet werden. Seit Mitte der achtziger Jahre werden immer mehr betriebliche Gesundheitsförderungsprogramme nach dem Wellnesskonzept ausgerichtet, um einerseits die hohen Kosten einzudämmen und andererseits durch Steigerung der Arbeitsmoral eine erhöhte Produktivität zu erzielen (vgl. Hertel 1992, S. 36). Heute leistet sich fast jedes amerikanische Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten ein eigenes Wellness-Programm bzw. ein firmeneigenes Wellness-Center, in dem die Beratung und das Verhaltenstraining zu einer gesunden Lebensführung im Vordergrund steht. Die amerikanische Wirtschaft spart angeblich durch jeden investierten Wellness-Dollar im Schnitt drei bis vier Dollar an krankheitsbedingten Kosten (vgl. Hertel 2000, S. 1). Gesundheitsförderung wird auch als Marketinginstrument zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern eingesetzt oder zur Attraktivitätssteigerung ganzer Branchen sowie geographischer Lagen mit Arbeitskräftemangel (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 46).

Im Gegensatz zum deutschen Sprachraum wird Wellness im englischen Sprachraum kaum mit Tourismus in Verbindung gebracht, sondern eher auf den Alltag bezogen. In den USA ist das deutsche Verständnis von Wellness unter dem Namen ‚Spa’[23] bekannt. „In many English speaking countries, the term ‘spa’ has a distinct tourism connotation – health resort with a variety of core products and services related to the use of mineral springs or thermal baths, and a set of ancillary recreation and lodging facilities designd to appeal to the special interest tourists“ (Williams et al. 1996, zit. in: Lanz-Kaufmann 1999, S. 46). Steigender Beliebtheit erfreuen sich die sog. Day-Spas, in denen sich besonders in großen Städten zunehmend gestresste Menschen einen Tag lang verwöhnen lassen.[24]

In Europa ist die Auffassung von Wellness in den meisten Ländern mit der des deutschsprachigen Raumes vergleichbar, jedoch wird nicht in allen europäischen Sprachen der Anglizismus verwendet. Die Italiener sprechen zum Beispiel von ‚benessere’ und die Franzosen verwenden eher ‚bien-être’ (mündl. Mitteilung Richter 2001). Beide Ausdrücke sind im Deutschen mit Wohlbefinden zu übersetzen.

Nachdem nun die Unsicherheiten bezüglich des Wellness-Begriffs weitestgehend erläutert wurden, werden im zweiten Schritt die Voraussetzungen für die Entwicklung des Wellness-Booms in Deutschland erläutert.

2.2 Voraussetzung für die Entwicklung des Gesundheitstrends

Die Entwicklungen der allgemeinen Wertedynamik sowie die aktuellen soziodemographischen und gesellschaftlichen Trends, verbunden mit einer allgemein größeren Wertschätzung von Gesundheit, bilden die Grundlage für die Entwicklung des Wellnesstrends. Im folgenden werden die verschiedenen Entwicklungstrends differenziert dargestellt, um dann im Kapitel 2.3 die Auswirkungen dieser Trends auf den Wellnessmarkt zeigen zu können.

2.2.1 Demographischer Wandel

Eine wichtige Einflussgröße im Hinblick auf die Nachfrage nach Wellnessangeboten ist die Alterstruktur in Deutschland. Aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung ist mit massiven Veränderungen in der Alterspyramide der deutschen Bevölkerung zu rechnen. Angesichts einer niedrigen Geburtenrate und einer gleichzeitig steigenden Lebenserwartung der Menschen verändert sich – wie in allen modernen Industriegesellschaften – auch in Deutschland der Altersaufbau von der Bevölkerungspyramide zum Bevölkerungspilz. Das Verhältnis der Generationen hat sich gewandelt, so dass die Gesellschaft zu einer „ergrauenden Gesellschaft“ (Lehr 2001, S. 164) wird.

Die Altersstruktur verschiebt sich in Richtung der älteren Jahrgänge: Die Altersgruppen der 40 bis 59jährigen und der über 60jährigen werden zunehmen, sogar der Anteil der über 80jährigen steigt an. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland liegt heute bei den männlichen Neugeboren bei 74 Jahren und bei den weiblichen bei 81 Jahren; das Rentenzugangalter befindet sich jedoch bereits bei 58/59 Jahren. Rund 26 % der Bevölkerung leben im sog. Ruhestand (vgl. Lehr 2001, S. 164). Die Lebenserwartung im Jahr 2020 wird durchschnittlich auf 80 bis 90 Jahre angestiegen sein. Bis zum Jahr 2050 wird die Hälfte unserer Bevölkerung älter als 55 Jahre sein. Eine immer geringere Anzahl von Erwerbstätigen wird die Renten für eine immer größere Anzahl von alten Menschen aufbringen müssen (vgl. Mertel 1999, S. 105).

Diese Entwicklung zwingt zu einer Kürzung der Sozialleistungen und führt dazu, dass die Verantwortung für die eigene Gesundheit in den letzten Jahren immer mehr vom Staat auf den Einzelnen übertragen wird. Die Gesundheitsstrukturreform war der Auslöser dafür, dass das Wissen über die gravierenden Kosten im Krankheitsfall die Nachfrage nach Prävention steigen ließ (vgl. Nahrstedt 1998a, S. 155).

Außerdem wird der beschriebene demographische Umbruch zunehmend von einem zunehmenden Interesse an Gesundheitsthemen begleitet und begünstigt damit all jene Anbieter, die sich auf den Gesundheitsmarkt spezialisieren (vgl. Dehmer 1996, S. 20).

2.2.2 Gesellschaftlicher Wandel

Dem Wellnesszweig wird ein enormes wirtschaftliches Wachstumspotential prophezeit. Folgende gesellschaftliche Entwicklungen begründen diese Einschätzung:

Durch die Neupositionierung erwerbswirtschaftlicher Tätigkeit im Dienstleistungssektor ist eine stetige Zunahme von Sitzberufen zu verzeichnen. Bewegungsmangel und unangepasste Essgewohnheiten sind die Gründe für die Entstehung von Zivilisationskrankheiten. Die Anforderungen im (Arbeits-)Alltag an Leistung und Flexibilität steigen ständig. Immer mehr Menschen stehen unter Dauerstress. Dazu tragen die schnelllebigen Veränderungen der Technik, der Wirtschaft und der Gesellschaft bei. Arbeitnehmer stehen unter einem erhöhten Leistungs-, Erfolgs- und Veränderungsdruck im Berufsleben. Auch im Privatleben ist die lebenslange Sicherheit nicht mehr gegeben. Die gestiegenen beruflichen und privaten Anforderungen und der Stress, dem sich viele auch in der Freizeit aussetzen, wecken in vielen Menschen das Bedürfnis, aus dem belastenden Alltag mit seinen Verpflichtungen und der Hektik rauszukommen. Verstärkt werden diese Wünsche durch die zunehmende Vereinzelung, Anonymität und Ellenbogenmentalität der schnelllebigen, angespannten und leistungsorientierten Alltagswelt. Man sucht nach einem Pendant, einer Gegenwelt, die frei ist von Zwängen, Stress und Leistungsdruck. Man hat das Bedürfnis, in dieser Gegenwelt wieder zur Ruhe zu kommen und abzuschalten. Man möchte die Seele baumeln lassen, sich und seiner Gesundheit Gutes gönnen und Schönes erleben. In dieser freundlichen und angenehmen Gegenwelt möchte man sich wohlfühlen, entspannen und verwöhnen lassen und die Zuwendung und Streicheleinheiten bekommen, die im Alltag meistens zu kurz kommen (Pilz-Kusch 2001b, S. 211).

Gesamtgesellschaftlich ist ein Defizit an psycho-sozialer Gesundheit feststellbar. Dieser Mangel wird durch Wellness-Aspekte, die sich auf Psyche und Spiritualität beziehen, kompensiert. Kommerzielle Dienste wie Moorpackungen, Ölgüsse und Aromatherapie beliefern dieses Defizit an Streicheleinheiten, sowohl körperlich als auch seelisch. „Wellness-Tempel verkaufen Nähe“ (Hertel 2000, S. 3). Die Menschen, die dort arbeiten, spenden wohltuende Berührungen und beseitigen die soziale Isolation für dreißig Minuten. Wellness-Trainer schenken ungeteilte Aufmerksamkeit, die man im Alltag oft vermisst und geben emotionale Unterstützung.

2.2.3 Wertewandel

Neben den geschilderten soziodemographischen und gesellschaftlichen Veränderungen kann auch der Wertewandel[25] als Einflussfaktor der Nachfrage nach Wellness-Dienstleistungen betrachtet werden, da Wertvorstellungen aufs engste mit der Bedürfnisstruktur des Konsumenten verbunden sind (vgl. Dehmer 1996, S. 21).

Richter stellte bereits 1993 einen starken Wertewandel fest: Wichtig für die persönliche Identifikation sind heute nicht mehr vorwiegend Familie, Beruf oder Religion, sondern Gesundheit, Fitness und Leistungsfähigkeit, damit man beruflich und sozial anerkannt wird (vgl. Richter 1993, S. 67).

Über alle Zielgruppen, Lebensstile oder soziale Milieus[26] hinweg hat sich ein Lebensziel durchgesetzt: Der moderne Mensch will das Leben genießen. Traditionelle Werte wie Pflichterfüllung, Bescheidenheit, Obrigkeitsglaube und Strebsamkeit verlieren an Bedeutung. Das Streben nach Genuss und Selbstverwirklichung wird immer wichtiger, die persönlichen Einstellungen bestimmen die Lebensgewohnheiten (vgl. Fey 1999, S. 91). Spaß, sich verwöhnen lassen, Luxus und ausgeprägter Hedonismus treten in den Vordergrund. „Der Sinn des Lebens liegt immer mehr darin, sich das Leben möglichst schön zu machen.“ (Romeiss-Stracke 1996, S. 19)

Alle Befunde der Sozialforscher weisen darauf hin, dass Genussorientierung und Egoismus dramatisch zunehmen. Das Allensbacher Meinungsforschungsinstitut befragt seit 1974 Menschen nach Lebensorientierungen. 1974 haben 26 % gemeint, dass der „Sinn des Lebens“ vor allem im „Lebensgenuss“ liege. Ein Vierteljahrhundert später kommen 56 % zur Überzeugung, des Lebens höchster Zweck liege im Genuss (vgl. Mertel 1999, S. 108).

Dieser Wertewandel hat entscheidende Verhaltensänderungen zur Folge: Der Konsument wird zunehmend kritischer, anspruchsvoller und individualistischer. Die Erlebnis- und Lebensqualität sind für ihn von großer Bedeutung; er zieht beim Konsum das Erlebnis der Funktion vor und ist stark genussorientiert.

Für die Tourismusbranche bedeutet dies beispielsweise die Ablösung der passiven Konsumorientierung der 50er und 60er Jahre durch eine aktive Erholungsorientierung mit intensiven Erlebnissen in Verbindung mit Spaß, Abwechslung und Gegenalltag. Der Tourist zeigt dabei ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und legt zunehmend Wert auf Qualität (vgl. Dehmer 1996, S. 21 f.). Gerade ein Wellnessurlaub kann ein Ausdruck der oben beschriebenen hedonistischen Lebensweise sein.

2.2.4 Wandel im Gesundheitsverständnis

Der Übergang von der Produktions- zur Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft stellt das Verständnis von Gesundheit in einen neuen Zusammenhang. In der früheren Arbeitsgesellschaft war Gesundheit ein wichtiges Produktionsmittel und diente der Leistungsfähigkeit. In der heutigen Freizeitgesellschaft wird Gesundheit eine wichtige Voraussetzung für Erlebniskonsum. Gesundheitsvorsorge wird zum Konsummittel und zur Dienstleistungsaufgabe (vgl. Nahrstedt 1998a, S. 155).

Seit Ende der achtziger Jahre hat der Wellnesstrend den Bodybuilder- und Fitnesskult abgelöst. Gleichzeitig nehmen das Bewusstsein und die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu. Der Mensch möchte sich heute rundherum wohlfühlen, ohne sich übermäßig anzustrengen, und das nicht nur physisch, sondern auch seelisch-geistig (vgl. Richter 1999, S. 1).

Faltermaier fasst die heutige Gesundheitsvorstellung folgendermaßen zusammen: „Gesundheit ist machbar und vermarktbar, ... umfasst ein neues, positives Verhältnis zum Körper mit mehr Selbstbestimmung und –verantwortung und ist skeptischer gegenüber der Schulmedizin. Die moralische Haltung macht Fitness und Gesundheit zur Norm“ (Faltermaier 1994, zit. in: Lanz-Kaufmann 1999, S. 114).

Das stark zunehmende Gesundheitsbewusstsein drückt sich aus durch den vermehrtem Konsum von Light-Produkten, Akzeptanz von Reform- und Bioläden mit Waren aus natürlichem Anbau und natürlicher Herstellung, aktiver Gesundheitspflege durch Freizeitsport und Nutzung von Gesundheitsangeboten, negativer Wertigkeit von Genussmitteln wie Zigaretten, Alkohol etc. (vgl. Wenzel 1998, S. 52). Im Gesundheitsbewusstsein zeigt sich eine Verschiebung von der Nachsorge zur Vorsorge, von der Therapie zur Prävention, damit auch von der Kur zum Wellness-Ansatz.

Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein in unserer Gesellschaft lässt auf ein großes Nachfragepotential für Wellness-Angebote schließen.

2.3 Der Wellnessmarkt

Der Wellnessmarkt boomt. Das Frankfurter WEFA-Institut sagt bis 2004 für den Wohlfühlsektor ein höheres Wachstum voraus als für den gesamten privaten Konsum. Zukunftsforscher halten das Streben nach ganzheitlicher Gesundheit für einen wichtigen zukünftigen Entwicklungsfaktor.

2.3.1 Volumen und Verteilung

„Das Geld geht baden ... und keiner beschwert sich.“ So lautet der Titel der ersten veröffentlichten Marktanalyse[27] für die Bundesrepublik Deutschland. Demnach wurden nach Schätzungen des Frankfurter Marktforschungsinstituts WEFA 1999 in Deutschland Wellness-Produkte und -Dienstleistungen für 75 Mrd. DM verkauft (private Ausgaben). Die Lebensmittelzeitung ermittelte Anfang 2000 sogar noch deutlich höhere Zahlen: Danach gaben die Deutschen 1999 bereits 121,5 Mrd. DM für Produkte und Dienstleistungen aus, bei denen sich sowohl subjektive Wohlfühlaspekte als auch objektive, im Sinne von gesundheitsförderlichen Aspekten nachvollziehen lassen. Den größten Anteil halten Fitness und Sport vor Lebensmittel und Kuren (vgl. Abb. 6). Der Rest verteilt sich auf Massagen, Kosmetik pharmazeutische Produkte und Literatur (vgl. LZ Spezial 2000, S. 14).

Abb. 6: Der Wohlfühlmarkt in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LZ Spezial 2000, S. 14

Überdurchschnittlich wachsen soll dabei neben den Teilsegmenten Naturkost und Massagen auch der Bereich Gesundheits-Kurzurlaub. Bis 2004 sagt das WEFA-Institut für den ‚Wohlfühlsektor’ ein höheres Wachstum voraus als für den gesamten privaten Konsum. Branchenschätzungen gehen von Steigerungsraten zwischen vier und fünf Prozent pro Jahr aus, so dass das Volumen des gesamten Wohlfühlmarktes im Jahr 2003 bei 145 Mrd. DM liegen könnte. Bis 2004 dürfte die Zahl der Arbeitnehmer im Wellnessbereich in Deutschland laut WEFA von heute 580.000 auf 750.000 Frauen und Männer steigen, weil die Branche sehr personalintensiv ist.

Der Deutsche Tourismusverband e. V. (DTV) schätzt, dass sich die Zahl der Wellnessurlauber in Deutschland binnen zehn Jahren vervierfachen wird. Bislang haben laut Studien 2,5 Millionen Deutsche einen Wellness-Urlaub gebucht (vgl. Magenheim 2001, S. 25). Nach der aktuellen Reiseanalyse möchten zwei Drittel der deutschen Bevölkerung im Urlaub etwas für ihre Gesundheit tun. Hauptimageträger des Wellnesstrends in Deutschland sind vor allem Hotels und spezialisierte Reiseveranstalter.

2.3.2 Der Wellnesskunde

Bei einem solch stark expandierendem Markt stellt sich die Frage, wie die potentiellen Wellnesskonsumenten aussehen und wonach sie sich beim Konsum von Wellness orientieren Eine gezielte Auswertung der jährlich erhobenen Marktstrukturanalyse „Typologie der Wünsche“ brachte für die Gruppe der Wellness-Gesinnten folgende Antworten (vielfach Mehrfachnennungen):

- Zwei Drittel der Wellnessverbraucher sind Frauen
- 60 % sind berufstätig und überwiegend besser verdienend
- 27 % haben Abitur bzw. einen Studienabschluss
- 87 % ernähren sich bewusst gesund, 49 % achten auch auf Kalorien, 49 % schätzen gutes Essen und Trinken
- 38 % sind bei Alltagsprodukten sehr anspruchsvoll
- 51 % versuchen, sich durch regelmäßigen Sport fit zu halten
- Für 90 % ist gepflegtes Aussehen sehr wichtig. 51 % bevorzugen Kosmetika auf natürlicher Basis. 54 % kaufen nur Markenartikel
- 70 % schwimmen, 47 % wandern, 37 % machen Gymnastik, 33 % joggen, 24 % gehen ins Fitness-Studio (vgl. LZ Spezial 2000, S. 15).

Eine weitere, jedoch nicht unbedingt wissenschaftliche Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: der Wellnesskunde ein sehr genussorientierter, gesundheitsbewusster und anspruchsvoller Konsument, überwiegend weiblich, höher gebildet, berufstätig und mit höherem Einkommen. Zentrale Eigenschaften sind Selbstbewusstsein, Aktivität und Kreativität. Neben dem Streben nach (beruflichem) Erfolg und einem gewissen Hang zum Hedonismus verkörpern diese Personen ein starkes soziales, gesellschaftliches und politisches Engagement. Die wellnessorientierten Personen sind anspruchsvoll und neigen zur Exklusivität. Schöne Dinge und Luxus, aber auch Qualität sind ihnen besonders wichtig. Trotz ihrer ausgeprägten Konsumfreude sind sie kritische Verbraucher und fungieren oft als Ratgeber beim Einkauf. Darüber hinaus handelt es sich um sehr aktive Personen, die in ihrer Freizeit den unterschiedlichsten Beschäftigungen nachgehen und über ein sehr breites Interessensspektrum verfügen (vgl. Verlagsgruppe Milchstrasse 1997, o. S.).

2.3.3 Entwicklungsprognosen

Die Wirtschaftsentwicklung der Industriestaaten ist durch das relativ regelmäßige Auftreten von ca. 50jährigen Konjunkturzyklen gekennzeichnet, benannt nach ihrem Entdecker Nikolai Kondratieff (vgl. Abb. 7). Leo Nefiodow, seit 1974 Forscher bei der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, geht davon aus, dass der langwellige Wirtschaftszyklus der Informationstechnik, in dem sich unsere Gesellschaft seit den 70er Jahren befindet, durch einen sich gerade aufbauenden, neuen langfristigen Wirtschaftszyklus abgelöst wird. Das Kernmerkmal dieses Sechsten Kondratieff-Zyklus heißt: Psycho-soziale Gesundheit, wobei die Träger des Wachstums immaterielle Güter und Dienstleistungen sein werden. Die Bedeutung der physisch-geistigen Inputs der Wirtschaftsprozesse wie Motivation, Kreativität und Zusammenarbeit wird noch größer werden. Die Erholung und Pflege des intensiv beanspruchten psychischen Bereiches wird dann mindestens so wichtig sein, wie es die körperliche Rekreation im Maschinenzeitalter war. Nefiodow hält das Streben nach ganzheitlicher Gesundheit für einen wichtigen zukünftigen Entwicklungsfaktor, da es für die Weiterentwicklung unserer Wirtschaft und Gesellschaft vor allem daran fehlt. „Man kann die Existenz der Zyklen in Zweifel ziehen, ... in ihrem Kern sind die Annahmen über die zukünftige Rolle von Humankapital aber wohl zutreffend.“ (Steinbach et al. 1997, S. 16)

Abb. 7: Die langen Wellen der Konjunktur und ihre Basisinnovationen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Marnka 1997, o. S.

Auch andere Zukunfts- und Trendforscher wie Horx und Popcorn sagen ein emotionaleres Zeitalter voraus, in dem die Beschäftigung mit Gesundheit und Emotionen einen großen Bedeutungszuwachs erlangen wird. So heißen beispielsweise einige der Trends für die Zukunft aus ‚Clicking – der neue Popcorn Report’: „Genießen? – Jetzt erst recht!“, „Kleine Genüsse“, „Gesund und lange leben“ und „Länger jung bleiben“ (vgl. Popcorn 1999, S. 5).

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass auch Gesundheits- und Wellnessurlaub weiterhin zu den Wachstumssparten des Tourismus gehören werden. Opaschowski sagt den sog. Wellness-Oasen große Zukunftschancen voraus, da jeder fünfte deutsche Bürger diese unter den Urlaubswünschen der Zukunft angibt (vgl. Opaschowski 1999, S. 24 f.).

2.4 Zusammenfassung

Wellness ist als ganzheitliche Gesundheitsphilosophie in den 60er Jahren in den USA entstanden. Dort bezog sich der Begriff in erster Linie auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes von Mitarbeitern in Unternehmen. Als die Wellness-Welle Anfang der 90er Jahre nach Europa geschwappt ist, herrschte dem Begriff gegenüber große Unsicherheit. Trotzdem konnte sich Wellness vor rund fünf Jahren zum Boom entwickeln. Verantwortlich dafür waren neben den marketingtechnischen Vorteilen der Wandel im Gesundheitsbewusstsein und der Trend zum Hedonismus. Zum einen erzeugt der gesellschaftliche Wandel ein Defizit an sozialer Geborgenheit und die veränderten Werte stellen die eigenen Bedürfnisse mehr in den Vordergrund. Zum anderen werden Gesundheit und gutes Aussehen zunehmend wichtiger für die Menschen. Wellness war der passende Begriff, um gesundheits- und genussbetonte Produkte vermarkten zu können.

Zunächst sprach die Fitness-Branche auf den Wellnessbegriff an, dann zog der Gesundheitstourismus nach und schließlich die komplette Konsumgüterindustrie. Heute gelten Deutsche bei Experten nicht nur als Reise- sondern auch als Wellness-Weltmeister. Inzwischen wird Wellness in Deutschland häufig mit Erholungsurlaub in Zusammenhang gebracht. Das folgenden Kapitel beschäftigt sich deshalb mit dem Wellnesstourismus im Besonderen.

„Der Urlaub bietet den idealen Einstieg, sich wieder mehr auf sich selbst sowie darauf zu besinnen, dass Körper, Geist und Seele einer sorgfältigen Pflege bedürfen. In einer gelockerten Urlaubsatmosphäre können neue Wege zur Bewältigung von Alltagsstress, Bewegungsarmut und falschem Essverhalten ausprobiert und eingeübt werden.“

(Richter 1993, S. 68)

3 Der Wellnesstourismus

Wellness wird im deutschen Sprachraum vor allem mit touristischen Angeboten in Verbindung gebracht, da man vor allem im Urlaub Zeit zum Entspannen und Zeit für Wellness hat. In den folgenden Ausführungen steht deshalb die Bedeutung von Wellness für den Tourismus im Zentrum. Mit dem Ziel, den Wellnesstourismus möglichst praxisnah von verwandten Tourismussegmenten abzugrenzen, werden einleitend die wichtigsten Begriffe und Hauptelemente definiert. Um die Bedeutung des Wellnesstourismus und dessen Marktvolumen einordnen zu können, werden die folgenden Determinanten des Wellnesstourismus näher beleuchtet: Der wachsende Trend zum Gesundheitsurlaub, die Angebotsstruktur, Nachfragespezifika, die Zielgruppe sowie aktuelle Trends im Wellnesstourismus.

3.1 Definition und Abgrenzung

Mit der begrifflichen Unsicherheit von Wellness geht die Vielfalt der inhaltlichen Abgrenzungen der Segmente Wellnesstourismus und Gesundheitstourismus einher. Deshalb werden im folgenden diese beiden Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt. Darüber hinaus werden die wichtigsten Elemente des Wellnesstourismus erläutert.

3.1.1 Gesundheitstourismus

„Gesundheitstourismus bezeichnet die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Ortsveränderung und dem Aufenthalt von Personen zur Förderung, Stabilisierung und gegebenenfalls Wiederherstellung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens unter der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlich noch dauernder Wohn- und Arbeitsort ist.“ (Kaspar 1996, S. 55)[28]

Der Gesundheitstourismus als Subsystem des Fremdenverkehrs ist ein Oberbegriff für den Gesundheitsvorsorgetourismus einerseits und dem Kur- und Rehabilitationstourismus andererseits (vgl. Abb. 8). Der Gesundheitsvorsorgetourismus lässt sich des weiteren unterteilen in den spezifischen Gesundheitsvorsorgetourismus (z. B. Trainingslager zur Steigerung der Kondition) und den Wellnesstourismus mit dem Motiv, ein umfassendes Wohlbefinden zu erreichen. Letzteres betont im Unterschied zum ersten vor allem hedonistische Komponenten.

Die Kur als zweiter Unterbegriff des Gesundheitstourismus ist eine komplexe, ärztlich geleitete Behandlung zur Vor- und Nachsorge und als kurative Behandlung chronischer Krankheiten mit einer Dauer von in der Regel drei Wochen, in deren Mittelpunkt die Behandlung durch natürliche Heilmittel steht[29] (vgl. DBV[30] /DFV 1991, S. 57). Sie wird im Gegensatz zum Gesundheitsvorsorgetourismus von kranken Menschen beansprucht, um ihre Gesundheit wieder herzustellen, während der Gesundheitsvorsorgetourismus von gesunden Gästen nachgefragt wird, die primär ihre Gesundheit erhalten und fördern wollen (vgl. Müller/Lanz 1998, S. 481).

Abb. 8: Kategorien des Gesundheitstourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung (in Anlehnung an Müller/Lanz 1998, S. 482)

Die einzelnen Kategorien des Gesundheitstourismus (s. o.), lassen sich in der Praxis häufig nicht klar voneinander abgrenzen.[31] Fremdenverkehrsorte und Kurorte weisen als Leistungsträger mittlerweile oft alle drei Angebotsvarianten auf (vgl. Kaspar 1996a, S. 58).

Im Gegensatz zur Auffassung von Kaspar und Müller/Lanz, die die Kur als eine mögliche Form des Gesundheitstourismus betrachten, grenzen andere Autoren den Gesundheitstourismus von der durch die gesetzliche Krankenversicherung finanzierte Sozialversicherungskur ab. So umfasst Dehmer mit Gesundheitsurlaub „alle Formen eines Aufenthaltes, die in erster Linie der Erhaltung der Gesundheit der Gäste dienen, von diesen regelmäßig selbst finanziert werden und keine Heilkur oder Heilbehandlung im Sinne der Sozialgesetzgebung darstellen“ (Dehmer 1996, S. 5). Auch Nahrstedt bezeichnet Gesundheitstourismus als „den Besuch der Heilbäder und Kurorte durch Gäste aus dem In und Ausland, die die Angebote der Gesundheitsförderung aufgrund eigener Entscheidung nutzen und in der Regel auch privat bezahlen.“ (Nahrstedt 1997, S. 149)

In dieser Arbeit wird die Bezeichnung Gesundheitstourismus nach Kaspars Definition einheitlich als Oberbegriff für Kurtourismus, gesundheitsbetonten Tourismus und Wellnesstourismus verwendet.

3.1.2 Wellnesstourismus

In den letzten Jahren wird das touristische Angebot durch den Begriff Wellnesstourismus ergänzt. Wellnesstourismus wird im Gegensatz zur Kur von gesunden Menschen betrieben, deren primäres Motiv die Erhaltung und Förderung ihrer Gesundheit ist. Der Wellness-Aufenthalt erfolgt auf eigene Initiative hin und wird privat finanziert. Dabei ist dieser Urlaub in der Regel nicht der Haupturlaub, sondern der Zweit- oder Dritturlaub und daher meist kürzer als die Haupturlaubsreise.

Die Definition von Wellnesstourismus nach Lanz-Kaufmann im engeren Sinne lautet:

„Wellnesstourismus ist die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen mit dem Hauptmotiv der Erhaltung oder Förderung ihrer Gesundheit ergeben. Der Aufenthalt erfolgt in einem spezialisierten Hotel mit entsprechender Fachkompetenz und individueller Betreuung, wobei ein umfassendes Leistungsbündel bestehend aus folgenden Elementen angeboten und nachgefragt wird: körperliche Fitness, gesunde Ernährung, Entspannung, geistige Aktivität.“ (Lanz-Kaufmann 1999, S. 48)

In der Praxis überschneidet sich der Wellnesstourismus v.a. angebotsseitig mit anderen touristischen Formen. So können Hotels neben Wellnessangeboten auch medizinische Infrastruktur anbieten und damit ebenfalls Kurgäste ansprechen. Zudem halten die meisten Wellnesshotels Pauschalen für Beauty- und Fitnessurlauber bereit oder sprechen mit entsprechender Seminarinfrastruktur ebenfalls Geschäftsreisende an. Aber auch nachfrageseitig wird Wellnesstourismus häufig nur als Zusatz zu anderen dominierenden Urlaubsstilen in Anspruch genommen. Zwei Hauptgruppen sind hier besonders wichtig: die traditionellen Wander- und Erholungsurlauber sowie die Sporturlauber, deren wichtigste Motivation die Ausübung verschiedener Sommer- und Wintersportarten darstellt (vgl. Hilger/Steinbach 1998, S. 499).

Der Wellnesstourismus ist ein junges, wachsenden Segment im deutschen Fremdenverkehr. Es stellt insbesondere für Kurorte, die seit der Gesundheitsreform unter einem rapiden Rückgang der Übernachtungszahlen leiden, ein neues touristisches ‚Standbein’ dar. Es ist es jedoch noch nicht eindeutig und einheitlich definiert, was unter Wellnesstourismus im speziellen zu verstehen ist, weshalb viele Unsicherheiten auf der Nachfrager- und auch auf der Anbieterseite bestehen. Gefördert wird diese Verwirrung durch touristische Anbieter, die den Begriff Wellness für einfache Angebotskomponenten missbrauchen, um an der Modewelle zu partizipieren.[32] Um diesen Missbrauch des Wellnessbegriffs zu unterbinden, ist es wichtig, dass unter Wellness im Tourismus nur das Anbieten eines umfassenden Leistungsbündels mit dem Ziel der ganzheitlichen Gesundheitsförderung verstanden wird.

„Konkrete Einzelziele des Gesundheitstourismus, wie Abnehmen oder Steigerung der Fitness verlieren an Wichtigkeit, während Unterhaltung, Animation, kulinarische Genüsse etc. noch mehr im Vordergrund stehen.“ (Hilger/Steinbach 1998, S. 499)

3.1.3 Die Hauptelemente des Wellnesstourismus

In Anlehnung an die Definition von Wellness[33] orientieren sich die Angebotsanforderungen des Wellnesstourismus an den definierten Wellnesselementen, die allerdings auf die vier Elemente körperliche Fitness, gesunde Ernährung, Entspannung und geistige Aktivität reduziert werden. Die beiden ebenfalls erwähnten Elemente Selbstverantwortung und Umweltsensibilität werden im Tourismusgeschäft ausgeblendet, weil es kaum möglich ist, touristische Angebote darauf auszurichten (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 38).

Die vier Hauptelemente müssen jedoch zumindest für den Wellnesstourismus in Europa wiederum um eine weiteres Element ergänzt werden: den Beautybereich. Auch wenn Schönheitsangebote nicht im amerikanischen Wellness-Ansatz zu finden sind, spielen sie aber in der touristischen Praxis in Europa eine große Rolle und sind offensichtlich unverzichtbar für ein Wellnessangebot. Es gibt faktisch kein touristisches Wellnessangebot, dass nicht auch den kosmetischen Bereich beinhaltet und auch für Nahrstedt gehören Schönheitsangebote dazu (vgl. Nahrstedt 2000, S. 171). Idealerweise wird in einem Wellnessurlaub in allen Elementen individuelle Information, Beratung und Hilfestellung von kompetenten Fachpersonal gegeben.

a) Körperliche Fitness

Wie Wellness wird auch Fitness im allgemeinen Sinne oft mit Wohlbefinden übersetzt und kann in die drei Bereiche körperliche, seelische und soziale Fitness unterteilt werden. Im Vordergrund steht aber meist die körperliche Fitness, welche physische und motorische Eigenschaften wie Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination beinhaltet.

Wissenschaftler des Cooper Institute for Aerobics Research in Dallas fanden heraus, dass sportliche Aktivität sich unmittelbar in körperliche Gesundheit ummünzt. Besonders deutlich verringern sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen (vgl. Gafga 1994, S. 48). Sportlich Aktive weisen günstigere Blutdruckwerte auf, haben einen tieferen Body Mass Index[34], sind ernährungsbewusster, trinken und rauchen weniger. Stamm/Lamprecht (1994) kommen in ihrer Studie sogar zu dem Schluss, dass der Sporteffekt andere Arten der Gesundheitsförderung, beispielsweise bezüglich Ernährung, Tabak- und Alkoholkonsum, deutlich übertrifft. Nach Schwarzer (1992) kann angenommen werden, dass durch jede Stunde intensiven Sports zwei Stunden Lebenszeit gewonnen werden, basierend auf der Annahme von drei bis vier Stunden Sport pro Woche. Zudem dient Sport auch der Steigerung der Lebensqualität (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 39 f.).

Im Zusammenhang mit dem Wellnesstourismus sollten die ausgewählten Bewegungsarten besonders sanft sein, da sich zu extremes Training für die meist ungeübten Wellnesskunden nachteilig auf Körper und Psyche auswirken kann. Angeboten werden zum Beispiel: Aerobic, Wassergymnastik, Bewegungsbäder, Fitnesstraining, Rückenschule und sanfte Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Wandern, Walking oder Golf (mündl. Mitteilung Richter 2001).

b) Gesunde Ernährung

Nach Aussage verschiedener Studien bestehen Zusammenhänge zwischen Sterblichkeit bzw. Krankheitshäufigkeit und dem Ernährungsverhalten. Insbesondere Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose, Übergewicht, Zahnkaries usw. sind ernährungsbedingte Krankheiten. Die Hauptrisiken der Bewohner von Industrienationen bestehen aus chronischer Überernährung, hoher Fett- und Alkoholaufnahme, überhöhtem Salzkonsum sowie zu niedrigem Ballaststoffkonsum.

In den letzten Jahren wurden weniger kohlehydratreiche Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Getreidemehle, dafür mehr Fleisch konsumiert und es fand eine Verlagerung des Konsums von Milch zu Milchprodukten statt. Infolge dessen ist der Verbrauch an komplexen Kohlehydraten zu gering und der Fettanteil an der Gesamtenergieaufnahme zu hoch (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 40 f.).

In den touristischen Wellnessangeboten findet sich der Bereich der gesunden Ernährung in verschiedenen Diäten oder Ernährungsprogrammen, wie beispielsweise Ayurveda[35] -Fasten, Heilfasten, Schrothkur und Vollwertkost wieder. Häufig werden ergänzende Seminare oder Vorträge zum Thema gesunde Ernährung abgehalten (mündl. Mitteilung Wohlleber 2001).

c) Entspannung

Im Zusammenhang mit Gesundheitsförderung ist mit Stress meist der unangenehme Disstress gemeint (im Gegensatz zum positiven Eustress). Dieses Belastungserleben entsteht, wenn eine Person wahrnimmt, dass die psychischen und sozialen Anforderungen ihre unmittelbaren Handlungsmöglichkeiten übersteigen. Entspannung ist eine Bewältigungsform, um diese Belastungen angemessen zu verarbeiten und längerfristige Störungen zu vermeiden. Entspannungstechniken sollen vegetative Funktionen wie Herzschlag, Durchblutung und Atmung normalisieren. Die bekanntesten Entspannungstechniken sind Autogenes Training (Entspannung durch Konzentration auf bestimmte Körperempfindungen), aktive Muskelentspannung (Gegensatz von Anspannung und Entspannung bewusst steuern), Meditation (durch Aufmerksamkeit für das Innere und die Atmung sollen Verspannungen gelöst werden) und Yoga (Konzentration auf das Hier und Jetzt, Wahrnehmen und Akzeptieren der eigenen Grenzen) (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 42), die auch bereits Einzug in das touristische Wellnessangebot gehalten haben. Darüber hinaus finden sich noch weitere Entspannungsangebote: Atemtherapie, Biofeedback, Feldenkrais, Fünf Tibeter, Qi Gong und Tai Chi[36]. Diese Entspannungstechniken werden i. d. R. in Wellnesshotels in Form eines Kurses unter Leitung von Fachpersonal den Gästen vermittelt.

d) Geistige Aktivität

Ganzheitlich betrachtete Gesundheit schließt auch geistige Aktivität mit ein. Im Wellnesstourismus sollen vor allem Gesundheitsbildung und kulturelle Angebote die geistige Aktivität fördern. Durch die möglichst aktiv-partizipative Gesundheitsbildung sollen die Gäste eigenverantwortlich Handlungsschritte für gesundheitsfördernde Lebensweisen erproben, was bedeutet, dass Gesundheit durch aktives Handeln eingeübt, erlebt, erworben und entfaltet wird. Mögliche Instrumente sind interaktive Vorträge, Workshops, Informationsveranstaltungen, Ausstellungen, Lehrpfade usw. (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 43). Allerdings ist bei der Entwicklung der Didaktik viel Sensibilität und Kreativität gefordert, um nicht in eine zu schulähnliche Gesundheitserziehung zu gelangen (mündl. Mitteilung Hertel 2001).

Auch kulturelle Angebote wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Angebote zur Anregung der eigenen Phantasie oder Kreativität wie Handwerken, Malen, Töpfern usw. können die geistige Aktivität fördern und haben somit ihren Platz innerhalb des Wellnessangebotes (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 43).

e) Beauty

Aussehen und Schönheit wird in unserer Gesellschaft zunehmend wichtiger – im privaten ebenso wie im beruflichen Bereich. Die Massenmedien verbreiten landesweit Schönheitsideale, denen jeder nacheifert, daher ist die Nachfrage nach schönheitsfördernden Produkten enorm gestiegen. ‚Sich schön fühlen’ ist eine wichtige Voraussetzung für das eigene Wohlbefinden und daher auch ein elementarer Bestandteil von Wellness. „Der Mensch hat seinem größten Organ, der Haut, bislang die wenigste Beachtung geschenkt“ (mündl. Mitteilung Kirchner 2001). Kosmetische Behandlungen werden häufig mit ‚sich verwöhnen lassen’ und einem luxuriösen Ambiente assoziiert und lassen sich daher ideal in ein Wellnessangebot integrieren. Auch aufgrund des medizinischen Wertes ergänzt Kosmetik das Wellnessangebot ideal.

In der touristischen Infrastruktur sind infolge des ‚Schönheits-Booms’ zunehmend Schönheits- oder Beautyfarmen entstanden und beinahe jedes namhafte Hotel hat sein Angebot um eine Kosmetikabteilung erweitert. Das Angebot umfasst: kosmetische Gesichts- und Körperbehandlungen, Hautanalyse, Bürsten-Tiefenreinigung, Augenpackungen, Gesichtsmasken, Ganzkörper-Entspannungs-Massagen, Peeling bis hin zur Lymphdrainage[37]. In der Regel sind die Angebote geschlechterspezifisch ausgeschrieben (z. B. „Beauty-Tag für SIE “ und „Anti-Stress-Tag für IHN “); praktisch konsumieren Männer jedoch zunehmend die gleichen Angebote wie die Frauen (mündl. Mitteilungen Wolf und Wohlleber 2001).

3.2 Trend zum Gesundheitstourismus

Seit einigen Jahren wächst die Nachfrage nach Gesundheitsurlaub parallel zum steigenden Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung ständig an, wobei sie in jüngster Zeit allerdings stagniert. Die Gesundheitsvorsorge war schon immer mit verschiedenen touristischen Motiven gekoppelt, wenn auch teilweise nur als Scheinmotiv für Erholung und Vergnügen wie beispielsweise Glücksspiel oder kulturelle Aktivitäten (vgl. Steinbach et al. 1997, S. 10 ff.).

Der präventive Gesundheitsurlaub hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Wachstumszweig entwickelt. Neben der klassischen Kur spielen die verschiedenen alternativen Heilmethoden eine immer stärkere Rolle. Aber auch sanfte Sportausübung und Entspannung im Sinne von Wellness wird immer mehr zur tragenden Säule dieses Tourismussegments. Angebote mit schulmedizinischer Ausrichtung werden an Bedeutung verlieren und es wird zukünftig eher das Unkonventionelle gefragt sein (vgl. Smeral 1994, S. 258 f.).

Diese Trendaussagen lassen sich durch die Ergebnisse der alljährlichen Reiseanalyse[38] (RA) belegen: 1995 war es laut RA für 27 % der Befragten wichtig, in der Haupturlaubsreise ‚etwas für die Gesundheit zu tun’. Dies entspricht einem Anteil von 13,2 Millionen Personen in Deutschland (vgl. Datzer 1996, S. 23). Die Reiseanalyse 1998 stellt fest, dass dieses Motiv bereits für rund 49 % der Urlauber ‚sehr wichtig’ oder ‚wichtig’ ist. Für 13 % der Urlauber sind Fitness und leichte sportliche Aktivitäten ‚wichtig’ oder ‚sehr wichtig’. (vgl. DBV 1998c und Lohmann 1999, S. 103). 1999 wird das Motiv ‚etwas für die Gesundheit tun’ von fast jedem dritten Befragten als besonders wichtig eingeschätzt (vgl. F.U.R. 1999, S. 5).

6 % der Befragten gaben 1999 an, in den letzten drei Jahren (1996-1998) Gesundheitsurlaub gemacht zu haben, weitere 5 % hatten einen Fitness- oder Wellnessurlaub verbracht. Von den 62,6 Mio. Reisen von mindestens fünf Tagen Dauer, die die Bundesbürger laut RA im Jahr 1999 gemacht hatten, waren 7 % Gesundheitsurlaub, was rund 4,4 Mio. Reisen entspricht. Im alten Bundesgebiet ist der Gesundheitsurlaub bisher stärker verbreitet: 8,4 % der Westdeutschen, aber nur 3,2 % der Ostdeutschen hatten 1999 eine solche Reise gemacht (vgl. Gruner + Jahr 2001, S. 4).

Die Abb. 9 stellt die unterschiedlichen Entwicklungschancen ausgewählter Urlaubsformen dar und verdeutlicht den enormen Wachstum des Gesundheitstourismus, dessen Volumen sich in den letzten 18 Jahren fast verdreifacht hat.

Abb. 9: Entwicklung von Urlaubsformen (Auswahl) 1994 bis 2002

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: F. U. R. 2000

Während Fitness- oder Wellnessurlaub hauptsächlich von der Altersgruppe bis 39 Jahre in Anspruch genommen wird, verbringen die 40- bis 59jährigen überwiegend einen Gesundheitsurlaub im Sinne eines spezifischen Gesundheitsvorsorgeurlaubs. Diese beiden Altersgruppen haben fast gar kein Interesse an einer Kur im Urlaub, während bei der Gruppe der über 60jährigen die Kur im Urlaub dicht hinter dem Gesundheitsurlaub rangiert (vgl. Lohmann 1999, S. 104).

Vor allem die jüngeren Bundesbürger wollen nicht unbedingt ihren Haupturlaub der Gesundheitsvorsorge widmen, hier lag der Anteil bei 7,4 %. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen war der Anteil mit 14,7 % doppelt so hoch. Allerdings hatten sich 1999 auch 3,5 % der Bundesbürger während einer Kurzreise von zwei bis vier Tagen entspannt (vgl. Gruner und Jahr 2001, S. 4).

Die Ergebnisse der letzten Reiseanalysen zeigen, dass die Nachfrage nach Wellnessurlaub steigt, während die Nutzerzahlen für Kuren seit 1995 kontinuierlich sinken. Zudem wurde ermittelt, dass das Potential noch lange nicht ausgeschöpft ist, da rund zwei Drittel der Deutschen den Wunsch äußerten, im Urlaub etwas für Gesundheit und Wohlbefinden tun zu wollen (vgl. Lohmann 1999, S. 68). Gönnten sich Anfang der 90er Jahre nur gutbetuchte, ältere Frauen den Luxus eines Wellnessurlaubs, so sind heute Frauen und Männer mittleren Einkommens in Wellnesshotels anzutreffen (vgl. Adenau 1997, S. 30). Die Diffusion des jungen touristischen Segments ist weiter fortgeschritten.

Nach einer von Gruner und Jahr veröffentlichen Marktanalyse zu Kuren und Gesundheitsurlaub hat sich im Jahr 2000 jeder zehnte Deutsche ab 14 Jahren für einen reinen Wellnessurlaub interessiert, was knapp 6,5 Millionen potentielle Kunden bedeutet. 1999 lag die Quote erst bei sechs Prozent (vgl. Tab. 1). Rechnet man Kuren und allgemeine Gesundheitsurlaube dazu, liegt das ermittelte Marktpotential bis 2002 bei knapp 30 Millionen Buchungen (vgl. Magenheim 2001, S. 25 und Gruner und Jahr 2001, S. 5).

Tab. 1: Erfahrungen mit und Interesse an gesundheitsorientierten Urlaubsformen in den nächsten drei Jahren (in %)[39] (Basis: 63,6 Mio. Personen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach Gruner und Jahr 2001, S. 5 (auf Basis der RA 1999 und 2000)

Der ansteigende Trend zum Gesundheits- und Wellnesstourismus wird unterstützt durch allgemeine Trends im Tourismus, die sich wie folgt skizzieren lassen: Zunehmende Zahl der Reisenden und Reisen, vor allem Kurzreisen. Die Kurzreiseintensität liegt bei 33,2 %, wobei der Anteil der Kurzreisenden bei den Interessierten[40] und bei den Kennern[41] von gesundheitsorientierten Urlaubsformen deutlich höher ist als im Bevölkerungsdurchschnitt[42] (vgl. F.U.R. 1999, S. 9). Darüber hinaus wird es eine erhöhte Nachfrage nach spezialisierten, zielspezifischen Angeboten in Deutschland sowie nach qualitativ hochwertigen und auch hochpreisigen Angeboten geben. Andererseits wird sich das Anspruchsdenken der Gäste und der Druck auf die Preisgestaltung massiv erhöhen, was unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten für die Anbieter nicht ganz unproblematisch ist (vgl. Stoyke 2000, S. 338 f.).

3.3 Angebotsstruktur

Die Tourismusbranche begegnet dem Interesse der Gesundheitsurlauber heute mit immer neuen Trendangeboten aus dem Wellness- und Beautybereich. Fitness- und Vital-Center in Hotels, multifunktionale Wellness-Resorts, Hotelkooperationen, City-Spa-Zentren, spezialisierte Reiseveranstalter und Thermalerlebnisbäder – die Zahl der Anbieter nimmt zu. Inzwischen versuchen sich auch ganze Fremdenverkehrsorte oder –regionen durch Wellness zu profilieren, worunter auch manche Kurorte fallen, auf die im Kapitel 5 näher eingegangen wird.

In Deutschland tauchte Wellness im Tourismus erstmals 1990 als neue Angebotsform im Kurbereich auf. Zu dieser Zeit gab es jedoch noch starke begriffliche Unsicherheiten in Deutschland. Inzwischen lässt eine Analyse von neuen touristischen Katalogen eine stärkere inhaltliche Profilierung des Wellnessurlaubs erkennen.

3.3.1 Wellnesshotels

Die Hotelbranche sieht im Thema Wellness einen ernst zu nehmenden und Gewinn versprechenden Trend. Viele Hoteliers und Hotelketten spezialisieren sich zunehmend auf das Wellnessegment und erweitern ihre Angebotspalette stetig, um neue Kundengruppen zu akquirieren. Solche Hotels können sowohl in Heilbädern und Kurorten als auch in anderen Fremdenverkehrsorten und –regionen liegen. Inzwischen ergänzen auch in Europa die großen luxuriösen Hotelketten in den Innenstädten ihr Angebot durch weiträumige Spa-Bereiche nach amerikanischen Vorbild[43], wie z. B. das Hotel Adlon in Berlin oder das Hyatt Regency in Köln oder kreieren eigene Marken, wie beispielsweise ‚The Leading Hotels of the World’ mit ‚ The Leading Spas’ oder Dorint mit ‚ Dorint World of Spa’. „Gerade im Hochpreis-Kettenhotelleriesegment ist häufig festzustellen, dass das Vorhandensein einer Beauty- und Wellnessabteilung seitens der Gäste bereits vorausgesetzt wird.“ (Röhr 1996, S. 56)

Aus Sicht der Anbieter sollte ein Wellnesshotel neben einer speziellen Wellnessinfrastruktur wie Bäder, Sauna, Whirlpool oder einen Fitnessraum auch Wellness-Dienstleistungen wie ausgewogene Ernährungsangebote, betreute Sportangebote, Angebote zur Entspannung und Aktivitäten für den Geist vorhalten. Für zahlreiche Hotels gehört die Wellnessinfrastruktur bereits zum Standard (z.B. die erwähnten Hotelketten). Um sich zu unterscheiden, bieten Wellnesshotels eine individuelle Betreuung und Information durch medizinisches Fachpersonal an (vgl. Lanz-Kaufmann 1999, S. 48). In diesem Zusammenhang wird Qualitätsmanagement zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor. Hotels, die Beauty-, Fitness- oder Wellnessprogramme anbieten, gehören meistens der gehobenen Klasse an, da nur sie dem hohen Qualitätsanspruch des Wellnessegments nachkommen können. In dieser multifunktionalen Erlebniswelt des Wellnesshotels spielen Ambiente, Architektur und Landschaftsgestaltung eine zentrale Rolle.

[...]


[1] Nachfolgend wird zusammenfassend von Kurorten gesprochen, was die höher zertifizierten Heilbäder mit einschließt. Zur Definition und Differenzierung dieser Begriffe vgl. Kap. 4.3.2

[2] Zit. nach Pelletier 1979, o. S.

[3] Dt.: Wellness auf hohem Niveau.

[4] Vgl. Bruhn et al. 1977, Greenberg 1985, Ardell 1977, Ardell 1986, Ardell/Donovan 1991, Mullen 1986, Papenfuss 1984, Petosa 1984, Schmid-Neuhaus 1988, Suter 1986, Travis/Callander 1990, Travis/Ryan 1988, Travis/Ryan 1991, in: Hertel 1992, S. 37.

[5] Vgl. Wellness-Lexikon im Anhang.

[6] Form der Selbstverteidigung, vergleichbar mit Judo (vgl. Stichwort „Aikido“ in: Müller [Bearb.] 1982).

[7] Vgl. Wellness-Lexikon im Anhang.

[8] Normaler Spannungszustand der Muskeln und Gefäße (Med.) (vgl. Stichwort „Eutonie“ in: Müller [Bearb.] 1982).

[9] Das Salutogenese-Konzept vom israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky ist eines der einflussreichsten Gesundheitskonzepte der letzten Jahre. Es rückt gesunderhaltende Faktoren, wie z. B. Rückbesinnung auf Lebenskunst, psychisches Wohlbefinden und Lebensfreude, in den Mittelpunkt und nicht die Gefahren und Risiken von Krankheit (vgl. Antonovsky 1987, in: Ernst 1992, S. 9f.).

[10] Die WHO definiert 1948 Gesundheit als den „Zustand eines vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechlichkeit.“ (WHO 1948)

[11] Vgl. Kap. 4.2.

[12] Vgl. Kap. 4.2.

[13] Hedonismus ist die Neigung zu maximalem Lustgewinn und maximaler Unlustvermeidung.

[14] Dt.: Wohlbefinden.

[15] Diese These ist leider nicht überprüfbar, da die Originalpublikation „High Level Wellness“ von Dunn (1961) auch nach intensiver Nachforschung in Deutschland heute nicht mehr verfügbar ist, was auch von einigen Experten (u. a. Hertel) bestätigt wurde. In den Quellen, die sich auf Dunn berufen (z. B. Ardell), ist kein Hinweis auf die Herleitung zu finden .

[16] Vgl. Anhang 3.

[17] Diese Antwortoption wird in Abb. 4 mit „Ganzheitlichkeit“ subsumiert.

[18] In der Reiseanalyse (RA) der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (F.U.R.) werden zu Beginn jeden Jahres etwa 7500 Deutsche zu ihrem Urlaubsverhalten befragt.

[19] Gemäß telefonischer Auskunft der Duden-Redaktion vom 30.07.01 findet sich diese Definition im Duden – das große Wörterbuch der deutsche Sprache (1999) sowie Bertelsmann - die deutsche Rechtschreibung (1999).

[20] Dies zeigt sich in zahlreichen Wellness-Hotelkooperationen und vielen touristischen Angeboten von Reiseveranstaltern und Fremdenverkehrsregionen (vgl. Kapitel 3.3.3).

[21] Ein Me-too-Produkt ist ein einem vorhandenen Produkt nachgemachtes, nachempfundenes Produkt, das (wenn überhaupt) nur geringe Vorteile gegenüber dem vorhandenen Produkt bietet (Pseudo-Neuheit) (vgl. Stichwort „Me-too-Produkt“ in: Gabler Wirtschafts-Lexikon 1988).

[22] Dt.: Gesundheitsförderung.

[23] Vom lateinischen „sana per aquam“, weitere Erläuterung vgl. Wellness-Lexikon im Anhang.

[24] Eine Studie der International Spa Association (ISPA) zählte in den USA 1995 3.000 Day-Spas und rund 300 Spas, welche auch Beherbergung anbieten (Horgan 1995, zit. in: Spivack 1998, S. 66).

[25] Wertewandel ist die Veränderung von grundlegenden Überzeugungen und Einstellungen, die das Denken und Handeln des Einzelnen in der Zukunft bestimmen. Ursachen können die technologische Entwicklung, die Medienrevolution, der Massenwohlstand oder die Änderung der Erziehungsziele sein.

[26] Bezeichnung für den modernsten Ansatz der Zielgruppentechnik.

[27] Erarbeitet vom Magazin Focus und der Marktforschungsgesellschaft WEFA, zusammen mit dem DWV.

[28] Diese Definition lehnt sich an jene der World Tourism Organization (WTO) an, die Tourismus als „Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“ definiert (Kaspar 1996b, S. 19).

[29] Für eine umfassendere Definition vgl. Kapitel 4.1.1.

[30] Der Deutsche Bäderverband e. V. (DBV) hat sich Mitte des Jahres 1999 aufgelöst und als Deutscher Heilbäderverband e. V. (DHV) neu formiert. Die ab diesem Zeitpunkt vom DHV veröffentlichte Literatur wird als solche gekennzeichnet, bei früherer Literatur wird der DBV genannt.

[31] Für eine Abgrenzung von Kur- und Wellnesstourismus vgl. Kap. 4.1.3.

[32] Beispielsweise durch eine Sauna im Hotelkeller oder einen Fahrradverleih.

[33] Vgl. Kap. 2.1.1.

[34] Der Body-Mass-Index ermittelt den idealen Gewichtsbereich im Verhältnis zur Körpergröße unter Berücksichtigung von Alter und Geschlecht.

[35] Vgl. Wellness-Lexikon im Anhang.

[36] Die wichtigsten Entspannungstechniken sind im Wellness-Lexikon im Anhang erklärt.

[37] Vgl. Wellness-Lexikon im Anhang.

[38] In der Reiseanalyse (RA) der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e. V. (F.U.R.) werden zu Beginn jeden Jahres etwa 7500 Deutsche zu ihrem Urlaubsverhalten befragt. Dabei wird unter anderem auch nach dem Interesse an Kuren und Gesundheitsurlaub gefragt. Neben einem umfangreichem Standardfragenprogramm enthält die RA Fragenmodule zu bestimmten Schwerpunkten. Die RA 99 wurde u. a. durch das Modul Gesundheitsurlaub ergänzt.

[39] Mehrfachnennungen möglich.

[40] ‚Interessierte’ sind Personen, die im Januar 1999 angegeben haben, in den nächsten drei Jahren einen gesundheitsorientierten Urlaub zu machen (vgl. F.U.R. 1999, S. 4).

[41] ‚Kenner’ sind Personen, die in den vergangenen drei Jahren einen gesundheitsorientierten Urlaub gemacht haben (vgl. F.U.R. 1999, S. 4).

[42] Rund 47 % der Interessierten und sogar 54 % der Kenner von Wellnessurlaub haben 1998 einen Kurzurlaub unternommen (vgl. F.U.R. 1999, S. 9).

[43] Ob diese Häuser aufgrund ihrer urbanen Lage überhaupt als ‚Wellnesshotel’ bezeichnet werden können, ist Ansichtssache, da es (noch) keine bundesweiten Prädikatisierungsmaßstäbe gibt.

Details

Seiten
147
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832449957
ISBN (Buch)
9783838649955
Dateigröße
10.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220556
Institution / Hochschule
Universität Trier – unbekannt
Note
1,7
Schlagworte
tourismus trend

Autor

Zurück

Titel: Wellness als neue Ausprägungsform des Gesundheitstourismus in traditionellen Heilbädern und Kurorten