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Aggressive Diffamierung und Negation

Inhalt und Vortragsstil der Hitler-Reden 1933-1945

Diplomarbeit 1992 134 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Vorwort

Der Titel der Diplomarbeit lautet Aggressive Diffamierung und Negation - Inhalt und Vor-tragsstil der Hitler-Reden 1933-1945. Diese Formulierung bezieht sich auf den aggressiven Grundtenor der Reden und die Dominanz von inhaltlichen Verneinungskomplexen.[1] Die vor-dergründige Erörterung von Sachthemen innerhalb der Reden widerspricht dieser Feststellung in keiner Weise.

Im Rahmen der Diplomarbeit werden die öffentlichen Reden Hitlers, d.h. seine Massenrheto-rik, untersucht. Im Interesse der Glaubwürdigkeit der formulierten Untersuchungsergebnisse werden ausführliche Orginalzitate der Hitler-Reden verwendet, wobei der zeitliche Zusam-menhang mit den Eckdaten des Dritten Reiches ausschlaggebend ist. Zusätzlich soll anhand der kom­mentierten vollständigen Nachschrift der letzten Hitler-Rede vom 30. Januar 1945 abschlie­ßend ein authentisches Bild des Propaganda-Redners Hitler entstehen. Die vorliegen-de Diplomarbeit wendet jedoch keinen linguistischen Untersuchungsansatz an, der den jewei-ligen Untersuchungsgegenstand lediglich deskriptiv erfaßt und formal einordnet, sondern sie basiert auf einer bewußt subjektiven Wertung des untersuchten Materials. Erhard Eppler bescheinigt der wert(ungs)freien Linguistik, daß sie sich, aufgrund ihrer metho­do­lo­gisch ver-bind­lich vorgegebenen Wertfreiheit, im Formalismus erschöpfen würde und "die Realität der politischen Sprache…allenfalls aus weiter Ferne zu Gesicht [bekommen würde]."[2] Außerdem weist Epp­ler darauf hin, daß sprachliche Neuerungen bzw. sprachliche Fehlent­wicklungen mit der politischen Entwicklung korrespondieren und in keiner Weise als bloßes Ergebnis einer rich­tungslosen, wertfreien Fortentwicklung der Sprache gesehen werden können.[3] Die Di-plom­arbeit macht sich beide Einschätzungen zu eigen.

Die im Rahmen der Diplomarbeit definierte Propaganda-Rede Hitlers stellte aus­schließlich das rhetorische Werkzeug des gewaltbereiten Demagogen Hitler dar, der unter den Bedingun­gen der sozialen Krise bzw. im Rahmen einer Diktatur handelte. Die beschriebene Form der emotionalen Aufladung wird als das herausragende Merkmal der Propaganda-Rede Hitlers angesehen; eine allgemeine Beschreibung dieser rhetorischen Technik ist nicht beabsichtigt.

Es wird lediglich im Verlauf der Schlußbemerkung auf die Methoden der emotionalen Beein­flußung im Rahmen des gesellschaftspolitischen Diskurses der modernen Massendemokratie hingewiesen. In diesem Zusammenhang wird die Frage aufgeworfen, ob der Gebrauch von bio­logistischen Terminologien und die offene Denunzierung des politischen Gegners als le­gitim zu betra­chten sind.

Die massenpsychologischen Aspekte der NS-Zeit im allgemeinen bzw. die massenkommuni-kative Wirksamkeit der Hitler-Reden im besonderen werden hingegen nicht thematisiert; das Verhalten der Rezipienten steht ebenfalls nicht im Mittelpunkt der Untersuchung. Das Haupt-augenmerk der Diplomarbeit liegt auf der Untersuchung der Hitlerschen Redetexte.

Es werden jedoch die zeitgeschichtlichen Eckdaten genannt, die im Zusammenhang mit der Entwicklung der Propaganda-Rede Hitlers von Bedeutung sind. Um den ideengeschichtlichen Hintergrund der pseudoreligiösen Anspracheform Hitlers ver­stehen zu können, wird zu-sätzlich die Theorie des Politischen Messianismus erläutert. Eine zeitgeschichtliche oder hi-storische Abhandlung wird aber ebenfalls nicht angestrebt. Diese Eingrenzungen erscheinen als sinnvoll, in der gleichen Weise, wie die Ausführlichkeit des Vorwortes insgesamt als sinn-voll für die Erläuterung des Diplomthemas angesehen wird.

Politik beschreibt ihre Zielvorstellungen mit Hilfe der Sprache.[4] Darüber hinausgehend be-gründet Sprache in eigenständiger Weise Realität. Bezogen auf die politische Rede spricht Dolf Sternberger davon, daß Reden Taten sind.[5] Diese Einschätzung trifft sehr wohl auch auf den Propaganda-Redner Adolf Hitler zu. Wer von "Bazillenträger[n]"[6] und von "anstecken­den politischen…Krankheiten"[7] sprach, vollzog die verbale Vernichtung vor bzw. parallel zur physischen Vernichtung. Noch in der Konsolidierungsphase der nationalsozialistischen Machtergreifung verwies Hitler, im Rahmen seiner Rede zum “Ermächtigungsgesetz“ vom 23.03.1933, in aller Deutlichkeit auf diesen Sachverhalt: "Es wird die oberste Aufgabe der na-tionalen Regierung sein, diese Erscheinung…restlos auszurotten und zu beseitigen…[und] diesen Verirrungen des men­schlichen Geistes den Nährboden zu entziehen."[8] Anknüpfend an das Heinrich Heine-Zitat "Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, ver-brennt man auch am Ende Menschen"[9] soll die Analyse der Propaganda-Rede Hitlers auf den potentiellen Zusammenhang zwischen der verbalen Herabwürdigung von Menschen und ihrer tatsächlichen physischen Vernichtung hinweisen. Hitler repräsentierte in dieser Hinsicht den verbrecherischen Idealtypus des politischen Redners, der tat was er sagte. Aufgrund dieser Betrachtungsweise besitzt die Auseinandersetzung mit der Propaganda - Rede Hitlers eine un­gebrochene Aktualität.

Im Hinblick auf die Beurteilung der rhetorischen Fähigkeiten Hitlers herrscht Uneinigkeit dar­über, welche Beurteilungskriterien zur Anwendung kommen sollen. Bei der Beantwortung dieser Frage kommt der Bewertung der Sprachästhetik und der Sprachrichtigkeit der Propa-ganda-Rede Hitlers eine entscheidende Bedeutung zu. Zunächst kommen die Zeitzeugen Kraus und Olden zu Wort. Anschließend werden kursorisch die Thesen von Walter Jens dar­gestellt.

Karl Kraus begann seine, im Sommer 1933 geschriebene und 1952 erstmals veröffentlichte, Polemik gegen die nationalsozialistische Machtergreifung "Die Dritte Walpurgisnacht"[10] mit dem Satz : "Mir fällt zu Hitler nichts ein."[11]

Dieses Nichts nahm dann immerhin 292 Seiten in Anspruch. Er bescheinigte den National-sozialisten, daß sie nach der Machtübernahme alles beherrschen würden - mit Ausnahme der Sprache![12] Die Machtergreifung ging für Karl Kraus mit "eine[r] epidemische[n] Gehirner-schütterung einher"[13], "die…von gestern auf heute die brauchbarsten Knechte zivilisatori-schen Betriebs in Feueranbeter und Bekenner eines Blutmythos verwandelt[e]…"[14] Er stellte fest, daß die Nationalsozialisten "im Sprachlichen eine gewisse Absage an das Deutschtum"[15] verraten würden; von ihrem "Braunwelsch"[16] fühlte sich Kraus "ins Gehirn getreten."[17]

Der Journalist Rudolf Olden kommentierte die Metaphorik der Hitler-Reden an Hand des Hit-ler-Zitats "Wer nicht selber in den Klauen dieser würgenden Natter sich befin­det, lernt ihre Giftzähne niemals kennen"[18] folgendermaßen: "In so ein paar Worten sind mehr Fehler, als sich in einem ganzen Aufsatz richtigstellen ließen. Eine Natter hat keine Klauen, und eine Schlange, die einen Menschen umklammern kann, hat keine Giftzähne. Wenn aber ein Mensch von einer Schlange gewürgt wird, so lernt er doch dadurch nie ihre Zähne kennen."[19] Er bescheinigte den Hitler-Reden, daß ihr "Inhalt…Haß [und] Terror [wäre]. Er bedürfte einer scharfgeschliffenen, schneidigen, blitzenden Sprache. Oder sie müßte mächtig, gewaltig sein, Donner müßte in ihr rollen. Der Widerspruch ist peinlich. Er ist mehr als das, er ist schauer­lich. So wie ein gemütlicher Mörder schauerlich ist, ein Dorfbarbier als Tyrann, der Wurzelsepp als Berserker."[20] "Die Unhypnotisierbaren gehen geekelt fort, um nicht mehr wiederzukehren. Die Anderen sind ihm verfallen. Denen ist er der Erlöser, der nationale Heiland."[21]

Kraus und Olden erkannten also trotz ihrer prinzipiellen Gegnerschaft zum Nationalsozialis-mus die sozialpsychologische Wirksamkeit der Propaganda-Rede Hitlers. Ihrer Meinung nach bedurfte es einer genauen Analyse dieser Reden; die moralische Entrüstung durfte den Blick für diese Aufgabe nicht verstellen. Die Stellungnahme von Kraus und Olden führt zu der Frage, ob Hitler insgesamt rhetorisch versagt hat?

“Im Stile eines schlechten Predigers“ betitelt Walter Jens seine Analyse der Hitlerschen Rhe-torik: "So jämmerlich die Argumentation, so kläglich die Sophisterei, so hahnebüchen die Lo-gik…Sie vertrauten einem Rhetor, den Gorgias und Quintilian zum Teufel gejagt hätten. We-gen Unfähigkeit."[22] Fehlende rhetorische Güte und potentielle bzw. reale Wirksamkeit wer-den von Jens als unvereinbare Gegensätze dargestellt. Jens konstatiert: "Aber war der erfolgreiche Redner deutscher Zunge auch ein guter Redner, ein Meister der Sprache?"[23] Seine Ant-wort auf diese rhetorische Frage lautet sinngemäß: Wer die genannten Kriterien nicht erfüllt, war weder ein guter Redner noch konnte bzw. durfte er Erfolg haben.[24] Im Rahmen seiner Ana­lyse bietet Jens seine ganze Autorität auf, um die Hitlersche Rhetorik als "[e]in schönes Beispiel für unangemessenes Pathos und schwülstigen Ausdruck - Courths-Mahler kämpft mit Clausewitz"[25] darzustellen. Walter Jens re­präsentiert damit eine Position, die die potenti­el­le bzw. reale Wirksamkeit[26] der Propaganda-Rede Hitlers bestreitet. Ohne den zeitge-schichtlichen Hintergrund zu würdigen, mißt er die Güte und Effektivität der Hitler-Reden an den Maßstäben der klassischen Rhetorik. Zum einen muß ge­fragt werden, ob Jens die richti-gen Beurteilungskriterien anwendet, zum anderen kann unter­stellt werden, daß der überwie-genden Mehrheit der Augen- und Ohrenzeugen Hitlers diese Maßstäbe vollkommen fremd waren. Hier werden "einfach Kriterien…einer zeitbedingten Kunstlehre, [die den klassischen Werken von Aristoteles, Cicero und Quintilian entstammt], auf…konkrete Rede[n] der Mo-derne transponiert, ihre Beachtung oder Mißachtung regi­striert und so die Qua­lität der Re-de[n] bewertet."[27] Zusätzlich ist die "allgemeine Verbindlichkeit [dieser Kriterien] für die Er-zielung eines positiven Effekts durch den Redner erst [noch] nachzuweisen."[28] Der Schwach-punkt dieses Interpretationsschemas liegt zudem in der grundsätzlichen Verneinung des Ein-tretens eines rhetorischen Erfolges, im Falle einer konse­quenten Regelverletzung.[29]

Im Gegensatz zu der abwertenden Beurteilung, die Walter Jens vorträgt, billigt William Carr dem Propaganda-Redner Hitler Wirksamkeit und ein eigenständiges rhetorisches Konzept zu: "Andere übertrafen ihn durch die Brillanz ihrer Dialektik, viele durch die Orginalität ihrer Argumente und fast alle durch das Menschliche ihrer Botschaft. Ganz sicher aber hat keiner die Kunst der öffentlichen Rede so gründlich beherrscht und die wechselnde Stimmung seiner Zuhörer so geschickt ausgenutzt wie Hitler."[30] Die vorliegende Diplomarbeit will in diesem Sinn das Instrumentarium des Propaganda-Redners Hitler analysieren.

Neben den jeweiligen Kriterien für die rhetorische Wirksamkeit einer Rede ist die Beurteilung und Einordnung des Begriffes Rhetorik von Interesse. Klemperer bewertet ihn grundsätzlich negativ: "Das Deutsche bildet zu Rede und reden nur das eine Adjektiv rednerisch, und dies Adjektiv hat keinen sehr guten Klang, eine rednerische Leistung steht immer einigermaßen im Verdacht der Schaumschlägerei…Die Romanen dagegen…unterscheiden scharf zwischen dem Oratorischen und dem Rhetorischen. Orator ist ihnen der ehrliche Mann, der durch sein Wort zu überzeugen sucht, der sich redlich um Klarheit bemüht, an beides, an Herz und Vernunft seiner Hörer wendet…Für das anrüchig Rednerische hat man im Westen den Sonderausdruck rhetorisch; der Rhetor - das geht auf die Sophistik der Griechen und auf ihre Verfallszeit zurück - ist der Sprüchemacher, der Umnebler des Verstandes."[31]

Der deutsch-amerikanische Soziologe Albert O. Hirschman geht hingegen in seinem Ver-ständnis des Begriffes Rhetorik über das Rednerische hinaus und betrachtet in seinem Buch “Denken gegen die Zukunft - Die Rhetorik der Reaktion“ den gesellschaftlichen Diskurs ins-gesamt als einen rhetorischen Prozeß.[32] Der Begriff Rhetorik kann also eine sehr vielfältige Bedeutungen haben und muß sich nicht ausschließlich auf das Regelwerk der klassischen Re-de bzw. auf die von ihr abweichenden Redeformen beziehen.

Der grundsätzlich negativen Bewertung des Begriffes Rhetorik durch Klemperer und der er­weiterten Definition Hirschmans wird nicht zugestimmt, sondern es wird im Rahmen der Di­plomarbeit an dem Begriff Rhetorik, als wertneutraler, allgemeiner, Bezeichnung für die ge-spro­chene und geschriebene Rede, festgehalten. Im Zusammenhang mit dieser Bewertung und dem Gebrauch des Begriffes Rhetorik im Rahmen der Diplomarbeit wird die klassische Rhe­torik jedoch kursorisch dargestellt.[33] Es wird aber die Gültigkeit ihrer Kriterien für die Beurteilung der politischen Rede der Moderne und im besonderen für die Beurteilung der Propaganda-Rede Hitlers in Frage gestellt.

Dem Redner Adolf Hitler muß innerhalb des gesamten Spektrums der NS-Propaganda eine große Bedeutung beigemessen werden.

Der "Braune Kult"[34] bildete zwar den Rahmen für seine Demagogie, die politische Ver-sammlung und die damit verbundene "verbal-emotionale Aufhetzung der Massen"[35] aber wa­ren die zentralen Elemente der NS-Propaganda. "In all diesen Veranstaltungen war er [Hitler] Glanzpunkt, Held und gleichsam säkularisierter Heiliger dieser reich inszenierten Revue."[36] Diese Versammlungen enthielten "einen Anflug von amerikanischem showman­ship und gi­gantischer Reklame."[37]

Obwohl der Propaganda-Redner Hitler durchaus zur taktischen Zurückhaltung[38] fähig war und aus diesem Grund zeitweise Attacken gegen innen- und außenpolitische Gegner[39] ver­mied, überrascht die Konstanz des inhaltlichen und formalen Aufbaus seiner Reden vom Beginn seiner politischen Laufbahn 1919 an, bis zu seiner letzten Rede am 30. Januar 1945. Grieswelle spricht für die Zeit vor 1933 davon, daß die "Reden eine Konsistenz [aufweisen], die [einem] den Atem ver­schlägt. In ihrem Grundzug sind sie von den Wechselfällen des poli­tischen Geschehens unab­hängig."[40] Diese Einschätzung der Hitlerschen Massenrhetorik gilt in gleicher Weise für die Zeit nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933. Eine Ausnahme bildeten vereinzelte Reden, die Hitler Ende der Zwanziger Jahre und zu Beginn der Dreißiger Jahre vor Interessenvertretungen des Bürgertums bzw. der Industrie hielt und in denen er aus taktischen Gründen auf antikapitalistische, antipreußische und antisemitische Haßtiraden fast vollständig verzichtete.[41] Walter Jens betont diesen Sachverhalt und stellt fest, daß "Hitler vor alten Kämpfern anders als vor Herren der Wirtschaft [sprach]."[42] Diese scheinbar zutreffende Aussage führt allein dadurch in die Irre, daß Jens hier nicht erwähnt, daß es sich bei den Parteireden Hitlers um quasi öffentliche Reden, d.h. um Massenrhetorik, handelte. Er vergleicht hier also die Massenrhetorik Hitlers mit den Reden, die Hitler vor kleinen Auditorien der gesellschaftlichen Eliten hielt und stellt die offenkundig festzustellenden Unterschiede als Beleg für eine starke inhaltliche Ausdifferenzierung der Hitler-Reden insge­samt dar. Jens behauptet außerdem, daß "eine Rede von 1923 nur sehr bedingt mit einer An-sprache von 1933, eine Verlautbarung auf dem Gipfel der Macht nur behutsam mit einem Plä­doyer [sic!] von 1944 zu vergleichen [ist]. Je deutlicher die Niederlage sich abzeichnete, de­sto 'abendländischer' wurde Hitlers Vokabular, desto instän­diger beschwor er im Zeichen der bolschewistischen Gefahr “die ge­segneten Gefilde Europas“. Der Wandel des Kriegsglücks veranlaßte auch ein Wandel der Metaphorik und Wortwahl."[43] Zum einen verwundert hier die Begrifflichkeit von Walter Jens, der die destruktive Rhetorik Hitlers nun überraschenderweise mit dem Euphemismus “Plädoyer“ beschreibt. Die irrationale Destruktivität Hitlerscher Pro­venienz ließ sich zwar in Worte fassen, sie war hingegen jeder Fürsprache oder Verteidigung abhold. Die Propaganda-Rede Hitlers zeichnete sich daher gerade durch eine bloße Artikula-tion der aggressiven Diffamierung und Negation aus und verzichtete vollkommen auf eine Er-läuterung oder Verteidigung der vermeintlich zugrunde liegenden Motive. Diese Einschät­zung wird schon durch die Aussagen Hitlers in “Mein Kampf“ bestätigt, der mehrfach die Be-deutung des Schlagwortes hervorhob[44] und seine 'Argumentationsweise' folgendermaßen be-schrieb: "Dann war es die Aufgabe von zwei Stunden, zwei- bis dreitausend Menschen aus ih­rer bisherigen Überzeugung herauszuheben, Schlag um Schlag das Fundament ihrer bisherigen Einsichten zu zertrümmern und sie schließlich hinüberzuleiten auf den Boden unserer Über­zeugung."[45] Der Kommunikator Hitler sah seine Funktion also in erster Linie im “zer-trümmern“[46] der gegnerischen Argumentation und nicht in der wirksamen Darstellung und Vermittlung der eigenen 'Argumente'.

Außerdem muß die Kernaussage von Walter Jens in Frage gestellt werden, die besagt, daß die Hitler-Reden wesentlich von der jeweiligen politischen Situation geprägt waren. Unbeschadet einer oberflächlichen Anpassung des Hitlerschen Vokabulars an die aktuelle politische Situa­tion blieb das Erscheinungsbild der von Hitler beschriebenen Bedrohungsszenarien konstant. Zum Zeitpunkt seiner letzten selbstgesprochenen Rede am 30. Januar 1945, hatte sich hinge-gen die politische und militärische Realität Deutschlands den stereotypen Szenarien der Hit-ler-Reden 'angepaßt'. Diese letzte Rede war in keiner Weise eine direkte Reaktion Hitlers auf das bevor­stehende Ende des Dritten Reiches, sondern sie wiederholte unbeirrt und zum letz­tenmal die Stereotypen der Hitlerschen Rhetorik.

Ein wichtiger Faktor für die Beurteilung einer Rede ist die Qualifizierung des lautsprachlichen Vortrags. Aufgrund dieser Überlegung wird der lautsprachliche Charakter der Hitler-Reden beschrieben. Schon die Texte der Hitler-Reden zeigen rhythmische "Ausdrucksbewegungen, die beim Sprechen nur noch verstärkt wurden;"[47] Hitler diktierte seine Redetexte in der gleichen Weise, wie er sie beim Vortrag sprechmotorisch erlebte.[48] Diese enge Beziehung von Schriftform und lautsprachlichem Vortrag war ein allgemeines Merkmal der NS-Zeit. Laut Victor Klemperer kannte "die LTI [Lingua Tertii Imperii/Sprache des Dritten Reiches] keinen Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache…Vielmehr: alles in ihr war Rede, mußte Anrede, Anruf, Aufpeitschung sein."[49] Die Wirksamkeit der Propagan­da-Rede Hitlers hing, neben der reinen Textfassung, von diesem affektbetonten lautsprachlichen Vortrag ab.

Die NS-Propaganda ist oft im wesentlichen mit der Person und dem Handeln von Joseph Goeb­bels gleichgesetzt worden. Hitler jedoch war das Herz und das Zentrum der NS-Propa-ganda, sein Handlanger war Goebbels. "Er [Goebbels] konnte in Hitler das propagandistisch aufbauen, was er selbst nicht zu sein vermochte, der von anderen unabhängige, auch die totale Isoliertheit ertragende…Kämpfer. Er, Goebbels, war das nicht."[50]

In Anbetracht der antiintellektuellen Affekte Hitlers[51] und der gesamten NS-Bewegung mußte Goebbels[52] vermeiden, als Intellektueller stigmatisiert zu werden; er ver­suchte dieser Gefahr durch totale Unterwürfigkeit gegenüber Hitler zu entgehen.[53] Seine körperliche Behinderung stempelte ihn zudem innerhalb der NS-Bewegung vollends zum Aussenseiter, der nur aufgrund seiner professionellen Fähigkeiten gedultet wurde. Goebbels "war…mit Hitler und mit dem 'Glauben' an den Nationalsozialismus so eng verwurzelt, war beiden, vor allem aber Hitler…so mit Absicht hingegeben, daß sie für ihn zur unbedingten Existenznotwendigkeit wurden. [Hitler]…stützte und verklärte er deshalb mit seinen propa­gandistischen Fähigkeiten auch dann noch, als selbst die 'Treuesten' untreu geworden wa­ren."[54]

Es liegt scheinbar nahe, das eingangs angeführte Kraus-Zitat[55], 47 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches und dem Tode Hitlers, zu aktualisieren und angesichts der Vielzahl von vor-handenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu diesem Themenkomplex, zu dem Resü­mee zu gelangen, daß alles gesagt und geschrieben sei. Bei genauerer Durchsicht dieser Pu­bli­kationen, stellt sich jedoch heraus, daß die Rhetorik Hitlers oft nur am Rande behandelt wurde oder sogar den blinden Fleck der jeweiligen Untersuchung ausmachte. Die Diplomar­beit be­schäftigt sich aufgrund dieser Einschätzung mit einer weitgehend vernachlässigten Fra-gestellung.

1. Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Weimarer Republik und der Einfluß der biographischen Eckdaten Hitlers auf seine Terminologie

So tief ist der Sturz, der das Reich und das deutsche Volk trifft, daß alles, wie vom Schwindel erfaßt, zunächst Gefühl und Besinnung verloren zu haben scheint; man kann sich kaum mehr der früheren Höhe erinnern, so traumhaft unwirklich gegenüber dem heutigen Elend erscheint die damalige Größe und Herrlichkeit.

Adolf Hitler "Mein Kampf"[56]

1.1. Charisma versus Ideologie - Der Aufstieg der NS-Bewegung während der Weimarer Republik und die Propaganda-Rede Hitlers

Die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen spielten für die Wirksamkeit der Propa­ganda-Rede Hitlers eine erhebliche Rolle. Vor dem Hintergrund einer umfassenden sozialen Krise konnte der Propaganda-Redner Hitler seine Botschaft der aggressiven Diffamierung und Negation wirkungsvoll kommunizieren.

Die Weimarer Republik war das Ergebnis der militärischen Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg; sie trug von Anfang an auf allen gesell­schaftlichen Ebenen den Charakter eines "Notbau[s] aus widerwillig improvisierten Kompromissen"[57] zwischen den alten und neuen Machtträgern. Die, seit den Wahlen zur Nationalversammlung vom Januar 1919 mit einer Dreiviertelmehrheit der Mandate regie­rende, Weimarer Koalition[58] verlor schon Mitte 1920 die errungene Mehrheit und sackte auf knapp 50% der Mandate.[59] Beginnend mit diesem Datum und aufgrund der mit dem Verfall der Reichswährung 1922/23[60] einset­zenden Wirtschaftskrise, begann die Zersplitterung der Parteienlandschaft. Nach einer kurzfri­stigen Stabi­lisierung der wirtschaftlichen Lage Mitte der Zwanziger Jahre, führten die Auswir­kungen der Weltwirtschaftskrise bei den Reichstagswahlen 1930 und 1932 endgültig zum Entstehen von "unechten [parlamentarischen] Mehrheit[en]"[61]. Bracher benennt mit die­sem Terminus die Existenz ei­ner rechnerischen parlamentarischen Mehrheit, die aus kom­promißunfähigen, d.h. aus koaliti­onsunfähigen Gruppen besteht; die koalitionsfähigen Weimarer Parteien gerieten bei dieser Konstellation in die Minderheit.

Die antidemokratischen und antiparlamentarischen Parteien blockierten aufgrund dieser Ent-wicklung "die sozial-psychologische Integrationsfunktion, die…[eine funktionierende] Ge-setzgebungstechnik…[hat und führten] damit den Parlamentarismus selbst ad adsurdum."[62] Goebbels beschrieb das bewußte antiparlamentarische Verhalten der NSDAP 1927 mit den folgenden Worten: "Wer gewählt wird, ist damit Angestellter der Partei. Der Staat ist so lie-benswürdig, diesen Angestellten zu besolden…Angenommen, wir bekommen einmal zwanzig Mandate, bedenken Sie, das sind hauptamtliche Kräfte der Bewegung, Redner, Organisa-toren, und weiß der Teufel was noch; die scheren sich einen Dreck um Demokratie im Parlament, die nutzen rücksichtslos die Vorteile des Reichstages aus - für die Bewegung na-türlich, nicht für sich."[63]

Im außerparlamentarischen Bereich wurde durch die innenpolitische Situation die Entstehung von "absolut-totalitäre[n], kompromißfeindliche[n] politische[n] Erlösungsreligionen"[64] be­günstigt. Die NSDAP besaß in Übereinstimmung mit ihrem lediglich formal-legalistischen Wohlverhalten gegenüber der Weimarer Republik weiterhin in erster Linie den Charakter ei­ner "vorwiegend im Negativen profilierte[n], militant geschlossene[n] Gesinnungsgemeinschaft"[65] ; sie verstand sich als “Bewegung“ und nicht als politische Partei.[66] Die nationalso­zia­listische Strategie der Negation faßte Gregor Strasser 1932 während einer Rede im Berliner Sportpalast in dem Satz zusammen: "Nationalsozialismus ist das Gegenteil von dem, was heu­te ist."[67]

Die krisenhafte Situation wurde zudem durch die Ernennung von Präsidialkabinetten ver­schärft, die keiner parlamentarischen Mehrheit mehr bedurften und vollkommen vom Reichs-präsidenten abhängig waren. Gesetze wurden, in der Form von Notverordnungen, d.h. ohne die Bestätigung durch eine parlamentarische Mehrheit, allein aufgrund der Zustimmung des Reichspräsidenten, in Kraft gesetzt.[68] Beginnend mit dem ersten Präsidialkabinett Brüning im März 1930 entzog sich die Exekutive aufgrund dieser Verfahrensweise jeder Kontrolle durch die Legislative und verurteilte den Reichstag damit zur Bedeutungslosigkeit.[69] Die Notwen­digkeit eines Konsenses zwischen den Parteien war jetzt vollends entfal­len und die antidemo­kratischen bzw. antiparlamentarischen Gruppierungen mißbrauchten fortan das Parlament le-diglich als Bühne für ihre Agitation.

Insgesamt führte die annähernd permanente Wirtschafts- und Verfassungkrise der Weimarer Republik zu einer rasch voranschreitende "Desintegration"[70], d.h. zum Verlust der materiellen und ideellen Sicherheit weiter Bevölkerungsschichten. Diese "glühende Sozialtemperatur"[71] ermöglichte Hitlers Erfolg als Versammlungsredner Ende der Zwanziger Jahre und die nationalsozialistische Machtergreifung 1933.

Der Inhalt und die Struktur der Propaganda-Rede Hitlers waren jedoch seit Jahren konstant geblieben und hatten sich nicht der krisenhaft veränderten Situation angepaßt. Bedingt durch die soziale Krise fanden Hitlers Haßtiraden nunmehr jedoch Gehör.[72] "Mit dem Bild der Ent-schlossenheit, das er darbot, wußte Hitler zu artikulieren und gleichsam zu zelebrieren, was die Zuhörer halb unbewußt wünschten und fühlten.…Solcherart Führer-Rednertum bedurfte …einer psychisch-geistigen Verfassung, die in so extremer Weise selbst von der Krisen- und Panikstimmung ihrer Zeit gezeichnet war, daß sie den Ton des Krisenbewußtseins instinktiv traf."[73] Hitlers 'Krisenstimmung' existierte allerdings schon seit seinem Eintritt in die Politik. Das verunsicherte Massenpublikum konnte sich jedoch nun an seiner Botschaft des "nationa-listischen, völkisch-antisemitischen, antimarxistischen und antiliberalen Ressentiments"[74] 'wärmen'[75] und erblickte in den Worten Hitlers die Verheißung des persönlichen und nationa-len Wiederaufstiegs.

Für diese Form der Ansprache stellte die Propaganda-Rede Hitlers das ideale Instrument dar. In einer stabilen, pluralistischen Gesellschaft werden dem Agitator diese Rahmenbedingungen jedoch vorenthalten. Seine demagogische Anspracheform versagt hier, da sie für eine ar-gumentative und diskursive Auseinandersetzung[76] nicht geeignet ist und daher aus dem Spek­trum der, unter diesen Bedingungen, allgemein akzeptierten Redeformen herausfällt. Die Fra-ge der letztendlichen Wirksamkeit ist also eng mit den jeweiligen gesellschaftspolitischen Rah­menbedingungen verknüpft. Im Vorwort wurde darauf hingewiesen, daß vor allem die Beurteilung der Hitler-Reden durch Walter Jens wenig stichhaltig ist, da Jens bei seinen Aus- führungen die gesellschaftspolitischen Faktoren vollkommen außer acht läßt.

Gestützt auf die Ausführungen von Rauschning[77] und Bracher[78] wird davon ausge­gangen, daß der Nationalsozialismus eine charismatische, d.h. auf die persönliche Ausstrah­lung Hitlers fixierte Bewegung war und keinen ideologischen Charakter besaß; im Zusammenhang mit dem Diplomthema wird unter dem Begriff Ideologie eine in sich widerspruchsfreie welt-anschauliche Konzeption verstanden. "Der Charismatiker [Hitler] doziert[e] nicht ein Pro-gramm, sondern [er] lehrt[e] einen expressiven Mythos…Die Vision der Volksgemeinschaft bezeichnet[e] das integralistische Bild der Harmonie, der Einheitlichkeit der Nation."[79] Im Rahmen eines Vortrages am Institut für Zeitgeschichte[80] vom 14.02.1992 sprach Ian Kershaw davon, daß Hitler schon "Mitte der zwanziger Jahre…eine in sich geschlossene Weltanschau-ung entwickelt hatte, die weit mehr war als propagandistische Phrasendrescherei. Daß Hitler le­diglich ein “prinzipienloser Opportunist“ gewesen sei, wie die alte, aber noch immer zu fin-dende Rauschning-These besagt, oder daß seine “Ideen“ nur Propaganda gewesen seien, er­scheint mir als unhaltbar; hinzu kommt, daß eine solche Interpretation kaum in der Lage ist, die persönlichen Motivationen und die Antriebskräfte Hitlers zu verstehen."[81]

Im Rahmen der Diplomarbeit wird dieser Aussage von Kershaw widersprochen. Abgesehen von der verkürzten Darstellung der Rauschning-These, erklärt Kershaw mit seiner These in keiner Weise, warum es zwingend notwendig gewesen sei, einzelne Zielvorstellungen, wie die Fixpunkte der Hitlerschen Gedankenwelt von der Vernichtung der Juden und der Errich­tung eines kontinentaleuropäischen Großdeutschen Reiches,[82] im Interesse ihrer Verwirkli­chung, in ein widerspruchsfreies ideologisches Gesamtkonzept ein­zubetten. Außerdem wird nicht erklärt, warum die Notwendigkeit bestanden haben sollte, die­ses vermeintlich vorhan-dene ideologische Gesamtkonzept detailliert im Rahmen der öffentli­chen Hitler-Reden zu er-läutern. Die Kershaw-These ist vor allem deshalb nicht stichhaltig, weil sie sich ausdrücklich auf die öffentlichen Hitler-Reden bezieht. Die Lektüre dieser Redetexte be­stätigt die These von der Existenz eines ideo­logischen Gesamtkonzeptes jedoch in keiner Weise, das gilt für die Hitler-Reden vor und nach 1933.

Bracher läßt den Begriff Ideologie nur insoweit gelten, als er von "irrationalen Ideologis-men"[83] des Nationalsozialismus spricht und damit u.a. die schillernde Wirtschafts- und Sozi­alprogramatik der NSDAP meint, die gleichzeitig von einem militanten Antikommunismus

und von romantischen sozialrevolutionären Tendenzen geprägt war.[84] "Gemeinschaft: das hieß…nun “Sozialismus“; Tat und Führung: das bedeutete “Nationalismus“. Die “falsche Front“ Sozialismus-Nationalismus sollte zerschlagen, der Sozialismus vom “marxistischen“ Internationalismus, der Nationalismus vom Kapitalismus gelöst werden."[85] Die NS-Bewe-gung wollte sich also trotz ihrer antikommunistischen Ausrichtung der "antikapitalistischen Sehnsucht"[86] der Massen, wie es Gregor Strasser ausdrückte, widmen. Vor der Machtergrei-fung propagierte der NS-Wirtschaftspolitiker Feder das verlockende Modell einer allgemeinen Beteiligung an Unternehmensgewinnen. Er vergaß aber nicht, dar­auf aufmerksam zu machen, daß die grundlegenden Fragen dieses phantastischen Modells noch von einer späteren NS-Regierung gelöst werden müßten.[87] Der nationalsozialistische Rassebegriff ist ebenfalls ein gutes Beispiel für die Aneinanderreihung von Widersprüchen. Diese Feststellung gilt sowohl für die Definition des Begriffes Jude, als auch für den Begriff 'Arier'. Es blieb unklar, ob Hitler unter dem nationalsozialistischen Feindbild des Juden, den Angehörigen einer Ras­se, einer Religionsgemeinschaft oder einer Nation verstand.[88] Vergleichbare Definitions­schwie­rigkei­ten offenbarte Hitler im Zusammenhang mit dem Terminus 'Arier'. Sebastian Haff­ner kriti­siert hier Eberhard Jäckel[89] und wirft ihm vor, es versäumt zu haben, auf die Wi­dersprüch­lichkeit des Hitlerschen Rassebegriffes hingewiesen zu haben.[90]

Die definitorischen und somit auch die ideologischen Widersprüche des Nationalsozialismus haben jedoch die Durchsetzung seiner mörderischen Politik nicht behindert. Goebbels be-kannte 1930, "wenn ich die Partei gegründet hätte, würde ich überhaupt kein Programm auf-gestellt haben."[91] Goebbels war sich wohl der "innere[n] Unwahrheit des Programms"[92] be-wußt und erkannte, daß das “unabänderliche“ Parteiprogramm[93] von 1926 inzwischen nur noch eine dekorative Funktion hatte.

Bracher bezeichnet die nationalsozialistische 'Ideologie' als "eklektisches Mixtum composi-tum"[94] aus dem "Ideen-Trümmerfeld der Jahrhundertwende"[95], deren Stärke nicht ihre Kon-sistenz, sondern ihre monokausalen Erklärungsmuster[96] gesellschaftspolitischer Krisener-scheinungen waren. Dieses diffuse Ideen-Konglomerat erschwerte zudem jeden sachorientier-ten Widerlegungsversuch und stand andererseits diversen opportunistischen Umdeutungsver-suchen offen; vor diesem Hintergrund wurde die nationalsozialistische 'Rassenlehre' in ih­rer letzten mörderischen Konsequenz nicht auf die arabischen Semiten und auf die 'gelben' Japa-ner angewendet.[97] Gegenüber dem neuernannten japanischen Botschafter Oshima stellte der Rassenfanatiker Hitler am 21.11.1938 im Rahmen seiner Ansprache nicht nur die politische Übereinstimmung beider Seiten fest, sondern er entdeckte eine “geistige Verwandt­schaft“ mit dem späteren Kriegsverbündeten Japan: "Daß unsere beiden Völker die zersetzen­de Tätigkeit des internationalen Kommunismus in ihrer ganzen Gefährlichkeit erka­nnten und daß sie sich zur Abwehr dieser Einflüsse mit dem italienischen Volk in dem Abkommen ge­gen die Kom-munistische Internationale zusammenschlossen, ist ein weiterer Beweis ihrer geistigen Ver-wandt­schaft."[98]

Im Zusammenhang mit der Erörterung des Diplomthemas wird die Existenz von ideologi-schen Versatzstücken des Nationalsozialismus nicht grundsätzlich verneint. Ihre Existenz wird nur in soweit bejaht, als ihnen ein instrumenteller Charakter zugebilligt wird.[99] Zusätz­lich wird der Standpunkt vertreten, daß die Agitation des Propaganda-Redners Hitler in erster Linie konstant von der eigenen Gewaltbereitschaft und dem Appell an die Gewaltbereitschaft seiner Zuhörer bestimmt wurde und erst in zweiter Linie die Kommunizierung einer, wenn auch bruchstückhaften, 'Ideologie' zum Ziel hatte. In dieser konstant ausgedrückten Gewaltbe­reitschaft äußerte sich die eigentliche Prinzipientreue Hitlers.

1.2. Biographische Eckdaten Hitlers und ihr Einfluß auf seine Terminologie

Hitler war vorzeitig von der Schule abgegangen[100] und konnte seinen Wunsch, Malerei zu studieren, nicht verwirklichen. Die Wiener Kunstakademie lehnte ihn 1907 mit der Begrün-dung ab, daß seine eingereichten Arbeiten "einwandfrei die Nichteignung zum Maler"[101] be-legen würden.[102] Die Ablehnung durch die Wiener Kunstakademie und die da­durch bedingte fehlende akademische Qualifikation war der Ausgangspunkt für die permanente Bemühung Hitlers, die hieraus resultierenden Minderwertigkeitsgefühle zu überspielen. Hitler borgte sich seine intellektuelle Autorität von Personen der deutschen und europäischen Geschichte und bezog sich in seinen Reden, aber auch im Rahmen von persönlichen Gesprächen[103], de­monstrativ u.a. auf Nietzsche, Bismarck, Clausewitz[104] und Blücher. Hitler ging jedoch über das bloße Renommiergehabe hinaus und entdeckte bei den angerufenen Autoritäten vermeint­liche Ursprünge des nationalsozialistischen Gedankengutes. Während einer Rede im Jahr 1938, also noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, bezeichnete Hitler in dieser Weise Blücher als Ursprung bzw. Verkörperung des nationalsozialistischen Durchhaltebegriffes vom “Endsieg“: "[Das deutsche Volk] muß lernen…fanatisch an den Endsieg zu glauben …Es ist ein preußischer Feldherr gewesen, der vielleicht am allerschärf­sten diesen Charakterzug ausprägte: Blücher - der Mann vielleicht der meisten Niederlagen, aber des fanatisch fe­sten Glaubens an den Endsieg, und das war das Entscheidende."[105]

Bezugnehmend auf Nietzsche sprach Hitler dann am 30.01.1942 davon, daß er sich "die Wor-te eines großen deutschen Philosophen zu Herzen genommen [hat]: “Ein Stoß, der einen star-ken Mann nicht umwirft, der stärkt ihn nur noch mehr!“"[106] In der gleichen Rede hielt er den Alli­ierten entgegen: "Sie [die Alliierten] stoßen heute auf ein anderes Deutschland, als auf das Deutsch­land von einst, sie stoßen jetzt wieder auf ein friderizianisches Deutschland."[107]

Hitler war aber zusätzlich in der Lage, seine intellektuellen Minderwertigkeitsgefühle aggres-siv zu überspielen: "Wenn ich so die intellektuellen Schichten bei uns ansehe - leider, man braucht sie ja, sonst könnte man sie eines Tages ja, ich weiß nicht ausrotten oder so was - aber man braucht sie leider… seit ich nun politisch tätig bin…habe ich nur Erfolge. Und trotzdem schwimmt diese Masse herum in einer geradezu oft abscheulichen, ekelerregenden Weise."[108] In den Jahren bis 1913 lebte Hitler dann als Obdachloser bzw. als Insasse eines Männerwohn-heims in Wien. Seinen kärglichen Lebensunterhalt verdiente er sich mit dem Verkauf von selbst­gemalten Postkarten.[109]

Seit seiner Wiener Zeit konsumierte Hitler in der Form eines dilettantischen Studiums gene-rale eine Vielzahl von literarischen, historischen und kulturphilosophischen Schriften[110]. Dieses 'Studium' setzte er während seiner Landsberger Festungshaft fort, zu der er wegen sei­ner Teilhabe am Münchener Hitler/Ludendorff-Putsch vom 08./09.11.1923 verurteilt worden war. Hier entstand auch 1924 “Mein Kampf“, das ursprünglich als bloße Rechtfertigungs- und Verteidigungsschrift konzipiert war und erst im nachinein eine 'programmatische' Bedeutung bekam.

Neben dem Konsum der literarischen Klassiker und einer "besondere[n] Vorliebe für Karl May"[111] ist jedoch festzustellen, daß sich Hitlers Lektüre schon frühzeitig auf Schriften kon-zentrierte, die objektiv oder subjektiv eine Affinität zu rassistischen Geschichtsauffassungen besaßen. In “Mein Kampf“ bezog sich Hitler dann später ausdrücklich auf Mommsen, der die Juden als “Ferment der Dekomposition“ bezeichnet hatte.[112]

Mit dem Beginn seiner politischen Tätigkeit und dem Aufstieg zum unumstrittenen Führer der NSDAP bemühte sich Hitler intensiv seinen Gedanken den Anschein von Orginalität zu geben und sich selbst, unbeschadet seiner antiintellektuellen Haßtiraden, als politischen Denker von Rang auszuweisen. Eine Analyse der ideologischen Wurzeln Hitlers und der durch ihn vorgenommenen Neukombination einzelner ideologischer Versatzstücke, widerlegt diesen Anspruch und belegt sein intellektuelles Scheitern. Während seiner Landsberger Haft las Hitler u.a. die Bücher des englischen Theologen und Nationalökonomen Thomas Robert Malthus. Malthus hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Rahmen seines “Bevölkerungsgesetzes“ die These vertreten, daß die Überbevölkerung die Hauptursache für das Entstehen von Hunger, Krankheit und Krieg wäre und daß aus diesem Grund eine rigorose Begrenzung des Bevölkerungswachstums durch staatliche Zwangsmaßnahmen notwendig sei. Er empfahl in diesem Zusammenhang die zwangsweise Einführung der Spätehe. Hitler bezog sich später eben­falls auf Malthus. Er gelangte jedoch zu der Schlußfolgerung, daß der “Lebensraum“ er-weitert werden müßte, um vermeintlich gegen Hunger und Krankheit vorgehen zu können; das ungebremste bzw. geförderte Bevölkerungswachstum war jedoch die unabdingbare Grundlage für diese nur öberflächlich kaschierte imperiale Politik.[113]

In Wien kursierten in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg eine große Zahl von antisemitischen und rassistischen Pamphleten. Ein gewisser Adolf Josef Lanz (1874-1954), der sich selber Baron Lanz von Liebenfels nannte[114], beschrieb die militant rassistische und sozialdarwinis-tische Ausrichtung der von ihm herausgegebenen Zeitschrift “Ostara“ mit den folgenden Worten: "Die Ostara ist die erste und einzige Zeitschrift zur Erforschung und Pflege des he­ro­ischen Rassentums und Mannesrechtes, die die Ergebnisse der Rassenkunde tatsächlich in Anwendung bringen will, um die heroische Edelrasse auf dem Wege der planmäßigen Rein-zucht und des Menschenrechts vor der Vernichtung durch sozialistische und feministische Umstürzler zu bewahren."[115] In seinem 1929 erschienenen Buch “Theozoologie“ sprach er von einer “Reinzüchtung“, die der neuen “arioheroische Rasse“ zu “elektromagnetisch-radi-ologischen Organen“ verhelfen würde, durch die sie allwissend und allmächtig werden wür-de.[116] Außerdem bezeichnete Lanz in diesem Buch Lenin und Hitler als seine Schüler.[117] Hitler bezog sich zwar nicht direkt auf Lanz, es ist jedoch wahrscheinlich, daß Hitler während seiner Wiener Zeit die Schriften von Lanz kannte.[118] Nach dem Anschluß Österreichs 1938 erhielt Lanz absolutes Publikationsverbot.[119]

Der Sozialdarwinismus übte jedoch, in der Gestalt des populärwisssenschaftlichen Buches “Vom Bazillus zum Affenmenschen“ von Wilhelm Bölsche, einen direkten Einfluß auf Hitlers Denken und und auf seine Terminologie aus.[120]

Bölsche war ein Schüler des bedeutenden Zoologen und dilettierenden Naturphilosophen Ernst Haeckel.[121] Ende des 19. Jahrhunderts hatte Haeckel in Deutschland mit dazu beigetragen, die revolutionären Thesen Darwins über die Entstehung der Arten bekannt zu machen.[122] Darwins Entwicklungslehre, deren Kern das Evolutions- und Selektionsprinzip darstellte, integrierte den Menschen in das Naturgeschehen und hob die Trennung zwischen der belebten Natur und dem Menschen auf.[123] Seine These, daß "durch Auslese variierender Nachkommenschaft im Kampf ums Dasein die Artumbildung bewirkt werde,"[124] wurde jedoch frühzeitig aus ihrem naturwissenschaftlichen Zusammenhang herausgelöst und in mißbräuchlicher Weise zur Grundlage diverser Weltanschauungen gemacht, die alle gesellschaftspolitischen Vorgänge erklären sollten. Waren diese ersten sozialdarwinistischen Gesellschaftstheorien noch Ausdruck einer aufklärerisch-evolutionären Grundhaltung, so identifizierten sich die späteren Sozialdarwinisten vollkommen mit dem Selektionsprinzip und machten es zu dem zentralen Modell des sozialen und politischen Handelns[125]: "Was eben noch als freie Konkurrenz der Individuen um den Preis des Tüchtigsten und sittlich Besten hatte verstanden werden können, …[wurde] nun im wortwörtlichen Sinne als “Kampf ums Dasein“ aufgefaßt."[126] Zusätzlich wurde die genetische bzw. “erbbiologische“ Beschaffenheit des Einzelnen und der Gruppe zum alles entscheidenden Kriterium erklärt.[127] Darüber hinausgehend wurde in unzulässiger Weise der Phänotypus, also das Erscheinungsbild, mit dem Genotypus, also der Gesamtheit aller Erbfaktoren eines Individuums, gleichgesetzt;[128] von den äußeren Merkmalen wurde sodann auf die psychisch-intellektuellen Möglichkeiten eines Menschen geschlossen.[129] Der in dieser Weise auf das Selektionsprinzip fixierte Sozialdarwinismus der Jahrhundertwende führte insgesamt zu einer inhumanen Naturalisierung der politischen Vorstellungen und Begriffe und war somit objektiv der Wegbereiter der geschichtsmächtig gewordenen verbrecherischen 'Rassenhygiene' des Nationalsozialismus.

Bölsche erläuterte in seinem Buch, daß er den Terminus “Bazillus“ als "bequemes Deck-wort"[130] verwenden würde, um verschiedene Gefahrensituationen prägnant beschreiben zu können.[131] Er schilderte den vermeintlichen "Endscheidungskampf"[132] zwischen den “Bazil-len“ und der Menschheit: "In der Tat: auf unserem alten Planeten ist ein äußerst merkwürdi­ger Fall eingetreten. Die höchste und die niedrigste Form des organischen Lebens sind in of­fenen Kampf miteinander geraten. Wir haben einen scheinbar ähnlichen Zwist zwischen un­ten und oben innerhalb unserer Kulturmenschheit: als soziale Frage."[133] Den Vielzeller Mensch bezeichnete er als "Zellenstaat"[134], der “Bazillus“ war hingegen für Bölsche der "An­ar­chist"[135] und "Staatsfeind"[136]. Die Ausführungen Bölsches waren insgesamt von einer am­bivalenten Terminologie bestimmt, die bewußt die Grenzen zwischen politischen und natur­wissenschaftlichen Erörterungen verwischte. So sprach er davon, daß "ein ungeheuerlicher Prozentsatz Menschen…unter dem Einmarsch [der schmarotzenden Bazillen] in schwer­stes[137] Siechtum [fällt]."[138] Seine Leser ließ Bölsche jedoch nicht in der Hoffnungslosigkeit zu­rück[139], sondern prophezeite ihnen, "daß der Mensch überhaupt als Gipfel “möglich“ wurde, das gibt zugleich einen Fingerzeig, daß der Bazillenangriff doch seine Grenzen hat."[140]

Hitler übernahm diese Sprache der Sozialdarwinisten und verlieh seinem Judenhaß mit der Hilfe dieser biologistischen Terminologie einen aggressiven Ausdruck: "[Der Jude] bleibt ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein gün­stiger Nährboden dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab."[141]

In Wien las Hitler außerdem Le Bon´s “Psychologie der Massen“[142] und kam mit den sozial­darwinistischen bzw. antijüdischen Welterklärungs- und Weltverschwörungstheorien des Grafen Gobineau und Houston Stewart Chamberlains in Berührung.

Gobineau behauptete in seinem Buch “Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“ die Existenz höher- und minderwertiger Rassen, wobei die 'weiße Rasse' die höherwertigste sei; innerhalb dieser Gruppe würden wiederum die 'Arier', denen die 'Germanen' verwandt seien, die Vorhut bilden.[143] Richard Wagner griff dann 1881 den Terminus “arische Race“ wieder auf und bezeichnete die Juden als 'Nicht-Arier'[144]. Houston Stewart Chamberlain bezog sich auf diesen antijüdischen "Rassenmystizismus"[145] und interpretierte in seinem Buch “Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ (1899) die Geschichte insgesamt als Rassenkampf; die schöpferischen Kräfte wurden nach diesem Verständnis einzig von den 'Ariern' bzw. 'Germanen' repräsentiert.[146] Chamberlains pseudowissenschaftliche Betrachtungen zeichneten sich zudem wie eine Vielzahl von ähnlichen Publikationen um die Jahrhundertwende durch einen militanten Kulturpessimismus und durch eine antidemokratische Grundhaltung aus.[147]

Chamberlain, der spätere Biograph[148] und Schwiegersohn Richard Wagners, nahm die deut-sche Staatsbürgerschaft an.[149] "Am Ende seines Lebens hat er…Hitler [noch] als den “großen Vereinfacher“ gefeiert."[150]

Neben Gobineau und Chamberlain bewunderte Hitler seit seiner Wiener Zeit den Künstler und politisierenden Antisemiten Richard Wagner[151] und machte den Terminus “arische Race“ zur Bezeichnung für alle Nichtjuden. Im Widerspruch zu dieser postulierten Universa­li­tät sollten jedoch die so bezeichneten Nichtjuden ausschließlich der 'weißen, ger­manischen Rasse' angehören. Die ursprünglich ethnologischen Termini Arier bzw. Germane wurden aus ih­rem Bedeutungszusammenhang herausgerissen und mit dem NS-Begriff vom 'Germanentum' gleichgesetzt und damit zu zentralen NS-Begriffen verformt. Diese 'Defini­tionen' gerieten zu-sätzlich in den Konflikt mit der Bündnispolitik des Dritten Reiches und verdeutlichten, wie oben beschrieben, den diffusen Charakter der NS-'Ideologie'.

Die soziale und intellektuelle Deklassierung während der Wiener Jahre bis 1913 wurde von Hitler rück­blickend glorifiziert, indem er sein vielfaches Scheitern zum Beleg für seine ein-fache Herkunft verklärte.

Mitte 1913 ging Hitler nach München und lebte dort mit etwas größerem Erfolg von seinen gelegentlichen Arbeiten als Kunstmaler. In “Mein Kampf“ schrieb Hitler später, daß er aus politischen Gründen Österreich verlassen habe und vermeiden wollte, daß er vom habsburgi-schen Staat, der nach Hitlers Verständnis ein Konglomerat aus zum großen Teil 'nichtgerma-nischen', d.h. minderwertigen Bevölkerungsgruppen war, zum Wehrdienst herangezogen wer-de.[152] Der fanatische Alldeutsche[153] Adolf Hitler kommentierte dann auch im nachhinein die Ermordung des österreichischen Thronfolgers mit kaum verhohlener Genugtuung: "Der größ­te Slawenfreund fiel unter den Kugeln slawischer Fanatiker."[154] Kurz nach dem anschließen­den Ausbruch des Ersten Weltkrieges richtete der damalige österreichische[155] Staatsbürger Hitler ein Gesuch an den bayerischen König und bat darum, in das bayerische Heer eintreten zu dürfen.[156] Dem Gesuch wurde entsprochen und Hitler trat einem bayerischen Infanterie-Regiment bei.[157] In diesem Regiment erlebte er als “namenloser“ Soldat des Ersten Weltkrie-ges die Jahre bis zum Waffenstillstand im November 1918. Seine Fronterlebnisse idealisierte Hitler rückblickend und machte sie zu einem festen Bestandteil der nationalsozia­listischen Folk­lore: "Ich habe damals meinen ganzen Glauben an das deutsche Volk und seine Zukunft aus meiner Kenntnis des deutschen Soldaten, des kleinen Musketiers gewonnen…, da war der ganz kleine Musketier. Dieser kleine Prolet, der früher kaum genug zu essen hatte, sich immer um sein Dasein abrackern mußte und der trotzdem vier Jahre lang wie ein Held da drau­ßen gekämpft hat. Auf den habe ich mein Vertrauen gesetzt, und an dem habe ich mich wieder aufgerich­tet."[158] Mit diesem Vorgehen verhöhnte er zusätzlich die überkommenen Eli­ten des Kaisereiches und der Weimarer Republik; im Verlauf einer anderen Rede prahlte Hitler in diesem Sinne mit seinem persönlichen Aufstieg: "Es ist zum ersten Male ein Staat in unserer deutschen Geschichte, der grundsätzlich alle gesellschaftlichen Vorurteile in der Stellenbesetz­ung beseitigt hat, nicht etwa nur im zivilen Leben. Ich bin selber das beste Dokument dessen. Ich bin nicht einmal Jurist, bedenken Sie, was das heißt! Und ich bin trotzdem Ihr Führer!"[159] Andererseits konnte Hitler jedoch die Verbitterung über die Zeit sei­ner Ju­gend und seiner Arbeitslosigkeit nicht vollkommen verbergen und bekannte noch 1936 im Rahmen ei­ner Feierstunde der Hitlerjugend: "Wenn ich…an die Zeit meiner eigenen Jugend zurückden­ke, dann kommt mir diese wahrhaft leer vor."[160] Dieses Bekenntnis wurde nur unwesentlich durch den Hinweis abgemildert, daß es für "die heutige Jugend…wunderbar [sei], …[im] Zeitalter [des Dritten Reiches] zu leben und in ihm wachsen und werden zu dür­fen."[161]

Hitler erlebte das Ende des Ersten Weltkrieges in einem Lazarett, in das er aufgrund einer Gelbkreuzvergiftung[162] eingeliefert worden war. Hier durchlebte er den normalen Heilungs-prozeß und konnte sich physisch vollkommen von den Auswirkungen der Kampfgasvergif­tung erholen. Die Opfer dieser Gasvergiftung erlebten jedoch Momente tief­ster Apathie und Depression und wurden von dem Gedanken beherrscht, endgültig erblindet zu sein.[163] Im Verlauf des Heilungsprozesses schwellten die aufgequollenen und entzündeten Augenlider jedoch wieder ab und die Sehfähigkeit kehrte zurück.[164]

Dieser schwierige aber letztendlich erfolgreich verlaufende Genesungsprozeß diente Hitler im Zusammenhang mit dem als katastrophal empfundenen Waffenstillstand[165] und dem Ende des Kaiserreiches als politisches Erweckungserlebnis.[166] In “Mein Kampf“ schrieb Hitler, daß ihm die Verkündung des Waffenstillstandes wahre Qualen verursacht hatte: "Was folgte, waren ent­setzliche Tage und noch bösere Nächte - ich wußte, daß alles verloren war. Auf die Gna­de des Feindes zu hoffen, konnten höchstens Narren fertig bringen oder - Lügner und Verbre­cher. In diesen Nächten wuchs [in] mir der Haß, der Haß gegen die Urheber dieser Tat."[167] Den Krankheitsverlauf verklärte Hitler zudem zu seinem Erkenntnisweg, den er 1931 mit den Worten be­schrieb: "Als die Roten im November 1918 Deutschland verwüsteten, da lag ich blind im Kriegslazarett. Damals bin ich sehend geworden. Ich gehe meinen Weg bis zum En-de."[168] Der vormalige “namenlose“[169] Soldat des Ersten Weltkriegs entdeckte seine politi­sche Mission und sein persönliches Charisma: "Nun erst entschloß ich mich, auch an diesem Kamp­fe teilzunehmen, um nun als politischer Soldat weiterzustreiten für das Schicksal un­seres deutschen Volkes…Der unpolitische Kämpfer des Weltkrieges wurde nun kämpfender Politiker."[170] Da sich in den liberal-bürgerlichen und linken Parteien der Weimarer Republik an prominenter Stelle Juden engagierten,[171] begründete Hitler seine Judenfeindlichkeit mit dem vermeintlich ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Zusammenbruch des Kaiserreiches, dem Entstehen der Weimarer Republik und dem Agieren der Juden in Deutschland. Bezugnehmend auf den "Radauantisemitismus"[172] des Kaiserreiches, der das Judentum als Repräsentanten des emanzipatorischen Liberalismus, so­wie als betrügerischen Nutznießer der kapitalistischen Marktmechanismen stigmatisiert hatte, verlieh Hitler seiner Judenfeindlichkeit eine scheinbar sachliche Begründung und einen mili­tanten sprachlichen Ausdruck. Das Trauma der Gasvergiftung und das Unverständnis gegenüber der politischen Entwicklung in Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hatten zusätzlich einen tiefgreifenden Einfluß auf die Begrifflichkeit des späteren Propaganda-Redners Hitler. Der biologistische Terminus “Vergiftung“ wurde während seiner gesamten politischen Laufbahn zum festen Be-standteil seines Denkens[173] und seiner Reden[174]. "Der Haß und der Schmerz, die ab 1919 aus Hitlers Reden sprachen, der schrille Tonfall und die brutale Modulation waren dem Vor-kriegsmaler und Meldegänger des Ersten Weltkriegs noch fremd gewesen."[175] Der “politische Soldat“ Hitler traf nun auf eine parla­mentarische Demokratie, die sich in ei­nem desolaten Zu-stand befand.

1.3. Zusammenfassung

Die annähernd permanente Wirtschafts- und Verfassungskrise der Weimarer Republik führte zu einer massiven Verunsicherung großer Bevölkerungsteile; dem Propaganda-Redner Hitler boten sich aufgrund dieser Situation nahezu optimale Rahmenbedingungen für seine Agitation an. Hitler nutzte die allgemeine Krisenstimmung und vermittelte dem verunsicherten Massenpublikum durch seine Botschaft des haßerfüllten Ressentiments das Gefühl der Stärke und die Hoffnung auf den persönlichen und nationalen Wiederaufstieg. Hitler gab sich in die-sem Zusammenhang als Charismatiker zu erkennen, der keine Ideologie verbreitete, sondern der den "expressiven Mythos"[176] der vermeintlich sozial befriedeten “Volksgemeinschaft“ 'predigte'.

Die Terminologie des Propaganda-Redners Hitler ging allerdings z.T. auf die Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zurück. Im Wien der Jahre vor 1913 kam Hitler mit einer Vielzahl von antisemitischen und rassistischen Geschichtsinterpretationen in Kontakt. Neben der antisemitischen Fixierung wurde Hitler in einem großen Ausmaß von den sozialdarwi-nistischen Prinzipien dieser Schriften beinflußt. Das Selektionsprinzip der Darwinschen Ent-wicklungslehre wurde hier aus seinem naturwissenschaftlichen Bezugs­rah­men herausgelöst und in sachfremder Weise auf das individuelle und kollektive menschliche Sozialverhalten übertragen. Anfang der Zwanziger Jahre setzte Hitler die Lektüre vergleichbarer Schriften fort und konsumierte u.a. Wilhelm Bölsches Buch “Vom Bazillus zum Affenmenschen“. Bölsche beschrieb hier den vermeintlichen "Endscheidungskampf"[177] der “Bazillen“ gegen die Menschheit. Den Menschen bezeichnete Bölsche als "Zellenstaat"[178], der von dem Bazillus, dem "Staatsfeind"[179], angegriffen würde. Hitler verband diese Vorstellungen mit dem Gedankengut des Grafen Gobineau und Houston Stewart Chamberlains, die die Geschichte der Menschheit insgesamt zum globalen Rassenkampf erklärten. Die 'Arier', denen die 'Germanen' am nächsten stehen würden, waren aufgrund dieses Erklärungsmusters, die Kulturträger schlechthin, die einen permanenten Verteidigungskampf gegen alle 'Nicht-Arier' vermeintlich führen müßten. In Übereinstimmung mit Richard Wagner, bezeich­nete Hitler dann die Juden als feindlich gesonnene 'Nicht-Arier'. Der spätere Propaganda-Redner Hitler verband diese rassistischen Geschichtsinterpretationen mit den beschriebenen sozialdarwinistischen Terminologien zu diversen biologistischen bzw. militaristischen Endkampf-Szenarien. Zusätz­lich wirkte sich die Parallelität zwischen dem Lazarettaufenthalt des, unter einer Kampfgasvergiftung leidenden, Meldegängers Hitler und dem kriegsbeding­ten Ende des Deutschen Kaiserreiches auf den weiteren Lebensweg Hitlers und auf seine Terminologie aus.

Hitler verklärte seinen Genesungsprozeß, vor dem Hintergrund des von ihm für katastrophal gehaltenen Waffenstillstandes, zum Erkenntnisprozeß und beschloß daraufhin, politisch tätig zu werden, um die “November-Verbrecher“ und das von ihnen errichtete demokratische Sy­stem der Weimarer Republik zu bekämpfen. Den Terminus “Vergiften“ übertrug Hitler fortan in bio­logistischer, d.h. in sachfremder und in diffamierender Weise auf politische Zusammen-hänge.

2. Die Propaganda-Rede Hitlers im Gegensatz zur klassischen Rhetorik

Getreu seinem Grundsatz, daß “nur die fanatisierte Masse…lenkbar“ werde, gab er ihr, was ihren Fanatismen zum Durchbruch verhalf: die primitiv verkürzten, plausiblen Schuldformeln, die aufpeitschenden Parolen der Empörung, die vagen Rezepturen von Macht, Vaterland, Ehre, Größe und Rache, unbekümmert darum, daß der Aufruhr der Affekte das Chaos nur förderte, das er so anklagend und zornig beschwor.

Joachim C. Fest[180]

2.1. Entstehung und Entwicklung des Begriffes Propaganda

Die Entstehung des Begriffes Propaganda geht auf das Jahr 1627 zurück, in dem Papst Urban VIII. das “Collegium de propaganda fide“/“Studiengesellschaft betreffs des auszubreitenden Glaubens“ gründete.[181] Unter dieser Bezeichnung firmierten Einrichtungen, die, im Zeitalter der Gegenreformation, Missionare ausbildeten, Druckerzeugnisse in mehreren Sprachen her-ausgaben und Bibliotheken unterhielten.[182] Dieser Apparat hatte die gemeinsame Zielrichtung, zur Verbreitung des katholischen Glaubens beizutragen.

Das Verb propagare/ausbreiten wurde im Laufe der Anwendungsgeschichte aus der vollstän­digen Amtsbezeichnung “Collegium de propaganda fide“ herausgelöst und fort an fast aus­schließlich in der Substantivform Propaganda gebraucht.[183]

Der Gegenstand der Propaganda trat zunehmend in den Hintergund, die Verbreitung wurde zum zentralen Punkt der Aktivitäten, die konkreten Inhalte waren austauschbar bzw. zweit-ran­gig. In diesem Zusammenhang kann es auch nicht überraschen, daß in der Amtsbezeich-nung des Goebbels-Ministeriums “Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ jeder Hinweis fehlte, über welche Sachverhalte das Volk aufgeklärt werden sollte bzw. wel-che Inhalte ver­breitet werden sollten.[184] "Der Zweck [und] Sinn [blieb] im Leeren, während die “Propaganda“ als solche, als absolute und universale Tätigkeit auf vollen Touren lief."[185] Bracher erklärt die "manipulierbare Verschwommenheit der Leitbilder wie der Terminologi-e[n] [des Nationalsozialismus]"[186] ebenfalls damit, daß dem "Zustand [der Propaganda] selbst, [wenn er] zur Existenzform geworden [ist],…nur noch der letzte Zweck [bleibt] ,… [der] omnipo­tente[n] Macht ohne konstruktiven Inhalt, de[n] schrankenlose[n] Raum zur Ent-faltung der Willkür des Machtträgers [zu bieten]."[187]

Dem Nationalsozialismus gebührt also keineswegs das 'Verdienst' den Begriff Propaganda geprägt bzw. ihn im außerkirchlichen Bereich zum ersten Mal angewandt zu haben.[188]

Der Nationalsozialismus hat den Begriff Propaganda jedoch für sich vereinnahmt und zu einem Schlüsselbegriff der NS-Zeit gemacht.

[...]


[1] Vgl. Fest, Adolf Hitler, S.460.

[2] Eppler, S.64.

[3] Ebenda, S.68.

[4] Vgl. Ebenda, S.7.

[5] Vgl. Dolf Sternberger: Sprache und Politik. Schriften IX. Frankfurt 1991, S.52 ff., zitiert nach Ebenda.

[6] Hitler-Rede vom 13.07.1934, zitiert nach Domarus, Bd.1, S.413.

[7] Hitler-Rede vom 30.01.1939, zitiert nach Ebenda, Bd.2, S.1056.

[8] Ebenda, Bd.1, S.231.

[9] Heinrich Heine: Almansor. Eine Tragödie, in: Heine, S.284/285.

[10] Kraus, S.306: "Vom Titel des Buches an, der den Teufelsspuk des Dritten Reichs mit jenem des “Faust“

verknüpft,…"

[11] Ebenda, S.9.

[12] Ebenda: "…einer Diktatur, die heute alles beherrscht außer der Sprache."

[13] Ebenda, S.11.

[14] Ebenda.

[15] Ebenda, S.93.

[16] Ebenda, S.170, vgl. Wahrig, S.1079: "Rotwelsch: …Gaunersprache,…[<rotw. rot “Bettler; falsch, untreu“ + welsch in der Bedeutung “unverständliche Sprache“]."

[17] Ebenda, S.170.

[18] Grieswelle, S.156.

[19] Olden: Hitler, zitiert nach Fest, Das Gesicht des Dritten Reichs, S.51.

[20] Olden, S.141.

[21] Ebenda, S.88.

[22] Jens, S.14.

[23] Ebenda, S.13.

[24] Vgl. Grieswelle, S.5: "Es bleibt bei diesen Prämissen meist das große Geheimnis, wie ein solch schlechter Rhetor, den ja eigentlich jeder durchschauen müßte, die Massen aus allen Schichten des Volkes bezauberte. Der kommunikative Prozeß wird dann oft mystifiziert, dämonisiert, und somit der historischen Fragestellung entzogen."

[25] Ebenda.

[26] Vgl. Olden, S.93: "Das Geheimnis um Hitler ist für Den gelöst, der sich bewußt ist, daß dieser Mensch nur im Äußerlichen lebt, in Aufmärschen und Paraden, in Fahnenund Standarten, in der Bewunderung der Welt, in der begeisterten Liebe seiner Freunde, im Getöse der Saalschlacht, im Entzückungsschrei der Frauen, und vor Allem in der unendlich strömenden Rede." Vgl. Fest, Das Gesicht des Dritten Reiches, S.60: "Man hat ausgerechnet, daß Hitler im Laufe seines Lebens vor annähernd 35 Millionen Menschen gesprochen hat…"

[27] Grieswelle, S.4.

[28] Ebenda.

[29] Vgl.Gaede, S.217: Gaede erläutert hier die Wirksamkeit der kreativen “Norm-Abweichung“ im Bereich der Produktwerbung: "Eine (verbale) Aussage/Bedeutung wird durch Zeichen visualisiert, die eine normalerweise nicht erwartete Bedeutung realisieren bzw. die ein vorgegebenes visuelles Zeichen (Orginalität/Realität) überraschend verändern."

[30] Carr, S.12.

[31] Klemperer, S.57/58.

[32] Vgl. Hirschman, S.22. Unter “Reaktion“ wird hier im Sinne des Dritten Bewegungsgesetzes von Newton, die Koppelung von Aktion und Reaktion verstanden.

[33] Vgl.2.2. Die klassische Rhetorik.

[34] Grieswelle, S.43,vgl.Ebenda, S.36: "Man gestaltete die Szenerie, um die eigentliche Aufführung vorzubereiten durch ein Repertoire, das den Widerstand des differenzierenden, analytischen Intellekts schwächte und suggestiv die Zustimmung zu einem gedanklichen Bedeutungsgehalt oder einer ihn repräsentierenden Vorstellung aus nicht logischen Gründen förderte."

[35] Ebenda, S.31.

[36] Bramsted, S.299.

[37] Ebenda, S.301. Beginnend mit der Machtergreifung am 30. Januar 1933 stand der gesamte Staatsapparat, als Plattform für diese “verbal-emotionale Aufhetzung der Massen“ (Grieswelle, S.31) zur Verfügung; die Parteipropaganda wurde nun zur Staatspropaganda.

[38] Vgl. Ebenda, S.7.

[39] Vgl. Hitler-Rede vom 10.11.1938, zitiert nach Domarus, Bd.1, S.974: "Der Zwang war die Ursache, warum ich jahrelang nur vom Frieden redete."

[40] Grieswelle, S.178.

[41] Vgl. Ebenda, S.6/7.

[42] Jens, S.14

[43] Ebenda.

[44] Vgl. Hitler, S.203

[45] Ebenda, S.522.

[46] Vgl. Maletzke, S.45. Maletzke geht davon aus, daß das Selbstbild des Kommunikators direkte Rückschlüsse auf sein allgemeines Welbild zuläßt. Bezogen auf Hitler kann man dem zufolge davon ausgehen, daß das Prinzip der Destruktion bzw. Negation, über den Bereich der Kommunikation hinausgehend, einen Vorrang vor den 'konstruktiven' Elementen seines Handelns hatte.

[47] Schnauber, S.8.

[48] Vgl. Ebenda.

[49] Klemperer, S.28.

[50] Schnauber, S.27.

[51] Vgl. Hitler-Rede vom 10.11.1938, zitiert nach Domarus, Bd.1, S.974/975: "…die intellektuellen Schichten…ja, ich weiß nicht, ausrotten oder so was…"

[52] Vgl. Bramsted, S.49/50. Goebbels promovierte 1921 in Heidelberg zum Doktor der Philosophie; der Titel seiner Dissertation lautete “Wilhelm von Schütz als Dramatiker - Ein Beitrag zur Geschichte des Dramas der Romantischen Schule“.

[53] Vgl. Fest, Das Gesicht des Dritten Reiches, S.123/124: "Als körperlich Mißgebildeter und als Intellektueller wirkte er eher als Zumutung für eine Partei, die nicht die geistige Fähigkeiten, sondern Muskelkraft und Rassegut, blonde Haare und lange Beine als Legitimation echter Zugehörigkeit betrachtete. Die Bezeichnung 'unser kleiner Doktor', die sich alsbald für ihn einbürgerte, bringt etwas von der herablassenden Anerkennung zum Ausdruck, die ihm von seiten der wohlgebauten Geistesschwachheit seiner früheren Mitkämpfer allezeit entgegengebracht wurde. Trotz der Bewunderung für seine demagogische Brillanz blieb er ihnen stets verdächtig."

[54] Schnauber, S.27.

[55] Vgl. Kraus, S.9: "Mir fällt zu Hitler nichts ein."

[56] Hitler, S.246.

[57] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.21.

[58] Vgl. Große Ploetz, der, S.438. Die Weimarer Koalition bestand aus den Parteien SPD, Zentrum u. Deutsche Demokratische Partei.

[59] Vgl. Ebenda.

[60] Vgl. Ebenda, S.439.

[61] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.96.

[62] Ebenda, S.96.

[63] Grieswelle, S.28.

[64] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.97.

[65] Ebenda, S.109.

[66] Vgl. Ebenda, S.121 u. Hitler, S.653. Aufgrund dieser Haltung hatte die NS-Propaganda vor und in abgeschwächter Form auch nach 1933 nicht die Aufgabe die Zahl der Parteimitglieder zu erhöhen, sondern den Kreis der Anhänger auszuweiten. Der Elitecharakter der NSDAP sollte erhalten bleiben und die Zahl der Parteimitglieder mußte daher begrenzt werden. Zu diesem Zweck wurde zeitweise eine Aufnahmesperre für die NSDAP erlassen.

[67] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.108.

[68] Vgl. Kolb, S.128.

[69] Vgl. Ebenda.

[70] Grieswelle, S.8.

[71] Ebenda, S.9.

[72] Vgl. Grieswelle, S.21: "…auch die Schlagworte, mit denen in der Endphase der Weimarer Republik die Agitation bestritten wurde, waren im wesentlichen dieselben wie die, mit denen die NSDAP in ihrer Frühzeit operiert hatte," vgl. Kolb, S.107.

[73] Kolb, S.110.

[74] Ebenda, S.111.

[75] Vgl.Adorno u.a., S.360/361.

[76] Vgl. Sternberger u.a., S.155: "Für die “demokratische Meinungsfreiheit“ kann man nicht “Propaganda machen“."

[77] Vgl.Rauschning, S.59, S.78/79, S.81-83.

[78] Vgl. Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.119 u. S.124: "Alleiniger Diktator, “charismatischer Führer“…, Spitze im hierarchischen Aufbau und Richtpunkt für alles Handeln und Denken." "[Den] Hitlerschen…Ideen…war die ganze Skala politischer Philosophismen nur brauchbares Material und Vehikel zur Einflußentfaltung…[Sein Vortrag] wurde durch den rein instrumentalen Einsatz zusammengestückter, in lärmenden emotionalen Appellen vorgetragener Ideenfetzen, [bestimmt]."

[79] Grieswelle, S.59.

[80] Vgl. Kershaw, Ideologe und Propagandist, S.263-271.

[81] Ebenda, S.269.

[82] Vgl. Haffner, S.120.

[83] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.115.

[84] Ebenda, S.112.

[85] Ebenda, S.116.

[86] Antikapitalismus, in: Nationalsozialistische Monatshefte 3/28 (Juli 1932), zitiert nach Ebenda, Zeit der Ideologien, S.156.

[87] Ebenda, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.112/113.

[88] Vgl. Haffner, S.82.

[89] Jäckel, Hitlers Weltanschauung.

[90] Vgl. Haffner, S.80.

[91] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.108.

[92] Ebenda, S.117.

[93] Vgl. Burke, S.26. Burke sieht in der Entscheidung, das Parteiprogramm der NSDAP, unbeschadet der sich Weiterentwickelnden politischen Realität, für abgeschlossen zu erklären, ein bewußtes Kalkül Hitlers: "[Hitler hatte] erkannt, daß die Massen Gewißheit wollen …und so arbeitete er ein 25-Punkte-Programm der NSDAP aus. Er lehnte es kategorisch ab, auch nur eine Einzelheit in diesem Programm abzuändern… Er war überzeugt, daß die Unveränderlichkeit des Programms für den propagandistischen Zweck wichtiger war als jede Revision seiner Schlagworte, obwohl vieles für solche Revisionen sprach."

[94] Bracher, Zeit der Ideologien, S.52.

[95] Ebenda, vgl.1.2. Biographische Eckdaten Hitlers und ihr Einfluß auf seine Terminologie.

[96] Vgl. Ebenda, S.57.

[97] Vgl. Ebenda, S.54/56.

[98] Domarus, Bd.1, S.978.

[99] Vgl. Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.124.

[100] Vgl. Fest, Adolf Hitler, S.29.

[101] Ebenda, S.49.

[102] Vgl.Ebenda, S.49.

[103] Vgl. Maser, Adolf Hitler, S.184/185/187. Masers Beurteilung des Hitlerschen Wissensstandes ist widersprüchlich. Zum einen kommt er zu dem Urteil, das Hitlers Kenntnisstand verblüffend war (S.185) und belegt diese Feststellung mit Aussagen von Personen aus Hitlers Umgebung, die allerdings nur anektotischen Wert haben. So zitiert er einen Arzt mit den Worten "Hitlers medizinische Allgemeinbildung…war bemerkenswert. Er kannte den Zusammenhang zwischen Blutgerinnung und Thrombocyten" (S.184). Andererseits räumt Maser ein, daß es möglich wäre, daß z.B. die Nen­nung von Nietzsche durch Hitler allein auf der Kenntnis einiger Textfragmen­te bzw. auf der alleinigen Kenntnis der Buchtitel “Der Wille zur Macht“ und “Jenseits von Gut und Böse“ beruhte (S.187). Im Rahmen der Diplomarbeit wird Hitler als dilettierender Autodidakt eingeordnet, der in zwanghafter Weise seine scheinbare Sachkenntnis durch eine Flut von Detailangaben beweisen wollte. Diese Beurteilung wird im weiteren Verlauf des Textes noch ausgeführt und begründet.

[104] Vgl. Hitler-Rede vom 30.05.1942, zitiert nach Domarus, Bd.2, S.1886: "Ein vielleicht tiefernstester Satz eines großen Militärphilosophen [Clausewitz] besagt, daß der Kampf und damit der Krieg der Vater aller Dinge sei."

[105] Hitler-Rede vom 10.11.1938, zitiert nach Ebenda, Bd.1, S.976.

[106] Ebenda, Bd.2, S.1826.

[107] Ebenda, Bd.2, S.1831.

[108] Hitler-Rede vom 10.11.1938, zitiert nach Ebenda, Bd.1, S.974/975.

[109] Vgl. Bullock, Hitler und Stalin, S.36.

[110] Vgl. Maser, Adolf Hitler, S.180/181. Maser nennt u.a. folgende Autoren: Sophokles, Homer, Aristophanes, Horaz, Ovid, Savonarola, Luther, Shakespeare, Goethe, Schiller, Herder, Wieland, Nietzsche, Clausewitz, Treitschke, Ranke, Bismarck, Malthus, Darwin, Haeckel, Marx, Ford, Kantorowicz.

[111] Ebenda, S.181.

[112] Vgl. Hitler, S.743.

[113] Vgl. Maser, Hitlers Briefe und Notizen, S.273.

[114] Vgl. Ebenda, Adolf Hitler, S.249/250.

[115] “Ostara“, Heft 29, 1908, Rückseite des vorderen Umschlagblattes, zitiert nach Ebenda, Adolf Hitler, S.249.

[116] Vgl. Ebenda.

[117] Vgl. Ebenda.

[118] Vgl. Ebenda, S.250.

[119] Vgl. Ebenda.

[120] Vgl. Ebenda, S.252: "1921 hat Hitler die zweite Auflage des 1899 erstmals erschienenen Bölsche-Buches “Vom Bazillus zum Affenmenschen“ kennengelernt."

[121] Vgl. Ebenda.

[122] Vgl. Zmarzlik, S.247. Das Hauptwerk von Charles Darwin “On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ erschien 1859.

[123] Vgl. Ebenda, S.249.

[124] Ebenda, S.247.

[125] Vgl. Ebenda, S.250.

[126] Ebenda, S.250/251.

[127] Vgl. Ebenda, S.252.

[128] Vgl. Ebenda, S.254.

[129] Vgl. Ebenda.

[130] Bölsche, S.5.

[131] Vgl. Ebenda.

[132] Ebenda, S.4.

[133] Ebenda.

[134] Ebenda.

[135] Ebenda, S.5.

[136] Ebenda, S.8

[137] Vgl.3.6. Der Superlativ im Rahmen der Propaganda-Rede Hitlers.

[138] Bölsche, S.32.

[139] Vgl.3.2. Der hilflose Feind.

[140] Bölsche, S.28.

[141] Hitler, S.334.

[142] Vgl. Maser, Adolf Hitler, S.187.

[143] Berning, S.21/22.

[144] Ebenda.

[145] Bracher, Zeit der Ideologien, S.56.

[146] Vgl. Ebenda, S.55/56.

[147] Vgl. Ebenda, S.57.

[148] Vgl. Maser, Adolf Hitler, S.199.

[149] Vgl. Bracher, Zeit der Ideologien, S.55.

[150] Ebenda, S.55.

[151] Vgl. Ebenda, S.51.

[152] Vgl. Hitler, S.179.

[153] Vgl. Maser, Adolf Hitler, S.125.

[154] Vgl. Hitler, S.173.

[155] Vgl.Overesch, S.543. Hitler erhielt erst Anfang 1932, durch die Ernennung zum Regierungsrat beim Landeskultur- und Vermessungsamt der Braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin und der damit verbundenen Verbeamtung, die deutsche Staatsbürgerschaft. Diese Einbürgerung ermöglichte Hitlers Kandidatur für die Reichspräsidentenwahl am 13.03.1932. Ein erster Einbürgerungsversuch war 1930 gescheitert, da sich die Ernennung Hitlers zum Gendarmeriekommissar von Hildburghausen als rechtsunwirksam erwiesen hatte.

[156] Vgl. Maser, Adolf Hitler, S.127.

[157] Ebenda.

[158] Hitler-Rede vom 10.12.1940, zitiert nach Domarus, Bd.2, S.1628/1629, vgl. S.1627. Zu Beginn dieser Rede sprach Hitler davon, daß er "zeitlebens der Habenichts gewesen [ist]. Zu Hause war ich der Habenichts, ich rechne mich selbst zu den Habenichtsen und habe immer für sie gekämpft. Für sie bin ich eingetreten, und ich trete daher auch der Welt gegenüber als ein Vertreter der Habenichtse auf!"

[159] Hitler-Rede vom 10.10.1940, zitiert nach Ebenda, Bd.2, S.1628.

[160] Hitler-Rede vom 11.09.1936, zitiert nach Ebenda, Bd.1, S.641.

[161] Ebenda.

[162] Vgl. Binion, S.19: "Hitler war von Flandern nach Pasewalk, nördlich von Berlin, verlegt worden, nachdem er am 15.Oktober 1918 um 4.35 Uhr von Gelbkreuzgas getroffen worden war, das die Briten abgefeuert hatten."

[163] Vgl. Ebenda, S.21.

[164] Vgl. Ebenda.

[165] Vgl. Hitler-Rede vom 18.08.1934, zitiert nach dem VB vom 19./20.08.1934: "…wie ich gleich meinen Mitkämpfern zutiefst überzeugt war, einem schuldlos angegriffenen Volke zu dienen. Ich habe daher im Kriege auch keine politische Propaganda getrieben und war deshalb ebenso unschuldig am Kriegsende wie am Kriegsbeginn."

[166] Vgl. Binion, S.20 u. S.30.

[167] Hitler, S.225.

[168] Calic, S.46, Eintragung vom 04.05.1931.

[169] Vgl. Hitler-Rede vom 18.08.1934, zitiert nach dem VB vom 19./20.8.1934: "Einer unter den vielen Millionen anderen [Soldaten], den das Schicksal bestimmt hatte, namenlos und unbekannt im gleichen Tritt der anderen Namenlosen zu marschieren!"

[170] Ebenda.

[171] Vgl. Grieswelle, S.93.

[172] Ebenda.

[173] Vgl. Hitler, S.772: "Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie Hunderttausende unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schich­ten und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das Millio­nenopfer der Front nicht vergeblich gewesen."

[174] Vgl. Hitler-Rede vom 01.09.1928, zitiert nach dem VB vom 02./03.09.1928: Hitler sprach hier von der "jüdische[n] Blut- und Rassenvergiftung." Vgl. Hitler-Rede vom 23.03.1933, zitiert nach Domarus, Bd.1, S.232: "Gleichlaufend mit dieser politischen Entgiftung unseres öffentlichen Lebens wird die Reichsregierung eine durchgreifende moralische Säuberung des Volkskörpers vornehmen."

[175] Binion, S.17.

[176] Grieswelle, S.59.

[177] Bölsche, S.4.

[178] Ebenda, S.5.

[179] Ebenda, S.8.

[180] Fest, Das Gesicht des Dritten Reiches, S.50.

[181] Vgl. Sternberger u.a., S.147.

[182] Vgl. Handbuch der Publizistik, S.62.

[183] Vgl. Sternberger u.a., S.148.

[184] Vgl. Ebenda, S.155.

[185] Ebenda, S.155.

[186] Bracher, Die Auflösung der Weimarer Republik, S.125.

[187] Ebenda, S.124.

[188] Vgl. Sternberger u.a., S.153/154: "…, daß die Übertragung aus dem kirchlichen in den weltlichen Sprachgebrauch zum ersten Mal schon um 1790 vollzogen wurde; damals…sprach man schaudernd von einem geheimen “club de propagande“, der von einigen mit dem der Jakobiner gleichgesetzt, von anderen aber als eine internationale, ja weltweite verschwörische Gesellschaft aufgefaßt wurde."

Details

Seiten
134
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1992
ISBN (eBook)
9783832424039
Dateigröße
819 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v218215
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin – 5
Note
2,0
Schlagworte
nationalsozialismus wahlkampf rhetorik hitler messianismus

Autor

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Titel: Aggressive Diffamierung und Negation